Pritzker-Preis 2013 für Toyo Ito

Hervorgehoben

Der japanische Architekt Tokyo Ito erhält in diesem Jahr den Pritzker-Preis. Die Jury unter dem Vorsitz von Peter Palumbo begründete ihre Auswahl mit der “konzeptionellen Innovation” Idos, die seine Entwürfe präge und in “großartig umgesetzte Bauten” münde. Ito selbst gibt sich bescheidener: ”Wenn ein Bau fertig ist, werden mir jedenfalls schmerzhaft meine eigenen Unzulänglichkeiten bewusst, und das wird in Energie umgewandelt, um mich dem nächsten Projekt zu stellen”. Zu seinen bekanntesten Projekten gehört die Mediatheque in Sendai/Japan, die das Erdbeben im März 2011 schadlos überstand. Europa kann mit dem Hotel Porta Fira in Barcelona auch auf ein preisgekröntes Projekt des Pritzker-Preisträgers verweisen. Die Verleihung der mit 100.000 Dollar dotierten Auszeichnung findet am 29. Mai in Boston statt.

Ein Visionär kennt kein Alter

Hervorgehoben

  Gottfried Böhm mit seiner Frau im Jahr 2009. Der einzige deutsche Pritzker-Preisträger, der Kölner Architekt Gottfried Böhm, wird in der Berliner Galerie AEDES mit einer Ausstellung geehrt. Pünktlich zu  Böhms 93. Geburtstag  am 23. Januar wurde die Schau mit zahlreichen Gästen eröffnet. Das Grußwort der deutschen Architektenschaft überbrachte der Präsident der Bundesarchitektenkammer Sigurd Trommer. Hier ein Auszug aus seiner Rede: Sie, lieber Gottfried Böhm machen uns an Ihrem Geburtstag das Geschenk, Ihre Visionen in einer beeindruckenden Ausstellung hier in der Galerie AEDES studieren zu können. In einer eher verzagten Zeit in die weite Zukunft zu blicken: Das ist die Herausforderung nicht nur an unseren Berufsstand, sondern an die Gesellschaft insgesamt. Wir stehen am Anfang eines Epochenwandels, in dem die Grundlagen unserer Existenz – von Klima und Energie über Rohstoffe bis hin zu Problemen der Demographie und sozialen Konflikten – neu justiert werden müssen. Dieser Wandel geht uns Architekten im Innersten an. Unsere Antworten darauf müssen unsere Entwürfe, unsere Bilder sein – das erwartet die Gesellschaft von uns. Dafür brauchen wir Courage und Bereitschaft zum Engagement. Und Sie machen uns das vor! Sie schöpfen Ihre Ideen aus einem schier unglaublichen Erfahrungsschatz. Ihr Wirken war für mich immer auch mit Ihrer Persönlichkeit verbunden. Vor rund 30 Jahren, bei meiner Berufung in die Deutsche Akademie für Städtebau, umgab Sie dort eine besondere Aura. In den Veranstaltungen wurden Ihre Beiträge geradezu aufgesogen. St. Kolumba in Köln: Immer wieder besuche ich „Ihre“ kleine Kapelle „Madonna in den Trümmern“ in St. Kolumba in Köln, die Ende der 1940er-Jahre, mithin in schwierigsten Zeiten, entstand: Die schöne Decke, wie eine Jakobsmuschel, die Verglasung von Ludwig Gies. Damals waren Sie noch keine 30! Unerreicht Ihre Leidenschaft auch und gerade für die vermeintlich kleinen Aufgaben; unvergessen Ihre Rede anlässlich der Verleihung des Pritzker-Preises im Jahr 1986. Sie sprachen über den Entwurf einer kleinen Kapelle und verzauberten damit die Festgemeinde. Ich erwähne gern den Umbau der Godesburg in meiner Heimatstadt Bonn, oder das Rathaus Bergisch-Gladbach aus den frühen 1970er-Jahren, das für mich als langgedientem Stadtbaurat bis heute als ein Zeichen modernen Bürgerstolzes gilt. Und immer nahe fühle ich mich Ihnen im Hans-Otto-Theater in Potsdam, wo wir mit dem Nationalen Konvent der Baukultur vor einigen Jahren die Bundesstiftung begründet haben. An der Havel: Das Hans-Otto-Theater in Potsdam Das sind meine persönlichen Gottfried Böhms: Bauwerke aus mehr als 60 Jahren, aus denen sich Kraft und Mut für Visionen schöpfen lassen. Ihre Werke und die Ausstellung zu Ihrem 93. Geburtstag zeigen nicht nur kühne Architektur, sondern auch die seltene Einheit von Person und Lebenswerk, Mut zum weiten Blick, und eine große Demut gegenüber Schöpfung und Gesellschaft. Dafür Dank und beste Wünsche für gesunde und anregende Jahre! Die Ausstellung in der Galerie Aedes Am Pfefferberg, Christinenstraße 18-19, Berlin-Prenzlauer Berg,  läuft noch bis zum 15. Februar 2013. Weitere Informationen finden Sie hier.  

Ausgezeichnet!

Bundesarchitektenkammer und das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) haben den Deutschen Architekturpeis 2013 ausgelobt.Die Auszeichnung versteht sich als offizieller Architekturpreis der Bundesregierung und würdigt  baukünstlerische Leistungen, die sich auf vorbildliche Weise mit Fragen der gesellschaftlichen Gegenwart auseinandersetzen. Zur Einreichung sind Bauwerke und Gebäudeensemble zugelassen, die zwischen dem 1. Januar 2011 und dem 28. Februar 2013 fertiggestellt wurden. Die Auslobungsfrist endet am 14. März 2013.Formulare, Informationen zum Bewerbungsverfahren und über die Jury finden Sie unter www.deutscher-architekturpreis.de oder direkt bei der Bundesarchitektenkammer.  

