Gera sucht die Mitte

Experimentierraum und Modellvorstellung: Eine Ausstellung zur Rahmenplanung von Geras „neuer Mitte“ lädt Bürger zum Diskutieren ein. (Foto: Thomas Müller) Vor zwei Jahren fragte die Stadt Gera ihre Bürger, wie sie sich die Bebauung der „neuen Mitte“ vorstellen. Nun veranschaulicht eine Ausstellung den Zwischenstand der Rahmenplanung für die zentral gelegene Brachfläche – und gibt erneut Gelegenheit zur Teilhabe. Wie berücksichtigt der „Rahmenplan plus“ die Meinungen der Geraer? Die Stadt und der Verein „Ja – für Gera“ laden die Bürger ein, den Entwurf des Bebauungsplans kennenzulernen, mit Fachleuten ins Gespräch zu kommen sowie ihre Ideen, Kritikpunkte und Eindrücke in Notizform an den „roten Faden der Bürgerbeteiligung“ zu hängen. Das auf diese Weise zusammengetragene Meinungsbild soll in die weitere Planungsarbeit einfließen. Voraussichtlich im Frühjahr soll der Stadtrat den „Rahmenplan plus Bürgerbeteiligung“ beschließen. Die Ausstellung „KuK an 2!“ (noch bis 21. Februar 2018) wird von einem öffentlichen Bürgerworkshop, Führungen und mehreren Informationsveranstaltungen zu Einzelprojekten begleitet. Entwürfe zur Entwicklung der großen innerstädtischen Brache vor dem Kultur- und Kongresszentrum (KuK), gelegen zwischen Stadtmuseum und De-Smit-Straße, sammelte die Stadt im Zuge der Beteiligung am städtebaulichen Wettbewerb Europan 2015. Mit der nach erster Bürgerbefragung geplanten Neugestaltung des Stadtzentrums als Experimentierraum für Partizipation und innovative Projekte bewarb sich Gera für die Internationale Bauausstellung Thüringen 2023. Ausführliche Informationen zur Ausstellung und zum Zwischenstand der Planungen finden Sie hier.

Großes Architektentreffen

Großes Architektentreffen in Stuttgart: Beim zweiten Landeskongress „Archikon“ stehen die großen Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit auf dem Programm. (Foto: Felix Kaestle) Die positiven Impulse von Energiewende und Digitalisierung stehen am 1. März 2018 im Mittelpunkt des zweiten Landeskongresses für Architektur und Stadtentwicklung „Archikon“ der Architektenkammer Baden-Württemberg. Dabei geht es in Stuttgart vom großen Maßstab der Stadtentwicklung bis ins Detail der Baustoffe. Besonderes Augenmerk wird auf den Gestaltungsaspekt und auf Low-Tech-Konzepte gelegt. Vertreter aus Architektur, Politik und Wissenschaft diskutieren, wie die Zukunft des Bauens gestaltet, gefordert und gefördert werden muss, um wirklich nachhaltig zu werden und darüber hinaus ein neues Selbstverständnis von Nachhaltigkeit in der Architektur zu prägen. Die Keynote hält Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Kopräsident des Club of Rome und ehemaliger Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Auf dem Programm stehen außerdem zahlreiche parallel angebotene Seminare zu Themen wie Personalmanagement, Vergabeverfahren oder Haftungsfragen, die bei der Onlineanmeldung auszuwählen sind. Im Anschluss an den Kongresstag wird zum zwanglosen Austausch im Rahmen einer Abendveranstaltung geladen. Die Teilnahme am Landeskongress wird mit fünf Fortbildungsstunden anerkannt. Anmeldeschluss ist am 20. Februar 2018; die Teilnahmegebühren liegen zwischen 135 und 165 Euro. Ausführliche Informationen  zum Seminar- und Vortragsprogramm finden Sie hier.

Preisverdächtige Fassaden gesucht

Preisträger 2015: Das Campus Center der Universität Kassel. (Foto: Werner Huthmacher) Architekten und Ingenieure können sich bis zum 18. Mai 2018 mit „eindrucksvollen Beispielen“ vorgehängter und hinterlüfteter Fassaden für den Deutschen Fassadenpreis bewerben. Die Jury kürt innovative nachhaltige Lösungen, die gestalterische, technische und wirtschaftliche Vorzüge gleichermaßen vereinen. Zur Teilnahme zugelassene Projekte müssen nach dem 1. Januar 2015 und vor dem 18. Mai 2018 in Deutschland fertiggestellt und mit vorgehängten hinterlüfteten Fassaden nach DIN 18516-1 ausgeführt worden sein. Bis zu drei Projekte können eingereicht werden. Eine Fachjury wählt die Sieger des mit 5.000 Euro dotierten Preises aus. Weitere Anerkennungen werden zusätzlich mit insgesamt 5.000 Euro prämiert, so der auslobende Fachverband für vorgehängte hinterlüftete Fassaden, der die Ehrungen am 13. September 2018 in Berlin vergibt. Die Auslobungsunterlagen mit allen weiteren Informationen zur Einreichung stehen hier zum Download bereit.

