Das gute Recht des Architekten

Foto: Fotolia Was ein Architekt leisten muss, regelt der Architektenvertrag. Dafür gilt ab 2018 das BGB in neuer Fassung. Text: Volker Schnepel Der Architektenvertrag ist einer der schwierigsten aller Verträge“, stellt Mathias Schmid in seinem Werk „Das neue gesetzliche Bauvertragsrecht“ fest, in dem er sich auch mit dem neuen Architekten- und Ingenieurvertragsrecht befasst. Aber was bedeutet das eigentlich, „neues Architektenrecht“? Arndt Kresin hat die wesentlichen Kernpunkte in den Ausgaben 06 bis 08.2017 des DAB bereits vorgestellt, darunter die im neuen § 650p Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) jetzt ausdrücklich geregelten vertragstypischen Pflichten. Aber die Einordnung in das Gesamtsystem rechtlicher Vorgaben fällt nach wie vor schwer. Doch halten wir zunächst noch einmal fest: Das neue Recht, das mit dem Jahreswechsel in Kraft treten wird, ist eine Jahrhundertreform. In das altehrwürdige BGB aus dem Jahr 1900 wurde ein eigener Untertitel für das Recht der Architekten- und Ingenieurverträge aufgenommen. Vergleichbares ist nicht einmal den Anwälten gelungen. Trotz dieser Neuerung bleibt das Grundgerüst der vertraglichen Beziehungen zwischen Architekt und Auftraggeber unverändert. Die rechtliche Grundlage des Architektenvertrags ist das BGB und nicht die HOAI. Die HOAI ist reines Preisrecht und definiert nicht die Leistungspflichten des Architekten. Diese definieren die Parteien selbst im Vertrag. BGB-Vertrag, HOAI-Vertrag oder was? Allerdings hat sich bei vielen Architekten die Sichtweise herausgebildet, die HOAI sage ihnen, was zu tun ist. Ein wesentlicher Grund dafür dürfte darin liegen, dass die HOAI nicht nur Honorare beziffert, sondern in ihren sehr ausdifferenzierten Leistungsphasen und -bildern mit Grundleistungen und Besonderen Leistungen sehr vieles von dem abbildet, was gemeinhin von einem Architekten erwartet wird. Was liegt da näher, als diese Leistungen gleichsam als Inbegriff des Architektenvertrages selbst zu verstehen und mehr und mehr mit diesem gleichzusetzen? Nicht von ungefähr wird in vielen Architektenverträgen schlicht auf den Inhalt der HOAI verwiesen. Und selbst bei Leistungen, die von der HOAI gar nicht erfasst werden, wird begrifflich auf diese Bezug genommen. Jüngstes Beispiel ist die viel zitierte „Leistungsphase 0“ im Zusammenhang mit projektvorbereitenden Maßnahmen. Gibt es also neben dem BGB-Vertrag auch noch den HOAI-Vertrag? Bei aller Wertschätzung für die HOAI und ihrer Bedeutung in der täglichen Praxis: Dies wäre zu viel der Ehre! Ebenso wie für alle sonstigen Bereiche des sogenannten Bürgerlichen Rechts, also der Beziehung zwischen Privaten, gilt auch für das Verhältnis zwischen dem Architekten und seinem Bauherrn der Grundsatz der Vertragsfreiheit. Im Prinzip können beide Seiten also untereinander regeln, was sie wollen. Das gilt sowohl für die zu erbringende Leistung als auch für die erwartete Gegenleistung, das Honorar. Mit dem BGB hat der Gesetzgeber allerdings versucht, bestimmte typische Rechtsverhältnisse zu erfassen, zu definieren und diverse Rechtsfolgen festzulegen, die von den Parteien andernfalls nicht oder womöglich zum Nachteil der schwächeren Partei geregelt würden. Beispielhaft genannt seien die Fälle, in denen die Leistung gar nicht oder schlecht erbracht wurde. Was kann die andere Seite dann verlangen und bis wann? Diese Fragen regeln zum Beispiel das sogenannte Mängelgewährleistungsrecht und das Recht der Verjährung. So gesehen ist das BGB nichts anderes als ein Buch gewordener Interessenausgleich, eine Art kodifizierte Mediation. Vertragliche Vereinbarung als Grundlage Dies ändert allerdings nichts daran, dass die Beziehungen zwischen Architekt und Bauherr zunächst ausschließlich durch vertragliche Vereinbarung begründet und ausgestaltet werden. Hierzu bedarf es auch keiner besonderen Formalitäten, nicht mal der Schriftform. Insofern gilt nichts anderes als beim Einkauf im Supermarkt. Eine mündliche Absprache, gegebenenfalls sogar ein bestimmtes nonverbales Verhalten, kann dazu führen, dass ein sogenannter objektiver Dritter von einem Vertragsschluss oder bestimmten Vertragsinhalten ausgehen würde und ein Vertrag geschlossen wurde. Dass dies immer dann nachteilhaft sein kann, wenn es zu Auseinandersetzungen kommt, liegt auf der Hand. Nicht ohne Grund empfehlen die Architektenkammern daher den Abschluss von schriftlichen Verträgen mit möglichst genau definierten Inhalten und bieten hierfür sogenannte Orientierungshilfen an. Das BGB fungiert in diesem Rahmen in erster Linie als „Ausfüllhilfe“ beziehungsweise Auffangbecken für wesentliche Kernpunkte, die nicht vertraglich geregelt wurden. Allerdings geht es in Teilen darüber hinaus, indem es Bereiche festschreibt, von denen auch vertraglich nicht abgewichen werden darf. Hinzu kommt, dass ein Gesetzgeber unmöglich alle „Lebenssachverhalte“ vorhersehen und bis ins letzte Detail regeln kann, sodass auftretende Zweifel durch die Rechtsprechung geklärt werden müssen. Auch dies erfolgt im Idealfall unter dem Blickwinkel des Interessenausgleichs zwischen den Beteiligten und kann wechselnden Auffassungen unterliegen. Bestes Beispiel hierfür ist der Architektenvertrag, den die Rechtsprechung ursprünglich als sogenannten Dienstvertrag eingeordnet hatte. Erst Ende der 1950er-Jahre wurde er als Werkvertrag qualifiziert. Warum? Um es dem Bauherrn zu erleichtern, bei Mängeln des Bauwerks „zu seinem Recht“ zu kommen. Erst die Einordnung des Architektenvertrags als Werkvertrag ermöglicht es dem Bauherrn, in gleicher Weise sowohl das Bauunternehmen als auch den Architekten in Anspruch zu nehmen und nicht erst klären lassen zu müssen, wem der Mangel eigentlich zuzurechnen ist. Um dieses Ziel zu erreichen, mussten die Gerichte allerdings auch einen wesentlichen Vertragsinhalt des Architektenvertrages „verordnen“: Der Architekt schuldet nicht nur die ordnungsgemäße Planung oder Überwachung als solche, also kein schlichtes Tätigwerden, wie es beim Dienstvertrag der Fall wäre, sondern im Endeffekt als „Werkerfolg“ das „Entstehenlassen eines mangelfreien Bauwerks“. Immerhin soll den dadurch ausgelösten Fehlentwicklungen zulasten des Architekten durch das neue Recht jetzt zumindest ansatzweise entgegengewirkt werden (dazu mehr in Kürze). In welchem Ausmaß dies gelingen wird, hängt allerdings zu einem großen Teil wiederum von der Rechtsprechung ab, die die in manchen Bereichen nicht eindeutigen Vorschriften anhand konkreter Einzelfälle auslegen muss. Die Architektenkammern und die BAK werden hierbei ihren Anteil leisten, um die Diskussion im Sinne des Berufsstands zu begleiten. Einschränkung der Vertragsfreiheit durch die HOAI Das vorgenannte Beispiel zeigt, dass die erwähnte grundsätzliche Vertragsfreiheit zwischen Architekt und Auftraggeber durch das BGB und die Rechtsprechung in Teilen überlagert wird. Wie passt nun die HOAI in dieses System? Im Prinzip nicht anders als zum Beispiel bei den Rechtsanwälten oder Steuerberatern deren Vergütungsregelungen. Das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) und die Steuerberatervergütungsverordnung (StBVV) haben nicht zur Folge, dass mit dem Rechtsanwalt ein RVG-Vertrag oder mit dem Steuerberater ein StBVV-Vertrag geschlossen wird. Ebenso wenig ändert zum Beispiel auch die Preisbindung im Buchhandel etwas daran, dass das Buch „gekauft“, also ein Kaufvertrag abgeschlossen wird. Bei allen diesen Regelungen geht es nur darum, dass aus übergeordneten Gründen die Vertragsfreiheit in einem Teilbereich, nämlich dem der Vergütung, eingeschränkt wird. Nicht anders verhält es sich mit der HOAI. Um die Qualität der Planungsleistungen zu gewährleisten, hat sich der Gesetzgeber dafür entschieden, einen Gebührenrahmen festzulegen; dies aber auch nur dann, soweit bestimmte Leistungen Gegenstand eines Architektenvertrages werden. Der Wettbewerb soll nicht über den Preis, sondern über die Qualität geregelt werden; nicht der Günstigste, sondern der Beste soll sich durchsetzen. Festzulegen, welche Leistungen zu erbringen sind, obliegt in erster Linie weiterhin den Vertragsparteien, was durch das neue Unterkapitel zum Architekten- und Ingenieurvertragsrecht im BGB stärker als bislang verdeutlicht wird. Die HOAI stellt somit nichts anderes dar als „Preisrecht“ oder „Preiskontrollrecht“ und macht daher einen Architektenvertrag niemals zu einem „HOAI-Vertrag“. Einen HOAI-Vertrag gibt es per se nicht. Allerdings unterliegt jeder Architektenvertrag im Rahmen ihres Anwendungsbereichs den Vergütungsregelungen der HOAI. Die Leistungsphasen der HOAI werden nur dann zu Leistungspflichten des Architekten, wenn die Vertragsparteien dies im Rahmen ihrer Vertragsfreiheit vereinbaren. Einen Formulierungsvorschlag für einen Vertrag ohne ein „unbesehenes“ Übernehmen des HOAI-Leistungsbildes bieten die von den Architektenkammern herausgegebenen Orientierungshilfen zur Erstellung von Architektenverträgen. Dort werden schlicht Architektenleistungen beziehungsweise Leistungserfolge vereinbart. Rechtlicher Vorteil dieses Vorgehens ist, dass die einzelnen HOAI-Teilleistungen nicht als Teilerfolge unabhängig von ihrer Notwendigkeit erbracht werden müssen. Die Parteien bestimmen also durch Vertrag, was der Architekt zu tun hat. Und auf diesen Vertrag finden die jeweils geltenden Regelungen des BGB und für den Teil der Vergütung die HOAI-Regelungen Anwendung. Hieran wird sich auch durch das neue Architektenvertragsrecht nichts ändern. Wenn Sie Ihr nächstes Buch kaufen, denken Sie also daran: Der Preis ist zwar nicht verhandelbar. Ob Sie einen Liebesroman, ein Sachbuch oder einen Krimi bevorzugen, bleibt aber allein Ihnen überlassen! Dr. Volker Schnepel ist Leiter der Rechtsabteilung der Bundesarchitektenkammer. Achtung, Verjährung droht! Haben Sie noch ausstehende Forderungen, die mit dem Jahreswechsel zu verjähren drohen? Dann sollten Sie Ihre Ansprüche sichern. Wenn zum Beispiel eine Schlussrechnung aus dem Jahr 2014 bis heute nicht beglichen wurde, kann es sein, dass sich der Bauherr mit Ablauf des Jahres 2017 erfolgreich auf Verjährung beruft. Sie gehen dann leer aus. Weitere Informationen dazu finden Sie hier KOMMENTAR ZUM NEUEN ARCHITEKTENVERTRAGSRECHT Am 1. Januar 2018 treten die neuen Regelungen im BGB zum Bauvertragsrecht und zum Architektenvertrag in Kraft. Ab dann müssen die neu eingeführten Begrifflichkeiten wie „Planungsgrundlage“ und „Kosteneinschätzung“ angewendet und in den Planungsalltag integriert werden. Wie das am besten gelingt, haben Juristen der Architektenkammern anschaulich und praxisorientiert aufbereitet. Dr. Martin Kraushaar, Eric Zimmermann (Hg.) Mit Texten von: Fabian Blomeyer, Thomas Harion, Dr. Sven Kerkhoff, Markus Prause, Dr. Volker Schnepel, Eric Zimmermann BKI, Stuttgart, 2018 ca. 150 Seiten, 49 Euro MEHR INFORMATIONEN Mehr Informationen zum Thema Recht erhalten Sie hier

Für eine neue Freiheit

„Es braucht eine neue Bereitschaft zum ästhetischen Streit.“ Erst die Schönheit unterscheidet für mich Architektur von Gebäuden, die eben nur Gebäude sind, belang- und gestaltlos und in der Regel ungeliebt. Architektur beschwingt, erheitert, erfreut die Gemüter – und das nicht zufällig, sondern weil hier etwas gelungen ist: Architekt und Bauherr haben gemeinsam eine stimmige Form gefunden, in der Gestalt und Raum, Bauwerk und Stadt, Mensch und Haus glücklich zueinanderfinden. Man will nicht nur in solchen Bauten, man will mit ihnen leben. Und nennt das Schönheit. Ich gebe zu, das hört sich sehr schwärmerisch und idealistisch an. Das liegt vor allem daran, dass es sich bei gebauter Schönheit um ein rares Gut handelt. So rar, dass die meisten Laien unter dem Begriff Architektur weniger eine Verheißung als vielmehr eine Drohung verstehen. Die moderne Architektur hat nicht nur keinen guten Ruf. Sie hat in weiten Teilen der Bevölkerung einen schlechten Ruf. Und ich spreche nicht nur von Otto Normalverbraucher, sondern auch von der gebildeten Mittelschicht, die sich sehr wohl für ästhetische Gestaltung interessiert, oft ins Museum geht, selbst kreativ ist und sich in fremden Städten mit der gebauten Kultur befasst. Gerade sie schmerzt die Lieblosigkeit, die Unachtsamkeit, die Grobschlächtigkeit, die Banalität, mit anderen Worten: das Unschöne, das einem vielerorts ins Auge springt. Was also tun? Immer noch gilt unter Architekten, dass Innovation besser sei als Tradition, Glas irgendwie zeitgemäßer als Stein, ein Flachdach progressiver als ein Satteldach, eine Panoramascheibe zukunftsweisender als ein Sprossenfenster. Und wenn das Laien anders sehen und empfinden, gelten sie als Spießer. Natürlich kann die Architektenschaft weitermachen wie bisher. Sie kann sich damit begnügen, als bauende Elite den eigenen Regeln treu zu bleiben und auf kunstsinnige Bauherren zu hoffen. Doch erst in der Auseinandersetzung mit den Erwartungen eines großen Publikums erweist sich, ob die eigenen Vorstellungen noch tauglich sind. Das aber bedeutet: Es braucht eine neue Bereitschaft zum ästhetischen Streit. Allerdings wird ein solcher Streit nur produktiv, wenn man ihn als offene Auseinandersetzung führt. Und an dieser Offenheit müssen viele Architekten noch arbeiten. Die meisten verbitten sich jede Art von Dreinrede oder gar Mitsprache. Sie hören lieber auf Experten. Doch hat Architektur immer zwei Körper: den rationalen, bautechnischen und den emotionalen, der viel schwerer zu bestimmen ist, weil sich Empfindungen nicht beziffern lassen. Doch ausgerechnet für diesen emotionalen Teil sind die verpönten Laien die eigentlichen Experten. Schließlich müssen sie in der Architektur leben. Eigentlich müsste Architektur zumindest zum Teil eine Empfindungswissenschaft sein. Sie müsste erforschen, wie wir reagieren: auf Holz und Metall, auf niedrige und hohe Räume, auf Gerüche, auf Hall, auf alle Dinge, die ein schönes Gebäude ausmachen und die sich keineswegs alle planen lassen. Doch werden Architekten nicht dafür bezahlt, sich nach zehn Jahren ein Haus noch einmal vorzunehmen, um zu studieren, wie wohl sich die Menschen darin fühlen. Auch baupsychologische Erkenntnisse sind rar. Und so halten sich die meisten an den rationalen Aspekten des Bauens fest. Den irrationalen Rest – die Frage nach beglückender Schönheit – überlassen sie ihrem Architektengeschmack. Zu einer gebauten Sehnsucht kann die Architektur nur werden, wenn sie für sich eine neue Freiheit gewinnt. Bislang beraubt sie sich dieser Freiheit, weil sie sich zu oft auf das Messbare, das Einplanbare beschränkt. Dafür gibt es Gründe, das ist mir bewusst. Das Bauen ist immer komplizierter geworden. Viele Häuser sind hochkomplexe Maschinen, ja eigentlich Computer mit angeschlossener Büro- oder Wohnfunktion. Und so sind zentrale Begriffe der Baukunst verloren gegangen, allen voran die Schönheit. Gut ist Architektur aber nicht, weil sie die Vorschriften erfüllt. Gut ist sie erst, wenn sie sich einlässt auf die heikle Kunst der Balance aus Konvention und Eigensinn. Sie muss sich anlehnen: an das, was war, und an den Geschmack der Allgemeinheit. Und muss doch, um nicht epigonal und steril zu sein, einen eigenen Ausdruck finden, sich anpassen, ohne sich unterzuordnen. Hier ist Architektur kein Selbstzweck, kein selbstverliebtes Formengeplänkel. Sie dient, doch sie verrät nicht ihren Stolz. Stattdessen verharren viele Architekten und Planer im angestammten Streit der Stile und versuchen, ihre erodierende Macht zu sichern. Fast so, als hielten sie die Architektur in einer immer digitaleren Welt für eine ohnehin vergebliche Anstrengung. Doch das ist falsch. Wenn wir in der Architektur mehr sehen als nur einen technisch-rationalen Vorgang, gibt es für sie einen Bedarf, den man gar nicht hoch genug einschätzen kann. Gerade die Virtualisierung weckt das Bedürfnis nach realen Raum- und Materialerfahrungen, und die Architektur gewinnt an Bedeutung. Die Sehnsucht nach dem Schönen ist allgegenwärtig. Nur bauen muss man sie noch. Hanno Rauterberg, Architekturkritiker der Wochenzeitung DIE ZEIT, Hamburg Mehr Informationen und Artikel zum Thema „Schön“ finden Sie in unserem DABthema Schön

„Eine Frage des Willens“

Berührend: Sind die „Voids“ im Berliner Jüdischen Museum schöne Räume? Die Ansicht, dass Schönheit im Auge des Betrachters liegen soll, ist jenseits der Experten fast allgemein anerkannt. Dies führt jedoch dazu, dass der Begriff des Schönen kaum noch tauglich für einen sachlichen Diskurs ist. Die Beurteilung von Schönheit ist jedoch keine Geschmacks-, sondern eine Bildungsfrage. Darüber hinaus beschreibt Schönheit nur einen kleinen Teil der möglichen Erscheinungsbilder von Architektur. Sind die Voids in Libeskinds Jüdischem Museum „schöne“ Räume, sind die Bruder-Klaus-Kapelle von Zumthor oder Brandlhubers Antivilla schön? Gleichzeitig sind sie auch nicht hässlich, denn sie verfügen über einen hohen ästhetischen Wert. Es bedarf daher einer Professionalisierung innerhalb der Debatte: weg von nebulöser „Schönheit“, hin zu ästhetischen Qualitäten. In der Philosophie spricht man seit gut 250 Jahren kaum mehr von Schönheit, sondern von Ästhetik. Polemisch könnte man verlangen, die Architekturdebatte möge begrifflich endlich im 18. Jahrhundert ankommen. Objektive Schönheit – oder Ästhetik – ist der Ausdruck allgemeiner Wahrheiten; so sprechen Mathematiker von der Schönheit einer Gleichung, wenn in dieser komplizierte Zusammenhänge abschließend dargestellt werden. Das „schöne“ Gebäude ist der materielle Ausdruck von intellektuellen Prozessen im Bezug auf den natürlichen, gebauten, historischen und gesellschaftlichen Kontext – oder auch, so nötig, seiner Negation. Dieser materielle Ausdruck darf sich aber nicht in einem Stilkanon verlaufen. Es bedarf eines ehrlichen materialgerechten Umgangs mit den Baustoffen und deren Detaillierung sowie einer tief gehenden Planung. Dienst nach Vorschrift reicht nicht aus. Allgemeinheiten? Vielleicht. Jedoch drängt sich einem beim Blick darauf, was heute so alles gebaut wird, ein anderes Bild auf: Billige Riemchenflächen auf WDVS-Fassaden, beliebig platzierte Fallrohre, albern banale Grundrisse; einfallslose, triste Häuser von der Stange. Gebauter Minimalkonsens, gerade noch vermarktbar. Architektur? Kaum noch. Bessere Architektur könnte teurer sein, jedoch nur, wenn man von einer Standzeit von 20 Jahren bis zur Abschreibung und zum Weiterverkauf ausgeht. Dieser erste Pflock der Nachhaltigkeit wird gern vergessen, zuweilen auch von Architekten. Gleichsam braucht es Bauherren, die um ihre Verantwortung für die gebaute Umwelt wissen, und eine interessierte und informierte Öffentlichkeit. Solche Bauherren fallen aber nicht vom Himmel, sie entstehen durch professionelle Lobbyarbeit außerhalb der eigenen Käseglocke. Vorarlberg und die Schweiz sind hierfür gute Beispiele. Es ist eine Frage des Willens zur (ästhetischen) Architektur. Levin Koch, Architekt im Praktikum, Stuttgart „So subjektiv das Sehen von Proportionen, Materialien und Farben ist, so subjektiv ist auch die Beurteilung von ‚Schönheit‘. Trotzdem einigen sich Menschen interkulturell bei manchem darauf, dass etwas ‚schön‘ sei. Ich denke, hier spielt Wissen, auch unbewusstes, um historische, sozioökonomische und soziokulturelle Zusammenhänge eine Rolle. ‚Man sieht nur, was man weiß. Eigentlich: Man erblickt nur, was man schon weiß und versteht‘, sagte Goethe. Deswegen denke ich schon, dass Schönheit objektivierbar ist. Übrigens habe ich den Begriff der Schönheit in der Architektur bisher nicht als Tabu empfunden.“ Margit Tappeiner, Architektin, Bad Homburg Mehr Informationen und Artikel zum Thema „Schön“ finden Sie in unserem DABthema Schön

„Eleganz für alles!“

Perfekte Symmetrie: Das Seildach über dem Warschauer Nationalstadion wirkt wie eine filigrane Linienzeichnung. Schönheit als Wert, als die einer Sache innewohnende Qualität, gehört natürlich zum guten Bauwerk. Als Venustas ist sie ein Teil der Trias, die nach Vitruv gutes Bauen beschreibt. Aber man tut sich schwer mit ihr, wohl weil es so viele Definitionen gibt und sie dem Zeitgeist unterworfen ist. Eleganz ist davon befreit. Der gute Entwurf, das elegante Tragwerk, entsteht meist aus der intensiven Auseinandersetzung mit dem Ort und den vielfältigen Randbedingungen. Das Wort Eleganz stammt vom lateinischen Verb eligere = „auswählen“ ab. Eleganz wird manchmal als oberflächlicher, modischer Luxus missverstanden, und dann verliert der Begriff seinen Charme. Ich bringe Eleganz eher mit ausgewählter Schönheit in Verbindung. Dabei ist sie im Bauwesen viel mehr als die elegante äußere Erscheinung des „Endproduktes“: Auch Berechnungsansätze, Konstruktionen und Baumethoden können elegant sein. Eleganz erreichen wir, wenn die Lösung der anspruchsvollen Aufgabe des guten Bauens unangestrengt erscheint – wenn wir zwar spüren, dass etwas mit großem Aufwand und Mühen erbaut wurde, wir diese aber nicht (mehr) sehen. Das Ergebnis scheint ganz natürlich, kann fast nicht anders sein. Sieht man einem Tragwerk an, dass die Kräfte „spazieren geführt werden“ – wenn eine schwere, biegebeanspruchte Struktur verbaut wird, nur um ein paar Quadratmeter leichte Membran zu tragen –, ist es mit der Eleganz nicht weit her. Erfolgreich entworfene Tragwerke zeichnen sich oft durch einen ablesbaren Kraftfluss aus, vielleicht auch, weil wir das, was wir verstehen, gerne haben. Eleganz für alles! Bauingenieure tun sich oft schwer mit der Gestaltung ihrer Tragwerke. Aber auch Brücken, Türme, Tunnel und Kanäle – die gesamte gebaute technische Infrastruktur – müssen als funktionale, ökologische und ästhetische Gesamtkunstwerke mit wirtschaftlichem und kulturellem Wert angegangen werden. Alle Bauwerke verdienen aufmerksame Gestaltung – nicht nur Repräsentationsbauten. Durchdachte und ansprechende Tragwerke sind ein wichtiger Bestandteil des guten Bauens, das wiederum einen wichtigen Beitrag zu besserer Lebensqualität und zur Baukultur leistet. Mike Schlaich, Ingenieur und Professor, Berlin „ Harmonie gehorcht festen Gesetzen“ Schön ist, was uns Freude bereitet und was uns gefällt! Dabei ist die Harmonie ein wichtiger Bestandteil des Schönen. Der Begriff Harmonie (von griechisch harmos = verbinden) geht auf Pythagoras zurück. Der Legende nach bemerkte er in einer Schmiede, dass sich bestimmte Töne, hervorgerufen durch das Hämmern des Schmieds, „harmonisch“ zu anderen Tönen verhalten. Er probierte seine Entdeckung an einer Lyra aus und fand heraus, dass zwei Saiten besonders angenehm zusammenklingen, wenn sie gleich lang sind oder die eine halb, zwei Drittel oder drei Viertel so lang wie die andere ist. Das bedeutet, dass Harmonie nicht der Willkür unterliegt, sondern festen Gesetzen gehorcht. Für Heraklit ist das Schöne, als Teil der sichtbaren Harmonie, eine Offenbarung einer höheren unsichtbaren Gesetzmäßigkeit, einer Weltvernunft, die alles Sein als geistige Kraft durchdringt. Harmonie wird so zum symbolischen Ausdruck des ordnenden Geistes. Sokrates sieht allerdings in der Zweckmäßigkeit die Schönheit der Dinge. Er meint, gut sei, was brauchbar sei, also sei es auch schön. Aristoteles unterscheidet das Schöne vom Guten. Das Schöpfertum des Künstlers wird von ihm erstmals erkannt und gewürdigt. Er stellt dem Entwickeln von innen heraus (Funktion) das künstliche Bilden von außen gegenüber (Kunst). Übrigens argumentiert Le Corbusier ähnlich, wenn er davon spricht, dass ein Gebäude innen eine funktionale Wohnmaschine sei und außen ein reiner Körper unter der Sonne. In Malerei, Plastik und Architektur finden wir harmonische Proportionen, wie den Goldenen Schnitt, über alle Kulturen und alle Zeiten hinweg angewandt. Es scheint so, dass die Geometrie die Sprache der Menschwerdung war und immer noch ist. Sie ist eine Struktur, ein geistiges Netz, das uns auffängt in Zeit und Raum. Sie schafft Brücken zu anderen Lebensbereichen wie Mathematik, Biologie, Musik, Poesie, Religion und Astronomie. Erich Esch, Architekt und Stadtplaner, Singen am Hohentwiel Mehr Informationen und Artikel zum Thema „Schön“ finden Sie in unserem DABthema Schön  

