Freianlagen im Bestand: Honorar-Broschüre

Die HOAI 2013 hat erstmals klare Regeln für die Planung von Freianlagen im Bestand geschaffen. Know-how zu deren praktischer Anwendung vermittelt jetzt der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla) in seiner neuen Broschüre, die Sie hier kostenlos downloaden können, zu diesem Thema. Sie informiert über Grundleistungen, Zuschläge für Umbau und Modernisierung und die anrechenbare mitzuverarbeitende Bausubstanz. Dazu gibt es Anwenderhinweise, Fallbeispiele und Kriteriensammlungen.

Virtuelle Projekträume – Praktisches

Virtuelle Projekträume: Produkte und Anbieter * Autodesk Buzzsaw (projectpoint.buzzsaw.com), Awaro Projektraum (www.awaro.com), Baudetail (www.baudetail.de), BRZ.Projekt.Connect (www.brz.eu/de), CYCOT PR (www.cycot.de/cycot_pr), DOKUpool (www.dokupool.de), EPLASS (www.eplass.de), eProjectCare (www.pmgnet.de), Legano (www.legano.de), McLaren FusionLive (www.mclarensoftware.de), MyDocma (www.edr-projekt.com), Newforma (www.softtech.de), PKM (www.conclude.com), PlanNet/PlanTeam-Server (www.wwbau.de), pm. (www.conject.com/de), Poolarserver (www.poolarserver.com), Projectplace (www.projectplace.de), ProjectWise (www.bentley.de), Projektraum (www.conetics.com), Siso Team (www.siso.net), TeamProQ (www.teamproq.de), think project! (www.thinkproject.com), WinPlan++ Online (www.netzwerkplan.de), Planfred (www.planfred.com) Weitere Infos * www.pmaktuell.org www.projektmagazin.de www.toolsmag.de Mersch, H.: Projekträume im Internet, Teil 1 und 2, aus: Deutsches Architektenblatt 2/06 und 3/06, corps. Corporate Publishing Services, Düsseldorf, 2007, Download: www.netzwerkplan.com/fileadmin/user_upload/download/projektraeume-i-und-ii.pdf Mersch, H.: Projektkommunikation 2.0: Internet basierte Projekträume, aus: 9. BBU-Neubautagung 08/2015, Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e. V., Eigenverlag, Berlin 2015 Sturm, E.: Virtuelle Projekträume im Internet / Projektplattformen im Bauwesen, aus: Deutsches Architektenblatt 12/2007, siehe auch: http://internet-fuer-architekten.de/virtuelle-projektraeume-im-internet * Auswahl, ohne Gewähr und ohne Anspruch auf Vollständigkeit! Das sagen Anwender: Wir haben Stefan Rappold, Partner bei Behnisch Architekten, Stuttgart und Hajo Haller von der HDR TMK Planungsgesellschaft, Düsseldorf zu ihren Erfahrungen mit virtuellen Projekträumen befragt: Welche virtuellen Projekträume setzen Sie ein? Rappold: Es sind ganz verschiedene Projekträume, die wir oftmals vom Projektsteuerer, oder vom Bauherrn genannt bekommen und nutzen müssen. Das sind der PKM-Server, Sharxx/SharePoint, Primavera, ThinkProject und der Poolarserver. Die Entscheidung ist meistens bereits getroffen, bevor wir eine Empfehlung aussprechen können. Haller: Vorzugsweise den Poolarserver, falls der Bauherr jedoch bereits eine Festlegung getroffen hat, arbeiten wir auch z.B. mit Conject, ThinkProjekt und WINplan. Wie hat der virtuelle Projektraum Ihre Arbeit und die Kommunikation mit Projektbeteiligten verändert? Rappold: Ein virtueller Projektraum ist aus unserer Sicht eine gute Plattform, um Pläne und übergeordnete Projektinformationen allen Projektbeteiligten schnell und unkompliziert zu Verfügung zu stellen. In unserem Büro gab es früher einen FTP-Server, der bei uns im Büro administriert wurde. Für alle Planungsbeteiligten wurde ein Zugang freigeschaltet und jeder konnte sich von unserem Rechner die Dokumente herunter laden. Wenn ein intelligenter und einfach zu bedienender Projektraum diese Aufgabe übernimmt, ist das eine Hilfe für alle, da nicht mehr jeder Plan ausgedruckt und verschickt werden muss. Ist das System dagegen umständlich, die Plankodierung kompliziert und müssen neben Plänen auch noch jeglicher Schriftverkehr über den virtuellen Projektraum abgewickelt werden, ist der Aufwand häufig zu hoch und das System für alle nicht wirklich sinnvoll nutzbar. Haller: Dadurch, dass über den Server ganze Planpakete zur Verfügung gestellt werden, läuft der Austausch strukturierter und effizienter als über den Versand einzelner Pläne per E-Mail. Letzteres ist ja schon aus Gründen der Datenmenge begrenzt und gerade bei Großprojekten stößt man schnell an Kapazitätsgrenzen. Durch eine automatische Sortierung der Indexstände ist gewährleistet, dass immer nur die aktuellen Pläne aufgerufen werden. Veraltete Stände wandern automatisch ins Archiv. Eine automatisierte Verteilerliste stellt sicher, dass stets alle fachlich Beteiligten die Informationen erhalten. Der Datenabruf wird zudem protokolliert, der Planversand, bzw. der Abruf sind damit nachweisbar dokumentiert. Wirkt sich der Einsatz positiv, beispielsweise auf die Termintreue der Projektpartner aus? Rappold: Nicht wirklich. Ein solches System sorgt von sich aus nicht für eine bessere Disziplin im Bezug auf Termine. Oftmals ist es eher mühsam und zeitaufwendig die richtigen und vor allem aktuellen Dokumente kurzfristig zu finden. Haller: Die Termintreue wird in der Regel an anderer Stelle entschieden, weniger im Planungsaustausch. Positiv ist jedoch die Transparenz, wann, welche Pläne, Dokumente und Informationen von wem auf dem Server eingestellt wurden. Die automatische Benachrichtigung hilft dabei den Projektbeteiligten, sich über neue Pläne oder Planfortschreibungen speziell für ihren Bereich zu informieren, ohne lange suchen zu müssen. Wer ist bei den Projekten in der Regel der PKMS-Aministrator? Rappold: In der Regel ist es eine externe Firma, die den virtuellen Projektraum betreut. Im Falle von Poolarserver können wir kleinere Anpassungen an das jeweilige Projekt-Profil eigenständig anpassen und verwalten. Dies ist eine enorme Erleichterung. Haller: Häufig machen dies bei uns Bauzeichner oder Projektarchitekten. Teilweise hat man die Möglichkeit, Funktionen selbst zu programmieren oder anzupassen. Da ist eine gewisse Einarbeitung sinnvoll und erforderlich. Bei Großprojekten kann und sollte die Administration direkt durch den Dienstleister erfolgen. Gibt es Funktionen, die Sie vermissen? Rappold: Ein guter Projektraum muss einfach zu bedienen sein. Aktuelle Pläne müssen so abgelegt sein, dass es keine Verwechslung mit alten Ständen gibt. Eine Kurzvorschau der Pläne ist sinnvoll, um sie nicht erst herunterladen zu müssen, um dann festzustellen, dass es doch die falschen Pläne waren. Die meisten Projekträume sind hier viel zu kompliziert, zu konservativ angelegt. Haller: Es gibt immer wieder Funktionen, die den Planungs- und Bauablauf unterstützen können – zum Beispiel ein Werkzeug zur automatischen Erkennung von geänderten Bereichen in den Plänen oder zur Mängelerfassung und -verfolgung auf der Baustelle. Welche PKMS-Zusatzfunktionen nutzen Sie? Rappold: Wir verwenden beim Poolarserver die Zusatzmodule für Bautagebuch und Mängelmanagement. Haller: Wir nutzen das System auch als Basis für unser Intranet. Somit hat jeder unserer Mitarbeiter die Möglichkeit, schnell und unkompliziert auf zentrale Informationen sowie die Daten aktueller und abgeschlossener Projekte zuzugreifen. Auch das erleichtert die Arbeit im Alltag und die Kommunikation zwischen unseren Bürostandorten. Wie beurteilen Sie die Themen Datenschutz und Datensicherheit? Rappold: Momentan sehr unkritisch, wobei ich sagen muss, dass wir noch nicht wirklich ernsthaft darüber nachgedacht haben. Sicherlich gilt es zu klären, wer welche Daten für welchen Zweck verwenden soll und darf. Haller: Datenschutz und Datensicherheit sind ein ernstes Thema. Unsere Daten liegen bei einem externen, nationalen Anbieter, der mit seinem professionellen Know-how die notwendigen Schutzmaßnahmen auf dem aktuellen Stand der Technik bereitstellt. Die Fragen stellte Marian Behaneck.

Planschrank in der Cloud

Über virtuelle Projekträume werden Pläne mit Projektbeteiligten ausgetauscht und dadurch Verzögerungen und Fehler durch veraltete Planstände vermieden. Aktuelle Trends wie das Mobile Computing oder BIM bieten neue Möglichkeiten. Text: Marian Behaneck Virtuelle Projekträume, auch Projektkommunikations- und Management-Systeme (PKMS) oder Internet-basierende Projektmanagement-Systeme (IBPM) genannt, dienen der Zusammenarbeit in geschlossenen Benutzergruppen. Sie stellen Dokumente für zugriffsberechtigte Projektbeteiligte zeit-, orts- und plattformunabhängig online bereit und enthalten Informationen über Dokumentinhalte, -versionen, Benutzer, Zugriffsrechte oder Abläufe. Projekträume ermöglichen einen stetigen Informations- und Datenaustausch über den gesamten Projektverlauf. Diese Informationen unterstützen darüber hinaus die spätere Gebäudebewirtschaftung. Was bieten Virtuelle Projekträume? Zu den zentralen Funktionen zählen die Ablage und Verwaltung sowie die Verteilung aller projektrelevanten Informationen und Dokumente. Die E-;ail-Postfächer der Projektbeteiligten werden nicht durch voluminöse Pläne belastet und in der E-Mail-Flut wird kein Plan übersehen oder versehentlich in einer überholten Version heruntergeladen. Ein externer Server dient als Datenpool für Pläne, Dokumente und sonstige Projektinformationen. Über diesen Datenpool können alle Teilnehmer entsprechend ihren Zugriffsrechten die Planung der anderen einsehen. Will etwa der Haustechniker wissen, wie viel Platz aktuell zwischen Unterzug und abgehängter Decke für die Leitungsführung vorhanden ist, greift er einfach auf den zuletzt vom Tragwerkplaner eingestellten Plan zu und muss ihn nicht erst umständlich in der aktuellen Fassung anfordern. Gepflegt wird der Server vom PKMS-Dienstleister, der auch für die ständige Verfügbarkeit, Datensicherheit, Datensicherung und -archivierung sorgt. Über neue Inhalte werden alle Teilnehmer per SMS, E-Mail oder Fax informiert, bei besonders wichtigen Informationen wie einer Bedenkenanmeldung, einer Mängelanzeige oder einem Baustopp, parallel auch über mehrere Kanäle. Per Redlining-Funktion können Dokumente oder Pläne mit Kommentaren, Korrekturen, Änderungswünschen oder Prüfvermerken versehen werden, ohne den Inhalt zu verändern. Sämtliche Aktivitäten werden im Hintergrund automatisch und nachvollziehbar protokolliert. Auch die komplette Projektkommunikation wird über einen zentralen Verteiler abgewickelt, so dass niemand vergessen wird. Der Zugang aller Projektteilnehmer erfolgt passwortgeschützt über einen gängigen Web-Browser. Es muss in der Regel weder eine Software installiert werden noch muss die Hardware besondere Anforderungen erfüllen oder unter einem bestimmten Betriebssystem laufen. Lediglich ein stabiler, ausreichend schneller Internetzugang (Datenrate ab 1 Mbit/s) wird vorausgesetzt. Neben der Dokumentablage und Kommunikation bieten die PKM-Systeme teilweise auch Ausschreibungs-, Projektmanagement- und Controlling-Werkzeuge oder Webconferencing- und Desktopsharing-Funktionen für Fernbesprechungen und die gemeinsame Arbeit an Dokumenten. Auch für die spätere Gebäudebewirtschaftung und -wartung sind die während des Projektverlaufs angesammelten Dokumente und Informationen nützlich: Eine „digitalen Bauakte“ bildet später eine wertvolle Datenbasis für Makler, Eigentümer oder Gebäudeverwalter. Worauf sollte man achten? Nach einem ersten Boom zur Jahrtausendwende und einer darauf folgenden Konsolidierungsphase hat sich mittlerweile eine beachtliche Anzahl an PKMS-Anbietern etabliert. Zu den etwa 20 auf die Baubranche spezialisierten Projekträumen (siehe Online-Hinweis am Ende des Textes) kommen zahlreiche weitere, aus der Industrie stammende Projektplattformen wie Microsoft Project oder Basecamp sowie einfache Dokument-Austauschdienste wie Dropbox oder Planbox. Je nachdem, ob neben der Projektplanung und Bauausführung auch die spätere Gebäudebewirtschaftung unterstützt wird, unterscheiden sich die Lösungen in der Technik und im Funktionsumfang. Browserbasierende Systeme bilden gegenüber herkömmlichen Client-Server-Systemen, die eine zusätzliche Software-Installation voraussetzen, die Mehrzahl. Besonders wichtig bei bauspezifischen Systemen ist das Planmanagement: Pläne sollten über mehrere, individuell definierbare Attribute beschrieben (Planinhalt, Status, Maßstab, Erstellungs-/Prüfdaten etc.), individuell über eine zuvor definierte Plancodierung bezeichnet und mit mehreren Dateien verknüpft werden können (CAD-, DWG-, DWF-, PDF-Datei, Massen-/Mengen-/Stücklisten, Visualisierungen etc.). Eine automatische Versionsverwaltung sollte für die geordnete Ablage älterer Plan- oder Dokumentversionen sorgen und die Versionshistorie nachvollziehbar machen können. Eine Anbindung an Repro-Dienstleister ermöglicht die rationelle Ausgabe und den Versand von Papierplänen. Über eine zentrale Benutzer- und Rechteverwaltung sollte man neue Benutzer und Benutzergruppen bequem anlegen, Zugriffsrechte für Einzelne oder Gruppen vergeben und übersichtlich anzeigen können, so dass für jeden Benutzer klar ersichtlich ist, was er einsehen oder ändern darf und was nicht. Wichtig sind auch Workflow-Funktionen. Damit ist der automatisierte Ablauf zuvor definierter Vorgänge, die Zuweisung von Aufgaben und die Kontrolle von Terminen gemeint: Wer bekommt wann was? Wer muss was bis wann prüfen und wem weiterleiten? Zu den weiteren, damit unmittelbar zusammenhängenden Anforderungen gehören individuelle Einstellungen. Damit sollte sich das PKMS an Projekterfordernisse oder Abläufe anpassen lassen – möglichst in Eigenregie und ohne Programmieraufwand durch den Hersteller. Bereits zu Projektbeginn sollte geklärt werden, was nach Projektabschluss mit den Daten passiert, wer sie erhält und sich weiterhin darum kümmert und wie man die Daten auch über die Planungs- und Bauphase hinaus für den Bauherrn nutzbar machen kann. Abgerechnet werden die Leistungen von Projekträumen ganz unterschiedlich: monatlich nach dem belegten Speicherplatz und/oder der Teilnehmeranzahl, pauschal oder anteilig an der Höhe der Bausumme orientiert. Ein kostenloses und unverbindliches „Hineinschnuppern“ ist bei vielen Anbietern über einen begrenzten Zeitraum (zum Beispiel 30 Tage), eine maximale Datenmenge (zum Beispiel 25 MByte) oder eine maximale Teilnehmerzahl (zum Beispiel zwei Teilnehmer) möglich. Weiterer Speicherplatz lässt sich jederzeit bei Bedarf anmieten. Der Nutzungsvertrag sollte monatlich kündbar sein. Neue Anforderungen durch Mobilität und BIM Projekträume kommen derzeit vor allem bei Großprojekten ab einer Bausumme von fünf Millionen Euro aufwärts zum Einsatz. Untersuchungen zufolge lassen sich dabei die Kosten für Planung und Kommunikation um rund 20 bis 30 Prozent senken. Häufig geben Bauherren oder Generalunternehmer ein bestimmtes System als Austausch- und Kommunikations-Standard vor. Je kleiner das Projekt, desto seltener kommen Projekträume zum Einsatz. Das könnte sich aber bald ändern: Zum einen wächst in den Hochschulen und Büros eine mit Cloud-Diensten vertraute Planergeneration heran. Zum anderen gibt es mittlerweile auch für kleinere Projekte geeignete, einfache, preiswerte, branchenneutrale Online-Ablagesysteme (zum Beispiel www.dropbox.com, www.planbox.com, www.plan.io oder www.webforum.com), die auch schon mit wenigen Projektpartnern (zum Beispiel Architekt, Tragwerk- und TGA-Planer) Abläufe vereinfachen können. Auch das mobile Computing beflügelt virtuelle Projekträume: Die Möglichkeit, Pläne, Dokumente oder Informationen unterwegs oder auf der Baustelle am Smartphone oder Tablet-PC mit anderen Projektbeteiligten auszutauschen, beschleunigt Entscheidungen und rationalisiert Arbeitsabläufe. Eine Wandlung vollzieht sich auch gerade beim Projektdatenaustausch: Wurden die Vorteile eines gemeinsamen Datenpools bisher durch unzureichende CAD-Schnittstellen mehr oder weniger aufgezehrt, eröffnet die BIM-Methode (Building Information Modeling) und der dazugehörige Datenaustausch-Standard IFC (Industry Foundation Classes) neue Möglichkeiten für eine fachübergreifende Kooperation. Ähnlich wie virtuelle Projekträume offerieren deshalb auch BIM-Server oder BIM-Clouds (zum Beispiel www.bimserver.org oder www.graphisoft.de/bimcloud) auf das BIM-Datenmodell zugeschnittene Kooperationsplattformen, allerdings (noch) ohne umfangreiche Workflow-, Projektmanagement- oder Controlling-Funktionen, wie sie die meisten Projekträume bieten. Umgekehrt werden Projekträume künftig wohl auch BIM-Funktionen offerieren, die über eine reine Betrachtung von BIM-Daten hinausgehen und beispielsweise auch eine Bearbeitung und Verwaltung von BIM-Modellen ermöglichen. Virtuelle Projekträume? Aber sicher! Wer Projekträume (häufig aufgrund von Bauherrenvorgaben) schon genutzt und deren Vorteile praktisch kennen gelernt hat, schwört in der Regel darauf. Die Mehrzahl der Planer und vor allem der ausführenden Unternehmen hält sich aber zurück. Neben der traditionellen Zurückhaltung der Baubranche gegenüber Neuem waren bisher langsame Internet-Verbindungen ein Hemmschuh. Breitband-Internetverbindungen sind innerhalb von Städten und Ballungszentren zwar Standard, außerhalb aber noch nicht flächendeckend verbreitet. Das gilt auch für mobile Internetverbindungen. Vorbehalte bestehen zudem hinsichtlich des Datenschutzes, der Verfügbarkeit und Ausfallsicherheit des Projektraums sowie der Sicherheit sensibler Kunden- und Projektdaten. Für den Nutzer stellt sich das PKMS als virtuelle „Blackbox“ dar. Er weiß weder, was mit seinen Daten im Einzelnen geschieht, noch an welcher Stelle diese physikalisch gespeichert sind. Zwar versichern Anbieter, dass Daten nur über sichere Datenverbindungen verschlüsselt transferiert werden. Ferner, dass nur zugriffsberechtigte, durch Benutzernamen und Passwort legitimierte Teilnehmer Zugang zu Projektdaten haben, die auf deutschen oder europäischen Servern mit im Vergleich zu den Vereinigten Staaten strengeren Datensicherheits-Standards abgelegt sind. Eine absolute Sicherheit vor unbefugtem Zugriff kann gleichwohl kein System bieten (der Versand per Post oder E-Mail allerdings auch nicht). Als Problem kann sich die Verfügbarkeit der Daten erweisen, die von den PKMS-Anbietern mit 99,9 Prozent angegeben wird. Die Serversysteme sind redundant ausgelegt, so dass bei Ausfall eines Systems dessen Aufgabe sofort von einem Stand-by-System übernommen wird. Dennoch können Zugriffsprobleme auftreten – etwa durch eine Störung beim eigenen Internet-Provider. Notfallpläne sind deshalb sinnvoll: andere Kommunikationswege, ein alternativer PKMS-Anbieter und Internet-Zugang. Auch die automatische Sicherung durch den PKMS-Anbieter entbindet die Nutzer nicht von der individuellen Datensicherungs-Pflicht. Es ist immer derjenige Projektbeteiligte dafür verantwortlich, der das Dokument neu oder verändert in den gemeinsamen Datenpool ablegt. PKMS erfordert Selbstdisziplin Die Bereitstellung von Projektdaten, Software- und Serviceleistungen per stationärem oder mobilem Internet bietet für Projektbeteiligte erhebliche Rationalisierungs- und Kostenvorteile, reduziert Abstimmungsfehler und verbessert den Planungs-Workflow. Allerdings setzt die Nutzung die Beteiligung aller Projektpartner und viel Selbstdisziplin voraus. Eine PKMS-basierende Zusammenarbeit funktioniert nämlich nur, wenn sich alle beteiligen, Vorgaben einhalten und alle PKMS-Funktionen konsequent nutzen. Das bedeutet beispielsweise, dass der Planversand per E-Mail tabu ist. Auch an die neue Transparenz muss man sich erst gewöhnen: Da alle Aktivitäten im Hintergrund automatisch protokolliert werden, lässt sich schnell nachvollziehen, wer was wann gemacht – oder eben nicht gemacht hat. Hier finden Sie weiterführende Informationen zum Thema \“Projekträume\“. Marian Behaneck ist freier Fachjournalist in Jockgrim (Pfalz)

