Kampf um die Stadt

Im August wird der Hof des Architekturzentrums Wien zu einem Freiluftkino für Architekturfilme. (Foto: Hertha Hurnaus) Zu den schönen Dingen des Sommers gehört der Gang ins Freiluftkino. Zu einem solchen wird immer mittwochs im August auch der Hof des Architekturzentrums Wien, das dort gerade zum fünften Mal sein Open-Air-Architekturfilmfestival veranstaltet. Unter dem Titel „Kampf um die Stadt“ stehen filmische Plädoyers gegen Architektur als Statussymbol und für eine inklusive Entwicklung der Stadt als Lebenswelt für alle auf dem Programm. Das besteht aus Dokumentarfilmen, Kurz- und Experimentalfilme sowie Animationen, die aus 125 internationalen Einreichungen ausgewählt wurden. Kurzentschlossene können bei freiem Eintritt noch zwei Kinoabende erleben. Am Mittwoch, den 23. August 2017, lautet das Motto „Rast-los“. Ab 20.30 Uhr wird der Film „Rast“ (AT 2016) von Iris Blauensteiner gezeigt, der das Leben von Bewohnern eines Lkw-Rastplatzes und eines Campingplatzes bei Wien dokumentiert. Im Anschluss folgt der italienische Beitrag „Gente dei bagni“ (IT 2015) von Stefania Bona & Francesca Scalisi, der sich mit der letzten öffentlichen Badeanstalt der Stadt Turin und ihren Nutzern beschäftigt. Am 30. August, ebenfalls ab 20.30 Uhr, heißt es „Film ab“ unter der Überschrift „Leerstand in der wachsenden Stadt“: Hintereinander laufen die Filme „Sava Buildering“ (AT 2015) von Ulrich A. Reiterer, „The March of the White Elephants“ (BR/ZA 2015) von Craig Tanner, „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“ (DE 2016) von Constantin Alexander und Hendrik Millauer sowie Memory Reel (RO 2016) von Adela Muntean. Weitere Informationen zum Open-Air-Architekturfilmfestival „Architektur.Film.Sommer“ und zu den einzelnen Beiträgen finden Sie hier.

Architekten persönlich

Drei erfolgreiche Architekten, die nicht über ihre Projekte sprechen dürfen: so lautet das Konzept von „Architects, not Architecture“. (Foto: Irene Osei-Poku) Die Veranstaltungsreihe „Architects, not Architecture“ rückt die Menschen in den Vordergrund, die hinter bekannten Architekturwerken stehen. Drei erfolgreiche Architekten, die nicht über ihre Projekte sprechen dürfen, sondern nur über Persönliches, besondere Begegnungen, ihre Werdegänge und Werte: Das ist das Konzept des Formats, das bereits in Hamburg und Düsseldorf sowie im März erstmals in München auf die Bühne gebracht wurde. Bei der nächsten Ausgabe am 13. September 2017 in München sprechen Hans Nickl (Nickl & Partner), Andrea Gebhard (mahl gebhard konzepte) und Werner Frosch (Henning Larsen) über prägende Erfahrungen und ihren Beruf. Die Architekten halten je eine zwanzigminütige Rede und stellen sich dann einem zehnminütigen Interview. Im Anschluss erörtern die drei Protagonisten in einer Gesprächsrunde Fragen aus dem Publikum. Der Abend klingt mit einem Get-Together aus. Die Teilnahme an der Veranstaltung am 13. September ab 19 Uhr im Carl-Orff-Saal ist kostenlos, eine vorherige Anmeldung jedoch hier erforderlich. Die Veranstalter rechnen mit einem hohen Besucheraufkommen und raten zur rechtzeitigen Registrierung. Weitere Informationen über Filme und Festival finden Sie hier.

Nachhaltig urban

Welche Bedeutung hat das Grün im 21. Jahrhundert in Städten, die immer mehr verdichtet werden? Fragestellung eines Fachkongresses in Heilbronn. (Foto: Bundesgartenschau Heilbronn) Die Bundesgartenschau als Motor der Stadtentwicklung thematisiert ein Kongress in Heilbronn: Wie kann grüne Infrastruktur dazu beitragen, Städte zu strukturieren und ihnen bauliche Qualität zu verleihen? Welche Rolle spielen Mobilität und Nachhaltigkeit? Im Mittelpunkt des Programms unter dem Titel „Urbane Qualitäten“ am 28. September 2017 steht die wachsende Stadt mit dem Willen zur städtebaulichen und architektonischen Qualität ebenso wie der städtische Landschaftsraum, entwickelt durch eine Bundesgartenschau. Gemeinsame Ausrichter des Kongresses sind das Institut Fortbildung Bau der Architektenkammer Baden-Württemberg, die Stadt Heilbronn und die Bundesgartenschau Heilbronn 2019. Anhand von Expertenvorträgen am Vormittag und mehreren parallel laufenden Themenforen am Nachmittag soll rund um die Fragestellung, welche Bedeutung das Grün im 21. Jahrhundert in verdichteten Städten hat, diskutiert werden. Der Kongress „Urbane Qualitäten“ wird von der Architektenkammer mit vier Stunden als Fortbildung für Architekten, Stadtplaner und Architekten sowie Stadtplaner im Praktikum anerkannt. Bereits am Vortag (27. September 2017) haben die Kongressteilnehmer die Möglichkeit, kostenfrei an dem „Rundgang Stadterleben“ durch die Bundesgartenschau und Heilbronn teilzunehmen. Der Rundgang wird von der Architektenkammer mit zwei Stunden als Fortbildung für Architekten und Stadtplaner anerkannt. Das Abendprogramm gestaltet der Architekt Matthias Sauerbruch (Sauerbruch & Hutton) unter der Überschrift „Experimenta II – Funktion und Form, Anregungen und Widersprüche“. Ausführliche Informationen zum Kongress samt Auftaktprogramm finden Sie hier.