Abdichtung von Innenräumen

Erfrischend: Das „Kaltbecken“ in der großen Badehalle in der von 4a Architekten aus Stuttgart geplanten Emser Therme in Bad Ems. Die wichtigsten Neuerungen für die Planung und Ausführung der seit Juli dieses Jahres geltenden DIN 18534. Text: Uwe Wild Die neue DIN 18534 „Abdichtungen für Innenräume“ führt bewährte Regelungen der früheren DIN 18195 „Bauwerksabdichtungen“, des aktuellen ZDB-Merkblatt „Verbundabdichtungen – Hinweise für die Ausführung von flüssig zu verarbeitenden Verbundabdichtungen mit Bekleidungen und Belägen aus Fliesen und Platten für den Innen- und Außenbereich“, herausgegeben vom Fachverband Fliesen und Naturstein, Stand 2012-08, des ZDB-Leitfadens „Hinweise für die Planung und Ausführung von Abläufen und Rinnen in Verbindung mit Abdichtungen im Verbund (AIV)“, herausgegeben vom Fachverband Fliesen und Naturstein, Stand 2012-08, sowie neue Technologien und Stoffe zur Abdichtung von Innenräumen in einer klar strukturierten Abdichtungsnorm zusammen. Die DIN 18534 gilt für die Abdichtung von Boden- und Wandflächen in Innenräumen mit einer planmäßigen Anstauhöhe bis zehn Zentimeter und ist somit für die Planung von Badezimmern, gewerblich genutzten Küchen, Schwimmbeckenumgängen, Duschanlagen, Produktions- und Gewerbeflächen sowie Bodenflächen mit Ablauf zwingend zu beachten. In der Altbausanierung ist die Norm nur dann anzuwenden, wenn Techniken und Verfahren eingesetzt werden können, die in der Norm beschrieben sind. Die DIN 18534 „Abdichtung von Innenräumen“ umfasst sechs Teile: Teil 1: Anforderungen, Planungs- und Ausführungsgrundsätze, Stand 2017-07 Teil 2: Abdichtung mit bahnenförmigen Abdichtungsstoffen, Stand 2017-07 Teil 3: Abdichtung mit flüssig zu verarbeitenden Abdichtungsstoffen im Verbund mit Fliesen und Platten (AIV-F), Stand 2017-07 Teil 4: Abdichtung mit Gussasphalt oder Asphaltmastix, Stand 2017-07 Teil 5: Abdichtung mit bahnenförmigen Abdichtungsstoffen im Verbund mit Fliesen und Platten (AIV-B), Stand 2017-08 Teil 6: Abdichtung mit plattenförmigen Abdichtungsstoffen im Verbund mit Fliesen und Platten (AIV-P), Stand 2017-08 Teil 1 regelt allgemeine beziehungsweise stoffunabhängige Einwirkungen auf die Abdichtung und die baulichen Erfordernisse. Im Anhang A sind Prinzipskizzen über die Zuordnung von Flächen zu den Wassereinwirkungsklassen und über die abzudichtenden Bereiche enthalten. In den stoffspezifischen Teilen 2 bis 6 sind auch Vorgaben für die Planung und Ausführung von baulichen Details enthalten, wie Anschlüsse an Bodeneinläufe, Rohrdurchführungen, Ausführung der Übergänge zwischen Boden und Wand sowie in Wandecken. Kriterien für die Bemessung Der Abdichtungsstoff und die Abdichtungsbauart werden unter anderem nach den auftretenden Beanspruchungen durch Wasser, mechanische Einwirkungen aus dem Untergrund (Fugen- und Rissbewegungen) und gegebenenfalls zusätzlichen Einwirkungen, wie chemische Belastungen in Großküchen und an den Umgängen von Schwimmbecken, ausgewählt beziehungsweise festgelegt. Die je nach zu erwartender Wasserbeaufschlagung entstehenden Einwirkungen werden in vier verschiedene Wassereinwirkungsklassen W0-I bis W3-I unterteilt (siehe Tabelle Wassereinwirkungsklassen). An feuchteunempfindlichen Wandflächen mit der Wassereinwirkungsklasse W1-I, deren dahinterliegende Bauteilschichten (zum Beispiel Dämmungen) selbst einen ausreichenden Feuchteschutz bieten, kann nach DIN 18534-1, Punkt 5.2.1 auf eine Abdichtung verzichtet werden. Zu beachten ist dabei, dass im Bereich von Durchdringungen und Anschlussfugen kein Wasser eindringen und die dahinterliegenden Bauteilschichten durchfeuchten darf. Bei Flächen der Wassereinwirkungsklasse W0-I, deren Oberfläche gleichzeitig Wasser abweisend ist, sowie Bereichen, wo kein Spritzwasser zu erwarten ist, darf ebenfalls auf eine Abdichtung verzichtet werden. Bei der Auswahl der Abdichtungsart müssen zudem mechanische Einwirkungen aus dem Untergrund beachtet werden. Dazu gehören mögliche Fugenbewegungen, die entsprechend Teil 1, Punkt 5.3.1 in drei Fugenarten (F1-I bis F3-I) unterteilt werden: F1-I sind Fugen im Abdichtungsuntergrund, F2-I sind Fugen an Einbauteilen und Durchdringungen und F3-I sind Fugen im Tragwerk (Bewegungsfugen). Außerdem müssen eventuell vorhandene Risse, deren Breite sich nach dem Aufbringen der Abdichtung ändern kann, oder Risse, die neu entstehen können, berücksichtigt werden. Daher werden im Teil 1 drei verschiedene Rissklassen R1-I bis R3-I definiert (siehe Tabelle Rissklassen). Planung und Ausführungsgrundsätze Die Wassereinwirkungsklasse, die Fugenart und die Rissklasse muss der Planer festlegen. Aus der Wassereinwirkungsklasse ergeben sich im Teil 1, Punkt 6.2, die zulässigen Untergründe. Anschließend können in den stoffspezifischen Teilen 2 bis 6 die möglichen Abdichtungsbauarten ausgewählt und die Detailausbildungen festgelegt werden. Während in den Wassereinwirkungsklassen W0-I und W1-I feuchteempfindliche Abdichtungsuntergründe zulässig sind, dürfen in den Wassereinwirkungsklassen W2-I und W3-I nur feuchteunempfindliche Untergründe eingesetzt werden. Wenn Bodenflächen und nicht abzudichtende Wandflächen aufeinandertreffen, ist entsprechend Teil 1, Punkt 8.5.1 die Fußbodenabdichtung statt bisher 15 Zentimeter jetzt nur noch fünf Zentimeter über Oberkante Fertigfußboden (OKFF) an der Wand aufzukanten. Wird auch die Wand abgedichtet, muss die Abdichtung bis mindestens 20 Zentimeter oberhalb der Wasserentnahmestelle beziehungsweise über den Spritzwasserbereich geführt werden. An Türen ist die Fußbodenabdichtung auch an den Laibungen hinterlaufsicher heraufzuführen, was der Planer im Bauablaufplan berücksichtigen muss. Flächen unter und hinter Wannen sind gemäß Teil 1, Punkt 8.5.2 abzudichten oder die Wanne ist mittels Wannenranddichtbändern mit der Abdichtung zu verbinden. Explizit wird in der Norm darauf hingewiesen, dass Silikonfugen keine Abdichtung darstellen. Verläuft die Abdichtung unterhalb der Wanne, dürfen dort auch nur die zum Anschluss der Wanne notwendigen Rohre installiert werden. Verbindliche Vorgaben für das Gefälle sind auch der neuen DIN 18534 nicht zu entnehmen. Die Festlegung des Gefälles erfolgt durch den Planer objektspezifisch in Abhängigkeit des Bodenbelages und der erforderlichen Aufstauhöhe über Bodeneinläufen. Neue Abdichtungsstoffe Rissüberbrückende mineralische Dichtungsschlämmen und Reaktionsharze waren als flüssig zu verarbeitende Abdichtungsstoffe im Verbund mit Fliesen und Platten in der Stoffnorm (Teil 2) und im Beiblatt 1 der früheren DIN 18195 bereits aufgeführt. Die Ausführung war bisher jedoch lediglich im Ausführungsteil für Behälter und Becken (Teil 7) geregelt. Bahnen- und plattenförmige Abdichtungen im Verbund mit Fliesen und Platten waren bisher weder in der DIN 18195 noch im ZDB-Merkblatt „Verbundabdichtungen“ erwähnt. Bis zum Erscheinen der neuen Norm waren diese Abdichtungsstoffe daher als nicht geregelte Sonderkonstruktionen zu bewerten. Jetzt ist in der DIN 18534 zum ersten Mal die Anwendung von flüssig zu verarbeitenden Abdichtungsstoffen (AIV-F) in Innenräumen im Teil 3, die Verwendung von bahnenförmigen Verbundabdichtungsstoffen (AIV-B) in Teil 5 und die Verwendung von plattenförmigen Verbundabdichtungsstoffen (AIV-P) in Teil 6 geregelt. Die Eignung der neu aufgenommenen Abdichtungsstoffe im Zusammenspiel mit den einzelnen Systemkomponenten, wie Fliesenverlegemörtel, Dichtbänder oder Manschetten, muss durch eine Europäische Technische Zulassung (ETA) nach ETAG 022 oder mit einem allgemein bauaufsichtlichen Prüfzeugnis (abP) nachgewiesen werden. Der Abdichtungsaufbau mit den dazugehörigen Systemkomponenten ist ebenfalls in der ETA oder im abP festgelegt. Eine Vermischung verschiedener Komponenten aus unterschiedlichen Abdichtungssystemen ohne ETA oder abP ist nicht zulässig. Flüssig zu verarbeitende Abdichtungen müssen eine Mindesttrockenschichtdicke aufweisen. Hier wurden die Werte aus dem ZDB-Merkblatt „Verbundabdichtungen“ übernommen: Polymerdispersion (DM) 0,5 Millimeter, rissüberbrückende mineralische Dichtungsschlämmen (CM) 2,0 Millimeter und Reaktionsharze (RM) 1,0 Millimeter. Falls in der ETA oder im abP größere Werte angegeben sind, gelten die höheren Anforderungen. Für die Festlegung der Nassschichtdicke sollte auf die Trockenschichtdicke dmin ein Dickenzuschlag (dz) von mindestens 25 Prozent berücksichtigt werden, sofern der Hersteller keine anderen Vorgaben macht. Die Nassschichtdicken und der Verbrauch des Abdichtungsstoffes sind während der Ausführung fortlaufend zu überprüfen. In der Wassereinwirkungsklasse W3-I müssen die festgestellten Nassschichtdicken dokumentiert werden. Polymerdispersionen (DM) dürfen im Wandbereich in den Wassereinwirkungsklassen W0-I bis W2-I und im Bodenbereich lediglich in den Wassereinwirkungsklassen W0-I bis W1-I eingesetzt werden. Der Einsatz von Polymerdispersionen (DM) ist somit zum Beispiel auf Bodenflächen in bodengleichen Duschen (Wassereinwirkungsklasse W2-I) nicht mehr möglich! Für rissüberbrückende mineralische Dichtungsschlämmen (CM) und Reaktionsharze (RM) bestehen hinsichtlich der Wassereinwirkungsklasse keine Einschränkungen. Diese Abdichtungsstoffe sind bis zur Wassereinwirkungsklasse W3-I an Wand und Boden einsetzbar. Die flüssig zu verarbeitenden Abdichtungsstoffe (AIV-F) dürfen ausschließlich auf Untergründen der Rissklasse R1-I angewendet werden. Die in der DIN 18534-3, Punkt 7.6.2 vorgeschriebenen Flanschbreiten von Entwässerungsrinnen und Einbauteilen betragen mindestens 50 Millimeter. Bei Nachweis durch den Hersteller kann in den Wassereinwirkungsklassen W0-I bis W2-I die Flanschbreite auf 30 Millimeter verringert werden, wenn zweikomponentige mineralische Dichtungsschlämmen oder Reaktionsharze (keine Polymerdispersionen!) verwendet werden. In der Wassereinwirkungsklasse W3-I beträgt die Mindestflanschbreite grundsätzlich mindestens 50 Millimeter. Uwe Wild ist Sachverständiger für das für das Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk sowie für Holz- und Bautenschutz in Brandis bei Leipzig. MEHR INFORMATIONEN Hier wurden die Notwendigkeit einer Neugliederung und Anpassung der alten DIN 18195 „Bauwerksabdichtungen“ an neue Abdichtungstechnologien und die wesentlichsten Änderungen in der neu herausgegebenen DIN 18533 „Abdichtung von erdberührten Bauteilen“, Teile 1 bis 3, ausführlich erläutert. Mehr Informationen zum Thema Technik erhalten Sie hier 

„Der Fassade ein Gesicht geben“

Ablesbar: Exponiertes Tragwerk beim John Hancock Center in Chicago Architektur und Stadträume dürfen schön sein. Das ist die Grundlage einer hohen Aufenthaltsqualität. Grundprinzipien jeglicher Architektur sind Stütze und Last, die sich in der Fassade widerspiegeln sollten. Dadurch entstehen Gliederungselemente wie Vor- und Rücksprünge. Diese erzeugen bei wechselnden Lichteinfallswinkeln Schattenwürfe, die zusammen mit den Gliederungselementen der Fassade im Sinne des Wortes ein „Gesicht“ geben. Die individuelle Ausprägung einer Fassade unterstützt das menschliche Grundbedürfnis nach Identifikation. Die Gliederungselemente geben dem Auge Halt und ermöglichen das „Erfassen einer Gesamtform über Details“. Das ist nur durch überschaubare Maße zu erreichen (Blickweite, Blickwinkel, Rufweite, optische und haptische Erfahrbarkeit der Oberflächen). Voraussetzung dafür sind kleine Grundstücke, Kleinteiligkeit, urbane Verdichtung und Blockrandbebauung, ein Teil der Prinzipien der europäischen Stadt. Hubertus Müller, Architekt und Stadtplaner, Berlin „Empfinden von Schönheit hat oft mit dem Anrühren von Gefühlen zu tun. Und das ist bei jedem Menschen anders – je nach Alter, Erfahrung, Erleben usw. Für mich persönlich ist es immer das Zusammenspiel von guter handwerklicher Arbeit, Gebrauchstauglichkeit und menschlichem Maßstab. Mit diesen Aspekten muss ‚Schönheit‘ nicht mehr kosten, sondern sollte unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit eigentlich selbstverständlich sein. Dabei spielt es nach meiner persönlichen Wahrnehmung keine Rolle, ob alt oder neu.“ Yvonne Göckemeyer, Landschaftsarchitektin, Leverkusen „Sonst braucht man uns doch gar nicht“ Eigentlich arbeiten wir doch als künstlerisch tätige Menschen täglich auf die Schönheit hin. Sonst braucht man uns doch gar nicht. Wie der Schriftsteller Dostojewski sagte: „Die Menschheit kann ohne Wissenschaft leben, sie kann ohne Brot leben, aber sie kann nicht ohne Schönheit leben, weil man dann nichts mehr für die Welt tun könnte.“ Die Schönheit also „lässt uns nicht in Ruhe, aber dadurch erinnert sie uns an unsere letzte Bestimmung, sie führt uns zurück auf unseren Weg, erfüllt uns mit neuer Hoffnung“. Wenn es keine objektive Schönheit gäbe, würden wir uns dem Relativismus unterordnen, der alles „gleichgültig“ sein lässt. Schönheit muss nichts, darf aber kosten. Sie ist grundsätzlich unabhängig von Kosten, weil sie keine materielle Größe ist. Sie weist über sich selbst – über das Materielle – hinaus, und das ist unbezahlbar. Bei der Frage, ob Altes immer schöner ist als Neues, halte ich es mit Karl Valentin: „Heute ist die gute alte Zeit von morgen.“ Doch schon in der Bibel steht: „Prüft aber alles und das Gute behaltet.“ Ludger Schmidt, Architekt, Steinenbronn Natürlich: Regionale Architektur, in die Landschaft eingebettet Ein Gedicht an die Schönheit Die Natur ist immer schön. Bestenfalls prägt sie das in ihr zur Zweckerfüllung Gebaute und muss es nicht nur eine Zeit lang geduldig ertragen, denn zum Glück ist das Hässliche vergänglich, nicht das Schöne. Architektur kann zeitlos schön sein. Dann berührt sie – wie die Natur – unsere Sinne, verzaubert, macht uns leicht wie auf der Fischunkelalm bei Regen oder wie beim Anblick einer sonnenverwöhnten Palladio-Villa. Was darf solche Schönheit kosten? Sie kostet nur unsere Überwindung, dem Hässlichen als Zeugnis von Unwissenheit oder – schlimmer noch – als Ausdruck von Gleichgültigkeit entschieden und überzeugend entgegenzutreten. Thomas Widynski, Architekt, Eschweiler „Schön blöd“ Für mich ist schön … … schon schön, halt so schön beliebig … fad, langweilig, banal, oberflächlich, unreflektiert … aber populär, inflationär, emotional, meist spontan, aus dem Bauch … bestenfalls ausgewogen, ebenmäßig, romantisch verklärt … ansehnlich, was man anschauen kann, was sich einfügt, was nicht heraussticht … das Gegenteil von hübsch hässlich … schön blöd. Gibt es eine objektive Schönheit in der Architektur? Die sucht man schon ewig. Schönheit in der Architektur ist objektiv nicht objektiv, allenfalls kollektiv subjektiv. Wenn viele, sogar die meisten, eine Architektur schön finden, heißt das objektiv leider gar nichts. Die oft gelobte Schönheit einer mathematischen Formel ist – ähnlich der des Goldenen Schnitts in der Kunst, in der Baukunst – ein mythisch- mystisches Gefühl, ein Gespür, vielleicht ein siebter Sinn? Was darf Schönheit in der Architektur kosten? Etwa nichts? Gegenfrage: Was ist richtig schön billig, was ist ganz schön teuer? Nur schön sein wollen in der Architektur ist halt billig, im Sinne von banal. Ein bisschen teurer wird auch nicht gleich schöner. Aber: Hochwertig hat schon was – und kostet was. Ist Altes immer schöner als Neues? Architektur ist das schöne Spiel von Altem mit Neuem, von Bewährtem mit Gewagtem, von Yin mit Yang, wer ist die Schönste im ganzen Land? Auch eine Schöne kann ganz schön alt aussehen, und eine Alte muss nicht per se schön sein. Eine Neue wird – aber nur vielleicht – mit zunehmendem Alter schöner. Fazit: lieber eine neue Schöne als eine alte Hässliche. Michel Breuninger, freier Architekt und Stadtplaner, Stuttgart   Mehr Informationen und Artikel zum Thema „Schön“ finden Sie in unserem DABthema Schön

Ausverkauft

Remscheid: Bei der Aktion „Gute Geschäfte“ von StadtBauKulturNRW wurden leere Läden für Ausstellungen und Diskussionen genutzt. Leer stehende Warenhäuser werden allerorten umgebaut. Funktional glückt das oft. Aber eine echte Auseinandersetzung mit dieser speziellen Architektur bleibt aus. Text: Heiko Haberle Bei einem Besuch in Recklinghausen konnte ich es letztens geradezu exemplarisch besichtigen: Seit steht Karstadt am Altstadtmarkt leer – sowohl der hier unerwartet großstädtische klassische Kaufhausbau der früheren Firma Altho€ff von ƒ1910 als auch der wuchtige Anbau aus den ƒ„1970er-Jahren, der mit bräunlicher Färbung und vertikaler Ri€elung der Betonfassade Bezug zum Naturstein des Nachbarn herstellt. Der Leerstand strahlt in die benachbarten Straßen aus. Das Geschäftsleben hat sich seit Œ2014 um nur zwei Häuserblöcke in das riesige neue Center am Rand der Altstadt verlagert, wo die Architektur und das Angebot voll auf der Höhe der Zeit sind. Die Glanzzeit der Warenhäuser ist aber schon länger vorbei, denn über Jahrzehnte wurden es immer weniger Anbieter. Althoff€, Merkur, Horten, Quelle, Hertie, Wertheim – sie alle wurden entweder von Karstadt oder von Kaufhof geschluckt. Nach ƒƒ1990 kamen noch die DDR-Warenhäuser Centrum und Konsument hinzu. Kaufhof gehört heute dem kanadischen Handelsunternehmen Hudson’s Bay und hat noch ƒŒ94 Filialen. Eigentümerin von Karstadt ist die österreichische Signa Holding. In den letzten zehn Jahren ist man von über ›150 auf „ƒ79 Häuser geschrumpft. Einige Prognosen gehen von bis zu 100 weiteren Schließungen aus, etwa infolge einer Fusion von Karstadt und Kaufhof. „Ich bin nicht ganz so pessimistisch, sehe aber deŸnitiv ein Überangebot an Einzelhandelsflächen“, sagt Rolf Junker, dessen Stadtforschungsbüro Junker + Kruse aus Dortmund ›2015 für die Initiative StadtBau-KulturNRW eine Studie zum Umbau von Warenhäusern und Einkaufszentren erstellt hat. „Die Warenhäuser müssen sich aber verändern. Viel zu lange haben die Konzerne gedacht, so weitermachen zu können wie seit hundert Jahren“, findet Junker, der auf die Niederlande, Spanien und Italien verweist, wo Warenhäuser noch gefragt seien und weiterentwickelt würden. In Deutschland kommen die Warenhäuser kaum noch gegen die großen Textilketten, Shopping-Center, Fachmarktzentren, Outlets und Online-Shopping an. Die Gesellschaft für Konsumforschung schätzt, dass nur noch 2†,2† Prozent des Einzelhandelsumsatzes auf Warenhäuser entfallen – eine Halbierung seit †ŒŒŒ2000. Besonders Häuser in kleineren Städten oder Sub-Zentren der Großstädte wurden geschlossen. Herne: Das ehemalige Hertie-Gebäude ist eines von wenigen denkmalgeschützten Warenhäusern der Nachkriegszeit in Deutschland. Symbol für Aufschwung und Niedergang Obwohl sie meist bessere Standorte haben als Nachkriegsbauten, betri’t der Leerstand auch historische Warenhäuser vom Anfang des 20†Œ. Jahrhunderts, wie in Recklinghausen, Bottrop, Gelsenkirchen-Buer oder das wohl schönste Warenhaus Deutschlands in Görlitz. Während man in Görlitz und Recklinghausen weiterhin auf rettende Ideen ho’fft, ist in Gelsenkirchen der Umbau in ein klassisches Geschäftshaus vollzogen. In Bottrop wird in die Obergeschosse ein Hotel einziehen, das einen neuen Lichthof erhält. Unten möchte ein auf Mittelstädte spezialisiertes Handelsunternehmen – man glaubt es kaum – ein Warenhaus erö’ffnen. Häufiger stehen jedoch die jüngeren Warenhäuser leer. Besonders zahlreich sind sie in Nordrhein-Westfalen, da hier viele Standorte erst während der Wirtschaftswunderjahre aufgebaut wurden. Waren sie einst Symbol für großstädtisches Leben, stößt ihre meist hermetisch geschlossene Architektur heute überwiegend auf Ablehnung. Dabei hatten sich die Architekten der Zeit durchaus überlegt, wie sie mit Mosaiksteinen, Lamellen oder Waben große Flächen auflockern können. Am bekanntesten ist natürlich die „Horten-Kachel“, die Egon Eiermann zugeschrieben wird, deren Motiv allerdings der Düsseldorfer Architekt Helmut Rhode entworfen hatte. Auch die berühmten Kacheln fallen allerorten in Deutschland der Abrissbirne zum Opfer, denn nur wenige Warenhäuser der Nachkriegszeit stehen unter Denkmalschutz – wie zum Beispiel das geschlossene Hertie-Haus in Herne von Emil Fahrenkamp aus dem Jahr ˆ‰Šˆ1961. Ob dort die Neuvermietung wegen der kompletten Erhaltung des Hauses so stockend verläuft? Die Regel ist nämlich ein Rückbau bis auf die Tragstruktur, die oft weitergenutzt, eingeschnitten oder erweitert werden kann. „Ein kompletter Abriss erfolgt meist nur, wenn das aus bauphysikalischen Gründen notwendig wird“, berichtet Rolf Junker. Bei Horten in Hamm seien etwa die Spannweiten zu groß gewesen, um sie einzuschneiden. Ein Bautypus verschwindet Ob Rückbau oder Abriss – von den Fassaden bleibt selten etwas übrig, auch wenn oft erneut der Einzelhandel in dann kleineren Einheiten einzieht. Ein Haus mit vermeintlich zeitgemäßer Fassade, meist aus hellem Naturstein statt aus Waschbeton und mit etwas mehr Fenstern, lässt sich besser vermieten. Hinter den Fenstern stehen dann oft nur Werbetafeln. Einladender ist der Nachfolger also nicht immer. Detmold: Aus dem früheren Karstadt-Haus wurde ein Platz herausgeschält. Ihn umgibt nun eine klassische Geschäftshausfassade. Ein architektonisch gelungenes Beispiel ist in Detmold zu besichtigen. Der bereits im Originalbau angedeutete Vorplatz wurde durch Pfei˜er Ellermann Preckel Architekten aus Münster in das Bauvolumen hinein vergrößert, sodass ein prägnanter Kopfbau entstand. Für eine Mittelstadt gelang ein überaus urbanes Ensemble. Allerdings ist auch hier vom früheren Karstadt-Haus von Friedrich Spengelin aus dem Jahr ˆ‰™‰1979 nichts mehr zu erkennen. An ihm hätte man eine interessante Weiterentwicklung des Bautyps ablesen können: Wie für viele Neubauten von Karstadt, aber auch des Textilkaufhauses C&A typisch, versuchte die Architektur, wieder den Dialog mit der Stadt herzustellen. An die Stelle der großen Kisten, die wie bei Horten als überdimensionales Markenzeichen wirkten, trat eine Kleinteiligkeit mit Dachschrägen, Erkern, Klinker, Naturstein oder Schiefer. Dresden: Nur selten findet sich eine Warenhausfassade am Nachfolger wieder – an der Centrum-Galerie allerdings nicht als Original, sondern als Nachbau. Dass Kaufhausfassaden durchaus identitätsstiftend sind, ist anderswo zu beobachten. Anstatt der üblichen Vorgehensweise, eine bestehende Struktur mit einer neuen Fassade auszustatten, wurde das ehemalige Centrum-Warenhaus in Dresden abgerissen und durch ein Shopping-Center von Peter Kulka ersetzt, das die prägnante Fassade des Ursprungsbaus ziert. Diese wurde jedoch nachgebaut, statt sie zu erhalten, weil dies günstiger war. Bei den Höfen am Brühl in Leipzig von Grüntuch Ernst Architekten, die das ehemalige Konsument-Warenhaus ersetzen, wurde die schillernde Metallhaut der durchaus geliebten „Blechbüchse“ eingelagert, gereinigt und wieder angebracht. Die Denkmalschützer maßen ihr sogar eine höhere Bedeutung zu als der überraschend hinter ihr zum Vorschein gekommenen Ursprungsfassade von 1908ƒ. „“”Abschied vom Einzelhandel Viele Städte träumen von neuem Einzelhandel im alten Warenhaus. Das mag in Düsseldorf funktionieren, wo Anfang •“ƒ”2018 der Kaufhof an der Berliner Allee als Premium-Immobilie mit Büros, Hotel und Deutschlands größtem Feinkost-Markt auferstehen soll. Gerade kleinere Städte sollten aber den Mut aufbringen, sich in B-Lagen vom Handel zu verabschieden, —findet Rolf Junker und ergänzt: „Die Kommunen müssen sich früh Gedanken über eine Nachnutzung machen. Leerstand kommt nicht von heute auf morgen.“ Konsequent war man etwa in Lünen, wo der Hertie dank eines tiefen Einschnitts zum Wohnhaus wurde (siehe „Wider den Abriss“). In Stolberg bei Aachen soll über einer Woolworth-Filiale ein Wohnheim für türkischstämmige Senioren entstehen. In Ludwigshafen wollen die Stadtwerke mit Büros und einem Kundenzentrum in das leere Kaufhof-Haus ziehen. Berlin: Der frühere Kaufhof am Ostbahnhof wird kreuzförmig eingeschnitten. Der Rest der Struktur und die vier Erschließungskerne bleiben erhalten. Am Berliner Ostbahnhof schloss nach kontinuierlichem Bedeutungsverlust des Umfelds jüngst der Kaufhof, dessen Vorgänger zu DDR-Zeiten wegen seiner Lage am damaligen Hauptbahnhof Kunden aus dem ganzen Ostblock anzog. Die Hauseigentümerin – die Karstadt-Mutter Signa – und das beauftragte Büro Jasper Architects aus Wien wollen den Siebengeschosser radikal aufbrechen, um die geplanten Büros zu belichten. Als Nutzer wird der Versandhändler Zalando genannt, der im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg derzeit jeden größeren Büroneubau in Beschlag nimmt. Zalando, Amazon und andere Online- Händler sind auch der Grund, warum die Handelsbranche höchst alarmiert ist. Denn nach den inhabergeführten Geschäften und den Warenhäusern sind die Einkaufszentren wohl die nächsten Leerstandsopfer, wie schon jetzt in den USA zu erleben ist. Wer die Warenhäuser mit ihrer neutralen und flŽexiblen inneren Struktur und den immerhin o’ffenen Erdgeschossen heute als Monster bezeichnet, macht sich nicht bewusst, welche sperrigen Baumassen viele Kommunen in guter Absicht, den Handel in der Innenstadt zu halten, in den letzten Jahren genehmigt haben. Oft mehrere Blöcke einnehmend, haben diese „Center“ dem Stadtraum selten mehr als Tiefgarageneinfahrten, Notausgänge und Löschwassereinspeisungen zu bieten. Gute Ideen zur Nachnutzung dieser wahren Megastrukturen sollten jetzt schon entwickelt werden. MEHR INFORMATIONEN Die Zukunft des Handels In den Centern setzt sich fort, was in vielen Innenstädten zu beobachten ist: eine zunehmende Gastronomisierung. In der Mall „MyZeil“ in Frankfurt wird die Gastronomie-Quote von 5 auf 15 Prozent erhöht, in der Hamburger Europa-Passage von 13 auf 20 Prozent, wie der Immobiliendienstleister Savills ermittelt hat. Die Analysten rechnen aber ab 15 Prozent Gastronomie mit Verlusten bei den Mieteinnahmen und raten stattdessen zu alternativen Nutzungen: Co-Working-Spaces und Bibliotheken! Eine Händlerumfrage durch das EHI Retail Institute hat außerdem ergeben: 90 Prozent der Händler glauben, dass der Anspruch der Kunden an Atmosphäre und Aufenthaltsqualität in Centern gestiegen oder stark gestiegen sei. 87 Prozent glauben das auch in Bezug auf die Architektur. Handelsexperten sind sich uneinig, wie es weitergeht. Die einen sehen den stationären Handel der Zukunft als verlängerten Arm des Internets, denken an Shopping-Center als Paketstation und Schaufenster für die spiegelbildliche Online-Plattform. Die anderen betonen, dass der stationäre Handel nur überleben kann, wenn er etwas bietet, was online nicht transportiert werden kann: Erlebnisse, Begegnungen, Genuss. Sie sehen deshalb sogar eine Renaissance der Wochenmärkte und kleiner individueller Läden. KOSTENLOSER DOWNLOAD Die Studie „Neueröffnung nach Umbau“ zeigt Konzepte zur Umnutzung von Warenhäusern und Einkaufscentern. www.stadtbaukulturnrw.de/publikationen     Mehr Informationen und Artikel zum Thema „Erneuern“ finden Sie in unserem DABthema Erneuern

