Was hat ein Bussystem mit Architektur zu tun?

Architekt Clemens August Brachtendorf wollte das genau wissen. Heute arbeitet er als Systemintegrator, berät Bauherrn und gibt sein Wissen an andere Architekten weiter Interview: Marion Goldmann Sie haben lange in einem renommierten Architekturbüro gearbeitet und 1999 ein eigenes Büro gegründet. Was hat Sie dazu gebracht, sich mit Bussystemen zu beschäftigen? Vom Architekt zum Systemintegrator: Bussysteme haben Clemens August Brachtendorf so fasziniert, dass er sie heute programmiert. Mein erster Auftrag war ein Einfamilienhaus, das auf dem Fundament eines Schlosses errichtet werden sollte. Entsprechend weitläufig gestaltete sich der Neubau. Allein vom Wohnzimmer ins Schwimmbad sind es 80 Meter. Diese Wege sowie die enormen Raumgrößen musste ich bei der technischen Ausrüstung des Gebäudes berücksichtigen; vor allem bei der Lichtplanung. Ich konnte mir nämlich nicht vorstellen, dass die Bewohner immer aufstehen wollen, um die Schalter zu betätigen. Auf der Suche nach einer Lösung fiel mir eine Werbung von Siemens auf, die anlässlich der 1. Light+Building im Jahr 2000 mit einem Bussystem Besucher ansprechen wollten. Ich hatte von solchen System schon einmal gehört, wollte jetzt aber genau wissen, was mit so einer Installation überhaupt gemeint ist und was sie leisten kann. Sie haben daraufhin die Messe besucht? Ja, und ich erinnere mich noch sehr genau daran. Ein Standbetreuer lief mit einen ganz kleinen Tablet-Computer herum, auf dem der Bowser Netscape Navigator installiert war. Das Besondere daran war: Er schaltete über das Internet das Licht ein und aus und hatte mit diesem Browser eine herstellerunabhängige, quasi gebührenfreie Bediensoftware. Für mich war das damals sensationell und ausschlaggebend dafür, das Haus mit dieser Technik auszustatten. Auch deshalb, weil sich damit Lichtstimmungen erzeugen ließen. Konnten Sie die Installation leicht realisieren? Das erste Projekt: Auf der Suche nach einer Lösung für die Lichtsteuerung in diesem weitläufigen und großräumigen Einfamilienhaus entdeckte er Bussysteme. Nein, das glich eher einem Experiment. Zunächst habe ich einen Elektriker beauftragt, der für 5.000 DM einen Musteraufbau installieren sollte. Allerdings benötigte er allein für die Programmierung vier Wochen. In dem Haus sollten jedoch etwa 450 Geräte montiert und miteinander verknüpft werden. Diesen Elektriker wollte ich nicht mit den Arbeiten beauftragen. Wie haben Sie das Problem gelöst? Es gab zwei Bücher von einem Busanbieter, in denen der Aufbau und die Strukturen beschrieben wurden. Mit diesem Wissen erstellte ich eine Ausschreibung, die die Funktionen, aber auch die anzuwendende Struktur beschrieb. Außerdem kaufte ich die Software und erlernte die Programmierung. Das war ein Lernprozess, bei dem ich auch die Hotlines von Herstellern nutzte. Wie ging es dann weiter? Ich durfte ein zweites Projekt mit ähnlichen Anforderungen in Cannes übernehmen. Auf Grundlage des Bussystems werden hier die Verschattung, die Heiz- und Klimatechnik sowie die Einbruchsicherheit gesteuert. Der Eigentümer, ein US-Bürger, kann dadurch sein Haus jetzt von Amerika aus kontrollieren. Und das war etwa im Jahr 2003. Schon damals konnte dieser Kunde mithilfe von Handheld PCs von Compaq sein Haus übers Internet steuern. Und deshalb sollten sich Architekten für ein Bussystem interessieren? Ein Bussystem bietet viele Funktionen, denn es überträgt Daten. Es handelt sich also um ein „sprechendes System“. Demnach kann es zum Beispiel der Heizung „sagen“, dass das Fenster offen steht, damit diese sich ausschaltet. Klimatische Einflüsse können ebenfalls leicht ausgewertet werden: Regen oder Wind fahren die Markise ein und Dachfenster werden geschlossen, bei Dämmerung schaltet sich das Außenlicht ein. Auch Alarmanlagen können mit dem System verbunden werden, so dass die Rollläden hochgefahren werden und bei Rauchalarm und Einbruch das Licht eingeschaltet wird. Ich kann zahlreiche weitere Möglichkeiten nennen, die unterschiedliche Gewerke im Blick haben – und der Architekt ist die einzige Person, die das Gebäude während der Planung und Ausführung in seiner Gesamtheit erfasst. Aber wie funktioniert die Kommunikation mit den Fachhandwerkern? Das ist noch immer sehr schwierig, denn die Gebäudeautomation, also die Vernetzung von Funktionen verschiedener Gewerke, wird bei weitem nicht in jedem Gebäude realisiert. Hinzu kommen eine heterogene Anbieterstruktur sowie eine Vielzahl von Systemen auf dem Markt. Architekten sollten sich deshalb in erster Linie mit den Begriffen auseinandersetzen, damit alle Beteiligten die gleiche Sprache sprechen. Man muss also beispielsweise wissen: Was ist ein Sensor, was ist ein Aktor? Wie sehen die Bauteile aus und welche Funktionen können sie erfüllen? Wer das versteht, kann auch mit dem Elektriker, dem Fachplaner oder Systemintegrator kommunizieren. Auch ist es hilfreich, den Aufbau eines Bussystems zumindest dem Prinzip nach zu kennen. Nur dann kann der Architekt seinen Bauherren zu diesem Thema beraten und begleiten. Und sie könnten, wie bei den traditionellen Baugewerken auch, als Regulativ wirken sowie ihr Wissen um die Funktionalität eines Bauwerks einbringen. Dass es gar nicht so schwer ist, ein Bussystem zu verstehen, erfahre ich immer wieder durch Bauherren, die sich in das Thema eingearbeitet haben und uns bereits mit fundiertem Vorwissen kontaktieren. Das sollten auch Architekten leisten können. Durch solches Fachwissen wäre es auch möglich, die Kundigkeit eines Elektrikers zu hinterfragen, denn wenn ein Projekt mal schief läuft, kann das unter Umständen auch daran liegen, dass der Handwerksbetrieb mit der Aufgabenstellung überfordert war. Aber gegen Bussysteme wird doch gerade häufig wegen ihres höheren Preises und mangelnder Zuverlässigkeit argumentiert. Ich habe einige Businstallationen realisiert, die nur unwesentlich teurer als herkömmliche Elektroinstallationen waren. Wichtig bei solchen Projekten ist, dass sie strukturiert aufgebaut sind und keine Fehler auftreten. Ich bin schon zu vielen Projekte gerufen worden, die nicht optimal eingerichtet waren, seit ich mich mit Businstallationen beschäftige. Funktionieren solche Systeme nicht absolut perfekt, entsteht schnell ein schlechter Ruf. Doch das liegt nicht am System, sondern an denjenigen, die es planen, installieren und programmieren. Ihre ersten Projekte waren Wohnhäuser. Ist es dabei geblieben? Nur solange, bis ich eine Anfrage erhielt, ob ich auch ein Verwaltungsgebäude bearbeiten könnte. Zuerst hatte ich Bedenken, denn bei einem solchen Projekt sind wesentlich mehr Geräte zu vernetzen. Doch am Ende war es deutlich einfacher als Wohngebäude und seitdem kamen noch einige Objektbauten hinzu. Unser Büro entwirft, plant und programmiert Hausautomationssysteme auf Basis EIB/KNX in jeder Größenordnung von Doppelhaushälften mit rund 40 Geräten bis hin zu Objektbauten mit tausenden von Geräten. Sie geben inzwischen ihr Wissen auch an andere Planer und Architekten weiter? Ja, es handelt sich hierbei um ein eintägiges Grundlagenseminar, das auch von der Architektenkammer Nordrhein-Westfahlen als Fortbildungsmaßnahme anerkannt ist. Ich erläutere die Möglichkeiten einer Businstallation sowie die wesentlichen Unterschiede und Vorteile gegenüber konventioneller Installation. Außerdem erkläre ich die grundlegenden Begrifflichkeiten und Strukturen eines Bussystems. Ziel ist es, den Teilnehmern das Prinzip zu vermitteln, so dass sie Bauherrn darüber informieren können. Interessenten finden hier weitere Informationen.

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Finden Sie je Newsletter alle Windmühlen und bringen Sie deren Buchstaben in die richtige Reihenfolge, so dass sie ein Wort ergeben, das etwas mit den Niederlanden zu tun hat. Tipp: Je Newsletter sind andere Windmühlen/Buchstaben versteckt. Wenn Sie an beiden Suchen teilnehmen und uns beide richtigen Lösungswörter zusenden, haben Sie die doppelte Chance auf den Preis, sprich Sie nehmen zweifach an der Verlosung teil. Der Einsendeschluss für beide Begriffe ist der 20. Dezember 2015 um 23:59 Uhr. Die Teilnahmebedingungen 1. Teilnahmeberechtigung Teilnahmeberechtigt ist jede natürliche Person, die das 18. Lebensjahr vollendet, ihren ständigen Wohnsitz in Deutschland hat und mit der am Gewinnspiel teilnehmenden E-Mailadresse beim DABnewsletter (www.DABonline.de/newsletter) registriert und somit Abonnent des DABnewsletters ist. Mitarbeiter der corps. Corporate Publishing Services GmbH (Verlag) und deren Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt. 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Der im Rahmen des Gewinnspiels als Preis präsentierte Gegenstand bzw. die Leistung ist nicht zwingend mit dem gewonnenen Gegenstand / der Leistung identisch. Vielmehr können Abweichungen hinsichtlich Zusammenstellung o. ä. bestehen. Der Preissponsor kann einen als Preis präsentierten Gegenstand bzw. eine Leistung gleichwertigen Gegenstand / gleichwertige Lesitung mittlerer Art und Güte auswählen. c. Der Versand der Gewinne wird teilweise vom Verlag und teilweise zwischen dem Lieferanten und dem Gewinner koordiniert. d. Gewinne werden in keinem Fall bar ausgezahlt. Dies gilt auch, wenn ein Gewinn nicht mehr in der präsentierten Ausführung lieferbar ist. Der Gewinner erhält dann einen gleichwertigen Ersatz. 4. Veröffentlichung der Gewinner / Datenschutz Der Teilnehmer sichert mit seiner Teilnahme zu, dass alle von ihm gemachten Angaben der Wahrheit entsprechen. 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Vorzeitige Beendigung des Gewinnspiels Der Verlag behält sich vor, das Gewinnspiel zu jedem Zeitpunkt ohne Vorankündigung abzubrechen oder zu beenden. Von dieser Möglichkeit macht der Verlag insbesondere dann Gebrauch, wenn aus technischen Gründen oder rechtlichen Gründen eine ordnungsgemäße Durchführung des Spiels nicht gewährleistet werden kann. Sofern eine derartige Beendigung durch das Verhalten eines Teilnehmers verursacht wurde, kann der Verlag von dieser Person Ersatz des entstandenen Schadens verlangen. 7. Datenschutz a. Der Teilnehmer erklärt sich ausdrücklich damit einverstanden, dass die von ihm angegebenen Personendaten für die Dauer des Gewinnspiels und dessen Abwicklung vom Verlag oder einem vom Verlag beauftragten Dritten gespeichert und genutzt werden dürfen. Ebenfalls ist der Teilnehmer damit einverstanden, dass seine Daten an den jeweiligen Preissponsor zur Gewinnabwicklung übermittelt werden dürfen und dieser sie ebenfalls zur Gewinnabwicklung speichern und nutzen darf. b. Es steht dem Teilnehmer jederzeit frei, per schriftlichen Widerruf gegenüber dem Verlag die Einwilligung in die Speicherung und Nutzung aufzuheben. c. Die Daten des Teilnehmers werden ausschließlich für die Durchführung und Abwicklung des Gewinnspiels vom Verlag, dem Preissponsor und/oder dem Lieferanten genutzt, nicht jedoch für werbliche Zwecke. 8. Sonstiges a. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. b. Es findet ausschließlich das Recht der Bundesrepublik Deutschland Anwendung. c. Sollten einzelne dieser Bedingungen unwirksam sein oder werden, bleibt die Gültigkeit der übrigen Bedingungen hiervon unberührt. d. Die Teilnahmebedingungen dürfen vom Verlag jederzeit ohne Vorankündigung und Angabe von Gründen geändert werden. Ergänzungen und Nebenabreden bedürfen zu ihrer Wirksamkeit der Schriftform.    

Gehaltvolle Fragen

Angestellte Kolleginnen und Kollegen arbeiten nur noch gut zur Hälfte in Architekturbüros. Wirtschaft und Staat bieten oft mehr Geld und bessere Bedingungen. Dies und viel mehr ergibt die jüngste Umfrage der Kammern Text: Nils Hille Arbeitgeber: Staat und Wirtschaft immer wichtiger Ja, wo arbeiten Sie denn? Zwar ist die Mehrheit der deutschen Architekten immer noch in Architektur und Planungsbüros beschäftigt, doch nur knapp mit 56 Prozent. Die andere knappe Hälfte arbeitet im öffentlichen Dienst (24 Prozent) oder in der gewerblichen Wirtschaft (21 Prozent). In diesen beiden Bereichen sind vor allem Architekten etwas höheren Alters (über 40 Jahre) tätig. Die meisten jüngeren Arbeitnehmer gehen dagegen einer Arbeit in den klassischen Büros nach. Die Unternehmensgröße ist bei diesen verschiedenen Arten von Arbeitgebern extrem unterschiedlich: Genau die Hälfte der Architekturbüro-Angestellten arbeitet in kleinen Büros mit bis zu zehn Beschäftigten. Dagegen bekommt der Großteil der in der gewerblichen Wirtschaft (67 Prozent) und im öffentlichen Dienst (86 Prozent) tätigen Architekten seinen Lohn von Arbeitgebern, die mindestens noch 50 andere Menschen beschäftigen. Eine Selbstständigkeit wird vor allem von Architekten mit wenig Berufserfahrung angestrebt. In der Gruppe derjenigen, die maximal fünf Jahre im Job sind, ziehen 48 Prozent eine selbstständige Tätigkeit in Erwägung, ohne bisher konkrete Planungen zu haben. Weitere zehn Prozent streben diese Arbeitsform gezielt an. Interessant ist dabei der Vergleich zu der Gruppe der ältesten Arbeitnehmer mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung: Von ihnen waren 28 Prozent einmal selbstständig und haben dies wieder aufgegeben. 19 weitere Prozent haben diese Arbeitsform einmal in Betracht gezogen und wieder verworfen. Leitungsfunktionen: am meisten Verantwortung in der Wirtschaft Als Angestellter eine eigenverantwortliche Arbeit in leitender Funktion auszuüben, gehört für zwei Drittel (67 Prozent) aller Architekten zum Berufsalltag. In der Wirtschaft sind es mit 77 Prozent sogar noch einmal deutlich mehr. In diesem Berufsfeld gibt es den höchsten Anteil an Projektleitern: Jeder Zweite ist in solch einer Funktion in der Wirtschaft tätig. In diesem Arbeitsfeld stehen auch die meisten Projektbetreuungen im Ausland an: Mehr als ein Sechstel der in der Wirtschaft Beschäftigten war in den letzten zwei Jahren auch außerhalb Deutschlands tätig, von den Beschäftigten in Architekturbüros dagegen nur ein Zehntel. Gehalt: mäßiger Lohn in Architektur und Planungsbüros Genau 50.000 Euro verdient der angestellte deutsche Architekt (Mittelwert des Gehaltsniveaus, den genau die Hälfte der Architekten übertrifft und die andere Hälfte unterbietet) – als Bruttojahresgehalt inklusive aller Geldleistungen und Überstundenvergütungen. Deutlich unter diesem Mittelwert liegen mit 42.000 Euro die mittleren Gehälter in den Architektur und Planungsbüros; deutlich darüber liegen sie mit rund 58.000 Euro im öffentlichen Dienst. Mit Abstand am besten kann der Berufsstand in der gewerblichen Wirtschaft verdienen. Hier erreichen die Angestellten ein durchschnittliches Gehalt von 65.000 Euro. Für Architekturbüros und die gewerbliche Wirtschaft gilt: Je größer das Unternehmen ist, desto höher sind auch die Gehälter, die es zahlt. Die Unterschiede sind erheblich im Vergleich von kleinen Büros bis fünf Mitarbeiter zu denen mit über 50 Angestellten. Letztere bezahlen das 1,3-Fache, also 30 Prozent mehr Lohn als die Kleinbüros. Auch das Geschlecht macht immer noch einen deutlichen Unterschied beim Gehalt aus. So verdienen Männer in Büros und in der gewerblichen Wirtschaft rund 20 Prozent mehr als Frauen. Dies macht einen Unterschied von 7.000 bis 12.000 Euro brutto im Jahr aus. Daraus kann aber nicht immer auf ungleichen Lohn für gleiche Arbeit geschlossen werden: Nach wie vor unterbrechen Männer seltener die Karriere und steigen so häufiger auf (siehe unten). Bei den jungen Architekten gibt es so gut wie keinen Gehaltsunterschied zwischen den Geschlechtern. Sie müssen beide naturgemäß mit den geringsten Gehältern leben. Das Bruttogehalt derer, die weniger als fünf Jahre im Beruf sind, lag im Mittel bei 36.000 Euro im Jahr. Dabei bezahlt der öffentliche Dienst mit 43.000 Euro am besten, gefolgt von der gewerblichen Wirtschaft (43.280 Euro). Die geringsten Gehälter zahlen auch hier wiederum die Büros (35.000 Euro). Für Einsteiger wie Erfahrene gilt: Die häufigsten Gehaltserhöhungen für Architekten bietet der öffentliche Dienst, der an Tarifverträge gebunden ist. Die gewerbliche Wirtschaft erhöht 84 Prozent ihrer Angestellten regelmäßig oder unregelmäßig das Gehalt. In Architekturbüros geschieht dies nur bei 73 Prozent. 2014 erhielten 72 Prozent der angestellten Architekten eine Gehaltserhöhung. Knapp 20 Prozent durften sich sogar über eine Steigerung von mehr als fünf Prozent freuen. Für dieses Jahr erwarten mit 68 Prozent über zwei Drittel ebenfalls einen Anstieg ihrer Vergütung. Zudem können 37 Prozent der Architekten bei guter Leistung auf eine Erfolgsprämie hoffen. In der gewerblichen Wirtschaft wird dabei sogar 58 Prozent der Vollzeittätigen so ein geldwerter Vorteil in Aussicht gestellt. In Büros gilt dies nur für knapp ein Viertel (24 Prozent). Arbeitszeit: Frauen in Teilzeit – Überstunden bei allen Bei der Arbeitszeit gibt es deutliche Geschlechterunterschiede. Sie lassen darauf schließen, wer sich hauptsächlich um Kinder kümmert: Denn ein Drittel der Architektinnen (35 Prozent) arbeitet in Teilzeit. Bei den Männern ist es dagegen nur jeder 25. Architekt (vier Prozent). Für 69 Prozent von ihnen bedeutet „Teilzeit“ mindestens 30 Stunden pro Woche, was nur bei 38 Prozent der nicht Vollzeit arbeitenden Frauen der Fall ist. Die meisten von ihnen (47 Prozent) arbeiten zwischen 20 und 30 Stunden pro Woche. Die erhobenen Werte zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie bestätigen diese Tendenz: 80 Prozent der Männer unterbrechen ihre berufliche Laufbahn nicht, um sich um familiäre Verpflichtungen zu kümmern. Bei den Frauen sind dies nur 54 Prozent. Ein Drittel aller Architektinnen investiert für Kinder oder die Betreuung einer pflegebedürftigen Person mehr als zwölf Monate. Egal welchen Geschlechts sie sind – Überstunden fallen bei den meisten Architekten an. 84 Prozent der Vollzeittätigen arbeiten mehr als vertraglich vereinbart. Dabei sind sie durchschnittlich 5,7 Stunden pro Woche zusätzlich im Büro. Die meisten Überstunden machen Architekten, die in der gewerblichen Wirtschaft arbeiten (7,1 Stunden pro Woche). 29 Prozent von ihnen sind sogar mehr als zehn Stunden pro Woche zusätzlich tätig. Die wenigsten Überstunden insgesamt fallen im öffentlichen Dienst an (4,5 Stunden pro Woche). Bei den in Büros Tätigen liegt die Zahl nahe am Durchschnitt (5,5 Stunden pro Woche). Vollständig bezahlt werden die Überstunden fast nirgendwo. Der öffentliche Dienst ermöglicht drei Vierteln der Arbeitnehmer (76 Prozent) immer einen Freizeitausgleich. Dies ist in Büros (37 Prozent) und der gewerblichen Wirtschaft (30 Prozent) deutlich seltener der Fall. Dafür kann sich jeder fünfte Architekt in Büros (20 Prozent) auf einen Mix aus Vergütung und Freizeitausgleich freuen. Fast doppelt so viele (37 Prozent) bekommen dagegen keine Gegenleistung. In der gewerblichen Wirtschaft heißt es sogar bei 58 Prozent: „Überstunden sind mit Ihrem Gehalt abgegolten.“ Hier bleibt zur Erholung nur der vertraglich geregelte Urlaub von durchschnittlich 29,5 Tagen pro Jahr. Dieser liegt knapp unter dem derjenigen, die im öffentlichen Dienst arbeiten (30,3 Tage im Jahr), und deutlich über dem der Büroangestellten (26,9 Tage im Jahr). Arbeitsvertrag: Staats-Problem Befristung In den Erhebungen zu der Ausgestaltung der Arbeitsverträge gibt es hohe Übereinstimmungen zwischen Architekturbüros, Staat und Wirtschaft. Jedoch mit zwei Ausnahmen: Erstens arbeiten erstaunliche acht Prozent der Architekten in klassischen Büros ohne schriftlichen Arbeitsvertrag rein auf Handschlag-Basis. Dies tun in der Wirtschaft nur zwei Prozent und im öffentlichen Dienst erwartungsgemäß niemand. Zweitens: Fast jeder zehnte Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst (neun Prozent) arbeitet mit einem befristeten Vertrag. Dies sind deutlich mehr als in anderen Arbeitsfeldern: Der Staat scheut sich vor Dauerstellen, weil er deren Inhaber auch bei verringertem Bedarf weiter bezahlen muss. Neun Prozent aller Angestellten haben ihre Arbeitsstelle im Jahr 2014 gewechselt. Wer, wie 96 Prozent der Architekten, in ein berufsständisches Versorgungswerk einzahlt und dafür von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreit ist, sollte beachten, dass er bei jedem Wechsel des Arbeitgebers binnen drei Monaten einen neuen Antrag auf Befreiung von der gesetzlichen Rentenkasse stellt (siehe auch: DABonline.de/tag/jobwechsel). Immerhin 16 Prozent der Arbeitsplatz-Wechsler hatten danach Probleme mit dem Verbleib im Versorgungswerk. Fortbildung und Ehrenamt: Büros knausern Regelmäßige Weiterbildung gehört für die meisten Architekten in Deutschland wie selbstverständlich zur Arbeit: 86 Prozent haben in den vergangenen zwei Jahren an beruflichen Fortbildungsveranstaltungen teilgenommen. Schlüsselt man diese Zahl nach Art des Arbeitgebers allerdings auf, zeigen sich deutliche Unterschiede: Fast alle Angestellten im öffentlichen Dienst besuchen Fortbildungen (96 Prozent), in der gewerblichen Wirtschaft sind es 88 Prozent, doch in den Büros nur etwas mehr als vier von fünf Architekten (82 Prozent). Hiervon muss auch ein Drittel derjenigen, die sich weiterbilden wollen, dafür ganz oder teilweise Urlaubstage investieren. Dies wird von den Arbeitgebern in der gewerblichen Wirtschaft (19 Prozent) und im öffentlichen Dienst (elf Prozent) deutlich seltener verlangt. Eine ähnliche Verteilung gibt es auch bei der Übernahme der Kosten der beruflichen Fortbildung: 47 Prozent der Architekten in klassischen Büros müssen mindestens einen Teil der Kosten selbst übernehmen. In der Wirtschaft müssen das nur 27 Prozent, im öffentlichen Dienst immerhin noch 17 Prozent. Jeder elfte Architekt (neun Prozent) hat die Möglichkeit, sich für berufsständisches Engagement in Kammern und Verbänden freistellen zu lassen, ohne Urlaub nehmen oder auf Gehalt verzichten zu müssen. 16 Prozent der Arbeitgeber ermöglichen dies nicht. Die große Mehrheit – drei Viertel der Beschäftigten – weiß aber gar nicht, ob es für sie diese Möglichkeit gibt. Per Online-Tool fand die Befragung der Architektenkammern der Länder statt; durchgeführt wurde sie vom Institut Hommerich Forschung. Vom 2. Mai bis zum 15. Juni 2015 gaben 10.740 Kammermitglieder Antworten. Von den Beteiligten sind 84 Prozent als Architekten tätig, acht Prozent als Landschaftsarchitekten, fünf Prozent als Innenarchitekten und sieben Prozent als Stadtplaner.  