Geplante Naturräume

„Landschaft Stimmung. Ein Stadtpark an der Donau“, zu sehen bis 28. August 2017 in der Architekturgalerie München (Foto: Saskia Wehler) „Landschaft Stimmung. Ein Stadtpark an der Donau“ in der Architekturgalerie München (bis 28. August 2017) zeigt die Planungen zur Renaturierung der Ufer-Gebiete der Donau in Ingolstadt zu einem Stadtpark. In der Pinakothek der Moderne ist gleichzeitig die Ausstellung „draußen | out there – Landschaftsarchitektur auf globalem Terrain“ (bis 20. August) zu sehen. Zeichnungen, Modelle, Projektionen und audio-visuelle Rauminstallationen machen die Renaturierungspläne für das Donauufer erlebbar, so die Veranstalter. Seit fünf Jahren arbeiten Silvia Benedito und Alexander Häusler mit ihrem Büro OFICINAA  an diesem Projekt, stimmen die Planungen mit den verschiedenen Interessengruppen und den Eigentümern ab, entwickeln Prototypen der Möblierung und passen die Planungen der ungewissen Haushaltslage der Automobilstadt an, um eine Umsetzung in kleinen Schritten voranzutreiben. Mit der Ausstellung in der Architekturgalerie München wird auch das jüngst erschienene Buch “Landschaft Stimmung” zum Projekt vorgestellt. Weitere Informationen finden Sie hier. In der Pinakothek der Moderne in München ist die Ausstellung „draußen | out there – Landschaftsarchitektur auf globalem Terrain” zu sehen, die ebenfalls von OFICINAA gestaltet wurde. Die Ausstellung präsentiert zehn weltweite Fallbeispiele, die das Zusammenwirken von Stadt und Umland, von Wasserkreisläufen sowie den lokalen und globalen Bedingungen anschaulich darstellt. Von Casablanca über Madrid und Changde bis Kigali und Medellin: die Forschungsprojekte analysieren hoch komplexe Situationen, um dann Ansätze für Transformationen zu entwickeln. Ausführliche Informationen finden Sie hier.

Meisterhaft gezeichnet

Jeremie Frank, Makrofon, 1981. Zeichenstift und Tusche, Airbrush und Tusche, Collage und Graphitstift auf Karton. Sammlung Alvin Boyarsky Archiv. (Bild: Jeremie Frank) Die Ausstellung „Gezeichnete Welten“ in Berlin zeigt rund 50 Meisterwerke der zeitgenössischen Architekturzeichnung aus der Hand namhafter Architekten. Zusammengetragen von Alvin Boyarsky, dem ehemaligen Leiter der Architectural Association School of Architecture in London, ist seine Sammlung bis zum 24. September 2017 im Museum für Architekturzeichnung zu sehen. Der überwiegende Teil der gezeigten Werke stammt aus den 1980er Jahren, einer Zeit, in der die internationale Ausrichtung der Architectural Association School of Architecture (AA) und die wachsende Beliebtheit der Handzeichnung der Suche nach einer neuen Architektursprache frische Impulse verlieh, so die veranstaltende Tchoban Foundation. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen frühe Werke von Frank Gehry, Zaha Hadid, Daniel Libeskind, Rem Koolhaas und Bernard Tschumi. Sie ermöglichen Einblicke in die Ideenwelten der Architekten, die durch Zeichnungen umgesetzt wurden. Für den Sammler Alvin Boyarsky (1928 – 1990) war die Architekturzeichnung nicht nur ein Repräsentationsmittel oder ein Darstellungsmedium, sondern auch eine Form der Architektur. Unter seiner Leitung wurde die AA in den 1970er Jahren ein Zentrum für die Gegenbewegung einer zweiten architektonischen Moderne. Boyarsky vertrat die Auffassung, dass die wichtigste Aufgabe einer Architekturakademie darin besteht, gesellschaftskritisch zu sein. Ausführliche Informationen über die Ausstellung „Gezeichnete Welten. Alvin Boyarsky und die Architectural Association“ finden Sie hier.

Ruhrmoderne brutal

Studierende in der ehemaligen Hauptschule: Die Ruhrmoderne Sommerakademie gibt Brutalismuskunde im Marler Marschall 66. (Foto: Timo Panzer) Nirgendwo sonst in Deutschland gibt es eine solche Dichte an großartigen und auch gruseligen Beispielen von Bauten der Nachkriegsmoderne wie im nördlichen Ruhrgebiet. Vom 27. bis zum 30. Juli 2017 bietet sich Interessierten dort die Gelegenheit, „100 Stunden Brutalismus“ intensiv zu erleben. Die Veranstaltung der Ruhrmoderne Sommerakademie (RMSA) lädt mit Exkursionen, Symposien und einer Filmnacht dazu ein, über Alternativen zur Musealisierung oder dem Abbruch der brutalistischen Gebäude und Ensembles nachzudenken. Die geführten Ausflüge führen zu Bauwerken in Marl und Wulfen sowie zu den Skulptur Projekten 2017 in Münster. Die Themen und Diskussionsteilnehmer der verschiedenen Symposien finden Sie hier. Viele der modernen Gebäude zeugen vom Willen der Kommunen, ihren Bürgern öffentliche Innen- und Außenräume zu bieten. Doch sie sind Symbole einer vergangenen Öffentlichkeit, so die Veranstalter. Um Zugang zu einer neuen Öffentlichkeit zu bekommen, sei es notwendig, neue öffentliche Beteiligungsprogramme zu entwerfen. Die RMSA ist in die Initiative Ruhrmoderne eingebunden, einem interdisziplinären Netzwerk, das sich aus Wissenschaftlern, Künstlern, Planern und Architekten zusammensetzt und sich regelmäßig über die Weiterentwicklung des baulichen Erbes der Nachkriegszeit austauscht. Wer mag, kann sich für die Dauer der „100 Stunden Brutalismus“ direkt im Hauptveranstaltungsort einquartieren. Die ehemals leerstehende Hauptschule trägt nun den Namen „Marschall 66“ und ist ein temporärer Studien- und Ausstellungsort, der von Studierenden und der Projektorganisation der Ruhrmoderne Sommerakademie thematisch gestaltet wird. Der Name erinnert an den Architekten Günther Marschall und das Entwurfsjahr 1966. Ausführliche Informationen zum Projekt Ruhrmoderne sowie über die Sommerakademie und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