“Rund um die Uhr gefordert”: Weiter lesen

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Ein Land wirft Falten

Deutschland altert und schrumpft – aber nicht überall gleich: In manchen Regionen wächst die Zahl der jungen Leute. Und in anderen verwirklichen mobile Senioren spezielle Wohnwünsche Text: Cornelia Dörries Die Jugend von gestern: Bald kommt eine mobile, gut ausgebildete Generation ins Rentenalter, die eine Vielfalt moderner Lebensentwürfe ausprobiert hat. Entsprechend individuell sind auch ihre Wohnwünsche für den Ruhestand. Deutschlands Zukunft schimmert silbergrau. Binnen 20 Jahren wird der Bevölkerungsanteil der über 65-jährigen von derzeit 25 auf mehr als 36 Prozent steigen, während die Gesamtzahl der hier lebenden Menschen schrumpft. Was vielen als einheitliches Schreckensszenario erscheint, erweist sich bei genauerer Betrachtung als differenziertes Geschehen, das zum einen die Städte und Regionen in sehr unterschiedlicher Weise betrifft und zum anderen auch keine einheitlichen Aussagen über „die Senioren“ als solche erlaubt. Aber der Reihe nach. Ein aktueller Bericht des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) konstatiert eine größer werdende Kluft zwischen wachsenden und schrumpfenden Regionen in Deutschland. Während viele Städte und Gemeinden im Süden einen Bevölkerungszuwachs vermelden können, hält der – mancherorts dramatische – Rückgang der Einwohnerzahl im Osten und in ähnlich strukturschwachen Gebieten der alten Bundesländer an. Die  Abwanderung jüngerer Bevölkerungsgruppen beschleunigt den Alterungsprozess in diesen Regionen; sie haben mit Wohnungsleerstand und einer immer aufwendigeren Aufrechterhaltung der Daseinsvorsorge für die verbleibende, relativ alte Bevölkerung zu kämpfen. Denn wo immer weniger Leute leben, kommen auch Ärzte, Einzelhändler, Verkehrsunternehmen oder Energieversorger nur noch schwer über die Runden. „Den Kommunen wird das Kleid zu groß“, sagt die Regionalwissenschaftlerin Heike Liebmann von der Brandenburgischen Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung (B.B.S.M.) in Potsdam. Es gebe bereits Gedankenspiele, die verbliebenen Einwohner ganzer Dörfer umzusiedeln und die Orte aufzugeben. Doch Liebmann hat festgestellt, dass die Verbundenheit der Menschen mit ihrer Region sehr ausgeprägt ist, und erteilt solchen Überlegungen eine klare Absage: „Siedlungsstrukturen lassen sich nicht einfach von oben herab steuern. Aufgabe der Politik wäre es, die Menschen ehrlich über die Kosten aufzuklären, die auf sie zukommen, wenn sie bleiben wollen.“  Liebmann erlebt, dass viele Dorfgemeinschaften den Alltag mit selbst organisierter Hilfe bewältigen. Aber sie fügt auch hinzu: „Die gegenwärtige Rentnergeneration Ost ist noch verhältnismäßig kaufkräftig und in der Lage, die Sicherung ihres Lebensstandards selbst zu finanzieren. Sie kann beispielsweise Geld für die barrierefreie Gestaltung ihrer Wohnumgebung ausgeben.“ Die  Senioren von morgen, die es als erste Nachwende-Generation mit Langzeitarbeitslosigkeit und Sozialhilfe zu tun bekamen, verfügen nicht mehr über diese Mittel. Die demographische Entwicklung kennt aber nicht nur Verlierer-Regionen, sondern auch Gewinner. Man findet sie im vor allem im Süden und Südwesten Deutschlands: Städte  wie Landau in der Pfalz, Baden-Baden, Berchtesgaden oder Garmisch-Partenkirchen. Solche Orte wachsen dank der Zuwanderung gut betuchter Senioren, die sich nach dem Arbeitsleben nicht für Teneriffa, sondern für einen Alterswohnsitz in vertrauterer, landschaftlich reizvoller Umgebung entschieden haben und dort auch altersgerechte Wohnungen wünschen. Die Regionalwissenschaftlerin Gabi Troeger-Weiß aus Kaiserslautern, hat Gemeinden untersucht, die vom demographischen Wandel profitieren. Doch sie gibt zu bedenken: „Es handelt sich bei diesem Zuzug um eine sehr eingegrenzte Gruppe im Alter von 65 bis 75, die über ein relativ hohes Einkommen und überdurchschnittliche Bildungsabschlüsse verfügt.“ Eine kleine Minderheit – noch. Doch bald gehen die Jahrgänge in Rente, die vom Bildungsboom der 1960er- und 70er-Jahre erfasst wurden und viele Gutverdiener aufweisen. Allerdings ist bislang ein Wohnungswechsel im Alter, zumal über größere Distanzen, noch eine Seltenheit, bestätigt auch Frank Oswald, der in Frankfurt am Main über das Wohnen im Alter forscht. „Kontinuität steht an erster Stelle. Wenn ein Umzug erwogen wird, dann zumeist im Umkreis von 50 Kilometern“, so Oswald. Denken ältere Menschen aus freien Stücken über einen Wohnungswechsel nach, spielen soziale Gründe wie die Nähe von Kindern und Enkeln eine wichtige Rolle; allein aus technisch-baulichen Gründen zieht kaum jemand um. Und wenn Senioren ein neues Zuhause suchen, haben sie ziemlich genaue Vorstellungen von dem, was sie wollen und nicht wollen. „Es ist zum Beispiel ein Mythos, dass ältere Menschen sich bei einem Umzug ‚verkleinern‘ möchten“, weiß Oswald. „Und es stimmt auch nicht, dass Senioren am liebsten ins Erdgeschoss ziehen. Sie möchten zwar gern barrierefrei wohnen, doch zugleich ist ihnen Sicherheit sehr wichtig. Deshalb bevorzugen sie den ersten Stock.“ Und zwar in überschaubaren, nicht anonymen Mehrparteienhäusern, in denen sich die Nachbarn kennen. Von einem frei stehenden Häuschen im Grünen träumt man in dieser Altersklasse nicht mehr. Ob die Zukunft den sogenannten gemischten Mehrgenerationen-Häusern oder homogeneren Seniorensiedlungen gehört, weiß auch Frank Oswald nicht zu sagen. Ein allgemeingültiges, Konzept für das Wohnen im Alter, da ist er sich sicher, wird es jedenfalls nicht geben.