Ein System mit vielen Funktionen

Solide Smart-Home-Lösungen können Sicherheit und Schutz der Privatsphäre bieten Text: Günther Ohland Die psychischen Folgen nach einem Einbruch in die Wohnung sind oft schwerer zu überwinden als der materielle Schaden. Deshalb ist die Sicherheit beim Smart Home ein ebenso zentraler Faktor wie Energieeffizienz und Komfort. Ob im Einfamilienhaus oder der Etagenwohnung im mehrgeschossigen Bau, diese drei Faktoren sind stets eng miteinander verzahnt. Wer zum Beispiel in Energieeffizienz investiert, erhält Sicherheitsfunktionen quasi kostenlos mit geliefert und umgekehrt. Denn der funkgesteuerte Fenstergriff oder der Kontakt, der eingebaut wurde, um offene Fenster zu erkennen, um dann die Heizkörper zu drosseln, führt gleichfalls zu einem Einbruchalarm, wenn das Fenster bei Abwesenheit der Bewohner geöffnet wird. Einbruchschutz genießt einen hohen Stellenwert, ebenso wie die Sorge um die Privatsphäre und die Angst vor Hackern. (Quelle: Statista) Die gleiche Alarmfunktion kann auf jeden Licht- oder Rolloschalter übertragen werden: Schaltet jemand bei Abwesenheit das Licht ein, kann es nur ein sich sicher fühlender Eindringling sein. Natürlich lassen sich auch Bewegungsmelder – eigentlich für die automatische Beleuchtung des Flurs oder des Bades gedacht – als Alarmmelder nutzen. Hinter solchen Funktionen steht ein Gebäudesystem mit einer leistungsfähigen Smart-Home-Software, die die entsprechenden logischen Verknüpfungen erstellt. Dabei spielt es faktisch keine Rolle, welches System von welchem Hersteller der Nutzer wählt. Auch weniger bekannte Lösungen erfüllen die Aufgaben inzwischen tadellos. Brandmelder besser vernetzen Ein einfacher Rauchwarnmelder mit akustischem Alarm, wie er mittlerweile in fast allen Bundesländern gesetzlich gefordert wird, ist die preiswerteste, aber nicht die wirkungsvollste Maßnahme. Besser sind vernetzte Rauchwarnmelder, die mit der Haustechnik verbunden sind. Nur so ist ihre Funktionsfähigkeit ständig überprüfbar und im Alarmfall kann die Gebäudetechnik lebensrettend reagieren. Dazu schaltet die Smart-Home-Zentrale in der gesamten Wohnung das Licht ein, um nachts Orientierung zu geben und sie veranlasst, dass alle elektrischen Rollläden und Jalousien sofort hochgefahren werden. So entstehen Fluchtwege, beispielsweise über Balkon und Terrasse. Denn ist der Brand erst einmal richtig ausgebrochen, fällt sehr schnell der Strom aus. Dann ist es dunkel und antriebslose elektrische Rollläden versperren den Weg nach draußen. Besonders bei bewegungseingeschränkten Personen ist der Zeitfaktor entscheidend. Ehe sie das Bett verlassen und sich angezogen haben, ist das Stromnetz oft bereits zusammengebrochen. Mit der Haustechnik vernetzte Rauchwarnmelder sind zwar gesetzlich nicht gefordert, doch derart „intelligente“ Maßnahmen bieten Sicherheit und erhöhen die Attraktivität einer Immobilie. Deshalb ist es die Pflicht des Architekten und Planers ihren Auftraggeber über die neuen Möglichkeiten aufzuklären. Es geht also nicht um verlorene Investitionen in gesetzlich nicht geforderte Funktionen, sondern neben der erhöhten Sicherheit auch um eine Wertsteigerung der Immobilie. Die Vorgabe an den Elektroplaner muss also lauten, mit der smarten Gebäudeautomation vernetzte Brandmelder einzusetzen. Besser sehen, wer vor der Tür steht Kombinierte digitale Türsprechstelle mit 180° IP-Kamera, 10er-tastur und Chip-Leser zur Türöffnung (Foto: Mobotix) Auch bei Zutrittskontrollen bietet Smart Home Vorteile. Für Wohnungstüren in Mehrfamilienhäusern stehen heute elektronische Spione zur Verfügung. Das Bild, das sie aufnehmen, lässt sich auf dem TV-Gerät oder dem Tablet darstellen. Ist ein elektrischer Türöffner eingebaut, so öffnet ein Fingerdruck auf die Fernbedienung oder das Tablet die Tür. Familie, Freunde, Essen auf Rädern oder der Pflegedient haben so bequem Zugang. Das Bild einer digitalen Kamera an der Haustür lässt sich ebenso leicht über die allgemein als Standard geforderte IP-Basis-Infrastruktur im gesamten Haus übertragen. Alternativ sind auch dedizierte Tür-Videosprechstellen verwendbar. Auf jeden Fall sollte aber darauf geachtet werden, dass nur digitale, auf dem IP-Protokoll und Netzwerk-Kabel basierende Produkte verwendet werden. Andere sind auf den ersten Blick zwar billiger, aber durch die notwendige Integration in das System wird es insgesamt teurer. Schlüssel, Chip oder Fingerprint Smart Home bietet praktische Alternativen zu mechanischen Schlüsseln. Sie werden einfach durch ein anderes Medium ersetzt, dessen Kodierung auch ohne physischen Zugriff auf das Schlüssel-Medium unbrauchbar gemacht werden kann. Als Medium eignet sich ein Chip im Schlüsselanhänger, ein Smartphone, ein Autoschlüssel mit Chip von der Wegfahrsperre, Fingerabdrücke oder sogar die Iris des Auges. Die zu öffnenden Türen benötigen statt des mechanischen Schlosses ein Lesegerät, um die codierten Informationen vom Träger, also den Fingern oder dem Autoschlüssel zu lesen. Das Lesegerät vergleicht seine interne Liste der zulässigen ID-Nummer (Codierung) mit der des Trägermediums und entscheidet, ob die Tür geöffnet wird oder nicht. Zieht ein Mieter aus, wird beispielsweise die Liste mit seinen Fingerabdrücken gelöscht oder sein Autoschlüssel ausgetragen. Geht ein Chip verloren oder wird das Auto verkauft, werden diese Einträge in der Liste gelöscht. Im Hinblick auf Senioren und häusliche Pflege ist es durchaus praktikabel, dem Pflegedienst eine Zugangs-ID, also einen virtuellen Schlüssel zu übertragen. Je nach System ist es auch möglich, bestimmte Schlüssel nur für bestimmte Zeitfenster zuzulassen. Zwar liegen die Anschaffungskosten dieser elektronischen Systeme noch über denen konventioneller Zugangslösungen. Doch der Komfort- und Sicherheitsgewinn ist erheblich. Bei der Wahl des Zugangssystems sollte man auch bedenken, dass ab dem ersten verlorenen Schlüssel eines mechanischen Schließsystems die elektronische Variante bereits preiswerter ist. Latente Ängste Film und Fernsehen machen es vor: der Actionheld zückt sein Smartphone und Sekunden später springt die Tür auf. Mit der Realität hat das allerdings nichts zu tun. Dennoch fürchten sich viele davor. Laut Polizei hat es in Deutschland bisher keinen einzigen Fall gegeben, bei dem ein Einbrecher per Handy oder Laptop in ein Gebäude eingedrungen ist. Damit das auch so bleibt, müssen sichere Smart-Home-Systeme eingesetzt und die Regeln der Datensicherheit angewandt werden. Das setzt die Beauftragung qualifizierter Fachfirmen voraus. Dann sind, so die Polizei, smarte Immobilien sicherer, als konventionelle. Viele Menschen befürchten außerdem, dass Unbefugte ihre privaten Mieterdaten lesen könnten. Dazu muss man sich zunächst darüber im Klaren sein, welche Daten überhaupt ausgespäht werden könnten und worüber sie informieren. Bei einem smarten Haus oder einer smarten Wohnung erfolgt die Datenermittlung mithilfe von Sensoren. Diese signalisieren Anwesenheit und Gewohnheiten. Wird zum Beispiel ein Licht- und Rollotaster betätigt, so sagt das vielleicht aus, wann der Bewohner aufsteht oder wie oft er die Toilette aufsucht. Aus den Daten ließe sich auch ablesen, ob in der Wohnung Wohlfühl- oder Abwesenheitstemperatur herrscht, ob richtig gelüftet wird oder sich die Fenster ständig in Kippstellung befinden. Diese Informationen sind für Kriminelle weit weniger interessant wie die Zugangsdaten zum Girokonto, sie gehen dennoch niemanden etwas an. Auch deshalb müssen in der Wohnungswirtschaft eingesetzte Smart-Home-Systeme in Punkto Datenschutz besonders sicher sein. Dazu zählen nicht die Produkte, bei denen der Verbleib der Daten unklar ist (Cloud) oder bei denen der Daten-Provider nicht dem Deutschen Recht unterliegt. Mittlerweile sind viele Lösungen verfügbar, die auf sichere lokale Speicherung setzen. Lösung für Panzerriegeln in Arbeit Panzerriegel vor der Wohnungstür bieten den Bewohnern Sicherheit, doch für Feuerwehr und Rettungsdienste sind sie ein Problem. Selbst mit Spezialgerät dauert ihre Überwindung zur Rettung von Personen viel zu lang. Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern von Feuerwehr, Polizei, Versicherungswirtschaft sowie der SmartHome Initiative Deutschland, will jetzt gemeinsam möglichst eine smarte Lösung finden, die es Rettungsdiensten im Notfall erlaubt, die Wohnungstür zerstörungsfrei zu öffnen. Günther Ohland ist Fachjournalist und Initiator des Musterhauses SmartHome Paderborn sowie Gründungsmitglied der SmartHome Initiative Deutschland e.V. Zahlreiche Fachbeiträge zum smarten Wohnen finden Sie hier – in unserem DABthema „Gebäudeautomation“.

Impressionen DAT 2015

In drei Bildergalerien zeigen wir hier Impressionen vom Deutschen Architektentag 2015 Galerie 1: Bilder von der Abendveranstaltung im Sprengel-Museum zur Eröffnung des Deutschen Architektentags 2015 in Hannover Galerie 2: Fotos von den Tagungsveranstaltungen am 12. Oktober 2015 im Schloss Herrenhausen in Hannover Galerie 3: Aufnahmen von den Fachforen des Deutschen Architektentags 2015 im Schloss Herrenhausen in Hannover Weitere Beiträge zum Deutschen Architektentag 2015 finden Sie hier Eine ausführliche Video-Dokumentation finden Sie hier (externer Link)

„Fokus auf drängende Fragen“

Niedersachsens Architektenkammer-Präsident Wolfgang Schneider reflektiert als Gastgeber den Deutschen Architektentag  Interview: Roland Stimpel Foto: Architektenkammer Niedersachsen Was war für Sie das Wichtigste des Architektentags in Hannover? Zwei Dinge. In seltener Eindeutigkeit und Klarheit haben die Politiker, allen voran der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil, aber auch Kanzleramtsminister Peter Altmaier und Staatssekretär Gunter Adler die Leistungen des Berufsstandes gewürdigt und uns uneingeschränkte Unterstützung unter anderem in Sachen HOAI bei unserer weiteren Arbeit zugesagt. So ein Signal ist eine Ermutigung. Außerdem die gute und positive Stimmung der Gäste: Der Architektentag hat Angesicht der gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Umwälzungen Flagge gezeigt. Zum Thema Flüchtlinge wurde ein Sonderforum eingerichtet. Weil, Altmaier und Adler haben uns dringlich um Kooperation bei der Bewältigung der Flüchtlingsfrage und bei den Herausforderungen des notwendigen sozialen Wohnungsbaus gebeten. Die Architektenschaft ist also hier besonders gefordert. Daher haben wir die Frage diskutiert, wie wir bei der Flüchtlingsunterbringung die Probleme rasch und kostengünstig lösen, zugleich aber nicht alle erreichten baulichen Standards absenken müssen. Insgesamt gab es zu allen sechs Foren sehr positive Rückmeldungen. Ich denke, dass es uns gelungen ist, den Fokus wirklich auf die drängenden Fragen des Berufsstandes einzustellen. Diese sind Spezialisierung, Energiewende, Vergabe, Haftung und Digitalisierung. Konnte man angesichts der vielen Einzelfragen überhaupt noch über den Tellerrand hinausschauen? Ja, mehrfach. Zum Beispiel skizzierte der Hamburger Zukunftsforscher Horst Opaschowski Grundtrends für unsere künftige Arbeit, wie Sicherheit, Demografie und Einwanderung, sowie Trends zurück in die Stadt und hin zu flexibleren Wohnformen. Oder Christoph Ingenhoven, der uns mit eindrucksvollen Bildern die Probleme dieser Welt vor Augen geführt und mit Beispielen umweltverträglichen und menschenwürdigen Bauens Wege in die Zukunft aufgezeigt hat. Und nicht zuletzt die rund 50 Erstsemester-Studenten, die uns aus dem Kongressgebäude über die Straße in die Architekturfakultät gelockt haben und uns dort eine Fülle von frischen und unbefangenen Ideen unter anderem zur Unterbringung von Flüchtlingen präsentiert haben. Was bleibt von allem? Wir hatten zwei spannende Tage, zunächst der Eröffnungsabend im gerade fertiggestellten Erweiterungsbau des Sprengel-Museums von Meili und Peter aus Zürich und am Montag die Veranstaltung im Schloss Herrenhausen der Hamburger Architekten Jastrzembski Kotulla. Beide Orte boten viel Anregung und Gesprächsstoff wie die genannten Themen des Architektentags selbst. Diese wurden teils kontrovers diskutiert. Wir haben die „Hannoversche Erklärung“ an die Politik formuliert und sie der Presse vorgestellt. In diesem Sinne hoffe ich, dass sich alle gern an diesen herbstlich-sonnigen Architektentag 2015 in Hannover zurückerinnern, und dass wir inhaltlich lange von ihm zehren können. Weitere Beiträge zum Deutschen Architektentag 2015 finden Sie hier Eine ausführliche Video-Dokumentation finden Sie hier (externer Link)

Kraftvoller Tag

Flüchtlinge, HOAI, Haftung: Aktuelle und heiß diskutierte Themen auf dem Deutschen Architektentag Text: Roland Stimpel Für den Berufsstand der Architekten ist dies der wichtigste Tag in diesem Jahr“ stellte Ulrike Rose fest. Sie wusste, wovon sie sprach: Als Moderatorin des Deutschen Architektentags 2015 von früh bis spät höchst konzentriert dabei. Bundesarchitektenkammer-Präsidentin Barbara Ettinger-Brinckmann präzisierte die Bedeutung: „Dies ist ein kraftvoller Tag, um unseren Berufsstand zu positionieren.“ Der Termin am 12. Oktober stand lange vorher fest, hätte aber kaum aktueller gewählt sein können. Zuerst wegen des Großthemas Flüchtlinge. Dazu kamen an die Architektenschaft dringende Appelle aus der Politik. „Wir brauchen Sie und müssen in den nächsten Jahren ganz eng zusammenarbeiten“, rief Staatssekretär Gunther Adler aus dem Ministerium für Umwelt und Bau, der sein Haus mit einem neuen, überraschenden Titel vorstellte: als „Bundes-Architektur-Ministerium“. Kanzleramtschef und Flüchtlings-Koordinator Peter Altmaier schaltete sich per Video zu und skizzierte den Berg von Aufgaben: „Wir stehen auf Jahre vor gewaltigen Herausforderungen. Wir müssen den Wohnungsbau sofort und kräftig anheizen. Und dabei müssen wir uns die Frage stellen: Können wir schneller und preiswerter bauen? Vorschläge der Architekten sind erwünscht und notwendig. Für Sie liegt darin eine große Chance, und ich bitte Sie, dass wir diese gemeinsam ergreifen.“ Der Architektentag tat das ganz direkt und erweiterte sein Programm um ein Forum zur Flüchtlingsfrage, in dem eine zentrale Frage hieß: Worauf können wir verzichten? Eine Antwort: auf die Pflicht zum Stellplatzbau oder dessen finanzielle Ablösung. Aber was darf bei aller Dringlichkeit nicht vernachlässigt werden? Da herrschte Konsens: Baukulturelle Standards dürfen nicht kurzfristig einem Schlichtbau geopfert werden, der dann auf Jahrzehnte schlechte Wohnverhältnisse schafft und die Städte verschandelt.