Doppelt hält besser

Foto: Fotolia Im Doppelhaus schlummern architektonische und stadträumliche Potenziale. Aber wann ist ein Haus ein Doppelhaus? Text: Jan de Haan und Jan Dohren Zusammen mit dem Gartenzwerg gilt die Doppelhaushälfte vielen als Sinnbild der Spießigkeit – zu Unrecht: Das Doppelhaus ist eine vielversprechende gestalterische und stadtplanerische Aufgabe. Architekten müssen sie nur zu nutzen wissen. Aber wo verläuft die Grenze zwischen optimaler Grundstücksausnutzung und baurechtlicher Unzulässigkeit? Was ist ein Doppelhaus? Setzt der Bebauungsplan eine offene Bauweise fest, müssen Gebäude mit seitlichem Grenzabstand errichtet werden. Die Bebaubarkeit eines Grundstücks kann das empfi€ndlich einschränken. Für das Doppelhaus macht das Baurecht eine Ausnahme: Gemäß §22 „Abs.2 „Satz …1 BauNVO entsteht ein Doppelhaus dadurch, dass zwei Gebäude auf benachbarten Grundstücken durch Aneinanderbauen zu einer Einheit zusammengefügt werden. Meistens werden zwei Doppelhaushälften gemeinsam und aus einer Hand geplant und gebaut. Ebenso ist denkbar, dass einer der beiden Doppelhauseigentümer seine Hälfte später verändern oder durch einen Neubau ersetzen möchte – oder dass zunächst nur ein Grundstück bebaut wird und das andere erst Jahre danach. In diesen Fällen müssen Architekten wissen, was genehmigungsfähig ist. Wo sind Doppelhäuser zulässig? Doppelhäuser sind natürlich dort zulässig, wo ein Bebauungsplan sie vorsieht. Soll ein Doppelhaus jedoch im unbeplanten Innenbereich, also innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile (gemäß §34 •–Baugesetzbuch) errichtet werden, kann das ebenfalls erlaubt sein. Es kommt dann darauf an, ob es sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücks˜äche, die bebaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt. Sind dort bereits Doppelhäuser vorhanden, spricht dies für die Zulässigkeit weiterer Doppelhäuser. Wie baut man ein Doppelhaus? Es gibt keine allgemein anerkannte Formel, mit der sich zuverlässig ausrechnen ließe, wann ein Haus noch eine Doppelhaushälfte ist und wann nicht mehr. Man kann natürlich auf Nummer sicher gehen und ein Gebäude planen, das exakt der auf dem Nachbargrundstück bereits vorhandenen oder geplanten Doppelhaushälfte entspricht. Wünschen Architekt oder Bauherr jedoch keine Kopie des Nachbargebäudes, sollte die baurechtliche De€nition eines Doppelhauses bekannt sein: Das Bundesverwaltungsgericht, an dessen Entscheidungen sich die meisten Verwaltungsgerichte orientieren, äußert sich in einem Urteil vom 19…œ. März 2015„ž…Ÿ (Az.: –4 C …„12/…–14) dazu – jedenfalls auf den ersten Blick – betrüblich unbestimmt: Das Erfordernis der baulichen Einheit sei nur erfüllt, wenn die beiden Gebäude in wechselseitig verträglicher und abgestimmter Weise aneinandergebaut werden. Es ließe sich, so das Gericht, aber weder abstrakt-generell noch mathematisch-prozentual festlegen, in welchem Umfang zwei Haushälften an der Grenze zusammengebaut sein müssen, um ein Doppelhaus zu bilden. Das Gericht gibt aber immerhin ein paar Leitlinien vor:
  • Die Doppelhaushälften müssen nicht gleichzeitig oder spiegelbildlich errichtet werden.
  • ƒƒDie Hälften dürfen zueinander versetzt oder gestaffelt aneinandergebaut werden. Zwei selbstständige Baukörper, die sich an der gemeinsamen Grenze zwar berühren, aber praktisch allseitig freistehen, bilden jedoch kein Doppelhaus.
  • ƒƒEin Doppelhaus darf den in einer Straße vorherrschenden Gesamteindruck einer offenen, aufgelockerten Bebauung nicht stören und muss als ein Gebäude erscheinen, nicht als zwei ohne Grenzabstand direkt aneinandergebaute, voneinander verschiedene Gebäude.
  • Für die Beurteilung, ob zwei direkt aneinandergebaute Gebäude ein Doppelhaus bilden, kommt es vor allem auf die nach außen sichtbaren Gebäudeeigenschaften an.
  • ƒƒEine gemeinsame Gebäudehöhe ist für das Maß der Übereinstimmung beider Gebäude von besonderer Bedeutung.ƒƒ
  • Unterschiedliche Bautiefen müssen den Doppelhauscharakter nicht aufheben; sie können vor allem dann unschädlich sein, wenn die Länge der gemeinsamen Wand zur Straße nicht sichtbar ist.
Dass die Gerichte das besonders wichtige Kriterium der gemeinsamen Gebäudehöhe nicht immer sehr streng auslegen, zeigt ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen vom …18. Januar 2016 (Az.: 10 A „Ÿ2574/14…–): Im dortigen Fall hielt das Gericht den Doppelhauscharakter trotz eines Höhenunterschieds von immerhin 4–,59Ÿœ Metern, der infolge der Aufstockung einer von zwei Bungalow-Hälften eingetreten war, noch für gewahrt. Kein Doppelhaus. Und nun? Verneint die Baubehörde den Doppelhauscharakter eines Gebäudes, das ein Doppelhaus sein muss, erhält man keine Baugenehmigung. Meint man, dass die Behörde falsch liegt, bleibt die Möglichkeit der Klärung der Zulässigkeit des Bauvorhabens im Widerspruchs- und Klageverfahren. Es kann aber auch sein, dass die Baubehörde die beantragte Genehmigung erteilt, diese aber vom Doppelhausnachbarn angefochten wird. In diesem Fall kann Anlass zu der Befürchtung bestehen, die Baugenehmigung wieder zu verlieren. Denn auf die Verletzung der in einem Bebauungsplan enthaltenen Doppelhausfestsetzung kann sich der Doppelhausnachbar berufen – sie dient nämlich auch seinem Schutz (OVG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 14„…. August †‡„…2014, Az.: „1 A 10252/„…„14). Auch im unbeplanten Innenbereich besteht Anlass zur Sorge, wenn der Doppelhausnachbar gegen die Baugenehmigung vorgeht. Mit der Genehmigung einer nicht in wechselseitig verträglicher und abgestimmter Weise geplanten Doppelhaushälfte ist ein Verstoß gegen das Gebot der Rücksichtnahme verbunden, das dem Drittwiderspruch beziehungsweise der Klage des Nachbarn zum Erfolg verhelfen kann (BVerwG, Urteil vom 5‰. Dezember 2013†‡„•, Az.: 4… C ‰5/12„†). Um das Risiko der Anfechtung einer Baugenehmigung wegen der tatsächlich oder vermeintlich fehlenden Verträglichkeit zweier Doppelhaushälften zu reduzieren, emp—fiehlt sich vor allem eines: den Nachbarn von vornherein in die Planungen einzubeziehen. Insbesondere im Fall fehlender Gesprächsbereitschaft sollte darauf gedrungen werden, dass Baugenehmigungen und Bauvorbescheide dem Nachbarn durch die Behörde zugestellt werden. Denn erst mit der Zustellung beginnt für den Nachbarn die einmonatige Widerspruchs- beziehungsweise – in Bundesländern ohne Widerspruchsrecht – Klagefrist zu laufen, ohne deren Ablauf das Risiko einer zulässigen Drittanfechtung fortbesteht. Jan de Haan und Jan Dohren sind Rechtsanwälte und Fachanwälte für Verwaltungsrecht bei Weiland Rechtsanwälte in Hamburg. Mehr Informationen zum Thema Recht erhalten Sie hier

Im Immobilien-Babel

Jede noch so kleine Hütte bekommt heute vom Immobilienentwickler ein wohlklingendes Label. Dabei herrscht babylonisches Sprachgewirr. Namenskunde: Heiko Haberle Das waren noch Zeiten, als ein Haus einfach nur eine Adresse hatte und kein Markenprodukt war. Doch obwohl Wohnungen derzeit auch ohne jegliches Marketing weggehen würden wie geschnitten Brot, muss jedes noch so unscheinbare Projekt einen Namen tragen. Daran merkt man dann gleich, ob man sich angesprochen fühlen soll, für den „Rosengarten“ zu jung oder für „Neon Wood“ zu alt ist. Wie am Fließband werden in der Hauptstadt Namen erfunden und von Grafi…kern mit hübschen Logos ausgestattet. Das internationale, urbane Publikum wird mit „The View“, „Bricks“ oder „Charlie“ gelockt. Im Partybezirk Neukölln werden ganze drei (!) Wohnungen in einem recht normalen Altbau von “”•–1907 großspurig als „Beat Berlin“ angepriesen. Wer hingegen das Dorf in der Großstadt sucht, …findet in den kläglichen Resten von Alt-Berlin die retro-gründerzeitlichen „Klostergärten“. Die Gärten sind ein enger Hof mit Dauerschatten. Französisch kommt zum Einsatz, wenn Eleganz und Ruhe vermittelt werden sollen, so in einem prächtigen alten Krankenhaus am Schloss Charlottenburg, das als „Joli Coeur“ vermarktet wird. Bei einem Übermaß an architektonischer Fantasie und Stilsehnsucht hilft ein Italien-Bezug, wie bei den an Säulen und Bögen reichen „Fellini Residences“. Ganz selten taugt sogar der Architekt als Werbeträger, wie im gutbürgerlichen Wilmersdorf, wo ein bereits denkmalgeschütztes Mehrfamilienhaus von Gottfried Böhm aus dem Jahr “”Ÿ1984 nun „Böhmhaus“ heißt. Das Logo ist natürlich achteckig wie das Haus. In Frankfurt hingegen liebt man Sprachspiele. Aus irgendeinem Skyscraper wird ganz dynamisch der „Skyper“. An der Gallusanlage thront „Gallileo“. Die zwei namensgebenden Flügel des „Winx“ muss man im Grundriss suchen. Nur in London hat der Marketing-Sprech der Immobilienentwickler keine Chance gegen die Verballhornungen der Presse. Gurke, Scherbe, Käsereibe und Walkie-Talkie zieren die Skyline. Doch daraus haben die Entwickler eines neuen, beängstigend scharf geschnittenen Glasriesen gelernt. Den Spitznamen der Financial Times haben sie einfach übernommen. Das Bauschild präsentiert: „The Scalpel“. Endlich mal ein ehrlicher Name für das, was hier passiert.

„Nicht jedes Konstruktionsvollholz ist KVH“

Anspruch an die Optik: Bleibt das Holz sichtbar, muss man bereits beim Entwurf gut überlegen, wie die Oberfläche aussehen soll, und sie dann entsprechend definieren. Bis vor wenigen Jahren interessierte sich hierzulande nur eine Handvoll spezialisierter Architekten mit mutigen Bauherren für den Holzbau. Das hat sich geändert. Bauen mit Holz ist populär geworden. Tobias Wiegand, Geschäftsführer der Überwachungsgemeinschaft Konstruktionsvollholz, spricht über die Anforderungen und die Qualität der dafür verwendeten Hölzer. Interview: Marion Goldmann Dr.-Ing. Tobias Wiegand: „Das Kürzel KVH und das grüne „KVH®“-Logo dürfen nur die Mitgliedsfirmen der Überwachungsgemeinschaft verwenden. Hier ist die Qualität der Produkte güteüberwacht.“ Herr Wiegand, welche Eigenschaften muss Konstruktionsvollholz haben? Einige Anforderungen sind in Normen geregelt. Die bauaufsichtlichen Anforderungen sind in der Produktnorm DIN EN 15497 enthalten. Doch Angaben zur Einschnittart und zur Oberflächenqualität sind darin nicht festgelegt, sondern sind in einer Verbändevereinbarung defi‚niert. Die darin geforderte technische Trocknung auf eine Holzfeuchte von maximal †‡ 20 Prozent ist mittlerweile Standard. Das war nicht immer so? Nein. Das war sogar der Anlass, die Überwachungsgemeinschaft Konstruktionsvollholz zu gründen. Das war 1994. Damals war das verfügbare „Bauholz normaler Güte“ in der Regel nur halbtrocken und konnte so nicht im Holzrahmenbau eingesetzt werden, dessen Aufschwung zu dieser Zeit begann. Für den Holzrahmenbau wird maßhaltiges und aufgrund der luftdichten Ausführung trockenes Holz benötigt. Um den Holzrahmenbau funktionsgerecht und wirtschaftlich realisieren zu können, wünschte die Holz verarbeitende Industrie ein qualitätsüberwachtes Vollholzprodukt. Daraufhin haben der Verband der Deutschen Säge- und Holzindustrie und der Bund Deutscher Zimmerermeister entsprechende Eigenschaften für Konstruktionsvollholz definiert. Ja, die erste Fassung dieser Verbändevereinbarung stammt aus dem Gründungsjahr, wobei die Anforderungen seitdem fortlaufend der technischen Entwicklung angepasst werden. Im Wesentlichen handelt es sich danach bei Konstruktionsvollholz um nach der Festigkeit sortierte und auf eine Holzfeuchte von maximal 15 +/-3 Prozent technisch getrocknete Vollholzprodukte mit de‚finiertem Einschnitt. Im Vergleich zu herkömmlichen Holzbaustoffen neigen sie deutlich weniger zu Rissbildung und zum Verdrehen. Neben einer Reihe weiterer Kriterien sind in der Vereinbarung zwei Oberächenqualitäten defi‚niert. Die technische Holzfeuchte ist zudem Voraussetzung für den zwischenzeitlich üblichen Verzicht auf vorbeugenden chemischen Holzschutz nach DIN 68800‡‡. Ist diese Qualität garantiert? Zunächst einmal haben sich alle Firmen, für die die Verbändevereinbarung gilt, freiwillig zur Einhaltung dieser höheren Qualität verpflichtet. Es besteht aber kein Zwang zur Qualitätsüberwachung für die Holz verarbeitende Industrie sowie die Zimmereibetriebe. Die Unternehmen können ihr Produkt Konstruktionsvollholz nennen und damit ausdrücken, dass sie die Vereinbarung mit der Überwachungsgemeinschaft Konstruktionsvollholz einhalten. Eine geprüfte Qualität erhält der Kunde aber nicht. Um sicherzugehen, dass die Qualität auch eingehalten wird, haben sich deshalb unsere aktuell 35  Mitglieder für eine Fremdüberwachung durch unabhängige Prüfstellen entschlossen. Nur diese Firmen dürfen das Holz dann mit dem eingetragenen Warenzeichen KVH® bezeichnen. Beim Erwerb von Vollholzprodukten ist auf das CE-Zeichen zu achten. Wichtige Angaben darauf sind: Nummer der Norm und der Leistungserklärung, Hersteller, Bezeichnung des Bauproduktes, Festigkeitsklasse. Konstruktionsvollholz aus güteüberwachter Produktion ist zusätzlich mit dem grünen KVH®-Zeichen gekennzeichnet. KVH®, KVH, Konstruktionsvollholz? Es ist schwierig, hier die Unterschiede zu erkennen. Das ist richtig. Im Nachhinein betrachtet, hätte man in der Verbändevereinbarung grundsätzlich eine Fremdüberwachung fordern sollen. Es ist vor allem der Eindruck entstanden, KVH sei die Abkürzung für Konstruktionsvollholz. Das ist falsch. Im Prinzip muss man drei Qualitätsstufen unterscheiden: Konstruktionsvollholz muss die bauaufsichtlichen Anforderungen erfüllen und ist mit dem CE-Zeichen gekennzeichnet. Zusätzlich muss Konstruktionsvollholz die Anforderungen gemäß der Verbändevereinbarung erfüllen, es trägt ebenfalls das CE-Zeichen und darf Konstruktionsvollholz genannt werden. Das Kürzel KVH und das grüne Logo KVH® dürfen nur die Mitgliedsfiˆrmen der Überwachungsgemeinschaft verwenden. Hier sind die Produkte güteüberwacht. Wie muss die Ausschreibung und Kontrolle von güteüberwachtem KVH® erfolgen? Auf unserer Website sind verschiedenste Publikationen veröŒffentlicht, darunter die Broschüre „Technische Informationen“. Sie enthält auch einen Muster-Ausschreibungstext. Wichtig ist, dass KVH® entsprechend der Verbändevereinbarung und der Überwachungsgemeinschaft – also nicht „Konstruktionsvollholz“ – bestellt wird. Kontrollieren kann der Architekt das auf dem Lieferschein, worauf mit dem Kürzel KVH oder dem „KVH®“-Logo die Qualität bestätigt wird. Im Rahmen der Ausschreibung muss der Architekt auch die Oberflächenqualität bestimmen. Sie erwähnten eingangs, dass dafür keine Regelung existiert. Die Produktnorm DIN EN –—˜™š15497 macht keine Angaben zur Oberflœächenqualität. Daher wurde sie in der Verbändevereinbarung defiˆniert. Planer und Bauherren sollten sich zunächst Gedanken über die Auswahl der Oberflœächenqualität machen. Bei Bauteilen mit großem Abstand zum Auge des Betrachters werden Wuchseigenschaften, wie Astgröße und Astzustand, kaum wahrgenommen. „Astfreies Holz“ gibt es praktisch nicht. Eine Größenbeschränkung von Ästen über die Anforderungen der Festigkeitssortierung hinaus ist betriebstechnisch in der Regel nicht möglich, aber aus ästhetischen Gründen meist auch nicht notwendig. Es ist der Astzustand, also verfärbte oder ausgefallene Äste, der festzulegen ist. Hier geht es zum PDF eines Beitrags, der den Umgang mit den Oberœflächenqualitäten detailliert erläutert. MEHR INFORMATIONEN Die Überwachungsgemeinschaft Konstruktionsvollholz hat eine Reihe von Merkblättern und Broschüren veröffentlicht. Zum Beispiel: Technische Informationen: Infos zur Planung und Bemessung Vereinbarung über KVH: Definition der Qualitätsanforderungen Merkblatt zum Einsatz von KVH® ohne chemischen Holzschutz: Bedingungen und Anwendbarkeit Merkblatt zum Umgang mit KVH®: Lagerung auf der Baustelle Umwelt-Produktdeklarationen: EPDs zu KVH® sowie Balkenschichtholz Mehr Informationen zum Thema Technik erhalten Sie hier  

