DABkompakt

01/11 Schadenfrei bauen Dach und Fassade 04/10 Büro- und Industriebau 03/10 Energieeffiziente Architektur 02/10 Gesundheitsbauten 01/10 Schulen bauen 04/09 Nachhaltig im Bestand 03/09 Photovoltaik und Solarthermie 02/09 Wärme- und Klimatechnik 01/09 Energieffizient planen und bauen

Fragen und Antworten

Oft gestellte Fragen zur neuen Honorarordnung – und die Antworten. | Thomas Maibaum, Ulrike Schulz Ab wann gilt die neue HOAI? Die HOAI 2009 tritt erst mit der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt in Kraft – voraussichtlich Ende Juli/Anfang August. Die neue HOAI gilt nicht für Leistungen, die vor ihrem Inkrafttreten vertraglich vereinbart wurden. Dass heißt, es ist die HOAI in der Fassung anzuwenden, die zum Abschluss des Vertrages Gültigkeit hatte. Dies gilt auch für mündliche Verträge! Im Gegensatz zur bisherigen HOAI (§ 103 alte Fassung) sieht § 55 der neuen HOAI keine entsprechende Übergangsregelung für Leistungen vor, die zwar vor Inkrafttreten der neuen HOAI vereinbart, aber erst nach Inkrafttreten zu erbringen wären. Bei Vertragsabschlüssen, die bis zum Inkrafttreten der neuen HOAI getroffen werden, empfiehlt es sich deshalb, mit dem Bauherrn schriftlich bei Auftragserteilung mit Hinweis auf die zukünftige, bereits verabschiedete neue HOAI eine angemessene Mindestsatzerhöhung unter Beachtung des derzeitigen Höchstsatzes als Obergrenze zu vereinbaren, z. B. in Höhe der zehnprozentigen Erhöhung des Tafelsatzes. Gelten für Architektenleistungen nach wie vor verbindliche Preisregeln? Ja! In der neuen HOAI wurde entgegen den Vorschlägen im ersten HOAI-Referentenentwurf vom Februar 2008 der sachliche Anwendungsbereich für Architektenleistungen nicht eingeschränkt (keine Reduzierung der Leistungsphasen und keine Absenkung der Tabellenendwerte). Zu beachten ist die neue Regelung in § 1 HOAI, die sich auf den räumlichen Geltungsbereich bezieht. Danach gilt die neue HOAI nur für Auftragnehmer mit Sitz in der Bundesrepublik Deutschland und Leistungserbringung von hier aus („Inland“). Diese räumliche Beschränkung des Anwendungsbereichs wurde erforderlich, um den europarechtlichen Anforderungen, insbesondere der Dienstleistungsrichtlinie, nachzukommen.
  • Lesen Sie dazu auch den Beitrag „Die Struktur der HOAI“
Wie ist das Honorar künftig zu berechnen? Die grundsätzliche Struktur der Honorarermittlung nach §§ 6 und 7 HOAI n. F. bleibt entsprechend der alten HOAI erhalten. Es gibt allerdings eine neue verbindliche Vorgabe bei der Objekt- und bei der Fachplanung im Hinblick auf die anrechenbaren Kosten, die dem Honorar zu Grunde zu legen sind. Es handelt sich dabei um das sogenannte „Kostenberechnungsmodell“ als Regelprinzip. Als Alternative kann auch das „Baukostenvereinbarungsmodell“ herangezogen werden. a) Beim „Kostenberechnungsmodell“ erfolgt die Ermittlung des gesamten Honorars nur noch auf Grundlage der Kostenberechnung, d.h. der Ermittlung der Kosten auf Basis der Entwurfs-planung, ausnahmsweise auf Grundlage der Kostenschätzung, wenn die Kostenberechnung nicht vorliegt. Die bisherige Berechnung des Honorars auf Grundlage der drei Stufen (Kostenberechnung, Kostenanschlag, Kostenfeststellung) entfällt. b) Beim alternativen „Baukostenvereinbarungsmodell“ können sich die Vertragsparteien in Zukunft schriftlich darauf verständigen, dass das Honorar auf der Grundlage der anrechenbaren Kosten einer Baukostenvereinbarung nach den Vorschriften der HOAI berechnet wird. Dies ist aber nur statthaft, wenn zum Zeitpunkt der Beauftragung noch keine Planungen als Voraussetzung für eine Kostenschätzung oder Kostenberechnung vorliegen. Gleichwohl ist es notwendig, bereits zu diesem frühen Termin realistische und nachprüfbare Baukosten einvernehmlich festzulegen. Angesichts der mit einer solchen Baukostenvereinbarung verbundenen Unklarheiten und Risiken müssen sich die Architekten mit dieser Honorarermittlungsmethode sehr gründlich auseinandersetzen und sehr genau prüfen, ob sie sich im Einzelfall darauf einlassen können.
  • Lesen Sie dazu auch den Beitrag „Die neuen Honorargrundlagen“
Was können Architekten und Architektinnen zukünftig für ihre Leistungen an Honorar verlangen? Mit Ausnahme von bestimmten Fachingenieurleistungen, die künftig nur noch in einem unverbindlichen Anhang mit unverbindlichen Honorarvorgaben aufgeführt sind, gelten für die Grundleistungen einer Objektplanung weiterhin verbindliche Mindest- und Höchstsätze, in deren Rahmen sich die Honorarvereinbarungen und schließlich auch das abzurechnende Honorar bewegen müssen. Allerdings sind die in den Honorartafeln enthaltenen Honorarwerte um 10 Prozent gegenüber der noch gültigen HOAI angehoben worden. Haben Architekten und Architektinnen weiterhin einen Anspruch auf Abschlagszahlungen? Ja, Abschlagszahlungen können wie bisher auch ohne besondere vertragliche Vereinbarung verlangt werden (§ 15 Absatz 2 der neuen HOAI), da der Verordnungsgeber auf die ursprünglich vorgesehenen Vereinbarungspflicht in Bezug auf Abschlagszahlungen letztlich verzichtet hat. In welche Fassung ist die DIN 276-1 demnächst für die Honorarermittlung zu verwenden und woher bekomme ich diese? Bei der Ermittlung der anrechenbaren Kosten wird zukünftig die DIN 276-1 in der Fassung vom Dezember 2008 zugrunde gelegt. Die bis heute immer noch für die Honorarberechnung vorgeschriebene DIN 276-1 aus dem Jahre 1981 wird damit abgelöst. Zu beziehen ist die DIN 276-1:2008-12 ausschließlich über den Beuth Verlag (Beuth Verlag GmbH, Burggrafenstraße 6, 10787 Berlin, Telefon 030 2601-0, www.beuth.de) Was müssen Architekten und Architektinnen künftig bei der Vertragsgestaltung beachten? Die flexiblere Neugestaltung der HOAI müssen Architekten und Architektinnen jetzt als Chance sehen, intensiver die Höhe ihrer Honorare mitzubestimmen. Dies erfordert allerdings sichere Kenntnisse über die Möglichkeiten der vertraglichen Vereinbarung, da andernfalls auch erhebliche Honorareinbußen drohen. a) Zu den „Besonderen Leistungen“ regelt die HOAI künftig nur noch, dass diese in der Anlage 2 als „nicht abschließend“ aufgeführt sind. Das Honorar für Besondere Leistungen ist nicht mehr festgelegt und bedarf deshalb mehr denn je einer vertraglichen Vereinbarung über Inhalt und Vergütung. § 6 der alten HOAI mit einer Festlegung der Stundensätze ist ersatzlos gestrichen worden. Somit besteht die Möglichkeit, die Besonderen Leistungen z.B. auf der Basis eines Zeithonorars mit auskömmlichen Stundensätzen zu vereinbaren, wobei zu berücksichtigen ist, dass die Stundensätze der alten HOAI in der Regel keine Auskömmlichkeit hergaben. Insoweit ist es jetzt noch wichtiger als bisher, den eigenen Bürostundensatz zu ermitteln und diesen dann auch argumentativ durchzusetzen.
  • Lesen Sie dazu auch den Beitrag „Honorareinbußen vermeiden“
b) Für Leistungen bei Umbauten, Modernisierungen und raumbildenden Ausbauten kann in Zukunft gemäß § 35 der neuen HOAI ein Umbauzuschlag bis zu 80 Prozent vereinbart werden. Bisher konnte ein Zuschlag von 20 bis 33 Prozent vereinbart werden. Bei fehlender schriftlicher Vereinbarung gilt bereits für Leistungen ab der Honorarzone II (früher ab Honorarzone III) ein Zuschlag von 20 Prozent. Die Möglichkeit, einen Umbauzuschlag bis 80 Prozent zu vereinbaren, soll auch die ersatzlos gestrichene Regelung über die Anrechnung von vorhandener Bausubstanz bei den anrechenbaren Kosten (bisher § 10 Abs. 3a) kompensieren.
  • Lesen Sie dazu auch den Beitrag „Objektplanung“
c) Für Kostenunterschreitungen kann, wie bisher nach § 5 Abs. 4 a der alten HOAI, ein Bonus von bis zu 20 Prozent des vereinbarten Honorars schriftlich vereinbart werden. Neu ist, dass nunmehr auch für Kostenüberschreitungen ein Malus von bis zu 5 Prozent vereinbart werden kann. Architekten sollten genau überdenken, ob sie im Einzelfall das Risiko einer solchen Malus-Abrede eingehen wollen. Thomas Maibaum ist Justitiar der Bundesarchitektenkammer (BAK), Ulrike Schulz Assistentin im Justitiariat. Leserkommentare zu diesem Artikel:  1
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DABregional