Prora

Die verschiedenen Zeitabschnitte, die sich derzeit in Prora noch überlagern, lassen sich sogar im Internet besichtigen. Gleich mehrere Investoren sind derzeit dabei, die Altbaubestände in moderne Wohn- und Wellness-Anlagen mit Eigentums- und Ferienwohnungen sowie Hotels umzuwandeln. www.neues-prora.de www.binzprora.de Im Dokumentationszentrum Prora gibt es neben einer ständigen Ausstellung zur Geschichte des Ortes und der KdF-Bewegung auch einen Film zu sehen. Außerdem bietet das Zentrum auch Führungen an und widmet sich in wechselnden Ausstellungen auch anderen, kontextbezogenen Themen. Über Prora während der DDR-Zeit informiert die engagiert betreute Website „denk-mal-prora“. Sie erinnert an die Nutzung des Hauses durch die NVA sowie die vielen Generationen von sogenannten Bausoldaten, die hier unter teilweise widrigen Bedingungen ihren Wehrdienst ohne Waffe leisteten.

Architektur für Bildung und Wissen

Lernen in Kisten? Auch Containerschulen müssen pädagogischen Mindestanforderungen genügen. Es gibt zahlreiche Initiativen und Forschungseinrichtungen, die sich mit dem Zusammenhang von Pädagogik und Architektur beschäftigen. Die folgenden Links  führen zu engagierten Projekte und wissenschaftlichen Einrichtungen in diesem Bereich. Hier finden auch Architekten Informationen zu neuen Entwicklungen im Schulwesen, Best-Practise-Beispiele sowie Kontakte.   www.ganztaegig-lernen.de www.deutscher-schulpreis.de www.lernraeume-aktuell.de www.architektur-macht-schule.de    

Vergaberecht – klare Regeln, klare Begriffe

Offene Verfahren und offener Wettbewerb, Teilnahmewettbewerb und Verhandlungsverfahren: Die Begriffe ähneln sich,  auch wenn es um ganz verschiedene Dinge geht. Eine Begriffserklärung der Bundesarchitektenkammer schafft Klarheit.  Die im Zusammenhang mit den Regelungen zum Vergaberecht verwendeten Begriffe führen nicht selten zu Verwirrung beim Anwender. So wird im Zusammenhang mit der Vergabe von Architekten- und Ingenieurleistungen oft vom sogenannten „VOF-Verfahren“ gesprochen. Dies ist jedoch kein eigenes Verfahren oder gar ein allgemeingültiger Begriff. Vielmehr weist die VOF nur eine Verfahrensart aus und dies ist das sogenannte „Verhandlungsverfahren“. Neben und innerhalb des Verhandlungsverfahrens gibt es dann einige Begrifflichkeiten, die ähnlich klingen und daher leicht miteinander verwechselt werden können. Insbesondere zu unterscheiden sind das „Offene Verfahren“ und der „Offene Wettbewerb“ bzw. das „Nichtoffene Verfahren“ und der „Nichtoffene Wettbewerb“. Zuweilen nicht hinreichend auseinandergehalten werden aber auch die „(Planungs-) Wettbewerbe“ im Sinne des Kapitels 2 der Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen (VOF) und der sogenannte „Teilnahmewettbewerb“. Diese Begriffe werden daher nachfolgend entwirrt und erläutert:
  • „Offenes Verfahren“ und „Offener Wettbewerb“
Bei dem Offenen Verfahren handelt es um ein Angebotsverfahren. In diesem erfolgt eine öffentliche Ausschreibung durch den Auftraggeber auf Basis einer Leistungsbeschreibung mit der Aufforderung, Angebote einzureichen. Die Bewerber benennen in ihrem Angebot die Preise, die sie für ihre Leistungen verlangen. Das Offene Verfahren ist neben dem Nichtoffenen Verfahren, dem Verhandlungsverfahren und dem Wettbewerblichen Dialog eines der vier Grundvergabearten im sogenannten Oberschwellenbereich und nach derzeitigem Recht von öffentlichen Auftragsgebern vorrangig heranzuziehen. Dies gilt grundsätzlich nicht für die Vergabe freiberuflicher Leistungen von Architekten. In diesen Fällen ist nach den Vorschriften der VOF die Durchführung eines Verhandlungsverfahrens vorgeschrieben. Der Offene Wettbewerb stellt kein Grundverfahren im Oberschwellenbereich, sondern insbesondere eine (Planungs-) Wettbewerbsform dar. Planungswettbewerbe werden im Regelfall vor einem Verhandlungsverfahren durchgeführt und richten sich nach den Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW 2013). Bei einem Offenen Wettbewerb schreibt der Auslober den Wettbewerb öffentlich und ohne große Zugangshürden aus. Er erlaubt jedem die Teilnahme, der eine bestimmte berufliche Qualifikation besitzt. Diese Voraussetzung ist grundsätzlich mit der Qualifikation und Eintragung in die Liste der zuständigen Architektenkammer als Architekt, Landschaftsarchitekt oder Stadtplaner erfüllt.
  • „Nichtoffenes Verfahren“ und „Nichtoffener Wettbewerb“
Beim „Nichtoffenen Verfahren“ handelt es sich um ein Angebotsverfahren, bei dem zwar öffentlich zur Teilnahme aufgefordert, sodann aber aus dem Bewerberkreis eine beschränkte Anzahl von Unternehmen zur Angebotsabgabe aufgefordert wird. Das Nichtoffene Verfahren ist nach derzeitigem Recht für die Vergabe von Architektenleistungen grundsätzlich nicht anwendbar, da die Vergabe freiberuflicher Leistungen von Architekten ausschließlich im Verhandlungsverfahren erfolgt. Beim „Nichtoffenen Wettbewerb“ als Form des (Planungs-) Wettbewerbs (im Oberschwellenbereich im Rahmen eines Verhandlungsverfahrens) fordern Auslober interessierte Fachleute öffentlich zur Bewerbung auf. Die Teilnehmer, die einen Lösungsvorschlag einreichen können, werden jedoch zuvor nach bestimmten Kriterien ausgewählt. In der Wettbewerbsbekanntmachung bzw. der Aufforderung zur Bewerbung sind die angestrebte Zahl an Teilnehmern, die vorzulegenden Nachweise, das zur Auswahl der Teilnehmer angewandte Verfahren sowie ggf. die Namen bereits vorausgewählter Teilnehmer anzugeben. Die Teilnehmerzahl soll der Größe und Bedeutung der Wettbewerbsaufgabe angemessen sein. Auslober wählen die Teilnehmer anhand eindeutiger, nicht diskriminierender, angemessener und qualitativer Kriterien aus dem Kreis der Bewerber aus.
  • „Teilnahmewettbewerb“ und „Wettbewerbe (Planungswettbewerbe) “
Besonderes oft verwechselt wird der Teilnahmewettbewerb mit dem Wettbewerb im Sinne eines Planungswettbewerbs. Der „Teilnahmewettbewerb“ spielt im Nichtoffenen Verfahren, dem Verhandlungsverfahren und dem Wettbewerblichen Dialog eine Rolle und stellt eine Vorstufe zum eigentlichen Vergabeverfahren dar, um die Anzahl der Bewerber begrenzen zu können. Anders als beim Offenen Verfahren, in dem die Bewerber unmittelbar zur Abgabe eines Angebotes aufgefordert werden, werden diese bei den anderen drei (den sogenannten zweistufigen) Vergabeverfahren zunächst „nur“ zur Teilnahme aufgerufen. Im Rahmen des Teilnahmewettbewerbs wird die Zahl der Bewerber reduziert (1. Stufe). Erst im Anschluss hieran werden die verbleibenden Bewerber zur Abgabe eines Angebots aufgefordert (2. Stufe). „Planungswettbewerbe“ sind dagegen spezielle Wettbewerbe, die sich im Oberschwellenbereich nach der VOF und der RPW richten und damit grundsätzlich im Rahmen eines Verhandlungsverfahrens durchgeführt werden. Sie dienen dem Ziel, alternative Vorschläge für Planungen insbesondere auf dem Gebiet der Raumplanung, des Städtebaus und des Bauwesens auf der Grundlage veröffentlichter einheitlicher Richtlinien zu erhalten.    