Stipendium für Studentinnen

Ein Wohnhaus von Atelier ST, Leipzig – das Büro steht laut Auslober Houzz.de beispielhaft für die Arbeit talentierter Architektinnen. (Foto: Werner Huthmacher) Die Architektur wird von Männern dominiert, das belegen aktuelle Zahlen der Bundesarchitektenkammer. Die Plattform Houzz.de hat dieser Umstand auf die Idee gebracht, ein neues Stipendienprogramm speziell für Studentinnen der Architektur aufzulegen. Das Stipendium in der Kategorie „Frauen in der Architektur“ ist mit 3.000 Euro dotiert. Bewerben können sich an deutschen Hochschulen und Universitäten eingeschriebene Bachelor-, Master- und Diplomstudentinnen der Fachrichtungen Architektur und Innenarchitektur. Die vollständigen Bewerbungsunterlagen sind bis spätestens 15. September 2017 online einzureichen. „Houzz Scholarships für Frauen in der Architektur ist ein Programm, was die nächste Generation der Studentinnen der Fachrichtungen Architektur und Innenarchitektur fördert. Houzz möchte mit diesem Programm vor allem Frauen fördern und dazu beitragen, dass eine größere Zahl später in den gewählten Berufen tätig ist“, so die Auslober. Stipendiatinnen erklären sich dazu bereit, dass ihr Konterfei und ihre persönlichen Daten im Zuge des Marketings für das kalifornische Unternehmen verwendet werden. Ausführliche Informationen und die Möglichkeit zur Onlinebewerbung finden Sie hier.

Zuflucht bei Mies

Bitte zu Tisch: „Die Zugezogenen“ haben sich in Mies van der Rohes Haus Lange in Krefeld einquartiert. (Foto: V. Döhne/Elmgreen&Dragset und VG Bild-Kunst, Bonn 2017) Mies van der Rohes Haus Lange in Krefeld ist Wohnort einer fiktiven deutschen Familie, die vor dem Brexit aus England geflohen ist. Für die Ausstellung „Die Zugezogenen“ nutzt das Künstlerduo Elmgreen und Dragset die Architektur der Klassischen Moderne als Kulisse. Elmgreen und Dragset kombinieren ihre eigenen skulpturalen Arbeiten mit vorgefundenen Möbeln und Artefakten, um ein häusliches Setting zu kreieren. Einige Gegenstände sind bereits ausgepackt und installiert, andere noch halb verpackt und in Kartons. Indem der Umzug der Familie als Symbol für ein sich veränderndes Europa präsentiert wird, reflektiert die Ausstellung die Vision modernistischer Architektur im Licht der heutigen Realität, so die Veranstalter. Dabei geht „Die Zugezogenen“ auch der Frage nach, wie weit sich die Ideale der Klassischen Moderne von unserer gegenwärtigen globalen, geopolitischen Situation entfernt haben. Von ihrer berühmten  Installation einer Prada Boutique in der texanischen Wüste bis zur Konzeption einer vermeintlichen Kunstmesse in Peking 2015 arbeitet das Duo Elmgreen und Dragset an neuen Möglichkeiten, mit der Präsentation und Rezeption von Kunst und öffentlichen Räumen umzugehen. Im Herbst 2017 kuratieren sie die Istanbul Biennale. Weitere Informationen zur Ausstellung, die noch bis zum 27. August 2017 in Krefeld zu sehen ist, finden Sie hier.

Klimafreundliche Ideen gesucht

Ein Wettbewerb sucht Ideen für zukunftsweisende Gebäude – und für einen neuen Energiewettbewerb. (Foto: Franck-Boston) Hochambitionierte und innovative Konzepte für nahezu klimaneutrale Gebäude und Quartiere sucht der Projektträger Jülich im Rahmen eines Ideenwettbewerbs mit zwei unterschiedlichen Themenschwerpunkten. Die Auslobung steht im Kontext der Förderinitiative „EnEff.Gebäude.2050“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und beinhaltet zwei unterschiedliche Themenschwerpunkte. Ziel des Wettbewerbs ist es, eine Brücke zwischen der Energieforschung und der gebauten Praxis von Gebäuden und Quartieren mit dem Zielhorizont des Jahres 2050 zu bilden. Im Fokus des ersten Themenschwerpunkts stehen modellhafte Vorhaben, die verdeutlichen, wie nahe wir bereits mit den heute verfügbaren Technologien und annähernd wirtschaftlichen Geschäftsmodellen der Zielstellung eines nahezu klimaneutralen Gebäudes beziehungsweise Quartiers kommen können, so die Veranstalter. Zum anderen will der Wettbewerb mit einem zweiten Themenschwerpunkt auch die internationale Dimension der Aufgabe unterstreichen, indem Konzepte für einen auszurichtenden Energiewettbewerb prämiert werden – anknüpfend an die Tradition des „Solar Decathlon Europe“ und diesen weiterentwickelnd. Thema 1 „Ideen für zukunftsweisende Gebäude und Quartiere“ (Einreichung bis zum 15. August 2017), die Auslobung zu Pilot‐ und Demonstrationsvorhaben, richtet sich an Planer und Bauherren oder entsprechende Konsortien, die aktuell auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland an der Umsetzung eines energetisch anspruchsvollen Gebäude‐ oder Quartierskonzepts arbeiten. Thema 2 „Konzepte für einen internationalen „Energiewettbewerb“ (Einreichung bis zum 15. September 2017) ist an Konsortien gerichtet, die mindestens aus einer Stadt‐ beziehungsweise Kommunalverwaltung bestehen und auch weitere Akteure (Wohnungswirtschaft, Unternehmen) enthalten können. Eine Bewerbung erfolgt in jedem Fall gemeinsam im Verbund. Die Ausschreibungsunterlagen und ausführliche Informationen finden Sie hier.