Städtebau mal zwei

WagnisArt, ein Wohnprojekt der Genossenschaft Wagnis in München. Geplant wurde es von bogevischs buero in Zusammenarbeit mit SHAG Schindler Hable Architekten, Bauchplan und Auböck + Kárász Landschaftsarchitekten. (Foto: Julia Knop) Bis zum 15. April 2018 können sich Architekten und Planer mit Projekten, die nachhaltige Beiträge für das Ortsbild leisten, um den Deutschen Städtebaupreis bewerben. Städtebaulicher Denkmalschutz steht dann im Fokus einer Tagung in Rostock (19. bis 21. April). Städtebaulicher Erfolg Städtebauliche Projekte, die sparsam mit Ressourcen umgehen und einen wichtigen Beitrag für den öffentlichen Raum und das Ortsbild leisten, können noch bis zum 15. April für den Deutschen Städtebaupreis 2018 vorgeschlagen werden. Den Einreichungen, die nach dem 1. Januar 2013 realisiert worden sein müssen, sollen integrierte Konzepte und eine beispielhafte Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Akteuren zugrunde liegen, da auch der Prozess einer gelungenen Kooperation bewertet wird. In einer Sonderkategorie, die im Zeichen des Europäischen Kulturerbe-Jahres 2018 „Sharing Heritage“ steht und dem Umgang mit städtebaulichen Ensembles aus den vier Jahrzehnten nach 1949 gewidmet ist, werden Orte der Bildung und Kultur ausgezeichnet. Überdies werden weitere Auszeichnungen vergeben und Belobigungen ausgesprochen. Der mit insgesamt 25.000 Euro dotierte Preis wird von der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL) vergeben und von der Wüstenrot Stiftung gefördert. Die Preisverleihung findet am 27. September 2018 in Mainz statt und wird von einem Symposium begleitet, das aktuelle Bezüge zwischen Städtebau und gesellschaftlichem Wandel thematisiert. Die prämierten Arbeiten werden gemeinsam mit den Vorträgen und Diskussionen im Rahmen des Symposiums in einer Publikation dokumentiert und verbreitet. Weitere Informationen finden Sie hier. Bestandspflege im dynamischen Umfeld: Thema der Tagung in der historischen Hansestadt Rostock. (Foto: Berthold Brinkmann) Städtebaulicher Spagat Wie gelingt städtebaulicher Denkmalschutz in einem dynamischen ebenso wie in einem stagnierenden oder schrumpfenden Umfeld? Dieser Frage ist die Tagung „Praxisfeld Historische Städte“ vom 19. bis 21. April 2018 in Rostock gewidmet. Um Synergien zwischen einer wachstumsorientierten Stadtpolitik, sozialer Quartierentwicklung und Baukultur stets neu austarieren zu können, sind eingefahrene Routinen und institutionelle Verfestigungen in Frage zu stellen, so die grundlegende These. Veranstaltet vom Netzwerk historischer Städte „Forum Stadt“ und der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL), steht die Diskussion neuer Ansätze der Kooperation auf dem Tagungsprogramm. Anhand neuer Ansätze aus der kommunalen Praxis in deutschsprachigen Ländern zeigen Referenten Wege auf, mit denen der Spagat zwischen den unterschiedlichen Interessen gelingen kann. Die Veranstalter laden zum Vorabendtreffen am 18. April ein sowie, im Begleitprogramm, zu einem Ausflug nach Warnemünde. Die Teilnahmegebühren liegen zwischen 30 Euro (Studierende) und 190 Euro. Die Internationalen Städtetagungen von Forum Stadt e.V. werden laut Veranstalter in der Regel als Fortbildungsveranstaltungen anerkannt. Genauere Informationen zum Status der Beantragung bei den Architektenkammern sowie zum Tagungsprogramm finden Sie hier.

Entdeckungstouren nach Israel und Polen

Bauhausarchitektur, soweit das Auge reicht: Ein Ziel der Reise nach Israel ist die „Weiße Stadt“ in Tel Aviv. (Foto: Ticket B – Architektur erleben) Die Architektenkammer Berlin veranstaltet in Zusammenarbeit mit „Ticket B – Architektur erleben“ eine Fachexkursion nach Tel Aviv und Jerusalem (22. bis 26. März 2018). An den Pfingsttagen (17. bis 21. Mai 2018) geht es nach Polen zur „Dreistadt“ Danzig, Gdingen und Sopot. Tel Aviv, Jerusalem Im Mittelpunkt der Fachexkursion nach Israel steht die UNESCO-Welterbestätte „Weiße Stadt“ in Tel Aviv, die mit rund 4000 Gebäuden gewissermaßen die größte 1:1-Ausstellung von Bauhausarchitektur ist. Ferner stehen ein Besuch des Weizmann Hauses von Erich Mendelsohn und ein Tagesausflug nach Jerusalem mit Besuch der Altstadt sowie der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und dem dprtigen Museum von Moshe Safdie auf dem Reiseprogramm. Die Exkursionen werden von dem Architekten Thomas Krüger und lokalen Partnern in deutscher sowie in großen Teilen in englischer Sprache moderiert. Für die fünftägige Reise (22. bis 26. März 2018) werden Fortbildungspunkte vergeben. Ausführliche Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.   Kontrovers diskutiert, endlich eröffnet: das Museum des 2. Weltkriegs in Danzig. (Foto: Ticket B – Architektur erleben) Danzig, Gdingen, Sopot Auch Polen hat eine „Weiße Stadt“ zu bieten: Weitgehend unbekannt, präsentieren sich Besuchern in Gdingen herausragende Zeugnisse der polnischen Moderne. In den 1920er-Jahren neu gegründet, ist in der Stadt ein homogenes Ensemble aus Wohnbauten der Ära zu entdecken, dass in den letzten Jahren akribisch aufgearbeitet wurde. Stärker im Fokus der Öffentlichkeit stehen die spektakulären Kulturbauten Danzigs, insbesondere das im März 2017 nach heftigen politischen Auseinandersetzungen eröffnete Museum des 2. Weltkriegs, aber auch das Shakespeare-Theater von Renato Rizzi und das Europäische Solidarnosc Zentrum des Büros Fort. Den geografischen Mittelpunkt der Dreistadt bildet das Seebad Sopot, das die Reisegruppe zum Flanieren einlädt. Die Fachexkursion wird von den Architekten Thomas Krüger und Kora Johanns zusammen mit lokalen Partnern in deutscher Sprache geführt. Für die fünftägige Pfingstreise (17. bis 21. Mai 2018) werden Fortbildungspunkte vergeben. Das Reiseprogramm und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

Möbelbauer Eiermann

Gelegenheit zum Sitzen: Wegweisenden Stühlen Egon Eiermanns ist eine Ausstellung in Köln gewidmet. (Foto: UAA) Der Klappstuhl SE 18 oder der Stahlrohrstuhl SE 68 gehören zu den wegweisenden Möbeldesigns des Architekten Egon Eiermann. Eine Ausstellung von Ungers Archiv für Architekturwissenschaft in Köln ist den seriengefertigten Sitzgelegenheiten des Baumeisters der frühen Bundesrepublik Deutschland gewidmet. Egon Eiermann (1904–1970) entwarf Wohnhäuser und Industriebauten sowie Konzernzentralen für Neckermann, Hochtief, Olivetti oder IBM. Der gemeinsam mit Sep Ruf errichtete deutsche Pavillon auf der Weltausstellung in Brüssel (1958) machte Eiermann, der zu den bedeutendsten Architekten der Nachkriegsmoderne zählt, auch international bekannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm Eiermann eine nahezu lebenslange Lehrtätigkeit an der Fakultät für Architektur der Technischen Hochschule Karlsruhe an und beschäftige sich auch mit Möbelentwürfen. Dem Pionier wird zugeschrieben, als erster Designer in Deutschland Serienmöbel entwickelt zu haben, die internationale Standards erfüllten und nach der Zäsur des Nationalsozialismus wieder an die Ideale von Werkbund und Bauhaus anknüpften. Zu seinen wegweisenden Entwürfen zählen der Klappstuhl SE 18 oder der Stahlrohrstuhl SE 68, die seit den frühen 1950er-Jahren ununterbrochen von Wilde und Spieth hergestellt und vertrieben werden, so die Ausstellungsmacher. Dabei bestechen Eiermanns Möbel durch ein ungewöhnlich breites Spektrum von konstruktiven Prinzipien und verwendeten Materialien: Holz- und Stahlrohrgestelle, Formholzsitze, Gurt- oder Korbbespannungen, Korbsessel und -sofas, aber auch frühe Experimente mit Kunststoffschalen. Die Ausstellung mit dem Titel „Der Stuhl des Architekten – Sitzmöbel von Egon Eiermann“ wurde in Zusammenarbeit mit dem Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau (saai) am Karlsruher Institut für Technologie konzipiert, das den Nachlass von Egon Eiermann verwahrt, und ist bis zum 9. Februar 2018 in Ungers Archiv für Architekturwissenschaft zu sehen. Weitere Informationen finden Sie hier.