Das Deutsche Architektenblatt erscheint in sieben Regionalausgaben, mit den Nachrichten der jeweiligen Landesarchitektenkammern. Hier finden Sie alle Links:
  • Architekten- und Ingenieurkammer Schleswig-Holstein www.aik-sh.de
 

Falsche Signale

Ich halte es für sehr bedenklich, aktuell von einem guten Geschäftsklima zu sprechen. Dies verspricht Sicherheit und gibt falsche Signale für die Kollegen. Der Umsatzeinbruch für Architektur- und Ingenieurbüros steht vor der Tür. Viele Büros werden dies deutlich spüren und mit Stellenabbau reagieren müssen. Das Konjunkturpaket hat zwar 2009 vielen Büros zusätzliche Aufträge ermöglicht bzw. den Auftragsstand teilweise ausgeglichen. Aber das staatliche Hilfsprogramm ist jetzt im Wesentlichen durch. So werden die öffentlichen Auftraggeber die Bau- und Planungsinvestitionen deutlich zurückfahren. Zumal auch viele notwendige Baumaßnahmen mittels Konjunkturprogramm lediglich vorgezogen wurden. Zusätzlich halten sich gewerbliche Betriebe mit größeren Bauinvestitionen immer noch bedeckt – erst im kommenden Jahr ist mit einer Entspannung zu rechnen. So werden es viele Planungsbüros in den kommenden beiden Jahren schwerer haben – je nachdem wie die Auftraggeberstruktur ist, je nachdem welches Leistungsprofil das Büro hat, je nachdem wie gut akquiriert wird, je nachdem welche Unternehmensstrategie verfolgt wird. Kai Haeder, Managementberater und Architekt, Hannover Diese Meinung bezieht sich auf  „Gutes Geschäftsklima“ , erschienen in Ausgabe 01-02/10, Seite 24

Bit schön

CAD-Dienstleister ersparen die Mühe, die Daten andgezeichneter Pläne aufwendig für den Computer zu erfassen. | Fred Wagner „Irgendwann hatte ich keine Lust mehr, Papierpläne mühsam per Hand in den Computer zu übertragen“, sagt Götz Schneider. Also suchte er nach einer einfacheren Lösung. Das war vor rund zehn Jahren. Schneider hatte gerade sein Architekturstudium beendet und jobbte in verschiedenen Planungsbüros. „Ich versuchte zunächst, die Pläne mittels Scanner und spezieller Software zu digitalisieren, aber die Ergebnisse waren recht bescheiden“, erzählt der 40-Jährige. Doch er ließ nicht locker. Der computerbegeisterte Planexperte optimierte die Scanvorgänge und entwickelte eine Software, bis er mit dem Ergebnis zufrieden war. Er kündigte seinen Job als Architekt und gründete in Darmstadt die Firma „einszueins“, um professionell Bestandspläne in CAD-Konstruktionspläne umzuwandeln. „In meinem WG-Zimmer standen damals drei Computer“, erinnert sich Schneider. Heute hat seine Firma zehn Angestellte, darunter Architekten und Bauingenieure, und arbeitet europaweit für große und kleine Architektur- und Ingenieurbüros. Die Qualität seiner digitalisierten Pläne stimme: „Wenn ich den Plan per Hand im Computer nachzeichnen würde, hätte ich kein besseres Ergebnis.“ Wer an der Detailgenauigkeit und Maßhaltigkeit zweifelt, kann zunächst kostenlos eine Testkonvertierung anfordern. Die CAD-Dateien werden zudem auf Plausibilität geprüft. Für Architekturpläne bedeutet das, dass die einzelnen Geschossgrundrisse miteinander abgeglichen sowie Projektionen der Ansichten und Schnitte untereinander und zu den Grundrissen erstellt werden. Vektorisierung spart Zeit und Kosten Neben der Firma „einszueins“ in Darmstadt gibt es in Deutschland inzwischen eine Reihe weiterer Firmen, die ähnliche Dienste bieten (siehe Seite 29), zum Teil mit unterschiedlichen Umsetzungstechniken. Neben der reinen Softwareumsetzung über Scanner und modernen Vektorisierungsprogrammen gibt es die Mischung aus Software und Bearbeitung durch Zeichner sowie das reine Nachzeichnen per Hand durch billige Arbeitskräfte im Ausland. Ganz genau erfährt man das nicht immer; manche Anbieter lassen sich bei ihrem Geschäftsmodell nicht direkt in die Karten blicken. Die versprochenen Ergebnisse: die Digitalisierung sämtlicher Arten von Papier- oder eingescannten Plänen. Das können zum Beispiel Baueingabepläne, Werkpläne, Details, Haustechnikpläne oder Landschaftspläne sein. Am Ende entsteht eine CAD-Datei, die per E-Mail, CD-ROM oder Download übergeben wird. Dabei stehen diverse Ausgabeformate zur Auswahl wie dwg/dxf (AutoCAD), dgn (Microstation) oder mcd (Vectorworks). Die Preise hängen immer von der Größe und der Informationsdichte der Pläne ab. Dienstleister teilen sie nur auf konkrete Anfrage oder am Telefon mit. Ein Anhaltspunkt: Die Firma „einszueins“ digitalisiert für rund 30 Euro einen DIN-A0-Brandschutzplan (1:100, ohne Text), an dem ein Zeichner bei Handeingabe etwa sechs bis sieben Stunden sitzt. Auch die Lieferzeiten werden individuell vereinbart. Einzelpläne sind in der Regel am nächsten Tag fertig; bei größeren Aufträgen mit Hunderten von Zeichnungen kann es länger dauern. „Die Konvertierung von Plänen für die Sanierung des Berliner Olympiastadions zur Fußball-WM brauchte etwa drei Wochen“, sagt Götz Schneider. Sogar stark beschädigte und vergilbte Pläne lassen sich meist noch digitalisieren. Und auch die Größe spielt keine Rolle. Im vergangenen Jahr hat die Darmstädter Firma sogar Tiefseekarten in den Computer übertragen. „Die waren 35 Meter lang“, sagt Schneider stolz. Darauf sollten Sie achten:
  • Bevor Sie einen größeren Auftrag auslösen, sollten Sie eine kostenlose Testkonvertierung anfordern, um die Qualität zu prüfen. Wichtig sind eine exakte Geometrie und korrekte Bemaßungen.
  • Bietet der Dienstleister eine Plausibilitätsprüfung nach DIN an? Ausländische Anbieter kennen die deutschen Normen nicht, entsprechend aufwendiger ist die Nacharbeit.
  • Wählen Sie einen Anbieter mit dem Schwerpunkt auf Architekturplänen, der mit hiesigen Normen und der Architekturdarstellung vertraut ist.
  • Die Möglichkeit, Originalpläne zu versenden, erhöht die Qualität der Digitalisierung. Bei Scans aus dem Copyshop oder Reprozentrum können – bei der Verwendung von Standardeinstellungen – Details verloren gehen.
Diese Firmen digitalisieren Ihre Pläne:

Schöner Schein, gesünderes Sein

Vielfältige Wohlfühlwelt statt steriler Medizinbetriebe: Architektur wird immer wichtiger. | Rosa Grewe Die fetten Jahre liegen lange zurück – in der Medizin genauso wie in der Architektur. Seit den 1970er-Jahren haben sich in deutschen Krankenhäusern Liegezeiten verkürzt, Personal wurde abgebaut und die Klinikleitung an private Investoren übergeben. Kliniken und Praxen fusionierten, Ärzte schlossen sich in Ärztehäusern zusammen und teilen seitdem die Kompetenzen und Apparaturen untereinander auf – eine wirtschaftliche Rundum-Optimierung. Das „Deutsche Ärzteblatt“ titelte schon 2008: „Die Ökonomisierung hat Grenzen“. Denn trotz der Optimierungswelle reichen die Umsätze vieler medizinischer Einrichtungen nicht, um den Investitionsstau von bis zu vier Jahrzehnten zu beheben, um zu modernisieren und zu überleben. Wenn nichts mehr geht, dann empfehlen die Berater: investieren statt sparen, das Krankenhaus zur Marke machen. Eine Markenbildung erscheint als die Wundermedizin für kränkelnde Wettbewerber. So setzen Ärzte gezielter medizinische Schwerpunkte gezielter und werben mit Zusatzleistungen von Akupunktur bis Zahnreinigung. Auch die Architektur der Praxen und Kliniken gestaltet sich dafür um, rückt an zentrale Stadtorte, präsentiert sich modern und erinnert an Gesundheit statt an Krankheit. Der baulichen Umsetzung stehen dabei standardisierte Gestaltungs- und Hygienevorschriften entgegen. Kaum eine Bauaufgabe bringt so vielfältige Anforderungen und Bestimmungen mit sich wie medizinische Einrichtungen: Büroarbeitsplätze, Labor-, OP- und Therapieräume, Lebens- und Erholungsräumen für Mitarbeiter und Patienten. Für die Gestaltung entscheidend sind dabei die Hygiene, die Nutzbarkeit und die Nachhaltigkeit genauso wie die Psychologie, das Wohlbefindens, aber auch Trends und das Marketing. Hauptsache Hygiene In deutschen Krankenhäusern stecken sich rund vier Prozent der Patienten mit multiitresistenten, vor allem antibiotikaresistenten Bakterien und Viren an. Auf der Intensivstation sind es sogar rund 15 Prozent. Der Krankenhaushygieniker Professor Markus Dettenkofer erklärt in einem Report der Allianz: „Rund 15 bis 30 Prozent aller nosomialen (krankenhausbedingten) Infektionen lassen sich vermeiden. Allein auf deutschen Intensivstationen könnten mindestens. 800 Todesfälle jährlich vermieden werden.“ Als Übertragungsherd für Keime spielen Oberflächen in Krankenhäusern eine zentrale Rolle. Deshalb waren Praxen und Krankenhäusern bisher vor allem mit Kunststoff, Glas und Edelstahl gestaltet. Diese Materialien sind robust und leicht zu reinigen, vermitteln aber auch die typische Krankenhausatmosphäre – und eben nicht das nun geforderte positive Bild von Gesundheit. Daher setzen gerade Praxen stärker auf Materialalternativen wie Holz, Naturstein und Textilien und folgen damit dem Trend nach emotionaleren Materialien. Neue Materialien und Beschichtungen machen aber auch in Kliniken neue Oberflächendesigns möglich (Ausgabe 1/2010, Seite 14). Klaus-Dieter Zastrow, Hygiene- und Umweltmediziner in Berlin und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene: „Früher wurden OPs gefliest, das muss man heute nicht mehr. Es gibt Keramiktapeten und moderne Lacke und Farben, bei denen die Desinfektion kein Problem darstellt.“ Nanomaterialien ermöglichen zusätzlich keimreduzierte, extrem glatte Oberflächen. Zastrow: „Mit Nanomaterialien ist die Reinigung der Oberflächen leichter; sie eignen sich daher besonders dort, wo mit Feuchtigkeit zu rechnen ist und wo man mit Wasser reinigen kann. Sie sind aber nicht antibakteriell.“ Auch Stoffe können keimreduzierend eingesetzt werden. Es gilt aber: Je härter und glatter die Oberfläche ist, desto geringer ist ihre Anfälligkeit für mechanische Beschädigungen und Keime. Das muss nicht immer kühl aussehen: Mit der Architektur des Krankenhauses Hedwigshöhe in Berlin-Treptow beweisen die örtlichen Architekten Huber und Staudt zusammen mit den Spaniern Manuel Brullet i Tenas und Alberto de Pineda Alvarez, dass es anders geht. Mit einzelnen, frei stehenden Baukörpern und einer Lamellenfassade aus Läerchenholz wirkt die Klinik naturnah und wohnmaßstäblich. Im Innern wählten die Architekten Wallnussfurnier für das Mobiliar, dazu Steinböoden und Panoramafenster mit Blick auf Wiesen und Bäume. Die Materialwahl Holz ergab sich logisch aus der umgebenden Landschaft, sie wirkt nicht befremdlich. Nicht immer stimmt die Materialerfahrung des Patienten mit seiner Erwartung an einen Medizinraum überein: Holz wirkt warm und wohnlich, aber weniger klinisch sauber, auch wenn seine Oberfläche durch eine Lackierung hygienisch einwandfrei ist. So wie der Desinfektionsgeruch seiner Vorstellung von Hygiene entspricht, hat der Patient aus jahrzehntelanger Erfahrung eine eigene Vorstellung von der typischen Krankenhausoptik und -haptik. Immer mehr Klinikplaner brechen mit diesem Wahrnehmungsmuster, um neue Assoziationen zu erzeugen. Farben wirken, nur wie? Bei der Farbwahl für medizinische Räume sind zwei Blickwinkel wichtig, wie der auf Architektur spezialisierte Leipziger Pychologe Ralf Zeuge erklärt: „Einerseits der Einsatz der Farben als Unterstützung oder Instrument der therapeutischen Arbeit und andererseits die Farben im Umfeld der therapeutischen Arbeit.“ Schon seit den 1920er-Jahren untersuchen Wissenschaftler die Wirkung von Farbe auf die menschliche Körper und seine Psyche des Menschen. Einigen Farben werden positive Einflüsse aufgegen bestimmte Krankheitsbilder nachgesagt, doch bis heute fehlen wissenschaftliche Nachweise, welche Farbe wie wirkt. Ralf Zeuge: „Unstrittig ist jedoch, dass Farben auf das psychische Befinden einwirken. Man weiß heute, dass sich mit Raumfarben Einfluss auf die biopsychologischen Prozesse wie den Herzschlag nehmen lässt.“ Bedeutung, Wirkung und Lesbarkeit eines Farbkonzeptes unterliegen der Mode innerhalb eines Kulturkreises. Architekten setzen derzeit eher auf zurückhaltende einheitliche Farbflächen mit warm-pastelligen Erdtönen von Gelb bis Oranger-rot und mit hell abgemischten Blau- und Grüntönen. Dezent statt knallig, das entspricht den neueren Untersuchungen zur Farbwirkung. Und es entspricht dem veränderten Anspruch der Patienten, wie Ralf Zeuge erklärt: „Die Hinwendung zur farblichen Gestaltung einer Praxis reflektiert einen gesellschaftlichen Trend hin zu Wellness und Wohlfühlatmosphäre.“ Für Kinder gelten eigene Gestaltungsregeln. Architekten setzen hier mehr auf die Wahrnehmung von Räumen mit Kinderaugen. Und so gestalten sie Wände und Fassaden kontrastreich und bunt. Oberflächen und Mobiliar sind Projektionsflächen für Spiel- und Fantasiewelten. Auch von außen soll das Krankenhaus seinen Schrecken verlieren, etwa das Kinderkrankenhaus der Uniklinik Heidelberg, geplant von Nickl und Partner. Gelbe, rote, blaue und orangefarbene Glaspaneele in der Fassaden filtern das Sonnenlicht und werfen farbige, bewegte Schatten auf Wände und Böden. Silhouetten von Seifenblasen und spielenden Kindern auf den Glasfassaden brechen die Maßstäblichkeit des großen Bauwerks auf Kinderniveau. In Primärfarben gestrichene Bauteile im Innern der drei Gebäudeteile helfen bei der Orientierung. Mit dem Trend zu Großpraxen und -kliniken steigt die Bedeutung der Farbe für die Orientierung und Zonierung. Bunte Farbleitkonzepte jedoch, wie sie in Großkliniken in den 70ern üblich waren, funktionieren nach neueren Untersuchungen nur bedingt. Die Wahrnehmung von Farbflächen und deren Verknüpfung mit Funktionen fällt Patienten wie Besuchern schwer, zumal die meisten Farben schon mit einer Aussage belegt sind, zum Beispiel Rot für Stopp. Daher verzichten Klinikgestalter heute eher auf solche Leitsysteme und nutzen Farben wie auch Materialien zur dezenten Zonierung von Räumen und Verkehrsflächen sowieund zur Ausbildung einer Corporate Identity. Licht für die Seele Besonders verändert hat sich über die Jahrzehnte die Belichtung und Beleuchtung von Krankenhäusern und Praxen. Dass Licht nicht nur funktionale, sondern auch atmosphärische und therapeutische Wirkung hat, ist längst bekannt. Doch erst seitdem die Ärzte Psyche und Wohlbefinden der Patienten stärker in die Therapie einbinden, gewinnen Lichtkonzepte an Bedeutung und werden zum Wellnessfaktor, für Mitarbeiter wie für Patienten. Dazu wird das energieeffiziente Lichtmanagement mit steigenden Strompreisen immer wichtiger. Daher setzen immer mehr Praxen und Kliniken auf eine intelligente Nutzung des Tageslichts. Mit rund 10.000 Lux wirkt es antidepressiv, sorgt für eine diffuse, gleichmäßige Helligkeit und spart Energie. Das internationale Büro HPP plante daher ein Atrium für das städtische Klinikum Hamburg St. Georg. Hier leuchtet Tageslicht die Flure aus, schafft eine gute Orientierung über die Organisation der Räume und macht außerdem Jahres- und Tageszeiten im Haus erlebbar. Das Draußensein sein im Haus hilft vor allem Langzeitpatienten und wirkt gegen Klaustrophobie und Winterdepressionen. Patienten sollen nicht mehr in großen „Klinikmaschinen“ abgeschottet werden, sondern via Panoramafenster den Blick ins Grüne oder in die Stadt haben. Tageslicht ist auch ein Zeichen eines neuen Medizinverständnisses, das Transparenz, Aufklärung und Wohlbefinden, aber auch die Außenpräsenz, die Marke fokussiert. Zusätzlich zur Tageslichtnutzung wird die Ausleuchtung medizinischer Räume mit Kunstlicht immer differenzierter. Falsches, grelles Licht kann sehr entwürdigend sein – besonders für kranke Menschen. So gestalten Lichtplaner die Allgemeinbeleuchtung zunehmend mit indirektem warm-weißem Licht und leuchten lediglich Arbeitsplätze und Untersuchungsräume mit neutralweißem, direktem Licht aus. Auch in Patientenzimmern ersetzen Lichtschienen mit warmem Weißlicht ehemalige Leuchtstoffröhren an der Decke. Eine große Veränderung bringt der Einsatz von LEDs, weil sie energieeffizient sind und kaum Wärme erzeugen. Ein weiterer Trend geht zum farbigen Licht, das Therapien und Wellness unterstützen soll. Plakatives hilft – manchmal Ein besonderer Trend resultiert aus der grafischen Gestaltung von Wänden: Raumbezeichnungen und Hinweise verwandeln sich in eigene Logos, die zur grafischen Raumgestaltung und zum identitätsstiftenden Element, zum Corporate Design medizinischer Einrichtungen dienen. Das funktioniert wie bei Ikea: Man benennt die Dinge und gibt ihnen mit spezieller Schrifttypologie und Farbe eine unverwechselbare Zuordnung. So plante es auch das Düsseldorfer Innenarchitekturbüro null2elf für die Ambulanz für Gerinnungsmedizin, das MVZ Labor Duisburg. Hier zonieren Schriftfelder die Räume nach Funktionen, schaffen Orientierung und machen Arbeitsgänge transparent. Mit einem herkömmlichen Leitsystem sind die Schriftlogos allerdings schwerierig zu kombinieren; schnell würde man sich wie im Schilderwald fühlen. Einzeln eingesetzt,t wirken sie zwar grafisch stark, erklären aber manchmal Offensichtliches. Es geht auch subtiler, wie der Psychologe Ralf Zeuge sagt: „Mein Eindruck ist, dass es einen weiteren Trend hin zu assoziativem Design gibt.“ So wie in einer Kinderarztpraxis in Hamburg, geplant von der Innenarchitektin Susanne Beissner-Schindler: Die Nachttischleuchte erinnert an das heimische Schlafzimmer, ebenso wie das im Märchenstil in geschwungenem Holz gerahmte Kinderbett. Diese Erinnerungen ersetzen angstbesetzte gegen vertraute Gegenstände und wirken so gegen Angsträume. Das funktioniert besonders gut bei Kindern, die stark auf sehr positiv besetzte Bilder reagieren. Für Erwachsene setzen Ärzte und Gestalter auf Naturassoziationen mit Material, Farbe, Form und Fotos. Zukunftsforscher sagen ein Zeitalter der Gesundheit voraus, in dem diese als Wohlfühl- wie Wirtschaftsfaktor immer wichtiger wird, gerade in einer alternden Gesellschaft. Die Architektur soll den Patienten möglichst Leiden, Krankheit und Alter vergessen lassen. Gelingt das, ist die Medizin-Wellness-Marke geglückt. Und immer mehr zahlen dann gern immer mehr für eine schönes, gesundes Leben. Die fetten Jahre kommen erst noch – für die Medizin und ihre Architektur. Rosa Grewe hat Architektur studiert und betreibt das Fachpressebüro quer-streifen in Darmstadt