Gastfreundschaft im Bad

In den Badezimmern von Hotels lohnen sich Investitionen in Individualität – und in das Sparen von Betriebskosten | Von Jens J. Wischmann Hier ist gut sein: das Asia Zimmer im Hotel Lido Ehrenburgerhof im Südtiroler Ehrenburg. Im „Parkhotel“ im österreichischen Ottensheim wohnen Hotelgäste in umfunktionierten Kanalrohren, das Bad befindet sich aber außerhalb. Diese exotische Variante spricht durchaus Abenteuerlustige an. Die meisten Reisenden bevorzugen aber Zimmer mit einem Bad, das gern großzügiger und modern ausgestattet sein darf. Häufig entscheiden sich Gäste auch wegen eines individuellen Bad-Ambientes beim nächsten Besuch für die gleiche Unterkunft. Hoteliers, die sich von ihren Mitbewerbern abheben wollen, sollten entsprechende Badkonzepte anstreben. Dafür sind schon in der frühen Planungsphase die Voraussetzungen zu schaffen – zu einem Zeitpunkt also, an dem Betreibern meist noch nicht der Sinn nach Badgestaltung steht. Daher ist es Sache des Architekten, den Bauherrn zu sensibilisieren. An Schallschutz denken Zeitgemäße Planungsprinzipien gehen über die einzuhaltenden Normen weit hinaus. Das Bad muss der Architektur und Innenraumgestaltung entsprechen, die das Haus insgesamt hat. Das gilt nicht nur für das ohnehin gehobene Niveau einer Suite, sondern auch schon für Standardzimmer. Ihre Flächen sind oft klein. Ebenso das Budget, sodass der Bauherr gern den Rotstift beim Bad ansetzt. Nicht selten sind Ausstattungsmängel die Folge. „Teurer Waschtisch, billiger Spülkasten“ – nach dieser Devise wird zum Beispiel häufig entschieden. Quittiert der Spülkasten aber dann schnell den Dienst, sind die Folgekosten meist hoch, wenn er fest eingebaut ist. Ebenso lohnt es sich, bei der Sanitärinstallation auf einen guten Schallschutz zu achten. Vorteile bieten hier etwa Vorwand­installationen durch ihre guten Schalldämmwerte. Da stört es den schlafenden Gast nicht, wenn sein Zimmernachbar spät in der Nacht noch duscht. Laute Geräusche bleiben dagegen lange Zeit im Gedächtnis und sind ein K.-o.-Kriterium für die nächste Hotelwahl. Da Vorwandinstallationen aufgrund ihrer modular kombinierbaren Elemente nach dem Baukastenprinzip funktionieren, lassen sich die Sanitärobjekte zudem an jeder beliebigen Stelle positionieren. Vielfach wird dadurch die Umsetzung kreativer Ideen erst möglich. Zum Beispiel ein zum Schlafbereich hin offenes Bad, das bei knappem Raum für Transparenz sorgt und Weitläufigkeit suggeriert. Dieser vom privaten Bad kommende Trend wird auch in der Hotelbranche viel diskutiert. Gerade bei beengten Platzverhältnissen vieler älterer Häuser kann dies attraktiv sein. Dusche oder Badewanne? Die meisten Gäste sind mit Duschen zufrieden. Doch sie sollen möglichst viel Platz bieten, voll verglast sein und sich bequem betreten lassen. Dafür sind bodengleich installierte Duschen prädestiniert, die speziell bei entsprechender Einstiegsbreite gleichzeitig barrierefreien Anforderungen genügen. Denn viel zu selten werden selbst neue oder renovierte Hotelbäder dem demografischen Wandel gerecht und weisen wirklich altersgerechte Merkmale auf. Doch sollten wenigstens barrierefreie Badgrundrisse in Zukunft die Regel sein. Betriebskosten senken Nicht nur moderne Armaturen wirken sich günstig aus. Auch die gut durchdachte Planung von Dusche und Waschtisch macht sich bezahlt. Einen beachtlichen Kostenfaktor stellt in der Hotellerie der hohe Wasserverbrauch dar. Einhandmischer, Thermostate, Selbstschluss- und elektronische Armaturen helfen hier kräftig zu sparen. Thermostatbatterien gewährleisten zudem die Sicherheit der Gäste: Sie bieten Schutz vor Verbrühungen bei Temperaturschwankungen oder Kaltwasserausfall. WC-Spülungen mit Zweimengenbetätigung beugen ebenfalls der Wasserverschwendung vor. Außerdem lässt sich mit einer optimierten Wasserversorgung der Zimmer der schwankenden Auslastung eines Hauses Rechnung tragen. Das spart nicht nur Wasser und Energie, sondern garantiert ferner größtmögliche Hygiene des Trinkwassers, gerade in seltener belegten Zimmern. Erhebliche Folgekosten entstehen auch durch falsche Einrichtungen. So verliert das Personal wertvolle Zeit bei der Reinigung, wenn die verfliesten Flächen einen hohen Fugenanteil besitzen oder bei der Duschabtrennung eine Schiebetür gewählt wurde, unter der sich das Restwasser sammelt. Nachteilig wirkt sich auch eine in der Anschaffung zwar günstige, aber wenig leistungsfähige Lüftung aus. Schwitzwasser wird nur langsam abgeführt, was das Polieren der Spiegel verlängert und zugleich die Gefahr der Schimmelbildung erhöht. Überhaupt sind Badeinrichtungen in Hotels aufgrund der starken Nutzerfrequenz besonders belastet. Hotels sollten sich deshalb nicht ausschließlich auf moderne und pflegeleichte Materialien und Sanitärobjekte konzentrieren, sondern auch auf Langlebigkeit achten. Best Practise I: Domero Hotel Hannover Neue Klarheit: So sehen die Badezimmer im Domero-Hotel nach der Modernisierung aus Der Achtzigerjahre-Bau des ehemaligen Stadthotels der Maritim-Kette wurde komplett neu gestaltet. Bei den Bädern des 293-Betten-Hauses wurde der bestehende Grundriss beibehalten, in einem Teil der Zimmer wurden die Badewannen jedoch durch bodengleiche Duschen mit Rinnenablauf ersetzt. Die Waschtische bestehen aus frei formbarem Mineralwerkstoff. Das ergab eine praktische Lösung, weil die vordere Blende die Rohrleitungen verdeckt, die sich hier nicht in den Wänden verlegen ließen. Sie ist aber auch optisch ansprechend, weil sich durch die Fertigung in einem Stück ein harmonischer Gesamteindruck ergibt. Außerdem lässt sich die fugenlose Fläche mit dem eingelassenen Waschbecken leicht reinigen. Arthur Fischer: „Reinigungsfreundlichkeit sowie andere funktionelle und gestalterische Wünsche stehen bei Hotelbädern oft im Widerspruch. Typisches Beispiel dafür sind die Fliesen.“ Gefordert ist eine rutschhemmende Oberfläche, die leicht strukturiert ist. Eine glatte Oberfläche lässt sich dagegen leichter reinigen und ist zudem oft attraktiver. Gewählt wurde schließlich eine leicht strukturierte Fliese in Schieferoptik. Arthur Fischer Architekten waren hier neben der Planung und Projektleitung auch mit der Innenarchitektur beauftragt. Best Practise II: Hotel Andel’s Berlin Von Nasszellen kann längst keine Rede mehr sein: Badezimmer in Andel’s Hotel in Berlin. Das Haus an der Landsberger Allee war einmal eine der teuersten Investitionsruinen Berlins: Der als Einkaufszentrum von Aldo Rossi geplante Betonbau geriet 1996 nach dem Absprung der Investoren ins Stocken und wurde erst 2009 mit neuem Investor und Betreiberkonzept als Konferenz- und Messehotel eröffnet. Die Aufgabe von Arthur Fischer Architekten zusammen mit Seeger Müller Architekten bestand im Umbau und der Umnutzung bereits errichteter baulicher Strukturen zu einem Hotel mit 559 Zimmern und 4 700 Quadratmetern Veranstaltungsfläche. Die Bäder sind hier hochwertiger ausgestattet als für diesen Standard üblich. Arthur Fischer: „Das muss sich der Investor aber auch leisten wollen.“ Eine Suite ist zum Beispiel folgendermaßen eingerichtet: Doppelwaschtisch, frei stehende Badewanne, große Spiegel, voll verglaste und bodengleiche Dusche sowie ein voll verglastes WC.

Damit der Park kein Tatort wird

Die Architektin Ingrid Hermannsdörfer koordiniert den Bereich „Städtebauliche Kriminalprävention“ im Landeskriminalamt Berlin. Dort beschäftigt sie sich mit dem Zusammenhang zwischen Architektur und Sicherheit im städtischen Raum und der Frage, wie umsichtige Planung dazu beitragen kann, Kriminalität zu verhindern. Interview: Cornelia Dörries DAB: Sie beschäftigen sich als Architektin im Polizeidienst mit der Frage, wie Räume, Plätze und Gebäude beschaffen sein müssen, damit Verbrechen gar nicht erst stattfinden. Welche Kriterien legen Sie dabei zugrunde? Ingrid Hermannsdörfer: Wichtig ist zunächst etwas, das man nicht unbedingt sofort mit Kriminalität in Zusammenhang bringen würde, nämlich eine gute Instandhaltung von Gebäuden und öffentlichen Räumen. Denn Verwahrlosung signalisiert immer, hier gebe es keine verbindlichen sozialen Regeln und Normen. Durch neuere Studien wurde bestätigt, dass verstreuter Müll, Graffiti, zerkratzte Scheiben an Bushaltestellen und Zerstörungen zu weiteren Normverletzungen verleiten. Gleichzeitig fühlen sich viele Menschen in verwahrlosten Räumen verunsichert, weil sie befürchten, dass ihnen hier im Notfall niemand zu Hilfe kommen würde. Es ist also wichtig, Vandalismusschäden und Müll zügig zu beseitigen und insbesondere bei Grünanlagen auf einen guten Pflegezustand zu achten. In jeder Stadt gibt es Plätze oder Gegenden, an denen eine gewisse Verwahrlosung um sich greift. Wann wird aus solchen Räumen ein Ort, der auch aus kriminologischer Sicht „gefährlich“ oder unsicher ist? Unbehagen frei Haus: In diesem Hof entfaltet sich schon tagsüber eine beklemmende Atmosphäre. Man muss unterscheiden zwischen Orten, die möglicherweise tatsächlich gefährlich sind, und Orten, die als gefährlich wahrgenommen werden. Wir haben es mit einem Unterschied zwischen tatsächlicher Sicherheitslage, also der „objektiven Sicherheit“, und dem individuell unterschiedlichen Sicherheitsempfinden, der „subjektiven Sicherheit“, zu tun. Auf beides muss die Städtebauliche Kriminalprävention eingehen. Manche Orte verändern ihren Sicherheitscharakter auch mit der Tageszeit. Ein tagsüber belebter Park oder ein Platz, auf dem man sich im Hellen entspannt aufhalten kann, auch wenn er nicht in allen Bereichen übersichtlich ist, kann nachts unsicher sein. Objektiv gefährlich können Orte sein, die abgelegen, wenig frequentiert, unübersichtlich, verwahrlost oder schlecht beleuchtet sind. Durch das Fehlen von sozialer Kontrolle durch andere Menschen, zu wenig Licht und unzureichende Sicht ergeben sich im Zusammenhang mit gewissen räumlichen Strukturen Tatgelegenheiten für verschiedene Delikte: Diebstähle, Raubtaten, Sexualstraftaten oder Drogenhandel. Solche Orte werden allerdings von den meisten Menschen auch als potentiell gefährlich empfunden und möglichst gemieden, zumindest zu bestimmten Zeiten. Auch Orte, die von einzelnen Nutzergruppen dominiert werden, z. B. von Drogen- oder Alkoholkonsumenten, lösen bei vielen Leuten Unbehagen und Unsicherheit aus. Wie kann man schon bei der Planung auf solche Aspekte reagieren? Oder anders gefragt: Gibt es bestimmte sicherheitsrelevante Parameter, die Architekten schon beim Entwurf beachten sollten? In diesem U-Bahnhof finden sich zwar die üblichen Verunzierungen, doch mit einer zuverlässigen Beleuchtung und dem lange geöffneten Laden ist der Gang auch abends kein gefährlicher Ort. Die Gewährleistung sozialer Kontrolle durch eine Aufenthaltsqualität, die viele unterschiedliche Nutzergruppen anspricht und Sichtbezüge erlaubt, ist ein wichtiger Aspekt. Die Möblierung öffentlicher Räume sollte also nicht einfach bestimmten Moden oder einem rein ästhetischen Zeitgeist folgen, sondern muss die Bedürfnisse unterschiedlicher Altersgruppen, soziale und kulturelle Hintergründe sowie psychologische Belange, wie beispielsweise geschlechtsspezifische Unterschiede in der Raumnutzung, berücksichtigen. Räumliche Strukturen, die tatbegünstigend wirken können, sind beispielsweise Nischen, Gebäuderücksprünge oder eine Sicht behindernde Bepflanzung. Jeder kann sich leicht vorstellen, dass es Unbehagen erzeugt, wenn neben einem schlecht beleuchteten Hauseingang mit seitlichen Schutzwänden auch noch hohe Sträucher stehen. Barrierefreiheit und gute Orientierungsmöglichkeit sind weitere Aspekte. Stellen Sie sich vor, Sie sind schon etwas älter und gehbehindert und müssen einen Platz überqueren, der mit einem halben Dutzend unterschiedlicher Pflasterungsarten gestaltet wurde – das bedeutet, dass Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit auf die unfallfreie Fortbewegung richten müssen, so dass Ihnen möglicherweise entgeht, dass sich gerade jemand anschickt, Ihnen das Portemonnaie aus der Tasche zu ziehen oder die Handtasche zu entreißen. Dasselbe kann passieren, wenn Sie Mühe haben, sich auf einem unübersichtlichen Platz ohne Orientierungshinweise zurechtzufinden. Bestimmte Delikte können leider überall und ortsunabhängig passieren, insbesondere Affekttaten. Plötzliche Gewaltexzesse unter Alkoholeinfluss z. B. werden auch durch Videoüberwachung des betreffenden Ortes oder durch die Anwesenheit von Zeugen nicht unbedingt verhindert. Lassen sich solche allgemein verbindlichen Kriterien auch für Gebäude formulieren? Vielfach ergeben sich Sicherheitsrisiken aus der Gebäudegeometrie, die ungewollte Versteckmöglichkeiten für potentielle Täter anbietet: durch Rücksprünge, Mauern, Nischen oder verwinkelte Flure. So sollten Hauseingänge grundsätzlich nischenfrei und möglichst transparent gestaltet werden. Einbrüche im Erdgeschoss werden oft erleichtert, weil hohe Sträucher vor den Fenstern den potentiellen Tätern guten Sichtschutz bieten. Doch grundsätzlich gilt: Jede Situation muss individuell betrachtet werden. Wie ist die jeweilige Lage vor Ort? Gibt es Auffälligkeiten in punkto Kriminalität? Wenn ja, lassen diese sich mit den konkreten räumlichen Bedingungen in Verbindung bringen? Welche Einflussfaktoren gibt es im Umfeld? Mit welchen konkreten baulich-gestalterischen Veränderungen kann man den Prinzipien der städtebaulichen Kriminalprävention gerecht werden? Wie lässt sich soziale Kontrolle herstellen? Wer muss in den Planungsprozess einbezogen werden? Partizipation ist dabei ein wichtiger Punkt: Städtebauliche Kriminalprävention ist auf Netzwerkarbeit und die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger angewiesen. Informelle soziale Kontrolle entsteht und funktioniert dann, wenn die Anwohnerschaft bzw. die Nutzerinnen und Nutzer sich durch Teilnahme an der Planung mit ihrem Wohnumfeld identifizieren und deshalb bereit sind, sich zu engagieren und Verantwortung dafür zu übernehmen. Wohin können sich Planer mit speziellen Fragen zu Kriminalitätsprävention und Sicherheit wenden? Die Polizei bietet allen, die planen und bauen sowie raum- und baubezogene Konzepte entwickeln, eine kostenlose Beratung an. Sinnvollerweise sollte dieses polizeiliche Erfahrungswissen bereits in der Phase der Vorplanung einbezogen, wenn nicht sogar schon zum Bestandteil der Grundlagenermittlung gemacht werden. In Berlin kann man sich an den Bereich Städtebauliche Kriminalprävention der Zentralstelle für Prävention beim Landeskriminalamt wenden. Wir bieten Ortsbegehungen an und beraten bei konkreten Problemlagen, beteiligen uns an Planungsverfahren, Runden Tischen und Verwaltungsrunden und nehmen Stellung zur Bauleitplanung sowie im Rahmen von Wettbewerbsverfahren. In den anderen Bundesländern sind die Strukturen unterschiedlich, aber es gibt überall polizeiliche Ansprechpartner/innen für diese Form der Prävention.        