Gehört dazu

Geräusche in einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade lassen sich nicht verhindern, aber durch umsichtige Planung vermindern   Text: Franz Lubinski Das Prinzip der vorgehängten hinterlüfteten Fassade (VHF) ist eine seit Jahrzehnten bewährte Konstruktion. Sie besteht aus einer in der massiven Außenwand verankerten Metall-Unterkonstruktion aus Aluminium oder verzinktem Stahl, der Wärmedämmung und der hinterlüfteten Bekleidung. Insbesondere bei Letzterer sind die Vielfalt und damit die gestalterischen Möglichkeiten in Form und Farbe nahezu unbegrenzt. Es sind unterschiedlichste Materialien wie Metall, Keramik, Glas, HPL-Platten, Faserzement oder Holz in zahlreichen Formaten verfügbar. Zu beachten ist auch hier, dass jeder Werkstoff andere Eigenschaften besitzt, deren Auswirkungen auf die Konstruktion bei der Planung zu berücksichtigen sind. Nicht zuletzt aber ist zu bedenken, dass die verschiedenen Komponenten miteinander verbunden werden müssen, um ihre Funktion als Gesamtkonstruktion erfüllen zu können. Damit wird deutlich, welche Fülle von Aufgaben der Planer zu lösen hat. Ihm sollte auch bekannt sein, dass es keine geräuschlosen VHF gibt, ja gar nicht geben kann, auch wenn bis heute diese Forderung gelegentlich in Leistungsverzeichnissen noch auftaucht. Zulässige Verformungen Eine vorgehängte hinterlüftete Konstruktion knistert oder knackt gelegentlich. Das ist normal. Allerdings ist die Intensität der Geräusche unterschiedlich. Sie hängt vom Temperatur- und Feuchtigkeitsverhalten, den Formaten der Bekleidung sowie den Materialverbindungen der jeweiligen Werkstoffe ab. Unter allen Fassadenbekleidungen reagieren hier die Metalle aufgrund ihres relativ hohen Längenausdehnungskoeffizienten auf Temperaturschwankungen am empfindlichsten. Die außenliegenden Fassadenelemente erwärmen sich unter Sonneneinwirkung mehr als die dahinter angeordnete Unterkonstruktion. Daraus ergibt sich ein Temperaturgefälle, das zu Zwängungen führen kann. Diese Zwängungen ziehen in der Regel keine konstruktiven Schäden nach sich, erzeugen aber ein unterschiedliches Schiebeverhalten der Bauteile. Das Ergebnis sind dann Langlöcher, die bis zu drei Millimeter zulässig und unschädlich sind und im Rahmen der harmonisierten Prüfbestimmungen (CUAP) und der DIBt-Zulassungen für Verbindungselemente liegen. Da die Langlochbildung ein Schervorgang ist, können dabei Geräusche entstehen. Zunächst bauen sich Spannungen auf, die sich schlagartig abbauen können. Dies ist in unterschiedlicher Ausprägung hörbar. Nach einigen Zyklen der Längenzu- und -abnahme „beruhigt“ sich die Gesamtkonstruktion weitgehend auf ein hinnehmbares Maß, da sich die Werkstoffverbindungen untereinander angepasst haben. Planung und Ausschreibung Zwängungen aufgrund der Materialausdehnung lassen sich durch folgende Maßnahmen weitestgehend vermeiden: Bei horizontaler Anordnung von schlanken Paneelen, Trapez-oder Wellprofiltafeln wird empfohlen, sich auf eine maximale Tafellänge von sechs Metern zu beschränken. Für die Ausbildung der vertikalen Stoßfugen hat sich die Anordnung von Lisenen bewährt. Sie bilden nicht nur einen Puffer, sondern bieten zudem die gestalterische Möglichkeit, durch akzentuierte Farbwahl die Fugengeometrie zu betonen und damit das Gesamtbild der Fassade zu beleben. Bei vertikaler Verlegung und Bauelementlängen über sechs Meter sind Fest- und Gleitpunkte unter Beachtung der 3-Millimeter-Grenze vorzugeben. Gleitpunktverbindungen können lediglich Horizontallasten aufnehmen, Festpunkte hingegen Horizontal- und Vertikallasten. Da es viele Ausführungsvarianten mit unterschiedlichen statischen Anforderungen gibt, ist es in diesem Rahmen nicht möglich, sie alle zu beschreiben. Es genügt allerdings nicht, nur im Leistungsverzeichnis zu vermerken: „größere Löcher bohren“. Darüber hinaus sollten Planer bei der Wahl der Unterkonstruktion nachgiebige Bauweisen starren Varianten vorziehen. In Bezug auf die Temperatureinwirkungen auf die Fassade sind vorzugsweise die Temperaturgrenzwerte gemäß DIN 1055 „Einwirkungen auf Tragwerke – Teil 7: Temperatureinwirkungen“ anzusetzen. Gemäß Abschnitt 6.2 der Norm beträgt der für die Berechnung anzusetzende Temperaturbereich ΔT = 61 Kelvin, resultierend aus minimaler Außenlufttemperatur von minus 24 Grad Celsius und maximaler Außenlufttemperatur von 37 Grad Celsius. Der sonst pauschale Temperaturbereich minus 20 bis plus 80 Grad Celsius (ΔT = 100 Kelvin) ist nicht praxisgerecht, weil er eine zu ungünstige Annahme darstellt. Außerdem sind in diesem Zusammenhang die objektspezifischen Eigenheiten, wie beispielsweise dunkle Farbtöne, zu berücksichtigen. Da es keine vollkommen geräuschfreien VHF geben kann, ist eine solche Forderung auch nicht in die Ausschreibung aufzunehmen. Sogenannte „Gleitfolien“ auszuschreiben, zeugt ebenfalls nicht von ausgeprägter Fachkompetenz, da solche Folien in der Fassadenbaupraxis unbekannt sind. Eine normgerecht erstellte VHF bedingt auch einen maßhaltigen massiven Untergrund, wie Mauerwerk, Porenbeton oder Stahlbeton. Deshalb ist dem VHF-Gewerk die Maßhaltigkeit gemäß den Toleranzvorgaben in DIN 18202 „Toleranzen im Hochbau – Bauwerke in der Ausschreibung“ vorzugeben und die Abnahme des Rohbaus durch ein Messprotokoll zu vereinbaren. Fachgerechte Ausführung Über die Qualität einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade entscheidet neben der detailgenauen Planung maßgeblich auch die fachgerechte Ausführung. Deshalb empfiehlt sich die Vergabe der Arbeiten für eine Metallfassade nur an vom Industrieverband für Bausysteme im Metallleichtbau (IFBS, Düsseldorf) zertifizierte Fachunternehmen. Hilfreich sind zudem eine bauüberwachende Qualitätskontrolle sowie eine abschnittsweise Abnahme. Dipl.-Ing. Franz Lubinski ist Sachverständiger für Dach- und Wandkonstruktionen aus Stahl und Aluminium in Ehrwald/Österreichz