Ruhende Reserve

Reduziert: In Köln wird in der oberen Hälfte eines Parkhauses nun gewohnt. Die neue Fassade prägt indes mehr Blech. Die Konkurrenz um städtische Flächen wird härter. Sogar Parkhäuser zählen vielerorts zu den weniger rentablen Nutzungen – und werden deshalb umgenutzt. Ein erfreuliches Beispiel kreativer Verdrängung. Text: Christoph Gunßer In der Frankfurter Innenstadt gibt es 22 Parkhäuser mit insgesamt rund  350.000 Quadratmetern Nutzfläche. Das entspricht 30 Prozent der Kernstadtäche. Wo ein Quadratmeter Luxuswohnung schon mal 50.000 Euro kostet, wecken solche Reserven Begehrlichkeiten. Um hier architektonische Anleitung zu geben, startete die Architektenkammer Hessen die Initiative „Mehr als nur parken – Parkhäuser weiterdenken“, bei der es um neue Perspektiven für in die Jahre gekommene Großgaragen ging (als Buch erschienen ‚— im Jovis Verlag, gemeinsam mit dem Deutschen Architekturmuseum). Realisiert wurde von den Ideen in Frankfurt noch nichts. Andernorts ist man da weiter – ein Überblick. Vom rauen Charme der Parkdecks Gerade die oberste Etage von Parkhäusern wird zum Parken eher ungern genutzt und steht meist leer. Da es hier oben luftig ist und die Aussicht nicht selten spektakulär, siedeln sich Gastronomie, Kultur- oder Stadtgärtner-Projekte an: Das Berliner „Deck 5“ in der Schönhauser Allee besteht bereits zehn Jahre. In Tübingen spielte man auf dem Dach des ehemaligen Karstadt-Parkhauses einen Sommer lang Shakespeare. Auch temporäre Aktionen und Installationen mögen das düstere Setting der Garagen: Kunstausstellungen, insbesondere von Skulpturen, ziehen gern in die ebenso spröden wie stabilen Parkhaus-Etagen. In Atlanta entwickelten Architekturstudenten Wohncontainer für ihre Bedürfnisse, die jeweils in eine Parkbucht eines City-Parkhauses passten – als Experiment gegen die Wohnungsnot. Aufgestockt: In Hannover krönten Cityförster Architekten ein Parkhaus mit zwölf Penthouses. ASP ersetzten Waschbeton und Milchglas durch eine kühle Hülle. Aufstockungen von Parkhäusern gibt es bereits einige: Auf ein 1964— erbautes Parkhaus in Hannover setzten Cityförster Architekten zwölf Penthouses mit Blick auf die Oper. Die Parkhausfassade darunter wurde modern geliftet. Bereits zur letzten documenta wurde in Kassel ein temporäres, 300 Quadratmeter großes „Pop-up-Hotel“ auf ein Parkhaus gesetzt. Auf Wolke 10: Die Kita von querwärts Architekten auf dem Dach eines Parkhauses in Nürnberg bietet 1.200 Quadratmeter Freigelände. In der dicht bebauten Nürnberger Südstadt wurden die beiden obersten Etagen eines Parkhauses von querwärts Architekten zu einer Kindertagesstätte umgebaut (siehe dazu auch „Spieltrieb frei Haus“). Die integrative und interkulturelle Einrichtung, die passenderweise einen musikalischen Schwerpunkt hat, unterteilt sich in einen länglichen Holzbau mit Panoramascheiben und einen tiefer gelegenen Freibereich, der durch drei Meter hohe Mauern gut gesichert ist. Erschlossen wird die Kindertagesstätte durch einen eigenen Aufzug. Rückgewinnung von Stadtraum Komplette Parkhaus-Umbauten sind bislang eher selten: In Köln wurde unlängst das Parkhaus am Friesenplatz von —450 auf 250 Stellplätze zurückgebaut, die den erwarteten Bedarf decken sollen.  Die oberen zwei Etagen wurden neu gebaut und mit 30 Wohnungen gefüllt. Eine neue Stanzmetallfassade von V-Architekten aus Köln, Gewinner eines Wettbewerbs, fasst beide Nutzungen zur Straße hin effektvoll zusammen. Loftcharakter: In Münster integrierten die Architekten Fritzen und Müller-Giebeler die Betonstruktur des Parkhauses Stubengasse in die neuen Laden- und Geschäftsräume in den unteren Etagen. Die obersten Geschosse wurden durch Wohnungen ersetzt. In Münster wurde ein  errichtetes Parkhaus zu einem Wohn- und Geschäftshaus mit Fahrradgarage umgebaut. Auch hier trug man die oberen Geschosse ab und ersetzte sie durch Wohnungen. „Ein nüchterner Zweckbau wurde zum komplexen Raumkunstwerk“, schreiben die Architekten Fritzen und Müller-Giebeler aus Münster. Eigentlich für die Nutzung als Parkhaus optimiert, entfaltet die Stahlbetontragstruktur durch die Setzung in einen neuen Zusammenhang eine ästhetische Wirkung. Das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss mit Mezzanin wurden zu Verkaufs- und Ausstellungsfl•ächen mit Loftcharakter. Das Projekt erhielt als Teil eines Gesamtensembles den Deutschen Städtebaupreis 2010 und den Nationalen Preis für integrierte Stadtentwicklung und Baukultur 2012. In Münstr ist im Inneren noch die Tragstruktur des Parkhauses erkennbar. Solch behutsames Vorgehen bewahrt wenigstens Teile der einstigen Hülle und verhindert, dass die in den massiven Strukturen verbaute „graue Energie“ unnötig verpulvert wird. Hinderlich beim Umbau von Parkhäusern sind oftmals die geringe lichte Höhe und die große Tiefe der Parkhaus-Etagen. Probleme bereitet auch das Gefälle der Fußböden. Die robusten Strukturen vertragen jedoch in der Regel das Einfügen von Lichthöfen und Treppenhäusern. Nennenswerte Fassaden tragen die meisten dieser Zweckbauten ohnehin nicht, sodass ein neues „Gesicht“ leicht vorgehängt werden kann. Dies geschah auch schon in der Vergangenheit, als zahlreiche Parkhäuser ein „Facelifting“ erfuhren. Dennoch wurden einige Parkhäuser auch schon abgerissen und durch Neubauten ersetzt. An der Berliner Briesestraße hatten BeL Architekten aus Köln ™…„2013 den Umbau einer Parkgarage zu Low-Cost-Wohnungen geplant. Das schon sehr weit gediehene Projekt machte aus dem elementierten Gebäude ein labyrinthisches Ensemble von Hofhäusern, wurde dann aber nicht realisiert. Nicht weit vom Potsdamer Platz wird gerade ein von Renzo Piano geplantes, kaum zwanzig Jahre altes Parkhaus zum Großteil wieder abgerissen und durch hochwertigen Wohnungsbau ersetzt – der Bedarf sei nicht vorhanden, heißt es, und die attraktive Lage am neuen Gleisdreieck- Park mache dies wirtschaftlich möglich. Rollback für mehr Lebendigkeit Diese Pilotprojekte machen Mut. Tatsächlich sind es nicht nur bessere Renditen, die beim Umbau von Parkhäusern „herausspringen“. Es sind lebenswertere Städte. Der noch zaghafte, aber absehbare Wandel im Mobilitätsverhalten der Menschen wird die hässlichen Kolosse aus der Ära der „autogerechten Stadt“ verzichtbar machen. Manche vergleichen diese Entwicklung mit dem Obsoletwerden der Pferdeställe in den Städten zu Beginn des 20™…. Jahrhunderts, das den Städten attraktive umgenutzte Remisen beschert hat. Wo trotzdem neue Parkgaragen entstehen, werden sie künftig nutzungsneutral ausgelegt, mit lichteren, ebenen Decks und repräsentativeren Entrees, sodass sie jederzeit umnutzbar sind, wenn etwa selbstfahrende Autos an die Stelle individueller Fahrzeuge treten sollten. Ausgerechnet im Auto-Land USA gibt es hierzu Pilotprojekte von Investoren. Vielerorts weicht man bislang eher in den Keller aus und baut Tiefgaragen – eine neue Form der (optischen) Verdrängung des Autos, die das Bauen weiter verteuert. Dabei könnten die Planungsämter in gut erschlossenen Lagen auch die Zahl der geforderten Stellplätze senken, wie es zum Teil schon geschieht. München geht im Einzelfall schon bis auf Š0,3‹ Stellplätze pro Wohnung herunter – in Kassel beispielsweise liegt der Wert derzeit noch bei unzeitgemäßen 1,5’. Ein frühes Pionierprojekt für eine Parkhaus- Umnutzung ist übrigens noch immer in Berlin zu besichtigen: Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) bauten Dieter Frowein und Gerhard Spangenberg ‘–—˜1986 ein Parkhaus am Kottbusser Tor zu einer Kindertagesstätte um. Den Mittelpunkt bildet ein über drei Etagen reichendes Glashaus. Bereits mit dieser Umnutzung sollte laut IBA „der Nachweis erbracht werden, dass auch städtebauliche Fehlplanungen der ‘–˜Š1960er-Jahre sinnvoll weitergenutzt und ökologisch nachhaltig umgebaut werden können“. Damals sangen die Talking Heads visionär: „Once there were parking lots; now it´s a peaceful oasis“. Manchmal dauert es eben etwas länger, bis sich wegweisende Ideen durchsetzen. Christoph Gunßer ist freier Fachautor. Er lebt in Bartenstein (Baden-Württemberg). Mehr Informationen und Artikel zum Thema „Erneuern“ finden Sie in unserem DABthema Erneuern ™…™.

In meinem Namen

Foto: Fotolia Liegt ein urheberrechtlich geschütztes Werk der Baukunst vor, hat der Architekt ein Recht auf Namensnennung – am Gebäude und bei der Verwendung von Fotos. Text: Frank Dittschar Ein Architekt hat das Recht auf Anerkennung seiner Urheberschaft sowie das Bestimmungsrecht, ob und wie sein Werk mit einer Urheberbezeichnung zu versehen ist. So gibt es die klare Regelung aus §13  Urheberrechtsgesetz (UrhG) vor. In diesem Sinne urheberrechtlich geschützt sind gemäß §2ƒ UrhG allerdings nur solche Werke der Baukunst, die als persönliche geistige Schöpfungen über eine hinreichende Individualität verfügen. Für gängige Zweckbauten, die sich in ihrer baulichen Gestaltung aus der Masse alltäglicher Bauvorhaben ästhetisch nicht hervorheben, kommt ein Urheberrechtsschutz in der Regel nicht in Betracht (siehe dazu auch „Kein Urheberrecht bei reinen Zweckbauten“). Je mehr ein Bauwerk durch seine Funktion, durch die technische Konstruktion und durch das Umfeld vorgegeben ist, desto deutlicher muss es sich von durchschnittlichen Lösungen gestalterisch abheben, um Urheberrechtschutz genießen zu können (Schulze/Dreier, Urheberrechtsgesetz, Kommentar, –5. Aufl—age 2015ƒŠ–, §2 ƒ Rn 183). Das Urheberrecht kann sich dabei auch nur auf einen Teil des Bauwerks beziehen, wie zum Beispiel auf die Fassade. Sobald eine hinreichende Individualität vorliegt, entsteht der Urheberrechtsschutz automatisch mit dem Scha™ffensprozess, es sind keinerlei Formalien zu erfüllen. In der Praxis ist leider zu beobachten, dass das Namensnennungsrecht des Architekten mitunter eher stiefmütterlich behandelt wird. Für die Namensnennung gibt es indes gute Gründe: Zum einen hat der Architekt ein schützenswertes Interesse daran, keine irrigen Vorstellungen über die Urheberschaft an dem von ihm entworfenen Bauwerk aufkommen zu lassen. Zum anderen kann der Architekt das Recht beanspruchen, den aus der Namensnennung erwachsenden Werbee™ffekt für sich zu nutzen. Nennung schriftlich vereinbaren Bei der praktischen Umsetzung des Namensnennungsrechts des Architekten sind verschiedene Konstellationen zu unterscheiden: Sofern zwischen dem Architekten und dem Bauherrn keine Vereinbarungen über die Namensnennung bestehen, kann man mit guten Argumenten vertreten, dass der Bauherr und jeder spätere Eigentümer das Namensnennungsrecht des Architekten grundsätzlich von sich aus zu beachten und einen entsprechenden, angemessenen Hinweis auf den Architekten an dem Bauwerk anzubringen hat, sofern kein entgegenstehender Wille des Architekten erkennbar ist. Mindestens erforderlich sind der Vor- und Nachname des Architekten (sowie die etwaiger Miturheber). Hierauf kann der Architekt auch nachträglich bestehen. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass ein Hinweis am Bauwerk in der Praxis bisher eher unüblich ist. Die Kritiker eines generellen Namensnennungsrechts des Architekten ziehen diese „Branchenübung“ als Argument dafür heran, dass ein Hinweis auf den Architekten am Gebäude nur auf dessen ausdrückliches Verlangen hin erforderlich sein soll. Die Rechtsprechung ist diesem Ansatz bisher nur teilweise entgegengetreten und erkennt zumindest an, dass eine „Branchenübung“ je nach Einzelfall auch stillschweigend in einen Architektenvertrag miteinbezogen sein kann. Bereits vor diesem Hintergrund ist eine vorherige Abstimmung zwischen Bauherrn und Architekten über die Namensnennung und deren konkrete Umsetzung empfehlenswert, um späteren Streit zu vermeiden. Noch größere Rechtssicherheit schaff™t eine schriftliche Vereinbarung über die Namensnennung. Auf eine solche Vereinbarung sollte der Architekt regelmäßig bestehen, da diese ihm ermöglicht, in Abstimmung mit dem Bauherrn alle relevanten Details dauerhaft festzuschreiben, im Falle einer gewünschten Namensnennung beispielsweise, welche Elemente die Nennung enthalten soll, wo der entsprechende Hinweis am Gebäude anzubringen ist und in welcher Form dies zu geschehen hat. Sollte im Einzelfall für das Bauwerk mangels hinreichender Individualität kein Urheberrechtsschutz bestehen, ist eine schriftliche Vereinbarung für den Architekten letztlich die einzige Möglichkeit, seine Namensnennung zu erreichen. Nennung auch bei Fotos Zu Unstimmigkeiten führen in der Praxis auch immer wieder mediale Abbildungen von urheberrechtlich geschützten baukünstlerischen Werken, zum Beispiel auf Webseiten, bei denen der Architekt nicht als Urheber genannt wird. Auch in solchen Fällen ist grundsätzlich das Namensnennungsrecht zu beachten. Die in § –59 UrhG geregelte „Panoramafreiheit“ gestattet es zwar, die äußere Ansicht von Bauwerken an öff™entlichen Wegen, Straßen oder Plätzen zu fotografieren, zu verbreiten und öff™entlich wiederzugeben. Dadurch dürfen indes die Rechte des Architekten auf Anerkennung seiner Urheberschaft und auf Namensnennung gemäß § 13 UrhG nicht ausgehöhlt werden. Dies hat für das österreichische Urheberrechtsgesetz im Jahr ƒŠ2013 das Oberlandesgericht Wien entschieden (Beschluss vom 13. November 2013 ƒŠ, Az.: Œ4 R 184‹Œ/13b: siehe dazu auch „Werter Name“). In Deutschland hat der Bundesgerichtshof bereits 1994 klargestellt, dass sich das Namensnennungsrecht des Urhebers „eindeutig auf Werkverkörperungen jeder Art, Original und Vervielfältigungsstücke“ bezieht (Urteil vom 16. Juni 1994Œ, Az.: ZR 3/92ƒ). Das Landgericht München I hat entschieden, dass der Urheber auch bei einer Abbildung seines Werkes in einem Prospekt oder im Internet angemessen zu benennen ist (Urteil vom 4. Juni 2003ƒŠŠ, Az.: ƒ21 O ‹18766/Š01). Daher ist in Fällen, in denen der Urheber ein berechtigtes Interesse daran hat, dass sein Name bei der Veröffentlichung genannt wird, das Namensnennungsrecht zu berücksichtigen. Dies wird etwa bei einer medialen Abbildung eines Bauwerks zu Werbezwecken oder bei einer gezielten Berichterstattung über das Gebäude der Fall sein, nicht hingegen, wenn das Objekt im Rahmen allgemeiner Berichterstattung lediglich als „Beiwerk“ oder zur Illustration einer bestimmten Örtlichkeit gezeigt wird. Unterlassungsanspruch und Abmahnung Die Falschbenennung des Architekten stellt ebenso einen Verstoß gegen § †‡13 UrhG dar wie die fehlende Benennung. Wird das Namensnennungsrecht des Architekten verletzt, kann dieser vom Bauherrn beziehungsweise vom Eigentümer die Unterlassung des hiermit einhergehenden Urheberrechtsverstoßes und somit die Aufnahme eines entsprechenden Hinweises an dem Bauwerk verlangen. Dieser Anspruch kann in dringenden Fällen sogar im Wege des Eilrechtsschutzes geltend gemacht werden, indem der Architekt den Erlass einer einstweiligen Verfügung bei Gericht beantragt. Zur Vermeidung einer gerichtlichen Auseinandersetzung kann eine außergerichtliche Abmahnung vorgeschaltet werden, also ein Schreiben, in dem auf den Urheberrechtsverstoß hingewiesen und dem Empfänger zugleich unter Fristsetzung Gelegenheit gegeben wird, die erforderliche Nennung freiwillig nachzuholen. Darüber hinaus stehen dem Architekten auch Auskunfts- und Schadensersatzansprüche zu. Dieselben Grundsätze gelten, wenn das Namensnennungsrecht des Architekten im Zusammenhang mit medialen Abbildungen verletzt wird. In diesen Fällen bestehen die Ansprüche des Urhebers gegenüber dem Betreiber der Webseite beziehungsweise dem Herausgeber der Publikation. Architekten verfügen damit über ein wirksames rechtliches Instrumentarium, um ihre Urheberrechte im Falle der fehlenden oder fehlerhaften Namensnennung durchzusetzen. Hiervon sollten sie konsequent Gebrauch machen. Dr. Frank Dittschar ist Rechtsanwalt und Assoziierter Partner im Düsseldorfer Büro der Kanzlei Kapellmann und Partner Rechtsanwälte mbB. Sein Tätigkeitsschwerpunkt ist die Beratung und Vertretung von Mandanten zu Fragen des geistigen Eigentums und des Wettbewerbsrechts. Mehr Informationen zum Thema Recht erhalten Sie hier

Niemand verliebt sich in einen Binnenmarkt

Das geplante Dienstleistungspaket der EU ist eine Gefahr für Qualifikation und Qualität des Berufsstands. Das Europaseminar der BAK informierte über den Stand der Verhandlungen. Wohin entwickelt sich der EU-Binnenmarkt für Architekten? Das von der Europäischen Kommission im Januar vorgelegte „Dienstleistungspaket“ bietet viel Zündstoff. Für den Berufsstand hätte es große Auswirkungen: Den Mitgliedstaaten soll vorgeschrieben werden, wie sie zu prüfen haben, ob eine Berufsregulierung verhältnismäßig ist. Ferner will die Kommission die Möglichkeit haben, an sie gemeldete neue Gesetze, die Zugang und Ausübung des Berufs regeln, ohne Zustimmung des Mitgliedstaats auszusetzen. So würde die nationale Gesetzgebungshoheit beschnitten. Eine neue „Dienstleistungskarte“ – ein elektronisches Genehmigungsverfahren – soll die grenzüberschreitende Tätigkeit von Dienstleistern wie Architekten erleichtern. Was aus Sicht deutscher Architekten, die gerne im Ausland tätig sind, erst mal gut klingen mag, hat einen großen Nachteil: Deutschland verlöre im gleichen Zug die Möglichkeit, die eigenen Anforderungen an die Quali‘kation hier arbeitender Architekten oder an den Verbraucherschutz durchzusetzen. Knappe Fristen würden die Kontrolle der „Karte“ erschweren. Widerspräche die zuständige Behörde, voraussichtlich die Kammer, nicht innerhalb weniger Wochen, würde dem Antragsteller unabhängig von seiner Quali‘kation automatisch genehmigt, in Deutschland Architektenleistungen zu erbringen. Diese faktische Einführung des Herkunftslandprinzips durch die Hintertür lehnt die BAK ab. Die qualitätssichernden Aufgaben der Kammern wären damit ausgehöhlt. Über die Gesetzesvorschläge wurde daher Mitte September beim Europaseminar der BAK in Berlin aus verschiedenen Perspektiven lebhaft diskutiert. Zu den rund 50—˜ Teilnehmern gehörten neben BAK-Gremienvertretern auch Repräsentanten von Mitgliedsorganisationen des europäischen Dachverbands Architects’ Council of Europe sowie anderer berufspolitischer Verbände. „Der Berufsstand sieht die Initiativen des Dienstleistungspakets wegen der Eingriffe in nationale Gesetzgebungskompetenzen und das Kammerwesen sehr kritisch“, so Ralf Niebergall, BAK-Vizepräsident für Europa und Internationales. „Qualitätssicherung und Verbraucherschutz sind nicht verhandelbar.“ Der Berufsstand beanstandet besonders die eindimensional wirtschaftliche Betrachtung und die einseitigen Deregulierungsziele der Kommission, die meint, so das Wachstum anzukurbeln und Arbeitsplätze zu schaffen – und unter anderem das Kammerwesen und die Honorarordnung als „ungerechtfertigte Regulierung“ angreift. Falsche Schlussfolgerungen Zurzeit werden die Details des Dienstleistungspakets im Ministerrat und im Europäischen Parlament in Brüssel beraten. Zwei der Gesetzesvorschläge, die die Meldepfžicht für neue Gesetze sowie die Verhältnismäßigkeitsprüfung betreffen, konnten zuvor deutlich abgeschwächt werden. Entsprechend unterstrich die Vertreterin des Ministeriums für Wirtschaft und Energie, Kirstin Pukall, im Europaseminar, Deutschland habe seine Anliegen – und somit auch die der Architekten – großteils erfolgreich eingebracht. Da auch andere Mitgliedstaaten die Vorschläge aufgrund der geplanten schweren Eingriffe in die Souveränität und Gesetzgebungshoheit als ungeeignet kritisieren, hatten auch Bundesrat und Bundestag Subsidiaritätsrügen ausgesprochen. Die nun im Ministerrat erreichte Position kommt den Bedenken entgegen, indem sie die Rechte der Mitgliedstaaten und ihrer Behörden wie der Kammern stärkt. Wenn nun das EU-Parlament seine Position gefunden hat, können Rat, Parlament und Kommission die sogenannten Trilog-Verhandlungen beginnen, in denen der endgültige Kompromiss festgelegt wird. Bei dem Vorschlag zur Dienstleistungskarte sei allerdings nicht mit einer schnellen Einigung zu rechnen, so Pukall. Die Ÿ48 Seiten Fragen der Mitgliedstaaten an die Kommission dazu wurden noch nicht befriedigend beantwortet. Für die EU-Kommission unterstrich Patrick Lobis, Referent in der Kommissionsvertretung in Berlin, das Thema sei oftmals sehr technisch, aber ihr liege viel daran, alle Betroffenen einzubinden. Er zitierte den früheren Kommissionspräsidenten Jacques Delors: „Niemand verliebt sich in einen Binnenmarkt.“ Ian Pritchard, Generalsekretär des Architects’ Council of Europe, wies hingegen auf die Schwierigkeit hin, dass die nationalen Systeme für Architekten unterschiedlich seien, die Kommission aber einen Indikator anwende, der die Unterschiede nicht ausreichend berücksichtige. Dies führe zu falschen Ergebnissen und falschen Schlussfolgerungen. Um hier klarer zu sehen, hat das in den Verhandlungen um das Dienstleistungspaket federführende Wirtschaftsministerium seit Anfang des Jahres mehrere Anhörungen und Gespräche mit den betroffenen Verbänden durchgeführt. In der aktuellen Diskussion in Berlin wurde deutlich, dass die berufspolitische Beratung und Interessenvertretung vom Ministerium sehr ernst genommen wird und eine wichtige Rolle bei der Festlegung der deutschen Position im Rat spielt. Brigitta Bartsch leitet das Verbindungsbüro der BAK in Brüssel.

„Ich muss wissen, wie die Erbauer gedacht haben“

Bernd Jäger: Geschäftsführer der JaKo Baudenkmalpflege GmbH, Präsident der Bundesvereinigung „Restaurator im Handwerk“ und Mitglied im Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz. Wenn ein altes Haus an seinem Standort keine Zukunft hat, kann man es mit weinendem Auge abreißen – oder Stück für Stück an einen neuen Ort versetzen. Bernd Jäger und seine Brüder haben sich darauf spezialisiert. Interview: Brigitte Schultz Herr Jäger, mit Ihrem Betrieb haben Sie inzwischen über 100 historische Gebäude „transloziert“, also an einen anderen Standort versetzt. Wie wird man Spezialist dafür? Das kann man nicht planen. Meine zwei Brüder und ich sind da reingewachsen. In den Achtzigern suchte ein benachbartes Freilichtmuseum jemanden, der eine neue Technik aus Amerika anwendet. Dort versetzte man schon komplette Wände statt einzelner Bauteile. Unser Vater war als Zimmerermeister im Denkmalschutz aktiv und bereit, das zu versuchen. So hat er das Translozierungssystem, wie man es heute aus Freilichtmuseen kennt, mit aufgebaut. Arbeiten Sie heute noch nach dem System Ihres Vaters? Wir haben das sukzessive weiterentwickelt. Inzwischen beschäftigen wir neben Handwerkern auch Ingenieure und Architekten. So können wir von der Planung über die denkmalp‡flegerische wissenschaftliche Betreuung bis zur Ausführung alles anbieten. Wie muss man sich so eine Translozierung konkret vorstellen? Versetzen Sie das Haus inzwischen an einem Stück? Das ist eine Frage der Logistik. Wir haben schon einige Häuser am Stück versetzt, etwa ein Quelle-Fertighaus in ein Museum (siehe dazu auch „Damals im Fertighaus“). Gerade kam eine Anfrage aus Hamburg für einen Leuchtturm. Da könnte die Höhe ein Problem sein. Aber wir versuchen immer, möglichst wenig zu schneiden. Ein Haus zieht um: Die Gebäude werden in Einzelteile zerlegt und am neuen Standort wieder aufgebaut. Und wenn Sie schneiden müssen? Beim Fachwerk liegen die Schnittstellen durch die Verzapfung der einzelnen Hölzer fest. Schwieriger ist Mauerwerk. Da de–finieren wir Schnittkanten und schneiden die Wand vertikal und horizontal mit einer speziellen Sägetechnik. Ich verliere dann die Stärke des Sägeblatts an Material. Wie gehen Sie mit der Statik um? Wir trennen ein Gebäude zum Beispiel nie am Eck, weil die Ecke für die Tragfähigkeit enorm wichtig ist. Neben der Statik ist aber auch die wissenschaftliche Komponente relevant. Wenn an einer Wand ein Fresko ist, schneide ich das natürlich nicht durch. Die Gebäude werden auseinandergeschnitten, verpackt und in eine der JaKo-Hallen transportiert. So sieht der Transport dann aus. Und wie kommen die Nahtstellen wieder zusammen? In die Schnittkanten wird über die ganze Wandhöhe ein Keil eingeschnitten, der mit Stahlbeton verfüllt wird. Das ist nachher von außen nicht sichtbar. Bauen Sie die Gebäude immer nahtlos ab und sofort woanders wieder auf? Nein. Wenn wir nicht nur versetzen, sondern auch restaurieren, haben wir ein spezielles System entwickelt: Wir bauen das Haus in einer unserer Hallen „1:1„ wieder auf und restaurieren es dort. Wenn alles – bis vielleicht auf den Feinputz – fertig ist, wird es wieder zerlegt und an ein, zwei Tagen an seinem neuen Standort wieder aufgebaut. Die Gebäude werden zunächst in der Werkshalle wieder aufgebaut und restauriert. Warum bauen Sie es in der Halle wieder auf, anstatt gleich am neuen Standort? Dadurch minimieren wir Kostenrisiken wie das tägliche Auf- und Abplanen auf der Baustelle, aber auch die gesamte Logistik. So können wir präzise kalkulieren und unsere Leistung zu einem festen Preis anbieten. Und wir können auch Gebäude einlagern. Denn es kommt vor, dass ein Gebäude einige Jahre bei uns liegt, bis die Gelder für den Wiederaufbau beschaffŽt sind oder ein geeignetes Grundstück gefunden ist. Welchen Zustand lagern Sie ein? Den Ursprungszustand. Die Hallen sind komplett klimatisiert, sodass das Gebäude nicht weiter verfällt. Direkt bevor es an einen neuen Standort kommt, wird es in der Halle aufgebaut und restauriert. Warum bauen Sie es komplett wieder auf und restaurieren nicht die Einzelteile? Die Dreidimensionalität ist wichtig. Historische Gebäude haben ja keinen rechten Winkel: Häufi’g sind Wände, Balken und so weiter schief und krumm, das kann ich nur im räumlichen Zusammenhang nachvollziehen. Sonst passt am Ende nichts mehr. Nutzen Sie digitale Hilfsmittel, um zuordnen zu können, was an welcher Stelle war? Ja. Vor dem Zerlegen machen wir ein 3•-D-Aufmaß mit dem Laser-Scanner. Aus dem 3•-D-Modell erstellen wir Grundrisse und Ansichten. Alle Trennungen werden in diese Bestandspläne eingezeichnet und archiviert. Alle Gebäudeteile werden katalogisiert. Zu jeder Wandnummer gehört beispielsweise der Ort, wo die Wand stand, und das Gewicht; das ist für den Transport und den Wiederaufbau wichtig. Wer leistet sich diesen Service? Großteils Freilichtmuseen. Aber alle paar Jahre versetzen wir auch Häuser für Privatleute. Letztens haben wir in Hamburg eine Gründerzeitfassade abgenommen und werden sie an gleicher Stelle wieder aufbauen, wenn der Neubau dahinter fertig ist. Warum hat man die Fassade nicht vor Ort gesichert, wenn sie dort bleiben soll? Das war nicht möglich, weil die Straße als Zufahrt zu einer Botschaft frei bleiben musste. Es hatte aber auch für die Bauarbeiten große Vorteile, dass die Fassade aus dem Weg war. In der engen Baulücke wäre der Neubau hinter der bestehenden Fassade ganz schön kompliziert geworden. Sie beschäftigen sechs Architekten. Wie sieht deren tägliche Arbeit aus? Unsere Architekten begleiten sowohl die Translozierung als auch die Restaurierung. Sie bearbeiten sämtliche Leistungsphasen. Mussten die Kollegen eine spezielle Qualikation im Denkmalschutz mitbringen? Natürlich ist Erfahrung gut. Aber ganz ehrlich: Fachlich lernt man schnell dazu. Viel wichtiger ist uns das Soziale. Ein Architekt muss ein Kommunikator sein, der alle anderen Spezialisten und natürlich auch die Kunden versteht und zusammenbringt. Was war denn Ihr herausragendstes Projekt bisher? Das kann ich so gar nicht sagen. Das hört sich jetzt komisch an, aber jedes aktuelle Projekt ist für uns das bedeutendste. Zum Beispiel hatten wir vor zwei Jahren eine einfache Holzbaracke aus dem Jahr Ž‘Ž’1910. Aber in dieser Baracke hat der Flugzeugkonstrukteur Claude Dornier sein erstes Konstruktionsbüro gehabt, von dort aus wurde die Luft- und Raumfahrttechnik revolutioniert! Wenn einem bewusst wird, was für eine Bedeutung das hatte, ist es wirklich ein Geschenk, ein Teil davon sein zu dürfen, das für die nächste Generation zu erhalten. Aber so geht es mir bei jedem Gebäude. Weil jedes Gebäude seine Geschichten hat. Versorgt Sie der Denkmalschutz mit diesen Geschichten? Wir arbeiten eng mit den Denkmalämtern und anderen Behörden zusammen. Aber vieles  finden wir auch selbst heraus. Ich muss wissen, woher das Gebäude kommt, wie die Erbauer und die Nutzer gedacht haben, sonst geht das Flair des Gebäudes bei der Restaurierung verloren. Mehr Informationen und Artikel zum Thema „Erneuern“ finden Sie in unserem DABthema Erneuern