Raketenrampe und rosa Röhre

Hervorgehoben

Ludwig Leo schuf für Schiffe und Schiffsmodelle zwei der eigenwilligsten Bauten der Nachkriegs-Moderne. Heute zeigen sich daran Grenzen und Widersprüche des Denkmalschutzes Text: Roland Stimpel Wer war Ludwig Leo? Der 2012 im Alter von 88 Jahren verstorbene Berliner Architekt ist anderswo kaum bekannt und hat Zeit seines Lebens nur neun Projekte realisiert; die aber reichen posthum für euphorische Worte. Als „einen der eigenwilligsten deutschen ­Architekten nach 1945“ bezeichnet ihn die „Bauwelt“. Für den Architekturhistoriker Gregor Harbusch ist Leo „der ungewöhnlichste Architekt im West-Berlin der Nachkriegszeit“, für den Kritiker Dieter Hoffmann-Axthelm gar der „einzige Mythos der Nachkriegsarchitektur“. Die beiden wichtigsten Bauten Ludwig Leos haben Wasser als Thema: der für die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und der für Schiffbau-Versuche der Technischen Universität. Beide sind Unikate der Architektur – unorthodox und einzigartig in ihrer Gestalt, funktional ausgetüftelt bis ins letzte Detail. Es sind perfekte Maschinen mit höchst einprägsamer Form. Aber sie zeigen auch die Grenzen eines solchen Bauens der Extreme. Und sie zeigen die Widersprüche, an die die Denkmalpflege beim Versuch der Konservierung solcher Bauten stößt. Großbau auf Eigenheim-Parzelle Schräg am See: Über die Rampe wurden Rettungsschiffe in ihre Wintergaragen gezogen. Im Inneren des Baus ist ein „Tauchturm“. Foto: DLRG Landesverband Berlin e.V. Beide Bauten entstanden in der aufbruchsfreudigen Zeit von Mondfahrten und Studentenrevolte, von Technik-Euphorie und der Lösung von Konventionen. Für den Schrägturm der DLRG lobten die Lebensretter 1968 einen Wettbewerb aus und entschieden sich laut ihrer nüchternen Chronik „für den ungewöhnlichsten Entwurf“ – einen Bau, der optisch Assoziationen vom rechteckigen Schiffssegel bis zur Raketenabschussrampe auslöst. Mit ihm brachte es Ludwig Leo fertig, auf einem nur 413 Quadratmeter kleinen Grundstück das Funktionsprogramm eines Großbaus unterzubringen – für Büroarbeit, Versammlungen, Übernachtung, Funktechnik und Werkstätten, Labor-, Sport- und Lagerraum.Und nicht zuletzt für eine ganze Flotte von Booten. Dazu trickste er die damalige Bauordnung aus: Die maß Geschossflächenzahlen nur in Etagen mit senkrechten Wänden; solche mit 45-Grad-Schrägen zählten nicht. „Danach hatten wir eine GFZ nahe null“, freut sich heute DLRG-Landes­geschäftsführer Marcus Raasch. Der Rampenbau durfte zwischen den niedrigen Bauten der Havelufer-Landschaft 30 Meter in die Höhe ragen – plus 20 Meter massive Antenne. Es bedurfte aber auch toleranter Nachbarn und Behörden, die damals nicht Einpassung, sondern ausdrücklich „städtebauliche Kontrapunkte“ wünschten. Drinnen bezog die DLRG Büros und ­Seminarräume und installierte einen Tauchturm mit zwölf Meter hohem Schacht für Trainings- und Versuchszwecke, mit Druckkammern für die Opfer von Tauchunfällen und der Möglichkeit, Tauchgänge bis in 50 Meter Tiefe zu simulieren. Dazu kamen Schlafkajüten für einheimische Retter und auswärtige Tauchgäste, Kombüsen und Waschräume. Das alles klingt nicht nur nach Schiff, sondern hat auch dessen Design bis hin zum bullaugenförmigen Türeinstieg – und es hat dessen Enge. Sie entstand notgedrungen, und sie war gewollt: Ludwig Leo sah sich nicht nur als funktional perfekten Baumeister, sondern auch als sozialen, der durch zwangsläufige Begegnung Gemeinschaft erzeugen wollte. Das galt damals als gesellschaftlich nützliche Bau-Pädagogik. Tragisch gescheitert ist ausgerechnet das Prägendste und Pfiffigste an dem Bau: die Anlage zur winterlichen Einlagerung der Rettungsboote. Diese gelangten vom Ufer auf Schienen oder in einem engen Kanal direkt vors Haus, wurden dort an Seilen die Rampe hinaufgezogen und schließlich in luftigen Räumen bis zum Frühling deponiert – bis zu 80 Schiffe zugleich. Im Sommer dienten die Bootsgaragen als Matratzenlager für Retter und Taucher. Doch gerade hier wurde Ludwig Leos Bau ein Opfer seiner viel gerühmten Präzision und Perfektion: Nach wenigen Jahren erforderten neue Rettungs-Anforderungen größere Boote, und die passten in die allzu genau bemessenen Depots nicht mehr hinein. Dem Bau war die Grundlage seiner spektakulären Gestalt entzogen. Seitdem werden die Boote winters in einer Halle der Bundeswehr eingelagert. Ein überforderndes Denkmal Für Berlins Rettungsschwimmer ist der Bau heute Lust wie Last. Sie wissen, was sie an der exklusiven Architektur haben. Aber sie leiden laut Geschäftsführer Raasch unter ihrer „Energieschleuder ohne Ende“, unter den immensen Kosten für den Unterhalt, unter der Enge in Büros und Schlafräumen mit ihrer 2,10-Meter-Höhe und unter der Sperrigkeit, die der allzu genau bemessene Bau Veränderungen entgegensetzt. Es gäbe viel zu sanieren und zu modernisieren. Aber da ist nicht nur die Kassenlage vor, sondern auch der Denkmalschutz. Außendämmung kommt nicht infrage; für Innendämmung ist der Raum zu knapp. Drinnen ist sogar der kleine Eingriff verboten, den Raasch als „Überführung in den Jugendherbergs-Standard der 80er-Jahre“ bezeichnet: der Umbau von Sechs- in Vierbett-Kajüten und der Einbau geschlechts-getrennter Duschen. „Hier kommen auch Schulklassen her“, sagt Raasch. „Lehrern können Sie den Zustand nicht so leicht vermitteln.“ Pure Zierde ist heute die Antenne auf dem Haus: Seit sie Digitalfunk haben, brauchen die Wasserretter sie nicht mehr für die Koordinierung ihrer Boote. „Wir stehen zu dem Gebäude“, beteuert Raasch. „Aber letztlich überfordert es einen Verein wie unseren, der rein vom Idealismus und den Beiträgen seiner Mitglieder lebt.“ Dass Denkmalschutz funktionale Anpassung erschwert, kommt immer wieder vor. Dass er es hier tut, um einen funktional grandios gescheiterten Baus zu bewahren, gibt ihm eine etwas bizarre Note. Frei von solchen Sorgen ist Ludwig Leos zweiter Wasser-Großbau: ein 3,5 Meter dickes und 120 Meter langes Rohr in der Form eines Rechtecks, das an den Schmalseiten gerundet ist. Es liegt zwischen Technischer Universität und Tiergarten, wo Leo hat es keineswegs dezent verkleidet, sondern sichtbar gelassen, hochkant gestellt und mit der denkbar schrillsten Farbe versehen hat: Rosa. Obendrauf sitzt ein drei Etagen hoher, kobaltblauer Stahlkasten. Das Ganze dient Versuchen zur Strömungstechnik: Reedereien oder TU-Wissenschaftler bauen Modelle geplanter Großschiffe, die maßstabsgetreu verkleinert sind, und legen sie im Stahlkasten in ein Wasserbecken, an dessen Enden der Rohrring einmündet. In ihm treibt ein Propeller 3.500 Kubikmeter Wasser an, die mit einem Tempo von neun Metern pro Sekunde durch das Becken rauschen. Die Ingenieure erkennen, wo es sich am Rumpf reibt oder wie die Propellerform noch optimiert werden kann. Rosa Röhre: Gealtert, aber weiter mit dem poppigen Charme der Bauzeit präsentiert sich derzeit der Umlauftank für Schiffsversuche. Foto: Wüstenrot Stiftung/Philipp Lohöfener Die Reaktionen von Passanten auf den Rohrbau reichen von Entsetzen bis Euphorie. Experten fällt alles Mögliche ein: Laut Gregor Harbusch sahen frühe Rezensenten ein „geniales Fortschreiben der konstruktivistischen Tradition der Zwischenkriegszeit“, spätere den Bau dagegen als „frühes postmodernes Landmark“. Leo passt in keine Schublade, aber Stilexperten versuchen ihn immer wieder hineinzustopfen – Peter Cook in die der eigenen „Archigram“-Projekte und zugleich in die jüngere der Bauten von Rem Koolhaas. Die Wüstenrot-Stiftung sieht Bezüge zu „Frühwerken von Sterling, Foster und Piano“; der amerikanische Autor Charles Jencks nahm ihn in sein Buch „Bizarre Architekturen“ auf. Das wiederum ist für die „Spiegel“-Autorin Ingeborg Wiensowski „ein völliges Missverständnis, denn Leo war ein kompromissloser Verfechter des sozialen Wohnungsbaus“. In diesem hat er sich allerdings nur einmal versucht, und der Bau im Märkischen Viertel trägt zu seinem Nachruhm eher nicht bei. Der Umlauftank erfüllt auch 40 Jahre nach der Fertigstellung seine strömungstechnische Kernfunktion. Draußen sind die Pop-Farben verblasst und abgeblättert. Jetzt aber nimmt sich die Wüstenrot-Stiftung des Umlauftanks an, der für sie „zum ersten Rang bundesweit schützenswerter Gebäude der Nachkriegszeit“ zählt. Die Stiftung will hier „denkmalpflegerisches Neuland betreten; handelt es sich doch um ein Unikat der 1970er-Jahre im spannenden Grenzbereich zwischen Architektur, Industriebau und Maschine“. Die Sanierung wird mit 3,5 Millionen Euro Stiftungsmitteln finanziert. Hin zur gepflegten Skulptur Wie üblich im Denkmalschutz steht „materielle Authentizität“ obenan. Das stellt neue Herausforderungen im Anbetracht von Materialien wie dem Polyurethan-Bauschaum, der das rosa Rohr umhüllt. In wenigen Jahren ist der Bau wieder eine gepflegte, sogar zu seinem Ursprungszweck genutzte Riesenskulptur. Das Projekt ist aber so paradox wie viele Konservierungen von Moderne-Bauten: Einst waren sie experimentell, dynamisch und als Loslösung von Früherem gedacht – und kalkulierten ihre eigene Veralterung durch technischen Fortschritt ein. Jetzt wendet auf sie der Denkmalschutz Regeln an, die für überzeitlich konzipierte Monumente vormoderner Zeiten erdacht waren. Damit konserviert er, was am allerwenigsten zum Konservieren gedacht war. Aber das rosa-blaue Bild ist so extravagant, dass der Nebenwiderspruch dahinter verblasst.

Immer Meer

Wilfried Köhnemann begann vor 57 Jahren mit der Schiffsplanung – und betreibt sie noch im hohen Alter Text: Nils Hille Als dieser Hamburger Architekt sich 1957 selbstständig machte, hatte er noch eine ganz andere Vorstellung, wohin die beruf­liche Reise gehen sollte. Die Gestaltung von Möbeln, vor allem die von Stühlen, hatte es Wilfried Köhnemann angetan. Nach dem Studium konnte er für die Zeitschrift „Schöner Wohnen“ Einrichtungen zeichnen. Dann bekam er in der ARD zwei eigene TV-Formate, wie er erzählt: „In der ersten deutschen Do-it-yourself-Sendung und in der Beratungssendung ‚Unser Heim‘ hab ich den Zuschauern Tipps zum Selberbauen gegeben.“ Die Resonanz war riesig. Zu jeder der zehn Ausstrahlungen pro Jahr bekam Köhnemann unzählige Zuschriften. So hielt sich „Unser Heim“ zehn Jahre, bis 1969, auf dem Bildschirm. Nebenher entwarf Köhnemann, ganz wie erträumt, ­Möbel. Und er konnte unter anderem Mitte der 1970er-Jahre große Räume, wie einen Konferenzsaal für den Beiersdorf-Konzern in Hamburg, gestalten und ausstatten. Auf der Werft: Planung, Bau und Innenausstattung eines Kreuzfahrtschiffs folgen einem strengen Zeitplan. Denn schon lange vor dem Stapellauf beginnt die Vermarktung. Foto: AID Das war schon viel mehr als erhofft – aber dann suchte Hapag-Lloyd einen freiberuflichen Architekten, der sich mit anderen Planern um die Innengestaltung ihrer Schiffsräume kümmern sollte. „Ich war erst einmal der Neuling im Team und keiner nahm mich so richtig für voll. Erst als sie meine Entwürfe für das Restaurant und das ­Theater sahen, wurden meine Fähigkeiten anerkannt“, erinnert sich Köhnemann. Er hatte sich die Bereiche aussuchen dürfen, für die er die Gestaltung übernahm. „Da habe ich natürlich die Räume genommen, in denen es die meisten Stühle geben sollte – und in denen ich eigens entworfene Sitzmöbel platzieren konnte.“ Doch zugleich bekam er das Treppenhaus, das über elf Decks führte. Von den rund laufenden Handläufen war er gestalterisch gar nicht begeistert. Dass diese aber zur Sicherheit an Bord „mehr als nötig sind“, erlebte er bei der Jungfernfahrt des Schiffes, das in einen heftigen Sturm vor Casa­blanca kam. „Da schossen im Restaurant die Teller aus den Wärmeboxen und die Fernseher durch den Raum.“ Köhnemann nahm es mit Humor: „Anschließend wussten wir genau, was wir richtig geplant hatten und an welchen Stellen wir dringend nachbessern mussten.“ Die Belastbarkeit auf hoher See ist eine der entscheidenden Komponenten für die Innenraumgestaltung von Kreuzfahrtschiffen. „Nichts darf entflammbar sein, leicht zu Bruch gehen können oder schnell Abnutzungserscheinungen bei der dauerhaften Belastung aufweisen“, erklärt Köhnemann. Über die Jahre konnte er spezielles Wissen für jede typische Raumsituation auf einem Kreuzfahrtschiff sammeln – und wurde damit zu einem der wichtigsten Ratgeber und Dienstleister für die Reederei, die jedes ihrer schwimmenden Hotels alle zwei Jahre generalüberholt. „Dabei wird auch immer etwas gestalterisch verändert, selbst wenn das noch gar nicht erforderlich ist. Der wohlsituierte Gast erwartet, dass er immer wieder etwas Neues entdecken kann.“ Durch zähe Überzeugungsarbeit gelang dem Architekten meistens die detailgetreue Umsetzung seiner Ideen – trotz hohen Kostendrucks. Etwa beim vier Meter breiten Teppich, den damals nur eine englische Firma produzieren konnte und der anstelle der 90 Zentimeter breiten Standardware aus Neuseeland kam. Auch die Fliesen für die Säulen im Schwimmbad sollten ihre ganz spezielle Form haben, durften aber nicht schwerer sein als gewöhnliche, da sich das Gesamtgewicht des Schiffs nicht ändern darf – jedes Kilogramm kostet Sprit. Bei aller Liebe zum gestalterischen Detail sieht sich der Hamburger immer als einer von mehreren Dienstleistern: „Es geht bei erfolgreichen Kreuzfahrtschiffen ganz klar auch um die Architektur. Aber der perfekte Service und sehr gutes Essen sind ebenso wichtige Erfolgsfaktoren. Hier muss einfach das Zusammenspiel funktionieren, damit die Gäste zu Stammgästen werden.“ 35 Jahre lang hat Köhnemann für die Innenarchitektur von Schiffen der Hapag-Lloyd-Flotte gesorgt – immer als freier Planer mit eigenem Büro, denn anstellen lassen wollte er sich nie. Zu seinen Blütezeiten hatte er 30 Mitarbeiter; heute agiert der mittlerweile 81-Jährige allein. Die Verantwortung für andere sei ihm im hohen Alter zu groß, sagt er. Für die neuesten großen Bau- und Umbauaufträge hat er der Reederei andere Büros empfohlen. Doch als Einzelkämpfer, frei beschäftigt versteht sich, bleibt er weiter an Bord und genießt jeden Auftrag, mal als Berater für die Schifffahrts-Unternehmen, mal auch in ganz anderer Funktion bei einem Anbau an ein Hotel. „Ich bekomme immer wieder Aufträge. Was wäre auch die Alternative? Im Garten sitzen? Nein, das allein kann ich nicht. Da würde ich dann auch wieder etwas planen und anbauen.“