„Teil des kommunalen Lebens“

Christine Nickl-Weller entwirft Gesundheitsbauten und lehrt ihren Entwurf an der TU Berlin. Sie will Krankenhäuser stärker ins städtische Leben einbeziehen. | Interview: Marion Goldmann Sie planen seit nahezu dreißig Jahren Krankenhäuser. Was hat sich in dieser Zeit verändert? Vieles. Der Mensch steht heute im Vordergund, wenigerder technische Bedarf. Die Krankenhäuser waren früher exakt dem Anforderungsprofil der Zeit angepasst. Auch über Nachhaltigkeit hat man damals viel weniger nachgedacht. Heute ist alles interdisziplinär und modular. Die Planungskonzepte lassen Veränderungen oder Erweiterungen der Gebäude sowie städtebauliche Entwicklungen zu. Ein wichtiger Unterschied ist auch der Umgang mit Licht. Heute spielt das Tageslicht eine viel größere Rolle. Das hat zu großen Veränderungen in der Gestaltung geführt. Auch die Zugangssituation eines Krankenhauses hat sich stark verändert. Der Eingangsbereich ist vielmehr als Hotellobby zu gestalten – klar strukturiert und doch zugleich ein Empfang in einer angenehmen Atmosphäre. Krankenhäuser sollen als Teil der Stadt, des öffentlichen Lebens, empfunden werden, mit kulturellen Veranstaltungen und öffentlichen Restaurants. Welche Rolle spielt dabei der Architekt? Der Architekt muss die Vermischung zwischen öffentlichem Leben und der Zweckbestimmung als Krankenhaus berücksichtigen. Veränderungen in der Architektur wurden immer schon ausgelöst von Veränderungen in der Medizin, der Ökonomie oder dem gesellschaftlichen Verständnis. Wer ein Krankenhaus plant, muss herausfinden, wie sich ein Krankenhaus in das urbane Umfeld einfügen lässt – gestalterisch, aber auch funktionell. In den vergangenen Jahren hat sich herausgestellt, dass wir nicht mehr von einer einseitigen Typologie reden können. Bisher konnte man Krankenhäuser über große Entfernungen erkennen. Heute gibt keine vorgeschriebenen Typologien und damit auch kein Erkennen mehr. Planer haben somit viel mehr Freiheiten, aber auch mehr Verantwortung, weil sie die funktionalen Entwicklungen kennen müssen, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Ein Beispiel dafür ist das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Hier hat unser Büro versucht, viele neue gesellschaftliche Entwicklungen zu berücksichtigen. Im Ergebnis ist das Klinikum ganz anders strukturiert als bisherige vergleichbare Bauten. So wurde zum Beispiel der Klinikbetrieb völlig getrennt von Bettenbetrieb und Pflegestationen geplant und realisiert. Wie wichtig ist die Ökonomie? Der Staat zieht sich immer mehr aus seiner Fürsorgepflicht zurück und überlässt die medizinische Versorgung eigenständigen Wirtschaftsunternehmen, die miteinander im Wettbewerb stehen. Auf das stark gestiegene Bewusstsein für Kosten und den rationellen Krankenhausbetrieb muss auch die Architektur eingehen. Aber auch dabei stehen Patient und Personal ganz klar im Mittelpunkt. Alles zum Wohle des Patienten – war das nicht schon immer so? Heute meinen wir damit etwas völlig anderes. Der Mensch mit alle seinen Bedürfnissen steht im Mittelpunkt, nicht allein die Kunst seiner Heilung. Der Patient entscheidet, ob er ein Krankenhaus annimmt oder nicht. Eine interessante Fassade reicht da schon lange nicht mehr. Der Glaube an die Allmacht der Medizintechnik hat mit dem Bau des Klinikums Aachen seinen Höhepunkt überschritten. Heute würde kein Architekt mehr die Technik nach außen präsentieren. Betriebswirtschaft und Wohlfühlambiente Joachim Welp, geschäftsführender Gesellschafter des Braunschweiger Büros Architektengruppe Schweitzer + Partner, über Kosten- und Patienten-Orientierung Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten aktuellen Aspekte des Krankenhausbaus? Wir begegnen in der Klinikarchitektur denselben Problemen wie allgemein im Gesundheitswesen: Kostenexplosion, demografische Entwicklung, neue Finanzierungssysteme, um nur ein paar Stichworte zu nennen. Die sogenannte High-Tech-Medizin muss in Einklang gebracht werden mit genesungsfördernden Eigenschaften von Räumen und Gebäuden: das Schlagwort heißt Wohlfühlambiente. All das möchten Bauherren auch unter Marketing¬gesichtspunkten berücksichtigen. Beim Krankenhaus als Arbeitsumfeld geht es um Aufenthaltsqualität und Optimierung der Betriebsabläufe und der Wegeführung. Darüber dürfen aber die Ansprüche der Bauherren an eine repräsentative, zukunftsfähige Gestaltung der Bauten nicht in Vergessenheit geraten. Nicht zuletzt gilt: Nachhaltige Bauten im Niedrigenergiestandard sind ökologisch und ökonomisch sinnvoll. Sie haben einen Lehrauftrag am Institut für Baukonstruktion und Industriebau der TU Braunschweig. Wo sehen Sie Gemeinsamkeiten mit dem Industriebau? Im produzierenden Gewerbe sind Prozessoptimierung, optimale Ausnutzung vorhandener Potenziale und Kostentransparenz schon lange gang und gäbe. In den letzten Jahren halten diese Begriffe zunehmend Einzug in den Bereich der Klinikarchitektur. Das Konzept „Lean Hospital“ überträgt uralte Erkenntnisse aus der Betriebswirtschaft auf Gesundheitsbauten.