Konferenz

Andere aktuelle Fragen bewegen nicht das ganze Land, doch intensiv die Architektenschaft und ihre berufspolitischen Vertreter. In Sachen HOAI stellten sich die Vertreter der Bundesregierung hinter die Architekten und gegen die EU-Kommission, die die deutsche Honorarordnung am liebsten abschaffen würde. „Wir brauchen eine verbindliche HOAI ohne jeden Kompromiss“, verkündete Staatssekretär Adler. „Sie werden wir in Brüssel verteidigen.“ Kanzleramtschef Altmaier bestärkte ihn und die Architekten: „Wir haben gute Argumente, um die Kommission und, wenn nötig, den Europäischen Gerichtshof zu überzeugen. Wir haben mehrfach in Brüssel klargestellt, dass die Bundesregierung in dieser Frage an der Seite der freien Berufe steht.“ Kein leeres Versprechen Altmaier sprach gleich ein weiteres aktuelles Thema an, das ebenfalls Gegenstand eines Architektentags-Forums war: „Viele von Ihnen treibt die Frage der gesamtschuldnerischen Haftung um. Wir glauben, dass Architekten hier in verschiedener Hinsicht benachteiligt sind, und arbeiten an einem Gesetzentwurf, der die Risiken angemessen verteilt. Noch in dieser Legislaturperiode wollen wir in die Sache Bewegung bringen.“ Das war kein leeres Versprechen, denn schon kurz vor dem Architektentag war ein Entwurf des Justizministeriums bekannt geworden, nach dem bei Bauschäden zunächst das ausführende Unternehmen zur Beseitigung herangezogen werden soll (siehe auch Seite 8). „Das ist längst nicht alles, aber es ist ein erster wichtiger Schritt“, kommentierte BAK-Präsidentin Ettinger-Brinckmann. Zwei Drittel Spezialisten Eher intern als im Dialog mit der Politik bewegten den Architektentag Themen wie das Building Information Modeling (BIM) und die Frage der fachlichen Spezialisierung. Letztere sei bereits weit fortgeschritten, erläuterte der Sozialwissenschaftler Christoph Hommerich auf der Basis seiner Umfragen unter Architekten. „Über 69 Prozent der Architekten haben sich zuletzt selbst als Spezialisten bezeichnet. Und das in so vielfältiger Weise, dass man es gar nicht beschreiben kann.“ Ob spezialisiert oder nicht – „Architekten tragen im günstigen Fall zu einem schöneren Gesicht unseres Landes bei“. Das stellte Bundesumwelt- und -Bauministerin Barbara Hendricks am Tagesabschluss bei der Verleihung des Deutschen Architekturpreises fest. Für ihre aktuellen politischen Aufgaben wünschte sie sich „die bewährte Partnerschaft der Bundesarchitektenkammer“. Deren Präsidentin Ettinger-Brinckmann nahm das Motto des Architektentages „Zukunft planen“ auf und ermutigte ihre Kollegen: „Planen wir die Zukunft – wir können das!“ Hannoversche ­Erklärung Die „Hannoversche Erklärung zum Deutschen Architektentag“ fokussiert auf die für den Berufsstand wichtigsten Themen: Wohnungsbau, Mittelstandsförderung und Zukunft als freier Beruf, Energiewende, Vergabeverfahren sowie Haftungsfragen und Digitalisierung im Bau. Den vollen Wortlaut finden Sie hier . Weitere Beiträge zum sowie Impressionen vom Deutschen Architektentag 2015 finden Sie hier Eine ausführliche Video-Dokumentation finden Sie hier (externer Link)

Nachhaltig, aber auch schön

In Zukunft soll die gestalterische Qualität in die Bewertung der Nachhaltigkeit von DGNB-zertifizierten Gebäuden einfließen. Der aktuelle Stand in vier Fragen und Antworten Text: Carmen Mundorff Was ist bisher geschehen? Ist die Atmosphäre, die Architektur schafft, messbar? An dieser Frage arbeitet die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen schon von Anbeginn. Viele Arbeitsgruppen haben darüber diskutiert, wie sich die Gestaltung angemessen in das Zertifizierungssystem integrieren lassen könnte. Anfangs beschränkte man sich auf das Abfragen nach Kunst am Bau und mit einem durchgeführten Architekturwettbewerb ließ sich ebenfalls punkten, alternativ mit anderen Auszeichnungen, die sich der Qualität von Gebauten widmen. Gegen die Vielzahl der einfach messbaren Kriterien, die sich gegebenenfalls auch mit einer Prüfung vor Ort bewerten lassen, waren die zwei Ansätze für den Nachweis guter Gestaltung allerdings nur ein Feigenblatt. Kritik wurde laut, denn eine Vielzahl von DGNB-Gold zertifizierten Gebäuden sind gestalterisch eher schlicht bis banal. Immer wieder wurden Grundsatzdiskussionen geführt und immer wieder war das Ergebnis, dass eine gute Gestaltung, die sich positiv auf Menschen auswirkt, nicht messbar ist. Doch 2015 wurde nochmals ein Versuch gestartet, um einen Weg zu finden, wie man innerhalb eines Zertifizierungsprozesses die Gestaltung bewerten könne. Welche Haltung haben die Kammern zu dem Thema? Neben Wettbewerben empfehlen die Architektenkammern und der Bund Deutscher Architekten (BDA) Gestaltungsbeiräte, die in Kommunen wirken, um bei Stadtbild prägenden Bauprojekten Empfehlungen zu geben. Bei der DGNB wird bereits seit 2011 darüber nachgedacht, ob so ein Gremium auch in den Zertifizierungsprozess integriert werden könne. In diesem Jahr nun konkretisiert sich der Gedanke. Unterstützt von der Bundesarchitektenkammer hat die DGNB sich zum Ziel gesetzt, die gestalterische Qualität unserer gebauten Umwelt zu fördern, indem sie ein Bewusstsein für dessen Bedeutung schaffen und eine konkrete Hilfestellung bei der Umsetzung geben will. Was wird nun konkret getan? Mit Auftrag der Bundesarchitektenkammer ausgestattet entwickelte die Strategiegruppe Vergabe und Wettbewerb der Architektenkammer Baden-Württemberg im Südwesten ein Bewertungskonzept, zu dem auch die Position des BDA gehört wurde. Neben der Struktur eines Gestaltungsbeirats, der diese Aufgabe künftig ausführen soll, wurden – in Anlehnung an Auszeichnungsverfahren und Wettbewerbe -– Kriterien für die inhaltliche Wertung zusammengestellt:
  • städtebauliche Qualität (städtebauliche bzw. landschaftliche Einbindung, Freiraumgestaltung, Umgang mit Grundstück und Topographie)
  • architektonische Qualität (Gesamtanmutung, Komposition, Proportionalität, Materialität, Farbe, Konstruktion, Details, Innenraumgestaltung)
  • Funktionalität (Grundrisse, Flexibilität und Umnutzbarkeit)
Diese Kriterien sollten projekt- bzw. objektspezifisch präzisiert, Anforderung, Gewichtung und Erfüllungsgrad im konkreten Betrachtungsfall definiert werden. In einer Pilotphase, die am 5. Oktober auf der EXPO REAL in München offiziell gestartet wird, will die DGNB zwei Bewertungswege ausprobieren, um das geeignetste Procedere künftig anzuwenden bzw. anzubieten. Welches Land ist hier Vorreiter? Im benachbarten Ausland startete übrigens 2013 die Pilotphase für den Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz – Hochbau (SNBS), der ein Jahr später mit den Erfahrungen aus 28 Projekten erfolgreich abgeschlossen wurde. Der SNBS umfasst das Gebäude an sich und den Standort im Kontext seines Umfeldes. Ziel des neuen Standards ist es, die drei Dimensionen des nachhaltigen Bauens (Gesellschaft, Wirtschaft, Umwelt) gleichermaßen und möglichst umfassend in Planung, Bau und Betrieb mit einzubeziehen und damit den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie phasengerecht zu berücksichtigen. Spannend an dieser Stelle ist die Säule der Gesellschaft, die unsere Nachbarn mit folgenden Zielen belegen:
  • gestalterische und städtebauliche Qualitäten
  • Bauen für alle
  • Individuelle Gestaltungsspielräume
  • Räume für soziale Kontakte
  • Gesundheit und Wohlbefinden
Das zuletzt genannte Kriterium wird von der DGNB von Anbeginn geprüft: visueller, akustischer und thermischer Komfort sowie die Raumluftqualität. Neu sind die Fragen nach innovativen Elementen, wie städtebauliche und architektonische Qualitäten und der Umgang mit den Bedürfnissen der unterschiedlichen Zielgruppen. Neben den Aspekten der Wirtschaft und der Umwelt wird in der Schweiz ein Gebäude als nachhaltig eingestuft, wenn
  • es im Kontext mit dem Ort steht und sein Umfeld berücksichtigt
  • die Zielgruppe in einem qualifizierten Verfahren einbezogen wurde
  • es angemessene Gebrauchs- und Nutzungsqualitäten aufweist
  • es einen guten Komfort und eine optimale Raumluftqualität ermöglicht.
Die gemeinsame Initiative von Wirtschaft und Verwaltung ist lobenswert und der Schweizer Regierung gebührt auch Anerkennung, denn der dortige Bundesrat hat die Förderung des nachhaltigen Bauens in seiner Strategie zur nachhaltigen Entwicklung verankert und unterstützt die Erarbeitung eines neuen Gebäudestandards. Neben dem Engagement der DGNB ist ein derart nationales Bekenntnis auch hierzulande wünschenswert. Carmen Mundorff ist bei der Architektenkammer Baden-Württemberg für den Bereich Architektur und Medien Alle Beiträge unseres DABthema Green Building finden Sie hier

Wahl-Hilfe

Die Zahl der Anbieter von Smarthome-Systemen steigt rapide. Diese Kriterien helfen bei der Entscheidung Text: Michael Krödel Alexander Schaper, Geschäftsführer der SmartHome-Initiative Deutschland, bringt es auf den Punkt: „Das beste System ist das, welches die von Nutzer definierten Anforderungen am zuverlässigsten umsetzen kann“. Denn nicht jeder Interessent oder Bauherr benötigt ein hochgradig intelligentes Gebäude. Vielen genügt ein gewisser Grad an Automation. Sollen beispielsweise nur Licht und Steckdosen angesteuert werden, benötigt der Nutzer ein weniger „smartes“ System als wenn auch noch die Verschattung angesteuert, die Heizung geregelt und Sicherheitstechnik zum Schutz vor Einbrecher integriert werden soll. Deshalb lässt sich auch keine allgemeingültige Rangliste der Systeme erstellen. Der Teufel steckt im Detail Smarthome-Systeme können dahingehend systematisch erfasst werden, welche Anforderungen sich mit ihnen umsetzen lassen. Ihre Funktionalität hängt entscheidend davon ab, ob passende Sensoren oder Aktoren verfügbar sind, die in das System eingebunden werden können. Wer zum Beispiel eine Raumtemperaturregelung wünscht, sollte ein System wählen, das auch Raumbediengeräte mit Solltemperatureinstellung anbietet. Denn nur damit kann der Nutzer über ein Stellrad oder ähnliches die Wärme selbst steuern. Eine Fußbodenheizung erfordert ein System, dass statt normalen Heizkörper-Stellantrieben passende Aktoren für Fußbodenheizung-Stellantriebe anbietet. Wer zur Heizung Zeitprogramme hinterlegen will, sollte sich informieren, ob das jeweilige System entweder eine Zeitschaltuhr im Programm hat oder das Zeitprogramm als Funktion eines Controllers oder Servers unterstützt. Wenn gefordert ist, dass sich die Heizung bei Abwesenheit ausschaltet, werden Präsenz- oder Bewegungsmelder benötigt, die auf die Heizungsaktoren wirken können. Soll sich die Heizung bei geöffneten Fenstern abschalten, müssen zum System auch Fensterkontakte oder Drehgriffsensoren gehören, die tatsächlich auf die Heizungsaktoren wirken können. Abbildung 1: Checkliste Teil 1 In Abbildung 1 sind im oberen Teil diese wesentlichen Fragen zur Heizung als Teil einer kurzen Checkliste aufgeführt. Dort sowie in Abbildung 2 werden dann die weiteren Fragen in Bezug auf Licht/Geräte, Verschattung und Sicherheit dargestellt. Die Fragen lassen sich schnell mit Hilfe eines Produktkatalogs eines Herstellers oder im Gespräch mit einem Firmenvertreter ermitteln. Deshalb sollte die Erfassung eines Systems in weniger als 15 Minuten möglich sein. Abbildung 2: Checkliste Teil 2 Automatische Auswertung durch Online-Erfassung Alternativ zur Papierversion steht hier (Unterbereich Smarthome/Onlineerfassung) auch ein Tool zur kostenlosen Nutzung zur Verfügung. Die Eingaben können bequem über den Computer am Arbeitsplatz erfolgen. Die Internetseiten sind außerdem so gestaltet, dass diese auch unterwegs mit einem Tablet-Computer genutzt werden können. So lassen sich beispielsweise bei Messebesuchen die Gespräche mit unterschiedlichen Firmen sofort protokollieren. Abbildung 3: Checkliste als „Online-Schnellerfassung“ Beim Ausfüllen sollten Architekten sich auf das konzentrieren, was sie als funktionierendes System von einem Anbieter (sei es direkt vom Hersteller oder als geprüfte Gesamtlösung über einen Systemintegrator) beziehen können oder selbst schon mal erfolgreich kombiniert haben. Wenn erforderliche Sensoren und Aktoren nicht im selben Katalog stehen, sondern mit dem Hinweis angeboten werden, man könne diese über (trickreiche) Kopplungen verbinden, dann ist das eher Plug-and-Pray statt Plug-and-Play, sprich nicht zu empfehlen. Ist die letzte Frage beantwortet, erzeugt das Tool eine Auswertung, die sich die Nutzer einschließlich der getätigten Eingaben per Mail zusenden und ausdrucken können. Abbildung 4 zeigt eine solche Auswertung für ein fiktives System. Hier ist deutlich zu erkennen, dass der Schwerpunkt dieses System auf der Regelung der Heizung liegt. Damit ist es für Anforderungen aus den anderen Bereichen kaum oder gar nicht geeignet. Interessant dürfte zudem Folgendes sein: Werden mehrere infrage kommende Systeme (zum Beispiel KNX, EnOcean, LON, LCN, digitalstrom) erfasst, sind die Ergebnisse sehr verschieden, was viele überrascht. Auf diese Weise kommen Nutzer aber einer Antwort auf die Frage nach dem richtigen System für den konkreten Anwendungsfall schnell näher. Abbildung 4: Auswertung der Online-Schnellerfassung Nicht irritieren lassen Gerne wird auf den Hochglanzbroschüren der Hersteller propagiert, dass ein System smart sei, weil es über ein App steuerbar ist. Viele Menschen glauben deshalb auch, dass ein Smarthome nur mithilfe eines Smartphones bedienbar ist. Das schürt auch Ängste. Dabei ist genau der umgekehrte Fall richtig. Smart ist ein Haus dann, wenn eben gerade nicht für jede Kleinigkeit eine Interaktion mit dem Menschen erforderlich ist. Ein Smarthome sollte in der Lage sein, selbst zu entscheiden, wann das Licht ein- oder auszuschalten ist oder wann es sinnvoll ist, die Heiztemperatur zu senken. In fast allen Gebäuden gibt es regelmäßig wiederkehrende Verhaltensmuster der Nutzer. Sie sollten der Automation im Vorfeld die angemessenen Verhaltensregeln hinterlegen und ihr damit ohne ständige Rückfragen zu ermöglichen, das Gebäude beziehungsweise die technischen Einrichtungen richtig zu betreiben. Nur so wird gewährleistet, dass der Nutzer nicht ständig gefordert oder gar genervt wird: Das gilt insbesondere für Sicherheitsfunktionen. Ein Smarthome-System, das lediglich den Nutzer per Smartphone informiert, dass ein Einbruch stattfindet oder Wasser ausläuft, ist nur bedingt hilfreich. Wie realistisch ist es, dass der Nutzer die Information auch tatsächlich sofort liest und in der Lage ist, Maßnahmen in die Wege zu leiten? Ist es nicht sinnvoller, dass das Smarthome-System selber in der Lage ist, den Einbrecher zu verschrecken (Licht, Geräusche, Türklingel) oder den Wasserzulauf abzusperren? Echte Intelligenz kommt nicht über das Produkt, sondern über die Art und Weise, wie es geplant und ausgeführt wird. Das wiederum funktioniert aber nur mithilfe eines kompetenten Fachbetriebes und nicht auf dem Weg der Selbstmontage eines Smarthome-Starterpaketes, das man im Baumarkt kauft oder über das Internet bezieht. Michael Krödel ist Professor für Gebäudetechnik und -automation an der Hochschule Rosenheim und Leiter des Instituts für Gebäudetechnologie in Ottobrunn bei München Quelle: IGT-Richtlinie 01:Anforderungen an Smarthome-Systeme, IGT-Institut 2014, www.igt-institut.de Zahlreiche Fachbeiträge zum smarten Wohnen finden Sie hier – in unserem DABthema „Gebäudeautomation“.