Digitalisierung im Bauwesen

Im Rahmen der Leitmesse BauTec thematisert eine Fachkonferenz die digitale Zukunft von Bau- und Planungsprozessen. (Foto: Messe Berlin) Müssen Architekten und Ingenieure künftig robotergerecht planen? Wie wird die Automatisierung auf der Baustelle voranschreiten? Fragen, mit denen sich der Fachkongress „Digitalisierung im Bauwesen – Evolution oder Revolution des Planens und Bauens?“ zum Auftakt der Messe Bautec in Berlin beschäftigt. Auf der Veranstaltung des Bundesbauministeriums am 20. Februar 2018 diskutieren Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über die Herausforderungen, die für alle Baubeteiligten mit der voranschreitenden Digitalisierung in den nächsten Jahren verbunden sind. Erfahrungsberichte aus der Praxis von Planungsbüros und Handwerksbetrieben zeigen die Chancen auf, die der Wandel der Planungs- und Bauprozesse bietet. Einblicke in laufende Pilotprojekte sowie aktuelle Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung komplettieren das Programm. Barbara Hendricks, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, eröffnet den halbtägigen Kongress im Palais am Funkturm, der von Tillman Prinz, Geschäftsführer der Bundesarchitektenkammer, moderiert wird. Die Anmeldung ist bis zum 18. Februar 2018 hier erforderlich.

Ideen für die produktive Stadt

Preisträger aus Aschaffenburg: Die „Wohnterrassen Am Schillereck“ im Entwurf von Guobin Shen und Kilian Juraschitz Stadterneuerung im Sinne einer durchmischten Stadt wird in Europa seit Jahrzehnten verfolgt. Der Wettbewerb Europan 14 suchte nach Projekten, die die Nachbarschaft von Gewerbe, Wohnen und Handel um einen weiteren Aspekt ergänzt: die produktive Ökonomie. Das Wettbewerbsthema „Die produktive Stadt“ passt zu dem Kabinettsbeschluss vom November 2016, die Baunutzungsverordnung um die neue Baugebietskategorie „Urbane Gebiete“ zu erweitern. Aus Deutschland schlugen die Städte Aschaffenburg, Hamburg, München-Taufkirchen, Neu-Ulm und Zwickau dazu Standorte mit Entwicklungspotenzial vor. Die länderspezifische Auswahl der Einreichungen durch nationale Jurys richtet sich an alle europäischen Architekten und Fachvertreter anderer Disziplinen unter 40 Jahren und fordert sie auf, ihre Ideen einzureichen. Europaweit beteiligten sich über 1.200 Büros aus 13 Ländern mit ihren Entwürfen an der 14. Ausgabe des alle zwei Jahre ausgelobten Wettbewerbs. Einige gewannen Preise und Anerkennung, andere wurden mit teils schwer einzuschätzenden Realisierungsabsichten angekauft. Am 2. Februar 2018 werden die von der hiesigen Urteilsfindung erkorenen Sieger im Taut-Saal des Deutschen Architektur Zentrums in Berlin ausgezeichnet. Die deutsche Jury vergab in den fünf ausgewählten deutschen Standorten fünf Preise und zwei Anerkennungen sowie elf Ankäufe. Die Preisträger im Überblick: #gallery-1 { margin: auto; } #gallery-1 .gallery-item { float: left; margin-top: 10px; text-align: center; width: 100%; } #gallery-1 img { border: 2px solid #cfcfcf; } #gallery-1 .gallery-caption { margin-left: 0; } /* see gallery_shortcode() in wp-includes/media.php */ Hamburg, „Zwischen den Zeilen“, Entwurf von Janna Hohn und Josh Yates Neu-Ulm, „The Productive Heart of New Ulm“, Entwurf von Leonardo Zuccaro Marchi, Piero Medici, Alice Covatta und Annalisa Romani „The Productive Heart of New Ulm“ Leonardo Zuccaro Marchi, Piero Medici, Alice Covatta und Annalisa Romani Zwickau, „Productive Update“, Entwurf von Stephan Schwarz, Ingrid Sabatier, Ferdinand Schmelzer, Agnès Klöden-Billemont und Lena Flamm Zwickau, „Productive Update“ Stephan Schwarz, Ingrid Sabatier, Ferdinand Schmelzer, Agnès Klöden-Billemont und Lena Flamm Aschaffenburg, „Wohnterrassen Am Schillereck“, Entwurf von Guobin Shen und Kilian Juraschitz Für München-Taufkirchen wurden drei „Ankäufe“ prämiert; es wurde kein Preis vergeben. Alle prämierten Arbeiten sind zur Preisverleihung in einer Ausstellung im DAZ zu sehen. Ausführliche Informationen, Pläne und Schautafel zu Einzelprojekten des Europan-Wettbewerbs 14 finden Sie hier.

Charakterbildung mit Wohnungstypen

Was die Wohnung zur Weiterentwicklung unserer Gesellschaft beitragen kann, ergründet eine Ausstellung im Aedes Architekturforum Berlin. Unter dem Titel „Willst du wirklich wohnen wie deine Mutter?“ (bis 18. Januar 2018) zeigt das Wiener Büro PPAG architects seine Ideen für vielfältigeres Wohnen. Im Zentrum der Schau steht das abstrakte 1:1 Modell der Idee von einer elastischen Wohnung. Auf den 54 Quadratmetern zeigen die Gründer Anna Popelka und Georg Poduschka Pläne, Zeichnungen und Filme über geplante und realisierte Gebäude ihres Büros PPAG sowie visionäre Ideen für das künftige Zusammenleben. Der Grundriss der Installation: Rund um einen großen Wohnraum sind acht kleine Zimmer angeordnet. Drei davon sind belegt: Küche, Bad, Abstellraum. Die fünf weiteren können als Erweiterungsnische des Wohnraumes, als eigenständiges Zimmer oder zusammengelegt als größeres Zimmer genutzt werden. Jede Wohnung ist eine Propagandamaschine für eine Lebensweise, postulieren die Ausstellungsmacher – und fragen: Sind wir wirklich so gleich, dass wir uns so gleiche Wohnungen wünschen? Oder sind wir so gleich, weil wir in so gleichen Wohnungen leben? „Willst du wirklich wohnen wie deine Mutter?“ sucht nach neuen Typologien, die modernen Lebensansprüchen genügen, nicht jenen aus der Gründerzeit. Weitere Informationen finden Sie hier.