Alles Atkins

Ein Großteil der Londoner Olympiaplanung stammt von Atkins –  einem weltumspannenden Ingenieur- und Architektur-Konzern, für den auch das Entwerfen Teil des Big Business ist Text: Roland Stimpel Wenn 300.000 ausländische Olympia-Gäste ohne viele Warteschleifen auf Londons Flughäfen Heathrow, Gatwick, City, Luton oder Standsted aufsetzen, dann verdanken sie das Atkins’ Optimierungsplan für den engen Luftraum der britischen Metropole. Wenn der neue Expresszug vom Eurostar-Bahnhof St. Pancras zum Stadion nur sieben Minuten braucht, dann hat Atkins die Antriebstechnik richtig geplant. Wenn auf den Bahnsteigen der Dockland-Hochbahn noch Luft ist, dann sind sie nach Plänen von Atkins hinreichend verlängert. Wenn die Besucher schließlich über Straßen und Brücken ein olympisches Festgelände erreichen und nicht mehr die einstige Mischung aus Industrie-Ruinen und Dschungel, dann sind auch dafür viele Grundlagen von Atkins. Bleiben ihre Füße trocken, stimmt Atkins’ Wassermanagement im Lea-Fluss. Und wenn ein bisschen weiter nördlich 4.000 Teichmolche, Unken und Eidechsen krauchen und quaken, dann hat Atkins auch die Ökologie sauber gemanagt. Menschen in London haben auch etwas von der Firma, wenn sie im Zentrum ohne Fußgängerstau über den neu gestalteten Oxford Circus kommen, wenn sie auf dem luftiger gewordenen Trafalgar Square flanieren oder wenn sie sich mit Hilfe des Systems „Lesbares London“ orientieren. Bleiben die Sportler. Für sie reichen Atkins’ Werke vom temporären Beachvolleyball-Stadion in Sichtweite des Buckingham-Palastes bis zum Computermodell für Luftströmungen in der Tischtennishalle, die den Ballflug beeinträchtigen könnten. Olympia ist ein Heimspiel für den südenglischen Konzern – aber nicht einmal ein besonders großes. Meist agiert die Firma auswärts: Ihre 17.500 Ingenieure, Architekten, Kaufleute, Juristen, Naturwissenschaftler und Hilfstruppen verhandeln, planen, zeichnen und rechnen in 180 Büros in aller Welt. Alphabetisch beginnen die Büro- und Projekt-standorte mit Aarhus, Aberdeen und Abu Dhabi und enden mit Williamsburg, York und Ziangjiang. Die Firma macht einen jährlichen Honorar-Umsatz von umgerechnet zwei Milliarden Euro, so viel wie 20.000 typische Architekturbüros in Deutschland. Rund 130 Millionen Euro Nettogewinn blieben voriges Jahr für die Aktionäre übrig. Martin Pease, Atkins’ Chefarchitekt für Großbritannien, entwarf für seine Familie in Bristol ein Haus aus Stahl und Holz, das es zu einem 65-Minuten-Auftritt in der Fernsehserie „Grand Designs“ gebracht hat. London ist ja auch historisch passender, denn der Laden wurde hier gegründet – im Jahr 1938 von dem jungen Bauingenieur William Atkins. Im Krieg plante er fürs Empire; danach organisierte er den Aufbau eines monströsen Stahlwerks in Wales. Sein Büro wuchs rasch; besonders prestigeträchtig war die Planung der ersten britischen Autobahnen und vor allem ihrer Brücken. 1957 erfüllte sich Atkins den Traum vieler Londoner und kaufte ein barockes Herrenhaus vor der Stadt – Woodcote Grove in Epsom. In dessen Park baute er bald darauf seine Firmenbüros. Hinaus in die Grafschaft Surrey fährt man mit dem Vorortzug eine gute halbe Stunde. Epsom ist längst vom Groß-Londoner Ballungsraum verschluckt und Woodcote Grove umgeben von Eigenheim- und Gewerbegebieten, Ausfallstraßen und Schulen. Das barocke Herrenhaus wirkt wie ein Anbau an die Bürotrakte: ein langgestreckter, im damals modischen Brutalismus entstandener Komplex, teils grün von Efeu, größerenteils aber so stumpfgrau, wie nur Beton nach einem halben Jahrhundert im englischen Regen sein kann. Das Ganze ist bestückt mit Kameras und Verbotsschildern, aber immerhin umgeben von Sportwiesen und einem Picknickplatz namens „Atkins-Erholungsgebiet“. Wenn dieser Bau eine architektonische Botschaft vermittelt, dann heißt sie: Funktion erübrigt Form. Von Epsom aus machte William Atkins aus seinem nationalen Planungsbüro einen Weltkonzern. Er sah sich schon 1967 in Nahost um und bereits 1973 im maoistischen China. Daheim schnurrte die Queen im Rolls-Royce über seine Motorways und schlug ihn schließlich zum Ritter. Er dankte es mit Blaupausen für Kraftwerke, Bergwerke und ein weiteres Stahlwerk, für noch mehr Straßen und schließlich auch den Kanaltunnel. Als einer der ersten Ingenieure im Land hatte er CAD-Computer; schon 1979 gründete er ein Büro in Dubai. Vor seinem Tod 1989 wandelte er noch sein Büro zu Englands erster Planungs-Kapitalgesellschaft um. Zurück nach London. Der Terminkalender des für Großbritannien zuständigen Chefarchitekten Martin Pease ist eng, doch ein Stündchen in der Selbstbedienungs-Cafeteria des Architektenverbands lässt er zu. Ein höflicher junger Wortwächter aus der PR-Abteilung begleitet ihn. Pease hat früher bei Richard Meier und Michael Hopkins gearbeitet, ist britisch-freundlich und locker gekleidet, aber doch ein straffer Repräsentant seines Konzerns. Jetzt leitet er eine im Firmenmaßstab kleine Untergruppe mit 228 in England ansässigen Architekten. Sein Aufgabenfeld beschreibt er mit „Gestaltungsqualität, Gemeinschaftsgeist und der Durchsetzung von Qualitätsstandards“. Er ist aber beileibe kein Technokrat, sondern ein durchaus pfiffiger Architekt. Sein privat entworfenes kubisch-transparentes Familienheim in Bristol hat es zu einem 65-Minuten-Auftritt in der Fernsehserie „Grand Designs“ gebracht, aber nicht zu einer sentimentalen Bindung: Als ihm jemand gutes Geld dafür bot, verkaufte er es so cool, als wär’s eine Firmen-Projektentwicklung. Auch im Konzern zeichnet er noch ab und zu selbst. Dort sind Architekten zwar nur eine 3,6-Prozent-Minderheit. Aber Pease legt Wert auf die Feststellung: „Wir haben großen Einfluss. Gestaltung gehört heute zu den Kernkompetenzen von Atkins.“ Das war nicht immer so. Der Fachjournalist Robert Powell schreibt im Auftrag der Firma über die Jahre bis 1990: „Die Bauwerke wurden kaum öffentlich beachtet – Kraftwerke und Stahlwerke, Dämme, Bahnstrecken und Militärbauten. Und ihre Architektur ging gegenüber der Ingenieurtechnik völlig unter.“ Nur zögerlich wagte sich Atkins in die Architekturwelt hinaus. Es begann mit einer kleinen Villa, Polizeiwachen und einem Bankhaus in Dubai. Dort folgten die ersten Hochhäuser. Robert Powell notiert im Auftrag der Firma: „Die Gebäude wurden wohlwollend angenommen, und Atkins gewann einen Ruf für sein verlässliches und passendes Design.“ Die Ingenieure erkannten, dass auch Gestaltung hilfreich für das Geschäft mit Bauten jeder Art sein kann. Um aber Architektur-Kompetenz innerhalb des Konzerns zu entwickeln, hatte Atkins keine Zeit. Lieber kaufte man 1991 das renommierte Entwurfsbüro Lister Drew Haines Barrow. Darin saß auch Tom Wright. Er entwarf für eine künstlichen Insel vor Dubai einen Bau, der sofort weltbekannt wurde und bis heute Atkins’ prominentestes Projekt ist: das segelförmige Hotel Burj al Arab, mit Antenne genauso hoch wie der Eiffelturm, mit selbst definiertem Sieben-Sterne-Standard und mit Übernachtungspreisen ab 1.600 Euro. Damit hatte Atkins sein architektonisches Profil gefunden: in den Grundzügen funktional-international, gern mit regionalen Bezügen in der Form, aber nur ganz selten in den Materialien, die außen in aller Regel Glas und Stahl heißen. „Atkins hat bewusst keine ausgeprägte Architektur-Handschrift“, erklärt Martin Pease. Sein Entwurfsprinzip ist sehr global: „Gestaltung muss in ihre Zeit, an ihren Ort und dessen Kultur passen.