Klare Vorgaben sind gefragt

Was sollte der Architekt in Abstimmung mit dem Bauherrn vorgeben, um ein ganzheitlich optimiertes und bedienbares Gebäude zu erhalten? Text: Michael Krödel Falls die Hausbewohner das Gefühl haben, nicht mehr selbst bestimmen zu können, wann die Rollläden öffnen und schließen, das Licht an- und ausgeht oder Räume zur falschen Zeit beheizt werden, dann ist bei der Planung und Ausführung der Gebäudeautomation etwas grundsätzlich schief gelaufen. Ob die Gebäudeautomation am Ende funktioniert, hängt entscheidend davon ab, ob zu Beginn klare Anforderungen festgelegt werden und wer anschließend mit der Planung und Umsetzung beauftragt wird. Zwar erfolgt die korrekte technische Umsetzung durch den Elektriker oder Systemintegrator. Doch Aufgabe des Architekten ist es, die für den Nutzer relevanten Aspekte vorzugeben. Deshalb muss er zu Beginn jeder Planung mit dem Bauherrn klären, was überhaupt automatisiert werden soll. Das scheint so selbstver-ständlich, wird aber in der Regel nur unzureichend durchgeführt. Den Bedarf ermitteln Jeder Mensch hat naturgemäß andere Präferenzen. Während der eine Ein-bruchschutz oder Rauchmelder-Überwachung favorisiert, bevorzugt ein anderer mehr Komfort, wie Raumtemperaturregelung, automatisierte Rollläden oder Lichtszenarien. Um die gewünschten Funktionen systematisch so abzufragen, dass der Nutzer sie auch beurteilen kann, wurde ein Fragebogen mit rund 50 Fragen entwickelt, deren Beantwortung keine technischen Kenntnisse der Gebäudetechnik und -automation voraussetzt. Der vollständige Fragebogen umfasst in der aktuellen Version 16 Seiten und ist kostenlos verfügbar. Um zu erfahren, ob eine Funktion auf jeden Fall, nur eventuell gewünscht oder abgelehnt wird, sind differenzierte Antworten möglich. Wichtig ist zudem die Zuordnung der Funktionen zu den einzelnen Räumen. Auszug aus dem Fragebogen zur Beleuchtung. Zusätzlich könnte in den Textfeldern noch weitere Informationen hinterlegt werden, zum Beispiel Art und Anzahl der Taster für die Beleuchtung (Grafik: Institut für Gebäudetechnologie)   Auszug aus dem Fragebogen zur Verschattung (Grafik: Institut für Gebäudetechnologie) Die Anforderungen in die Planung übertragen Die Überleitung der Ergebnisse aus dem Fragebogen auf die benötigten Ele-mente erfolgt durch einen versierten Elektroplaner oder Systemintegrator. Der vollständige Prozess ist in der IGT-Richtlinie 02: „Planung von Smartho-me-Systemen“ dargestellt. Da dieser Teil üblicherweise nicht durch den Architekten erfolgt, wird das Prozedere hier nicht detailliert beschrieben. Wichtig für Architekten ist allerdings, dass Elektroplaner oder Systemintegratoren ihre Planung und vor allem die Aus-wirkungen auf den Nutzer mit ihm abstimmen. Ebenso sind Art, Anzahl und Position der Sensoren und Aktoren gemeinsam festzulegen. Auch sollte ein versierter Elektroplaner oder Systemintegrator unterschiedliche Technologien kennen und darstellen können und die für das konkrete Objekt gewählte Technologie begründen können. Um für ein konkretes Projekt entscheiden zu können, welche Technologie beziehungsweise welches System in Frage kommt, muss man wissen, für welches Anwendungsgebiet diese geschaffen wurden und welche Funktionen sie leisten können. Dazu ist zunächst in die Teilgebiete Raumautomation und Anlagenautomation zu unterscheiden. Beide Teilgebiete sollten im Sinne einer ganzheitlich optimierten Automation miteinander kommunizieren können. Für die folgenden Betrachtungen müssen wir aber das Gesamtgebiet der Gebäudeautomation in genau diese beiden Teilgebiete gliedern. Übersicht zu Systemen und Funktionalitäten (Grafik: Institut für Gebäudetechnologie) Anlagenautomation: Technologien und Systeme Im Bereich der Anlagenautomation, also dem automatisierten Betrieb von Heizungs-, Lüftungs- oder Klimaanlagen, stehen zunächst sogenannte integrierte Regelungen zur Verfügung. Diese sind üblicherweise Teil einer Anlage und verfügen über kleine Displays mit eigenen Tasten. Diese integrierten Regelungen übernehmen den Betrieb der jeweiligen Anlage. Zu jedem modernen Heizkessel und zu jeder modernen Lüftungsanlage wird heutzutage üblicherweise vom Hersteller eine dazu passende integrierte Regelung mit angeboten. Dadurch, dass diese Regelungen auf genau die dazugehörige Anlage ausgelegt sind, gewährleisten diese eine gewisse Funktionalität. Weit funktionaler sind hingegen DDC-Controller (Direct Digital Control). So werden die zentralen Controller der professionellen Gebäudeautomation be-zeichnet. Ein DDC-Controller ist ein kleiner Mini-Computer, der meist in einem Schaltschrank montiert und an die im Gebäude platzierten Sensoren und Aktoren angeschlossen ist. Um die Signale von den Sensoren zu verar-beiten und die Aktoren korrekt anzusteuern, läuft auf der DDC wiederum eine Software mit gebäudespezifischen Funktionen. DDC-Controller haben den Vorteil, dass diese mehrere Anlagen gleichzeitig betreiben können und somit einen abgestimmten Betrieb mehrerer Anlagen gewährleisten. Die vielen einzelnen Anlagenkomponenten wie Heizungs-, Lüftungs- und Klima-anlage werden dadurch in ein harmonisches Gesamtgebilde überführt. Eine solche Lösung ist deutlich funktionaler wie die zuvor erwähnten integrierten Regelungen. An einen zentralen Controller werden die Sensoren und Aktoren direkt angeschlossen. Inzwischen unterstützen aber fast alle Controller auch kabel- und funkbasierte Bussysteme, also unter anderem auch KNX und EnOcean. Durch die hohe Funktionalität können oft einfachere und damit günstigere Sensoren und Aktoren verwendet werden, was einen Preisvorteil mit sich bringen kann. Zum anderen ermöglicht ein Controller meist umfangreichere Funktionen sowie Visualisierung. Das Angebot an Controllern ist dabei schon jetzt sehr hoch und nimmt stetig zu. Neben dem Preis sollten auf die Art und Anzahl der Schnittstellen, die möglichen Funktionen (frei programmierbar oder „nur“ vordefinierte Funktionen) sowie die Art und damit der verbundene Aufwand für die Programmierung geachtet werden. Zentrale Gebäudeautomation mit Nutzungsmöglichkeit von Bussystemen und Funk (Grafik: Institut für Gebäudetechnologie) Raumautomation: Technologien und Systeme Auch in der Raumautomation, also der Automation von Raumheizung, Beleuchtung, Verschattung und so weiter, gibt es Abstufungen in Bezug auf die Funktionalität. Zunächst sind die vielen Smarthome-Lösungen zu nennen, wie sie inzwischen zu Haufe auf dem freien Markt angeboten werden. Bei genauerem Hinsehen wird man eine sehr große Bandbreite an Funktionalität entdecken. Viele Systeme sind sehr einfach und wenig funktional während andere das ganze Spektrum an Raumautomationsfunktionen abdecken. Deshalb ist in Abbildung 3 der Kasten für die Smarthome-Systeme von ganz unten bis deutlich über den Mittelstrich aufgetragen. Für die Raumautomation sind Bussysteme verbreitet und akzeptiert. Die Kommunikation zwischen Sensoren und Aktoren erfolgt über ein Bus-Kabel, welches zusätzlich zu anderen Kabeln im Gebäude zu verlegen ist. Dabei ist der Verkabelungsaufwand nicht unerheblich und insbesondere bei Nachrüstungen in Bestandsgebäuden oft nicht durchführbar. Abhilfe können funkbasierte Technologien schaffen. Besonders interessant ist die Kombination aus beidem. Hierbei werden funk- und busbasierte Systeme über Gateways ve-bunden. So lässt sich ein Bussystem auch dann flexibel erweitern, wenn Elemente wie Sensoren an Stellen benötigt werden, zu denen eine Kabelführung nicht oder nur schwer möglich ist. Dezentrale Gebäudeautomation – oder BUS-System oder über Funk (Grafik: Institut für Gebäudetechnologie) Ein weit verbreitetes und etabliertes Bussystem ist KNX, das sich aufgrund seiner breiten Funktionalität auch für anspruchsvolle Projekte eignet. Aber auch LON oder LCN kommen dafür in Frage. Während KNX seine historischen Wurzeln in Europa hat, wurde LON in den USA entwickelt und ist inzwischen auch in Europa verbreitet. Gegenüber KNX ist die Umsetzung von LON-Projekten komplexer, bietet aber andererseits eine höhere Funktionalität. Auch sind im Anlagenbereich hier und da LON-Schnittstellen verfügbar, so dass in Abbildung 3 der Kasten für LON etwas in den Anlagenautomationsbereich hineinreicht. Die höchste Flexibilität lässt sich allerdings über (frei pro-grammierbare) DDC-Controller erreichen. Damit diese im Raum eingesetzt werden können, müssen sie aber sogenannte Feldbussysteme unterstützen. Das ist nichts anderes als die Anbindung von Sensoren und Aktoren über ein Bussystem, denn immerhin käme die Anbindung von jedem Sensor und Aktor über ein jeweils eigenes Kabel für den Einsatz in Räumen nicht in Be-tracht (es kämen mehr Kabel und größere Leitungslängen zusammen, wie man sinnvollerweise in den Räumen verlegen könnte). Die höchste Funktionalität ist somit immer mit einem DDC-System zu errei-chen. Es ist aber falsch daraus zu schlussfolgern, dass ein DDC-Controller immer die richtige Lösung ist. Es kommt darauf an, wie hoch der Anspruch an die Automation ist. Deshalb ist in Abbildung 3 ein Querstrich auf halber Höhe eingeführt, der in Wohngebäude und Nichtwohngebäude unterteilt. Wohngebäude befinden sich in der unteren Hälfte. Selbst in Mehrparteienhäusern halten sich die Anforderungen an die Funktionalität in Grenzen. Für Einfamilienhäuser genügen meist die in den Brenner oder die Gastherme integrierten Regelungen und nur bei komplexen Projekten, wie mehrgeschossigen Wohnanlagen, wird man im Keller einen DDC-Controller installieren. Für die Raumautomation im Wohnbereich kommen bevorzugt Smarthome-Systeme oder auch KNX oder LCN in Frage. DDC-Systeme sind hier unüblich und das gilt auch für größere Wohnanlagen, da man zur Tren-nung von nutzerbezogen (und daher vertraulichen) Daten lieber jedem Bewohner ein eigenes System spendiert, als einen zentralen DDC-Controller. Michael Krödel ist Professor für Gebäudetechnik und -automation an der Hochschule Rosenheim und Leiter des Instituts für Gebäudetechnologie in Ottobrunn bei München  Alle Beiträge unseres DABthemas Gebäudeautomation Wohnen finden Sie hier

Die Haftung des Architekten bei schadstoffbelasteten Gebäuden

Wünscht der Bauherr umweltfreundliche Bauprodukte oder schadstoffarme Materialien, so ist der Architekt sein erster Ansprechpartner für die Umsetzung seiner Ziele. Doch inwieweit kann er dem Architekten aufgegeben, die „Gebäudegesundheit“ sicherzustellen? Text: Dr. Barbara Gay Foto: Fotolia Vertragliche Vereinbarungen In jedem Stadium seiner Leistungserbringung kann der Architekt damit beauftragt werden, sein Augenmerk besonders auf baubiologische und gesundheitliche Themen zu richten. Bei der Grundlagenermittlung hat der Architekt die Interessenlage des Bauherrn zu erforschen. Er muss deshalb auch ohne besonderen Auftrag herausfinden: • ob besondere energiesparende Maßnahmen gewünscht sind, • ob der Bauherr bestimmte allergene Stoffe meiden möchte, • ob er an einer guten Innenraumluftqualität besonderes Interesse hat und • ob es wegen der besonderen Art der Nutzung bestimmter Lüftungsanlagen – über die anerkannten Regeln der Technik hinaus – und ähnlichem bedarf. Was der Auftraggeber nicht bereits selbst vorgibt, muss der Architekt erfragen. Er ist Sachwalter der Bauherreninteressen. Im Architektenvertrag können Zielwerte für die Innenraumluftqualität vorgegeben werden, also etwa Grenzwerte für Stoffe wie Formaldehyd oder Radon. Es können auch Belastungshöchstwerte einzelner Baustoffe als Bausoll vereinbart werden. Die Parteien können festlegen, dass nur Baustoffe mit entsprechender Zertifizierung verwendet werden dürfen und dass der Architekt einen Sonderfachmann einzuschalten hat, der ggf. baubegleitende Messungen oder auch Abschlussmessungen durchführt, um erzielte Werte zu dokumentieren. Schließlich kann dem Architekten vorgegeben werden, dass das Gebäude ein bestimmtes Zertifikat erhalten soll und somit rechtzeitig die Vorgaben der Zertifizierungsstelle zu erfüllen sind. Der Architekt wird bei entsprechenden vertraglichen Vorgaben schon in den Planungsstadien Themen der Baugesundheit im Blick haben. Das gilt für die Bauphysik ebenso wie für die Planung bestimmter Arbeitsweisen. Bereits in der Planungsphase hat sich der Architekt mit den auszuführenden Materialien zu beschäftigen. In den einzelnen Kostenermittlungsarten hat er höherpreisige, auf Schadstoffarmut geprüfte Produkte zu berücksichtigen. Vor allem bei der Ausschreibung kommt dem Architekten die Verpflichtung zu, die richtigen Materialien festzulegen. Dabei kann es erforderlich werden, in den Ausschreibungstext handwerkliche Selbstverständlichkeiten mit aufzunehmen, die normalerweise der ausdrücklichen Erwähnung nicht bedürfen. Beispielsweise sind zu verwendende Kleber, Mörtel und ähnliches vorzugeben, wenn dies zur Erreichung etwa der vereinbarten Innenraumluftqualität erforderlich ist. Bei der Objektüberwachung trägt der Architekt die Verantwortung dafür, dass die vertraglich vereinbarten Materialien auch eingebaut und dass die vorgeschriebenen Arbeitsweisen umgesetzt werden. Unter Umständen ist es erforderlich, permanente baubegleitende Messungen durch Einschaltung von Sonderfachleuten durchzuführen, um die vertraglich vereinbarten Werte zu erzielen. Wurde die Zertifizierung vertraglich vereinbart, ist der Architekt im Rahmen der Objektüberwachungsphase verpflichtet, die Voraussetzungen hierfür sicherzustellen, rechtzeitig mit der Zertifizierungsstelle Kontakt aufzunehmen und für die Umsetzung von Auflagen, Erstellung von Nachweisen und Dokumenten Sorge zu tragen. Der Schwerpunkt der Tätigkeit des Architekten liegt nach dem Gesagten sicherlich in der Auswahl geeigneter Materialien, die die Erreichung der vereinbarten Zielwerte, insbesondere der Innenraumluftqualität ermöglichen. Dem Architekten wird dabei eine Materialkenntnis abverlangt, die über den typischen Kenntnisstand des Architekten hinausgeht. Dies dürfte sich auch dahingehend auswirken, dass der Architekt verstärkt bei Ungeeignetheit eines Materials haftet. Grundsätzlich darf sich der Architekt darauf verlassen, dass Materialien, die erprobt sind und für den verwendeten Zweck allgemein als geeignet angesehen werden, unbedenklich verwendet werden können. Bei neuartigen Baustoffen muss der Architekt den Bauherrn darauf hinweisen, dass die Stoffe noch nicht ausreichend erprobt sind und muss die Entscheidung, ob die Materialien verwendet werden sollen, dem Bauherrn überlassen. Der Architekt ist verpflichtet, Produkte von renommierten Unternehmen auszuschreiben, und sich über Materialeigenschaften zu informieren. Er muss Äußerungen qualifizierter Institute einholen, Materialprüfungsberichte studieren und die Verarbeitungsrichtlinien des Herstellers beachten. Dagegen ist der Architekt grundsätzlich zu eigenen Kontrollen und Prüfungen nicht verpflichtet. Wenn der Architekt diese Vorgaben beachtet, haftet er in der Regel nicht, wenn sich das Material gleichwohl als ungeeignet herausstellt. Da der Architekt zur Nachbesserung seiner Planung und Ausschreibung nicht verpflichtet ist, wenn sich der Mangel bereits im Bauwerk niedergeschlagen hat, das fehlerhafte Material also bereits eingebaut ist, kommt in diesen Fällen nur noch eine Haftung auf Schadensersatz in Betracht. Hat der Architekt jedoch kein Verschulden, weil er die vorgenannten Grundsätze beachtet hat, scheidet ein Schadensersatzanspruch aus. Hat es der Architekt hingegen übernommen, für die Schadstofffarmut der Materialien Sorge zu tragen, wird man ihm jedenfalls in Bezug auf die hierfür entscheidenden Parameter eine erhöhte Sorgfaltspflicht zubilligen müssen. Er wird sich etwa in Bezug auf angegebene Emissionen nicht nur auf die Herstellerangaben verlassen dürfen, sondern muss etwa erforschen, ob die Baustoffe von qualifizierten Instituten und Zertifizierungsstellen geprüft und empfohlen werden. Der Architekt kann sich nicht damit entlasten, er sei im gesunden Bauen noch nicht versiert. Gleichwohl sei jedem Bauherrn geraten, die Erfahrungen des Architekten in diesem Bereich durch Referenzobjekte zu überprüfen. Das Fehlen vertraglicher Vereinbarungen Hat sich im Rahmen der Grundlagenermittlung ergeben, dass dem Bauherrn die Schadstoffarmut nicht wichtig ist, darf der Architekt konventionell planen. Er muss etwa einen weniger emittierenden Schnellestrich einem stärker emittierenden nicht vorziehen, selbst dann nicht, wenn sich ein Kostenunterschied nicht ergibt. Denn der Architekt ist zu einer optimalen Planung regelmäßig nicht verpflichtet. Die Verwendung zugelassener Baustoffe renommierter Baustoffhersteller kann der Architekt ohne eigene Überprüfungen planen und ausschreiben. Allerdings dürfte ein Fehler des Architektenwerkes vorliegen, wenn die unter der Regie des Architekten verwendeten Baustoffe Gesundheitsschäden hervorrufen und der Architekt dies – wegen seiner besonderen übernommenen Prüfpflichten – hätte erkennen müssen. So wurde es als Bauwerkmangel angesehen, wenn der verwendete Baustoff objektiv gesundheitsgefährdend ist . Auch muss es ein Bauherr gegenüber dem Bauunternehmer nicht hinnehmen, dass von einer aufgebrachten Parkettversiegelung monatelang ein starker Lösungsmittelgeruch ausgeht. Entsprechende Grundsätze wird man auf das Architektenwerk zu übertragen haben. Stets ist dabei aber zu bedenken: Während der Bauunternehmer verschuldensunabhängig für Materialmängel im Rahmen der Gewährleistung haftet, haftet der Architekt nur, wenn ihn ein Verschulden trifft, da der gegen ihn gerichtete Anspruch in der Regel auf Schadensersatz gerichtet ist. Weiterhin muss der Architekt – wie immer – die anerkannten Regeln der Technik beachten. Ob der Richtwerttabelle des Ausschusses für Innenraumrichtwerte des Umweltbundesamtes dieser Status zukommt, ist nicht eindeutig. Aber der Architekt tut gut daran, so zu planen und auszuschreiben, dass die empfohlenen Richtwerte durch die von ihm geforderten Baustoffe nicht überschritten werden. Das LG München I sieht in der Tabelle jedenfalls die Darstellung „anerkannter Grenz- und Richtwerte“, bei deren Überschreitung eine Gesundheitsgefährdung jedenfalls nicht ausgeschlossen werden kann, weshalb im entschiedenen Fall ein Mietmangel bejaht wurde. Der Inhalt des Anspruches gegen den Architekten Wie jeder Werkunternehmer, so ist auch der Architekt bei Auftreten eines Werkmangels zur Nachbesserung berechtigt und verpflichtet, soweit eine Nachbesserung noch möglich ist. Für den Architekten bedeutet dies, dass Planungs- und Ausschreibungsfehler noch so lange behoben werden können, wie sich diese noch nicht im Bauwerk verwirklicht haben. Ansonsten ist der Bauherr auf Schadensersatzansprüche zu verweisen. Schreibt der Architekt zu stark emittierende Baustoffe aus und erkennt er den Fehler noch vor Einbau, kann er hier gegebenenfalls noch eine Änderungsanordnung im Sinne des § 1 Abs. 3 VOB/B treffen und somit nachbessern. Sind die Baustoffe bereits eingebaut und überschreiten die Innenraumluftwerte die vertraglich vereinbarte Beschaffenheit, haftet der Architekt – bei Verschulden – auf Schadensersatz in Bezug auf die Sanierungskosten. Eine gesamtschuldnerische Haftung mit anderen am Bau Beteiligten kommt in Betracht, wenn auch diese pflichtwidrig die geschuldete Schadstoffarmut nicht realisiert haben. Hat etwa der Generalunternehmer die ausgeschriebenen schwach emittierenden Baustoffe nicht eingebaut, der Architekt hat dies im Rahmen der Objektüberwachung übersehen, kommt eine gesamtschuldnerische Haftung infrage, so dass derjenige, der zunächst durch den Bauherrn in Anspruch genommen wird, einen entsprechenden Ausgleichsanspruch gegen den zweiten Gesamtschuldner hat. Fazit Im Rahmen der Grundlagenermittlung muss der Architekt eruieren, ob der Bauherr an der Umsetzung gesundheitlicher Themen, insbesondere der Schadstoffarmut seines Gebäudes, Interesse hat. Werden bestimmte Grenzwerte oder die allgemeine Forderung nach einer möglichst geringen Schadstoffbelastung im Rahmen einer Beschaffenheitsvereinbarung Gegenstand des Architektenvertrages, muss der Architekt die Vereinbarung umsetzen, ansonsten ist das Architektenwerk mangelhaft. Auch ohne Beschaffenheitsvereinbarung dürfen die von dem Architekten ausgeschriebenen Baustoffe nicht die Gesundheit der Nutzer beeinträchtigen. Die anerkannten Regeln der Technik sind in jedem Falle einzuhalten. Gegebenenfalls kann der Architekt für die Umsetzung spezieller Belange der „Baugesundheit“ einen Sonderfachmann einschalten. Dr. Barbara Gay ist Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht bei Kapellmann und Partner Rechtsanwälte in Düsseldorf