Architektinnen auf dem Vormarsch

Warum sind die vielen Architektinnen in der Öffentlichkeit kaum sichtbar? Eine Spurensuche in Frankfurt. (Foto: Marina Auder) Seit einigen Jahren studieren europaweit mehr Frauen als Männer an den Architekturhochschulen, doch nur wenige Architektinnen machen Karriere. Anlässlich der Ausstellung „Frau Architekt“ im Deutschen Architekturmuseum erörtert ein Symposium Hintergründe dieses Missverhältnisses. Warum sind die vielen Architektinnen in der Öffentlichkeit kaum sichtbar? Deutsche Architektinnen-Netzwerke laden am 3. Februar 2018 zur Diskussion dieser Frage mit Architektinnen, Landschaftsarchitektinnen und Stadtplanerinnen aus sieben europäischen Ländern ein. Es geht um erfolgreiche Publicity-Strategien und die politischen sowie kulturellen Rahmenbedingungen, in denen die internationalen Berufskolleginnen agieren. Ein Get-Together beschließt das halbtägige Symposium, das tags zuvor mit einer gemeinsamen Begehung der Ausstellung eingeleitet wird. Am Sonntag, 4. Februar 2018, bieten die Veranstalterinnen eine Exkursion zu Projekten von Architektinnen in Frankfurt am Main ein. Weitere Informationen zur Veranstaltung mit dem Titel „Yes, we plan!“ finden Sie hier. Mehr über die Ausstellung im DAM ist hier nachzulesen.

Austauschbeziehung mit Südamerika

Die Straße führt nach Iquique, eine Hafenstadt im Norden von Chile. (Foto: Presse) Mit einer multimedialen Präsentation beleuchtet die Ausstellung „Relaciones“ im Dortmunder U die internationalen Beziehungen des Lehrstuhls Baukonstruktion der TU Dortmund und der Fakultät mit der südamerikanischen Architektur und ihren Protagonisten. Neben mehreren Exkursionen nach Südamerika sind es die Gegenbesuche ausländischer Hochschulen und eine jüngst ins Leben gerufene Hochschulkooperation mit der Fakultät für Architektur, Design und Urbanismus in Buenos Aires FADU, die eine Fülle an Ausstellungsinhalten eröffnet, so die Veranstalter. Die durch den Lehrstuhl Baukonstruktion realisierte Ausstellung ist bis zum 7. Januar 2018 auf der Hochschuletage U1 zu sehen. Die Ausstellung präsentiert Werke der Architekten Cristiane Muniz (UNA Arquitetos, Sao Paulo), Tristán Dieguez (Dieguez Fridman Architectos, Buenos Aires), Marcelo und Martín Gualano (gualano+gualano arquitectos, Montevideo) und Max Núñez (Max Núñez Arquitectos, Santiago) und nimmt eine vergleichende Betrachtung innerhalb der Gebäudetypologien Bildung, Sakralbau, Umnutzung, Wohnen, Industriearchitektur und Landschaftsgestaltung vor. Die Organisation der Austauschprogramme und Exkursionen in den südamerikanischen Kulturkreis war Teil der Lehrveranstaltungen von Ansgar und Benedikt Schulz, Professoren am Lehrstuhl Baukonstruktion der TU Dortmund, und wurden von den Studenten in Gruppenarbeit realisiert. Weitere Informationen zum Ausstellungsort finden Sie hier.

Architektur zum Genesen

Eine Ausstellung in der Architekturgalerie München beleuchtet den Einfluss der gebauten Umgebung auf den Genesungsprozess. (Grafik: Architekturgalerie München) Kann Architektur heilen helfen? Die Ausstellung „Healing Architecture“ in der Architekturgalerie München (bis 8. Dezember 2017) erkundet den Zusammenhang von Gesundheit und Architektur. An der Technischen Universität Berlin erforscht Professor Christine Nickl-Weller im Fachbereich „Architecture for Health“ Architektur in Bezug auf die Gesundheit. Welche Auswirkungen hat die gebaute Umgebung auf den Genesungsprozess? Die Einbeziehung der Variable „Gesundheit“ in alle Lebensbereiche stellt den Mittelpunkt von Lehre und Forschung des Fachgebietes dar, so Nickl-Weller. „Healing Architecture“ stehe dabei für den Mut, über Neues nachzudenken, zu erforschen und zu erkunden und damit über konventionelle Vorstellungen von Architektur hinauszugehen. Neben Auszügen aus den Forschungstätigkeiten wird die Ausstellung von ausgewählten Projekten der praktischen Tätigkeit von Nickl-Weller sowie studentischen Arbeiten begleitet. Die Schau, die zuvor bereits im Architekturforum der TU Berlin gastierte, ist mit der Präsentation des Buchs „Healing Architecture 2004-2017“ von Christine Nickl-Weller verbunden. Die Architektin trat 1989 in die Architektengemeinschaft Nickl & Partner in München ein und übernahm 2008 den Vorstandsvorsitz der Aktiengesellschaft. 2004 erfolgte die Berufung an die Technische Universität Berlin, Fachgebiet „Entwerfen von Krankenhäusern und Bauten des Gesundheitswesens“. Weitere Informationen finden Sie hier.