„Egoisten auf großer Fläche“

Hervorgehoben

Wenn es nach Daniel Fuhrhop geht, ist der totale Baustopp von Berlin-Tempelhof Vorbild für ganz Deutschland. Der frühere Architekturbuch-Verleger zeigt, wie fundamentale Neubau-Gegner denken Interview: Roland Stimpel DAB: Bauen ist grundsätzlich falsch, so die Entscheidung über den früheren Flughafen Berlin-Tempelhof.   Daniel Fuhrhop: Der Berliner Volksentscheid zeigt eine grundsätzlich kritische Haltung gegenüber Neubau. Die sehe ich auch anderswo. Daniel Fuhrhop, ehemaliger Architekturbuch-Verleger, betreibt den Blog „Verbietet das Bauen“ und fordert ein gesellschaftliches Umdenken im Umgang mit baulichen Ressourcen. Meist bei Leuten, die nicht ganz schlecht wohnen. Aber was wird zum Beispiel in Berlin aus den 40.000 zusätzlichen Einwohnern, die die Stadt jedes Jahr bekommt? Bei etwa gleicher Einwohnerzahl wie vor 25 Jahren haben wir in Berlin wie in ganz Deutschland heute viel mehr Wohnungen als damals. Da stellt sich vor allem die Frage, wie Menschen zusammenwohnen. Jeder Einzelne ist gefragt, sich zu überlegen, wie er wohnt und wie viel Fläche er braucht. Es kann auch befreiend sein, das zu reduzieren. Sollen die Zuziehenden warten, bis die anderen freiwillig verzichten? Es gibt nicht nur Egoisten, die auf großer Fläche wohnen möchten. Viele sind offen, in anderen Formen zusammenzuwohnen und Fläche zu sparen. Aber sie tun es nicht, auch wenn sie könnten. Bisher müssen Einzelne solche Wohnprojekte durchkämpfen. Die Politik sieht die Chancen nicht, die sich in neuen Formen des Wohnens verbergen. Zum Beispiel das sogenannte Wohnen gegen Hilfe, bei dem Studenten bei Senioren leben und ihnen dafür im Alltag helfen. Das gibt es doch längst. Ja, aber das müsste viel mehr gefördert werden. Da muss man Berater hinsetzen, die mit denen sprechen, die viel Platz haben und jemanden bei sich aufnehmen könnten, und die mit Studierenden sprechen, die an so etwas Interesse haben. Ich bin sicher, da würden in vielen Fällen Menschen zusammenziehen. Längst nicht so viele, wie neu in die großen Städte ziehen – und vor allem in die Innenstädte wollen. Es kann nicht jeder 200 Quadratmeter in der City haben. Gerade bei Zuziehenden sind die Wünsche nach bestimmten Stadtbezirken auch von Klischees geprägt. Man kann auch in Randgebieten gut leben, in Berlin zum Beispiel in Spandau oder Marzahn. Es gibt überall schöne Ecken. Auch die Gesellschaft hat etwas vom Innenstadt-Wohnen. Da lebt man freiwillig enger als Eigenheimer im Vorort, und das wollen Sie ja. Aber gerade drinnen brauchen wir neue Wohnungen. Die brauchen wir nicht, weder am Rand noch in der Innenstadt. Im Bestand ist das alles zu bewältigen. Dazu ist ein großes Umdenken nötig. Sollen Wohnungssuchende unter der Brücke leben, bis das Umdenken einsetzt? Ich habe nicht den Eindruck, dass Tausende das tun müssen. Das scheint durchaus gut zu funktionieren. Welche Botschaft haben Sie für die Architekten, die heute zur Hälfte vom Neubau leben? Es bräuchte eine Leistungsphase null, in der Architekten potenzielle Bauherren darin beraten, was sie wirklich brauchen. Dabei kann auch herauskommen, dass ihre Wünsche ohne Neubau erfüllbar sind. Das muss natürlich angemessen honoriert werden. Schließlich profitiert der andere davon, dass er viel Geld für einen teuren Neubau spart. Das gibt es doch längst. Aber noch öfter kommen beide zu dem Schluss: Es muss ein Neubau her. Das sollte und wird sich ändern. Zusammengefasst: In unseren Köpfen und unserem Sozialleben, bei Architekten, in Politik und Immobilienwirtschaft muss sich alles ändern – Hauptsache, das Raumvolumen bleibt gleich? Ja. Ich bin überzeugt, wir können mit den vorhandenen Häusern auskommen. Nicht nur in Berlin, sondern überall. Daniel Fuhrhop bloggt zum Thema unter: www.verbietet-das-bauen.de

Qualität im Wohnungsbau

Wie sich ein hohes baukulturelles Niveau im Wohnungsbau auch unter Bedingungen eines angespannten und heiß laufenden Marktes erhalten lässt Text: Karin Loosen Karin Loosen, Präsidentin der Hamburgischen Architektenkammer. Foto: Privat Je knapper Wohnungen in einer Region sind, desto größer ist die Gefahr, dass beim Neubau die Qualität leidet. Bei Anbietern ist der Zeitdruck oder die Verlockung rasch zu erzielender Erträge groß; Nachfrager machen notgedrungen Abstriche bei Gestalt und Gebrauchswert. Dem müssen wir gerade in Zeiten mit starker Bautätigkeit vorbeugen. In Hamburg ist der Wohnungsmarkt besonders angespannt. Entsprechend ehrgeizig ist die Zielmarke des Senats von 6.000 Neubauwohnungen pro Jahr, die 2013 erstmals überschritten wurde. Die Hamburgische Architektenkammer sieht es als ihre Aufgabe an, dass dieses quantitative Ziel auf baukulturell hohem Niveau erreicht wird. Aus diesem Grund beteiligen sich viele engagierte Mitglieder, aber auch wir als Kammer intensiv an Verfahren und am öffentlichen sowie fachöffentlichen Diskurs, zum Beispiel auf den Wohnungsbaukonferenzen in den Hamburger Bezirken und für Gebiete mit besonderen Potenzialen und großem Diskussionsbedarf. Ein wichtiges Instrument zur Qualitätsverbesserung ist das Bündnis für das Wohnen in Hamburg, das zwischen dem Senat, den Vertretern öffentlicher und privater Bauherren sowie von Mietern getroffen wurde und das auch wir unterstützen und kritisch begleiten. Die Bündnispartner verpflichten sich, auf ihren jeweiligen Aktionsfeldern den Rahmen für einen hochwertigen und nachhaltigen Wohnungsbau zu schaffen. Zentrale Voraussetzung dafür sind qualifizierte Wettbewerbe. Wir haben uns intensiv und erfolgreich dafür eingesetzt, dass sie so häufig wie möglich auch im Wohnungsbau ausgelobt werden. Wettbewerbe sind nunmehr Standard in größeren Entwicklungsgebieten, in schwierigen städtebaulichen Kontexten und generell bei Projekten ab etwa 50 Wohnungen. Sie sind der wichtigste Schlüssel zur Hebung der Qualität. Die Auslobung führt Bauherren, Behörden und Politik frühzeitig zusammen und befördert einen grundsätzlichen Konsens über Ziele und Inhalte; die Wettbewerbsbeiträge bringen immer wieder Lösungen hervor, deren besondere Qualitäten zuvor nicht im Fokus waren oder nicht erreichbar schienen. Zwar handelt es sich um Wettbewerbe mit beschränkter Teilnehmerzahl, doch wir engagieren uns immer wieder dafür, dass sie kein „closed shop“ für die immer gleichen Teilnehmer sind, sondern über Quoten auch jüngeren Büros offenstehen. Natürlich sind wir in der komplexen Realität fern von einem planerischen Idealzustand. Defizite sehen wir in der immer noch zu geringen ressortübergreifenden Zusammenarbeit der Behörden – vor allem im Vorfeld des Bauens. Hier gibt es ein vielstimmiges, aber nicht immer stimmiges Konzert von Meinungsäußerungen. Wir wünschen uns im Interesse der Verfahrensqualität stärker institutionalisierte Verfahren in dieser „Leistungsphase null“, die der Klärung der Aufgabe und des beabsichtigten Leitbilds dient und Bürgerwünsche einbezieht. Es kann auf einem so konfliktträchtigen Feld wie dem innerstädtischen Wohnungsbau keinen völligen Konsens geben – schon gar nicht in einer demokratischen Stadtgesellschaft. Aber es lässt sich viel dafür tun. Das ist eine besondere Chance für unseren Berufsstand mit seinem kreativem Potenzial sowie seiner interdisziplinären Kompetenz als Partner und Qualitätssicherer einer hochwertigen Architektur- und Stadtentwicklung. Ziel ist, dass der häufige Dissens zwischen Stadt, Bauherren und Bürgern nicht zu kräftezehrenden Konflikten und Stillstand führt, sondern dass er für Lösungen fruchtbar gemacht wird, mit denen alle Beteiligten gut leben können. Karin Loosen ist Präsidentin der Hamburgischen Architektenkammer

Wasser-Wissen

Passend zum Schwerpunktthema dieses Monats ist der „Ratgeber Regenwasser“ neu erschienen, herausgegeben vom Architekten Klaus W. König aus Überlingen. Die 33-seitige Broschüre enthält Beiträge von 14 Experten unter anderem zu Regenwasser-Großanlagen, zur naturnahen Wasser-Bewirtschaftung und zur frostfreien Verlegung von Zu- und Überlaufleitungen. Klaus W. König (Hrsg.): Ratgeber Regenwasser. Mall Verlag, Donaueschingen 2014, 33 Seiten, 12 Euro       Hinten die Altstadt, vorn die Spundwand oder der Betonwall mit eisernen Fluttoren – da geht die ganze Romantik kaputt. Doch Hochwasser- und Denkmalschutz sind vereinbar, wie das Buch an vielen Beispielen zeigt. Es muss nicht immer Beton sein: Verstärkte historische Mauern, flutsichere Häuser direkt am Ufer, grasbewachsene Deiche oder mobile Schutzelemente tun es auch. Heiko Lieske, Erika Schmidt, Thomas Will: Hochwasserschutz und Denkmalpflege. Fraunhofer IRB Verlag 2012, 308 Seiten, 49 Euro       Das vor vier Jahren erschienene Buch ist nach wie vor Standard, mit seinem breiten Themenspektrum vom Hausboot bis zum Hochwasserschutz. Wegen der Fülle und Vielfalt der Themen geht die Darstellung allerdings manchmal nicht allzu tief. Als Einführung ins Thema eignet sich das Buch gut, als Informations- und Anregungsquelle für Planungsdetails weniger. Heiner Haass (Hrsg.): StadtWasser. Wasserkonzepte für die Stadtgestaltung. Fraunhofer IRB Verlag 2010, 221 Seiten, 69 Euro

Neue Baukosten-Bücher

Gleich drei Publikationen sind beim Baukosteninformationszentrum deutscher Architektenkammern (BKI) neu erschienen. Das Werk „BKI Baukosten Gebäude 2014 – Teil 1“ bietet auf 806 Seiten statistische Kostenkennwerte, hilft bei der sicheren Baukosten-Ermittlung und kostet 109 Euro. „BKI Baukosten Bauelemente 2014 – statistische Kostenkennwerte (Teil 2)“ umfasst 798 Seiten, enthält zu zahlreichen Elementen mehr als 23.000 Kennwerte zur Kostenermittlung und kostet 79 Euro. Im Titel „BKI Baukosten Positionen 2014“ finden sich über 2.500 Positionen zu 45 Leistungsbereichen; er empfiehlt sich laut BKI als „umfassendes Nachschlagewerk für Ausschreibung und Vergabe von Neu- und Altbauten“. Er umfasst 847 Seiten und kostet 909 Euro. www.baukosten.de

Zu wenig Berater?

Genau 8.149 Berater waren am 9. Mai in die sogenannte Energieeffizienz-Expertenliste für Förderprogramme des Bundes eingetragen, davon 18 Prozent Architekten und 39 Prozent weitere Ingenieure. Das ergab eine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Christian Kühn. Nur wer auf der Expertenliste steht, darf seit dem 1. Juni als Berater und Sachverständiger für KfW-Förderprogramme tätig werden. Die Bundesarchitektenkammer befürchtet, dass wegen der Kosten und des aufwendigen Verfahrens zur Aufnahme in die Liste Beratungslücken entstehen und Projekte des energieeffizienten Bauens sich verzögern können. Sie bleibt deshalb mit den zuständigen Ministerien im Gespräch, um den Zugang qualifizierter Architekten zu geförderten KfW-Projekten wieder zu erleichtern.

Autoproduktive Stadtlandschaft

Die Staus im Ruhrgebiet sind schlimm genug. Aber jetzt kommen Künstler und überhöhen sie ästhetisch Text: Roland Stimpel Illustration: Ernst Merheim Seit nunmehr 88 Jahren wird am sogenannten Ruhrschnellweg geplant und gebaut, verbreitert, überbrückt und untertunnelt. Theoretisch wird er immer autofreundlicher; praktisch lockt er mit jeder Ausbaustufe mehr Fahrer in die Staufalle. Täglich stellt der Verkehrsfunk seinen Sinn infrage. Je langsamer der Schnellweg, desto mehr hauptberufliche Sinnstifter möchten dem Betonband eine höhere, am liebsten ästhetische Aura verleihen. Darum bemüht sich zum Beispiel ein Gestalthandbuch, mit dessen Hilfe der Stop-and-go-Fahrer die Straße „als Bühne der Region erleben“, „städtische Vielfalt“ und „inszenierte Zugänge genießen soll“. Die Mittel sind vor allem grün: abgasfeste Säuleneichen, an der Seite „vegetative Rippen“ und „farblich dezente, im grünen Farbspektrum gestaltete Lärmschutzwände“. Aber das reicht noch nicht. In diesem Sommer macht sich ein Verbund namens „Urbane Künste Ruhr“ über die Straße her, veranstaltet an der A 40 ein Spaghettiessen neben dem Spaghettiknoten von Duisburg-Kaiserberg, einen „Boxenstop bei Gott“ an der Autobahnkirche sowie ein „diskursives Picknick zur energetischen Lage des Ruhrgebiets“. Damit das niemand zu locker nimmt, intellektualisieren es die Urbankünstler in einem Text, der noch länger und zäher ist als jeder Ruhrgebiets-Stau. Das Werk durchquert ein „polypolitisches Feld“ und eine „diskursive Schnittstelle“; es fragt die Wiese hinter der Leitplanke: „Können sich sogenannte ,Vernakuläre Landschaften‘ eigene Ziele setzen?“ Es besingt „Kooperationen auf Augenhöhe zwischen Kunst und Kontext, Interdisziplinarität und Kontinuität“. Und zum Finale lobt es die „autoproduktive Stadtlandschaft als sich stetig eigenständig entwickelnder Organismus, der sich selbst aktualisiert und die interdisziplinäre Arbeit von Kunst, Kontext, Bevölkerung und Stadtplanung in eine neue Zukunft führt“. Ach ja, die Bevölkerung. Sie hat schon ganz anderen Smog überlebt. Unbeeindruckt vom Ausstoß der verbalen Heißluft harrt sie aus, zumal sie weiß: „A 40 – woanders is auch scheiße.“ Das sagt ein Autoaufkleber, der hier gern durch den Stau kutschiert wird. In feinerem Hochdeutsch: Urbankünstler sind leider überall.