Ausschreibung und Vergabe

Öffentliche Bauvorhaben bieten viele Möglichkeiten innenraumhygienische Aspekte bei Ausschreibung und Vergabe zu berücksichtigen Text: Hendrik Röwekamp Dr. Hendrik Röwekamp ist Rechtsanwalt in der Praxis Kapellmann und Partner in Düsseldorf Bei Baumaßnahmen der öffentlichen Hand stellt sich im Rahmen der jeder Auftragsvergabe vorgeschalteten Bedarfsanalyse auch die Frage, ob und welche gesundheitlichen Anforderungen das Gebäude erfüllen soll beziehungsweise inwieweit Gesundheitsaspekte im weiteren Planungs- und Bauprozess berücksichtigt werden sollen. Die vergaberechtlichen Bestimmungen lassen eine Berücksichtigung solcher Aspekte auf unterschiedliche Weise zu. In einzelnen Landesvergabegesetzen wird der öffentliche Auftraggeber sogar ausdrücklich hierzu ermutigt. So weist etwa § 17 RVO TVgG-NRW darauf hin, dass der öffentliche Auftraggeber bei Bauvergaben Nachhaltigkeitsaspekte hinsichtlich ökologischer und gesundheitsrelevanter Anforderungen an Bauwerk und Material in der Planung festlegen und in jeder Phase des Vergabeverfahrens vorgeben könne. In dem beim Bundeshochbau zu beachtenden Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB), dessen Berücksichtigung auch auf Landes- und kommunaler Ebene empfohlen wird (vgl. z.B. § 11 Abs. 4 RVO TVgG-NRW), werden in der Unterkriteriengruppe „Gesundheit, Behaglichkeit und Nutzerzufriedenheit“ auch verschiedene gesundheitsrelevante Aspekte, wie der Innenraumlufthygiene, behandelt. Sollen gesundheitsrelevante Anforderungen wie insbesondere eine möglichst hohe Innenraumlufthygiene in dem neu zu errichtenden oder zu sanierenden Gebäude berücksichtigt werden, bedarf es entsprechender Planungskompetenz. Die einschlägigen Bestimmungen zur Vergabe von Bauleistungen sehen vor, dass die Ausschreibung eines Bauauftrags grundsätzlich auf Basis einer Leistungsbeschreibung mit Leistungsverzeichnis zu erfolgen hat (sog. detaillierte Leistungsbeschreibung, siehe hierzu § 7 Abs. 9 VOB/A), in der dem Bieter im Einzelnen vorgegeben wird, welche Teilleistungen er im Auftragsfall auszuführen hat. Daraus folgt, dass der Erfüllungsgrad bestimmter Nachhaltigkeitskriterien ganz maßgeblich durch die Leistungsbeschreibung beziehungsweise die ihr zugrunde liegende Planung beeinflusst wird. Verantwortung liegt beim Architekten Die Schlüsselverantwortung für die Berücksichtigung von Gesundheitsaspekten liegt damit grundsätzlich beim Planer/ Architekten. Wenn die Bauverwaltung externe Planer beauftragt, muss sie also darauf achten, dass diese entsprechend qualifiziert sind. Zu diesem Zweck sind sachgerechte Anforderungen an die erforderliche Fachkunde und deren Nachweis zu definieren. Konkret sollte gefordert werden, dass der Planer über Fachwissen, bestenfalls Planungserfahrung bezüglich der Berücksichtigung bestimmter Gesundheitsaspekte wie der Innenraumhygiene verfügt, die anhand entsprechender Schulungen oder Referenzprojekte nachzuweisen ist. Dass dadurch der Kreis potentieller Bieter erheblich eingeschränkt wird, ist vergaberechtlich nicht zu beanstanden, solange die Anforderungen sachlich begründet werden können. Weiter kann von den zur Abgabe eines Angebots aufgeforderten Büros eine Aussage dazu gefordert werden, wie diese im Auftragsfall bestimmte Gesundheitsaspekte im Rahmen der Planung und Bauüberwachung berücksichtigen würden, und das entsprechende Konzept als Wertungskriterium bei der Vergabeentscheidung berücksichtigt werden. Dabei sind nicht nur die grundsätzlichen Anforderungen der Bauverwaltung im Vertrag festzuschreiben. Auch das vom Bieter zur Erfüllung dieser Anforderungen vorgelegte Konzept wird Vertragsbestandteil und bestimmt damit das Leistungssoll. Hinsichtlich der Vergabe von Planungsleistungen lassen sich Aspekte des Gesundheitsschutzes also bei den Anforderungen an die Eignung der Planer, als Gegenstand der Aufgabenbeschreibung/ Planungsaufgabe sowie auch im Rahmen der Auswahlentscheidung für eines der anbietenden Planungsbüros berücksichtigen. Spielraum für Auftraggeber Bei der Ausschreibung von Bauleistungen ist von Bedeutung, dass der Auftraggeber hinsichtlich der Festlegung des Auftragsgegenstands über einen weiten Spielraum verfügt. Entschließt er sich zur Beschaffung, ist er frei in seiner Entscheidung, welchen Auftragsgegenstand er für erforderlich oder wünschenswert hält. Er kann danach bei einer Schulbaumaßnahme zum Beispiel festlegen, dass in den Klassenräumen bei ausreichender Belüftung eine bestimmte Raumluftqualität gewährleistet sein soll. Daraus resultieren in der Planung bestimmte Anforderungen an die Gestaltung (zum Beispiel Art und Größe der Fenster) sowie an die zu verwendenden Baustoffe (zum Beispiel eine bestimmte emissionstechnische Beschaffenheit). An dieser Stelle ist aus vergaberechtlicher Sicht dann Folgendes zu beachten: Der Auftraggeber darf Umwelteigenschaften der zu verwendenden Baustoffe vorschreiben und vorgeben, dass die Erfüllung dieser Anforderungen vom Bieter entweder bereits mit dem Angebot oder nach Beauftragung im Rahmen der Bauausführung nachzuweisen ist. Er kann zulassen, dass der Nachweis der Erfüllung über bestimmte anerkannte Umweltzeichen erfolgt, solange gleichwertige Nachweise zugelassen werden. Die Forderung, dass die Baustoffe mit einem bestimmten Umweltgütezeichen versehen sind, ist vergaberechtswidrig. Die Leistungsbeschreibung muss insoweit „gütezeichenneutral“ erfolgen. Grundsätzlich darf die Leistungsbeschreibung im Hinblick auf einen möglichst breiten Wettbewerb keine Hersteller- und Fabrikatsbezeichnungen enthalten. Etwas anderes gilt nur ausnahmsweise dann, wenn der Auftragsgegenstand nicht hinreichend genau und allgemein verständlich, wie durch Festlegung bestimmter emissionstechnischer Eigenschaften von Baustoffen, beschrieben werden kann, die Angabe eines bestimmten Herstellers oder Fabrikats also erforderlich ist, um die qualitativen Anforderungen eindeutig zu beschreiben. Um deutlich zu machen, dass es sich bei der Hersteller- bzw. Fabrikatsangabe nur um ein Instrument zur Konkretisierung der Leistungsanforderungen handelt (sog. Leitfabrikat), nicht aber um eine Vorgabe, muss sie mit dem Zusatz „oder gleichwertig“ versehen werden (vgl. § 7 Abs. 8 Satz 2 VOB/A). Zwar ist jede produkt-, verfahrens- oder technikspezifische Ausschreibung per se wettbewerbsfeindlich. Das bedeutet aber nicht, dass eine solche Ausschreibung in jedem Fall vergaberechtlich unzulässig ist. Produktvorgaben sind nicht völlig ausgeschlossen, sondern können im Einzelfall ausnahmsweise zulässig sein, soweit sie durch den Auftragsgegenstand gerechtfertigt sind (vgl. § 7 Abs. 8 Satz 1 VOB/A). Sie können insbesondere durch das grundsätzliche Leistungsbestimmungsrecht des Auftraggebers gerechtfertigt sein. Hier haben einige Oberlandesgerichte, wie das Oberlandesgericht Düsseldorf, in den letzten Jahren eine durchaus auftraggeberfreundliche Rechtsprechung entwickelt. Nach dieser Rechtsprechung wird die Entscheidung von zahlreichen Faktoren beeinflusst, unter anderem von technischen, wirtschaftlichen, gestalterischen oder solchen der sozialen, ökologischen oder ökonomischen Nachhaltigkeit. Die Wahl unterliegt der Bestimmungsfreiheit des Auftraggebers, deren Ausübung dem Vergabeverfahren vorgelagert ist und auch nur eine eingeschränkte Überprüfung darauf zulässt, ob die Anforderungen des Auftraggebers durch den konkreten Auftragsgegenstand gerechtfertigt sind und sachlich begründet werden können. Die vom Auftraggeber aufgestellten Anforderungen müssen dabei mit Blick auf sein Bestimmungsrecht keineswegs zwingend sein, sondern nur vertretbar erscheinen. Wenn der Auftraggeber also sachlich nachvollziehbar bestimmte Anforderungen an Umwelteigenschaften eines zu verwendenden Baustoffs aufstellt und zu der Einschätzung gelangt, dass nur der Baustoff eines bestimmten Herstellers aktuell diese Anforderungen erfüllt, ist es nach dieser inzwischen herrschenden Rechtsprechung zulässig, die Verwendung eben dieses Baustoffes in der Leistungsbeschreibung vorzugeben. Es stellt sich in dem Zusammenhang die Frage, ob und in welchem Umfang der Auftraggeber vorab im Wege einer Markterkundung auch nach anderen Lösungen suchen muss. Die obergerichtliche Rechtsprechung verneint dies überwiegend ebenfalls unter Verweis auf das Leistungsbestimmungsrecht, fordert aber eine nachvollziehbare Dokumentation der Beschaffungsentscheidung, aus der eine sachliche Rechtfertigung für die aufgestellten Anforderungen hervorgeht. Funktionale Ausschreibung Abweichend vom Grundsatz einer detaillierten Leistungsbeschreibung können Bauleistungen unter bestimmten Voraussetzungen auch funktional, auf Basis einer so genannten Leistungsbeschreibung mit Leistungsprogramm ausgeschrieben werden. In dem Fall wird neben der Bauausführung auch der Entwurf (sog. totalfunktionale Ausschreibung, vgl. § 7 Abs. 13 VOB/A) oder zumindest die Ausführungsplanung (sog. teilfunktionale Ausschreibung) in den Wettbewerb gestellt. Gesundheitsaspekte können dann dadurch berücksichtigt werden, dass in der Leistungsbeschreibung zum Beispiel bestimmte innenraumhygienische Anforderungen festgelegt werden, welche das Bauwerk bei Abnahme der Bauleistungen erfüllen muss. Wie diese Anforderungen erfüllt werden, bleibt dem Auftragnehmer überlassen. Alternativ kann der Auftraggeber sich darauf beschränken, keine zwingenden oder nur bestimmte Mindestanforderungen an die Innenraumhygiene festzulegen, aber durch Bestimmung der Innenraumlufthygiene als Wertungskriterium zu erkennen geben, dass es sich hierbei aus seiner Sicht um einen wertbildenden Faktor handelt, der bei der Ermittlung des wirtschaftlichsten Angebots beziehungsweise des Angebots mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis berücksichtigt wird. Der Bieter hat dann mit seinem Angebot darzustellen, ob und welche Planungs- und Baumaßnahmen er im Auftragsfall durchführen würde, um einen bestimmten Grad an Innenraumhygiene zu erreichen. Die entsprechenden Bieterangaben werden mit Zuschlagserteilung Vertragsbestandteil im Sinne einer Beschaffenheitsvereinbarung. Für ein entsprechendes Vorgehen spricht, dass es den Bietern ermöglicht, bestimmtes Fachwissen optimal einzusetzen. Es ist aber zu bedenken, dass die Komplexität der Angebotswertung erheblich erhöht wird. Die Rechtsprechung stellt hohe Ansprüche an die Transparenz der Wertungsmethodik. Ein Wertungssystem zu entwickeln, welches diesen Ansprüchen gerecht wird beziehungsweise eine rechtssichere Auftragsvergabe ermöglicht, stellt den Auftraggeber vor eine hohe Herausforderung. So stellt sich bereits die Frage, als wie belastbar Bieterangaben zu bestimmten Emissionswerten im fertigen Klassenraum angesehen werden können. Es erscheint daher ratsam, von einer Berücksichtigung von Gesundheitsaspekten im Rahmen der Angebotswertung eher abzusehen, sondern diesen durch Festlegung konkreter Anforderungen insbesondere an die zu verwendenden Baustoffe in der Leistungsbeschreibung Rechnung zu tragen. Schließlich können auch im Wege so genannter Ausführungsbedingungen Aspekte des Gesundheitsschutzes berücksichtigt werden. Beispiele hierfür sind bestimmte Vorgaben zur Montageweise, zur Belüftung des Bauwerks bereits während der Bauausführung oder zur Endreinigung. Dr. Hendrik Röwekamp ist Rechtsanwalt in der Praxis Kapellmann und Partner in Düsseldorf Lesen Sie hier weitere Beiträge zum DABthema Gesunde Raumluft 

Raumluft-Messung richtig beauftragen

Von der Qualität der Ergebnisse der untersuchten Schadstoffe hängt viel ab, zum Beispiel ob Haftungsansprüche geltende gemacht werden können Text: Walter Dormagen Dr. Walter Dormagen ist Leiter des Geschäftsfeldes Gefahrstoffe, Mikrobiologie und Hygiene bei der TÜV Rheinland Energie und Umwelt GmbH in Köln Bevor eine Schadstoffuntersuchung beauftragt wird, sollten mehrere Angebote eingeholt werden, um die Preise und Leistungen vergleichen und bewerten zu können. Wichtig ist hierbei, dass die Bewertung nicht ausschließlich auf Basis der Preise erfolgt, sondern auch die Qualität der Leistungen sowie der angegebenen Referenzen mit einfließen. Außerdem sollte im Angebot die Messstelle unbedingt bescheinigen, dass sie neutral agiert und frei von internen oder externen, kommerziellen, finanziellen und sonstigen Zwängen und Einflüssen ist, die sich negativ auf die Ergebnisse sowie die Qualität der Arbeit auswirken könnten. Um belastbare Ergebnisse von Innenraumuntersuchungen zu erhalten, müssen die beauftragenden Stellen (zum Beispiel Kommunen oder Architekten) schon bei der Planung aber auch bei der Beauftragung, eine Reihe von Anforderungen an die Qualitätsmerkmale der angebotenen Leistungen und durchführenden Stellen richten. So sollten die Bewerber nachweisen, dass sie sowohl über eine Systemzertifizierung entsprechend der Normenreihe DIN EN ISO 9000 ff verfügen, als auch über eine Labor- und Probenahmeakkreditierung nach der DIN EN ISO/IEC 17025. Damit belegt die Prüfstelle den hohen Qualitätsstandard ihrer Arbeiten und dokumentiert unter anderem, dass ihre Mitarbeiter regelmäßige Weiterbildungen absolvieren, ausschließlich geprüfte und geeignete Messgeräten zum Einsatz kommen und sich die Prüfstelle regelmäßig an Ringversuchen zur Qualitätssicherung beteiligt. Zur Absicherung, dass bei den anstehenden Messungen tatsächlich die Probenahme- und Analyseverfahren eingesetzt werden, die im Rahmen der Akkreditierung als geeignet angesehen worden sind, sollten diese explizit im Angebot und später auch im Bericht benannt werden. In der Praxis treten häufig Probleme hinsichtlich des Messequipments auf. Wenn Gutachter preisgünstig durchzuführende, aber keine anerkannten Verfahren und nicht geeignete oder kalibrierte Probenahmegeräte einsetzen, halten die Ergebnisse einer späteren, versierten Prüfung mit anerkannten Verfahren nicht stand. Überhaupt sollten nur solche Verfahren eingesetzt werden, für die auch Bewertungskriterien existieren. Denn es macht keinen Sinn, Geld in Untersuchungen zu investieren, deren Ergebnisse nicht mit Grenz-, Richt- oder Leitwerten verglichen und bewertet werden können. Randbedingungen dokumentieren Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass die bei der Probenahme vorherrschenden Randbedingungen erfasst und im Ergebnisbericht dokumentiert werden. So haben Temperatur, relative Luftfeuchte und Lüftungsverhalten vor und während der Durchführung von Raumluftuntersuchungen einen enormen Einfluss auf die Untersuchungsergebnisse. Sie sind daher mit geeigneten Messgeräten zu erfassen und im Bericht für eine realistische Beurteilung der Ergebnisse zu dokumentieren. Des Weiteren sind bei der Entnahme von Materialproben exakt die Entnahmestelle und die entnommene Menge Probenmaterials zu beschreiben. Bei umfangreicheren Schadstoffuntersuchungen, die möglicherweise auch für eine anstehende Sanierung die erforderlichen Informationen liefern soll, sollte der Auftraggeber eine Plan- und eine Fotodokumentation verlangen. Sinnvoll kann auch sein, dass der Auftraggeber dem Auftragnehmer vorgibt, dass dieser die Anforderungen der VDI/GVSS 6202 Blatt 1 „Schadstoffbelastete bauliche und technische Anlagen“ [4]zu berücksichtigen hat und explizit ein Schadstoffkataster sowie einen Schadstoffkatasterplan nach dieser Vorschrift zu erstellen hat. Messprogramm und Ablauf definieren Zwischen Abstimmungsgespräch und Durchführung von Innenraumuntersuchungen muss ein aufgabenorientierter Untersuchungsplan gemäß VDI 4300 Blatt 1 [5]erstellt werden. Ein erfahrener Gutachter wird dabei dem Auftraggeber solche Untersuchungen vorschlagen, die zum Beispiel berücksichtigen, ob gesundheitliche Probleme bei Mitarbeitern vorliegen, ob geruchliche Auffälligkeiten vorhanden sind oder ob eine orientierende Messung gemacht werden soll. Dazu gehört die Empfehlung, wie man die Lüftungssituation in den zu untersuchenden Räumen vor und während der Messungen gestalten sollte. Sollen die Bedingungen ermittelt werden, die auch bei ungünstigen Bedingungen vorherrschen können, ist es sinnvoll, den oder die Räume etwa 15 Minuten intensiv zu lüften, anschließend zu verschließen und nach acht Stunden die Raumluftmessungen durchzuführen[1;2]. Will man die Schadstoffkonzentrationen während der Nutzung ermitteln, dann sollte der Raum drei bis 10 Minuten intensiv gelüftet und anschließend eine Stunde geschlossen bleiben. Zunächst sollten dann die Messung der flüchtigen organischen Verbindungen und direkt anschließend die Aldehydmessung durchgeführt werden[3]. Da der Auftraggeber die Prüfergebnisse in der Regel nicht bewerten kann, sollte zur Interpretation der Ergebnisse ein erfahrener und qualifizierter Gutachter herangezogen werden. Meist ist auch nur er in Lage, bei auffälligen Befunden die dafür verantwortlichen Schadstoffquellen zu finden und Maßnahmen zu empfehlen, die die Situation verbessern. An den Auftragswert denken Um eine Schadstoffuntersuchung erfolgreich durchzuführen, sind nicht zuletzt die Regeln der Ausschreibung und Vergabe wichtig. Dabei sind im öffentlichen Bereich sind bei Überschreitung so genannter EU-Schwellenwerte die europäischen Wettbewerbsregeln zu berücksichtigen, die in Deutschland im Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) umgesetzt sind. Unterhalb der EU-Schwellenwerte regeln landesrechtliche Vorschriften die Vergabeverfahren. Seit dem 01.01.2014 gelten für Bauleistungen nach EU-Recht Schwellenwerte von 5.186.000 Euro netto, für Liefer- und Dienstleistungsaufträge, die von oberen oder obersten Bundesbehörden ausgeschrieben werden 134.000 Euro netto. Für Liefer- und Dienstleistungsaufträge, die weder im Bereich Verteidigung und Sicherheit, im Sektorenbereich noch von oberen oder obersten Bundesbehörden ausgeschrieben werden, gilt ein Schwellenwert von 207.000 Euro. Kommen die landesrechtlichen Vorschriften zum Tragen, gelten in NRW beispielsweise folgende Schwellenwerte nach VOB/A: bei freihändiger Vergabe 100.000 Euro oder bei beschränkten Ausschreibungen 1.000.000 Euro. Mit einer Präqualifizierung für den Liefer- und Dienstleistungsbereich (PQ-VOL) und einem Eintrag in der bundesweiten Präqualifikationsdatenbank [6] belegt der Anbieter seine Zuverlässigkeit, Leistungsfähigkeit und Qualifikation für die angegebenen Leistungen. Dies bringt sowohl für die Unternehmen als auch für die (öffentlichen) Auftraggeber erhebliche Kosten- und Zeitersparnisse. Die einzelnen betriebsspezifischen Eignungsnachweise müssen nicht mehr in jedem Vergabeverfahren erneut beigebracht werden, sondern werden nur noch einmal im Jahr zertifiziert. Daher akzeptieren immer mehr öffentliche Auftraggeber die Präqualifizierung und verzichten gleichzeitig auf die Vorlage der Einzelnachweise. Dr. Walter Dormagen ist Leiter des Geschäftsfeldes Gefahrstoffe, Mikrobiologie und Hygiene bei der TÜV Rheinland Energie und Umwelt GmbH in Köln Lesen Sie hier weitere Beiträge zum DABthema Gesunde Raumluft   [1] DIN EN ISO 16000 Reihe: Innenraumverunreinigungen. Berlin: Beuth. [2] VDI 4300 Reihe: Messen von Innenraumluftverunreinigungen. Berlin: Beuth [3] Gefahrstoffe – Reinhaltung der Luft; Empfehlung zur Ermittlung und Beurteilung chemischer Verunreinigungen der Luft von Innenraumarbeitsplätzen; 74 (2014) Nr. 9 [4] VDI/GVSS 6202 Blatt 1: Schadstoffbelastete bauliche und technische Anlagen – Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten [5] VDI 4300 Blatt 1 „Messen von Innenraumluftverunreinigungen – Allgemeine Aspekte der Messstrategie“ [6] Internet: www.pq-vol.de  