Klimapreis „Blauer Kompass“ ausgelobt

Gebäudebegrünung, Sonnenschutz, Flächenentsiegelung: Mit dem „Blauen Kompass“ werden nachhaltige Projekte ausgezeichnet, die die Folgen des Klimawandels antizipieren. (Foto: Matthias Buehner/adobestock) Das Umweltbundesamt sucht Projekte, die dazu beitragen, den Folgen des Klimawandels in den kommenden Jahrzehnten begegnen zu können. „Anpassungspioniere“ werden mit dem „Blauen Kompass“ ausgezeichnet. Preiswürdig sind lokale und regionale Maßnahmen wie Dachbegrünungen von Bürobauten, die Entsiegelungen von öffentlichen Flächen oder Sonnenschutzkonstruktionen. Die sogenannten Anpassungsprojekte können in den drei Kategorien „Private und kommunale Unternehmen“, „Bildungs- und Forschungseinrichtungen“ und „Vereine, Verbände, Stiftungen“ eingereicht werden. Bewerbungsschluss ist der 11. März 2018. Bei der dritten Auflage des Wettbewerbs wird erstmals zudem ein Publikumspreis vergeben. Eine öffentliche Internetabstimmung in der „KomPass-Tatenbank“ entscheidet über den Gewinner. Alle vier Siegerprojekte des „Blauen Kompass“ werden im Juni 2018 im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung im Bundesumweltministerium in Berlin ausgezeichnet. Zu jedem Projekt wird ein Kurzfilm erstellt, den die Gewinner für ihre Öffentlichkeitsarbeit nutzen können. Ausführliche Informationen und die Bewerbungsunterlagen finden Sie hier.

Architektur nach Vorbild der Natur

Beispiel für moderne Bionik: Der Elytra Filament Pavillon basiert auf der Struktur der Deckflügel (den sogenannten Elytren) von Käfern. (Foto: NAARO) Die Analyse von biologischen Konstruktionen kann zu verblüffenden neuen technischen Lösungen führen. Die Ausstellung „Baubionik – Biologie beflügelt Architektur“ im Stuttgarter Naturkundemuseum (bis 6. Mai 2018) präsentiert neue Forschungsansätze und Architektur nach Vorbild der Natur. Die Entwicklung bionischer Architektur erfordert die Zusammenarbeit von Disziplinen, die im Forschungsalltag wenig miteinander zu tun haben. Genau diesen Grenzüberschreitungen widmet sich der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Sonderforschungsbereich „Entwurfs- und Konstruktionsprinzipien in Biologie und Architektur“. Hier kommen Physiker, Chemiker, Mineralogen, Biologen und Paläontologen auf der einen Seite mit Materialwissenschaftlern, Ingenieuren und Architekten auf der anderen Seite ins Gespräch. 15 interdisziplinäre Teams von verschiedenen Universitäten und Instituten untersuchen in einem Forschungsverbund biologische Konstruktionsprinzipien und übertragen dabei gewonnene Erkenntnisse in Architektur und Bauingenieurswesen. Die Ausstellung im Naturkundemuseum Stuttgart – Schloss Rosenstein beleuchtet konkrete Ergebnisse der Forschungsarbeiten. Hoch interessant sind für die Forscher etwa Wanzen mit ihrem gelenklos beweglichen Stechrüssel oder Schlupfwespen mit ihrem Legebohrer, denn Gelenke an technischen Konstruktionen sind immer Schwachstellen, so die Ausstellungsmacher. Das Skelett des Seeigels besteht beispielsweise aus zahlreichen individuellen Platten und hält schwerster Brandung stand. Ist das ein Vorbild für eine neue, ansprechende Art des stabilen und individuellen Bauens, eine Alternative für die übliche Verwendung genormter Bauelemente? Und wie lassen sich die oft kleinen biologischen Strukturen und die an ihnen gewonnenen Erkenntnisse in die Dimensionen der Architektur übersetzen? Zur Ausstellung ist ein Begleitband erschienen, es gibt eine Vortragsreihe und ein umfangreiches Rahmenprogramm. Ausführliche Informationen dazu finden Sie hier.

Ideen aus Stahl gesucht

Tragwerke, Fassadenkonzepte oder individuell entwickelte Details aus Stahl können bis zum 26. Januar 2018 für den „Stahl-Innovationspreis 2018“ vorgeschlagen werden. (Foto: Wirtschaftsvereinigung Stahl) Die Stahlindustrie in Deutschland vergibt alle drei Jahre den Stahl-Innovationspreis. Architekten können ihre Projekte bis zum 26. Januar 2018 einreichen. In den Kategorien „Produkte aus Stahl”, „Stahl im Bauwesen”, „Stahl-Design” und „Stahl in Forschung und Entwicklung” werden jeweils drei Preise vergeben. Mit dem Sonderpreis „Klimaschutz und Ressourceneffizienz“ wird zudem eine Idee ausgezeichnet, die durch Verwendung von Stahl dazu beiträgt, Energie und Material einzusparen. Ob Tragwerke, Fassadenkonzepte oder individuell entwickelte Details und Bauteile aus Stahl: Auszeichnungswürdig sind Innovationen, die in den letzten fünf Jahren realisiert wurden und die „maßgeblich neue Akzente hinsichtlich Konstruktion, Architektur, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit setzen“, so die Auslober. Der Stahl-Innovationspreis 2018 ist mit Preisgeldern in Höhe von insgesamt 60.000 Euro dotiert. Die Teilnahme ist kostenfrei; Teilnehmer können beliebig viele Projekte einreichen. Die Siegerurkunde wird – natürlich – auf Edelstahl gedruckt. Einen Rückblick auf die Gewinner im Jahr 2015, ausführliche Informationen zu den verschiedenen Kategorien und die Möglichkeit zur Projekteinreichung finden Sie hier.

Berlin 2050

Der Berliner Westhafen im Jahr 2050 nach einem Entwurf von Florian Wiegand (Potsdam School of Architecture/Prof. Dr. Silvia Malcovati). (Grafik: F. Wiegand) Wie könnte Berlin im Jahre 2050 aussehen? Die erste von drei Ausstellungen zur Zukunft der wachsenden Hauptstadt stellt Möglichkeiten der Verdichtung von bestehenden Stadtteilen vor. Drei Architekturhochschulen zeigen noch bis zum 11. November 2017 im Projektraum Satellit der Architektur Galerie Berlin ihre unterschiedlichen städtebaulichen Entwürfe zu den fünf Standorten Charlottenburg-Nord, Karl-Marx-Allee, Niederschöneweide, Westhafen und Westkreuz. Unter dem Titel „Konkrete Dichte“ beschäftigen sich Studierende der University of Texas, der Potsdam School of Architecture und der Universidad de Navarra mit der Frage, welche gesellschaftspolitischen Ziele angesichts des rasanten Bevölkerungswachstums von bis zu 60.000 Menschen pro Jahr gesteckt werden sollten – und wie städtebauliche Entwicklungen dahingehend konzipiert werden könnten. Innerstädtische Gewerbegebiete wie der Westhafen oder Verkehrsinfrastruktur-Resträume wie etwa am Westkreuz sind aufgrund ihrer zentralen Lage prädestiniert dafür, in die Gesamtstruktur der Stadt integriert zu werden, so die Ausstellungsmacher. Historische Brüche könnten so im Sinne einer Großstadt geschlossen werden. Aber auch periphere Industriebrachen wie in Niederschöneweide oder Quartiere, die sich im Umbruch befinden, wie in Reinickendorf, werden aufgrund des kontinuierlichen inneren Wachstums zu innerstädtischen Entwicklungsräumen. Weitere Informationen zum ersten Teil der Ausstellungstrilogie finden Sie hier.