“ Belegen soll das ein 460 Seiten starker und drei Kilo schwerer Werkkatalog, unterteilt nach neun Bauaufgaben: jeweils rund 60 Seiten Hotels, Büros und gemischt Genutztes, Sport und Freizeit, Gesundheit und Wissenschaft, Bildung, Verkehr, Städtebau und Stadtentwicklung. Fast alles im Buch ist groß und das meiste dezent glitzernd. Die meisten Häuser unterscheiden sich wie Krawattenmuster und gleichen sich wie Business-Anzüge.   Global und lokal: Atkins’ Architektur-Portfolio ist von Neuorientalisch-Monumentalem geprägt, etwa dem World Trade Center in Bahrein mit seinen Windrädern und dem Hotel Burj al Arab in Dubai. orn im Buch stehen drei Projekte aus Dubai. Beim Weiterblättern spiele ich Orte raten. Aber wo ich auf Arabien in Atkins-Soße tippe, ist es Chengdu, und wo ich amerikanische Waterfront vermute, steht der Turm in Djakarta. Die Städtebaupläne von Hu Xi und Riyad zeigen auffällig ähnliche Turm-Ensembles. Geradezu dörflich wirkt dazwischen ein Entwicklungsplan für eine Ex-Kaserne in Colchester. „Glauben Sie bloß nicht, wir seien eine Design-Maschine“, sagt Pease. „Wir sind so kreativ wie alle Architekten.“ Atkins hat zwar überall vor Ort Büros, stellt aber je nach Bedarf globale Teams zusammen, in denen der Statiker aus Shanghai, der Klimatechniker aus Los Angeles und der Designer aus Epsom gemeinsam ein Projekt in Oman bearbeiten. Ein deutscher Konkurrent beschreibt das so: „Wenn irgendwo in Arabien, China oder Amerika jemand ein großes Projekt bestellt, dann schnippt Atkins mit den Fingern und hat ein 100-Leute-Team zusammengestellt.“ Regionale Inspiration für den Entwurf kann man ja auch zwischen Vor-Ort-Verhandlung und Rückflug tanken. Bei den Detailzeichnungen hilft dann Atkins’ 180-Leute-Büro im südindischen Bangalore. Es soll natürlich nicht nur Billigjobs machen, sondern auch den indischen Markt erschließen. Und es ist, wie die ganze Architektur, nur ein Rädchen im globalen Projektgetriebe. Atkins schnürt am liebsten dicke Pakete aus Master- und Detailplan, Infrastruktur und Bauausführung. Das Idealprojekt ist ein schlüsselfertiger Flughafen mit eigenem Stadtteil dran, mit Mautstraßen und Schnellbahn, geliefert zu festen Terminen und Multimillionen-Honoraren. In einem solchen Rahmen werden nur wenige Gestalter namhaft und verleihen der Firma etwas Stararchitekten-Aura: Einer ist der Burj-al-Arab-Entwerfer Tom Wright, heute Gesamtleiter für Architektur bei Atkins mit rund 650 Untergebenen vom Fach aus 35 Nationen. Ein anderer ist der gebürtige Südafrikaner Shaun Killa, „Design Director“ in Dubai, aber mit Projekten auch in Indien, Ägypten und daheim in Kapstadt. Seine Wolkenkratzer heißen 21st Century Tower oder Millennium Tower, und so sehen sie auch aus. In jüngerer Zeit hat sich Killa aber auf Nachhaltigkeit spezialisiert; Atkins hat sich sein „Carbon Critical Design“ als Handelsmarke schützen lassen. Markantestes Ergebnis ist Killas World Trade Center in Bahrein, an dem sich zwischen zwei 240-Meter-Türmen die weltweit ersten Wolkenkratzer-Großwindräder drehen.   Daheim realisiert der Konzern auch Projekte wie die diagonalen Fußwege über Londons Oxford Circus und einen ambitionierten Schulbau im ostenglischen Lowestoft. Martin Pease ist aber ein ganz anderes Projekt wichtig: eine Mittelstufen-Schule in England östlichster Stadt Lowestoft. Früher galt sie sozial wie baulich als gescheitert. Atkins hat eine neue, recht aparte weiße Kiste mit opulenten Foyer-Balkonen im Inneren hingestellt; Pease erzählt begeistert, wie sie motiviere und befruchte. Das Lernklima sei kräftig verbessert, und es gab sogar einen Preis des Royal Institute. Beim Einladungswettbewerb habe Atkins renommierte Entwurfskünstler geschlagen, erzählt er triumphierend. Ja, auch der Weltkonzern beteiligt sich an Wettbewerben. „Allerdings analysieren wir vorher systematisch, ob wir eine gute Gewinnchance haben“, berichtet Pease. „Und an offenen Wettbewerben nehmen wir nie teil. Da kann man die Chancen zu schlecht kalkulieren.“ Kalkulieren und Rentieren ist schließlich das Wichtigste. Das erwartet die Börse, an der Atkins-Aktien seit 1996 gehandelt werden. Rendite treibt auch den vor einem Jahr bestellten Vorstandschef, den Deutschen Uwe Krüger. Er ist kein Ingenieur und schon gar kein Architekt, sondern Physiker, der in Frankfurt über die Theorie komplexer Systeme promoviert hat. Deren Praxis kann er bei Atkins gut anwenden, nachdem er zuvor eine Karriere als Polen- und USA-Chef bei Hochtief, eine beim Schweizer Maschinenbauer Oerlikon und bei der Investmentfirma Texas Pacific Group gemacht hat. Krüger kämpft gerade mit dem schwächelnden Großbritannien-Geschäft, das bisher die Hälfte von Atkins’ Umsatz ausmacht, und will die Firma noch stärker globalisieren. Äußerungen von ihm zur Architektur sind nicht bekannt. Aber natürlich sonnt auch er sich jetzt im Glanz des Sportfests, der auf die Firma mit dem Titel eines „Offiziellen Olympia-Ingenieurdienstleisters“ zurückfällt. Gleich 18 Londoner Olympia-Projekte hat Atkins auf seiner Website. Darunter sind tief greifende Grundlagenarbeiten auf dem Sportgelände, aber auch Vorhaben fern der Stadien, die vor bald zehn Jahren fertig wurden oder noch sieben Jahre brauchen. Atkins ist groß, macht sich aber gern noch größer und die berühmtere Konkurrenz klein. So schmückt sich der Konzern mit dem 2003 vollendeten Umbau des Trafalgar Square – und suggeriert in seinen Schriften und Websites, das sei ein Werk von Atkins allein. Dass die Architektur von einem lokalen Mittelständler namens Norman Foster stammt, wird einfach ignoriert. Foster dagegen nennt korrekt Atkins als „Berater“ für das Projekt. Das gleiche Muster findet sich bei einem 150-Hektar-Plan für Almada in Portugal: Richard Rogers nennt Atkins auf seiner Website gleich viermal als Projektpartner. Atkins kennt und nennt nur sich selbst. Offenbar ist schon das Nennen von Konkurrenten unangenehm, die zwar kleiner, aber oft einfallsreicher und wagemutiger sind – und die damit jene Aura gewinnen, die der Großfirma nicht vergönnt ist. Der Konzern will immer der Erste, Beste und möglichst Einzige sein. Oft schafft er das, zumindest quantitativ. Mit dem Erwerb neuer Qualitäten hält es der finanzstarke Konzern wie 1991, als er sein erstes design-starkes Architekturbüro kaufte. Seitdem schluckt Atkins immer wieder kleinere Büros, so die Beratungsfirma Faithful + Gold, die Opal Engineering, den Baudienstleister Peter Brown und zuletzt die PBS&J in den USA, gekauft mit ihren 3.500 Beschäftigten für 280 Millionen Dollar. Auf die Art erschließt sich der amerikanische Markt viel einfacher, als wenn man ihn von Epsom aus mit Bordmitteln erobern wollte. In Deutschland ist Atkins wenig aktiv. Da fehlen die Bauprojekte in der Größenordnung von Emiraten und Olympiaden; da ist auch die lokale Konkurrenz zu stark. Nur bei EADS in Hamburg und Bremen gibt es ein eher diskretes Engagement für die Technik von Militärflugzeugen. An eine deutsche Grenze könnte freilich bald Dänemarks Schnellbahnstrecke von Kopenhagen zum Fehmarnsund stoßen, an der auch Atkins plant. In London wirkt schon Wochen vor Beginn der Olympiade fast alles vollendet. Pünktlich heißt nicht schön: Den Blick aufs umzäunte Gelände dominieren Maschendraht-Labyrinthe, Buden, Zelte und Container. Auch die Sportstätten sind teils temporär. Zwei Drittel der Zuschauerränge im Hauptstadion und in Zaha Hadids Schwimmhalle werden nach den Spielen auseinander geschraubt, verkauft und irgendwo in der Welt neu montiert. Auch das managt natürlich Atkins.

