Zuflucht bei Mies

Bitte zu Tisch: „Die Zugezogenen“ haben sich in Mies van der Rohes Haus Lange in Krefeld einquartiert. (Foto: V. Döhne/Elmgreen&Dragset und VG Bild-Kunst, Bonn 2017) Mies van der Rohes Haus Lange in Krefeld ist Wohnort einer fiktiven deutschen Familie, die vor dem Brexit aus England geflohen ist. Für die Ausstellung „Die Zugezogenen“ nutzt das Künstlerduo Elmgreen und Dragset die Architektur der Klassischen Moderne als Kulisse. Elmgreen und Dragset kombinieren ihre eigenen skulpturalen Arbeiten mit vorgefundenen Möbeln und Artefakten, um ein häusliches Setting zu kreieren. Einige Gegenstände sind bereits ausgepackt und installiert, andere noch halb verpackt und in Kartons. Indem der Umzug der Familie als Symbol für ein sich veränderndes Europa präsentiert wird, reflektiert die Ausstellung die Vision modernistischer Architektur im Licht der heutigen Realität, so die Veranstalter. Dabei geht „Die Zugezogenen“ auch der Frage nach, wie weit sich die Ideale der Klassischen Moderne von unserer gegenwärtigen globalen, geopolitischen Situation entfernt haben. Von ihrer berühmten  Installation einer Prada Boutique in der texanischen Wüste bis zur Konzeption einer vermeintlichen Kunstmesse in Peking 2015 arbeitet das Duo Elmgreen und Dragset an neuen Möglichkeiten, mit der Präsentation und Rezeption von Kunst und öffentlichen Räumen umzugehen. Im Herbst 2017 kuratieren sie die Istanbul Biennale. Weitere Informationen zur Ausstellung, die noch bis zum 27. August 2017 in Krefeld zu sehen ist, finden Sie hier.

Klimafreundliche Ideen gesucht

Ein Wettbewerb sucht Ideen für zukunftsweisende Gebäude – und für einen neuen Energiewettbewerb. (Foto: Franck-Boston) Hochambitionierte und innovative Konzepte für nahezu klimaneutrale Gebäude und Quartiere sucht der Projektträger Jülich im Rahmen eines Ideenwettbewerbs mit zwei unterschiedlichen Themenschwerpunkten. Die Auslobung steht im Kontext der Förderinitiative „EnEff.Gebäude.2050“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und beinhaltet zwei unterschiedliche Themenschwerpunkte. Ziel des Wettbewerbs ist es, eine Brücke zwischen der Energieforschung und der gebauten Praxis von Gebäuden und Quartieren mit dem Zielhorizont des Jahres 2050 zu bilden. Im Fokus des ersten Themenschwerpunkts stehen modellhafte Vorhaben, die verdeutlichen, wie nahe wir bereits mit den heute verfügbaren Technologien und annähernd wirtschaftlichen Geschäftsmodellen der Zielstellung eines nahezu klimaneutralen Gebäudes beziehungsweise Quartiers kommen können, so die Veranstalter. Zum anderen will der Wettbewerb mit einem zweiten Themenschwerpunkt auch die internationale Dimension der Aufgabe unterstreichen, indem Konzepte für einen auszurichtenden Energiewettbewerb prämiert werden – anknüpfend an die Tradition des „Solar Decathlon Europe“ und diesen weiterentwickelnd. Thema 1 „Ideen für zukunftsweisende Gebäude und Quartiere“ (Einreichung bis zum 15. August 2017), die Auslobung zu Pilot‐ und Demonstrationsvorhaben, richtet sich an Planer und Bauherren oder entsprechende Konsortien, die aktuell auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland an der Umsetzung eines energetisch anspruchsvollen Gebäude‐ oder Quartierskonzepts arbeiten. Thema 2 „Konzepte für einen internationalen „Energiewettbewerb“ (Einreichung bis zum 15. September 2017) ist an Konsortien gerichtet, die mindestens aus einer Stadt‐ beziehungsweise Kommunalverwaltung bestehen und auch weitere Akteure (Wohnungswirtschaft, Unternehmen) enthalten können. Eine Bewerbung erfolgt in jedem Fall gemeinsam im Verbund. Die Ausschreibungsunterlagen und ausführliche Informationen finden Sie hier.