Tore, Wege, Dächer

Innovationen für den Gesundheitsbau und das neu gedeckte Dach des Berliner Krankenhauses „Gottesfriede“ | Marion Goldmann Schnelllauftor für Reinräume Efaflex hat sein reinraumtaugliches Schnelllauf-Rolltor EFA-SRT-CR für einen effektiven und an der Guten Herstellungspraxis (GMP) orientierten Betrieb von Reinräumen weiter perfektioniert. Die Edelstahloberfläche ist absolut glatt, ohne Rück- und Vorsprünge oder Hinterschneidungen. Aufgrund der geschlossenen Behangführung wird nach den aktuellen Normen der Reinraumindustrie eine extrem hohe Luftdichtigkeit erreicht. Druckgradienten im Bereich um 15 Pa bewirken einen Luftverlust von unter 10 m³/h bei einer Torgröße von 1 400 x 2 000 Millimetern. Das Tor ist für hoch frequentierte Zonen bis zu 150 000 Öffnungszyklen pro Jahr im Temperaturbereich von +5 bis +30 Grad Celsius ausgelegt. Es eignet sich somit für den Einbau in Reinräume der Klasse 8 nach DIN EN ISO 14644 und zur Abschottung von Reinräumen der Klasse 7. Die Öffnungsgeschwindigkeit beträgt etwa 1 m/s, die Schließgeschwindigkeit circa 0,5 m/s. Zargen- und Behangverkleidungen sind in praktischer Cliptechnik ausgeführt. Serienmäßig ist das Tor in 15 oder 45 Grad Schrägausführung oder auf Wunsch auch in vertikaler 90-Grad-Ausführung erhältlich. Antrieb und Steuerung sind in die Gesamtkonstruktion integriert. SRT-„CleanRoom-Tore sind in Größen bis zu 2 500 x 3 000 Millimeter lieferbar und können auch außerhalb klassischer Reinräume vielseitig eingesetzt werden. Sichere Transportwege für Arzneimittelcontainer Im modernen Klinikbetrieb wird die Versorgung der unterschiedlichen Abteilungen mit Arzneimitteln, Laborproben oder Operationsbestecken zunehmend von intelligenten Logistiksystemen übernommen. Dabei steuern fahrerlose Transportcontainer mit Magnet- oder Lasernavigation das vom PC-basierten Leitsystem angegebene Ziel direkt an. Auch das Universitätsklinikum Magdeburg verfügt über so ein automatisches Warentransportsystem (AWT). Damit sich die erschütterungsempfindlichen Transportwagen problemlos fortbewegen können, müssen die Bodenflächen nicht nur vollkommen eben, sondern auch antistatisch sein. Deshalb forderte der Auftraggeber des Klinikbetreibers, der Landesbetrieb Bau Sachsen-Anhalt, eine sichere und dauerhafte Bodenbeschichtung der Transportwege. Eingesetzt wurde eine fugenlose, ableitfähige Epoxidharzbeschichtung von Sika Deutschland. Um Unebenheiten und Risse des bestehenden Bodens zu beseitigen, wurden die Flächen gereinigt, mit einem Epoxidharzmörtel egalisiert, geschliffen und grundiert. Dabei wurden die Übergänge zu Türen und Fugenprofilen mit einem Epoxidharzspachtel angeglichen. Der nächste Schritt bestand im Auftrag der ableitfähigen Beschichtung mit Sikafloor-220 W Conductive. Das zweikomponentige Epoxidharz dient als Leitfilm für die Deckschicht Sikafloor-262 AS N, die anschließend aufgegossen wurde. Die Oberfläche wird dadurch dicht und glänzend – auf Wunsch auch auffallend farbig. Im Magdeburger Klinikum fiel aus dem breiten Farbtonspektrum die Wahl auf ein signalstarkes Rot (RAL 3031) und Gelb (RAL 1003). Zusätzlich hat man die Bodenflächen mit schwarzen und weißen Colorchips abgestreut. Dachziegel als Luftreiniger Das neu gedeckte Dach des Krankenhauses „Gottesfriede“ am Rande Berlins fällt sofort auf. Unsichtbar dagegen ist das, was sich auf dem Dach tut. Die roten Finkenberger Pfannen mit ClimaLife-Oberfläche der Dachziegelwerke Nelskamp aus Schermbeck/NRW neutralisieren die Schadstoffe aus der Luft. Klinikgeschäftsführer Andreas Heinemann begründet diese Entscheidung: „Wir tragen als Krankenhaus eine besondere Verantwortung für die Gesundheit.“ Die ClimaLife-Oberfläche ist mit Titandioxidpartikeln durchsetzt. Sie wandeln mittels Fotokatalyse gesundheitsgefährdende Luftschadstoffe wie Stickoxide aus Verkehr, Heizungen und Industrie in ungefährliches Nitrat um. Bei Tageslicht werden bis zu 90 Prozent der schädlichen Stoffe neutralisiert. Von dem feinen und glatten ClimaLife-Mikrobeton spült der Regen Schmutzpartikel und das Nitrat, wichtiger Nährstoff für Pflanzen, einfach ab. Die 470 Quadratmeter große Dachfläche neutralisieren pro Jahr die Stickoxide, die ein Euro-4-Pkw in 39 950 Fahrkilometern erzeugt. Der seit 1896 in mehreren Etappen errichtete Gebäudekomplex des Krankenhauses wird jetzt schrittweise komplett energetisch saniert. Das Dach besitzt mit 50 bis 70 Grad nicht nur eine steile Neigung, es ist durch Mansarddächer, Erker und Satteldächer zudem stark gegliedert. Derart komplizierte Konstruktionen erfordern vom Dachdecker viel Umsicht. Ab einer Neigung von 65 Grad ist aufgrund der Windsogsicherung jeder Dachstein einzeln zu befestigen, schreibt die Fachregel für Dachdeckungen mit Dachziegeln und Dachsteinen vor. Besonders wegen ihrer abgerundeten Schnittkante gilt die „Finkenberger Pfanne“ als besonders sturmsicher. Ein Grund mehr für die Wahl bei diesem Objekt. Bautafel: Bauherr: Evangelisches Krankenhaus „Gottesfriede“, Woltersdorf Architekturbüros: top consult köln GmbH (Gesellschaft für Technik, Organisation und Planung im Gesundheitswesen mbH); Architekt Ralf Trenkler, Berlin Dachsanierung: Kurch Bedachungs GmbH, Köthen