Wahlverwandtschaften

  Zeitlos und zeitgenössisch: Vom Expressionismus der 1920er-Jahre bis zur CAD-geprägten Raumplastik der Gegenwart ist es ein weiter Weg. Doch in gewisser Hinsicht kann dieser Weg auch in einem Kreis verlaufen. Was ein Neubau mit einem legendären Turm zu tun hat – und was nicht Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Doch aus einer bestimmten Perspektive lässt sich eine gewisse Nähe des kürzlich eröffneten Zentrums für Virtual Engineering des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart (UNStudio Amsterdam und ASPLAN Kaiserslautern) zum 90 Jahre alten Einstein-Turm von Erich Mendelsohn in Potsdam nicht leugnen. Familienähnlichkeit, hätte der Philosoph Ludwig Wittgenstein gesagt. Doch weil alles eine Frage des Blickpunkts ist, sei mitgeteilt, dass der Neubau in Stuttgart ein großes Gebäude ist, dessen 3.100 Quadratmeter Fläche sich auf vier Ebenen eines weit ausholenden, futuristisch geformten Baukörpers verteilen.

Räume der Endlichkeit

Immer mehr Menschen verbringen ihre letzten Tage in Hospizen. Bei der Planung von Räumen, in denen vom Leben Abschied genommen wird, müssen sich auch Architekten mit dem Tod auseinandersetzen Text: Christoph Schirmer Lange wurde das Sterben aus der Öffentlichkeit weitgehend ausgeblendet. Jetzt bröckelt das Tabu. Der Tod wird mehr und mehr als Teil des Lebens begriffen. Mit dem Hospiz erhält die letzte Lebensphase nun auch ihren eigenen Raum. Hospize sind weder Krankenhäuser noch Pflegeheime, sondern eine Ergänzung zu diesen. Sie stehen für eine Sterbe- und Trauerbegleitung in Würde und bieten ihren Bewohnern eine umfassende palliativmedizinische (Leiden lindernde), psychosoziale und spirituelle Betreuung. Die medizinische Versorgung bleibt Sache des Hausarztes oder einer angrenzenden klinischen Einrichtung. Denn in ein Hospiz werden Menschen aufgenommen, bei denen eine Betreuung in einem Krankenhaus nicht nötig, eine Unterbringung im Pflegeheim oder die Versorgung zu Hause jedoch nicht mehr möglich ist. Der Deutsche Hospiz- und Palliativ-Verband zählte 1996 noch 30 stationäre Hospize, 2011 bereits 179. Sie werden überwiegend von gemeinnützigen Vereinen, Stiftungen oder konfessionellen Trägern betrieben. In den kommenden Jahrzehnten wird die Zahl pflegebedürftiger Menschen weiter ansteigen, die meist in seniorengerechten Wohnformen gepflegt und betreut werden. Erst in Fällen, bei denen das nicht mehr möglich ist, übernimmt das stationäre Hospiz. Wirtschaftlichkeit ist nicht das Hauptkriterium Die Planung orientiert sich an Kenndaten und Erfahrungen des Pflegeheimbaus, wobei der Anspruch der pflegerischen Umsorgung eher zu kleinen Einheiten mit häufig acht bis sechzehn Plätzen führt. Oft sind sie räumlich in zwei Gruppen aufgeteilt, die sich dieselben Funktionsräume teilen. Als Intensiv-Pflegeeinrichtung ist der Betrieb des Hospizes aufwendiger als klassische Altenheime. Das Verhältnis von Patientenzahl und Raumbedarf ist wirtschaftlich ungünstig, die Realisierung architektonischer Qualitäten nicht immer einfach. Die Kosten pro Platz liegen in der Regel zwischen denen für einen Platz im Pflegeheim und im Krankenhaus. Hospizbauten fallen unter das Heimgesetz; neben den Landesbauordnungen gelten in den Bundesländern spezielle Verordnungen über bauaufsichtliche Anforderungen. Die erforderliche Infrastruktur ist aus der Pflegeheimplanung bekannt. Sie ist bei stationären Hospizen aber relativ aufwendig, da es in den Häusern selten mehr als 16 Einzelzimmer gibt. Eine große Bedeutung kommt den Gemeinschaftsbereichen zu. Sie sollten als Begegnungsräume zentral liegen und leicht zu erreichen sein. Als Leitgedanken der Gestaltung kommen hier die Kommunikation und die Möglichkeit zur Teilnahme am gemeinschaftlichen Leben zum Tragen. Alle Hospize räumen auch spirituellen Angeboten Platz ein; sie sind vor allem als seelsorgerische Begleitung der Bewohner und ihrer Angehörigen gedacht. Die dafür eingerichteten Räumlichkeiten dienen in erster Linie der Besinnung und bieten eine Rückzugsmöglichkeit – ganz gleich, ob sie nun Raum der Stille, Kapelle, Meditations-, Andachts- oder Gebetsraum genannt werden. Zusätzlich können sie die Orte seelsorgerischer Betreuung sein. Die Einbeziehung der Angehörigen in die Sterbebegleitung spiegelt sich auch in anderen Raumangeboten wider. Neben Übernachtungsmöglichkeiten gibt es Ausweichräume oder separate Angehörigenzimmer mit wohnungsähnlicher Atmosphäre, zum Teil mitunter sogar für ganze Familien. In größerer Abgeschiedenheit liegen hingegen die Individualbereiche der „Gäste“ genannten Todkranken. Die Materialauswahl und die Farbgestaltung der Zimmer sollten Geborgenheit und Wohnlichkeit fördern. Für die Planung eines Hospizes wird oft eine interdisziplinäre Gruppe mit Medizinern, Pflege-Experten und Theologen gebildet. Bei allen Parametern, Zwängen und Einflüssen im Planungsprozess bleibendie Auseinandersetzung des Umgangs mit den Sterbenden und die Aufrechterhaltung ihrer Lebensqualität die zentralen planerischen Anforderungen. Cicely Saunders, Ärztin und Begründerin der Hospizbewegung, beschreibt das Ziel: „Nicht dem Leben mehr Tage hinzufügen, sondern den Tagen mehr Leben geben.“ Dipl.-Ing. M.Arch Christoph Schirmer ist Architekt und Autor in Berlin Über die Ziele der Hospizbewegung in Deutschland erfahren Sie mehr unter: www.hospiz.org. Das Kuratorium Deutsche Altershilfe hat eine Broschüre veröffentlicht, die neben Planungsempfehlungen auch gute Beispiele jüngst realisierter Hospiz-Neubauten präsentiert. Näheres finden Sie unter: www.kda.de