Wo alle Generationen wohnen

Pläne für ein Haus, in dem Generationen zusammen wohnen: Sredzki 44. (Foto: AI3 Architekten) In Berlin ist ein beispielgebendes Projekt des altersgerechten und inklusiven Bauens und Wohnens entstanden. Ein von der Bundesarchitektenkammer angeregter Architektenwettbewerb, der sich vornehmlich an Innenarchitekten wendete, ermittelte den Siegerentwurf für das Informations- und Ausstellungsprojekt „Sredzki 44 – Wo alle Generationen wohnen“. Raumdeuter, ein Büro dreier Innenarchitekten in Berlin, wurde mit dem ersten Platz ausgezeichnet. Ihre Arbeit schafft „fließende Weite“ durch die Anordnung der Räume in Form eines Rundgangs. Reuter Schoger Architekten (Berlin) und Baustudio Kastl (Rostock) folgern auf den Plätzen. Die Entwürfe finden Sie hier im Überblick. Das mehr als 100 Jahre alte Gebäude im Bezirk Prenzlauer Berg wurde im Zeitraum von 2015 bis 2017 bedarfsgerecht saniert und im vergangenen September eröffnet. Die elf entstandenen Wohnungen berücksichtigen verschiedene Familiengrößen und variieren zwischen rund 59 und 111 Quadratmetern. Altersgerechte und energieeffiziente Komponenten konnten miteinander verbunden und so auch entsprechende Fördermittel der KfW und der Umweltbank genutzt werden. Die Wohnungen im Vorderhaus sind mit einem Aufzug barrierefrei zu erreichen, zudem wurden drei Wohneinheiten behindertengerecht umgebaut. Ergänzt wird das Projekt durch ein Informations- und Ausstellungszentrum im Erdgeschoss, das auch anhand einer kleinen Musterwohnung veranschaulichen soll, wie barrierereduziertes Wohnen unter schwierigen baulichen Bedingungen realisiert werden kann. Besuchern werden Lösungen für ein selbstbestimmtes Leben im Alter vorgeführt. So etwa eine Rauchmeldeanlage, die durch das Aussenden spezieller Signale den Bedürfnissen hörbehinderter Menschen, die einen akustischen Alarm nicht hören würden, Rechnung trägt. Zugleich dient der Ausstellungsbereich als Gemeinschaftsfläche für die Bewohner und zum Austausch mit Vereinen und Initiativen des umliegenden Quartiers. Der ebenfalls modernisierte Innenhof hält neben Spielmöglichkeiten für Kinder eine barrierefreie Mülltonnenanlage bereit, die durch eine abgesenkte Konstruktion von Rollstuhlfahrern besonders gut genutzt werden kann. Der Entwurf für die Anlage stammt von ai3 Architekten und ist in einem Wettbewerb des Berliner Stadtreinigungsunternehmens BSR unter die Finalisten der Kategorie „Next Generation“ gekommen. Das vom Bundesfamilienministerium geförderte Projekt ist mit dem Engagement der Mietergenossenschaft „Selbstbau“ realisiert worden, die als Bauherrin die Bewohner von Anfang an bei der Planung beteiligt hat. So ist ein auf Partizipation und aktiver Teilhabe basierendes Projekt entstanden, ein Bürgerprojekt im besten Sinne. Im Video erklärt Beate Hückelheim-Kaune vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung die wettbewerbliche Vergabe des Informations- und Ausstellungszentrums und warum das Projekt trotz seiner überschaubaren Größe beispielhaft ist. Hendrik Haupt von der Berliner Stadtreinigung BSR stellt den rollstuhlgerechten Müllentsorgungsplatz vor, der auch als Beitrag zur Aufwertung eines Innenhofs dient.

Neue alpine Architektur

Karwendelrohr, Steinert Architekten. (Foto: BR/Steinert Architekten/Hans Fischer) Das Bauen in den Bergen war schon immer eine besondere Herausforderung. Ein unberechenbares, oft raues Klima, unwegsames Gelände und schwierige wirtschaftliche Verhältnisse haben gerade in den Alpen einen ganz eigenen Stil geprägt. Der Anspruch, diese besondere Bautradition in eine moderne, zeitgemäße Formensprache zu übersetzen, hat innovative Beispiele hervorgebracht, die international Beachtung fanden. Die Reihe „Neue Alpine Architektur“ im BR Fernsehen bietet einen Panoramablick auf die regionalen Neuerungen. Die dritte Sendung der vierteiligen Reihe geht am 17. Oktober 2017 um 22.30 Uhr im BR Fernsehen auf Sendung und widmet sich Südtirol. (Die vergangene Folge, die neue alpine Architektur in Österreich nachspürte, finden Sie hier in der BR-Mediathek.) Vor allem in Südtirol hat sich eine junge, dynamische Architektenszene entwickelt: Experimentierfreudig, weltoffen und doch stark verwurzelt in der Heimat und ihren baulichen Traditionen. Architekten wie bergmeisterwolf, MoDus Architects oder Höller & Klotzner bauen innovativ, aber immer im Dialog mit Tradition und Topographie. Ob sich die Gebäude in die Hänge eingraben, die Berge spiegeln, wie etwa die Mirror Houses von Peter Pichler, oder ihre Form nachahmen, wie der Salewa-Firmensitz in Bozen – stets gelingt es den Architekten, ausdrucksstark und doch zurückgenommen zu bauen, so die Autoren. Das gilt auch für die Werke der Südtiroler Altmeister Werner Tscholl und Matteo Thun. Hier finden Sie eine Fotostrecke zu den im Film thematisierten Bauwerken. Der moderne Neubau einiger Bergsteigerhütten hat aber auch für Kontroversen gesorgt. Doch die Vorteile, die nicht zuletzt neue Materialien wie etwa die Dreifachverglasung mit sich bringen, sind nicht von der Hand zu weisen. Energieeffizienz und Autarkie durch hochwertige Dämmung, Solarenergie und Brauchwasserwiederaufbereitung sind Errungenschaften, die auf fast 3.000 Metern noch wichtiger sind als im Tal. Der vierte Teil der Reihe wird am 24. Oktober 2017 um 22.30 Uhr ausgestrahlt. Thema ist dann das moderne Bauen in der Schweiz.