Zusatzinhalte Schlanke VIP

Ergänzungen zum Artikel „Schlanke VIP“ Deutsche Hersteller von VIP: Porextherm Dämmstoffe GmbH, Kempten SAINT-GOBAIN ISOVER G+H AG, Ludwigshafen Vaku-Isotherm GmbH, Frankenberg/OT Sachsenburg va-Q-tec AG, Würzburg Variotec Sandwichelemente GmbH & Co.KG, Neumarkt Hersteller von VIP im Ausland mit deutscher Zulassung: Microtherm N.V., Sint-Niklaas, Belgien Zur Innendämmung von Außenwänden haben derzeit folgende VIP-Produkte eine Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (AbZ) bzw. ETA Porextherm: – Vacupor® NT-B2, Vacuspeed® und Vacupor® NT-B2-S – Vacupor® PS-B2 und Vacupor® PS-B2-S – Vacupor® RP-B2 und Vacupor® RP-B2-S – Vacupor® XPS-B2 und Vacupor® XPS-B2-S – Vacupor® TS-B2 und Vacupor® TS-B2-S ⇒ (Zulassungsnummer für alle: Z-23.11-1662)  ETA: – ETA-13/0515 SAINT-GOBAIN ISOVER: Produktreihe VacuPad: – Kontur VVP 007 (für Wandflächen) – Kontur HVP 007 (für Heizkörpernischen) – Kontur LVP 007 (für Laibungen) ⇒ (Zulassungsnummer für alle: Z-23.11-1842) Vaku-Isotherm: – vakuVIP B2 (Zulassungsnummer: Z-23.11-1851) va-Q-tec: – va-Q-vip B und va-Q-vip F (Zulassungsnummer: Z-23.11-1658, Achtung: Gültigkeit endete zum 30.06.2015, Verlängerung ist beantragt und laut Hersteller in Kürze verfügbar) Variotec: – QASA (Zulassungsnummer: Z-23.11-1779) ETA: – ETA-13/0493 Microtherm: – SlimVac (Zulassungsnummer: Z-23.11-1908) ETA: – ETA-13/1026 Hinweis Es gibt das von „RAL Deutsches Institut für Gütesicherung“ anerkannte „RAL-Gütezeichen Vakuum-Isolations-Paneele“ RAL-GZ 960. Es sichert den Anwendern eine gleich bleibend hohe Qualität zu. Die RAL-Gütesicherung fordert über die allgemeinen bauaufsichtlichen Anforderungen hinaus besonders umfangreiche Prüfungen im Hinblick auf die Wärmeleitfähigkeit und legt ein engmaschiges Prüfraster über die werkseigene Produktionskontrolle. Die Güte- und Prüfbestimmungen für Vakuum-Isolations-Paneele (VIP) können bei der GSH bestellt werden Literatur- und Linkhinweis: – www.vip-bau.de – Institut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR): Leitfaden zur Vakuumdämmung im Bauwesen, ISBN 978-3-87994-694-5, Bonn 2011 – Jochen Fricke, Andreas Beck, Markus Binder: Vakuum-Isolations-Paneele für Gebäude – ein Lehrbuch, ZAE Bayern (zae-bayern.de), ISBN 978-3-00-022618-2, Würzburg 2007 – Ift Rosenheim: Abschlussbericht „Dauerhaftigkeit von VIP“, Vakuum-Isolations-Paneele (VIPs) im Stresstest*), Rosenheim 2012, bestellbar. *) Das Forschungsvorhaben wurde in Kooperation mit dem FIW München durchgeführt und vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) gefördert. Als Industriepartner unterstützten die va-Q-tec AG sowie die Variotec GmbH & Co. KG das Projekt.    

Konzentriert auf das Wesentliche

Was Leser von der Neuerscheinung „Architekturführer Schweiz. Die besten Bauwerke des 21. Jahrhunderts“ erwarten können – und was nicht  Buchkritik: Simone Hübener Neuerscheinung: ein Architekturführer für die gesamte Schweiz. (Cover: Callwey) Wir Deutschen bewundern unsere Schweizer Nachbarn oft um die gute Architektur, die dort mit viel Liebe zum Detail und dem Blick auf langfristig günstige Bauten entsteht. Da freut es umso mehr, dass pünktlich zur Urlaubszeit ein Architekturführer erschienen ist, der sich Schweizer Bauten des 21. Jahrhunderts widmet. Das schlicht gehaltene Cover deutet bereits an, was sich im Innern des Buches befindet: Der Autor Alexander Hosch und alle am Buch Beteiligten haben sich auf das Wesentliche konzentriert, was der Nutzbarkeit des Führers zweifelsohne zugute kommt. Die 200 Projekte sind in fünf Kapitel untergliedert, für die sich das Team an den Schweizer Kantonen orientierte. Ein kurzes Vorwort und ein Gespräch zum Thema Baukultur mit vier Experten aus verschiedenen Fachrichtungen bilden den Einsteig. Die einzelnen Projekte werden auf ein, maximal zwei Seiten vorgestellt, mit einem Kurztext, einigen Bildern und meist auch ein oder zwei Plänen. Diese sind mal mehr, mal weniger gut lesbar, denn sie scheinen so abgedruckt worden zu sein, wie die Architekten sie geliefert haben. Das ist zwar schade, von einem Architekturführer, der kein Hochglanzbuch, sondern ein praktischer Helfer sein soll und zahlreiche Projekte vorstellt, aber auch nicht zu erwarten. Die einzelnen Seiten sind schlicht und – mit kleinen Variationen – ähnlich gestaltet, so dass man sich schnell zurecht findet. Am unteren Rand findet sich eine kleine Bautafel, in der für alle Technikfans auch die GPS-Daten jedes Projekts angegeben sind. Die Texte lassen sich sehr gut lesen und sind abwechslungsreich geschrieben, je nach Projekt mit einem anderen Schwerpunkt und mit variablem Duktus. Denn mal, so Hosch in seinem Vorwort, gab er „dem technischen Blick das meiste Gewicht“, mal „der Überwältigung durch die Natur“ und an anderer Stelle der Konstruktion. So eignet sich dieser neue Architekturführer für Fachleute ebenso wie für architekturinteressierte Reisende. Architekturführer Schweiz, Callwey-Verlag, München 2015; Flexcover, deutsch, 280 Seiten, 670 Abbildungen, 29,95 Euro; ISBN 978-3-7667-2149-5    

AAL-Systeme und SmartHome

Was bedeutet AAL für den Wohnungsbau und welche baulichen Vorkehrungen sind dafür notwendig?  Text: Günther Ohland Damit alte Menschen länger in ihrem vertrauten Umfeld selbstbestimmt leben können, müssen Wohnungen bei Neubau und Sanierung zukünftig an die veränderten Lebensumstände angepasst werden. SmartHome bedient die drei Wünsche nach Sicherheit, Komfort und Energieeffizienz. Sicherheit bekommt im Alter einen höheren Stellenwert. Zum einen im Sinne von „Safety“ und zum anderen im Sinne von „Security“. Eine Wohnung, die „safe“ ist, vermeidet Unfallursachen. An allererster Stelle Stolperfallen. Es sind heute verschiedene Sturzerkennungssysteme auf dem Markt, einschließlich eines intelligenten Fußbodens (Sensfloor). Allerdings sind diese Systeme teuer und deshalb wohl nicht zum flächendeckenden Einsatz geeignet. Im Einzelfall leisten sie allerdings gute Dienste. Zudem sind sie nachrüstbar, wenn eine smarte Basisinfrastruktur und eine IT-Basisinfrastruktur in der Wohnung vorhanden sind. Viele Stürze ließen sich zudem vermeiden, wenn Wege in den Wohnungen ausreichend und automatisch beleuchtet wären. Beispielsweise die Wege vom Bett zur Toilette und zurück. Wichtig ist allerdings auch schnellstmöglich zu erkennen, dass eine Notsituation vorliegt. Auch hier helfen smarte Assistenten. Vernetzte Brandmelder sorgen in einer smarten Wohnung dafür, dass Rollläden und Jalousien im Alarmfall sofort hochgezogen werden, um Fluchtwege zu eröffnen und das Licht eingeschaltet wird, um auch nachts Orientierung zu bieten. Lichtschalter als Lebenssensor Woran erkennt man, dass eine Wohnung „in Betrieb“ ist? Der einfachste Indikator ist elektrisches Licht. Werden Schalter benutzt, um Licht einzuschalten, muss jemand aktiv in der Wohnung sein. Dies macht sich ein smarter Assistent zunutze. Steht beispielsweise ein Mensch nachts normalerweise mehrfach auf, ist es unnormal, wenn er dies nicht (mehr) tut. Ein smarter Assistent erkennt dies und setzt eine Meldung ab. Oder nachts wird das Licht im Bad eingeschaltet (normal) aber nicht wieder ausgeschaltet (Abweichung). Daraus kann abgeleitet werden, dass die entsprechende Person sich noch im Bad befindet. Eventuell wegen Sturz oder weil sie dort eingeschlafen ist. Die Information über eine Abweichung vom Normalen lässt sich nun sofort und automatisch an Familienangehörige, Nachbarn oder einen Pflegedienst leiten. Diese können sich zeitnah erkundigen oder intervenieren. Solche Funktionen lassen sich sehr einfach und preisgünstig realisieren, wenn die Basisinfrastruktur gegeben ist. Es ist jedoch in jedem Einzelfall sorgfältig von den Betroffenen und den Angehörigen zu prüfen, ob eine so tiefgreifende „Monitoring-Maßnahme“ notwendig und angemessen ist. Ohne smarte Assistenten wie den hier beschriebenen, würden allein lebende Menschen, die zu Stürzen oder Einschlafen neigen, zum eigenen Schutz automatisch in ein Pflegeheim überwiesen, da sie nicht mehr sicher zuhause leben können. Funkendes Blutdruckmessgerät für Telemonitoring (Foto: HMM Holding) Über das beschriebene einfache Aktivitätsmonitoring hinaus besteht die Möglichkeit den gesundheitlichen Zustand mittels medizinischer Sensoren zu erfassen. Blutdruck- und Blutzucker-Messgeräte, Körperwaage, 1-Kanal-EKG und Schrittzähler mit Datenfunk-Schnittstelle sind mittlerweile erprobt und auf dem Markt verfügbar. Der Nutzen ist in vielen Projekten nachgewiesen. Leider hat das Gesundheitswesen bisher nicht flächendecken positiv reagiert. Der demografische Wandel wird allerdings die Einführung dieser Geräte beschleunigen. Voraussetzung für den Einsatz ist wieder die IT-Basisinfrastruktur. Gegen die Vergesslichkeit Jeder vergisst einmal etwas. Das tritt im Alter öfter auf, mit zum Teil schlimmen Folgen. Das eingeschaltete Bügeleisen oder das Essen auf dem Herd sind bekannte Gefahrenquellen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, der potentiellen Brandgefahr zu begegnen. Eine Variante ist die zentrale Abschaltung aller „gefährlichen“ Elektrogeräte beim Verlassen der Wohnung. Hierzu sind „Alles-Aus“ Taster an der Wohnungstür oder besser noch Kartenschalter geeignet, wie in Hotels üblich. Hat man die Karte dabei, kann man sicher sein, dass alles Wesentliche ausgeschaltet ist. Voraussetzung dafür die SmartHome-Basisinfrastruktur. Das Optionspaket „Alles-Aus“ ist eine leicht zu installierende Erweiterung. Hotel-Kartenschalter schalten alle bei Abwesenheit gefährlichen und unnötigen elektrischen Verbraucher aus (Foto: G.Ohland) Für die Küche sind Aktoren verfügbar, die sich auch nachträglich noch zwischen Stromversorgung und Herd beziehungsweise Backofen schalten lassen. Ein Bewegungsmelder erkennt, ob sich jemand in der Küche befindet. Nach beispielsweise 15 Minuten Abwesenheit erinnert ein Signal den Bewohner an den eingeschalteten Herd und bei fehlender Reaktion wird dieser ausgeschaltet. Notwendig dafür sind ein Aktor in der Stromverteilung oder am Herd, Bewegungsmelder und die bereits zitierte smarte Basisinfrastruktur. Sicherheit gegen Einbruch Die „Security“ umfasst Sicherheitsmaßnahmen der Wohnung gegen Angriffe von außen. Hierzu haben das Landeskriminalamt NRW, der Verband der Sachversicherer (VdS) und das Institut für IT-Sicherheit der Hochschule Gelsenkirchen eine Bürgerbroschüre und einen Leitfaden für Handel, Handwerk, Hersteller und Architekten herausgegeben. Die Untersuchungen zur Broschüre zeigen, dass smarte Wohnungen und Gebäude sicherer sind als konventionelle. Schließlich verhält sich eine smarte Wohnung nach außen immer wie ein bewohntes Objekt. Einbrecher meiden solche Gebäude. Je nach Ausstattung können smarte Wohnungen im Einbruchsfall alarmieren und Beweise in Form von Fotos und Videos sichern. Entscheidend ist allerdings, dass die Maßnahmen auch handwerklich richtig ausgeführt werden. Auch sollte man keinesfalls auf den Einbruch-Grundschutz (Pilzkopf-Beschläge) an Fenstern und Türen verzichten. Für Senioren ist es wichtig zu sehen, wer vor der Tür steht. Eine Kamera mit Verbindung zum Smart-Tablet oder dem Smart-TV vermitteln hier Sicherheit. Wenn dann erwünschte Personen per Fingertipp auf Tablett oder TV-Fernbedienung hereingelassen werden können, ergibt sich die smarte Verbindung von Security und Komfort. Die Voraussetzung dafür ist die IT-Infrastruktur. Kontakte an Fenstern und Balkontüren lassen sich einfach und bei Bedarf nachrüsten. Sie erkennen und informieren als Komfortfunktion, beispielsweise beim Verlassen der Wohnung, ob Fenster und Balkontüren geschlossen sind. Bei Abwesenheit bedeutet ein sich öffnendes Fenster allerdings nichts Gutes. Jetzt könnten Abschreckungsmaßnahmen wie Licht, Lärm oder eine Sprachansage helfen, den Einbrecher zu vertreiben. Es wäre allerdings übertrieben, nun alle Fenster eines Gebäudes entsprechend mit Sensoren zu versehen. Die kriminapolizeilichen Beratungsstellen erkennen schon am Grundriss, wo Sicherheitsmaßnahmen sinnvoll sind. Die Beratung ist kostenlos und Produkt-neutral. Schlüssel oder Chip? Für konventionelle Schlösser Nachrüstbarer Funk-Türöffner/Schließer (Foto: ELV) Elektronische Schließsysteme arbeiten mit Chips, statt Schlüsseln. Geht ein Chip einmal verloren, wird er aus der Liste der zulässigen Chips einfach „ausgetragen“ und das Gebäude ist wieder sicher. Es ist durchaus möglich, neben speziellen Chips auch Smartphones oder den Chip im Autoschlüssel als zulässigen Hausschlüssel anzulernen. Die Anschaffungskosten eines elektronischen Systems sind allerdings deutlich höher, als die eines mechanischen Systems. Bei Verlust nur eines einzigen mechanischen Schlüssels eines Mehrfamilienhauses wird es allerdings teuer und nicht immer zahlt die Versicherung Einbrecher müssen draußen bleiben, Rettungsdienst soll reinkommen Die Kriminalprävention und die Rettungsdienste haben entgegengesetzte Interessen, was den Zugang der Wohnung betrifft. Um Einbrecher auszusperren wünscht die Polizei am liebsten den „Panzerriegel“ an der Tür. Die Feuerwehr und andere Retter benötigen dagegen den schnellen und ungehinderten Zugang. Solange jemand die Tür per Schlüssel oder Chip öffnen kann, ist alles kein Problem. Ist aber der (einzige) Bewohner einer Wohnung gestürzt, kann er dem Rettungsdienst die Tür nicht öffnen. In den Großstädten sind dies alltägliche Probleme, die auf brachiale Weise gelöst werden. Leistet die Tür Widerstand, versucht man per Drehleiter über den Balkon oder ein Fenster einzudringen. Doch nicht immer ist eine Drehleiter überhaupt einsetzbar und es vergeht viel Zeit bis der Arzt beim Patienten ist. Die Polizei NRW, die Feuerwehr Köln, der VdS und die SmartHome Initiative Deutschland erarbeiten derzeit ein Hersteller-unabhängiges Verfahren, um elektronische Schlösser – auch Panzerriegel – zerstörungsfrei mit einem nur einmal verwendbaren Code zu öffnen. Voraussetzung für die Nutzung sind auch hier die IT- und die smarte Basisinfrastruktur. Günther Ohland ist Fachjournalist und Initiator des Musterhauses SmartHome Paderborn sowie Gründungsmitglied der SmartHome Initiative Deutschland e.V. Alle Beiträge zum DABthema Gebäudeautomation finden Sie hier

Zukunft planen

Grußwort von Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, zum Deutschen Architektentag 2015 Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Leserinnen und Leser, Zukunft planen, so das Motto des Deutschen Architektentags 2015, zu dem ich Sie herzlich einlade. Am 12. Oktober werden wir in Hannover zusammenkommen, um über die virulenten berufspolitischen Themen zu diskutieren. Gemeinsam mit Experten aus Architektur, Rechtsprechung und Politik sprechen wir über die Zukunft des Berufsstands, wobei wir uns auf fünf Bereiche konzentrieren werden. Die Entwicklung unseres Berufsbilds, die Architektenhaftung, die Digitalisierung im Planungsprozess, die Energiewende und die Vergabe von Planungsleistungen stehen im Fokus. Darüber hinaus werden wir sicher wichtige Denkanstöße von Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski und Christoph Ingenhoven erhalten. Ich freue mich, wenn ich Sie dazu alle am 12. Oktober im Schloss Herrenhausen begrüßen kann! Herzlich danke ich den Unternehmen, die den Deutschen Architektentag als Gipfeltreffen des Berufsstands unterstützen. Ihre Barbara Ettinger-Brinckmann Präsidentin der Bundesarchitektenkammer Alle weiteren Beiträge zum Deutschen Architektentag 2015 finden Sie hier    

Mitdiskutieren I: Generalisten und Spezialisten

Forum I: Generalisten und Spezialisten – Das Berufsbild Architekt Dr. Mathias Meyer, Hauptgeschäftsführer der Architektenkammer Niedersachsen, diskutiert mit BAK-Vizepräsident Joachim Brenncke, Prof. Christoph Hommerich, Matthias Grzimek und dem Bundestagsabgeordneten Dr. Hendrik Hoppenstedt über die Veränderungen und Schwerpunkte des Berufsbilds. Diskutieren Sie schon jetzt mit! Was sagen Sie zu dem Thema? Nutzen Sie einfach die Kommentarfunktion unten auf dieser Seite. Alle weiteren Beiträge zum Deutschen Architektentag 2015 finden Sie hier  

Mitdiskutieren II: Die Energiewende

Forum II: Die Energiewende – besser mit Architekten planen Dr. Elena Wiezorek, Hauptgeschäftsführerin der Architektenkammer Rheinland-Pfalz spricht mit der Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, Barbara Ettinger-Brinckmann, Prof. Heide Schuster,Thorsten Herdan und Christian Kühn über den Beitrag, den die Architekten durch nachhaltige und ganzheitliche Planung zur Energiewende leisten. Diskutieren Sie schon jetzt mit! Was sagen Sie zu dem Thema? Nutzen Sie einfach die Kommentarfunktion unten auf dieser Seite. Alle weiteren Beiträge zum Deutschen Architektentag 2015 finden Sie hier