Vom Deutschen Architektenkongress, BIM Infos, Backstein Projekten und Fördergeldern

Bremer Landesbank, Caruso St John Vom Deutschen Architektenkongress, BIM-Infos, Backstein Projekten und Fördergeldern bis hin zu Schülerentwürfen für optimale Schulen. Das sind die aktuellen Meldungen. Bestes aus Backstein Die Bremer Landesbank von Caruso St John Architects aus London erhält den „Grand Prix“ des Fritz-Höger-Preises 2017 als bestes von über 600 eingereichten Projekten aus Backstein. Das kraftvolle Bauwerk mache den Bezug zum Ort deutlich und spiele „mit selten gesehener Raffinesse“ die Gestaltungsmöglichkeiten des Materials aus, so die Jury. Goldene Preise wurden in den Kategorien ֕ffentliche Bauten (Shakespeare-Theater, Danzig), Wohnungsbau (Wohntürme T5 und T6, Antwerpen), Einfamilienhaus (Termitary House, Da Nang, Vietnam) und Sanierung (Kirche Santa Maria de Vilanova de la Barca, Spanien) verliehen. Santa Maria de Vilanova de la Barca, Alea Olea architecture & landscape Den Goldenen Preis für Energie erhielten Wulf Architekten aus Stuttgart für die Hessenwaldschule in Weiterstadt bei Darmstadt. Der präzise geschnittene Baukörper mit hellgrau geschlämmtem Mauerwerk erreicht den Passivhausstandard. Hessenwaldschule, Wulf Architekten Einen Goldenen Preis als Newcomer erhält Nick Chadde aus Weimar für seine bildhafte Idee zum Umbau einer alten Ziegelei in ein Badehaus. Die Preisverleihung fand am 6. Oktober in Berlin statt. Eine Ausstellung soll an verschiedenen Universitäten Station machen. www.backstein.com/architekturpreis Deutscher Architektenkongress Die fortschreitende Digitalisierung in allen Lebensbereichen und ihre Auswirkungen auf das Bauwesen, wie beispielsweise eine zunehmende Gebäudeautomation, verändern das Berufsbild der Planer. „Die Rolle des Architekten im digitalen Zeitalter“ ist daher Thema des Deutschen Architektenkongresses, der am 16. November in Berlin stattfindet. Neben handfesten Vorträgen, etwa zur Vermeidung von Haftungsfallen bei der Nutzung von BIM, stehen kontroverse Diskussionen mit Vertretern von Kommunen, der Industrie sowie der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft im Mittelpunkt. Thematisiert wird, ob neue Technologien auch eine neue Baukultur mit sich bringen, ob Google, Apple und Co bald unsere Gebäude steuern und ob der Architekt dabei Kundenberater, Projektentwickler oder Allroundgenie sein wird. Über das „Wesen der Architektur im 21. Jahrhundert“ spricht der Architekt Hadi Teherani. BAK-Präsidentin Barbara Ettinger-Brinckmann wird den Kongress eröffŸnen, der von Euroforum in Kooperation mit dem Deutschen Architektenblatt (DAB) veranstaltet wird. Abonnenten des DAB zahlen 250 statt 400 Euro. Fortbildungspunkte sind beantragt. Informationen und Anmeldung: www.architekten-kongress.de BIM-Pilotkurs Im September wurde ein einheitlicher „BIM Standard Deutscher Architektenkammern“ für Fort- und Weiterbildungen etabliert, wie wir im letzten Heft berichteten. Der entsprechende Pilotkurs „BIM in der Architektur“ findet vom 23. bis 25. November in Wiesbaden statt. Er gibt einen Überblick über rechtliche Grundlagen, verschiedene BIM-Werkzeuge und das teamorientierte Zusammenarbeiten am digitalen Modell, bei dem der Architekt als Koordinator im Mittelpunkt steht. Veranstalterin ist die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen. Deren Mitglieder zahlen 1.200 Euro, Gäste 1.450 Euro. Die Anmeldung ist bis zum 9. November möglich. Informationen und Anmeldung: www.akh.de BIM-Leitfaden Die Verbreitung von BIM hat Auswirkungen auf das Leistungsbild der Architekten, auf die Gestaltung von Verträgen und auf die Honorarberechnung. Der 90-seitige Leitfaden „BIM für Architekten – Leistungsbild, Vertrag, Vergütung“ stellt das Leistungsbild Objektplanung dar und gibt detaillierte Anwendungshinweise. Die vorgeschlagenen „Besonderen Leistungen“ nach HOAI werden dabei genau erläutert. Zu finden sind auch Klauselvorschläge für Architektenverträge sowie Hinweise zu Urheberrecht, Datenschutz und Haftung. Die Broschüre wurde von der BAK mit den Kammern aus Hessen und Nordrhein-Westfalen erstellt. Kostenloser Download Forschungsgelder beantragen Die Initiative „Zukunft Bau“ vergibt Fördergelder für Forschungen zur Rolle der Architektur und der Stadtplanung bei der Gestaltung von zukunftsfähigen Wohn- und Lebensräumen. Die Untersuchungen können sich auf die Raumqualität, die Planungskultur oder direkt auf bauliche Maßnahmen beziehen. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt sind die Zukunftsperspektiven für das Planen und Bauen an den Schnittstellen von Architektur, Bauingenieurwesen, Gebäudetechnik und Städtebau. Anträge werden bis zum 30. November angenommen. www.forschungsinitiative.de Neues aus San Riemo Die Münchener Genossenschaft „Kooperative Großstadt“ wird ihr Projekt „San Riemo“ in der Messestadt Riem (siehe „Wohnen als Experiment“) nach dem zweitplatzierten Entwurf von Summacumfemmer und Juliane Greb realisieren. Den ersten Preis von Tim Schäfer, Pablo Donet Garcia und Tanja Reimer betrachten sie als mit dem vorhandenen Budget nicht umsetzbar. www.kooperative-grossstadt.de Schüler machen Schule Das Berliner Haus der Kulturen der Welt und die ZEIT-Verlagsgruppe rufen Schüler dazu auf, ihre Forderungen an die Schule der Zukunft zu formulieren. Was macht die perfekte Schule aus und welches Wissen vermittelt sie? Wer lernt von wem und wie? Und nicht zuletzt: Wie sollten Schulen gebaut sein? Eingereicht werden können spontane Skizzen aus der Fünfminutenpause ebenso wie große Visionen aus Projektwochen. Alle Formate sind erwünscht: Kurzgeschichte oder Rap, 3-D-Modell oder Collage, Handyvideo oder Comic.Einsendeschluss ist der 31. Januar 2018. Mehr Informationen  

Wenn sich die Wege trennen

Foto: Fotolia Bei einer Kündigung müssen Arbeitgeber und Beschäftigte Fristen und Formalien beachten. Der Kündigungsgrund bleibt dennoch oft im Dunkeln. Text: Julia Oesterling Während es bei Arbeitnehmern teilweise heißt, dass sie „innerlich gekündigt“ haben, geht eine ausgesprochene Kündigung meistens vom Arbeitgeber aus. „Kommen Sie bitte nach dem Mittagessen in mein Büro“, heißt es dann etwa. Vielleicht gab es schon eine Vorahnung oder aber das Gespräch über die Beendigung des Arbeitsverhältnisses kommt ganz überraschend. Der Vorgesetzte schiebt ein Blatt Papier mit der Überschrift „Ordentliche Kündigung“ über den Schreibtisch. „Wir wollen das Arbeitsverhältnis mit Ihnen nicht fortsetzen, Sie sind ab sofort von der Arbeit freigestellt. Bitte quittieren Sie hier, dass Sie die Kündigung erhalten haben“, könnte es dazu heißen. Zugang der Kündigung und Klagefrist In der Regel möchte ein Arbeitgeber die Übergabe der Kündigung durch eine Unterschrift bestätigt bekommen, weil er damit deren Zugang beweisen kann. Trotzdem sollten die Beschäftigten nichts unterschreiben, da sie in diesem Moment nicht überblicken können, ob auf dem Papier neben dem Erhalt der Kündigung noch etwas anderes steht. Vorgelegte Unterlagen sollten mit nach Hause genommen und in Ruhe durchgesehen werden. Es gibt auch keine Verp‘flichtung zur Bestätigung des Erhalts der Kündigung. Wenn der Arbeitgeber den Zugang des Schreibens beweisen möchte, kann er einen Zeugen hinzurufen oder auch die Kündigung per Kurierdienst oder Einschreiben bei dem Beschäftigten zu Hause zustellen lassen. Der Zugang der Kündigung ist wichtig, weil ab diesem Tag eine Dreiwochenfrist beginnt, innerhalb derer der Arbeitnehmer eine Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht erheben kann. Wird die Frist auch nur um einen Tag überschritten, so wird die Kündigung als wirksam angesehen, unabhängig davon, ob ein Kündigungsgrund vorlag. Ausnahmen werden von den Gerichten nur selten zugelassen. Freistellung Eine Freistellung von der Arbeit bis zum Ablauf der Kündigungsfrist kommt häu“fig vor, denn die Arbeitsmotivation nach Ausspruch einer Kündigung ist in der Regel nicht mehr hoch. Der Arbeitnehmer muss dann nicht mehr arbeiten. Bei einer einseitigen Freistellung durch den Arbeitgeber muss dieser jedoch trotzdem weiter das Gehalt zahlen. Kündigungsgrund oft unklar Zumindest im Kündigungsschreiben muss der Arbeitgeber seine Gründe nicht darlegen. Nur bei einer fristlosen Kündigung ist er gemäß § —˜—626 Abs. 2˜ S. 3 ™des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) zwar gesetzlich verpfl‘ichtet, auf Verlangen die Gründe mitzuteilen. Weil das Gesetz jedoch kaum eine Sanktion im Falle des Schweigens vorsieht, wird häu“fig nicht geantwortet. Es gibt unvermeidliche und daher erwartbare Kündigungen, etwa bei starkem Auftragsrückgang. Oder ein Mitarbeiter ist schon seit Langem krank oder hat einen gravierenden Fehler begangen und rechnet daher selbst mit einer Kündigung. Gekündigte Mitarbeiter hingegen, die etwa vor Kurzem noch eine Bonuszahlung oder ein Lob für ihre guten Leistungen bekommen haben, stehen oft vor einem Rätsel: Hätte ich auf der Weihnachtsfeier besser nicht von meinem Kinderwunsch erzählen sollen? War die leise Kritik an dem Vorgesetzten vor ein paar Wochen der Auslöser? In vielen Fällen wird man die genauen Gründe gar nicht oder erst in einem Kündigungsschutzprozess erfahren. Denn erst vor dem Arbeitsgericht muss der Arbeitgeber die Kündigung begründen, damit das Gericht überprüfen kann, ob die Kündigung nach dem Kündigungsschutzgesetz (KSchG) sozial gerechtfertigt ist. Dieses Gesetz ist allerdings nur anwendbar, wenn das Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate Bestand hatte und im Betrieb in der Regel mehr als zehn Arbeitnehmer in Vollzeit arbeiten.Teilzeitbeschäftigte werden bei der Berechnung anteilig gezählt. Der Arbeitgeber muss für die soziale Rechtfertigung der Kündigung dringende betriebliche Erfordernisse, personenbedingte oder verhaltensbedingte Gründe vorbringen. Dringende betriebliche Erfordernisse Ein dringendes betriebliches Erfordernis ist beispielsweise ein starker Auftragsrückgang. Wenn es mehrere Arbeitnehmer mit vergleichbaren Tätigkeiten gibt, muss der Arbeitgeber unter ihnen eine Sozialauswahl treffen. Anhand der Kriterien Betriebszugehörigkeit, Lebensalter, Unterhaltspflichten und Schwerbehinderung der Beschäftigten muss er die seiner Ansicht nach am wenigsten schutzwürdige Person auswählen. Diese Auswahl würde im Rahmen eines Prozesses überprüft werden. Personenbedingte Gründe Ein personenbedingter Kündigungsgrund ist zum Beispiel ein langer krankheitsbedingter Ausfall, wenn auch zukünftig keine Besserung erwartet werden kann. Zu beachten ist in diesem Fall, dass der Arbeitgeber bei insgesamt mehr als sechs Wochen Krankheit im Jahr verpflichtet ist, ein betriebliches Eingliederungsmanagement durchzuführen. In diesem Verfahren sollen Möglichkeiten zur Überwindung der Arbeitsunfähigkeit geprüft und der Arbeitsplatz dadurch erhalten werden. Hat der Arbeitgeber dieses Verfahren nicht durchgeführt, so wird es für ihn schwierig, eine krankheitsbedingte Kündigung vor Gericht zu rechtfertigen. Verhaltensbedingte Gründe Ein verhaltensbedingter Kündigungsgrund liegt vor, wenn der Arbeitnehmer die Interessen des Arbeitgebers durch sein Verhalten negativ beeinträchtigt, also gegen arbeitsvertragliche Pflichten verstößt. Im Februar 2017 hatte das Landesarbeitsgericht Köln über den Fall einer außerordentlichen Kündigung zu entscheiden (Urteil vom 7. Februar 2017, Az.: 12 Sa 745/16). Der angestellte Arbeitnehmer hatte sein privates Profil im Online-Karrierenetzwerk XING auf den Status „Freiberufler“ geändert. Der Arbeitgeber sprach daraufhin die fristlose Kündigung aus und begründete dies mit einer unerlaubten Wettbewerbstätigkeit. Das Landesarbeitsgericht ließ allein das Umstellen des Profils jedoch nicht als wichtigen Grund gelten und hat die Kündigung zurückgewiesen. Bei leichten Pflichtverletzungen müsse der Arbeitgeber zunächst eine Abmahnung erteilen. Auch wenn sie sich im Nachhinein als unwirksam erweist, bereitet eine fristlose Kündigung dem Arbeitnehmer Probleme, denn das Arbeitsamt verhängt in der Regel zunächst eine Sperrfrist, in der kein Arbeitslosengeld gezahlt wird, weil es davon ausgeht, dass der Verlust des Arbeitsplatzes selbst verschuldet ist. Dies gilt übrigens auch im Falle der Eigenkündigung durch den Arbeitnehmer. Auch wenn das Kündigungsschutzgesetz nicht anwendbar ist, kann eine Kündigung unwirksam sein. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn die Kündigung gegen ein Diskriminierungsverbot nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz oder gegen die guten Sitten verstößt. Besonderer Kündigungsschutz Einen besonderen Kündigungsschutz gibt es für schwerbehinderte Arbeitnehmer, Schwangere, Beschäftigte in Elternzeit sowie Mitglieder des Betriebsrats oder der Schwerbehindertenvertretung. Eine Kündigung dieser Personengruppen ist nur in Ausnahmefällen möglich. Abmahnung Bei leichten Pfl‚ichtverletzungen wird von den Gerichten in der Regel verlangt, dass der Arbeitgeber zunächst eine Abmahnung erteilt. Diese rügt ein konkretes Fehlverhalten und warnt mit einer Kündigungsandrohung vor weiteren Verstößen. Sie erfolgt aus Beweisgründen fast immer schriftlich. Es gibt keine Vorgabe, wie viele Abmahnungen der Arbeitgeber vor einer Kündigung ausgesprochen haben muss, sondern es kommt auf die Schwere des Verstoßes an. Kündigungsfrist Für eine fristlose Kündigung ohne Einhaltung der Kündigungsfrist braucht der Arbeitgeber immer einen wichtigen Grund. Es muss für ihn unzumutbar sein, die Kündigungsfrist abzuwarten. Dies ist bei schweren Verfehlungen, wie zum Beispiel Straftaten, der Fall. Die Kündigungsfrist für eine ordentliche Kündigung ergibt sich aus dem Gesetz, dem Arbeitsvertrag oder auch einem Tarifvertrag. In § ˆ‰622 BGB sind die Mindestfristen vorgegeben. Hat ein Arbeitsverhältnis zum Beispiel weniger als zwei Jahre bestanden, so können der Arbeitgeber und die Beschäftigten mit einer Frist von vier Wochen zum 15Ž‘. oder zum Ende des Kalendermonats kündigen. Mit zunehmender Betriebszugehörigkeit verlängert sich diese Frist für den Arbeitgeber. Im Arbeits- oder Tarifvertrag können auch längere Kündigungsfristen vereinbart werden. Während einer vereinbarten Probezeit kann das Arbeitsverhältnis mit einer Frist von zwei Wochen gekündigt werden. Klage Nach Erhebung einer Kündigungsschutzklage beraumt das Arbeitsgericht in der Regel innerhalb von einigen Wochen den ersten Gerichtstermin an. Dieser Termin heißt Gütetermin, weil eine gütliche Einigung in einem gerichtlich dokumentierten Vergleich erzielt werden soll. Tatsächlich werden circa “” Prozent der Fälle vor dem Arbeitsgericht durch einen solchen Vergleich beendet. Dieser kann bei einer betriebsbedingten Kündigung so aussehen: Der Arbeitnehmer erklärt sich mit der Beendigung des Arbeitsverhältnisses aus betriebsbedingten Gründen, unter Einhaltung der Kündigungsfrist, einverstanden. Der Arbeitgeber zahlt als Ausgleich eine Abfi–ndung und erteilt ein Arbeitszeugnis mit der Note „sehr gut“. Was genau der Grund für die Kündigung war, wird dann nicht mehr geklärt. Der Rechtsstreit ist damit erledigt. Ein Kündigungsschutzprozess vor dem Arbeitsgericht ist teuer. Das liegt an einer Sonderregelung, nach der in der ersten Instanz jede Seite ihren Anwalt selbst bezahlen muss, auch wenn sie den Prozess gewinnt. Es besteht aber auch die Möglichkeit, die Klage ohne anwaltliche Unterstützung beim Arbeitsgericht zu erheben oder sich gegen sie zu verteidigen. Gerichtskosten entstehen beim Abschluss eines gerichtlichen Vergleichs dagegen nicht. Im Falle eines Urteils muss die unterliegende Partei die Gerichtskosten tragen. Falls beide Parteien teilweise recht bekommen, werden die Gerichtskosten unter ihnen aufgeteilt. Eine Rechtsschutzversicherung für Arbeitsrecht übernimmt in der Regel die Kosten für eine Kündigungsschutzklage. Auch die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft sichert den kostenlosen gewerkschaftlichen Rechtsschutz bei arbeitsrechtlichen oder sozialrechtlichen Streitigkeiten. Julia Oesterling ist Fachanwältin für Arbeitsrecht in der Kanzlei Betz Rakete Dombek in Berlin. Hinweis: Zugunsten der Lesbarkeit wird, wie im DAB üblich, in diesem Beitrag das generische Maskulinum benutzt, das alle Geschlechter einschließt. Das Manuskript der Autorin sah eine sprachliche Genderung vor. Mehr Informationen zum Thema Recht erhalten Sie hier