Fotogene Betonmonster

Klotzbauweise: Brutalistische Architektur gefällt nicht jedem, doch kalt lässt sie keinen. (Foto: Wolf Leeb) Die brutalistische Architektur der 1950er bis 1970er Jahre ist in Verruf geraten und vielerorts vom Abriss bedroht. Doch in sozialen Medien kämpfen inzwischen immer mehr Fans um den Erhalt der fotogenen Sichtbetonbauten. Mit der Ausstellung „SOS Brutalismus – Rettet die Betonmonster!“ (9. November 2017 – 2. April 2018) zeigt das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt gemeinsam mit der Wüstenrot Stiftung den expressiven Baustil erstmals im weltweiten Überblick. Zu sehen sind Bauten aus Japan, Brasilien, dem ehemaligen Jugoslawien, Israel und Großbritannien, wo der New Brutalism von Alison und Peter Smithson erfunden wurde. Ungewöhnlich große Modelle und Betongüsse sollen zu einer differenzierteren Bewertung der materialsichtigen Ästhetik führen, hoffen die Veranstalter. Denn der Hang zur nackten Konstruktion gibt Zeugnis von einer Zeit der Experimente und des gesellschaftlichen Aufbruchs. Die Rettungskampagne #SOSBrutalism mit einer Datenbank zu über 1.000 Bauten erweitert die Ausstellung ins Internet. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog: „SOS Brutalismus – Eine internationale Bestandsaufnahme“ Hg.: Oliver Elser, Philip Kurz, Peter Cachola Schmal 668 Seiten, 1200 Abbildungen Preise: 59 Euro im Museumsshop / 68 Euro im Buchhandel Park Books Zürich; ISBN 978-3-03860-074-9

Möglichst viel Schinkel

„So viel Schinkel wie möglich“: Der Titel des Wettbewerbs ist Programm. (Foto: Bauakademie Schinkel) Im Herzen Berlins und am ursprünglichen Standort soll die Bauakademie Karl Friedrich Schinkels wiedererrichtet werden. Das Bundesbauministerium gab unter dem Motto „So viel Schinkel wie möglich“ den Startschuss für einen Programmwettbewerb. Die Auslobung verfolgt das Ziel, Ideen für die künftige Nutzung und ein möglichst flexibles Raumprogramm zu entwickeln. Die Nationale Bauakademie soll mit Bundesmitteln in Höhe von 62 Millionen Euro wiedererrichtet und im Jahr 2023 eröffnet werden. Die Bekanntmachung richtet sich sowohl an Architekten, Ingenieure und Stadtplaner als auch an Ausstellungsgestalter und Veranstaltungsagenturen, die möglichst als Teams zusammenarbeiten sollen. Die Ergebnisse des Wettbewerbs werden im Anschluss in einen offenen Realisierungswettbewerb einfließen. Baubeginn könnte dann ab 2021 sein, so das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR). Über die architektonische Gestaltung und künftige Nutzung wurde in den vergangenen Monaten in drei Dialogforen mit mehreren Hundert Teilnehmern öffentlich diskutiert. Die Ergebnisse der Foren bilden eine Grundlage für den Programmwettbewerb, so die Veranstalter: Die Nationale Bauakademie wolle nicht in Konkurrenz zu bestehenden Architekturinstitutionen treten, sondern verstehe sich als Teil eines Netzwerks von Architekturzentren und -museen in Berlin, in Deutschland und weltweit. Die Auslobungsunterlagen stehen ab dem 16. Oktober 2017 nach vorheriger Registrierung hier zum Download bereit.

Fassadentag in Stuttgart

Lichte Fassade am Veranstaltungsort: Das Forum – Haus der Architekten in Stuttgart. (Foto: Mueller Photografie) Das serielle und modulare Bauen steht im Mittelpunkt des Deutschen Fassadentages in Stuttgart. Wie lassen sich Bauprozesse von vorgefertigten, modularen Wand- und Fassadenkonstruktionen effizienter gestalten? Die 17. Ausgabe der Veranstaltungsreihe lädt am 17. Oktober 2017 ins „Forum – Haus der Architekten“ und zeigt in Expertenvorträgen unterschiedliche Lösungsansätze vonseiten der Politik, Stadtplanung und Wohnungswirtschaft sowie von Architekten und Materialforschern auf. Das Vorprogramm beginnt um 14 Uhr mit einer Erkundung der umfangreichen Sammlung ausgesuchter Materialmuster mit dem Fokus auf serielle Technologien der Materialbibliothek Raumprobe. Ein Shuttlebus bringt die Teilnehmer danach zum Haus der Architekten, wo um 16 Uhr das Vortragsprogramm beginnt. Die Fortbildungsveranstaltung der Architektenkammer Baden-Württemberg ist nach Angabe des veranstaltenden Vereins Baustoffe und Bauteile für vorgehängte hinterlüftete Fassaden (FVHF) mit 2 Unterrichtsstunden anerkannt. Eine Anmeldung ist bis zum 9. Oktober 2017 erforderlich. Weitere Informationen zum Vortragsprogramm und die Möglichkeit zur Registrierung finden Sie hier.

Aus dem Schatten

Elisabeth von Knobelsdorff und Therese Mogger an der Technischen Hochschule München, 1909/10. (Foto: I. Weber-Pfleger) Den Architektenberuf ergriffen Frauen erstmals vor gut hundert Jahren. Von jeher eine Männerdomäne, absolvieren mittlerweile mehr Frauen als Männer ein Architekturstudium. In Führungspositionen sind sie dennoch bis heute eher selten anzutreffen. Eine Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt beleuchtet historische und aktuelle Entwicklungen in der Branche aus weiblicher Perspektive. „Frau Architekt. Seit mehr als 100 Jahren: Frauen im Architektenberuf“ (30. September 2017 bis 8. März 2018) erzählt die Architekturgeschichte exemplarisch in 22 Porträts, Werkbeispielen und ganz persönlichen Geschichten. Die Collage fügt sich zu einem Bild der Selbstbehauptung und zeigt, wie Architektinnen immer mehr aus dem männlichen Schatten treten, um die Baukultur prägend mitzugestalten. Heute erreichen zwar mehr Frauen als früher leitende Positionen als Partnerinnen in Architekturbüros, als Hochschullehrerinnen, als Präsidentinnen von Architektenkammern. Doch die Gründung von Büros, die Besetzung einflussreicher Stellen und Professuren sind noch immer Männersache. Die Ausstellung im DAM geht diesem Phänomen nach. Ein umfangreiches Begleitprogramm mit Symposien, Vorträgen, Streitgesprächen und Studientagen dient als Plattform, um möglichst vielen Architektinnen Gesicht und Stimme zu geben, so die Veranstalter. Parallel zur Ausstellung zeigt das DAM in seiner Reihe „Schätze aus dem Archiv“ eine kleine Auswahl der Pläne und Zeichnungen zu einem nicht realisierten Entwurf für ein Berliner Bürohaus von Zaha Hadid. Weitere Informationen über „Frau Architekt“ und das Begleitprogramm finden Sie hier.