Tradition und Transparenz

Hervorgehoben

Foto: Konermann Siegmund Altstadt-Weiterbau und zeitgenössische Transparenz müssen keine Gegensätze sein. Das zeigt das Ulrich-Gabler-Haus im Lübeck vom dort und in Hamburg ansässigen Büro Konermann Siegmund. Es dient einer Stiftung für Behinderte und bietet Büros; im Boden waren mittelalterliche Kellerreste zu erhalten. Ab dem ersten Stock aufwärts zeigt das Haus traditionelle Fensterformate und Spitzgiebel in der traditionellen Parzellengliederung. An der Nordseite ordnet es sich gelassen der am Straßenende sichtbaren Marienkirche unter. Und an der Ecke zu deren Vorplatz zeigt es sich im Erdgeschoss gegenwärtig: Um die alten Keller im neuen Keller zu zeigen, ist die Fassade hier durchgängig verglast – nach frühmodernem Vorbild sogar um die Ecke. Hinterm Glas kontrastieren schräg gestellte Stützen aus Sichtbeton mit dem heimeligen, von Klinkern geprägten Bild der Außenfassade.

Gewinnen mit Beton

Besucherzentrum am Herkules, Kasse, Foto: Jens Achtermann

Gleich vier Büros haben den Architekturpreis Beton 2014 gewonnen: Barkow Leibinger für den Tour Total in Berlin, Burger Rudacs für einen Umbau in der TU Chemnitz, Hess Talhof Kusmierz für die Grundschule am Arnulfpark in München und das Büro Koeberl Doeringer für das „Haus über der Gasse“ in Passau. Anerkennungen erhielten augustinundfrank für ein Wohnhaus in Bad Saarow und zanderroth für eines in Berlin-Mitte, Staab Architekten für das Besucherzentrum am Herkules in Kassel (Foto 1) sowie Peter Böhm für das Museum Ägyptische Kunst in München (Foto 2). Eine gesonderte ­­Anerkennung erhielt der Fachbereich Architektur der TU Kaiserslautern für das Versuchs- und Forschungsgebäude „Weinberghaus“.

Kein schriftlicher Vertrag – trotzdem Honoraranspruch

Wann ein Bauherr zahlen muss, auch wenn er den Auftrag nicht ausdrücklich erteilt hat Text: Sinah Marx Ein Architekt kann auch ohne schriftlichen Vertrag Anspruch auf Honorar haben – zum Beispiel dann, wenn der Bauherr ihm eine Vollmacht zur Verhandlung mit Behörden und zur Klärung der Genehmigungsfähigkeit einer Planung erteilt und vom Architekten erstellte Pläne sowie eine Bauvoranfrage unterschreibt. So urteilte das Kammergericht Berlin am 28.12.2010 (Az. 21 U 97/09), bestätigt durch Beschluss des BGH vom 29.4.2013 (Az. VII ZR 32/11). Der Bauherr hatte bestritten, für Bauvorhaben Aufträge erteilt zu haben. Es habe sich zunächst um kostenlose Akquiseleistungen gehandelt, die er nur dann hätte vergüten wollen, wenn die Finanzierung klar sei, zumindest die Erteilung eines positiven Bauvorbescheides in Aussicht gestellt sei und er schriftlich eine Honorierung zugesagt habe. Es fehle mithin an einem Vertrag, weswegen ein Honoraranspruch für die Leistungen schon dem Grunde nach nicht bestehe. Die Gerichte nehmen hier jedoch einen Vertragsschluss an. Maßgeblich seien allein die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Danach kann ein Vertrag auch durch schlüssiges („konkludentes“) Verhalten zustande kommen, ohne dass eine besondere Form eingehalten werden muss. Indem der Bauherr die Architektenleistungen nutzte, habe er zu erkennen gegeben, dass er diese wollte. Darüber hinaus habe er nicht davon ausgehen können, der Architekt erbringe seine Leistungen unentgeltlich  – denn dies entspreche nicht der Üblichkeit. Die Entscheidung macht deutlich, was in der Praxis oft verkannt wird: Architektenverträge sind regelmäßig auch dann wirksam, wenn sie nicht schriftlich  – und sogar dann, wenn sie nicht ausdrücklich geschlossen wurden. Dennoch empfiehlt sich aus Gründen der Rechtssicherheit und der späteren Beweisbarkeit des Vertragsschlusses und einzelner Absprachen stets die Schriftform. Obwohl der Vertragsschluss unabhängig von den Regeln der HOAI erfolgt, sei hier darauf hingewiesen, dass die HOAI 2013 für viele Fälle Schriftformerfordernisse vorsieht (den Beitrag finden Sie hier, oder im DAB 2/2014, Seite 44). Dies gilt insbesondere für eine Abweichung vom Mindestsatz und eine pauschale Abrechnung von Nebenkosten. Etliche der schriftlich zu treffenden Vereinbarungen nach HOAI sind allerdings erst nach Vertragsschluss und so lange möglich, wie noch keine Schlussrechnung übergeben wurde. Auch in einem weiteren Punkt können schriftliche Vereinbarungen Klarheit schaffen: Wo endet die unentgeltliche Akquise, wo beginnt die honorarauslösende Beauftragung? Das ist häufig im Nachhinein kaum nachzuvollziehen. Schon deshalb empfiehlt sich eine explizite schriftliche Absprache vor Beginn der Tätigkeit. Sinah Marx ist Rechtsreferentin in der Hamburgischen Architektenkammer

Architekten gewinnen Bauherren-Preis

Der KfW-Award „Bauen und Wohnen“ zeichnet Hauseigentümer für gelungene und engagierte Einzellösungen aus – und immer wieder gewinnen Architekten mit Projekten für den Eigenbedarf. So auch 2014 beim Thema „Reihenhaus“, wo von fünf Preisen drei an Architekten-Bauherren gingen. Siegerin wurde Michelle Howard, Büroinhaberin von constructconcept in Berlin. Gemeinsam mit Nachbarn realisierte sie ein höchst eigenwilliges Doppelhaus mit ineinander verschachtelten Teilen sowie unorthodoxen Raumfiguren und Materialien. Den dritten Preis gewann der Tübinger Bernd Wezel für seinen Neubau im Mühlenviertel, den vierten der Frankfurter Cornelius Boy für seine sensible Modernisierung eines Hauses von Ernst May. Zweimal waren Architekt und Bauherr nicht identisch: Den zweiten Preis erhielt eine Altbausanierung in Lübeck, geplant von Tobias Mißfeldt und Hauke Kraß. Mißfeldt hatte mit seinem eigenen Haus den KfW-Award 2011 gewonnen. Den Entwurf für den fünften Preis, eine Lückenschließung in Bitburg, lieferte Johannes Götz aus Köln zusammen mit Guido Lohmann.

Fantasie im Fluss

Foto: Petra Steiner Wikingerschiff, Schwanenkopf, Dinosaurier-Skelett – beim Anblick des Salzburger Wasserkraftwerks Sohlstufe Lehen lässt sich vieles assoziieren. Die ortsansässigen Architekten Max Rieder und Erich Wagner sehen in dem Bau die Energie des Wassers gespiegelt und denken an sich aufbäumende Wellen. Die Turbinen erzeugen Strom für 23.000 Haushalte. Die Brücke, die das Ganze zusammenhält, ist öffentlich zugänglich; an den Ufern gibt es neue Fuß- und Radwege. Parallel zum Kraftwerk verläuft ein Kanal, durch den Fische die Salzach hinauf- oder hinabschwimmen können. Das Kraftwerk nimmt gestalterisch auch Rücksicht auf die Salzburger Altstadt, die UNESCO-Weltkulturerbe ist.

HOAI: kein Dumping per Baukosten-Vereinbarung

Seit der HOAI 2009 konnten Architektenhonorare auf der Grundlage einer Baukostenvereinbarung berechnet werden. Dies erklärte jetzt der Bundesgerichtshof für unzulässig. Betroffene Honorarverträge können nachgebessert werden Text: Holger Matuschak Mit der HOAI-Novelle 2009 wurde eine völlig neue Regelung eingeführt: Abweichend von der regulären Honorarermittlung sollte es zulässig sein, schriftlich bei Auftragserteilung zu vereinbaren, das Honorar auf der Grundlage der anrechenbaren Kosten einer Baukostenvereinbarung zu berechnen. Dabei sollten nachprüfbare Baukosten einvernehmlich festgelegt werden. Die betreffende Norm des § 6 Abs. 2 wurde in die aktuell gültige HOAI 2013, und zwar in § 6 Abs. 3, unverändert übernommen. Mit Urteil vom 24.04.2014 hat der Bundesgerichtshof (BGH) dieses sogenannte Baukostenvereinbarungsmodell überprüft und festgestellt, dass es von der gesetzlichen Ermächtigungsgrundlage nicht gedeckt und damit unwirksam sei (VII ZR 164/13). Im vorliegenden Fall war auf der Grundlage geschätzter Baukosten für die Objektplanung und Tragwerksplanung im Jahr 2009 ein Honorar vereinbart worden. Von den damals geschätzten Baukosten wich aber die im Rahmen der Vertragserfüllung erstellte Kostenberechnung deutlich ab. Der Auftraggeber weigerte sich später, das über die ursprüngliche Vereinbarung hinausgehende Honorar, das der Architekt nach dem Mindestsatz mithilfe der Kostenberechnung ermittelte, nachzuzahlen. Der Architekt klagte sein Mehrhonorar ein. Der BGH gibt dem Architekten recht und stellt fest, dass ihm ein gegenüber der ursprünglichen Vereinbarung erhöhter Honoraranspruch zumindest dem Grunde nach zustehe. Preisrechtlich entscheidender Maßstab sei § 6 Abs. 1 HOAI 2009, wonach das verordnungsgemäße Honorar zwingend auf der Basis einer vorliegenden Kostenberechnung zu ermitteln sei. Auf dieser Grundlage seien auch die verbindlichen Mindest- und Höchstsätze preisrechtlich zu ermitteln. Mit der Regelung in § 6 Abs. 2 HOAI 2009 verstoße der Verordnungsgeber nach Auffassung des BGH gegen die gesetzliche Ermächtigungsgrundlage – den Artikel 10 § 1 Abs. 2 Satz 1 und § 2 Abs. 2 Satz 1 des sogenannten Mietrechtsverbesserungsgesetzes, auf dem die HOAI beruht. Diese Ermächtigungsgrundlage enthalte die Vorgaben, nach denen für Architekten- und Ingenieurleistungen in der Honorarordnung Mindest- und Höchstsätze verbindlich festzulegen seien. Die fragliche Regelung (§ 6 Abs. 2 HOAI 2009) aber gebe den Parteien die Möglichkeit, das Honorar auch auf der Grundlage einer einvernehmlichen Festlegung von Baukosten unterhalb der Mindestsätze und oberhalb der Höchstsätze zu vereinbaren, sodass durch eine derartige Abrede die Unterschreitung von Mindestsätzen ohne Vorliegen eines Ausnahmefalles (siehe § 7 Abs. 3 HOAI 2009/2013) möglich werde. Schranke gegen die Unterschreitung Die gesetzliche Regelung über den verbindlichen Mindestsatz habe hingegen den Zweck, zum Schutz des Berufsstandes der Architekten und Ingenieure eine wirksame Schranke gegen eine Unterschreitung der Mindestsätze zu schaffen. Die Mindestsätze sollen laut BGH insbesondere dazu dienen, den vom Gesetzgeber gewollten Qualitätswettbewerb zu fördern und einen ungezügelten, ruinösen Preiswettbewerb zu unterbinden. Durch diesen würde nämlich die wirtschaftliche Situation für Architekten und Ingenieure beeinträchtigt und damit auch die Qualität der Planung und die unabhängige Stellung des Planers zwischen Bauherrn und Unternehmer. Eine solche Vorgabe in der HOAI-Ermächtigungsgrundlage sei auch verfassungsrechtlich unbedenklich, weil die Sicherung und die Verbesserung der Qualität der Tätigkeit eines Architekten oder Ingenieurs ein legitimes gesetzgeberisches Ziel darstellten. Zu dessen Herbeiführung seien die verbindlichen Mindestsätze der HOAI geeignet, weil sie den Architekten und Ingenieuren jenseits von Preiskonkurrenz den Freiraum schafften, hochwertige Arbeit zu erbringen, die sich im Leistungswettbewerb der Architekten und Ingenieure bewähren müsse (siehe dazu den vom BGH in Bezug genommenen Beschluss des Bundesverfassungsgerichts in: Baurecht 2005, 1946). Die entsprechende gesetzliche Ermächtigung – so der BGH in seiner Urteilsbegründung – zwinge daher den Verordnungsgeber, in der HOAI ein für Architekten und Ingenieure auskömmliches Mindesthonorar festzusetzen, das durch Vereinbarung lediglich in wenigen und bestimmten Ausnahmefällen unterschritten werden könne. Diese Ermächtigung lasse keine Regelung in der Honorarordnung zu, nach der das Honorar frei unterhalb des auskömmlichen Mindestsatzes vereinbart werden könne, obwohl gerade kein Ausnahmefall vorliege. Ein Verstoß gegen die Ermächtigungsgrundlage liege aber nicht nur dann vor, wenn das Honorar ohne Weiteres frei unterhalb des Mindesthonorars verhandelt werden könne, sondern auch dann, wenn zumindest diejenigen Faktoren frei ausgehandelt werden könnten, welche die Berechnung des Mindesthonorars bestimmten. Denn es mache in der Sache keinen Unterschied, ob das Honorar ohne Rücksicht auf diese Honorarfaktoren unterhalb des Mindesthonorars vereinbart werde oder ob die Mindesthonorar-Unterschreitung dadurch bewirkt werde, dass innerhalb des in der HOAI vorzusehenden Berechnungssystems für die Ermittlung des Mindesthonorars freie Vereinbarungen getroffen werden könnten, die im Ergebnis schließlich zu einer Mindestsatzunterschreitung führten. Mit der in § 6 Abs. 1 HOAI 2009 getroffenen Regelung habe der Verordnungsgeber die von der Ermächtigungsgrundlage geforderte Festsetzung der Mindest- und Höchstsätze vorgenommen. Er habe den Mindestsatz an eine Berechnung geknüpft, in der die anrechenbaren Kosten auf der Grundlage der Kostenberechnung, hilfsweise der Kostenschätzung, maßgebend seien. Er habe vorgesehen, dass die anrechenbaren Kosten in einer bestimmten Weise zu ermitteln seien (siehe § 4 HOAI 2009/2013). Auf diese Weise ergebe sich ein objektiv feststehendes Mindesthonorar für Architekten und Ingenieure, das ein auskömmliches Einkommen sichern solle. Der Verordnungsgeber sei aber nicht ermächtigt, seine Verpflichtung zur Festlegung grundsätzlich nicht verhandelbarer Mindestsätze – zumindest mittelbar – dadurch zu umgehen, dass er verbindliche Vereinbarungen über die einzelnen Faktoren des Honorars zulasse. Daher entspreche § 6 Abs. 2 HOAI 2009 nicht der Ermächtigungsgrundlage und sei infolgedessen unwirksam. In der Entscheidung stellt der BGH auch ausdrücklich die Übereinstimmung der betreffenden Regelung in der HOAI 2009 mit derjenigen in der HOAI 2013 fest. Deshalb ist davon auszugehen, dass der BGH den aktuell gültigen § 6 Abs. 3 HOAI 2013 gleichermaßen für unwirksam erachtet. Der BGH bestätigt mit seinem Urteil eine wiederholt geäußerte Auffassung auch der Architektenkammern, dass das Baukostenvereinbarungsmodell der HOAI mit der Ermächtigungsgrundlage nicht übereinstimme. Tatsächlich hat es sich in vielen Fällen zu einer „beliebten“ Methode entwickelt, frühzeitig Honorarvereinbarungen zu treffen, die fast regelmäßig im Ergebnis zu einer Unterschreitung der jeweiligen HOAI-Mindestsätze führten. In vielen Vertragsmustern der öffentlichen Hand und auch von professionellen Auftraggebern finden sich seit der Änderung der HOAI 2009 entsprechende Vertragsklauseln, welche die Vermutung des BGH stützen, das Honorarvereinbarungsmodell diene letztlich einer Unterschreitung der Mindestsätze oder fördere sie jedenfalls in beträchtlichem Umfang. Denn – so der BGH – die einschränkende Bedingung in § 6 Abs. 2 HOAI 2009 (genauso wie in § 6 Abs. 3 HOAI 2013), dass für dieses Honorarmodell „noch keine Planungen als Voraussetzung für eine Kostenschätzung oder Kostenberechnung vorliegen“, eröffne gerade bei Vertragsschluss einen weiten Beurteilungs- und Verhandlungsspielraum. Dieser werde auch durch das honorarrechtliche Erfordernis „nachprüfbare Baukosten“ nicht wirklich eingeschränkt. Werkvertragliche Vereinbarung Zu unterscheiden ist – worauf auch der BGH ausdrücklich hinweist – die rechtliche Beurteilung des HOAI-Baukosten­vereinbarungsmodells von den werkvertraglichen Folgen der Festlegung einer Bausumme als sogenannter Beschaffenheitsvereinbarung. Denn immer dann, wenn die Vertragsparteien eine bestimmte Bausumme als Beschaffenheit des geschuldeten Werkes vereinbaren, steht dem Architekten – ungeachtet der tatsächlichen Baukosten – ein Honorar nur maximal in der Höhe zu, wie es sich auf der Grundlage der einvernehmlich vereinbarten Baukostenobergrenze ergibt. Dieses hatte der BGH schon 2003 festgestellt (VII UR 362/01, siehe DAB-Ausgabe 5/2003, Seite 47). Auf diese Weise werden nämlich die Mindestsätze der HOAI nicht preisrechtlich außer Kraft gesetzt, sondern es handelt sich um eine reine vertragsrechtliche Konsequenz daraus, dass der Architekt die von ihm vertraglich akzeptierte Obergrenze der Baukosten überschreitet. Ursache eines solcherart reduzierten Honorars ist dann nicht eine in der HOAI vorgegebene, letztlich jedoch unwirksame Honorarregelung, sondern ein „Werkmangel“ der Architektenleistung im Hinblick auf die vom Architekten vertraglich versprochene Einhaltung einer Kostenobergrenze. (Zu den Risiken einer derartigen Kostenvereinbarung siehe DAB-Ausgabe 9/2012, Seite 36, zu finden auch hier). In seiner aktuellen Entscheidung weist der BGH abschließend noch darauf hin, dass trotz der von ihm festgestellten Unwirksamkeit von § 6 Abs. 2 HOAI 2009 die Vertragsparteien eine Honorarvereinbarung im Rahmen der Mindest- und Höchstsätze wirksam treffen könnten, in der anrechenbare Kosten oder die ihnen zugrunde liegenden Faktoren abweichend im Vertrag festgelegt werden. Eine solche Vereinbarung ist und bleibt allerdings nur dann wirksam, wenn sie nicht dazu führt, dass im Ergebnis die Mindestsätze der HOAI unterschritten oder die Höchstsätze überschritten werden (§ 7 Abs. 1 HOAI 2009/2013). Dies gilt für jegliche Art von Vereinbarung, die von den Prinzipien der HOAI abweicht, also auch für eine Übereinkunft, wonach das Honorar auf der Grundlage des – vom aktuellen Urteil des BGH betroffenen – Baukostenvereinbarungsmodells nach § 6 Abs. 2 HOAI 2009 beziehungsweise § 6 Abs. 3 HOAI 2013 ermittelt werden soll. Dementsprechend muss immer dann, wenn mit einer Honorarvereinbarung die Honorarbemessungsgrundlagen der HOAI verlassen werden oder diese sogar ganz außer Kraft gesetzt werden sollen, geprüft werden, ob die Honorarvereinbarung den verbindlichen Rahmen der Mindest- und Höchstsätze verlässt. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Wirksamkeit der Honorarvereinbarung – wie hier – im Nachgang von einem Vertragspartner bestritten wird. Insoweit ist eine Vergleichsrechnung notwendig. Dabei hat eine Honorarermittlung unter Berücksichtigung sämtlicher Honorarparameter der HOAI zu erfolgen. Stellt sich im Zuge der Vergleichsrechnung heraus, dass sich die Honorarvereinbarung an den einschlägigen Mindest- und Höchstsatzrahmen hält, bleibt sie wirksam. Ist hingegen festzustellen, dass sie den Mindestsatz unterschreitet oder den Höchstsatz überschreitet, ist die Vereinbarung unwirksam. Dann ist unter Berücksichtigung der Vorgaben der HOAI und des Willens der Vertragsparteien herauszufinden, welches Honorar als vereinbart anzusehen ist. Infolgedessen kann auch ein Architekt in der Regel immer dann, wenn er in der Vergangenheit mit seinem Auftraggeber eine Honorarvereinbarung nach dem jetzt für unwirksam erklärten § 6 Abs. 2 HOAI 2009 oder dem identischen § 6 Abs. 3 HOAI 2013 getroffen hatte, sein ihm gegebenenfalls zustehendes Mehrhonorar geltend machen – nötigenfalls auch gerichtlich. Nur sehr selten, nämlich in von der Rechtsprechung eng begrenzten Ausnahmefällen, kann es sein, dass der Auftraggeber insoweit nach dem Grundsatz von Treu und Glauben schutzwürdig ist und sich der Nachforderung erwehren kann. Das Urteil des BGH vom 24.04.2014 beseitigt nicht nur ein honorarrechtliches „Ärgernis“ für Architekten und Ingenieure, sondern betont noch einmal ausdrücklich eines der wichtigsten Ziele des Honorarrechts: dessen qualitätssichernde und die Unabhängigkeit der Berufsausübung von Architekten und Ingenieuren fördernde Wirkung. Dr. Holger Matuschak ist Rechtsanwalt, Justiziar der Hamburgischen Architektenkammer und Vorsitzender des BAK-Rechtsausschusses