Mitdiskutieren III: Vergabe von Architektenleistungen

Forum III: Vergabe von Architektenleistungen – Prozessqualität und Bauqualität Wolfgang Schneider, Präsident der Architektenkammer Niedersachsen, Uwe Bodemann (Stadtbaurat Hannover), Sandra Wehrmann (Wohn- und Stadtbau Münster), Prof. Ludwig Wappner (München) und Manfred Rettig (Vorstand und Sprecher Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum) sprechen mit Christof Rose, Pressesprecher der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, über die besten Vergabeverfahren und deren Auswirkungen auf den Bauprozess und die Bauqualität. Diskutieren Sie schon jetzt mit! Was sagen Sie zu dem Thema? Nutzen Sie einfach die Kommentarfunktion unten auf dieser Seite. Alle weiteren Beiträge zum Deutschen Architektentag 2015 finden Sie hier

Musterhaft gebaut

Diese Smart Home Musterhäuser und Musterwohnungen sind gerade für Architekten und Innenarchitekten interessant  Text: Günther Ohland Hier finden Sie die Übersicht über alle Musterhäuser (PDF) Das Ökohaus Alpenchic von Bau-Fritz überzeugt durch ein effizientes Energiekonzept ohne übertrieben HighTech-mäßig zu wirken. Die Motivation in den Bau einer Musterwohnung oder eines Musterhauses zu investieren, ist durchaus unterschiedlich: Wohnungsbaugenossenschaften wollen herausfinden, was ihre Bewohner möchten und welche Technik wirklich dabei hilft, junge Mieter anzuziehen und gleichzeitig ältere Mieter möglichst lange zu halten. Smart-Home-Technik-Hersteller wollen das Zusammenspiel ihrer Produkte erproben und präsentieren. Hochschulen möchten – je nach Fachrichtung – neue technische Verfahren erforschen. In Deutschland wurden mit viel staatlichem Fördergeld ungezählte Prototypen errichtet und betrieben. Zwar gibt es auch jetzt noch einiges zu optimieren, denn neue technische Verfahren erlauben in der Zukunft noch effizientere und intelligentere Produkte und Lösungen. Doch vom Grundsatz her ist das Smart Home erforscht und die Zeit des Prototypenbaus vorbei. Jetzt müssen die gesammelten Erfahrungen gesichtet, bewertet und in die „normale Wohnwelt“ überführt werden. Musterwohnungen und Musterhäuser sind Vorbilder. Sie zeigen gute und weniger gute Gesamt- und Detaillösungen. Die so gewonnenen Erfahrungen sollen helfen, eigene Fehler zu vermeiden. Oftmals bieten die smarten Musterhäuser überraschende Erkenntnisse. Sie sind es deshalb wert, dass man mehr als einen flüchtigen Blick auf sie wirft. Die hier aufgelisteten Musterhäuser und Wohnungen (siehe auch unser Übersichts-PDF) sind alle unterschiedlich. Sie zeigen das gesamte Spektrum der aktuellen Möglichkeiten. Auf herstellergeprägte Angebote wurde im Folgenden bewusst verzichtet, da sie in der Regel nur eine einzige Smart Home Facette zeigen. SmartHome Paderborn SmartHome Paderborn – Pultdach mit Photovoltaik nach Süden, kleine Fenster und Dachbegrünung nach Norden. Das SmartHome Paderborn war das erste Musterhaus, das ausschließlich aus marktgängigen Produkten gebaut wurde. Es zeigte, dass die häufig bemängelte „Inkompatibilität der Standards“ in der Praxis kein ernsthaftes Problem darstellt. Besonders interessant ist die Integration von Licht, Heizung, Haushaltsgeräte und Multimedia. Das hier eingesetzte SmartHome System LCN, erlaubt es, für Mehrkosten von etwa 500 Euro ein komplettes Einfamilienhaus für Smart Home vorzurüsten. Das Haus kann an jedem ersten Sonntag im Monat zwischen 10:00 und 16:00 Uhr ohne Anmeldung besichtigt werden, außerhalb dieser Zeit nach Vereinbarung (Kontakt siehe Tabelle). Baufritz Alpenchic Poing Das 174 Quadratmeter große Musterhaus Alpenchic des auf ökologisches Bauen spezialisierten Fertighausherstellers BauFritz befindet sich im Musterhauspark Poing bei München. Neben der Architektur überzeugt das energetische Konzept mit Wasserstoff-Brennstoffzelle als Mini-BHKW, „persönlichem Windrad“, Photovoltaik, Batteriespeicher und der Gebäudeautomation „myHomeControl“, die neben der intelligenten Gebäudesteuerung auch Energie-Quellen und Verbraucher so organisiert, dass Eigenverbrauch und Autonomiegrad möglichst hoch sind. Ermündigungs-Wohnung Berlin Die alters- und behindertengerechte Küche der „Ermündigungswohnung“ in Berlin-Marzahn. Ermündigung ist laut OTB GmbH Geschäftsführer Tiago da Silva das Gegenteil von Entmündigung. Die Wohnung im 6. Stock der Meeraner Straße 7 in Berlin Marzahn zeigt aktuelle SmartHome und AAL Lösungen (Alltagsunterstützende Assistenz Lösung) und wie konventionelle Wohnungen umgebaut werden können. Es wird deutlich, wie Wohnungen für jedes Alter aussehen sollten und wie sich vorhandener Wohnraum anpassen lässt. Diese Wohnung ist besonders für Innenarchitekten interessant, zeigt sie doch ansprechende nachrüstbare Wohnlösungen für Menschen mit unterschiedlicher Körpergröße oder Einschränkungen. Führung nach Anmeldung. ConceptHome und StattHotel Ahaus Das Tobit ConceptHome entstand nach einem Ideenwettbewerb Ahauser Gymnasiasten. Das Softwareunternehmen Tobit hat auf seinem Firmencampus in Ahaus ein smartes Hotel – das StattHotel – und ein Einfamilienhaus errichtet. Beide Objekte kann man mieten und die smarte Technik ausprobieren. Hier wird weit in die Zukunft geschaut und ausprobiert, was heute schon machbar ist. Die Idee beim Hotel war, moderne Medien und LED-Licht einzubeziehen und zu experimentieren. So dient das Handy als Schlüssel und das iPad als Bedieneinheit für das gesamte Hotelzimmer. Licht und Sound lässt sich an die Stimmung anpassen. Bezahlt wird per Facebook. Das ConceptHome ist aus einem Schülerwettbewerb entstanden und kann heute ebenfalls für eine Übernachtung gemietet werden. Das Haus ist absolut erlebenswert. Besonders interessant sind die im Boden versenkten Mülltonnen, die am Abholtag automatisch hochgefahren werden. Ebenfalls erlebenswert ist die smarte Gastronomie „BamBoo!“ von Tobit auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Hier kann man heute erleben, wie Gastronomie sich entwickeln wird. Auch das Firmengebäude weist etliche architektonische Besonderheiten auf. Günther Ohland ist Fachjournalist und Initiator des Musterhauses SmartHome Paderborn sowie Gründungsmitglied der SmartHome Initiative Deutschland e.V. Alle Beiträge zum DABthema Gebäudeautomation finden Sie hier  

HOAI in Gefahr – Kammern kämpfen

EU leitet Vertragsverletzungsverfahren gegen Honorarordnung für Architekten und Ingenieure ein Text: Paul Lichtenthäler, BAK Die Honorarordnung der Architekten und Ingenieure (HOAI) verstößt aus Sicht der EU-Kommission gegen geltendes europäisches Recht. Am 18. Juni wurde ein Vertragsverletzungsverfahren bekanntgegeben. Es wird nun geprüft, ob ausreichend Gründe dafür vorliegen, dass Architekten und Ingenieure aus Europa, die sich in Deutschland niederlassen, ihre Leistungen nach der HOAI abrechnen müssen. Aus Sicht der Kommission ist dieses nicht mit der europäischen Dienstleistungsfreiheit vereinbar, da die Architekten und Ingenieure aus Europa ihren möglichen Preisvorteil nicht mitbringen können. Damit würde verhindert, dass die Verbraucher die Leistungen zu günstigeren Preisen in Anspruch nehmen könnten. Die Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, Barbara Ettinger-Brinckmann, betonte in einer ersten Reaktion: „Bei diesem Vertragsverletzungsverfahren werden sicher auch unterschiedliche Zielsetzungen der europäischen Politik zu berücksichtigen sein. Eine Honorarordnung ist in erster Linie auch Verbraucherschutz. Wer plant und baut, der ist verantwortlich für Leib und Leben der Menschen, die diese Bauten nutzen. Wer hier dem Honorardumping Tür und Tor öffnet, wird sich seiner hohen Verantwortung bewusst sein müssen. Auch hinsichtlich der Transparenz der Planungs- und Baukosten ist bei dem ausführlichen Leistungsumfang der Architekten und Ingenieure und der umfassenden Haftungssituation in Deutschland eine Honorarordnung unverzichtbar. Wir haben unsere Argumente hierzu in Berlin und Brüssel vorgetragen. Unabhängig erstellte Rechtsgutachten zur HOAI unterstützen unsere Argumentation.“ Die Bundesregierung muss nun innerhalb von zwei Monaten Stellung zum EU-Verfahren nehmen. Präsidentin Ettinger-Brinckmann kündigte an, auch in dieser Zeit weiterhin für den Verbraucherschutz, Kostentransparenz und für die bekannt hohe Planungsqualität deutscher Architekten und Ingenieure kämpfen zu wollen. „Mit der Bundesregierung haben wir intensiv an der letzten Novelle der HOAI gearbeitet, gerade im Hinblick auf die europäischen Richtlinien. Insofern bin ich zuversichtlich, dass wir der Kommission auch jetzt gemeinsam die erwartete Rechtfertigung zur Verfügung stellen werden.

Smart Home Basis-Infrastruktur

Wie die Smart Home Basis-Infrastruktur die Voraussetzung für energieeffizientes Heizen, mehr Sicherheit und Komfort Text: Günther Ohland Das TV-Gerät des Mieters als Smart Home Visualisierung und Bedieneinheit in der Wohnung. (Foto: BootUp GmbH) Mit Blick auf den demografischen Wandel und der Energiepreisentwicklung sind Smart-Home-Funktionalitäten nicht mehr als Luxusausstattung zu begreifen, sondern werden zukünftig ein notwendiger Standard werden. Damit wird es unter anderem möglich, das Menschen lange in ihrem vertrauten Umfeld selbstbestimmt leben können und auch die Heizkosten im Rahmen bleiben. Dabei ist zunächst grundsätzlich zwischen der Infrastruktur der Wohnung, die der Eigentümer bereitstellt, und der Nutzung durch den Mieter zu unterscheiden. Dementsprechend gibt es Bestandteile, die zum Gebäude beziehungsweise zur Wohnung gehören und Teile, die der Mieter in eigener Verantwortung ergänzen kann. Da sich gerade im mehrgeschossigen Wohnungsbau die meisten Wohnungsgesellschaften und Genossenschaften zurzeit noch nicht darüber im Klaren sind, welche Aufgaben sie dabei selbst übernehmen müssen und welche Angelegenheiten der Mieter sind, ist die Wahl der Smart-Home-Ausstattung aktuell jeweils immer eine Entscheidung im Einzelfall. Hat sich der Bauherr also nach Beratung mit dem Architekten und dem Technik-Planer einmal für ein System entschieden, muss man akzeptieren, dass es schwierig oder unmöglich ist, Komponenten eines anderen Systems zu integrieren. Infrastruktur nicht auf die Raumnutzung auslegen Lange Zeit kannten Planer für smarte Aufgaben nur den Standard KNX. War dieser zu teuer, wurde das Gebäude eben nicht automatisiert. Doch inzwischen gibt es mit LCN, Digital Strom, Provedo, Eltako, Peha, Free@home oder e-Net verschiedene Alternativen. Dabei ist es unerheblich, welches der Steuerungssysteme zum Einsatz kommt. Die meisten Systeme bieten heute alles, was zu einer umfangreichen Lösung benötigt wird. Bei der Nachrüstung von Plattenbauten empfiehlt sich das System Provedo, weil es die Eigenheiten der „DDR-Elektroinstallation“ berücksichtigt, bei anderen Bestandsnachrüstungen bieten sich funkbasierte Systeme an, beim Neubau können auch kabelbasierte Systeme zum Einsatz kommen. So ausgestattet lässt sich die smarte Wohnung benutzen, wie jede andere konventionelle Wohnung auch. Zwar ist KNX besonders im gewerblichen Bereich nach wie vor eine gute Wahl. Doch im Gewerbebau steht das Nutzungsprofil der Räume von vornherein und langfristig fest. Man kann also detailliert planen, installieren und programmieren. Doch im Wohnbereich ist das anders. Die Nutzung der Räume bestimmt der Mieter. Kinderzimmer funktionieren anders als Schlafzimmer oder ein Home-Office. Aber häufig wird der als Schlafzimmer geplante Raum als Kinderzimmer genutzt und ein geplantes Kinderzimmer wird Home-Office. Der Errichter einer Wohnung tut also auch deshalb gut daran, die Infrastruktur nicht auf die Nutzungsprofile der Räume auszulegen, sondern sich auf Basis-Funktionen zu beschränken. Mindest-Ausstattung Die Basisausstattung sollte folgende Funktionen bieten: Elektrische Rollos durch ein Bus-System steuern – Rollo rauf, Rollo runter, Lamellen anstellen. Außerdem sollte die Beleuchtung ein- und ausschaltbar, gegebenenfalls dimmbar und das Kochfeld zentral abschaltbar sein. Weiterhin sollte der Alarmausgang der Rauchmelder als Sensor auswertbar sein. In einer smarten Umgebung machen Rauchmelder übrigens nicht einfach nur Lärm. Sie sorgen bei Feueralarm auch dafür, dass die elektrisch betriebenen Rollos hochfahren (Fluchtwege) und das Licht einschalten (Orientierung). Allein diese Funktion macht eine Wohnung und damit den Vermieter in den Augen von Mietern viel sympathischer, auch wenn diese Funktion hoffentlich nie benötigt wird. Die Schalter zur Bedienung von Rollläden und Licht sind ebenfalls Bestandteil der Basis-Infrastruktur und gehören zum Gebäude. Damit enden die Basisausstattung und somit auch die Verantwortung des Eigentümers. Technisch ist es völlig unerheblich, ob hier verkabelte oder Funkschalter zum Einsatz kommen. Auch preislich gibt es – ganzheitlich betrachtet – keine Unterschiede. Zum Beispiel sind hochwertige Funkschalter bereits ab 35 Euro erhältlich. Zwar kostet ein preiswerter kabelgebundener Schalter zuzüglich Leitung und Leitungsverlegung sicherlich mehr, aber unter Berücksichtigung weiterer zum Schalten notwendiger Komponenten sind die Preisunterschiede zwischen smarter und konventioneller Installation letztendlich sehr gering. Einige Hersteller sprechen bereits sogar von Kosten-Neutralität. Optionale Funktionen Es gibt viele Möglichkeiten, die Basisinfrastruktur optional um weitere Funktionen in zu ergänzen. Diese zusätzlichen Optionen können der Wohnungswirtschaft bei Bedarf ein neues Geschäftsfeld eröffnen. Alternativ könnten das auch externe Dienstleister übernehmen. Hier einige Beispiele: Jüngere Mieter wünschen sich gerne die Steuerung per Smartphone. Hierzu ist es erforderlich, einen Kommunikationsbaustein in den Verteilerschrank einzusetzen und diesen mit dem IT-Netzwerk zu verbinden. Die Hardwarekosten betragen zirka 100 Euro, die Konfiguration 100 Euro, Gewinn 160 Euro, alles zusammen also 360 Euro. Umgerechnet wäre die Steuerung per Handy also mit einem Euro pro Tag im ersten Jahr bezahlt. Oder als Mietangebot: mit sechs Euro pro Monat über fünf Jahre wäre die Investition in den schwarzen Zahlen. Ähnlich lässt sich ein Heizkostensparpaket rechnen. Bestimmte Räume wie das Bad oder Kinderzimmer werden nicht über den ganzen Tag gleichmäßig beheizt. Im Bad soll es am Morgen und am Abend schön warm sein, dazwischen ist die Temperatur den Bewohnern egal. Das Kinderzimmer steht während der Kindergarten- oder Schulzeiten leer, die Temperatur spielt dann keine Rolle. Die smarte Basis-Infrastruktur lässt sich für zirka 200 Euro pro Raum auf ein Zeit-Temperaturprofil aufrüsten. Die bisherige Praxis hat bewiesen, dass sich pro Raum zwischen zehn und 30 Prozent der Heizkosten einsparen lassen. Zwei Räume a 200 Euro ergeben Einmalkosten von etwa 400 Euro. Bei Heizkosten von 12 Euro/m² und 30 m² Fläche für beide Räume zusammen wären das rund 360 Euro. Die Ersparnis kann mit 54 Euro angesetzt werden, pro Monat also rund 4,50 Euro. Die Investition würde in sechs bis sieben Jahren ihren Break-Even-Point erreichen. Für den Mieter ist es ein Null-Summen-Spiel. Er hat bis dahin genau das an Miete für die smarte Erweiterung gezahlt, was er sonst an Heizkosten gezahlt hätte. Trotz etwas höherer Miete aber weniger Nebenkosten erfreut viele das Gefühl, umweltfreundlich gehandelt zu haben. Als Vermieter beginnt nun die Phase, in der sich die Investition von 400 Euro mit 54 Euro im Jahr verzinst. Eine weitere Möglichkeit ist ein Anwesenheits-Simulationspaket zur Verbesserung der Sicherheit oder ein Aktivitätsmonitoring. Dieses kann feststellen, ob in einer Wohnung ein normaler Tagesablauf stattfindet. Diese Option informiert Angehörige, wenn sich der Tagesablauf des oftmals allein lebenden, alten Bewohners stark verändert oder sogar keine Aktivität mehr stattfindet. Vielleicht, weil der Bewohner gestürzt ist oder die Wohnung verlassen hat und ungewöhnlich lange nicht zurückgekehrt ist. Sensoren sind auch in der Lage, Wasserleckagen rechtzeitig zu entdecken und helfen somit Schäden an Hausrat und Gebäude zu vermeiden. Alternativen durch Mieter-Selbstinstallation Bei den Produkten Qivicon von der Telekom oder RWE SmartHome, die mit erheblichem Werbeaufwand gerade das Thema Smart Home besetzen, handelt es ich um so genannte SmartHome Plattformprodukte, die für den Einsatz durch den Mieter in Wohnungen durchaus geeignet sind. Sie sind von Heimwerkern relativ einfach zu installieren und zu konfigurieren und lassen sich bei einem Umzug wieder entfernen und natürlich lässt sich der Originalzustand der Wohnung wieder herstellen. Die Installation durch Laien bedeutet aber auch, dass bestimmte smarte Funktionen, wie die Steuerung von Jalousien nicht möglich sind. Eingriffe in die Rollosteuerung oder die installierte Beleuchtung bedeuten einen Eingriff in die 230 Volt Elektroinstallation des Gebäudes und das darf bekanntlich nur der Elektro-Fachmann. Sollte ein Bauherr auf den Einbau einer smarten Basisinstallation verzichten wollen, müsste von ihm akzeptiert werden, dass Mieter sich entsprechend selbst helfen. Voraussetzung dafür ist allerdings die IT-Basis-Infrastruktur. Günther Ohland ist Fachjournalist und Initiator des Musterhauses SmartHome Paderborn sowie Gründungsmitglied der SmartHome Initiative Deutschland e.V. Alle Beiträge zum DABthema Gebäudeautomation finden Sie hier

Was ist eigentlich Smart Home?