Konventionell kontra Vorfertigung

Projekt München-Schwabing: Die Straßenfassade wurde mit dem auf vorgefertigtem Holztafelbau basierenden Timber-based-Element-System modernisiert. „Das klären wir dann vor Ort“, ist bei Planern wie Ausführenden ein beliebtes, weil erleichterndes Schlusswort von Baubesprechungen. Dies gilt vor allem, wenn es um das konventionelle Bauen im Bestand geht. Verfechter vorgefertigten Bauens empfinden dies dagegen als Provokation und Kapitulation vor der Komplexität der Aufgabe. Wer hat die besseren Argumente? Text: Wolfgang Huß Vorgefertigter Holzbau bezieht – bislang vorrangig bei Neubauten – seine wichtigsten Argumente aus dem hohen Vorfertigungsgrad: Die bekannten Folgen sind eine hohe Ausführungsqualität, eine kurze Montagezeit vor Ort, eine menschenfreundlichere Arbeitsweise und ab einem gewissen Projektzeitpunkt auch eine höhere Kostensicherheit. Was liegt da näher, als diese Bauweise auch beim Bauen im Bestand einzusetzen? Denn beim Umbau von Gebäuden, vor allem bei laufendem Betrieb, wirken sich die kurze Bauzeit sowie die staub- und lärmarme Montage positiv aus. Dennoch werden bislang solche Projekte nur selten realisiert. Vorgefertigtes Bauen fordert ein hohes Maß an Planungstiefe. Alle relevanten Fragen müssen im Vorfeld beantwortet werden, damit keine Probleme bei der Ausführung entstehen. Welche Erleichterung bringt demgegenüber die konventionelle baubegleitende Planung? Erkennen Architekten aufgrund ihrer Erfahrungen Problemzonen im Vorfeld und können sie, ohne die letztlich auszuführende Lösung im Detail zu kennen, entsprechende Reserven in Kosten- und Terminplänen vorsehen, dann können sie auch im Bauverlauf auf die freigelegte Konstruktion und das wertvolle Praxiswissen der ausführenden Firmen zurückgreifen. Fehler im Aufmaß oder in anderen Bereichen der Bestandsaufnahme fallen in der Regel weit weniger als beim vorgefertigten Bauen ins Gewicht. Anschlüsse und Bauteilaufbauten können zum Teil einfacher gestaltet werden, wenn nicht die Anforderung an geschlossene und transportierbare Elemente besteht. Es bleibt der Wermutstropfen des konventionellen, also des reagierenden Bauens, dass Bauzeit, Kostensicherheit, Qualität und Überwachbarkeit der Ausführung auf einem anderen Niveau stattfi”nden als beim vorgefertigten Bauen. Eine Frage der Kommunikation und Fachexpertise Vorfertigung im Bestand lebt mit der Gefahr, durch Planungslücken ihre Vorteile zum Teil einzubüßen. Fehlerpotenzial liegt in einer unvollständigen Bestandsaufnahme. Das Bestandsgebäude muss, wenn es mit 2•D- oder –3D-Elementen saniert wird, vom Architekten und von den Fachplanern über die Disziplinen hinweg vollständig verstanden und dokumentiert werden. Dafür ist ein hohes Maß an Kommunikation notwendig, an der sich alle Fachplaner aktiv und verantwortungsvoll beteiligen sollten. Ein praktisches Beispiel: Heizleitungen in der Außenwand, wie in der Nachkriegszeit üblich, verursachen kleine Aussparungen in den bestehenden Betondecken. Diese wiederum können den Anschluss von neuen Balkonen oder Fassadenelementen erheblich beeinträchtigen. Wer sollte darauf hinweisen? Ist das ein Haustechnik-, ein Tragwerks- oder ein Architekturthema oder vielmehr eine Frage der Kommunikation? Der Architekt als organisierender Koordinator muss intensiv mit den Beteiligten diskutieren, welche Untersuchungen, etwa zu Betonfestigkeit, Art und Zustand der Bewehrung, Qualität des Bestandsmauerwerks, eventuellen Feuchteschäden oder Setzungen, Trassenführung der Haustechnik sowie Zustand und Sicherheit von Leitungen, für die Planung relevant sind. Denn im Bauverlauf macht es sich bezahlt, wenn wichtige Komponenten, wie Haustrennwände, Bestandsdecken und -wände, Haustechnikschächte und Aussparungen in ihrer Geometrie, Materialität und Erhaltungsgrad, genau erfasst und hinsichtlich Brandschutz, Schallschutz und Tragfähigkeit so exakt wie möglich bewertet sind. Es ist durchaus auch eine Aufgabe des Architekten, festzulegen, wie Bestandstoleranzen bei der Planung der vorzufertigenden Elemente berücksichtigt werden: Der Architekt sollte die Festlegung von Achsen, die Erstellung des Aufmaßes und die aufmaßkonforme Montage der Elemente vor Ort zusammen mit der ausführenden Firma sorgfältig unter Kontrolle behalten. Hoher Vorfertigungsgrad: Es wurden vertikale, über drei Geschosse reichende Elemente vor die Bestandsfassade montiert. Holzbaukompetenz in die Planung integrieren Gerade beim Bauen im Bestand ist es unabdingbar, die Kompetenz zum Thema Holzbau bereits in der Planungsphase im Team zu haben. Ein Blick in die Schweiz, derzeit Holzbau-Spitzenreiter, zeigt das Modell des Holzbau-Ingenieurs: Er berät zur Holzbau- Konstruktion und weist diese statisch nach, arbeitet bei der Detailentwicklung mit und überwacht diese, liefert Input zu Schall- und Brandschutz, erstellt die Ausschreibung, zum Teil sogar die Werk- und Montageplanung für die Ausführung. Eine andere Strategie ist die Beauftragung der ausführenden Holzbaufi‘rma zu einem frühen Projektzeitpunkt. Das hat den Vorteil, dass fi‘rmenspezi‘sch optimierte Lösungen erarbeitet werden können. Denn bislang hat jedes Unternehmen bevorzugte Lösungen, es fehlt noch an Standardisierung. Funktionale Ausschreibungen erlauben die Mitarbeit des Unternehmens bei der Detailplanung, was je nach Teamzusammensetzung den Planungsprozess deutlich effektiver machen kann. Es liegen auch Erfahrungen zu verschiedenen Varianten von Bauteam-Lösungen vor, die alle gemein haben, dass ausführende Firmen in der frühen Planung beteiligt sind. Es lassen sich dabei Mechanismen integrieren, die die Kostenkontrolle verbessern: Beispielsweise kann die Firma ein Leistungsverzeichnis mit entwickeln, das dann auch von anderen Unternehmen angeboten werden kann. Der Holzbau-Planungsprozess undšmögliche Kooperationsmodelle sind im aktuell erschienenen Schlussbericht des Forschungsprojektes leanWOOD (www.leanwood.eu) unter Leitung der Technischen Universität München (TUM) intensiv beleuchtet worden. Erfahrungen aus der Praxis – Fassadensanierung in München-Schwabing Ein im Abschluss be–findliches Projekt aus dem von mir gemeinsam mit Martin Kühfuss und Christian Schühle betriebenen Büro HKS erlaubt einen sicher nicht repräsentativen, aber ungewöhnlich direkten Vergleich zwischen konventioneller Sanierung und der Verwendung vorgefertigter Elemente. Bei der Modernisierung der Gebäudehülle von zwei sechsgeschossigen Schwabinger Blockrandhäusern wurden die Hoffassaden mit neuen Stahlbalkonen, Holz-Alu-Fenstern und einem mineralischen Wärmedämmverbund-System konventionell saniert. An der Straßenseite sollte die Architektur des Hauses aus den frühen 1960er-Jahren grundsätzlich aufgewertet werden. Die aufwendigere Gestaltung der Straßenfassade gegenüber einer schlicht gestalteten Hoffassade ist im gründerzeitlich geprägten Schwabing durchaus ortstypisch. Es kam das an der TU München entwickelte, auf vorgefertigtem Holztafelbau basierende Timber-based-Element-System (TES Energy Facade) zur Anwendung: Vertikale, über drei Geschosse reichende Elemente mit vormontierten Fenstern wurden vor die gemauerte Bestandsfassade montiert. Damit sind die architektonischen Spielräume der beiden Systeme benannt: Auf der Hofseite beschränken sich die Entscheidungen im Wesentlichen auf das Zusammenspiel von Fensterteilung, Farbe, Putzstruktur und Balkongeländer. Für die Gestaltung war es zudem wichtig, die stählerne Lastabtragung der Balkone im WDVS zu verbergen. Hofseite: Die rückwärtige Fassade wurde konventionell mit neuen Balkonen, Fenstern und einem WDVS saniert. Mit dem vorgefertigten System an der Straße stand ein enorm breites Spektrum an Ober•flächen und Formen zur Verfügung. Die Entscheidung fi–el auf Faserzementplatten, die, geschuppt montiert, durchlaufende Brüstungsbänder erzeugen und zusammen mit den geschwungenen Balkonen die Fassade neu gestalten. Ein textiler Sonnenschutz konnte durch den leichten zwischen Brüstungsbändern und Fensterzone problemlos integriert werden. Straßenseite: Die vorgefertigten Elemente wurden mit Faserzementplatten bekleidet, die, geschuppt montiert, durchlaufende Brüstungen erzeugen. Das WDVS erzielt einen etwas besseren U-Wert als die vorgefertigte Fassade, da deren Aufbautiefe, durch die Baugenehmigung bedingt, limitiert ist und der Gefachanteil der Holzkonstruktion und die Hinterlüftungsebene die Dämmleistung etwas reduzieren. Die Fenster auf der Hofseite verlieren im Vergleich mit der vorgefertigten Fassade etwas weniger Glasfläche. Denn bei der elementierten Fassade wurden die leicht verspringenden Fensterhöhen begradigt und die Unterschiede im Anschluss an den Bestand ausgeglichen. Die Wetterabhängigkeit ist beim vorgefertigten System viel geringer: Hier werden die alten Fenster erst vor dem Einbau der neuen Elemente mit integrierten Fenstern ausgebaut. Eine Montage bei Minustemperaturen ist zwar nicht ratsam, technisch aber möglich, da die Elemente lediglich auf Holzpro†len verschraubt werden. Die Montagezeit der Elemente inklusive Unterkonstruktion lag mit etwa zwei Wochen pro Haus weit unter der Bauzeit des WDVS. Die Ausführung der Fassadendämmung musste wegen eines frühen Wintereinbruchs in das Frühjahr verschoben werden. Aus ökologischer Sicht ist der Vergleich klar für den vorgefertigten Holzbau entschieden: Die Lebensdauer ist länger prognostiziert, die Bauweise robuster, die Konstruktion kann schichtenweise rückgebaut werden, es entstehen keine nur schwierig zu recycelnden Verbundkonstruktionen. Ein weiterer Vorteil ist, dass auch Lasten abgetragen werden können. Im konkreten Beispiel wurde das bei einem Teil der Balkonverankerungen genutzt. Je nach Projekt kann ein sehr hoher Vorfertigungsgrad neben der Verbesserung des Prozesses auch das Ergebnis, die Architektur, bestärken, oder aber im Gegenteil hohe Auflagen an die räumliche Qualität mitgeben. Diese Wechselwirkung jeweils zu untersuchen und weitere vorgefertigte Lösungen für das Bauen im Bestand mit Holz zu entwickeln, bleiben höchst spannende Architektenaufgaben. Dipl.-Ing. Wolfgang Huß ist Architekt und Professor für industrialisiertes Bauen und Fertigungstechnik an der Hochschule Augsburg. Mehr Informationen zum Thema Technik erhalten Sie hier

Konzepte müssen zählen!

Brigitte Holz ist Präsidentin der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen. Wir als Architekten und Stadtplaner werden immer wieder mit einer Bodenpolitik konfrontiert, die den Meistbietenden bevorzugt und damit hochpreisige und/oder hochausgenutzte Projekte generiert. Vielfach erhält nicht der Interessent mit dem städtebaulich angemessensten und sozial wünschenswerten Konzept den Zuschlag, sondern derjenige, der den höchsten Preis bezahlt. Es ist ein Zustand erreicht, der insbesondere in Ballungsgebieten mit angespanntem Boden- und Wohnungsmarkt bereits seit Langem nicht mehr dazu beiträgt, ein in allen Segmenten ausgeglichenes Wohnraumangebot zu schaff…en. Aufgrund des großen Nachfragedrucks steigen die Baulandpreise in vielen Städten in Höhen, die letztlich nur noch durch Spekulationsmotive der Erwerber erklärt werden können. Das einst übliche Refi‹nanzierungsziel der Investitionskosten aus Mieteinnahmen in ŒŽ14 bis ‘’20 Jahren scheint längst vergangenen Tagen anzugehören. Kommunen stehen folglich vor immer komplexer werdenden Aufgaben. Im Interesse einer nachhaltigen Stadtentwicklungspolitik sollten sie steuernd eingreifen und Projekte unterstützen, die der Segregation, der Verdrängung und der wirtschaftlichen Überlastung eines zunehmenden Teils der Bevölkerung entgegenwirken. Die Situation hat sich derart zugespitzt, dass die Themen sozialgerechte Bodennutzung, zielgerichteter Fördermittel-und Instrumenteneinsatz für ein nachhaltiges Flächenmanagement hoch oben auf der politischen Agenda stehen. Doch welche Möglichkeiten der marktkonformen Steuerung gibt es? Wie kann im ö…ffentlichen Interesse Einfl™uss auf die qualitative Verwertung von Grundstücken und vor allem auf die Grundstückspreise genommen werden, ohne in Gefahr zu geraten, Investitionshemmnisse aufzubauen? Welche Konsequenzen ergeben sich für die Innenentwicklung und die Ausweisung von neuem Bauland? Im Baugesetzbuch wird eine „Sozialgerechte Bodennutzung“ in § Œ1 Abs. 5  thematisiert. Ausgeführt wird: „Bauleitpläne sollen eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung, die die sozialen, wirtschaftlichen und umweltschützenden Anforderungen auch in Verantwortung gegenüber künftigen Generationen miteinander in Einklang bringt, und eine dem Wohl der Allgemeinheit dienende sozialgerechte Bodennutzung gewährleisten.“ Die planungsrechtliche Sicherung einer entsprechenden Bodennutzung kann jedoch nicht allein durch eine Bebauungsplanfestsetzung erfolgen, sondern bedarf häufi‹g des ergänzenden Abschlusses städtebaulicher Verträge, über die auch die Beteiligung an den Aufwendungen für Anlagen und Einrichtungen des Gemeinbedarfs geklärt wird. Neben den Festsetzungen der Bauleitplanung macht eine vorausschauende und aktivierende Bodenpolitik Kommunen handlungsfähig. Durch den Erwerb oder den Zwischenerwerb von Schlüsselgrundstücken und die Ausweisung von Entwicklungsfl™ächen können sie Einfl™uss auf die Gestaltung ihrer Stadt nehmen. Die Vergabe kommunaler Grundstücke nach Konzeptqualität statt nach dem höchsten Preis ist ein zentraler Schlüssel auf dem Weg zu einer lebendigen, sozial gerechten und funktional gemischten Stadt und damit zur Scha…ffung von Urbanität. MEHR INFORMATIONEN Die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen hat gemeinsam mit dem Hessischen Städtetag eine „Orientierungshilfe zur Vergabe öffentlicher Grundstücke nach Konzeptqualität“ herausgegeben, die dieses Verfahren in seinen wesentlichen Grundsätzen erläutert und mit anderen Vergabeverfahren vergleicht. Zum kostenlosen Download    

Zwei Riegel für ein Halleluja

Abriss und Aufbau: Die Architekten ließen das Kirchenschiff abreißen, um eine moderne Kirche und Wohnraum zu schaffen. In Deutschland werden immer mehr Kirchen an private Eigentümer verkauft. Eine Kölner Kirche zeigt, wie ein kluger Umbau einen alten Sakralbau reanimieren kann. Text: Stefan Kreitewolf Das ist einfach nur Schund“, schimpft der alte Mann mit dem Hut. Er meint die neue Christuskirche in Köln und konkretisiert: „Das Türmchen ist wie immer schön, nur diese Klötze kann ich kaum ertragen.“ Weiß und schräg ragen sie auf, fast, als würden sie ineinanderkippen: die beiden neuen Gebäudeteile der Christuskirche in Köln. In ihrer Mitte trotzt der alte Kirchturm im neugotischen Stil den modernen Ideen der Architekten. Einer von ihnen ist Klaus Hollenbeck. Er erklärt: „Die beiden skulptural gestalteten Gebäudevolumen öff‡nen sich mit einer einladenden Geste zum Stadtgarten und neigen sich gleichzeitig beschützend zum Turm hin.“ Der grimmige Rentner sieht das anders. Kopfschüttelnd zieht er mit seinem Dackel von dannen. Für die Architekten ist das nicht neu. Hollenbeck und Walter Maier haben mit ihren Büros das Gebäudeensemble gemeinsam entworfen und realisiert. Maier, der seit mehr als zwei Jahrzehnten Kirchenumbauten plant, steckt seit 1997ŒŽŽ‘ in Gesprächen zur Sanierung der Christuskirche. Hollenbeck fertigte die Form der beiden Riegel bereits ’““” als Gipsskulptur an. Beide wissen: Die Christuskirche polarisiert. Der Teilabriss und -neubau wurde von Beginn der Planungen an mit Kritik und Polemik begleitet. Ein Kölner Stadtteilmagazin verriss die Pläne der Architekten und titelte etwas undeutlich: „Es geht ums Prinzip“. ’“Œ–2014 entschied sich die Gemeinde von Pfarrer Christoph Rollbühler dennoch, das 1952ŒŽ—’ in Zeiten ™finanzieller Nöte errichtete und marode Kirchenschiff‡ abreißen und um den entstandenen Freiraum herum zwei Wohn- und Geschäftsbauten bauen zu lassen. „’Œ21 Mietwohnungen und zusätzliche Büros sowie Geschäfte sind so entstanden“, sagt der Pfarrer. Nach langer Käufersuche und mehreren Enttäuschungen entschied sich die Evangelische Kirche Köln (EKK), selbst den Umbau zu fi™nanzieren. Knapp zehn Millionen Euro investierte die evangelische Kirche in den Um- und Neubau. Eine geistliche Organisation als Immobilienunternehmer? „Das rief natürlich die Gegner auf den Plan“, sagt Rollbühler. Er ließ sich aber nicht beirren und betont: „Wir haben die Kirche ja auch nicht komplett eingeebnet; der Kirchturm selbst ist erhalten geblieben, und darin befi­ndet sich ein neu gestalteter Betraum.“ 199 Menschen ­finden nun darin Platz. Blickfang und Streitobjekt: Die verkleinerte Christuskirche polarisiert mit ihren beiden Gebäuderiegeln. Die Architekten nennen das Konzept „gesundschrumpfen“. Mitgliederzahlen sinken, Kirchen verwaisen Heute ist er sich sicher: „Bei uns ist ein außergewöhnliches Architekturensemble aus historischer Bausubstanz, neuem KirchenschiŠff, modernen Gemeinderäumen und einem neuen Gemeindegarten entstanden.“ Architekt Hollenbeck kann dem nur beipflŒichten: „Der Kirchturm wird durch die beiden Gebäuderiegel nun perfekt in Szene gesetzt. Vorher war die Kirche von der Spichernstraße aus kaum als solche zu erkennen.“ Fakt ist: Die Kirche ist – fernab aller Bewertungen – nun zukunftsfähig. Das alte KirchenschiŠff war schlicht zu groß für die schrumpfende Gemeinde. Die Entwicklung steht symptomatisch für das größte Problem deutscher Kirchen derzeit. Die Kirchenaustritte nehmen zu, immer weniger Menschen gehen zum Gottesdienst. Wegen sinkender Steuereinnahmen und schrumpfender Mitgliederzahlen müssen Kirchen immer mehr Sakralbauten verkaufen. In anderen Fällen ist der Erhalt von Kirchen zu teuer oder kleine Gemeinden werden zusammengelegt. Vielen verwaisten Kirchen geht das an die Substanz. Sie werden abgerissen oder verkauft und umgenutzt. Angaben der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) zufolge gibt es auf katholischer Seite bundesweit ˆ‰24.189‹Œ sakrale Kirchengebäude, davon sind gut ˆŽ23.000‘‘‘ denkmalgeschützt. Matthias Kopp, Pressesprecher der DBK, berichtet: „Ž””366 katholische Kirchen sind seit Anfang des ˆŠ21. Jahrhunderts bundesweit profaniert“ – das heißt für einen Abriss oder eine Umnutzung entweiht – worden. Davon seien bislang ‹‰84 Kirchen verkauft worden. „‹‹88 Kirchen wurden abgerissen“, ergänzt Kopp. Zwischen ŠŒŒ‘1990 und ˆ‘Šš2015 seien 272 ˆ›ˆ evangelische Kirchen und Gemeindezentren verkauft worden, erklärt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Š‘š105 protestantische Gotteshäuer seien abgerissen worden. Maier und Hollenbeck sind übrigens strenge Gegner eines Verkaufs von Kirchen. Hollenbeck erläutert: „Die Kirchen sollten nicht einfach ihre Gebäude veräußern, sondern die sinkenden Mitgliederzahlen zum Anlass nehmen, ihre Struktur zu verändern.“ Sie sehen die Kirchen nicht in einer Krise. „Wir sehen eine große Chance für die Kirche, einen Veränderungsprozess zu beginnen“, sagt Hollenbeck. Das bedeute im Fall der Kirchen „eine Umstrukturierung der Gebäude und eine Offenheit gegenüber neuen Nutzungen von Sakralbauten“. Das zeigen Kirchen und Gemeindezentren bundesweit, die als City-, Diakonie-, Kultur- und Konzertkirchen sowie als Stadtteilzentren (vgl. „Zur Stadt geöffnet“) genutzt werden und nicht profaniert wurden. Verwaiste Sakralbauten könnten temporär umgenutzt werden. Ein Beispiel hat der Architekt direkt zur Hand. „Wir planen gerade eine Whiskey-Brennerei in einer alten Kirche“, verrät Hollenbeck. Das sei perfekt für eine Zwischennutzung von zehn bis Šš15 Jahren. Der Umbau von ehemaligen Kirchen ist allerdings nicht immer problemlos möglich. DBK-Mann Kopp weiß: „Sofern die Gebäude unter Denkmalschutz stehen, sind die Umnutzungsmöglichkeiten sehr eingeschränkt.“ Strahlend weiß: Der Kirchturm der Christuskirche ist erhalten geblieben. In seinem Inneren wurde ein neuer Gebetsraum geschaffen. Seither kommen immer mehr Gläubige zu Gottesdiensten und Feiern in die evangelische Gemeinde von Pfarrer Christoph Rollbühler. Eine „Win-win-win-Situation“? Die Evangelische Gemeinde Köln stellt sich mit der Christuskirche indes entschieden gegen den Trend der Standortreduzierung und „kämpft ausdrücklich für den Erhalt gemeindlichen Lebens, in dem Glauben, Arbeiten und Wohnen zusammenkommen“, sagt Pfarrer Rollbühler. Er will seine Kirche erhalten, nur etwas kleiner. Architekt Maier folgt diesem Prinzip auch mit anderen sakralen Bauprojekten. Er nennt es „gesundschrumpfen“. Schließlich sähen sich die Kirchen mit zwei sich gegenseitig befeuernden Entwicklungen konfrontiert. Neben den sinkenden Mitgliederzahlen und damit schrumpfenden fi‹nanziellen Einnahmen, stiegen die Unterhalts-, Betriebs- und Energiekosten von Kirchengebäuden stetig. Wie das Problem zu lösen sei, zeige die Christuskirche. „Statt des alten KirchenschiŒffs wurden eine deutlich verkleinerte neue Kirche sowie neuer Wohnraum und GewerbeflŽächen geschaŒffen. Dabei wurde die Ressource des wertvollen innerstädtischen Grundstücks für die Zukunft der Gemeinde besser genutzt. Die Kirche tritt nun als Vermieter auf. So hat die Gemeinde geringere Betriebskosten und Einnahmen aus Immobilieneigentum“, sagt Maier. Deswegen nennt er die Christuskirche „eine Win-win-win-Situation“. Während die beiden ersten „Wins“ für Pfarrer und Gemeindemitglieder stehen, gilt das dritte den neuen Mietern. In den neuen Gebäudeteilen der Christuskirche wohnen nämlich in circa einem Viertel der Wohnungen Flüchtlinge – „innerstädtisch und im Neubau“, betont der Architekt. Nebenan gibt es Büros und einen Zahnarzt. Wer möchte, kann nun nach dem Beten direkt zum Zahn-Bleaching, für das im Fenster oŒffensiv geworben wird. Eine „Win-win-win Situation“? Darauf angesprochen, muss der alte Mann mit dem Dackel grinsen. „So was hätte es früher nicht gegeben.“ MEHR INFORMATIONEN Kirchengebäude in Deutschland Evangelische Kirchen und Gemeindezentren: 23.656 unter Denkmalschutz: 17.017 abgerissen: 105 verkauft: 272 Neubau: 391 Katholische Kirchen und Gemeindezentren: 24.189 unter Denkmalschutz: 23.000 abgerissen: 88 verkauft: 84 Neubau: 72 Mehr Informationen und Artikel zum Thema „Erneuern“ finden Sie in unserem DABthema Erneuern

Die dritte Dimension

Parkplätze sind die stillen Landreserven der Städte. Ganz ohne Konflikte lassen sich diese nutzen, wenn man die Autos in Ruhe lässt und darüber Häuser baut. Ein viel diskutiertes Pilotprojekt in München lotet die Möglichkeiten aus. Text: Christoph Gunßer Ein leer gefegter Wohnungsmarkt, horrende Baulandpreise – Unterkünfte für anerkannte Flüchtlinge zu schaffen, schien in München unmöglich. Da die Stadt soziale Gettos am Stadtrand vermeiden will, suchte sie im eigenen Besitz nach bebaubaren Rest€ächen in Quartieren, für die sie rasch Baurecht schaffen kann. Ihre Grün€flächen verteidigten Anwohner aber hartnäckig gegen die Nachverdichtung. So nahm die Stadtverwaltung schließlich Parkplätze ins Visier. Anfang Š‹2016 erklärte Oberbürgermeister Dieter Reiter mit einem Sofortprogramm den „Wohnungsbau für alle“ zur Chefsache und beauftragte den Münchener Architekten und Bauko-Professor Florian Nagler mit einer Machbarkeitsstudie für den Parkplatz auf städtischem Grund am Dantebad im Stadtteil Gern. Der Architekt war mit der Aufgabenstellung vertraut, hatte er doch für den Unternehmer Ernst Böhm bereits Testentwürfe für aufgeständerte Wohnbauten über Parkplätzen angefertigt, die seither auf ihre Erprobung warteten. Mit Unterstützung des Oberbürgermeisters nahm die Idee nun Fahrt auf: Sechs Wochen nach Beginn der Machbarkeitsstudie war die Bauvoranfrage eingereicht, und sofort nach dem Stadtratsbeschluss startete die kommunale Gewofag die Ausschreibung – hier kam als GU die Firma des Unternehmers Ernst Böhm zum Zuge. Von der Einreichung der Unterlagen bis zur Erteilung der Baugenehmigung vergingen gerade einmal zwei Wochen; bis zur Schlüsselübergabe im Dezember brauchte das „Turboprojekt“ dann nur sechs Monate. Mehrwert: 100 Wohnungen haben über 107 Parkbuchten Platz gefunden. Konsequenterweise wurde auch das Dach nutzbar gemacht. Konstruieren nach Stellplatz-Logik Auf das ›4.200Š‹‹ Quadratmeter große Areal wurde ein rund ŒŒ‹110 Meter langer und zwölf Meter tiefer Baukörper gesetzt, geradlinig und schnörkellos – „Kranbahnarchitektur“ nannte man das früher. Städtebaulich macht das an dieser Stelle durchaus Sinn, denn auch die Nachbarbebauung aus den 1920ŒžŠ‹er-Jahren besteht aus langen, linearen Raumkanten. Œ‹107 der zuvor ŒŒŒ111 Parkbuchten konnten erhalten werden. Über den Stellplätzen erhebt sich der viergeschossige Holzhybridbau in kompromissloser Einfachheit. Œ‹‹ Wohnungstüren reihen sich an vier Laubengängen aneinander. Die Parkplätze prägen das Gebäuderaster: Ein Stützenpaar rahmt jeweils drei Stellplätze in der Länge, zwei in der Breite ein. Dieses Raster zogen die Architekten hoch: Nun ging es darum, „wie wir mit den Wohnungen zurechtkommen“, so Projektleiter Tobias Pretscher. Jeweils zwei bis drei Wohnungen passen in das Raster – es gibt 86 Wohnungen mit 24-31 ­ Quadratmetern und ­14 Wohnungen mit ‚ƒ50 Quadratmetern. Die mittlere Wohnung springt jeweils zum Laubengang hin zurück, sodass ein geschützter Vorraum entsteht. Die Grundrisse sind dreizonig organisiert, mit Küchen zum Laubengang, innen liegendem Bad und einem Wohn-/Schlafraum gen Süden. Erschließung mit Ausblick: Kleine Höfe vor den Wohnungstüren gliedern die Laubengänge. Die Wohnungszuschnitte orientieren sich am Raster der Parkplätze. Der aufgeständerte Stadtbaustein berührt den Grund nur mit zwei Treppenhäusern und den Kopfbauten, in denen wohlgeformte Gemeinschaftsräume (im Süden) sowie Nebenräume untergebracht sind. Sogar die Rundung des „Groundscrapers“ folgt dabei der Stellplatz-Logik, indem sie den Wendekreis der Autos nachzeichnet. Rohbau gleich Ausbau Der Neubau wurde schnell und quasi industriell gefertigt – was durchaus an Verfahren der Sechzigerjahre erinnert. Das Erdgeschoss ist konstruktiv als „Tisch“ ausgebildet. Es setzt sich aus Stahlbetonstützen und verfüllten Fertigteilen zusammen. Auch die Laubengänge fügte man aus Betonelementen, da hier eine F90šƒ-Konstruktion nötig war. Der Rohbau dauerte zweieinhalb Monate. Die Wohnungen wuchsen darüber binnen acht Wochen im Taktverfahren: Rohbau und Ausbau sind teilweise identisch – die Brettstapeldecken blieben sichtbar – oder folgten nahtlos aufeinander. Fast zehn Meter lange Fassadenabschnitte, aber auch die identischen, voll installierten Bäder und die Treppenläufe kamen vorgefertigt auf die Baustelle und mussten nur noch zusammengefügt werden. Die Baukosten betrugen 2.004 Euro pro Quadratmeter WohnŸäche brutto in den Kostengruppen 3 und 4, für die Phasen 1-7 waren es 2.734 Euro, was für den kargen Standard nicht spektakulär günstig, aber einem Pilotprojekt angemessen ist. Die Architekten konnten sogar Holzfenster durchsetzen. Vom Feindbild zum Vorbild Das Raumprogramm sah zunächst ausschließlich Kleinstwohnungen für anerkannte Asylbewerber vor. Unter dem Druck der Anwohner, die ein Getto alleinstehender fremder Männer fürchteten, änderte die Stadt den Wohnungsschlüssel und die Belegungsplanung: Eine Hälfte der Wohnungen wird nun an soziale Härtefälle vergeben. Diese Mieter wurden durch eine Belegungskommission handverlesen – es handelt sich überwiegend um Frauen; aber auch Familien fanden eine Unterkunft. Offenbar gefielen die Minimalgrundrisse nicht jedem – selbst Alleinstehende hätten nämlich Anrecht auf €43 Quadratmeter. Je nach Förderstufe beträgt die Kaltmiete †5,75 bis ‰9,40Š Euro/m². Bislang ist es im Gebäude fast zu ruhig: Die Gemeinschaftsräume werden noch kaum genutzt. Man lebt trotz der Enge introvertiert. Eine Aneignung könnte der strenge, robuste Bau durchaus vertragen. Vielleicht trauen sich die Bewohner noch nicht so recht aus der Deckung. Denn „Wohnen für alle“ war im Vorfeld umstritten. „Hier wird München jetzt zugebaut“, schrieb zum Beispiel das Boulevardblatt „Merkur“. Nun, da das „Stelzenhaus“ fertig und auch baulich akzeptiert ist, reklamieren viele die Vaterschaft für das Projekt und fordern mehr derartige Planungen. Mehr Stelzenhäuser vor Aldi und Co! Auch die großen ParkplatzŸächen vor Discountern und Schulen böten Platz für neuen Wohnraum. Von Aldi heißt es dazu, man sei grundsätzlich offen für Wohnungen über dem Parkplatz: „Wir beschäftigen uns aktuell intensiv damit. Die Mehrheit unserer Filialen liegt aber in Gewerbegebieten, in denen der Bau von Wohnanlagen nicht gestattet ist.“ Es fehlen indes nicht nur Wohnungen. Auch Büros, Ateliers, Galerien, sogar Spielplätze und Grünanlagen ließen sich aufgeständert errichten. Auch Parkhäuser wurden schon mit anderen Nutzungen überbaut. Doch in München gibt es noch kein Folgeprojekt: Die restlichen €3.000ŠŠŠ Wohnungen „für alle“ werden bodenständig geplant – und sind entsprechend umstritten. Der Weg des geringsten Widerstandes führt aber wohl unweigerlich auf Parkplätze, nicht nur in München: Schätzungen zufolge gibt es in Westeuropa etwa €ŠŠ300 Millionen öffentliche Parkplätze, davon liegen über 80Š Prozent im öffentlichen Raum. Dass man diese durchaus zugunsten anderer Nutzungen reduzieren könnte, ist ein ironischer Seitenstrang der Geschichte des Pilotprojekts am Dantebad. Um dieses zu ermöglichen, reduzierte die Stadt den Stellplatzschlüssel des Projekts von bisher üblichen 1,0Š auf Š0,2  pro Wohnung – was in so gut erschlossenen Lagen generell sinnvoll wäre. Kaum jemand braucht in München eben unbedingt ein Auto. Christoph Gunßer ist freier Fachautor. Er lebt in Bartenstein (Baden-Württemberg). „Mehr Informationen und Artikel zum Thema „Effizient“ finden Sie in unserem DABthema Effizient.