Verbindlich befrieden

Bayerns Schlichtungs-Ausschuss gewinnt neue Kompetenzen Statt der Mediation kann oft auch eine Schlichtung einen Streit zu Ende führen. Der entscheidende Unterschied: Bei der Mediation müssen sich die Parteien selbst einigen; bei der Schlichtung unterwerfen sie sich dem Spruch eines Dritten. Das kann vor allem hilfreich sein, wenn die Streitenden den Knoten nicht mehr selbst aufdröseln können. Die Bayerische Architektenkammer hat einen eigenen Schlichtungsausschuss etabliert, den Bauherren ebenso wie Kammermitglieder in Streitfällen anrufen können. Jetzt hat dieser Ausschuss höheren gerichtlichen Segen erhalten: Der Präsident des Münchener Oberlandesgerichts hat ihn als Gütestelle im Sinne der Zivilprozessordnung anerkannt. Das ist nicht nur eine Formalie. Bisher war die Befolgung des Schlichter-Spruchs freiwillig. Jetzt können Vergleiche beim Schlichter als vollstreckbar erklärt werden: Wer sein Geld nicht bekommt, kann den Gerichtsvollzieher schicken. Der Kompetenzgewinn freut auch den Kammerpräsidenten Lutz Heese: „Architekt und Bauherr können so einen endgültigen Schlussstrich unter ihre Meinungsverschiedenheiten ziehen, ohne den Weg zu den Zivilgerichten einschlagen zu müssen. Das bisherige Manko der fehlenden Durchsetzbarkeit der festgestellten Ansprüche entfällt.“ Der Schlichtungsausschuss tagt unter dem Vorsitz eines ehemaligen, in Bausachen besonders erfahrenen Richters am Oberlandesgericht München. Er kann zum Beispiel Streitigkeiten über Honorar- und Haftungsfragen einvernehmlich beilegen. Die Kosten orientieren sich an der Höhe des Streitwerts. Das geht nicht nur viel schneller als ein Gerichtsverfahren, sondern erlaubt es den Beteiligten auch, nach erfolgreicher Schlichtung ihre Geschäftsbeziehungen einvernehmlich abzuwickeln.