Kostenberechnung in der HOAI

Statt der praktikablen Altregelung berechnen wir die Kosten jetzt perfekt voraus. Welcher seriöse Auftraggeber, privat oder öffentlich, würde denn einer „überhöhten“ – im Sinne einer fairen Honorarvergütung – Kostenberechnung zustimmen? Wie viele Bauherrn reagieren spontan, wenn ihre Dienstleister erhöhte Honorare für umfangreichere oder stornierte Leistungen fordern (Stichwort Annahmeverzug)? Wie viele Architekten/Ingenieure klagen die ihnen zustehenden Zusatzforderungen ein, die ihnen dann nur auf der Grundlage umfangreich vorliegenden Schriftverkehrs – der durch die neue HOAI 2009 ebenfalls weiter ausgebaut werden dürfte – oder mit viel Glück wenigstens zum Teil nach Jahren zugesprochen werden würden? Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen aus der Mittelschicht stehen die Architekten und Ingenieure doch eher vornehm zurück, wenn es um ihre Bezüge für nicht gerade im Schlaf erbrachte Leistungen geht. Jeder berufserfahrene Kollege wird im Übrigen bestätigen, dass „goldene Wasserhähne“ nicht ohne Zusatzaufwand verarbeitet werden. Mit hochwertigen Ausstattungen und Materialien erhöhen sich in der Regel die Beratungsleistungen sowie die Ansprüche bei Ausführung, Qualität und Abnahme und nicht zuletzt beim Gebrauch insbesondere während der Mängelanspruchsfristen. Fazit: Es lebe der Schriftverkehr und die nächste HOAI-Novelle! Hans-Jürgen Keisel, Architekt, Berlin Diese Meinung bezieht sich auf  den Artikel „Neue HOAI: das Kostenberechnungsmodell“ , erschienen in Ausgabe 3/10, Seite 30

Arbeit als Projektsteuerer

Den Führerschein für Projektsteuerer erwirbt man durch Fahrpraxis in der Bauindustrie nach vier bis fünf Jahren im sogenannten Schlüsselfertigbau. Hier lernt man alle steuerbaren Personen-, Zeit-, Gewinn-, Verlust-, Kalkulations-, Geräte-, Material-, Wetter- und Manneinsatzpläne sowie die Methodik kennen. Glück hat, wer nach dem Studium bei der Industrie als Bauführer/Bauleiter arbeiten kann. Diese Praxis ist durch kein Seminar zu ersetzen. Heinz Löppke, freier Architekt, Asbach, Saarland Diese Meinung bezieht sich auf  „Alles im Blick“ , erschienen in Ausgabe 3/10, Seite 26

DABkompakt „Schulen“

Ich hoffe inständig, dass Sie recht behalten, dass die zur Architektur-„Mode“ erklärte (von wem eigentlich?) Betonkargheit, die sich mittlerweile über sämtliche Gebäudetypen auf der ganzen Welt erstreckt, endlich ein Ende findet! Fürwahr, die besuchte „eigene“ Schule prägt bis heute das erste, eigene Raumempfinden. Warum jedoch sollen Schüler, entgegen ihren eigenen Empfindungen, für scharfkantigen Sichtbeton Verständnis entwickeln? Ich bin der festen Überzeugung, dass Schüler, die ihr innerstes, noch unvoreingenommenes, natürliches, noch nicht geprägtes Empfinden für Formen, Farben und Materialien nicht „verbiegen“ müssen, mündigere, empfindsamere Bürger mit großer Zivilcourage werden können. Leider sind jedoch die am Architektenmarkt etablierten, planenden und bauenden Architektengenerationen größtenteils nicht in der Lage, „sensibel auf die Bedürfnisse von Kindern“ einzugehen, geschweige denn, sie zu verstehen! Beton gehört dahin, wo er als Material sinnvoll ist: in den Keller. Thomas Serwe, Architekt, Münster Es ist erfreulich, dass Sie sich des Themas „Schulbau/Schulsanierung“ angenommen haben. Einen entscheidende Aspekt lassen Sie jedoch aus: die Be- und Entlüftung. Messungen in verschiedenen Städten, bewertet u.a. durch das Umweltbundesamt, haben ergeben, dass die Atemluft in deutschen Klassenräumen in der Regel gesundheitsgefährdend schlecht ist. Das ist auch kein Wunder: Bei 20 cbm/h Luftbedarf pro Kopf und heute weitgehend üblichen Doppelstunden ist der Luftvorrat in der Klasse nicht ausreichend. „Natürliche“ Lüftung über undichte Fenster gibt es in sanierten Schulen nicht. Die regelmäßige Stoßlüftung mit weit geöffneten Fensterflügeln ist im Normalfall auch nicht möglich, weil die Landesunfallkassen darauf bestehen, dass die Fenster nur Kipplüftung zulassen. Im Ergebnis gibt es entweder Klassenräume mit CO2-Konzentrationen weit jenseits von Gut und Böse, oder ständig auf „Kipp“ gestellte Fenster, die die Raumluft zwar verbessern (meist nicht ausreichend), aber natürlich eine energetische Katastrophe sind und aufwendige Dämmmaßnahmen ad absurdum führen. Bei ständig geöffnetem Fenster nützen Dreifachverglasung und ein dickes WDVS für die Außenwand nichts. Wenn man weiß, dass erhöhte CO2-Konzentration zu Konzentrationsschwäche, Müdigkeit, nachlassender Merkfähigkeit, Kopfschmerz usw. führt, hätte man sich statt des Themas „Licht für helle Köpfe“ eher „Luft für helle Köpfe“ gewünscht. Michael Hartwig, Architekt – Energieberater, Hamburg Diese Meinungen beziehen sich auf DABkompakt 01/10 „Schulen“

Laienhafter Anspruch

Zunächst mit Verwunderung, dann mit Entsetzen und zuletzt mit Unverständnis haben wir den Beitrag über das zunehmende Selbst­bewusstsein von Innenarchitektur gelesen und betrachtet. Wie können zu einem wirklich spannenden und wichtigen Thema zwei bestenfalls durchschnittliche Projektbeispiele, die unseren leider allzu häufig schlecht gestalteten Alltag ­widerspiegeln, in einem Fachblatt veröffentlicht werden? Noch dazu mit schlechten, selbst ­gemachten Fotos und keineswegs „ausgezeichneten“ Handskizzen. Welchem einfachen, laienhaften Anspruch will das Deutsche Architektenblatt mit dieser Auswahl genügen? Damit ­werden der Beruf des Innenarchitekten und ­berufliches Können leider genau in das Licht ­gestellt, in dem wir häufig von anderen Fach­leuten (speziell von Architekten) wahrgenommen werden. Wolfgang Pankoke, Innenarchitekt Diese Meinung bezieht sich auf: Raumkonzepte: Selbstbewusste Büros erschienen in: DAB 3/09, Seite 11

Das „Biest“ ist es wert

Ein städtebauliches Biest besonderer Art ist Siegen – in vielerlei Hinsicht. Auch mit dem Fluch der bedrückenden Konzentration von Siedlung, Verkehr und eben der Sieg im engen Tal, was erst die leidige Hüttentalstraße hervorgebracht hat, und obendrein unter Zerstörung des Alche-Tales die Freudenberger Straße als BAB-Zubringer. Im Verein mit den architekto­nischen Sünden, wie sie der „Schöngeist“ Michael Stojan vorfand: viel fast unüberwindlich erscheinendes Elend, zudem das Einzwängen der Sieg in einen Betonkasten. Das sind Aufgaben für Generationen, und man kann dem Kollegen Stojan nur eine glückliche Hand wünschen. Das „Biest“ ist es wert. Kurt Reschke, Landschaftsarchitekt Diese Meinung bezieht sich auf: Der Schöngeist und das Biest erschienen in: DAB 08/09, Seite 20

Brandschutzversuche

Im Allgemeinen bedeutet mir das Architektenblatt Lesefreude und einen Gutteil fachlicher Gewinn. Doch was sollte der Bericht über diesen Pippikram, zwei bezüglich Feuerwiderstand in nichts vergleichbare Buden anzubrennen? Vorschlag für einen Gegenversuch: Das Gebäude aus Beton trete gegen eines aus Massivholz-/ Brettsperrholz an. Beide sind mit gleicher Wandungsstärke homogen und dicht über Dachdecke, Wänden, Bodenplatte errichtet. Es gibt jeweils gleiche Öffnungen. Gelöscht wird erst, wenn Flammen außen erscheinen. Siegfried v. Hopffgarten, Architekt, Gera Diese Meinung bezieht sich auf den Beitrag „Zündeln für den guten Zweck“, erschienen im DAB 12/09 auf Seite 40