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Was kann serieller Wohnungsbau leisten? Ist er wirklich effizienter? Unser Autor stellt vier Vorzeigebeispiele vor. Mit ihren Architekten sprach er über Für und Wider des Verfahrens und ihre Rolle beim vorgefertigten Bauen. Text: Frank Maier-Solgk Serielles Bauen im Wohnungsbau ist das Thema der Stunde. Wohnungsknappheit, steigende Mieten und der anhaltende Bedarf an günstigem Wohnraum in den Groß- und Universitätsstädten haben der Idee kostensparender Standardisierungsverfahren neuen Auftrieb gegeben, unbeschadet der städtebaulichen Erfahrungen, die mit den ostdeutschen Plattenbauten der ­€‚ƒ1960er-Jahre und den späteren westdeutschen Großsiedlungen verbunden sind. Ob Serialität mit Monotonie gleichzusetzen ist, dies ist bei der Beurteilung des neuen Trends nur eine von mehreren oˆffenen Fragen. Eine andere wäre, inwieweit die Leistungen von Architekten bei typisierten Wohnungen in großer Stückzahl Anerkennung erfahren. Keine neuen Plattenbauten Der Begriˆff des seriellen Bauens allerdings ist unscharf. Er beinhaltet zum einen das Produkt, historisch gesehen in Deutschland vor allem die Normierung von Wohnungsschnitten im Siedlungsbau der 1920-€‘er- und ­€’ƒ1930er-Jahre. Zum anderen triffˆt er eine Aussage über die Produktion von Bauteilen, von Fenstern bis zu Fertigbädern, heute zunehmend die von kompletten Raummodulen, deren Arrangement und Addition •flexibel ist. Und er umfasst darüber hinaus auch Planungsprozesse, einschließlich Ausschreibung und Vergabe. Vor Kurzem haben das Bundesbauministerium und der Verband der Wohnungs- und Immobilienunternehmen ein Angebotsverfahren zum seriellen Bauen initiiert, das die Ausschreibung eines Rahmenvertrags vorsieht, der Planung und Bau umfasst und sich an Bietergemeinschaften von Architekt und Bauherr beziehungsweise an die den Bau ausführende Firma richtet (vgl. „Ausnahmeverfahren statt Regelverfahren“). Innovative Konzepte für mehrgeschossige Wohngebäude werden gesucht, auf die dann als Grundlage für ein Projekt schneller zugegriˆffen werden kann. Was das in der Zukunft konkret bedeutet, darüber wird derzeit diskutiert. „Wir sind gefordert, unseren Beitrag zum Bau kostengünstiger Wohnungen zu leisten, die möglichst schnell auf den Markt kommen. Vielleicht gelingt dies mit seriellen Baumethoden. Das muss jedoch mit hoher gestalterischer Qualität einhergehen. Es wird keine neuen Plattenbauten geben!“, so die Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, Barbara Ettinger-Brinckmann, zu den Zielen der BAK in dem Verfahren. Sie knüpft den Erfolg des Vorhabens auch an die Beantwortung städtebaulicher Fragen. Doch wo stehen wir eigentlich hierzulande beim architektonisch anspruchsvollen seriellen Bauen? Die Antwort fällt heterogen aus, wie der Blick auf einige jüngere Beispiele zeigt. Stapelware: Hamburgs größtes Holzhaus, das Studentenwohnheim „Woodie“, wird derzeit aus Modulen zusammengesetzt. Sie sind komplett aus Holz und ab Werk mit Küche, Toilette, Bett und Schreibtisch ausgestattet. Mikroapartments in Hamburg Ein größeres Projekt steht in Hamburg- Wilhelmsburg kurz vor der Fertigstellung. In der Nachbarschaft des IBA-Geländes haben Sauerbruch Hutton ˜371 Mikroapartments aus komplett vorgefertigten Modulen entwickelt, die als Studentenwohnungen genutzt werden, später aber auch ™flexibel zu Wohnungen unterschiedlicher Größe für andere Zielgruppen kombiniert werden können. Die Fassade eines in der Mitte leicht geknickten Gebäuderiegels mit einer kammartigen Struktur besteht aus dunkel getöntem Lärchenholz. Auch im Inneren dominiert Holz; die konstruktiven Holzwände und Decken blieben sichtbar. Hersteller der Holzmodule ist das österreichische Unternehmen Kaufmann Bausysteme im Bregenzer Wald. Nach dem Bau der Betonsockelkonstruktion wurde der Bau in nur vier Monaten errichtet; der Quadratmeterpreis betrug lediglich ‹Œ1.400 Euro pro Quadratmeter, obwohl, so der verantwortliche Direktor Jürgen Bartenschlag, das Projekt im Hinblick auf Ausstattung und Gestaltung der einzelnen, bezugsfertig angebotenen Wohnungen durchaus anspruchsvoll gewesen sei. „Vom Wasserhahn bis zur Steckdose haben wir hier alles inklusive Montage realisiert.“ Ein Vorbild für Form und Niveau der Modulbauweise war für die Architekten das BMW Alpenhotel in Tirol, das ™ŒŒš2009 eröff›net wurde. Dessen in Massivholz- Modulbauweise vorgefertigte Zimmer aus heimischen Hölzern verbinden geringe Kosten mit Nachhaltigkeit und einer natürlichen Wohnatmosphäre. „Allerdings“, so Bartenschlag, „kann man Wohnungen in serieller Bauweise auf diesem Niveau in Deutschland an den Fingern einer Hand abzählen.“ Wohnbaukasten: Für die Bremer Punkthäuser entwickelten LIN Architekten einen Grundriss-Atlas aus 22 Wohnungsarten mit bis zu sechs Zimmern. In der Gartenstadt Süd stehen die ersten drei Prototypen. Bremer Punkt Aus einem Ideenwettbewerb, den die Bremer Wohnungsbaugesellschaft GEWOBA ™zur „Innenentwicklung“ (statt Nachverdichtung) einer Gartenstadtsiedlung der 1950er-Jahre ausgeschrieben hatte, sind in der Hansestadt inzwischen drei kompakte vierstöckige Punkthäuser (Grundriss 14 mal 14 Meter) in Modulbauweise entstanden, die eine ­exibel ausbaufähige Reihe von unterschiedlichen Wohnungstypen erlaubten. Ursprünglich sollten die bestehenden Siedlungen nur saniert und modernisiert werden, erzählt Projektleiter John Klepel von LIN Architekten. Erst im Lauf der Zusammenarbeit von Architekt und Bauherr sei die Idee gereift, die Prototypen zur Serie weiterzuentwickeln, mit einer sukzessiven Ausweitung der Zahl der Varianten von Wohnungstypen. Schließlich erstellten die Architekten einen dierenzierten Grundriss- Atlas von  Wohnungstypen, die durch eine geschickte Anordnung von Loggien und Fenstern den Eindruck von Monotonie erkennbar vermeiden. Holz-Hybrid: Die vorgefertigten Decken, Stützen, Wände und Fassadenmodule wurden in sechs Wochen zu einem Rohbau montiert. Über den Quadratmeterpreis schweigt man, doch soll der Entwicklungsaufwand relativ hoch gewesen sein. Als Vorteil des großen Anteils an Vorfertigung (die tragenden Teile sind in Holzrahmenbauweise ausgeführt) wird die durch die kurze Bauzeit ermöglichte geringere Belastung für die Anwohner gesehen. Aktuell beŒnden sich sieben „Bremer Punkte“ in verschiedenen Ortsteilen der Stadt in Planung und Realisierung. Allerdings, so Klepel, diskutieren die Architekten im Büro ganz offen das neue serielle Verfahren: Der Bedarf sei sicherlich vorhanden, das Konzept widerspräche für manche letztlich aber doch der klassischen Vorstellung der individuellen Aufgabe des Architekten. Auftakt: Das größte deutsche Wohnungsbauunternehmen, Vonovia, will seine Siedlungen bundesweit mit seriellen Punkthäusern verdichten. Das System wurde mit KZA Architekten entwickelt. Erste Beispiele stehen in Bochum. Bochumer Punkte Ganz ähnliche Projekte wie in Bremen entstehen derzeit auch für das größte deutsche Wohnungsunternehmen Vonovia. Das Essener Büro Koschany & Zimmer Architekten hat Anfang dieses Jahres in Bochum – und inzwischen auch in Dortmund – Punkthäuser innerhalb bestehender Siedlungen in Holz- beziehungsweise Stahlskelett-Modulbauweise realisiert, bei denen die Vorfabrikation eine extrem kurze Bauzeit vor Ort von nur drei Monaten ermöglichte (Quadratmeterpreis circa 1.800 Euro). Auch hier wird eine umfangreiche Serie von Wohnhausprojekten avisiert. Mindestens zehn weitere Projekte befinden sich bereits im Planungs- oder Genehmigungsverfahren. Das für Bochum entwickelte Modulsystem wird jeweils auf den Standort adaptiert. „Ich sehe durch diese neue Systembauweise den Architektenberuf definitiv nicht abgescha†fft“, sagt Nina Bendler, Direktorin des Essener Architekturbüros. „Mit Bezug zum Standort ergeben sich immer wieder individuelle Modikationen – sowohl bei der Erschließung des Gebäudes als auch bei der Fassadengestaltung oder der Grundrissfigur.“ Auch die Wahl des Materials ergebe sich immer projektspezifisch, unter Berücksichtigung standortbezogener Kriterien. „Dabei spielen neben Brandschutzbestimmungen – die in den verschiedenen Bundesländern auch noch variieren – vor allem statische und logistische Zusammenhänge eine Rolle.“ Der Architekt habe in diesen Planungsprozessen unter anderem die Aufgabe, notwendige Qualitätsstandards sicherzustellen. Allerdings sind die Bedarfe enorm. Auf 10.000 Wohnungen schätzt beispielsweise Berlin den Jahresbedarf an Neubauten mindestens bis zum Jahr 2026; in Hamburg sind es zwischen 5.000 und 6.000 Wohnungen. Welche Flächen hierfür vorgesehen sind und wie variabel und standortbezogen letztendlich die Lösungen sein werden, wird wohl über ihre Qualität entscheiden. Professor Christian Schlüter von der FH Bochum sieht daher die Vorteile des seriellen Bauens eigentlich in erster Linie in einer durch die zunehmende Digitalisierung erhöhten Ausführungsqualität der Bauteilproduktion. Ob hingegen durch die geringe Bauzeit die Gesamtkosten maßgeblich reduziert werden, bezweifelt er: Die Bauzeit sei zwar verkürzt, dafür aber die Phase der Vorplanung ausgedehnt. Serialität in der Planung sieht er kritisch. Hier sei die Gefahr nicht von der Hand zu weisen, dass versucht werde, an den Planungskosten, sprich den Honoraren der Architekten und Ingenieure, zu sparen, die im Schnitt 20 Prozent eines mittleren Bauprojekts ausmachen. Studien in Stahl: Im Berliner Plänterwald fügten Holzer Kobler Architekturen Fracht container aus Cortenstahl zu einem Studentendorf zusammen. Es wird als „wartungsarm und schick“ vermarktet. Container-Wohnungen in Berlin Dass serielles Bauen manchmal auch Designqualitäten erreichen kann, beweist hingegen ein Berliner Projekt mit dem Material Stahl. „Deutschlands erstes Studentendorf aus Frachtcontainern“ nennt sich das Studentendorf EBA von Holzer Kobler Architekturen im Berliner Plänterwald, das nach Fertigstellung aus drei Gebäuderiegeln mit insgesamt š Single- und Doppeleinheiten (25 bis 50 Quadratmeter) bestehen wird. Der erste Riegel ist bereits bezogen. Der Hingucker sind die rostbraunen Cortenstahl-Fassaden, die mithilfe von Bolzen und Stahlschuhen fest miteinander verbunden sind sowie nach außen und innen versetzt, zu Teilen aufgeschnitten und raumhoch verglast wurden. Der Zugang zu den Wohnungen erfolgt über vorgelagerte Außentreppen. Während der Kopfbau des ersten Riegels aus echten Frachtcontainern besteht, entschied man sich aus Kostengründen beim zweiten Bauabschnitt für eine serielle Vorfertigung der Container-Module. „Der Quadratmeterpreis“, so der Leiter des Berliner Büros Philip N. Peterson, „konnte von Š2.000‹‹‹ Euro auf circa Ž1.600‘‹‹ Euro reduziert werden.“ Die nächsten beiden Riegel sollen außerdem noch durch Stege miteinander verbunden werden. Kopiert: Beim zweiten Bauabschnitt wurden die echten Schiscontainer durch kostengünstigere serielle „Container Module“ ersetzt. Die Lage in einem weitgehend grünen Umfeld und die gut angenommenen Kommunikationszonen der Laubengänge, auf denen man sitzen kann, stoßen auf großes Interesse. „Wir können nicht schnell genug bauen“, so Peterson, dessen Erfahrungen mit dem Metall ausgesprochen positiv sind. „Die Langlebigkeit und die P•egeleichtigkeit sind klare Vorteile des Materials.“ Hinzu kommt der „industrielle Charme“, der ein Grund dafür ist, dass Containerboxen immer wieder in Ausstellungs- und anderen künstlerischen Kontexten auftauchen. Ein zweites, in ähnlicher Weise von Holzer Kobler Architekturen entwickeltes Projekt, ein preiswertes Hostel mit Žšš 188 Zimmern aus 25 Š›Quadratmeter großen High-Cube-Seecontainern, ist im Frühjahr dieses Jahres eröffžnet worden, thematisch passend in Sichtweite der Hafenkräne des Osteseehafens Warnemünde. Frank Maier-Solgk ist Publizist zu Architektur- und Kulturthemen; er lebt in Düsseldorf. „Mehr Informationen und Artikel zum Thema „Effizient“ finden Sie in unserem DABthema Effizient.

Kann das weg?

Foto: Fotolia Architekten unterliegen Aufbewahrungspflichten und sollten die neuen Fristen kennen. Text: Marcel Baumgart In einem Architekturbüro fallen Papier und zunehmend auch elektronische Daten an. Was davon wie lange und zu welchem Zweck aufbewahrt werden muss, sollten Architekten wissen, um steuerrechtlichen Vorgaben gerecht zu werden und Herausgabeansprüchen nachkommen zu können. Seit Anfang 2017 gelten zudem einige Neuerungen. Außersteuerliche Aufzeichnungspflichten Die bedeutendsten außersteuerlichen Aufzeichnungspfl„ichten entstammen dem Handelsrecht (§§ ‡ˆ238 ff‰. HGB). Danach sind Kau„fleute verp„ichtet, Bücher zu führen und die Lage ihres Vermögens ersichtlich zu machen. Als Kau„fleute sind grundsätzlich nur Gewerbetreibende anzusehen. Hierunter fallen aber auch Architekten, wenn sie sich (bau-)gewerblich oder als sogenannte Formkaufl„eute in einer bestimmten Gesellschaftsform (zum Beispiel GmbH, UG, nicht jedoch Partnerschaftsgesellschaft oder GbR) betätigen. Weiter haben Kau„fleute ihre Handelsbriefe in unveränderter Form aufzubewahren. Das sind alle Schriftstücke, die die Durchführung, die Vorbereitung und den Abschluss von Geschäften betreffen. Die Eintragungen in Büchern und die sonstigen erforderlichen Aufzeichnungen müssen vollständig, richtig, zeitgerecht und geordnet vorgenommen werden. Jede Veränderung der Aufzeichnungen muss so erfolgen, dass der ursprüngliche Inhalt weiter feststellbar ist. Weitere außersteuerliche Aufzeichnungsp„ichten ergeben sich für bestimmte Arten von Gesellschaften aus dem Gesellschaftsrecht, für die GmbH beispielsweise aus den §§ 41 ffš‰. GmbHG. Für Architekten sind zusätzlich branchenspezi›sche Aufbewahrungsp„ichten gegenüber dem Auftraggeber zu erfüllen. Der Auftraggeber hat gemäß § 985 BGB gegenüber dem Architekten einen Eigentumsherausgabeanspruch bezüglich diverser Bauunterlagen (zum Beispiel Baugenehmigung, Bauverträge, Rechnungen der Unternehmer). Weiterhin können sich Herausgabeansprüche aus Architektenverträgen ergeben (zum Beispiel Ausfertigungen der Pläne, Kopie des Bautagebuches). Steuerliche Aufzeichnungspflichten Die steuerlichen Aufzeichnungsp„ichten ergeben sich aus der Abgabenordnung (AO) und steuerlichen Einzelgesetzen. Von wesentlicher Bedeutung sind dabei die §§ ­ 141 bis ­šš144 AO. Gewerbliche Unternehmer und baugewerblich tätige Architekten sind danach unter anderem beim Überschreiten einer Umsatzgrenze von 600.000 Euro oder einem Gewinn von mehr als 60.000 Euro verpfl„ichtet, Bücher zu führen und Aufzeichnungen zu machen. Hiervon nicht erfasst sind Freiberu„er, wie zum Beispiel Architekten, sofern diese keine gewerblichen Einkünfte erzielen. Klassische Architektenleistungen sind als freiberufl„iche und gerade nicht als gewerbliche Einkünfte anzusehen. Von der Buchführungspfl„icht ist die Pfl„icht zur Aufbewahrung von Unterlagen zu unterscheiden. Während Freiberu„fler nicht buchführungspfl„ichtig sind, können diese dennoch ihren Gewinn durch Betriebsvermögensvergleich gemäß § š4 Abs.1 EStG und die Aufstellung einer Bilanz ermitteln. Dann sind auch durch Freiberufler die allgemeinen Regeln der kaufmännischen Buchführung zu beachten, wozu die Aufbewahrung von Unterlagen gehört. Dies gilt auch bei der Gewinnermittlung durch Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben (Überschussrechnung) im Sinne des § „4  Abs. 3 …EStG. Die Aufbewahrung hat für folgende Unterlagen über einen Zeitraum von zehn Jahren zu erfolgen (§ ˆ„‰ 147 Abs.1 ˆ Nr. 1ˆ, „4 und Abs. …3 AO): Bücher und Aufzeichnungen, Inventar, Jahresabschlüsse, Buchungsbelege, Lageberichte, Eröff’nungsbilanz sowie die zu ihrem Verständnis erforderlichen Arbeitsanweisungen und sonstigen Organisationsunterlagen. Die weiteren in § ˆ„‰147 Abs.1 AO aufgeführten Unterlagen sind über einen Zeitraum von sechs Jahren aufzubewahren. Hierzu gehören: empfangene Handels- und Geschäftsbriefe, Wiedergaben von abgesandten Handels- und Geschäftsbriefen, sonstige Unterlagen, soweit diese für die Besteuerung von Bedeutung sind. Die Aufbewahrungsfrist beginnt gemäß § ˆ„‰147 Abs. 4 „ AO mit dem Schluss des Kalenderjahrs, in dem die letzte Eintragung in das Buch gemacht, das Inventar, die Erö’ffnungsbilanz, der Jahresabschluss oder der Lagebericht aufgestellt, der Handels- oder Geschäftsbrief empfangen oder abgesandt worden oder der Buchungsbeleg entstanden ist, ferner die Aufzeichnung vorgenommen worden ist oder die sonstigen Unterlagen entstanden sind. ­ Elektronische Aufbewahrung Die zunehmende elektronische Kommunikation und das „papierlose Büro“ machen es erforderlich, vor dem Hintergrund der steuerrechtlichen Aufbewahrungspichten deren Zugänglichkeit zu regeln. Das Bundesfiœnanzministerium (BMF) hat hierzu mit einer Verfügung vom 14ˆ„. November 2014 Stellung genommen und Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugri’ff (GoBD) aufgestellt. Das BMF-Schreiben kann auf der Website des Ministeriums heruntergeladen werden. Die darin festgelegten Grundsätze sind nach einer Übergangsphase seit dem 1ˆ. Januar Ÿ¡ˆ2017 zu beachten. Demnach gilt seit Jahresbeginn Folgendes: Werden Handels- oder Geschäftsbriefe und Buchungsbelege in Papierform empfangen und danach durch Einscannen elektronisch erfasst, muss das elektronische Dokument mit dem Brief in Papierform übereinstimmen. Die Briefe dürfen also durch die elektronische Aufbewahrungsform nicht verändert werden oder veränderbar sein. Auch das Scanverfahren selbst muss dokumentiert werden. Insbesondere ist festzuhalten, wer gescannt hat sowie wann und was gescannt wurde. Eingehende elektronische Handels- oder Geschäftsbriefe und Buchungsbelege müssen in dem Format aufbewahrt werden, in dem sie empfangen wurden (zum Beispiel Rechnungen oder Kontoauszüge im PDFoder Bildformat). Eine Umwandlung in ein anderes Format (zum Beispiel MSG in PDF) ist dann zulässig, wenn die maschinelle Auswertbarkeit nicht eingeschränkt wird und keine inhaltlichen Veränderungen vorgenommen werden. Nach den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung ist es nicht ausreichend, wenn Mails ausgedruckt und in Papierform abgelegt werden. Mails, die aufbewahrungspflichtige Unterlagen darstellen, sind vielmehr vollständig und mit ihren Anhängen, manipulationsgeschützt und maschinell auswertbar elektronisch zu archivieren und über die oben beschriebene gesetzliche Aufbewahrungsfrist lesbar zu machen. Hierfür sind gegebenenfalls entsprechende Softwarelösungen notwendig. Marcel Baumgart ist Steuerberater und Diplom-Wirtschaftsjurist (FH) bei bbt Rechtsanwälte und Steuerberater in Hannover. MEHR INFORMATIONEN Entlastet, verkürzt, erhöht Mit dem zweiten Bürokratieentlastungsgesetz vom 15. Juli 2017 wurden folgende steuerliche Entlastungen beschlossen, die allgemein alle Steuerpflichtigen betre­ffen:
  • Verkürzung der Aufbewahrungsfrist für Lieferscheine (§ˆ147 Abs. 3 Satz 3 und 4 AO), seit 1. Januar 2017. Diese können nun vernichtet werden, wenn eine inhaltsgleiche Rechnung vorliegt. Bisher mussten Lieferscheine sechs beziehungsweise zehn Jahre (Buchungsbeleg) aufbewahrt werden.
  • Anhebung der oberen Grenze zur vierteljährlichen Abgabe von Lohnsteuer-Voranmeldungen von 4.000 Euro auf 5.000 Euro (§ˆ41ˆa Abs. 2 Satz 2 EStG), seit 1. Januar 2017. Dies ist für alle Architekten relevant, die Arbeitnehmer beschäftigen.
  • Erhöhung des Schwellenwerts für Kleinbetragsrechnungen von 150 Euro auf 250 Euro (§ˆ33 Satz 1 UStDV), seit 1. Januar 2017. Hierdurch werden die Erleichterungen hinsichtlich der für den Vorsteuerabzug notwendigen Rechnungsangaben ausgedehnt.
  • Anhebung der Wertuntergrenze für geringwertige Wirtschaftsgüter und die Poolabschreibung auf 250 Euro (§ˆ6 Abs. 2 Satz 4 EStG und §ˆ6 Abs. 2ˆa Satz 1 EStG), ab 1. Januar 2018. Damit können Wirtschaftsgüter sofort als Aufwand steuermindernd berücksichtigt werden. Darüber hinaus ist nur eine steuermindernde Berücksichtigung im Wege der Abschreibung der Wirtschaftsgüter, teilweise über mehrere Jahre, möglich.
  • Neuer Höchstwert des durchschnittlichen Tageslohns zur Lohnsteuerpauschalierung: 72 Euro statt 68 Euro, seit 1. Januar 2017. Dies ist relevant für Architekten, die kurzfristig Mitarbeiter beschäftigen. Die Erhöhung folgt aus der Anhebung des Mindestlohns.
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Ihr Programm, unser Angebot