Rausgehen, Stadt entdecken

Junge und ältere Stadtwanderer können mit der App „Stadtsache“ neue Wege zur Architektur entdecken. (Foto: Anke M. Leitzgen) Schöne Radwege kartieren, witzige Häuser fotografieren, Graffitis zählen oder auf besonders laute Orte hinweisen: All das ist möglich mit der hervorragend gestalteten App „Stadtsache“, die von StadtBauKulturNRW unterstützt wird und weltweit einsetzbar ist. Dass Kinder und Jugendliche dabei auch viel über Architektur und Städtebau lernen, tritt in den Hintergrund. Schon das Angucken der vielen tollen Bilder macht sicher auch Erwachsenen Lust auf eigene Stadtforschungen. Die zugehörige Website kann mit verständlicher Sprache, hilfreichen Foto-Tipps (sogar rechtlichen) und einer Umfrage punkten. Auch ein „Workbook“ ist erschienen. Die App soll nicht zuletzt den persönlichen Bezug von Kindern und Jugendlichen zu ihrer Heimat fördern. Das technische Instrument wird nicht von der Couch aus bedient, sondern lockt die Nutzer nach draußen, ihre gebaute Umwelt mit offenen Augen wahrzunehmen. Mit der „Stadtsache“-App gelingt die Dokumentation und Strukturierung der Eindrücke auf spielerische Weise: Fundstücke wie Fotos, Töne und Videos lassen sich bestimmten Themen, Aufgaben und Aktionen zuordnen. Man kann sie vertonen, skalieren, beschriften, bemalen und kommentieren. Wer möchte, teilt die eigene Sammlung mit anderen Nutzern der App, nutzt sie für den Schulunterricht – oder sammelt nur für sich. Und weil die meisten Funktionen mit Bildern erklärt werden, sind auch geringe Sprach- und Schreibkenntnisse in Deutsch kein Hindernis im Umgang mit der App. Bis zum 30. September 2017 können Videos, Poster oder Fotostories bei einem Wettbewerb eingereicht werden. Es gibt Geldpreise und Buchpakete zu gewinnen. Hier geht’s zum kostenlosen Download.

Querdenker in der Kirchenbank

Bildschirme in den Kirchenbänken der Erfurter Kaufmannskirche zeigen 500 Ideen zur Wiederbelebung leerstehender Sakralbauten. Vom Leerstand im Osten Deutschlands sind auch hunderte Kirchen betroffen. Gerade im Luther-Jahr muss also über deren Rolle neu nachgedacht werden. Eine Ausstellung der IBA Thüringen in der Erfurter Kaufmannskirche zeigt in einer raumgreifenden Medieninstallation sage und schreibe 500 Ideen. „500 Kirchen 500 Ideen. Querdenker für Thüringen 2017“, so der der Titel der Ausstellung, die bis zum 19. November 2017 anhand von Kurz-Videos Ideen für die Umnutzung von Kirchen präsentiert. Gesammelt wurden sie im Rahmen eines Aufrufs der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und der IBA Thüringen. Zu sehen sind auf Monitoren in einer gelben Rauminstallation, die anstelle der alten Kirchenbänke gebaut wurde.

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Einige modellhafte Ideen werden gesondert präsentiert und einige sollen als „IBA Kandidaten“ nominiert und schließlich bis zum IBA Finale 2023 umgesetzt werden. Vor der Kirche steht überdies ein „Ideengenerator“, der Einfälle von Ausstellungsbesuchern aufnimmt. Begleitend zur Querdenker-Schau bieten die Veranstalter ein vielfältiges Rahmenprogramm, das Interessierte zu Diskussionen, Vorträgen und Bustouren einlädt. Bis zum 10. September lohnt an den Wochenenden außerdem eine Fahrt zur St.-Anna-Kapelle in Krobitz (Saale-Orla-Kreis), die aus dem 12. Jahrhundert stammt. In der Mitte des kleinen Kirchenraums, der lediglich gesichert wurde, steht nun die Installation „organ“ des Künstlers Carsten Nicolai. Sie erinnert an frühe Entwürfe sogenannter Flammenorgeln aus dem 18. Jahrhundert, bei denen die Töne von Flammen Glaszylindern erzeugt werden. Nicolai hat sowohl das Instrument entworfen und gebaut, als auch eine Komposition speziell für diese Kapelle geschrieben. Ganz ursprüngliche Elemente wie Feuer, Erde, Luft und Klang verbinden sich sowohl visuell als auch akustisch miteinander und bilden eine Symbiose mit dem Ort. Ausführliche Informationen finden Sie hier.

Kreislaufgerechtes Bauen

Nachhaltige Produkte, Projekte und Verfahren sind Themen einer Tagung in Aachen. (Foto: IRR) Eine Architektur, die Ressourcen schont und Teil eines Stoffkreislaufs ist, steht im Mittelpunkt der Veranstaltung „Kreislaufgerechtes Bauen“ am 7. Juli in Aachen. Dabei werden nachhaltige Projekte, Produkte und Verfahren vorgestellt. Welche Bewertungsmöglichkeiten eignen sich zum Planen von kreislaufgerechten und ressourcenschonenden Bauten? Wie wird heute schon die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen umgesetzt – und wie wird die Zukunft des Bauens aussehen? Diese Fragen der zirkulären Wertschöpfung im Bauwesen diskutiert die Innovationsregion Rheinisches Revier GmbH in Kooperation mit der Juniorprofessur Rezykliergerechtes Bauen der RWTH Aachen und der Faktor X Agentur im ehemaligen Straßenbahndepot Aachen. Eine Ausstellung begleitet das Vortragsprogramm. Verschiedene Unternehmen aus der Bau- und Baustoffbranche informieren in kurzen Vorträgen über Erfahrungen zu innovativen Bauweisen und Produkten. Die Veranstaltung richtet sich an Akteure aus dem Bereich Planung und Architektur, Genehmigung, Bauindustrie, Baustoffherstellung/-gewinnung, Rückbau/Recycling, Forschung und (Regional-)Entwicklung. Eine Anerkennung als Fortbildung bei der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen ist laut Veranstalterangabe beantragt. Die Anmeldung (hier) ist bis zum 16. Juni 2017 erforderlich. Ausführliche Informationen über den Programmablauf finden Sie hier.