Urlaub mit Experten

Fachleute und Kammern bieten Spezialreisen zu sehenswerten Bauten in ganz Europa. | Nils Hille Wer könnte bessere Exkursionen zu sehenswerten Bauten veranstalten als Architekten? Von Freiburg aus bietet sie Eva Schlechtendahl mit ihrer Firma „Architektur und Reisen“. Auch Architektenkammern haben Reiseangebote. Eine Auswahl für dieses Jahr: Ideenreicher Nachbar Graz und Südsteiermark, 13. bis 16. Mai Vor allem im Vorfeld zum Kulturhauptstadtjahr 2003 erlebte Graz einen starken Wandel. Doch auch seitdem ist einiges architektonisch Sehenswertes hinzugekommen. Die Architektenkammer Berlin lädt zur Reise in die Südsteiermark ein. Auf dem Programm stehen  die Altstadt, das umstrittene Kunsthaus, die Helmut-List-Halle und die Murinsel. Auch Universitäts-, Wein- und Wohnbauten stehen auf dem Programm. Ab 450 Euro. Nordische Baukultur Schweden und Finnland, 21. bis 30. Mai Skandinavien fängt in Kiel an: mit einem opulenten Buffet auf der Fähre nach Göteborg. Es folgen zwei Tage in Stockholm, dann geht es weiter nach Finnland. Die Bauten Alvar Aaltos in Jyväskylä und Noormarkku sind zwei der Stationen. Zum Abschluss erreichen die Reisenden Helsinki, bevor es über Travemünde und Lübeck zurückgeht. Aab 1 700 Euro. Voller Geschmack Österreich, 30. August bis 4. September Nach Bregenz, Innsbruck, Hall und Graz führt diese Reise, unter anderem zu Bauten von Zaha Hadid, Dominique Per­rault, Peter Zumthor und den Könnern aus der Region. Dazu kommt das Thema Genusskultur mit der Steiermark als dem „Feinkostladen Österreichs“. Ab 900 Euro. Frühzeitiger Blick Ruhrgebiet, 2. bis 5. September 2010 sind Essen und seine Nachbarn die Kulturhauptstädte Europas. Der Architekt Dietmar Schlenger führt mit weiteren Referenten durch die Region. Ab 390 Euro. Kontrastreiches Programm Neapel, 7. bis 13. Oktober Neapel kämpft mit Kriminalität und Müllbergen auf der einen Seite und bietet historisches Erbe und eine der schönsten Küstenlandschaften Europas auf der anderen Seite. Diese Tour der Architektenkammer Hamburg wird sich weitgehend abseits der üblichen touristischen Routen und Inhalte bewegen. Ab 990 Euro.
  • Tel. 040/44 18 41 11
Zweierlei Besuch Argentinien und Chile, 10 Tage im Herbst Mit Öffnung internationaler Märkte ist auch Südamerika mehr in das Blickfeld europäischer Architekten gerückt, die dort zunehmend Bauten realisieren. Die Exkursion der Bayerischen Architektenkammer führt zu Werken von Le Corbusier, Mario Alvarez und Clorindo Testa in Argentinien sowie von Mathias Klotz, Smiljan Radic und Rodrigo Pérez de Arce in Chile. Preis noch unbekannt.
  • Tel. 089/13 98 80-41
Wässriger Genuss Graubünden und Engadin, 5. bis 7. Dezember Badend Architektur erleben? Diese Reise in die Schweiz macht es möglich. Zum Beispiel im dem Hamam im Hotel Castell von Ben van Berkel und Caroline Bos in Zuoz und in Peter Zumthors legendärer Therme in Vals. Die Küchen der beiden Hotels runden den Genuss ab. Ab 500 Euro.
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Nicht ganz schwach

Unter den Volksvertretern sind Architekten nur eine kleine Minderheit – aber Einfluss auf Anliegen des Berufsstands haben sie. | Roland Stimpel Von den Millionen Wahlberechtigten sind rund 120 000 Architekten und Planer, ein Anteil von 0,2 Prozent. Von den 611 Abgeordneten des letzten Bundestages waren vier gelernte Architekten, das sind 0,6 Prozent. Also war der Berufsstand im Bundesparlament zuletzt dreimal stärker vertreten als unter den Wählern. Und obwohl vier Abgeordnete, verteilt über drei Fraktionen, keine quantitative Macht bilden, gelang die Organisation von Berufsinteressen in der abgelaufenen Legislaturperiode recht gut: zum Beispiel bei der HOAI, die zwar auch jetzt nicht optimal ist, die aber gegen starke Interessen von Wirtschafts- und Finanzpolitikern wenigstens in ihrer Substanz erhalten werden konnte. Hierzu fanden Architekten Unterstützer in allen Fraktionen. Zu den Erfolgen für den Berufsstand zählen auch die Gründung der Bundesstiftung Baukultur und das Leitbild Bau der Regierung. Architektonisch-inhaltliche Fragen entscheidet der Bundestag nur selten, zuletzt die für den Neubau des Berliner Schlosses als Humboldt-Forum. Hier hätte eine Architektenmehrheit wohl anders gestimmt als die Parlamentsmehrheit. Aber ein klar definierbares Berufsinteresse pro oder kontra Rekonstruktion gab es hier nicht, also war auch das keine Frage der Standesmacht oder -ohnmacht. Ist für Architekten der Weg in die Politik schwerer oder leichter als für andere? Leichter ist er, weil sie durchgängig Akademiker sind, weil sie sich in Ausbildung und Beruf mit öffentlichen Angelegenheiten beschäftigen und sie immer wieder mit Behörden, Lokalparlamenten und deren Ausschüssen oder mit Bürgerversammlungen zu tun haben, was politische Milieus und Handlungsweisen vertraut macht. Auch arbeiten relativ viele Architekten und Planer im Staatsdienst, dem besten Sprungbrett für eine Politikkarriere. Schwerer fällt der Weg dagegen den vielen Freiberuflern, deren Büro nicht vier oder fünf Jahre pausieren kann. Schwerer fällt er auch den nicht wenigen Architekten, die ihren Beruf nach Haltung und Methoden eher künstlerisch-individualistisch als kommunikativ-politisch betreiben. Sicher ist: Architekten werden nie eine eigene parlamentarische Macht bilden wie die Juristen, die als größte Berufsgruppe fast jeden vierten Abgeordneten im Bundestag stellen. Doch die Kompetenz und die Anstöße für Baukultur und Berufsinteressen verpuffen in Lokal-, Landes- und Bundesparlamenten nicht. Sie müssen aber von draußen unterstützt werden: über Berufsverbände und -organisationen, über Medien und nicht zuletzt durch viele Einzelne. Nicht als geschlossener Stimmblock sind Architekten und Planer stark, sondern nur, wenn sie gut organisiert sind. Und wenn sie darüber hinaus einzeln aktiv werden und 120 000-fach ihre Stimme erheben.

Städtetour Braunschweig

Schon immer ahnte ich aus den bisherigen Reise- und Architekturberichtchen eine gewisse jugendliche Flapsigkeit und Unbedarftheit. Nun also der Braunschweiger Bahnhof … Haben Sie eigentlich ’was gesehen? Zum Beispiel die große, gläserne und elegante Bahnhofshallenarchitektur („Stadtfoyer“) oder wenn man auf den Bahnhofsvorplatz rausgeht, die eigenartige, ganz ­eigenwillige Bodenpflasterung (als „kahl“ ­beschrieben …)? Und dann rechts die grünen Anlagen, links – vor ein paar Jahren (nach J­ahrzehnten) von mir erst wiedergesehen: die schöne, wohlproportionierte Wohnhochhaus-Aufreihung von Krämer mittels damals neuartiger Fertigteilbauweise? In Ihrem Text heißt dieses Stadteingangsensemble „öde, breite Schneise“. Nun gäbe es mehr zu erzählen von qualitativ ganz ordentlicher Nachkriegsarchitektur an manchen Stellen oder dem Wiederaufbaukonzept der Traditionsinseln (immer noch ablesbar – trotz untraditionellem Shoppingschloss) oder gar von dem klassischen Krämer-Ensemble an der Universität. Ob nun die expressionistische Hochschularchitektur als von „nationalsozialistischer Architektur­ideologie“ kommend zu kennzeichnen ist, hätte man als Redakteur vielleicht auch nicht zitieren sollen, zumindest nicht ungeprüft – siehe Höger etc. (meines Wissens mochten die Nazis diese undeutsche Expressionismusarchitektur gar nicht!). Naja, enden wir hier und hoffen auf weniger pauschale Geschmacks- und Meinungsmacherei gegenüber älterem Kollegenwerk, auf weniger Blindheit über andere ­architektonischen Zeiten und -metiers (zum Beispiel Städtebau) und beim nächsten Bericht aus der Provinz auf ein bisschen weniger lässige Flapsigkeit und behäbige Unwissenheit und auf mehr Hinschauen auf das, was wirklich zu sehen ist. Klaus Brendle, freier Architekt, Lübeck Diese Meinung bezieht sich auf: „Versteckte Perle“ Ausgabe 11/09, Seite 48