Text: Barbara Ettinger-Brinckmann Anfang Oktober öffnet die Expo Real in München wieder ihre Pforten. Europas größte Fachmesse für Immobilien und Investitionen bildet die gesamte Wertschöpfungskette der internationalen Immobilienbranche ab – von der Idee und Konzeption über die Finanzierung und Realisierung bis hin zu Vermarktung, Betrieb und Nutzung. Wir Architekten und Stadtplaner schaffen mit unseren Planungen die Grundlage für das, was für viele Besucher und Teilnehmer dieser Messe das Wirtschaftsgut „Immobilie“ ist und was wir Planer als Gebäude, als Haus, als Quartier oder als Stadt sehen und auch so bezeichnen. Natürlich überwiegen auf der Messe Aspekte der Wirtschaftlichkeit und der Vermarktung. Umso wichtiger ist es daher, Flagge zu zeigen. Und zwar in zweifacher Hinsicht: Nutzen Sie diese Kommunikationsplattform, um sowohl Ihre individuellen beru”flichen Anliegen als Architekten und Stadtplaner zur Geltung zu bringen als auch als Botschafter für Qualität im Planungs- und Bauprozess zu werben. Auf der Expo Real werden nicht nur große, sondern insbesondere auch viele kleine Ideen für Immobilienprojekte privater und vor allem öffentlicher Auftraggeber vorgestellt, angeschoben und diskutiert. Hier treffen sich alle, die sehr früh an Zukunftsüberlegungen zu neuen Immobilienprojekten beteiligt sind. Das ist für uns Architektinnen und Architekten genau der richtige Zeitpunkt, uns ins Gespräch zu bringen. Vertreter der Städte und Kommunen sind hier zahlreich vertreten, ebenso wie die großen und kleineren Projektentwickler, der Einzelhandel, die Banken und viele andere mehr, die zur Wertschöpfungskette Immobilie zählen. Auf unserem Stand, dem gemeinsamen Stand von Bundesarchitektenkammer, Bundesbauministerium, Bundesstiftung Baukultur, der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) und dem Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern, werben wir während der drei Messetage wieder für mehr Planungs- und Bauqualität im Immobilienbereich unter dem allgemeinen Motto „Sustainable Baukultur“. Hier erfüllt der Stand eine Reihe von wichtigen Funktionen: Publikumswirksame Veranstaltungen betonen die Relevanz von Architektur, Baukultur und Nachhaltigkeit als unverzichtbare Werte in der Immobilienbranche; Auftraggeber und Auftragnehmer nutzen ihn als offene Netzwerkplattform zum informellen Austausch; und aktuelle Anliegen des Berufsstandes werden politisch fl”ankiert. Diskussionen, Neuigkeiten und Netzwerke Auch in diesem Jahr haben wir ein vielschichtiges Programm zusammengestelltž – und laden Sie zu allen Veranstaltungen sehr herzlich ein! Kommen Sie am ersten Tag der Messe, am 4. Oktober, zur Standeröffnung, zu der sich Staatssekretär Florian Pronold angekündigt hat. Anschließend werden sich Experten auf Einladung unseres Standpartners DGNB mit dem Thema „Zukunft Nachhaltigkeit – Klimaschutzrendite und Qualität“ beschäftigen. Die Bundesstiftung Baukultur lädt danach zu einem Podiumsgespräch über „Mehr Akzeptanz für Innenentwicklung“ ein. An dem von Reiner Nagel (Bundesstiftung Baukultur) moderierten Gespräch nehmen neben Staatssekretär Pronold prominente Vertreter aus Bauverwaltung, Wohnungsbau und Forschung teil. Am zweiten Messetag begrüßen wir gezielt alle Kolleginnen und Kollegen am Stand zu einem „Architekten-Frühstück“! Hier soll der informelle kollegiale Austausch im Mittelpunkt stehen. Ein „heißes Eisen“ ist für uns noch immer das Thema Serielles Bauen – wir haben ausführlich über das wettbewerbliche Verfahren berichtet, das der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen und der Hauptverband der Bauindustrie, unterstützt von Bundesbauministerium und Bundesarchitektenkammer, im Sommer gestartet haben. Erfreulich viele Architekturbüros haben teilgenommen, und wir können an diesem Tag auf Neuigkeiten zum zweistufi”gen Verfahren gespannt sein. Im Anschluss wird es um „Baukultur und Nachhaltigkeit“ gehen – die DGNB lädt interessante Gesprächspartner ein, um über den unaufl•ösbaren Zusammenhang zwischen beiden Begri–ffen zu diskutieren. Wir haben gemeinsam die Stadtbauräte, Baubürgermeister, Baudezernenten, also die „Stadtbaumeister“ aller deutschen Städte eingeladen, um den Dialog zwischen den maßgeblichen Vertretern der kommunalen Auftraggeber und der Kollegenschaft auf unkomplizierte Weise zu ermöglichen. „Meister der Stadt – Stadtbaumeister“ heißt das Tre–en, zu dem ich Sie gemeinsam mit Staatssekretär Gunther Adler und Reiner Nagel von der Bundesstiftung Baukultur herzlich begrüße. Sicherlich werden auch Sie Ihnen bekannte Ansprechpartner wiedersehen oder neu kennenlernen. Experten aus Rechtsprechung, Projektentwicklung und der Wohnungswirtschaft hat die Bundesstiftung eingeladen, um eine Diskussion mit der Überschrift „Phase Null – Planungskultur scha–t Bauqualität“ zu führen. Am Nachmittag wird dann die DGNB ihr neues Zerti”zierungssystem vorstellen œ– worauf wir schon heute gespannt sein können – und feierlich Zerti”kate an die Projektbeteiligten neuer Bauten verleihen. In den Abend des zweiten Messetags wollen wir dann ab žŸ17.30 Uhr gemeinsam mit Ihnen bei guten Gesprächen und einem Aperitif starten – seien Sie auch hier dabei! Am dritten Messetag steht Ihnen der Stand vollumfänglich für geschäftliche Gespräche, Verabredungen oder einfach zur Kontaktpf•ege zur Verfügung. Nutzen Sie unseren Messestand als Ihre Repräsentanz, als Ihre Plattform und Ihren Tre–punkt. Ich freue mich, Sie auf der Expo Real zu tre–ffen! Barbara Ettinger-Brinckmann ist Präsidentin der Bundesarchitektenkammer. MEHR INFORMATIONEN Das tagesaktuelle Programm mit allen Referenten finden Sie unter www.bak.de Sie ŽfindenŽ unsŽ hier‘Ž: Halle žAŸ2, Standž 334  

Mach mir den Hof

Urbanes Dorf: In Puchenau gruppieren sich fast tausend Häuser um Höfe und autofreie Wege. Wenn schon Eigenheim, dann bitte effizient: Ein Hofhaus nutzt das Grundstück viel besser aus als ein freistehendes Einfamilienhaus. Trotzdem wird das kompakte und introvertierte Wohnen erst langsam wiederentdeckt. Text: Christoph Gunßer Eine Generation von Planern pilgerte nach Puchenau und staunte. Roland Rainers Gartenstadt bei Linz mit ihrem Teppich aus verschachtelten Bungalows an abwechslungsreichen, verkehrsfreien Wegen bot eine Wohnqualität, die in der auto- und objektfixierten Nachkriegszeit verloren gegangen war. Heute würde man von einem „urban village“ sprechen. Die Vorteile der Bauweise für den öffentlichen Raum verdeutlicht die Zeichnung des Architekten Roland Rainer. Doch Puchenau, gebaut ab 1965 bis 2000, ist nur die berühmteste Siedlung eines Typs, der eine Zeit lang recht weit verbreitet war: Teppichsiedlungen aus Gartenhof- oder Atriumhäusern, teilweise kombiniert mit Terrassen- oder Reihenhaustypen, wurden bis in die Siebzigerjahre auch in einigen deutschen Städten geplant, etwa 1962 in der Karlsruher Nordweststadt von Reinhard Gieselmann und 1965 von Ortwin Rave in Münster. Das Olympiadorf in München von Heinle, Wischer und Partner, Werner Wirsing und anderen war Ž1972 ein Höhepunkt – der sehr geschätzt wird, auch von bekannten Architekten, die dort wohnen. „Low rise, high density“, wie es die Briten nannten, war eine im Grunde uralte Bauform: Roland Rainer zeigte gern Luftbilder iranischer, türkischer und chinesischer Städte, die sämtlich labyrinthische Hofhausstrukturen aufweisen. Adolf Loos, Heinrich Tessenow und Leberecht Migge standen bei Rainers Reformbemühungen Pate; Mies van der Rohe und Ludwig Hilberseimer hatten bereits um ˜1930 prinzipiell endlose Hofhausmuster entworfen, die allerdings Papier blieben. Walter Schwagenscheidt brachte nach dem Krieg den Reiz der Bauweise mit Skizzen eines „Ohnekleider-Höfchens“ auf den Punkt – der uneinsehbare Freiraum und die ringsum šießenden Wohnräume galten auf der Interbau 1957Ž als hip. In ihrer Beschwingtheit unübertrožen sind zwei Winkelbungalowsiedlungen bei Kopenhagen von Jorn Utzon, die etwa zeitgleich mit Puchenau entstanden. Dessen Erweiterung fiel Ende der Siebziger auch spielerischer aus. Was die Vorbildfunktion des Projektes betraf, resignierte Rainer später. Ihm gelang nur ein kleines, ähnlich dicht gewebtes Folgeprojekt in der Wiener Tamariskengasse. Dichte Packung: Das „tiefe Haus“ von Pentaplan in Graz bündelt über einer gemeinsamen Garage 24 Reihenhäuser mit Atrien im Obergeschoss. Höhle versus Villa In den experimentierfreudigen Siebzigern gaben deutsche Bauminister Studien zum „kosten- und ächensparenden Bauen“ in Auftrag, in denen die Effi‚zienz des verdichteten Flachbaus wissenschaftlich nachgewiesen wurde: Erschließung und Außenwandanteil werden durch die grenzständige Bauweise minimiert; private wie halb öffˆentliche Freiräume sind im Vergleich zu Einfamilienhausgebieten von hoher Qualität; es lassen sich aufgrund geringerer Verschattung passivsolare Gewinne erzielen, das SicherheitsempfiŒnden ist hoch – und auch Barrierefreiheit lässt sich leicht realisieren. Trotzdem geriet die Hof-Idee in Vergessenheit. Wo die „Hüslipest“ (der Schweizer Begriˆff ist unübertroffen) nicht wütet, prägen heute Reihenhaus und Stadtvilla die Neubaugebiete, in zentraleren Lagen Blöcke und Wohnhochhäuser (vgl. „Die Riesen zähmen“). Zu den Gründen für diese typologische Verarmung befragt, geraten selbst versierte Gebäudekundler ins Grübeln. Gerade auf immer kleiner geschnittenen Grundstücken sind Hofhäuser in puncto E‚ffizienz eigentlich unschlagbar. Wohnanlagen dieser Art brauchen nur rund ein Viertel der Fläche von Einfamilienhausgebieten. Aber sie brauchen ein spezielles Baurecht. Und mangels aktueller Vorbilder fehlt es bei Bauämtern wie -trägern an Fantasie. Hofhäuser taugen zudem nicht für eine repräsentative Fassadenarchitektur. Auf archetypischer Ebene stehen sich hier gewissermaßen Höhle und Villa, Intro- und Extrovertiertheit gegenüber. Generell wird stetig mehr Wohnflƒäche verlangt – da kann das im Idealfall eher bescheidene Hofhaus nicht mithalten. Für Thomas Jocher von Fink+Jocher Architekten, München, ist zudem das Nachbarrecht ein heikler Punkt: „Die Grenzbebauung birgt viele Konflƒikte.“ Außerdem seien die Menschen zu bequem, um ihre Bierkisten über Wohnwege zu schleppen. Die Stellplatzfrage hält er für sehr wichtig – und die Baulandpreise: „Auch der Teppich frisst Fläche.“ Sein Büro baut darum fast nur noch Blockstrukturen. „Die Wohnqualität gibt heute nicht den Ausschlag“, bestätigt Stadtplaner Klaus Humpert aus Freiburg. Er attestiert dem frei stehenden Haus eine größere Flexibilität – und es gebe mehr Abstellraum. Am anderen Ende der Skala sieht er im Geschossbau die standardisierbare, pfƒegeleichtere Alternative. Flickenteppich: Im Biberacher Baugebiet Talfeld lassen sich die verschiedenen Bauformen gut vergleichen. Eine Chance für den suburbanen Städtebau „Der Straßenraum, die Anordnung von Stellplätzen und die Struktur der Häuser müssen beim Hofhaus viel sorgfältiger geplant werden. Der Verzicht auf die Abstandsƒfläche bereitet immer wieder baurechtliche Hindernisse. Es gibt also erhebliche „Anfangswiderstände“, sagt auch Architekt Clemens Dahl aus Geisenheim, der sich mit der Webseite www.hofhaus-projekt.de für die Renaissance des Bautyps einsetzt. Er beklagt: „Bei den typischen Neubaugebieten auf dem Land hat sich der Städtebau als gestaltende Instanz völlig zurückgezogen. Statt Quartiere und Straßenräume zu gestalten, wird hier nur noch die Gestalt der Häuser reglementiert – selten mit überzeugendem Ergebnis.“ Der Architekt hošfft: „Mit dem Hofhaus besteht die Chance eines Neuanfangs für den Städtebau.“ Ganz verschwunden sind die Hofhäuser demnach nicht – der Begriffš wird indes eher weit gefasst. Auf dem Trierer Petrisberg etwa entstand vor Jahren ein Gebiet mit rund fünfzig Hofhäusern; einige sind jedoch eher Reihenhäuser mit Hinterhäusern und dazwischenliegendem Hof. Auch im schwäbischen Biberach wurde ein kleines Quartier aus aneinanderliegenden Atriumhäusern gebaut. Im Zentrum Greifenbergs in Bayern realisierten Sunder-Plassmann ein Hof-Ensemble „als Gegenthese zu reinen Schlafdörfern“. Hofgemeinschaft: Die Häuser in Greifenberg am Ammersee von Sunder-Plassmann Architekten teilen sich einen Erschließungshof. Hinzu kommen private Freisitze. In unseren Nachbarländern sieht es anders aus: Sowohl in Österreich als auch in den Niederlanden fördern eine vorausschauendere Bodenpolitik, gemeinnützige Bauträger und Genossenschaften die Realisierung innovativer Bauformen wie urbaner Hofhäuser. Das „tiefe Haus“, ein kompakter, 28‰Š Meter tiefer Block aus 24 ‰Œ Atriumreihenhäusern in Graz, wurde von den Architekten Pentaplan sogar als Bauträger realisiert. Von Linz ausgehend, gibt es eine regelrechte Wohnhöfe-Bewegung, die auf den Architekten Fritz Matzinger zurückgeht. In seinen Projekten gruppiert er mehrstöckige Reihenhäuser um einen zentralen Hof, der sich durch ein Glasdach schließen lässt – eine sehr kompakte Wohnform etwa für Baugemeinschaften. Weitläu—fige und zugleich dicht „gewebte“ Teppichsiedlungen gehören aber scheinbar der Vergangenheit an. Sie sind für derzeitige Verhältnisse o™enbar zu anspruchsvoll, zu komplex. Doch: „Die Gebäudetypen kommen und gehen“, meint der 87Š›-jährige Planer Klaus Humpert weise. In studentischen Arbeiten, das beobachtet Thomas Jocher an der Uni Stuttgart, tauchen Hofstrukturen wieder häufiger auf. Professor Günter Pfeifer, der 2007 ein Buch über Hofhäuser publiziert hat, ließ seine Studenten an der TU Darmstadt vor Jahren Hofhäuser entwickeln, die vom vorindustriellen Typ „Hofreite“ inspiriert waren: Dieser verband Wohnen und Arbeiten auf engem Raum. Außenraumvergleich: Bei kleinen Grundstücken wird der Garten des frei stehenden Hauses zum schlecht nutzbaren Ring. Das Hofhaus bietet mehr Freiraumqualität. Ein Mittel gegen die Hypermobilität? Doch auch jenseits der FlächeneffiŽzienz scheint die Bauweise einige Vorteile zu besitzen, die zur EnergieeffiŽzienz beitragen. So wurde die Gartenstadt Puchenau mehrfach von Sozialforschern untersucht. Die Wohnzufriedenheit ist dort noch immer groß – so groß, dass die Bewohner viel weniger wegfahren. Eine Studie ergab bereits in den Achtzigerjahren, dass fast drei Viertel die Wochenenden in der Siedlung verbringen. In einem nahe gelegenen Hochhaus blieb weniger als ein Viertel von ihnen zu Hause. Christoph Gunßer ist freier Fachautor. Er lebt in Bartenstein. „Mehr Informationen und Artikel zum Thema „Effizient“ finden Sie in unserem DABthema Effizient.

Clevere Tools

Wirtschaftlich: Werden alle relevanten Büro- und Projektdaten ausgewertet, lassen sich Projektabläufe oder der Personaleinsatz optimieren. Neue Büro- und Management-Software für Planungsbüros – kurz BMSP – hilft, Ressourcen effizient zu planen und Projekte auch von unterwegs zu steuern. Text: Marian Behaneck Mit dem Auftragsfilter in PROsimulation von Projekt Pro lässt sich jetzt auf der Grundlage von Auftrags-Szenarien und verfügbarer Ressourcen die Wirtschaftlichkeit von Planungsbüros optimieren. Dazu wird – unter Berücksichtigung von Datenbankinformationen zu Aufträgen, Teilleistungen, Budgets, Rechnungsplanung oder Mitarbeiterkapazitäten – der Einsatz aller Mitarbeiter und die Auslastung bestimmter Funktionen im Büro geplant. Durch einfaches Drag and Drop werden Mitarbeiter Projekten zugeordnet und verschiedene Szenarien durchgespielt. So können vorausschauend wichtige Fragen zur Personal-Auslastung und Büro-Liquidität geklärt werden. Projekte und der Mitarbeitereinsatz können auch mit den neuen RP-PRO Modul Projektmanager von Loreg zeitlich geplant werden. Das Modul bietet die Möglichkeit, ein ganzes Projekt mit nur einer einzigen Eingabe zu planen oder in beliebig viele einzelne Arbeitsschritte zu unterteilen – so, wie es die Kapazitäten zulassen oder es das jeweilige Projekt erfordert. Mitarbeiter lassen sich dem Projekt zuteilen oder Budgets für die Leistungen festlegen. Mit der neuen TAPI-Telefoniefunktion, die eingehende Anrufe automatisch Projekten zuordnet, kann außerdem die Telefon-Kommunikation mit Kunden und Projektpartnern rationalisiert werden. Die neue Version AstaPowerproject 14 von Asta Development vereinfacht mithilfe von Farbcodes das Zuweisen von Ressourcen. Außerdem können Vorgänge nun auch mit der Bedingung verknüpft werden, dass sie innerhalb eines definierten Zeitraums stattfinden sollen. So lassen sich Unterbrechungen durch arbeitsfreie Zeiten vermeiden. Eine Risikoanalyse erleichtert die Identifizierung und Bewertung von Projektrisiken, Analysen liefern Projektkennzahlen zur Termin- und Kostensituation. Zudem bietet der neue EVA- Reporter einen Überblick über den Projektfortschritt und ermöglicht Trendanalysen. Auch untermStrichX.2 der untermStrich software GmbH verfügt über eine neue Ressourcenplanung, mit der die Auslastung der Mitarbeiter optimiert und die Produktivität gesteigert werden kann. Grundlage der Planung sind Arbeitspakete, die – Projekterfordernissen folgend – flexibel definiert werden können. Die kollaborative Planung über internetbasierte Projektplattformen (IBPM) sowie das gemeinsame Arbeiten am digitalen BIM-Gebäudemodell werden ebenfalls unterstützt. Die webbasierte Lösung Abacusallprojects von Abacus Solutions ermöglicht eine standortunabhängige Datenerfassung und einen Mobilzugriff‡ auf Büro- und Projektdaten. Mit der App AbaClik für iOS oder Android lassen sich unterwegs wichtige Daten, wie etwa Zeit- und Reisekosten, erfassen oder Kommen-/Gehen-Zeiten buchen. Die eingetragenen Daten werden automatisch mit dem zentralen System synchronisiert. Die Projektmanagement-Software Bau-ProCheck der ADS Gesellschaft für angewandte Datensysteme ist jetzt auch als cloudbasierte Mietsoftware erhältlich. Die bereits auf der Messe BAU im Januar in München vorgestellte Webapplikation Bau-ProCheck •3 kann auf dem Web-Server des Herstellers oder alternativ im eigenen Unternehmen installiert werden. Damit lassen sich digitale Bautagebücher online führen und Mängel cloudbasiert erfassen. Mit dem neuen Small-Business-Paket von Kobold Control für kleine Planungsbüros können Mitarbeiterzeiten intuitiv und ortsunabhängig am Arbeitsplatz, plattformunabhängig über einen Browser, in einer Terminalserveranwendung oder unterwegs auf dem Tablet und dem Smartphone eingegeben werden. Das Small-Business-Paket für bis zu fünf Nutzer unterstützt Planer darüber hinaus bei der Honorarermittlung und Angebots- sowie Rechnungsstellung. Außerdem stehen Standardberichte sowie eine Adressen- und Dokumentenverwaltung sowie zahlreiche Vorlagen zur Verfügung. Die neue Stakeholder-Integration von Wiko verbessert Kommunikationsprozesse und ermöglicht, mit externen Projektbeteiligten einfacher zu kommunizieren und zu interagieren, etwa per Chat. Informationen und Dokumente können unter den Projektbeteiligten in Echtzeit ausgetauscht werden. Durch einen externen Zugang über ein Rechteverwaltungssystem zu Vertragsdokumenten, die Online-Rechnungsstellung und -prüfung und den Abgleich von Leistungsständen oder Terminen kann die Zusammenarbeit mit Fachplanern wesentlich schneller und reibungsloser erfolgen als bisher. BMSP-Software im Vergleich Die am Ende des Beitrags hinterlegte Software Tabelle mit dem Vergleich von 18 BMSP-Programmen, soll die Kaufentscheidung erleichtern. So kann bereits das Softwarekonzept ausschlaggebend sein, ob die Software zum Büro passt: herkömmliche, mehrplatzfähige Client-Server-Kaufsoftware ist der Standard, VPN- oder Terminalserver-fähige Programme ermöglichen externe Zugriffe, Weblösungen lassen sich nur mieten und per Webbrowser plattform- und standortunabhängig nutzen. Mobil verfügbar sind meist nur ausgewählte Funktionen, wie die Erfassung von Adressen, Terminen oder Mitarbeiterzeiten. Bei Weblösungen sind alle Funktionen per mobiler Internet-Verbindung auch unterwegs verfügbar. Die Einsatzbereiche geben an, ob die Software neben dem Büro-, Projekt- und/oder Terminmanagement auch Funktionen für die Honorarabrechnung, das Controlling, das Dokumentmanagement (DMS), das Kundenbeziehungsmanagement (CRM) oder weitere Bereiche bereithält. Zu den Bürofunktionen zählen die Adressenverwaltung und Korrespondenz, das E-Mail-Management, eine Volltextsuche sowie Erinnerungs- und Wiedervorlage-Funktionen. Per MS-Outlook- oder MS-Exchange-Schnittstelle lassen sich E-Mail- und Adressdaten synchronisieren. Mit einer TAPI-Schnittstelle können eingehende Anrufe automatisch Projekten zugeordnet werden. Die Büro-Controlling-Funktionen überwachen wichtige Bürokennzahlen, wie etwa die Arbeitskosten, den Projektstundenanteil, den mittleren Bürostundensatz oder den Gemeinkostenfaktor und machen damit die wirtschaftliche Bürosituation transparenter. Nach dem PeP7-Standard zertifizierte Programme ermitteln die Bürokennzahlen einheitlich und sind dadurch untereinander vergleichbar. Ebenso wichtig für die wirtschaftliche Sicherheit sind Prognosen, etwa wie lange ein Büro mit dem aktuellen Auftragsbestand kostendeckend arbeiten kann oder Liquiditäts-Kontrollen, die Einnahmen und Ausgaben kontinuierlich im Blick behalten. Digitale Ressourcenplaner ermöglichen eine Optimierung personeller Ressourcen. Die bereits am 1. Januar 2015 in Kraft getretenen „Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“ (GoBD) sind auch für Planer relevant, werden derzeit aber erst von einem Teil der Programme unterstützt. Darin legt das Bundesfinanzministerium Regeln für eine IT-gestützte revisionssichere Buchhaltung, Erfassung, Bearbeitung und Archivierung steuerrelevanter Daten fest. Zu den Projekt-Controlling-Funktionen gehören unter anderem das Aufgaben- und Termin-Management, die Überwachung von Bauzeiten und des Projektstatus, die Erstellung von Soll-Ist-Reports. Die Grundlage für Controlling-Funktionen bildet die Zeiterfassung. Sie sollte sowohl stationär am Büro-PC als auch mobil per iOS-App, Android-App oder per Web-App möglich sein. Ist ein Modul für die Erstellung von Angeboten und Honorar-Rechnungen nach HOAI integriert, spart das nicht nur Zeit – es steigert auch die Sicherheit, dass alle erbrachten Leistungen auch tatsächlich abgerechnet und nicht vergessen werden. Standard-Schnittstellen wie ASCII, DOC, PDF, XLS, HTML oder XML ermöglichen den digitalen Austausch und die digitale Weiterbearbeitung und von Daten. Eine ZUGFeRD-Schnittstelle (Zentraler User Guide des Forums elektronische Rechnung Deutschland) ermöglicht eine standardisierte digitale Verarbeitung von elektronischen Rechnungen. Die Preise für die BMSP-Basissoftware liegen zwischen 500 und 2.000 Euro – je nach Programmkonzeption und Funktionsumfang. Hinzu kommen Kosten für Zusatzmodule. Nicht vergessen werden sollten auch Schulungskosten und bei Kaufprogrammen jährliche Wartungskosten. Einen detaillierten BMSP-Praxischeck enthält übrigens auch die Publikation „Büromanagement-Software für Planer am Bau“ von Dagmar Kunick, erschienen Anfang 2017 als Sonderausgabe des Magazins PBP Planungsbüro professionell (www.iww.de). Außerdem wird unter www.aec-office.de eine Online-Marktübersicht mit rund 40 BMSP-Lösungen offeriert. Hier geht es zur Software Tabelle. Marian Behaneck ist freier Fachjournalist in Jockgrim (Pfalz). „Mehr Informationen zum Thema Technik erhalten Sie hier.“