Ansichten zum Brutalismus

Die „Gesellschaft zur Wertschätzung des Brutalismus“ bittet herein: Eine Ausstellung im Dortmunder U ist dem Betonbaustil gewidmet. (Foto: Hannes Woidich) Der „Hartware MedienKunstVerein“ lädt zur Betonschau ins Dortmunder U ein. Zu Gast ist die „Gesellschaft zur Wertschätzung des Brutalismus“, die in der gleichnamigen Ausstellung (bis 24. September 2017) neue Perspektiven auf einen bedrohten Baustil eröffnen will. Brutalistische Architektur verschwindet zunehmend aus dem Stadtbild, denn der Abschied von den zumeist nicht denkmalgeschützten Betonbauten fällt vielen Anwohnern und Beobachtern leicht. Doch in den letzten Jahren haben sich insbesondere in den sozialen Medien Anhängergruppen formiert, die den Brutalismus als Gegenentwurf zur sogenannten Investorenarchitektur begreifen und Schönheit in den schroffen, mitunter beeindruckend dystopisch wirkenden Gebäuden und Ensembles erkennen. So setzt sich etwa die im Jahr 2007 gegründete Facebook-Gruppe „The Brutalism Appreciation Society“ (dt. Gesellschaft zur Wertschätzung des Brutalismus) vehement für den Erhalt der städtebaulichen Zeugnisse aus den 1950er/1960er Jahren ein. Die Gruppe zählt weltweit über 50.000 Mitglieder. Die von Inke Arns kuratierte Ausstellung „Gesellschaft zur Wertschätzung des Brutalismus“ zeigt 21 internationale künstlerische Positionen, die sich mit dem brutalistischen Baustil der Nachkriegsmoderne auseinandersetzen, sowie eine Auswahl von Beiträgen aus der namensgebenden Facebook-Gruppe. Neben Skulpturen, Videos, Videoinstallationen, Klangkunst und Fotografien, erwartet die Besucher auch ortsbezogene Kunst im Ausstellungsraum, darunter eine großflächige Graffitiarbeit des Pariser Straßenkünstlers Darco FBI. Ausführliche Informationen über die Ausstellung, zu Führungen und den beteiligten Künstlern aus elf Ländern finden Sie hier.

Energieeffizient bauen

Energieeffizient: ein Wohn-und Geschäftshaus von H. Gies Architekt GmbH in Mainz. (Foto: Stefan Erbring) Die Bundesarchitektenkammer (BAK) führt in Kooperation mit der KfW Bankengruppe eine Online-Befragung zum Thema Energieeffizientes Bauen und Sanieren durch. Mit der Befragung beabsichtigt die BAK, energie- und kostenbezogene Daten zu verschiedenen bereits realisierten Neubau- oder Sanierungs-Projekten zu erheben. Diese Daten sollen hinsichtlich des Verhältnisses von Baukosten und energetischem Standard ausgewertet werden. Die Initiatoren rufen alle Mitglieder der Länderkammern dazu auf, eigene Projekte über das Online-Portal einzugeben. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Projekte KfW-gefördert sind oder nicht. Grundvoraussetzung ist lediglich, dass das Projekt bereits realisiert ist. Die Bearbeitung der Fragen nimmt rund 20 Minuten in Anspruch. Hier können Sie sich an der Umfrage beteiligen. Eine Auswahl an besonders gelungenen Einreichungen wird zum Abschluss des zweijährigen Projektzeitraums Eingang in eine Best-Practice-Publikation finden. Diese wird sich als Kommunikationsgrundlage an Bauherren wenden und praktische Umsetzungsmöglichkeiten energieeffizienten Bauens und Sanierens aufzeigen sowie Informationen zu technischen Lösungen, zum Planungsprozess und zu finanziellen sowie förderungsbezogenen Erfordernissen vermitteln. Die Online-Befragung ist in die neue Website „Besser mit Architekten“ von BAK und KfW eingebettet. Das Portal ist ab sofort unter der Adresse www.energiewende-mit-architekten.de abrufbar und wendet sich an Architekten und Bauherren. Architekten erhalten Informationen über die Förderangebote der KfW, außerdem gibt die Website Auskunft zu den Eintragungsvoraussetzungen für die Expertenliste für Förderprogramme des Bundes. Bauherren sollen mithilfe des Portals für das Thema „Energieeffizientes Bauen und Sanieren“ sensibilisiert und über die Vorzüge einer Begleitung durch Architekten aufgeklärt werden. Hierzu bietet die Website Bauherren die Möglichkeit einer Architekten- / Energieberater-Suche.

Digitalisierung im Hochbau

Effizienzpotentiale für Planungs- und Bauprozesse lotet die Konferenz „Digitalisierung im Hochbau“ in Berlin aus. (Grafik: BMUB) Eine Konferenz im Bundesbauministerium (BMUB) will praxisorientierte Möglichkeiten der Digitalisierung von Planungs- und Bauprozessen unter der Berücksichtigung der Interessen des Mittelstands aufzeigen. Der Einsatz digitaler Methoden in der Planung, Bauausführung und beim Betrieb von Gebäuden gewinnt zunehmend an Bedeutung. Im Rahmen der Veranstaltung „Digitalisierung im Hochbau – Effizienzpotentiale für Planungs- und Bauprozesse nutzen“ am 24. Mai 2017 in Berlin wird in verschiedenen Diskussionsforen die Möglichkeit geboten, sich gezielt über bestimmte Themenfelder, wie zum Beispiel Aktivitäten im Bundeshochbau oder die regionale Vernetzung der Anwender, zu informieren. Überdies können Teilnehmer sich über das eigene Berufsfeld hinaus zwischen Planung, Bauausführung, Herstellern sowie Bauherren und Betreibern austauschen. Die Konferenz des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) möchte bewusst auch die Praktiker im Projektprozess ansprechen und als Initialzündung für die fachübergreifende Zusammenarbeit aller Akteure am Bau im fortschreitenden Digitalisierungsprozess wirken, so die Veranstalter. Das Programm der Konferenz finden Sie hier und das Onlineformular zur Anmeldung hier.