„Die Mobilität der Älteren nimmt zu“

Steffen Kröhnert, Bevölkerungswissenschaftler am Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung, über mobile Senioren und ihre vielfältigen Lebensformen   Wie verändert der demographische Wandel das Land? Steffen Kröhnert, Bevölkerungswissenschaftler am Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung Der demographische Wandel vollzieht sich unter zwei Aspekten: Da ist zum einen die demographische Alterung, also dass immer mehr Menschen in einem höheren Lebensalter sind, und zum anderen die Tatsache, dass die Bevölkerungszahl zurückgeht. Die Alterung betrifft ausnahmslos alle Regionen. Unterschiede finden sich dabei lediglich im Hinblick auf das Ausmaß. Es gibt Regionen, die schneller altern, weil die Jungen weggehen, und es gibt Regionen, die altern langsamer, weil junge Menschen dort hinziehen. Doch betrachtet man die Entwicklung auf der Ebene von Landkreisen und kreisfreien Städten, werden alle Regionen eine deutliche Zunahme von älterer Bevölkerung haben. Diese Alterung verläuft aber dort langsamer, wo mehr junge Menschen hinziehen oder mehr Kinder geboren werden. Lässt sich Deutschland demographisch in „junge“ und „alternde“ Regionen unterteilen? Jung sind dynamische Großstädte wie Berlin, Dresden oder Leipzig. Junge Regionen sind allesamt prosperierende Ballungsräume mit Zuzug: München, Hamburg, das Rhein-Main-Gebiet, das Rheinland. Alte Regionen sind jene, die schon jahrelang unter Abwanderung leiden. Das betrifft alle Regionen außerhalb der großen Städte in Ostdeutschland, das Saarland und die ländliche Peripherie, wie Oberfranken, Nord- und Mittelhessen und Südniedersachsen. Es gibt noch eine junge Region, die nicht in dieses klassische Muster passt, und das ist das katholische Münsterland im Westen. Es hat eine relativ hohe Kinderzahl und eine nicht ganz so ausgeprägte Abwanderung. Aber es gibt doch auch Metropolregionen, die einen Bevölkerungsrückgang registrieren, wie zum Beispiel das Ruhrgebiet? Hier verlieren sowohl die großen Kernstädte wie Dortmund und Essen als auch kleinere Städte am Rand Einwohner. Es gibt keine Dynamik „zurück in die Stadt“, anders als zum Beispiel in  München. Hier haben wir eine Stadt, die sehr stark wächst, und ein Umland, das zwar langsamer, aber gleichfalls wächst. Es gibt aber auch Beispiele, in denen die Stadt wächst, aber das Umland schrumpft, etwa Dresden und Leipzig. Ein wachsendes Umland und darin ein schrumpfender Kern findet sich nur noch bei  Mittelstädten wie Bremerhaven, Siegen oder Braunschweig. Von 80 Großstadtregionen in Deutschland sind das vielleicht fünf oder sechs. Noch in den 90er-Jahren lief die Entwicklung überall in Deutschland raus aus der Stadt ins Umland. Die räumliche Mobilität, also Zu- und Abwanderung, ist ein klassisches Merkmal von jüngeren Altersgruppen, die wegen Ausbildung, Studium oder Arbeitsplatzwahl weg- bzw. zuziehen. Ältere Generationen gelten als sesshaft und immobil, getreu dem Sprichwort vom alten Baum, den man nicht mehr verpflanzt. Gilt das noch? Die Mobilität in Deutschland hat auch bei älteren Bevölkerungsgruppen zugenommen. Traditionell gab es das nicht, anders als in den USA, wo eine solche Mobilität im Alter seit jeher völlig normal ist. Nach wie vor gilt für Deutschland, dass mehr als 50 Prozent der Wanderungsbewegungen auf das Konto der 18- bis 30-Jährigen geht. Danach nimmt die Zahl kontinuierlich ab, um dann, in der Altersgruppe um 65, wieder kurz anzusteigen. Wir können hierzulande zwei Entwicklungen feststellen: Die Mobilität der Älteren aus wohlhabenderen Schichten steigt. Und dann gibt es natürlich noch eine Mobilität, die mit Bedürftigkeit zu tun hat und in Alters- und Pflegeheime führt. Gibt es Gegenden, Orte oder Städte, die von dieser neuartigen Mobilität profitieren? Diese, wie wir sagen, Ruhesitzwanderung führt in landschaftlich attraktive Regionen. Das ist eine Wanderung, die aus den Städten und Ballungszentren hinausführt – zum Beispiel nach Rheinland-Pfalz mit seinen Weinanbaugebieten und der idyllischen Natur. Das Ballungsgebiet Rhein-Main hingegen verzeichnet einen Verlust bei dieser Altersgruppe. Nur wenige Städte profitieren von dieser Entwicklung. Dazu gehören unter anderem Weimar, Görlitz und Baden-Baden. Das sind ja eher kleinere Städte. Ja, das sind eher gemütliche Kommunen, in denen es ein bisschen ruhiger zugeht, die aber eine komplette und gut ausgebaute medizinische, soziale und kulturelle Infrastruktur und auch eine gewisse Überschaubarkeit bieten. Das ist diesen Zuwanderern wichtig. Baden-Baden ist in Deutschland die Stad mit dem höchsten Anteil älterer Menschen. Dort kann man das auch gut auf den Zuzug zurückführen. Die Generation der heute etwa 45- bis 60-Jährigen, die sogenannten Babyboomer, war und ist beruflich, räumlich und sozial ungleich mobiler als ihre Eltern. Wird sie das auch im Rentenalter sein? Das lässt sich noch nicht voraussagen. Ich vermute aber, dass bei den Babyboomern und den folgenden Generationen die Bereitschaft steigen wird, sich räumlich zu verändern. Diese Bereitschaft zur Mobilität steigt mit dem Bildungsstand; die heutige Rentnergeneration verfügt  zu 70, 80 Prozent nur über einen einfachen Schulabschluss und empfindet Mobilität stärker als Unsicherheitsfaktor. Doch in absehbarer Zeit werden mehr Menschen umziehen wollen, weil sich ihre Bedürfnisse im Alter ändern. Auch wird die Bereitschaft steigen, sich auf andere, gemeinschaftliche Wohnformen einzulassen. Diese Generation hat schon vieles jenseits der klassischen Familien- und Wohnformen ausprobiert und wird vermutlich auch im Alter nach sehr unterschiedlichen, individuellen Bedürfnissen entscheiden. Wir werden da mehr Bereitschaft zur räumlichen Veränderung und mehr Vielfalt an Wohnformen erleben. Der Spruch vom alten Baum, den man nicht mehr verpflanzt, wird jedenfalls seine Relevanz verlieren. Das klingt jetzt alles gar nicht mehr so grau, sondern recht bunt. Wir müssen also keine Angst haben, dass uns hier wie in den USA Altersghettos nach dem Vorbild reiner Rentnerstädte  vom Typ Sun City drohen? Es wird beides vorkommen – Sun City und gemischte Mehrgenerationen-Wohnformen. Im Jahr 2050 wird mehr als ein Drittel unserer Bevölkerung über 65 Jahre alt sein. Wie sollen die sich noch mit Jüngeren mischen? Es wird schon allein aus diesen Gründen Sun Cities geben, die aber im Unterschied zu Amerika niemand eigens bauen muss. In bestimmten Regionen Ostdeutschlands leben in 20 Jahren keine jungen Leute mehr, selbst wenn die Menschen sich das wünschten. Aber es wird auch hier eine große Vielfalt unter den Menschen geben, die dann alt sind. Das Interview führte Cornelia Dörries.

Bauen für alle Generationen

Hervorgehoben

Wolfgang Schneider ist Präsident der Architektenkammer Niedersachsen Der demografische Wandel verändert unsere Gesellschaft. Generationenübergreifendes Wohnen ist deshalb ein aktuelles, sehr konkretes Thema. Wie sich Architekten damit auseinandersetzen, war soeben beim Tag der Architektur im niedersächsischen Uslar zu besichtigen. Das Projekt des Büros Steingräber.architekten aus derselben Stadt zog viele Besucher an. Den Wunsch nach einem Leben in Gemeinschaft haben immer mehr Menschen. Alt und Jung unter einem Dach ist ja kein neues Modell. Es war seit jeher der familiäre Normalfall, den wir in den letzten Jahren, während einer Phase der Individualisierung, aus den Augen verloren haben. Umso erfreulicher, dass die Menschen sich allmählich wieder auf die Ideale des Miteinanders rückbesinnen. Sie erkennen, dass gemeinsames Leben und Wohnen der unterschiedlichen Generationen eine Qualität an sich sein kann. Diesem Paradigmenwechsel muss man auch baulich entgegenkommen. Alte Menschen wollen selbstbestimmt wohnen, und zwar so lange wie möglich. Barrierefreiheit von Häusern, Wohnungen und Gärten ist nur ein Thema, mit dem sich der Berufsstand auseinanderzusetzen hat. Die Kammern begleiten die damit zusammenhängenden Fragen mit ihren Beratungsstellen zum Barrierefreien Bauen. Durch die bedarfsgerechte Anpassung des Bestandes bis hin zur Planung entsprechender Neubauten entsteht ein neuer und zukunftsträchtiger Markt. Ob Senioren-WGs, der Zusammenschluss von Singles oder Alleinerziehenden, die Großfamilie oder das gemeinschaftliche Wohnen von Menschen mit Behinderungen – für all diese Formen gilt es, individuelle, flexible und hochwertige architektonische Lösungen zu finden. Architekten müssen diese Ansprüche erkennen, in ihren Entwürfen zusammenführen und zu einem Gesamtkonzept formen – wie beispielsweise in Göttingen. Dort ist es gelungen, neue Wohnformen und moderne Architektur in gewachsene Stadtstrukturen zu integrieren. Das bereits 2011 fertiggestellte Wohnquartier am Windausweg von Spalink-Sievers Landschaftsarchitekten, Hannover, und pbs architekten Gerlach Kriegs Böhning Planungsgesellschaft mbH, Aachen, ist ein Vorzeigemodell für durchmischtes, gemeinschaftliches und individuelles Leben, Wohnen und Arbeiten. Ein Besuch ist zu empfehlen, auch weil er Antworten gibt auf die aktuellen Diskussionen um Inklusion und nachhaltige Stadtplanung. Hier entstand ein urbanes, grünes und nachhaltiges Wohnquartier mit einem Mix aus Wohnungen für Familien, Singles, Wohngruppen, Altenwohnungen, Gemeinschaftsräumen und Privatgärten – also genau das, was allen am Herzen liegt: eine attraktive Heimat.