Größenwahn und Selbstverherrlichung

Eckart Leipprand und Karl Wallasch zum Dossier „Hochhäuser“ Die leicht ironische Kritik am Hochhaus ist gut, meiner Meinung nach aber zu nachsichtig. Dass Hochhäuser weder aus wirtschaftlichen noch aus praktischen Gründen, weder aus Raumnot noch aus städtebaulicher Enge entstehen, ist wichtig voranzustellen. Dass sich im Hochhaus vielmehr Größenwahn und Selbstverherrlichung, Phalluskult und Herrschaftsgesten ausdrücken, dass mit dem Hochhaus eine Konkurrenz in „Höhenrausch“ und „Formenrausch“, in Wichtigkeit und Überlegenheit ausgetragen wird – und zwar nicht etwa von Gemeinschaften, Nationen, Demokratien, sondern von Privatgesellschaften oder Einzelpersonen, die wie frühere Monarchen den öffentlichen Lebensraum usurpieren und dominieren, ohne dass die Gesellschaft ihnen Einhalt gebietet, – das alles ist schon eine wenig schmeichelhafte Begründung für das Hochhaus und macht es scheinbar zu einem wichtigen architektonisch/städtebaulichen Thema. Doch das Hochhaus ist leider nicht nur private Wichtigtuerei, ist nicht nur auffällige Architektur, als Bauprogramm meist unsinnig und dazu unvorstellbar teuer, sondern wird zugleich und zusätzlich missbraucht, um darin mit Menschen Geld zu verdienen. Deshalb ist vor allem anderen seine soziale Seite zu kritisieren. Gründe, die eigene Größe hervorzuheben gab es immer, Signale wurden zu allen Zeiten gebaut, aber sie mit Menschen zu füllen ist neu und zynisch, mit Menschen, die in dem Fall mit dem Motiv des Hochhauses nicht das geringste zu tun haben. Wenn die Egomanen ihr Signale als Signale bauen würden, ohne Menschen darin und so extravagant wie sie nur irgend wollen, so wäre darüber demokratisch zu befinden, aber wenn sich ein Signal auch noch „rechnen“ muss durch Geld erwirtschaftende Menschen darin, dann kommt die sozialpolitische Komponente als das schwerwiegendste Problem des Hochhauses ans Licht. Nach dem 2. Weltkrieg kam die Kunde, dass es in Amerika „Wolkenkratzer“ gäbe und man erschauerte vor Ehrfurcht, fügte aber sogleich hinzu, dass man selbst auf keinen Fall in einem Wolkenkratzer würde arbeiten oder wohnen wollen. Warum? Aus ursprünglicher Angst vor dem Fremdsystem; in dem Falle, weil man bei einem Fliegeralarm nicht rechtzeitig heraus käme. Der Mensch begibt sich nicht freiwillig in Fremdsysteme, Flugzeug, Schiff, Untertagebergbau, Hochhaus, Aufzug, U-Boot, Seilbahn, es sei denn, er hat besondere Gründe oder steht unter Zwängen. Und auch dann sieht der normal empfindende Mensch zu, dass er so schnell wie möglich wieder heraus kommt und sein Leben in seinem selbst bestimmbaren Umfeld fortsetzen kann. Hochhäuser sind Fremdsysteme, in denen der Einzelne nicht frei ist zu entscheiden, was er tun will. Er mag sich nach Abwägung von Gründen oder Zwängen in eine solche Abhängigkeit begeben (müssen), und wir haben uns inzwischen mehr oder weniger an das Hochhaus, das Flugzeug, das Schiff, den Aufzug gewöhnt, haben unsere natürlichen Vorbehalte einfach übersprungen, aber instinktiv spürt jeder bei Benützung eines solchen Fremdsystems, dass er sich in Abhängigkeit begibt. Architekten wie Politiker wie Auftraggeber sollten für die Selbstbestimmung der Menschen eintreten und nicht zur massenhaften Fremdbestimmung beitragen, sosehr Verdienst und Kuriosität und vordergründiger Prestigegewinn solcher Bauaufgaben auch reizen mögen. Das weitere Argument für das Hochhaus, den „Leuten ab und zu einen Überblick ermöglichen“, ist eine wohlwollende Begründung. Für einen Überblick genügt ein Aufenthalt von ein oder zwei Stunden. Die Büromenschen oder Bewohner eines Hochhaus sind nicht wegen des Überblicks darinnen. Das „Konzentrieren von Bauflächen“ als Begründung für Hochhäuser stimmt auch nur in ganz wenigen Fällen, etwa in Sao Paulo. Dort sind alle Häuser „Hochhäuser“. Die Paulistas arbeiten und wohnen darin, weil es (fast) nichts anderes gibt, aber man beachte bitte, dass in Sao Paulo 99% der Hochhäuser in keiner Weise Signale sein wollen, „Wahrzeichen“ oder „Egomanismen“ oder Symbole für was auch immer, sondern nüchtern und trivial ihren reinen kapitalistischen Silozweck verkünden und sonst nichts! Anders ist das noch in Shanghai etwa, wo das Hochhaus mit gründerzeitähnlichen pathetischen Prestigewerten behaftet ist und „angebetet“ wird, weil man stolz ist über fließendes Wasser und funktionierende Heizung. Fremdbestimmung ist dort ohnehin eingeübt. Man sollte einen Blick nach Phönix in Arizona werfen, der Stadt im Westen Amerikas, in der Weltfirmen an der Weltspitze arbeiten, also Grund hätten, anzugeben; deren arbeitende und wohnende Bevölkerung ihre Kraft jedoch nicht verschwendet für Wichtigtuerei und Selbstunterwerfung unter Fremdsysteme, sondern – mit wenigen Ausnahmen – souverän auf dem Boden bleibt in drei bis vier Geschoßen. Da kann man jederzeit mal schnell an die Luft gehen und die Füße vertreten oder eine Erledigung machen; jedenfalls kommen und gehen als freier Mensch. Eine ähnliche Philosophie praktiziert Oman, das sich der Hochhauskonkurrenz konsequent entzieht, obwohl es in der Lage wäre mitzuhalten und genügend größenwahnsinnige aber eben nicht nachahmenswerte Nachbarn um sich hat, sondern jedem seiner Einwohner Selbstbestimmung auf der Erdoberfläche einräumt. Das geht, weil dort ein charakterfester Monarch weniger an sein Prestige als an das Wohlergehen seiner Landsleute denkt. „Orientierungszeichen setzen“ als städtebauliche Begründung für Hochhäuser ist zynisch, wenn Einzelpersonen dies tun und nicht die demokratische Gemeinschaft. Orientierungszeichen setzt die Gesellschaft an wenigen gemeinsam definierten Standorten, z. B. als Kirchturm oder Stadttor, Brücke oder Uhrturm an städtebaulich richtiger Stelle (ohne Menschen darin). Wer käme auf die Idee, den Eiffelturm oder den Arc de triomphe mit Arbeitsplätzen oder Wohnungen zu füllen. Eckart Leipprand, Stadtplaner, Trier Nach Redaktionsschluss des gedruckten Hefts erreichte uns ein weiterer Brief zum Thema: Ich finde das Thema sehr spannend und kann nur bestätigen, dass selbe Diskussionen hier in Großbritannien geführt werden. Von der Autorin wurde richtig genannt, dass das Gebäude Murray Grove von Waugh Thistleton ein „beacon“-Projekt im Hinblick auf die konsequente Verwendung von Holz ist. Auch in Großbritannien wurde genau dieses fertiggestellte Projekt mit Preisen für die vorbildliche und zukunftsweisende Baukonstruktion geehrt. Jedoch möchte ich einen wichtigen Sachverhalt nennen, der aus dem Artikel falsch verstanden werden kann. Obwohl das Murray Grove Gebäude eine Gebäudehöhe von ca. 29m hat (und somit größer als 22m ist) wird das Gebäude nach englischem Baurecht nicht als Hochhaus eingestuft. Die Hochhausgrenze in England und Wales ist ab einer Bauhöhe von 30m festgelegt. Das Gebäude wäre mit Sicherheit nicht aus Holz möglich, wenn es eine Bauhöhe von über 30 Metern hätte. Ich könnte mir vorstellen, dass gerade die Leser aus Deutschland, die nicht mit dem englischen Baurecht vertraut sind, diesen wichtigen Sachverhalt falsch verstehen könnten. Sie könnten den Eindruck gewinnen, dass in England / Wales ein Hochhaus als Holzbau möglich ist. Dies ist nicht der Fall. Und bisher gibt es kein Hochhaus in England oder Wales in Holzbauweise. Gerade auf Grund der in den letzten Wochen und Monaten statt gefunden Brände in England bei im bau befindlichen Holzgebäuden ist die Diskussion um den Holzbau wieder „entfacht“. Der Autorin kann ich ansonsten nur gratulieren zu dem sehr gelungen Artikel! Karl Wallasch, Senior Fire Engineer, London Diese Meinungen beziehen sich auf das Dossier: Hochhäuser erschienen in: DAB 12/09, Seite 10