Landschaftsarchitektur global

Die Cañada Real Galiana gilt als größter Slum Europas. Das Gebiet schlängelt sich durch die Peripherie von Madrid. (Foto: Johann-Christian Hannemann) Mit der Ausstellung „draußen“ (bis 20. August 2017) widmet sich das Architekturmuseum der TU München erstmals der Landschaftsarchitektur. Die Ausstellung zeigt in zehn Fallbeispielen das konkrete Zusammenwirken sowie die systemische Abhängigkeit von Stadt und Umland. Der Begriff der Landschaftsarchitektur scheint in der öffentlichen Vorstellung noch immer von der Sehnsucht bestimmt, für die Harmonisierung zwischen den global wachsenden Städten einerseits und der Natur andererseits zu planen. Die Ausstellung „draußen – Landschaftsarchitektur auf globalem Terrain“ geht von der Prämisse aus, dass es am Anfang des 21. Jahrhunderts kein Fleckchen Erde mehr gibt, in dem die Wirkungen der Urbanisierung, der massiven Ausbeutung fossiler Brennstoffe, der wachsenden Mobilität und die ungebremsten Veränderungen ökologischer Systeme, aber auch die Folgen zunehmender Migration nicht spürbar sind. Initiatoren der Schau sind fünf akademische Teams, die anhand der zehn präsentierten Fallbeispiele grundlegende Forschungen präsentieren. Sie versuchen in den dargestellten Projekten, die von Casablanca über Madrid und Changde bis Kigali und Medellín reichen, komplexe räumliche Situationen zu analysieren, so die Veranstalter. Dabei  beziehen sie verschiedene Instrumente und Disziplinen wie die Soziologie oder Ethnologie heran. Ziel der Ausstellung ist es, den Besuchern eine tiefere Vorstellung von den sich wandelnden Konzepten und Strategien der Landschaftsarchitektur in der Gegenwart zu vermitteln und zugleich ihre wachsende Bedeutung für die Zukunft darzustellen. Weitere Informationen über „draußen“ in München finden Sie hier.

Bäume statt Beton und Glas

Vision: Begrünte Hochhäuser holen den Wald in die Stadt. (Filmstill: Stefano Boeri) Eine Stadt aus grünen Wolkenkratzern: Das ist die Vision von Stefano Boeri. Der Mailänder Architekt zeigt in einem Video, wie das aussehen könnte. Die begrünten Hochhäuser schaffen einen vertikalen Wald – und grüne Ausblicke mitten in der Stadt. Den Stadtwald entwarf Boeri als Vorschlag für eine neue Modellstadt in China, die hochverdichtetes und gesundes Wohnen in Einklang bringen und in dem Land als Vorbild für die grüne Stadtentwicklung der Zukunft dienen soll. In Mailand hat der Architekt seine Vision bereits bei zwei begrünten Hochhäusern verwirklicht. Derzeit ist sein Büro mit der Entwicklung eines ähnlichen Projekts in Nanjing (China) befasst. Wie Stefano Boeri sich seinen vertikalen Stadtwald vorstellt, sehen Sie hier im Film: Einen Bericht mit weiteren Fotos und Informationen über die Arbeit des Büros Stefano Boeri Architetti im Magazin Dezeen finden Sie hier.

Historische Schichten der Stadt

Interaktives Arbeitsformat mit Vorträgen, Gesprächs- und Arbeitsrunden: die Baukulturwerkstatt in Mainz. (Grafik: Bundesstiftung Baukultur) Die Bundesstiftung Baukultur lädt mit einer Baukulturwerkstatt am 10. und 11. Mai 2017 in Mainz dazu ein, über die historisch gewachsene gebaute Umwelt zwischen Bauepochen und Stadtbild zu diskutieren. Zum Auftakt geht es im Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz um den Themenrahmen des Baukulturberichts 2018/19 zum Gebäudebestand und gebauten Erbe. Keynotespeaker der Abendveranstaltung ist Thomas Metz, Generaldirektor der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz. Am 11. Mai steht ein Werkstatttag im Rathaus Mainz auf dem Programm. Das markante und umstrittene Gebäude aus den 1970er-Jahren und sein Ratssaal im Stil einer Arena bieten den idealen Raum für Fachimpulse und Standpunkte, die anschließend im direkten Austausch mit den Referenten an Werkstatttischen besprochen werden, so die Veranstalter. Die Bundesarchitektenkammer ist bei den Baukulturwerkstätten 2017 wieder Kooperationspartner der Bundesstiftung. Ausführliche Information zum Programm der Baukulturwerkstatt in Mainz finden Sie hier. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Perspektivwechsel im Wohnungsbau

Die Qualität des Wohnens steht im Zentrum der Ausstellung „Neue Standards“. (Foto: Simon Schnepp & Morgane Renou) Welche Wohnstandards benötigt eine sich verändernde Gesellschaft? Die aktuelle Wohnungsbaudebatte und die damit verbundene Frage, wie wir in Zukunft wohnen wollen und können, nimmt der Bund Deutscher Architekten BDA zum Anlass für seine neue Ausstellung. „Neue Standards. Zehn Thesen zum Wohnen“, zu sehen bis zum 7. Mai 2017 im Neuen Museum in Nürnberg, hinterfragt eine Stadtentwicklungspolitik, die ursprünglich in einem humanistischen Verständnis auf die miserablen Lebensverhältnisse in den Städten zu Beginn des 20. Jahrhunderts reagierte. Diese Standards sind mittlerweile zu einem ökonomisch optimierten und mechanistischen Regelwerk mutiert, das heute überholte Lebensformen festschreibt, so die Veranstalter. Doch welche neuen Standards wären nach einem gedanklichen „Re-Set“ sinnvoll und wünschenswert? Und über welche Programmatik müssen sie verfügen, damit Wohnen bezahlbar bleibt, damit Menschen an ihrer Stadt teilhaben können und das Wohnen als architektonischer Raum begeistert? In zehn Thesen plädieren Architektinnen und Architekten dafür, die starke Fokussierung auf technische Standards und regulative Vorgaben gegen die Chance auf eine Diskussion um die Qualität des Wohnens einzutauschen. Die von Olaf Bahner vom Bund Deutscher Architekten BDA und Matthias Böttger, Künstlerischer Leiter des Deutschen Architektur Zentrums DAZ, kuratierte Foyer-Ausstellung versteht sich als Plädoyer für einen Perspektivwechsel im Wohnungsbau, der sich von Standardvorgaben löst und einen Diskurs über ein zukunftsweisendes Wohnen eröffnet. Der Eintritt ist frei; weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.