Smarte Gebäude, smartes Energiemanagement oder die feindliche Übernahme eines Gebäudes durch Hacker – der Begriff „Smart Home“ gehört zu den Lieblingen der Medien. Doch was ist dran an den Möglichkeiten, Grenzen und Gefahren der Technologien? Text: Günther Ohland Von einem „Smart Home“ spricht man gerade dann, wenn die im Haus oder in Wohnräumen verwendeten Geräte und Bedienelemente sowohl mit der elektrischen Anlage als auch der Heizungs-, Klimatisierungs- und Lüftungsanlagen, der Verschattungssysteme (Rollladen) sowie die Energieerzeugung und Stromspeicherung miteinander vernetzt und für bestimmte Aufgaben programmierbar sind. Die interne und externe Kommunikationstechnik, die Multimedia- und Sicherheitstechnik kann ebenso in das Smart Home eingebunden sein wie Elektrohaushaltsgeräte. Ferner lassen sich auch Assistenzfunktionen und Dienste für alltagsunterstützendes Leben und Wohnen (Ambient Assisted Living – AAL) sowie Sicherheitsfunktionen in ein intelligentes Gebäudesystem integrieren. Damit unterstützt das System Anwender oder Nutzer bei alltäglichen Lebensaufgaben. Das Smart Home kann auf Wunsch auch über das Internet angesprochen und mit Hilfe von Apps vom Anwender bedient werden. Grafik: Statista 2015 Aktuell stellen sich viele so genannte smarte Produkte als nur per „Smartphone bedienbare Produkte“ heraus. Doch was bitte soll smart daran sein, ein Garagentor, das Licht oder ein Rollo per Smartphone zu „bedienen“? Smart wäre es, wenn die Produkte oder das Gebäude entsprechend den von den Bewohnern definierten Regeln selbst handeln würden. Der manuelle Eingriff in das Regelwerk per Taster oder Handy sollte nur die Ausnahme sein. Darum wollen Menschen Smart Home Menschen kaufen Nutzen, keine Technik. Ein Beispiel: Niemand möchte eine Heizung kaufen, man möchte es im Winter warm haben und dazu benötigt man eben eine Heizung. Niemand möchte „Common Rail Technologie“ kaufen, sondern ein Auto – in diesem Fall mit Dieselmotor – das möglichst wenig Kraftstoff verbraucht. Und das ist derzeit Common Rail. Ebenso verhält es sich bei Smart Home. Kunden möchten möglichst wenig Heizenergie verbrauchen und dazu im Winter Sonnenwärme über große Fenster einfangen, im Sommer aber auch die dann übermäßige Wärme aussperren. Dabei hilft eine intelligente Beschattungssteuerung, die den Standort, die Ausrichtung der Fenster, die sich täglich ändernde Bahn der Sonne um das Gebäude, die Lichtintensität und die Innentemperatur berücksichtigt. Für gesunde, bewegliche Menschen ist die Kontrolle der Zimmertemperatur eine Komfortfunktion, für beispielsweise bettlägerige Patienten bedeutet dieses Lebensqualität. Eine solche Steuerung soll natürlich auch dann funktionieren, wenn niemand zuhause ist. Für ein Smart Home ist diese komplexe Aufgabe kein Problem. Eine einfache Astro-Funktion löst die Aufgabe allerdings nicht. Kunden möchten es im Bad am Morgen und vor dem Schlafengehen mollig warm haben. Die Temperatur während der übrigen Stunden ist für sie ohne Belang. Hier kann eine kombinierte Temperaur-Zeitsteuerung erheblich Heizkosten einsparen, ohne Komfortverlust. Eine reine Einzelraumregelung erfüllt den Zweck nicht. Kunden möchten, dass im Brandfall der Rauchmelder sie nicht nur weckt, sondern dass gleichzeitig alle Rollläden hochfahren und das Licht im gesamten Gebäude eingeschaltet wird. So gibt es Orientierung und die Öffnung von Fluchtwegen. Für ein Smart Home bedeutet diese Funktion keine Zusatzkosten, sie ist eine reine softwareseitige Verknüpfung vom Sensor „Rauchmelder“ mit den Aktoren für Licht und Rollläden. Kunden möchten den von ihrem Gebäude per Photovoltaik erzeugten Strom möglichst vollständig nutzen und unabhängig vom „Strom-Provider“, beispielsweise den Stadtwerken, sein. Inzwischen beginnt es sich zu rechnen in einen eigenen Batteriespeicher zu investieren. Ein Smart Home koordiniert die Stromerzeugung mit dem Verbrauch, verschiebt möglicherweise elektrische Lasten und erfüllt so die gestellte Aufgabe. Dazu müssen Haushaltsgeräte wie Waschmaschine, Spülmaschine und Trockner, aber auch Warmwasserbereiter und ggf. eine E-Mobil-Ladestation einbezogen werden. Die einfachen Produktangebote der PV-Hersteller sind für diese komplexen, gewerkeübergreifenden Aufgaben in der Regel nicht ausgelegt, ein gutes Smart Home System schon. Architekt und Handwerker Grafik: Statista 2015 Es ließen sich noch viele weitere Beispiele anführen, viel wichtiger ist jedoch, dass Smart Home sich an den individuellen Wohnbedürfnissen der Menschen orientiert und nicht Spielzeug für Technikfreunde ist. Für diese Optimierungen und Komfortwünsche ist der Architekt oder der Innenarchitekt die kompetente Person. Das Handwerk setzt deren Planung fachgerecht um. Man kann nicht erwarten, dass ein Handwerker ein gewerkeübergreifendes smartes Konzept vorschlägt. Wir haben in Deutschland keinen „Smart Home Handwerker“. Smarte Gebäude benötigen die koordinierte Arbeit von Elektroinstallateur, Heizung-, Klima-, Sanitär-Handwerk, Beschattungshandwerker, Fenster- und Türenbauer, sowie einen Telekommunikationsspezialisten. Wer bespricht was mit dem Kunden bzw. Auftraggeber? Wer koordiniert die einzelnen Aufgaben? Wer ist Ansprechpartner bei Problemen? Es lohnt, einen so genannten SmartHome Systemintegrator einzubeziehen. Er kostet zwar zusätzlich Geld, spart in der Regel aber im Endeffekt ein Vielfaches ein. Systemintegratoren und von der SmartHome Initiative Deutschland geprüfte und zertifizierte Fachbetriebe finden sich hier (Hinweis der Redaktion: Der Autor ist Geschäftsführer dieser Initiative). Der Einsatz eines Systemintegrators bedeutet allerdings nicht, dass Architekten auf ein Basiswissen über Smart Home verzichten können, sonst können sie nicht beraten. Technologien, System und Kompatibilität Bis vor wenigen Jahren galt, dass Smart Home nur im Neubau realisierbar sei. Diese damals richtige Aussage war den ausschließlich kabelgebundenen Systemen EIB (Europäischer Installations-Bus), der heute KNX heißt, der Alternative LCN (Local Control Network) und dem LON (Local Operating Network) geschuldet. Heute bieten funkbasierte Systeme gute Alternativen. Sie ermöglichen Architekten und Planern vielfältige Gestaltungsoptionen. Eine Montage auf Glas oder einer Betonwand stellt kein Problem mehr dar. Der für die Gebäudetechnik verwendete Funk unterscheidet sich deutlich von den bekannten Technologien für Handy, Schurlostelefonie (DECT) oder WLAN. Die Daten-Telegramme sind viel kürzer (ein/aus) und auch die Sendeleistung ist viel geringer. Ein Gutachten des ECOLOG-Instituts Hannover (pdf) zu „Hochfrequenzemissionen von Funkschaltern“ belegt dies. Danach ist die Elektrosmog-Belastung der EnOcean Funkschalter sogar um Größenordnungen geringer, als die einer konventionellen Elektroinstallation. Als optimal hat sich in vielen Projekten die Kombination von Funk und Kabel herausgestellt. Stromschalter, Dimmer und Aktoren für die Fußbodenheizungsventile sollten die Handwerker zentral in der Haupt- oder einer Unterverteilung anbringen. Sensoren, also Licht- und Rollotaster, Temperatur-, Luftfeuchte- und Licht-Messer sowie Bewegungsmelder lassen sich sehr gut ohne Kabel flexibel platzieren. Je nach verwendetem Funkstandard sind in den Sensoren langlebige Batterien oder bei der EnOcean-Technologie (ISO/IEC 14543-3-10 ) noch nicht einmal diese erforderlich. Die Verwendung von Funksensoren hat in großen Gebäuden noch weitere Vorteile. So werden viele Kabel und damit PVC und Brandlast vermieden. Das Thema „Kompatibilität und Interoperabilität“ wird häufig und fälschlicherweise noch als ungelöstes Problem dargestellt. Zum Vergleich: Wenn man sich für ein Benzin-Automobil entscheidet, kann man keinem Diesel tanken, auch wenn dies billiger ist. Entscheidet man sich beispielsweise für das System KNX, beschränkt man sich vordergründig auf Produkte, die für dieses System angeboten werde. Die Angebotspalette ist allerdings so reichhaltig, dass es keinen Grund gibt, auf andere Systeme zurückgreifen zu müssen. Möchte man trotzdem gerne Lichttaster mit EnOcean-Technologie einsetzen, so geht auch dies. Es gibt so genannte Gateways, die die Signale zwischen beiden Systemen übersetzen. Leider ist dies dem Handwerker nicht immer bekannt, da er seine Informationen meist von den einzelnen Herstellern bezieht, die keine Werbung für Konkurrenzprodukte machen wollen. Herstellerunabhängige Softwareprodukte wie beispielsweise die Schweizer Software myHomeControl unterstützen mehrere Hardware-Systeme gleichzeitig. Eine Inkompatibilität zwischen den unterschiedlichen Bus-Systemen wirkt sich also nicht aus, die oftmals geäußerten Bedenken sind daher für die Praxis nicht relevant. Möglichkeiten und Grenzen Grafik: Statista 2015 Die Möglichkeiten, die uns die smarte Technik bietet, übersteigen die Fantasie der meisten Kunden. Technische Grenzen gibt es kaum, wohl aber gesetzliche und moralische. Automatische Sensoren sammeln Daten über die Art, wie wir leben. Diese Daten werden benötigt, damit das smarte Haus perfekt funktioniert, sie sollten das Haus aber niemals verlassen. So genannten Cloud-Lösungen, bei denen die Daten über das Internet zu einem Server übertragen und dort verarbeitet werden, kann man deshalb durchaus skeptisch gegenüberstehen. Smart Home bedeutet auch nicht zwangsläufig Internet, sondern nur dann, wenn man sein Gebäude aus der Ferne überwachen und beeinflussen möchte. Bei Mehrfamilienhäusern und Mietwohnungen unterliegt die Speicherung von personenbezogenen Daten der Mieter gesetzlichen Vorschriften. Vereinfacht gesagt: Speichern der Daten ist verboten, außer und nur so lange, wie sie zur Erfüllung des Zwecks benötigt werden. Also keine Langzeitaufzeichung von Temperatur und Lüftungszeiten, auch nicht zur Schimmelvorbeugung. Die Feststellung, dass ein Fenster geöffnet wurde, um dann sofort den Heizkörper unter dem Fenster auszuschalten, durchaus. Ein weiterer Aspekt ist der Einbruchschutz: Smarte Gebäude sind grundsätzlich sicherer als konventionelle. Sie helfen Einbrüche zu vermeiden, da sie nach entsprechend vorgegebenen Regeln agieren. Sie simulieren die Anwesenheit per Rollo und Licht, sorgen nachts für perfekt geschlossene und durch den Motor blockierte Rollläden und verschließen elektrisch die Haus- und Wohnungstür. Sollte trotzdem ein Einbruch erfolgen, werden also Türen oder Fenster zu einem Zeitpunkt geöffnet, zu dem eigentlich niemand zuhause ist, erkennt eine smarte Wohnung dies und handelt: Licht an, alle Rollos hoch, um die Einbrecher zu verscheuchen, vielleicht sogar noch eine Ansage über die Lautsprecher der Stereoanlage. Gleichzeitig sendet das System eine E-Mail oder SMS an seine Bewohner. Ab jetzt müssen die Menschen handeln. Das Smart Home System darf die Polizei nicht anrufen, auch wenn es das natürlich könnte. Umgekehrt befürchten Bewohner, dass Einbrecher per Smartphone die Tür öffnen könnten. In Deutschland ist der Polizei bisher kein einziger Fall bekannt, bei dem so etwas passiert wäre. Auch wenn es rein theoretisch ginge, die Wahrscheinlichkeit ist hypothetisch. Zu diesem Themenbereich hat das Landeskriminalamt NRW, die VdS Schadenverhütung GmbH und unsere SmartHome Initiative Deutschland eine kleine Broschüre für Bürger und eine umfangreichere für Handel und Handwerk herausgebracht. Beide finden Sie hier. Günther Ohland ist Fachjournalist und Initiator des Musterhauses SmartHome Paderborn sowie Gründungsmitglied der SmartHome Initiative Deutschland e.V.  Alle Beiträge zum DABthema Gebäudeautomation finden Sie hier

Energieeffizienz durch Gebäudeautomation

Zwei wesentliche Hürden für den wirtschaftlichen Einsatz von Energiemanagement-Systemen sind jetzt beseitigt  Text: Marion Goldmann Wärmeschutz der Gebäudehülle oder effiziente Heizungsanlagen – das sind die beiden typischen Maßnahmen bei Neubau oder Sanierung, um die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) zu erreichen. Dass Eigentümer und Mieter aber durch ein gezieltes Management ebenfalls viel Energie einsparen können, ist weniger bekannt und wird in der Praxis kaum angewandt. Ein Pionier auf diesem Gebiet ist Dr. Manfred Riedel aus Berlin. Für die Entwicklung von „RIEcon“ – ein Energiemanagement-System, das die Funktionen von der Verbrauchsermittlung bis hin zur Heizkostenabrechnung kombiniert – erhielt die Dr. Riedel Automatisierung GmbH bereits Anfang der 1990er-Jahre den Berlin-Brandenburger-Innovationspreis. Weitere Auszeichnungen folgten. In rund 30.000 Wohnungen in mehrgeschossigen Gebäuden ist das System mittlerweile installiert. Das Spektrum reicht dabei von Neubauten bis zu Modernisierungen, wobei zum Beispiel auch bereits gedämmte Objekte nachträglich ausgestattet wurden. Im durchschnittlichen Ergebnis liegen die energetischen Einspareffekte bei diesen realisierten Vorhaben über 19 Prozent. Trotzdem ist diese Technologie nicht viel weiter verbreitet. Riedel erklärt: „Dafür gab es im Wesentlichen zwei Gründe: den Planern fehlte die Bewertungsgrundlage für die Ermittlung des Wärmebedarfs und den Wohnungsunternehmen die Zukunftssicherheit.“ Eine Option der EnEV Kurzdarstellung eines realisierten Objektes (Foto: RIEcon Smart Home) Doch inzwischen haben sich die Bedingungen geändert. Mit der DIN EN 15232 „Energieeffizienz von Gebäuden – Einfluss von Gebäudeautomation und Gebäudemanagement“, die im September 2012 in Kraft getreten ist, wurde eine wichtige Hürde beseitigt. Die Norm teilt Gebäude nach dem Grad der Gebäudeautomation (GA) in vier Effizienzklassen von A bis D ein, wobei zwischen Wohn- und Nichtwohngebäuden unterschieden wird. Bei Klasse A, Gebäuden mit hoch effizientem GA-System durch Systemintegration, kann für Wohngebäude bei der Planung eines entsprechenden Systems der Wärmebedarf bereits bei der Planung um 19 Prozent reduziert werden. Die normativen Vorgaben aus der DIN EN 15232 sind inzwischen auch in die Wärmeberechnungsnorm DIN 18599 eingeflossen. Um die Anforderungen der EnEV zu erreichen, steht mit der Gebäudeautomation nun neben dem Wärmeschutz und effizienter Heiztechnik ein dritter Baustein zur Verfügung. Dadurch lassen sich beispielsweise nicht nur die KfW-Standards leichter erreichen, in vielen Fällen kann auf die Dämmung und/oder den Austausch der alten Heizanlage verzichtet werden. Je nach Zustand des Gebäudes reduzieren sich die Investitionskosten um bis zu Zweidrittel. Doch dieses Argument allein reicht Eigentümern und Betreibern mehrgeschossiger Wohnhäuser nicht immer aus, sich für ein Energiemanagement-System zu entscheiden, denn von niedrigeren Heizkosten profitieren überwiegend die Mieter. Um zukunftsfähig zu sein, muss die Technologie den Investoren weitere Vorteile bieten. Verwaltungskosten sparen Für die Wohnungswirtschaft ist vor allem die Verknüpfung mit ihrer Verwaltungssoftware wichtig. „Mit unserem System können Vermieter und Mieter zum Beispiel bei Reparaturen von der Terminabstimmung bis zur Erledigung des Auftrags direkt miteinander kommunizieren“, erklärt Riedel. Außerdem werden dem Servicetechniker auf dem Bildschirm des Gebäudemanagers, der alle Informationen aus den Wohnungen auswertet und die Heizzentrale steuert, der Aufbau der Heizanlage sowie deren aktueller Betriebsstand angezeigt. Damit entfällt das aufwändige Inspizieren der Anlage. Im Ergebnis reduziert sich der Zeitaufwand für die Beseitigung von Störungen deutlich. Hinzu kommt, dass die Wohnungsunternehmen aufgrund der ihnen zur Verfügung stehenden Verbrauchsdaten die Heizkostenabrechnung leicht und ohne großen Aufwand selbst erstellen lassen können. Eine Möglichkeit, die bereits von Wohnungsunternehmen genutzt wird, so Riedel. Heizbedarfs-Ermittlung in Echtzeit Kurzdarstellung eines weiteren realisierten Objektes (Foto: RIEcon Smart Home) Das Pendant zum Gebäudemanager ist der Wohnungsmanager, der in Form eines Touchdisplays in den Wohnungen installiert wird. Oben auf dem Bildschirm befinden sich Symbole für Verbräuche: Raumheizung, Kaltwasser, Warmwasser und Strom. Unten sind die Zimmer sowie eine Zeitskala von null bis 24 Uhr mit roten und blauen Bereichen aufgeführt. Rot symbolisiert die Zeitabschnitte der Nutzung. Bei der Erstinstallation ist eine Standardeinstellung vorgegeben, zum Beispiel von sechs bis neun und 18 bis 22 Uhr. Durch einfaches Berühren des Displays lassen sich neben der Zeit auch die Raumtemperaturen jederzeit den individuellen Nutzergewohnheiten anpassen. Doch Daten einsammeln können auch andere Systeme. Dr. Severin Beucker vom Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit aus Berlin: „Neu bei RIEcon Smart Home ist, dass das Steuerungssystem die Solltemperaturen in den Räumen erfasst, sie mit der Wetterprognose abgleicht und aus den Daten eines Gebäudes oder mehrerer Gebäude die optimale Heizkurve für den jeweiligen Moment ermittelt.“ Beucker und sein Team haben im Rahmen der Förderung durch das Bundesministerium für Wirtschaft im Rahmen des Forschungsprojektes ProShape die Entwicklung der dritten Generation des Automatisierungs-Systems unterstützt. Ein Bestandteil des Projektes war auch ein in Zusammenarbeit mit Vattenfall realisiertes Objekt in Hamburg, bei dem variable Stromtarife angeboten und in das Automatisierungs-System eingebunden wurden. Zwar sind flächendeckende Angebote flexibler Stromtarife zurzeit noch nicht verfügbar. Zukunftsorientierte Smart-Home-Technologien ermöglichen dies bereits heute. Aktuell visualisiert der Bildschirm von RIEcon in der Wohnung bei Strom, Kalt- und Warmwasser den aktuellen Verbrauch pro Raum jeweils im Vergleich zum Vorjahr. Flexibel durch herstellerübergreifende Lösung Bisher zögerten Wohnungsunternehmen mit dem Einsatz der Gebäudeautomation auch deshalb, weil nur firmenspezifische Lösungen verfügbar waren. Da die Wohnungswirtschaft nicht dauerhaft an den Erstlieferanten gebunden sein soll, erhielt der Verband der Deutschen Elektroindustrie (VDE) im Rahmen der Förderung durch das Bundeswirtschaftsministerium den Auftrag eine entsprechende Prüfeinrichtung zu entwickeln. Anbieter von Energiemanagement-Systemen sollen den Nachweis erbringen, dass ihre Geräte herstellerübergreifend (interoperabel) funktionieren. In diesem Fall können einzelne Komponenten später mit Produkten anderer Hersteller ergänzt oder ausgetauscht werden. Sind diese Anforderungen erfüllt, gilt die Investition unter Wohnungsunternehmen als zukunftssicher. Dr. Riedel Automatisierungstechnik war die erste Firma, die das VDE-Zertifikat neben der Informations- und Datensicherheit auch für die Interoperabilität im vergangen September erhalten hat – sowohl in der Kommunikation per Funk als auch per Draht. Im Zuge der Zertifizierung wurden bereits auch AAL-Systeme miteinander vernetzt. Alle Beiträge zum DABthema Gebäudeautomation finden Sie hier