Wasser und Würde

Berliner planen im kulturgesättigten Stadtkern ein fröhliches Flussbad. Auch die Dombaumeisterin freut sich auf Schwimmer und Sonnenbadende zwischen Schloss, Museen und ihrer wilhelminischen Kirche Text: Roland Stimpel Zum Kraulen schön: Rendering der ­Flussbad-Initiative mit Schinkels Altem Museum, dem Dom und der künftigen Schlosskuppel. Abbildung: realities:united Berlin ist eine eher unfromme Stadt, leistet sich aber trotzdem gleich zwei Dome: einen katholischen, der hinter der Staatsoper halb versteckt ist. Und einen evangelischen, den baulich heftigsten Auswuchs der wilhelminischen Kaiserzeit: 116 Meter hoch und mit 516 Räumen vollgestopft, vom Architekten Julius Raschdorff in Neo-Renaissance ausgeführt. ­Wegen der gigantischen Dimensionen von Portalen, Fenstern und Pseudo-Stockwerken wirkt er wie aufgeblasen – ein Ventil scheint nötig, um Luft abzulassen. Einen Hauch von Charme verströmt der Dom nur auf seiner östlichen Rückseite: Da steht er direkt am östlichen Arm der hier geteilten Spree; 22 Stufen führen hinunter zu einer kleinen Terrasse direkt über dem Fluss. Dem kommt man im Stadtkern sonst nirgendwo so nah – überall distanzieren ihn hohe Mauern von den Menschen am Ufer. Berlins Dombaumeisterin Charlotte Hopf reicht diese Nähe nicht. Die Architektin kümmert sich hauptberuflich um den baulichen Erhalt sakraler Würde. Nach Feierabend aber tritt sie aus dem westlichen Tor 8 unter ihrem Bauhütten-Büro, geht durch den Lustgarten mit der Schlossbaustelle links und Schinkels Altem Museum rechts und steht nach hundert Metern am westlichen Spreearm. Für diesen Ort betreibt sie mit gut hundert Mitstreitern im Verein „Flussbad Berlin“ das Kontrastprojekt zu der musealen Würde, die die Gegend sonst prägt: Geländer und steile Uferwände sollen fallen, stattdessen flache Treppen her – und ein Flussbad soll geschaffen werden, in dem jedermann im Sommer im Wasser planschen und sich am Ufer sonnen kann. Und das zwischen Bauten von Schinkel, Schlüter, Chipperfield und Julius Raschdorff. Lange Treppe: Die Stufen des Flussbades sollen sich beiderseits der Schloss­brücke erstrecken. Unter der Plattform vor dem Schloss wäre Platz für Umkleide­kabinen und Sanitäres. Abbildung: realities:united Wie passt das zusammen – Würde und Wasserspiele, Barock und vielleicht ein Hauch von Berliner Ballermann? Bestens, meint die Dombaumeisterin: „Nicht zufällig heißt der zentrale Platz zwischen Schloss, Dom und Altem Museum Lustgarten. Da gibt es eine Tradition der Vergnügung.“ Und es gebe eine Tradition der stadtbürgerlichen Raumbesetzung: Schinkels Perspektive vom Obergeschoss seines Museums zum Schloss – „direkt ins Schlafzimmer des Königs, nach den damaligen Maßstäben eine ungeheure Frechheit!“ Ein bisschen Frechheit tue auch heute der Gegend gut, in der sich jedes Haus hochkulturell in die Brust wirft und Eintritt kostet, selbst ihr Dom. „Ein Ort der lockeren Entspannung ist gerade zwischen den Orten der Bildung wichtig.“ Sie nimmt sogar in Kauf, dass die Trinktouristen von ihren Bierbikes absteigen und sich mit den Trinkbrüdern vom Marx-Engels-Forum vereinen könnten. „Gerade hier ist ein Ort nötig, an dem sich jedermann aufhalten kann, ohne dass man etwas besichtigen will und dafür etwas bezahlen muss.“ Es ist eine Aktion gegen ­Verödung: „Wenn ich abends um acht aus dem Dom komme, ist die Gegend tot.“ Davon drohe noch viel mehr, siehe zum Beispiel Paris: „Im Umfeld des Louvre herrscht urbane ­Verwahrlosung. Da geht kein Pariser mehr hin, da gibt es nur noch Touristennepp.“ Charlotte Hopf sieht gerade jetzt die Chance, Steifheit am Spreeufer auf einer Länge von 750 Metern buchstäblich aufzubrechen. Alles ist im Umbruch; zeitgleich wird an einer neuen U-Bahn, am Schloss und davor bald am Freiheits- und Einheitsdenkmal gebaut. Dieses ist auch ein Schlüsselort des Flussbades: Es entsteht auf dem Sockel eines Kaiser-Wilhelm-Denkmals, und dieser Sockel liegt direkt am Fluss und ist hohl. „Der letzte Kaiser hatte da seine Boote. Es ist der ideale Platz für Umkleiden, Duschen und Toiletten.“ Kein Freibad-Hochbau müsse zwischen Zeughaus und Humboldt-Forum platziert werden. Das Berliner Flussbad-Projekt ist nicht nur ein stadtkulturelles, sondern auch ein ökologisches: Die Spree ist heute noch eine temporäre Kloake. Wie vor hundert Jahren hat die Stadt eine gemeinsame Kanalisation für Hausabwasser und Regen. Ist dieser stark, läuft sie über und schwemmt Fäkalien in den Fluss. Um die Spree wenigstens hier badefähig zu machen, wollen die Initiatoren ein Stück weiter oben aus einem steinernen Steil- ein flaches Grün­ufer machen – sie sprechen von „re­naturiertem Altarm“. Charlotte Hopf: „Vorn das Ufer, hinten die Hochhäuser der DDR-Zeit – das wäre geradezu ein bisschen Corbusier-mäßig.“ Ein Stück flussabwärts, aber noch oberhalb der Badestelle, soll eine Reihe von Pflanzenkläranlagen das Wasser filtern – Kiesbecken mit Schilf darin. Außerdem soll es einen Holzsteg über dem Wasser geben und an seiner Unterseite eine kilometerlange Röhre, die bei starkem Regen für kurze Zeit das Wasser aufnimmt und die Überflutung der Kanalisation verhindert. Die Flussbad-Initiative fasziniert nicht nur Architekten, Planer, Kultur- und Umweltfreunde, sondern auch ambitionierte Wasserbau-Ingenieure wie die Professoren Friedhelm und Heiko Sieker. Technische Eingriffe wären allerdings in einem riesigen Gebiet nötig – bis etwa 15 Kilometer flussaufwärts in Köpenick. Die Idee hatten die Architekten und Inhaber des Büros realities:united, Tim und Jan Edler, schon 1997. Doch erst jetzt, da in der historischen Mitte alles in Bewegung ist und zugleich die Umwelt- und Ressourcen-Diskussion an Fahrt gewinnt, verbreitert sich der Boden für das Projekt. 2012 gab es dafür den globalen Holcim-Preis in Bronze und den europäischen in Gold. Auch in Berlins Politik hat es etliche Sympathisanten, auf der anderen Seite bisher keine protestierenden Feinde. Größte Hemmschuhe sind ungelöste technische Fragen, natürlich das Geld sowie die aufwendigen Verfahren – zunächst muss der Spreearm als Bundeswasserstraße entwidmet werden, dann drohen tausend Fragen zu Unfall- und Denkmalschutz, Hygiene und Trägerschaft, Zutritt und Kontrolle. Dafür ist die Hoffnung des Vereins auf Flussöffnung im Jahr 2020 recht ambitioniert. „Man muss sich ja ein Ziel setzen“, meint Charlotte Hopf dazu. Zuspruch bekommt sie auch von Kollegen im Dom. „Wach- und Putzleute freuen sich da richtig drauf. Die sagen zum Baden im Fluss: ,Das haben wir doch früher immer gemacht.‘“