Architektur von Praxisräumen

Praxisräume sollen nicht nur gut funktionieren, sondern auch von Patienten und Mitarbeiternpositiv wahrgenommen werden. Thema einer interdisziplinären Fachtagung in München. (Foto: KB3/Fotolia) Die Bayerische Architektenkammer lädt am 12. Mai 2017 zur Fachtagung „Raum und Gesundheit“ ins Ärztehaus Bayern ein. Zum Thema Neu- und Umbauten von Praxis- und Behandlungsräumen tauschen sich Architekten, Innenarchitekten und Mediziner aus. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen Expertenvorträge und ein daran anschließendes Podiumsgespräch. Effiziente Betriebs- und Raumorganisation, technische und rechtliche Anforderungen wie Akustik, Schallschutz, Haustechnik, Raumklima, Vermeidung von Elektrosmog sind ebenso Themen des Nachmittags wie die zunehmende Digitalisierung und wie neue Technologien die Gestaltung von Klinik- oder Praxisräumen beeinflussen werden. Angesprochen werden zudem Energieeffizienz und Barrierefreiheit aber auch, wie Farben den Genesungsprozess positiv unterstützen, Licht und Beleuchtung am Arbeitsplatz optimal funktionieren und welche Oberflächen sowohl hygienischen als auch atmosphärischen Anforderungen gerecht werden. Informationen wie ein Neu- oder Umbau gefördert werden kann, runden das Informationsangebot ab. Abends besteht Gelegenheit zum persönlichen Austausch mit den Referenten. Die interdisziplinäre Fachtagung wurde von der Bayerischen Architektenkammer und der Bayerischen Landesärztekammer in Kooperation mit dem Bund Deutscher Innenarchitekten BDIA Bayern, dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sowie dem Ärztlichen Kreis- und Bezirksverband München konzipiert. Wer beabsichtigt, seine Praxis, seine Klinik oder das Medizinische Versorgungszentrum um oder neu zu planen oder vorhat, Betriebs- und Arbeitsprozesse umzuorganisieren, kann sich bei der Veranstaltung aus erster Hand informieren, wie das Projekt konzeptionell und organisatorisch vorbereitet werden kann und mit welchen baulichen Auswirkungen auf den Betrieb zu rechnen ist. Der Eintritt ist frei, eine vorherige Anmeldung jedoch erforderlich. Der Besuch der Veranstaltung wird von der Bayerischen Landesärztekammer mit zwei Fortbildungspunkten bewertet. Weitere Informationen finden Sie hier.

Berichte aus der BIM-Praxis

Der Verein buildingSMART lädt zum BIM-Anwendertag ins Kurfürstliche Schloss Mainz. (Foto: Landeshauptstadt Mainz) Der Verein buildingSMART lädt am 9. Mai 2017 zum 15. BIM-Anwendertag ins Kurfürstliche Schloss nach Mainz ein. Unter dem Titel „Planen, Bauen und Betreiben: Berichte aus der BIM-Praxis” stehen den Tagungsteilnehmern fast 40 Vorträge zur Auswahl, die viele Fachdisziplinen sowie alle Phasen im Lebenszyklus von Bauwerken abdecken. Die Referenten, vor allem buildingSMART-Mitglieder, tragen ihre praxisnahen Erfahrungsberichte in vier parallel ablaufenden Sektionen vor, die nach dem Eröffnungsvortrag „BIM – Ja – Wie?“ von Michael Beckert (Architekturbüro Snøhetta) starten. Bereits am 8. Mai 2017 treffen sich Vereinsmitglieder und geladene Gäste zu Arbeitsgruppentreffen, Austausch mit Verbänden und Abendempfang. Die Anerkennung als Fortbildungsveranstaltung ist bei den Architekten- und Ingenieurkammern in Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg beantragt. Ausführliche Informationen zum Programmablauf und zur Anmeldung sowie ein Hotelkontingent finden Sie hier.

Stadtluft vs. Landlust

Wolfgang Bachmann. (Foto: Myrzik Jarisch) Romane sollen uns unterhalten, doch dann stolpert man über einen Satz und ist eine Woche lang damit beschäftigt, die Tragweite des Dichterischen in der Fachliteratur zu finden. Text: Wolfgang Bachmann In Juli Zehs neuem Roman „Unterleuten“, der kenntnisreich die Berliner Aussteiger in der brandenburgischen Provinz verfolgt, finden wir den Seufzer: „Als ob das Leben in der Stadt die Leute besser machte. Als ob eine Stadt mehr wäre als eine Ansammlung von haushoch gestapelten Heimatlosen.“ Die Autorin mag das Dorf, dort lebt sie und sagt in einem Interview über die statistisch festzustellende Landflucht: „Die Bewegung in die Städte ist mehr aus der Not heraus geboren als aus urbaner Euphorie.“ Indes wird in aktuellen Hochschuldebatten für „die schöne Stadt“ plädiert. Als könne man die Verweigerer durch eine Architektur wie aus dem Anker-Steinbaukasten zurückholen in einen bürgerlichen Wohn- und Handelsort mit Kirche, Marktplatz und lauter biederen Häusern. Dagegen möchte Peter Zlonicky die „europäische Stadt“ nicht als ästhetisches Leitbild aufhängen, er betrachtet den Zugewinn durch Immigranten und andere Kulturen als Stärke, die sie als „ein sich ständig veränderndes Amalgam“ durch Transformation gewinnt. Von hier ist es nicht weit zu Koolhaas’ „generischer Stadt“, die Begriffe wie Ort, Straße und Identität hinter sich lässt und „einfach so“ entsteht. Alex Gutzmer, der seine Architekturferne regelmäßig durch Mutmaßungen über die Stadt kompensiert, möchte in so einem gebauten Zweckverband „die Vielschichtigkeit des Urbanen“ erkennen. Aber woran lässt sich das ablesen? An der Anzahl der Coffee-Shops in der Fußgängerzone? Urban bezeichnet lediglich die positiven Qualitäten einer städtischen Lebensweise mit einer öffentlichen und einer privaten Sphäre, die sich in der Architektur abbilden. Nach Andreas Feldtkeller liegt die Utopie darin, dass sie „für alle Individuen und Gruppen“ gelten soll. Sie teilen sich den öffentlichen Raum „von der Last der Herkunft befreit“, so Florian Rötzer. Historisch als „durchgesetzte Demokratie und als reale Chance sozialer Integration“ betrachtet, gibt Walter Siebel Entwarnung: Urbanität hat sich längst von der europäischen Stadt abgelöst. Der Begriff wird inflationär verwendet, um die stimulierenden Facetten des Städtischen ohne weitere Erläuterung zu beschreiben. Wie kamen wir jetzt zu dieser Blütenlese? Auf dem Dorf ist eben alles einfacher, sagt Juli Zeh. Jeder versteht die Probleme, man trifft den Bürgermeister am Gartenzaun. Auch Hierarchien sind abgeschafft: „Eine Frau kann ruck, zuck zur Wortführerin werden, wenn sie die größte Klappe hat.“