Die Zukunft des Bauens in Paris

Beste Ausblicke: Die Konjunktur der französischen Bauwirtschaft entwickelt sich positiv, da kommt die Leitmesse Mondial du Bâtiment in Paris gerade recht. (Foto: Sunpartner Technologies) Alle zwei Jahre lädt die Mondial du Bâtiment nach Paris. Die französische Leitmesse für die Hochbau- und Architekturbranche (06. bis 10. November 2017) fasst wieder die drei Fachausstellungen Batimat, Interclima+Elec und Idéobain zusammen. Die Batimat ist das größte Event der Bauwirtschaft in Frankreich. Die Kontaktbörse für Architekten und Auftraggeber präsentiert Konferenzen, Workshops, Themenforen und Sonderschauen, etwa zu technischen Innovationen, neuen Materialien, interessanten Start-ups und zum Bauen der Zukunft mit BIM. Das genaue Programm wird in Kürze hier vorgestellt. Interclima+Elec (7. bis 10. November) ist den Themen nachhaltiges Bauen, Energieeffizienz und Smart Home gewidmet. Und die Idéobain ist Frankreichs größte Messe rund ums Bad. Vor dem Hintergrund von Energiewende, der Digitalisierung der Bauwirtschaft und der positiven Konjunktur im französischen Baugewerbe werden rund 2.600 Hersteller und 350.000 Fachbesucher auf dem Messegelände Paris Nord Villepinte erwartet. Weitere Informationen zur Mondial du Bâtiment und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

Lebendiges Archiv

Früher Wachgebäude, bald Heimstatt des „Archiv der Avantgarden“: das historische Blockhaus Dresden. (Foto: Christoph Münch) Der Kunstsammler Egidio Marzona schenkt seine riesige Sammlung avantgardistischer Kunst den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Nun läuft ein Realisierungswettbewerb  zum Umbau des historischen Blockhauses in ein „Archiv der Avantgarden“. Bewerbungsschluss ist der 18. September 2017. Eine Institution soll entstehen, die das visionäre Gedankengut des 20. Jahrhunderts erlebbar macht und sich zugleich für neue wissenschaftliche Fragestellungen im 21. Jahrhundert öffnen wird. So stellt sich der Freistaat Sachsen das lebendige und interdisziplinäre Zentrum in Innenstadtlage laut Wettbewerbsausschreibung vor. Das Archiv wird für das wissenschaftliche Publikum ebenso wie für Interessierte geöffnet, es soll ein transparentes und offenes „Denklabor“ entstehen. Kostenrahmen: 20 Millionen Euro. Das Blockhaus, gelegen am Brückenkopf der Augustusbrücke gegenüber der Altstadt, wurde 1739 nach Plänen von Zacharias Longuelune fertiggestellt. Später aufgestockt, brannte das Wachgebäude im Zweiten Weltkrieg aus. Als Veranstaltungszentrum 1982 wiedereröffnet, musste das Haus 2013 erneut, diesmal aufgrund von Hochwasserschäden, stillgelegt werden. Seine Fassade steht unter Denkmalschutz, im Innenbereich gibt es in dieser Hinsicht keine Auflagen. Der Standort gehört zu den bedeutsamen städtebaulichen Lagen im Dresdner Panorama. Die Sammlung des deutsch-italienischen Galeristen und Verlegers Egidio Marzona umfasst etwa 1,5 Millionen Objekte verschiedener Kunstbewegungen der Avantgarde, wie Futurismus, Arte Povera, Expressionismus, Minimalismus oder Fluxus. Zu seiner umfangreichen Kollektion gehören etwa Werke von Bruce Naumann, Richard Serra und Mario Merz. Der Realisierungswettbewerb ist mit insgesamt 120.000 Euro dotiert, aufgeteilt auf Preise und Anerkennungen. Ausführliche Informationen zur Auslobung finden Sie hier.

Urbane Fremdbestimmung

„Platz der Akademie“ (1988), Öl auf Holz, von Brigitte Fugmann aus dem Kunstarchiv Beeskow. (Bild: Brigitte Fugmann) Das kleine Schloss Biesdorf im Berliner Osten ist zum „Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum“ umgebaut worden. Die aktuelle Ausstellung „Zwischen Räumen“ (bis 8. Oktober 2017) erforscht, wie politische und wirtschaftliche Interessen unser urbanes Leben formen und bestimmen. Inspiriert vom Werk des New Yorker Künstlers Gordon Matta-Clark (1943-1978), der in den 1970er Jahren Häuser zerschnitt oder soziale Räume in städtischen Brachen schuf, beschäftigen sich in der Ausstellung 15 Künstler mit den Bedingungen von Raumbegrenzung und -produktion – sowie ihrer Überwindung. Aus dem Kunstarchiv Beeskow werden sechs Künstler aus der DDR präsentiert, die sich in Bildern, Grafiken und Fotografien mit der Stadtlandschaft Ost-Berlins auseinandersetzten. Die Arbeiten werden Filmen und Fotografien Matta-Clarks gegenübergestellt, die ihrerseits aus einer Zeit des Umbruchs hervorgegangen sind. Wie aktuell viele der Themen noch heute sind, zeige nicht zuletzt der Dialog mit zeitgenössischen Positionen Berliner Künstler zum umkämpften Bezugsraum Stadt, so die Veranstalter. Weitere Informationen zur Ausstellung „Zwischen Räumen“ finden Sie hier. Das ZKR – Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum wurde übrigens im September 2016 in den denkmalgerecht sanierten Räumen von Schloss Biesdorf eröffnet. Die zweistöckige, klassizistische Turmvilla, vor 150 Jahren erbaut, ist später von der Familie Siemens um einen landschaftlichen Park erweitert worden. Dieser mag Besucher dazu inspirieren, die Kunstausstellung mit einer Besichtigung der sehr empfehlenswerten und überdies nahegelegenen Internationalen Gartenausstellung im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf zu verbinden. Alle Informationen zur IGA Berlin finden Sie hier.