Regel-Guss

Die starken Regenfälle der letzten Jahre schlagen sich jetzt in angepassten Regeln für die Dachentwässerung nieder Text: Klaus Kranz Die Entwässerung von Flachdächern ist in der DIN EN 12056-3, „Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden“, der DIN 1986-100, „Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke“ sowie in den Flachdachrichtlinien – herausgegeben vom ZVDH – geregelt. Mit deren Überarbeitung wird nunmehr dem standortbezogenen tatsächlichen Regenereignis sowie einem möglichen Jahrhundertregen Rechnung getragen. Die neuen Richtlinien gelten für den Neubau wie für den Bestand und erfordern dort teils schwierige Nachrüstungen. Bisher erfolgte die Dimensionierung der Entwässerungsanlagen ausschließlich auf Grundlage einer pauschalen und bundesweit einheitlichen Niederschlags­menge von 300 Litern pro Sekunde und ­Hektar. Basis dieses Regenwasserabfluss-Wertes bilden so genannte mittlere Regenereignisse, die statistisch ermittelt werden. Sie dauern nach DIN 1986-100 fünf Minuten und werden maximal alle fünf Jahre überschritten (Wert der Bemessungsregenspende r5,5). Standort- statt Pauschalwerte Beispiel Entwässerungsplan: Typischer Entwässerungsplan mit Angabe der Gefällerichtung, der Gullys sowie der Notentwässerung über die Fassade. Abbildung: FDT Da die Niederschläge fortlaufend gemessen werden, erfolgt auch eine ständige Aktualisierung der statistisch ermittelten Regenereignisse. Sie werden für jeden Standort berechnet und lösen die pauschale Bemessung ab. Die Standortwerte kann man bei der örtlichen Behörde oder dem Deutschen Wetterdienst erfragen. Größere Städte sind im Anhang A, Tabelle A.1 der DIN 1986-100 aufgeführt. Danach haben zum Beispiel in Berlin, Heidelberg, Kaiserslautern oder Stuttgart die aktuellen Niederschlagsmengen den früheren Pauschalwert deutlich überschritten. Neu ist auch die Aufnahme des so genannten Jahrhundertregens in die Regelwerke. Er dauert ebenfalls fünf Minuten, ist aber statistisch nur alle hundert Jahre zu erwarten (r5,100). Weiterhin sind nach den neuen Regeln Notab- oder -überläufe gefordert. Auf sie kann nur bei Dächern in Massivbauweise verzichtet werden, bei denen Regenwasserrückhaltung durch Begrünung oder Bekiesung planmäßig vorgesehen und statisch nachgewiesen ist. Allerdings ist hierbei die zu erwartende Überflutungshöhe rechnerisch zu ermitteln und mit dem Tragwerksplaner abzustimmen. Im Hinblick auf den Jahrhundertregen muss bei einer Dachfläche mit innen liegender Entwässerung mindestens ein Notüberlauf mit freiem Abfluss über die Fassade angeordnet werden. Ist dies wegen angrenzender Gebäude oder anderer konstruktiver Gegebenheiten nicht möglich, ist die Notüberlauffunktion durch ein zusätzliches Leitungssystem mit freiem Auslauf auf das Grundstück sicher zustellen. Die überarbeiteten Regelwerke unterscheiden nicht mehr zwischen Dachflächen, die bis zu drei Grad oder stärker geneigt sind. Beträgt die Dachneigung null Grad, sind die Abläufe an den Stellen mit maximaler Durchbiegung anzuordnen. Außerdem ist zu den aufgehenden Bauteilen ein Mindestabstand von 30 Zentimetern einzuhalten. Maßgeblich ist dabei der äußere Rand des Flansches. Bei der Berechnung der erforderlichen Anzahl an Dachabläufen sollte die jeweils auf den Gully bezogene Anstauhöhe angesetzt werden. So wird die Höhe bezeichnet, die das Regenwasser bei einem mittleren Regenereignis maximal über dem Gullyflansch stehen darf. Bei einem Gully mit DN 100 beträgt diese zum Beispiel 35 Millimeter. Für die Anzahl der Abläufe wird die Gesamtmenge des Wassers durch die Abflussleistung des Gullys geteilt. Ergibt die Berechnung beispielsweise 14,1 Abläufe, muss entweder auf 15 Stück aufgerundet oder die Anstauhöhe so weit erhöht werden, dass 14 Gullys zur Dachentwässerung genügen. Die höhere Anstauhöhe erfordert jedoch eine reduzierte Überfallhöhe der Notentwässerung. Das ist bei der Planung zu beachten. Außerdem schreibt die Norm eine Halbierung der Überfallhöhe vor, wenn die Notab-/überläufe weiter als 20 Meter auseinanderliegen – zum Beispiel bei einer Kehllänge von mehr als 20 Metern mit stirnseitig angeordneten Notüberläufen. Aus gestalterischen Gründen werden zwar Notabläufe mit freiem Abfluss über die Fassade gerne vermieden, da sie das Erscheinungsbild des Gebäudes beeinträchtigen. Das entspricht jedoch nicht einer fachgerechten Planung und Ausführung und verstößt gegen das Baurecht. Einige Hersteller von Dachentwässerungen bieten Ablaufelemente mit reduzierter Schlitzbreite an, die optisch kaschieren. Während sich die Dachentwässerung in einen Neubau in der Regel problemlos integrieren lässt, ist die Aufgabe bei einer Sanierung wesentlich komplexer, denn hier ist die bestehende Anlage dem Stand der Technik anzupassen. Nur in wenigen Fällen sind ausreichend dimensionierte Notüberläufe für den Jahrhundertregen vorhanden. Sie nachträglich zu installieren, ist oft mit hohem Aufwand verbunden – zum Beispiel bei einem Sheddach. Pro Ablaufrinne ist hier mindestens ein Notablauf anzuordnen, da jeder in sich abgeschlossene Dachbereich einen solchen erfordert. Einige Hersteller von Dachabdichtungen und Entwässerungssystemen bieten die Bemessung der Entwässerungsanlagen als kostenfreien Service an. Dipl.-Ing. Klaus Kranz ist Produktmanager der FDT Flachdachtechnologie in Mannheim

Kurz vorm Kollaps

Statt den Burn-out ihrer Mitarbeiter unter den Teppich zu kehren, haben RKW Architekten die Krankheit zum Thema gemacht – und so eine Flut von Fällen vermieden Text: Nils Hille Abbildung: dmcmurdie Die Mühle dreht sich und dreht sich. Sie wird immer schneller. Und ihre Ruhezeiten werden immer seltener – denn je häufiger sich die Mühle dreht, desto mehr kann sie bewältigen. Und ihre Wartung, ihre Pflege? Die bleibt halt auf der Strecke, egal, schließlich läuft doch alles rund. Doch dann gibt es einen großen Knall. Peng! Totalschaden. Und auf einmal geht gar nichts mehr. So ein heftiger Knall war erst nötig, damit sich bei RKW Architektur und Städtebau in Düsseldorf etwas ändert. Hier waren es die Mitarbeiter, die sich unter dem unablässig mahlenden Mühlrad des Bürobetriebs allmählich zermalmt fühlten – und irgendwann einfach nicht mehr konnten. Und die dann viel länger ausfielen als sonst bei Krankheiten wie Magenverstimmung oder Grippe, mit denen jeder Arbeitgeber bei seinen Angestellten schon mal rechnen muss. Ihre Diagnose: Burnout. Das Datum ihrer Rückkehr: unbekannt. Zwar waren es nur ein paar Krankheitsfälle in dem rund 300 Mitarbeiter starken Büro. Doch das Thema ließ der Führungsriege keine Ruhe. Als dann noch der Senior im Haus, Gesellschafter und Teil-Namensgeber Friedel Kellermann, sagte: „Unsere Arbeitsweise heutzutage provoziert solche Ausfälle ja auch“, nahm sich Johannes Ringel, ebenfalls Gesellschafter, der Sache an. „Wir wollten wissen, ob diese Vermutung stimmt und wir mit immer mehr Burn-out-Fällen rechnen müssen“, sagt er. Und schiebt schnell hinterher: „Das hat sich zum Glück nicht bestätigt.“ Ursachen erkennen Expertin für Dauerstress: Die Psychologin ­Nicole Lazar analysiert die Belastungssituation und hilft Betroffenen bei der Bewältigung. Foto: BGF-Institut, Presse Doch bis zu dieser Diagnose stand eine ausführliche Situationsanalyse ins Haus: Architekt Ringel holte sich das medizinische Fachwissen auf zwei Wegen an den Büro-Hauptstandort in Düsseldorf. Zum einen fragte er bei der AOK Rheinland nach einer Beratung zum Thema. Diese zeigte sich kooperativ, versprach, sich an den Kosten zu beteiligen und vermittelte den Planer weiter an eines ihrer Tochterunternehmen, das Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) in Köln. Dort übernahm die Psychologin Nicole Lazar die Anfrage. Nach Gesprächen mit dem Gesellschafterkreis empfahl sie dem Büro eine Arbeitsplatz-Situationsanalyse, mit der sie die Architekten schließlich auch beauftragten. In sogenannten teilstrukturierten Gesprächen, in denen die Themen, aber nicht die möglichen Antworten vorgegeben sind, sprach Lazar mit jeweils mehreren Mitarbeitern aus den Abteilungen Planung, Bauleitung und Verwaltung. Hier stand nicht nur die Abfrage von negativer Kritik an durch Fragen wie: „Wie wichtig sind Veränderungen und wo sollten diese liegen?“ Auch positive Aspekte sollten zur Sprache kommen, um auswerten zu können, was gut läuft. Lazar bekam dadurch ein umfassendes Bild. „So konnte ich Belastungen identifizieren und Handlungsempfehlungen geben. Denn die Analyse ist zwar aufschlussreich, aber die richtige Arbeit fängt für den Arbeitgeber erst danach an“, erklärt sie. Leidenschaft, die Leiden schafft Lazars Analyse bei RKW brachte mehrere Erkenntnisse hervor. Allen voran eine erfreuliche, so die Psychologin: „Ich war positiv überrascht, dass die Mitarbeiter überwiegend zufrieden sind. Sie lobten die interessanten Projekte und die gute Atmosphäre.“ Die Architekten und Verwaltungskräfte des Büros sind im Vergleich zu anderen Arbeitgebern und Berufsgruppen nicht überdurchschnittlich gefährdet. Aber gerade die Planer belasten sich selbst dadurch, dass sie sehr stark für die Projekte brennen, wie Lazar erklärt: „Ich nenne so eine Verhaltensweise ‚die interessierte Selbstgefährdung‘. Die Architekten gehen mit so viel Herzblut an ihre Arbeit, dass sie auftretende Warnsignale ihres Körpers ignorieren und voller Eifer weiterackern.“ Dazu kämen Termine und Fristen, die sie einhalten müssten. „Wer dann auf längere Zeit täglich zwölf bis 14 Stunden arbeitet und kein Wochenende mehr kennt, der braucht schon verdammt gute Ausgleichstechniken, um das durchzustehen“, so Lazar. Diese Waage zwischen Anspannung und Druck auf der einen und Entspannung und Regeneration auf der anderen Seite halten aber nicht alle von sich aus oder mit Unterstützung von Partner, Familie oder Freunden im Gleichgewicht. Hier braucht es bei einigen Mitarbeitern die Unterstützung vom Vorgesetzten. Zu dem Ergebnis kam auch Gesellschafter Ringel bei seinen Gesprächen mit den Burn-out-Betroffenen nach deren Rückkehr ins Büro. Er fragte sie, was damals das Schlimmste für sie war. „Da kam die Antwort: ‚Dass mir keiner gesagt hat, dass das, worüber ich mir bei Projekten Sorgen gemacht habe, gar nicht so wild war.‘ Niemand hatte ihnen bei uns also den Rücken gestärkt, und da frage ich mich als Arbeitgeber schon, was da falsch gelaufen ist.“ Vorbeugen hilft am besten Zukünftig möchte Ringel so etwas nie wieder hören müssen. Dafür haben er und die anderen Gesellschafter gemeinsam mit den Fachleuten einen Maßnahmenkatalog beschlossen: Die Mitarbeiter werden in Vorträgen und Seminaren im Bereich Stressmanagement weitergebildet. Es gibt spezielle Workshops für einzelne Arbeitsfelder. Zudem dienen als neue Ansprechpartner zwei Kollegen, die zukünftig als Ombudsleute agieren. An sie können sich diejenigen Angestellten wenden, die zu viel Belastung bei ihrer Arbeit spüren, aber das Gespräch mit dem direkten Vorgesetzten scheuen. Die Ombudsleute sollen dann vermitteln. Sollte trotz allem bei RKW wieder ein Burn-out drohen, dann springt eine auf Stresskrankheiten spezialisierte Ärztin ein. Johannes Ringel bekam sie durch einen persönlichen Kontakt zur Diakonie in Düsseldorf vermittelt. RKW hat mit ihr einen Vertrag geschlossen, in dem die Medizinerin bei akuten Fällen eine Erstberatung innerhalb von 24 Stunden garantiert. „Das kostet uns zwar einiges an Geld, aber verhindert die sonst meist ewigen Wartezeiten und eine unnötige Verschleppung der Krankheit.“ Im Idealfall bekommt die Ärztin aber erst gar keinen Anruf von den Architekten. Fünf Tipps zur  Stressbewältigung 1.    Achten Sie auf Warnsignale: Wissen Sie schon morgens früh im Büro nicht mehr, mit welcher Ihrer zahlreichen Aufgaben Sie überhaupt anfangen sollen? Können Sie sich keinen Überblick mehr über die Arbeit verschaffen? Haben Sie das Gefühl, dass die Aufgaben nur noch so auf Sie einstürzen? Vergessen Sie, regelmäßig Nahrung zu sich zu nehmen? Oder haben Sie ständig abends keine Lust mehr, etwas zu unternehmen? „Dies alles sind Zeichen dafür, dass Sie zu viel Stress haben und dringend etwas dagegen unternehmen sollten“, so Psychologin Nicole Lazar. 2.    Schalten Sie Störfaktoren aus: Oft lassen sich schon mit einfachen Maßnahmen Stressverstärker abstellen. Ist zum Beispiel die Lautstärke an und um Ihren Arbeitsplatz zu hoch, können hier Umplatzierungen sowie Akustikwände oder andere lärmschluckende Büromöbel Abhilfe schaffen. Auch eine Reizüberflutung kann für unnötiges Unwohlsein sorgen. „Setzen Sie sich hier selbst klare Regeln und führen Sie Zeitfenster für bestimmte Aufgaben ein“, rät Lazar. So müssen Sie zum Beispiel E-Mails nicht immer in dem Moment beachten, in dem sie in Ihrem Posteingang landen. Oft macht eine gebündelte Bearbeitung der Nachrichten viel mehr Sinn. 3.    Halten Sie konsequent Pausen ein: Niemandem ist geholfen, wenn Sie i­rgendwann zusammenklappen oder unsauber arbeiten, weil Sie sich nicht mehr konzentrieren können. Schaffen Sie sich daher regelmäßig Auszeiten. Diese sollten Sie selbstbestimmt mit Essen und Trinken, Entspannen, Bewegung und Tätigkeiten fernab Ihrer Arbeitsaufgaben verbringen. Lazar: „Tragen Sie sich Ihre Freizeiten am besten als feste Termine in den Kalender ein, um die Lücken gar nicht wieder mit beruflichen Tätigkeiten zu füllen.“ 4.    Machen Sie Ihren Stress zum Thema: Sprechen Sie Ihre Überbelastung bei Kollegen und Vorgesetzten offensiv an, damit diese Ihre Problematik wahr- und ernst nehmen. „Im Idealfall können Sie so gemeinsam direkt eine Lösung anstreben, wie zum Beispiel eine Umverteilung der Aufgaben oder eine klare Priorisierung“, so Lazar. Ein Stapelsystem, bei dem Sie die aktuellen Vorgänge zwischen „heute“, „terminieren“ und „archivieren“ aufteilen, lässt den großen Aufgabenberg schon schrumpfen. 5.    Scheuen Sie keine externe Hilfe: Wenn interne Lösungen nicht zustande kommen oder kaum für Entlastung sorgen, schauen Sie sich ohne Furcht oder Scham nach Unterstützung von außen um. Die Krankenkassen sind häufig der richtige erste Ansprechpartner. „Sie können Ihre Anfrage an passende Experten wie unser Institut weitervermitteln und Ihnen erläutern, welche Maßnahmen sie finanziell unterstützen“, erklärt Lazar. Mit einem Arzt oder Psychologen können Sie dann die Details besprechen und gemeinsam Maßnahmen angehen. „Hier sollte die Chemie stimmen. Wenn Sie merken, dass dies nicht der richtige Ansprechpartner ist, dann kommunizieren Sie das offen und suchen Sie lieber noch einmal erneut“, sagt Lazar.