Vorbildliche Innendämmung

Innendämmung ist bauphysikalisch anspruchsvoll. Ein Kongress in Dresden stellt neue Lösungen vor. (Foto: hanohiki/Fotolia) Der Einsatz von Innendämmsystemen in vorbildlich realisierten Sanierungsprojekten steht im Mittelpunkt eines von der Bernhard Remmers Akademie und dem Institut für Bauklimatik der TU Dresden veranstalteten Kongresses in der sächsischen Landeshauptstadt (19. bis 20. Mai 2017). In 17 Vorträgen werden darüber hinaus Demonstrationsprojekte und Feldversuche aus der Forschung vorgestellt. Informationen zum Stand der Normung, zu Fördermöglichkeiten und Wirtschaftlichkeit geben nützliche Hinweise für eine sorgfältige Planung von Innendämmmaßnahmen. Vier Workshops ergänzen das Fachprogramm und ermöglichen einen Einblick in Simulationstools (Delphin, Therakles, BIM HVAC) und die Forschungstätigkeit im bauphysikalischen Labor des Institutes für Bauklimatik. Die begleitende Industrieausstellung vermittelt einen Überblick der auf dem Markt erhältlichen Dämmsysteme und bietet eine Plattform für den intensiven Informationsaustausch. Ausführliche Informationen zum Programm der vierten Ausgabe des Innendämmkongresses sowie die Möglichkeit zur Online-Anmeldung finden Sie hier.

Chinas Architektur-Avantgarde

Die traditionellen, Hutong genannten engen Wohnviertel Pekings erfordern kleine Baulösungen. ZAO/standardarchitecture fand auf 30 Quadratmetern genug Platz für ein hübsches Hostel. (Foto: Su Shengliang) Der Bielefelder Kunstverein zeigt Projekte des chinesischen Büros ZAO/standardarchitecture (bis 17. April 2017). Dessen Arbeit steht nicht für bombastische Großprojekte mit spiegelnden Glasfassaden, sondern für einen sozialen Anspruch, für ein Interesse an der Landschaft und an lokalen Bautraditionen und -materialien. ZAO/standardarchitecture wurde im Jahr 2001 von Zhang Ke gegründet, einem der innovativsten Protagonisten in der neuen Generation chinesischer Architekten. Zum Portfolio des Büros gehören das Novartis-Campus-Gebäude in Shanghai (2016), originelle Projekte wie ein Mikro-Hostel in Pekings engen und alten, Hutong genannten Vierteln (2016) sowie touristische Gebäude in Tibet, darunter das Yarlung Tsangpo River Hostel (2015). Die Arbeiten bilden einen Kontrapunkt zum asiatischen Hochgeschwindigkeitsurbanismus. Das sichtbare Interesse an der umgebenden Landschaft drückt sich auch in der Verwendung ortsüblicher Materialien und im sozialen Anspruch der räumlichen Interventionen aus. Im Vorjahr beteiligte sich das Architekturbüro an der Architekturbiennale Venedig und wurde mit dem Aga-Khan-Preis für Architektur ausgezeichnet. Die Ausstellung im Rahmen der alle zwei Jahre in Bielefeld stattfindenden Reihe „Baukunst“ wird in Kooperation mit dem Bund Deutscher Architekten (BDA) präsentiert. Im Ausstellungszeitraum werden sonntags um 17 Uhr kostenlose Führungen angeboten. Weitere Informationen und Fotos von Projekten finden Sie hier.

Dem Stau davonradeln

Elf Auffahrten führen auf den Bicycle Skyway in Xianmen, der dann die Kurven kriegt und weiter unter der Fahrebene für Busse verläuft. (Filmstill: Dissing + Weitling) Das dänische Büro Dissing + Weitling hat in Xiamen einen spektakulären Radweg realisiert. In fünf Metern Höhe führt der 7,6 Kilometer lange Bicycle Skyway durch die City. Der Radweg verläuft unter Xiamens ebenfalls erhobener Schnellroute für Busse. Zwei gute Wege, dem Stau zu entkommen. Der nach Auskunft der Dänen längste erhobene Radweg der Welt verbindet in der chinesischen Küstenstadt an elf Ein- und Ausfahrten Bahnhöfe, Malls und öffentliche Gebäude. Auf der symbolisch grünen Fahrbahn können in beiden Richtungen bequem zwei Radler nebeneinander rollen: Der Radweg ist 4,8 Meter breit. Xiamens neuer Bicycle Skyway verläuft unter der Fahrebene für die Schnellbuslinien der 3,5-Millionen-Metropole im Südosten Chinas. Zusammen mit der Stadt haben Dissing + Weitling eine großartige und in China einmalige Lösung für Radfahrer gefunden, über den von Autos verstopften Straßen schnell in die zentralen Bezirke zu gelangen. Mehre Verleihstationen für Fahrräder entlang der Strecke sollen die Bewohner inspirieren, das Auto stehen zu lassen und dem Stau in schlechter Luft nachhaltig davon zu strampeln. In ihrer Heimatstadt Kopenhagen hat Dissing + Weitling das ausgezeichnete Radweg-Projekte „The Bicycle Snake“ realisiert, darüber hinaus nachhaltige Verkehrsprojekte in aller Welt. Einen Film, Fotos und ausführliche Informationen über Xiamens himmlischen Pfad für Drahtesel finden Sie hier.