Rausgehen, Stadt entdecken

Junge und ältere Stadtwanderer können mit der App „Stadtsache“ neue Wege zur Architektur entdecken. (Foto: Anke M. Leitzgen) Schöne Radwege kartieren, witzige Häuser fotografieren, Graffitis zählen oder auf besonders laute Orte hinweisen: All das ist möglich mit der hervorragend gestalteten App „Stadtsache“, die von StadtBauKulturNRW unterstützt wird und weltweit einsetzbar ist. Dass Kinder und Jugendliche dabei auch viel über Architektur und Städtebau lernen, tritt in den Hintergrund. Schon das Angucken der vielen tollen Bilder macht sicher auch Erwachsenen Lust auf eigene Stadtforschungen. Die zugehörige Website kann mit verständlicher Sprache, hilfreichen Foto-Tipps (sogar rechtlichen) und einer Umfrage punkten. Auch ein „Workbook“ ist erschienen. Die App soll nicht zuletzt den persönlichen Bezug von Kindern und Jugendlichen zu ihrer Heimat fördern. Das technische Instrument wird nicht von der Couch aus bedient, sondern lockt die Nutzer nach draußen, ihre gebaute Umwelt mit offenen Augen wahrzunehmen. Mit der „Stadtsache“-App gelingt die Dokumentation und Strukturierung der Eindrücke auf spielerische Weise: Fundstücke wie Fotos, Töne und Videos lassen sich bestimmten Themen, Aufgaben und Aktionen zuordnen. Man kann sie vertonen, skalieren, beschriften, bemalen und kommentieren. Wer möchte, teilt die eigene Sammlung mit anderen Nutzern der App, nutzt sie für den Schulunterricht – oder sammelt nur für sich. Und weil die meisten Funktionen mit Bildern erklärt werden, sind auch geringe Sprach- und Schreibkenntnisse in Deutsch kein Hindernis im Umgang mit der App. Bis zum 30. September 2017 können Videos, Poster oder Fotostories bei einem Wettbewerb eingereicht werden. Es gibt Geldpreise und Buchpakete zu gewinnen. Hier geht’s zum kostenlosen Download.

Querdenker in der Kirchenbank

Bildschirme in den Kirchenbänken der Erfurter Kaufmannskirche zeigen 500 Ideen zur Wiederbelebung leerstehender Sakralbauten. Vom Leerstand im Osten Deutschlands sind auch hunderte Kirchen betroffen. Gerade im Luther-Jahr muss also über deren Rolle neu nachgedacht werden. Eine Ausstellung der IBA Thüringen in der Erfurter Kaufmannskirche zeigt in einer raumgreifenden Medieninstallation sage und schreibe 500 Ideen. „500 Kirchen 500 Ideen. Querdenker für Thüringen 2017“, so der der Titel der Ausstellung, die bis zum 19. November 2017 anhand von Kurz-Videos Ideen für die Umnutzung von Kirchen präsentiert. Gesammelt wurden sie im Rahmen eines Aufrufs der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und der IBA Thüringen. Zu sehen sind auf Monitoren in einer gelben Rauminstallation, die anstelle der alten Kirchenbänke gebaut wurde.

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Einige modellhafte Ideen werden gesondert präsentiert und einige sollen als „IBA Kandidaten“ nominiert und schließlich bis zum IBA Finale 2023 umgesetzt werden. Vor der Kirche steht überdies ein „Ideengenerator“, der Einfälle von Ausstellungsbesuchern aufnimmt. Begleitend zur Querdenker-Schau bieten die Veranstalter ein vielfältiges Rahmenprogramm, das Interessierte zu Diskussionen, Vorträgen und Bustouren einlädt. Bis zum 10. September lohnt an den Wochenenden außerdem eine Fahrt zur St.-Anna-Kapelle in Krobitz (Saale-Orla-Kreis), die aus dem 12. Jahrhundert stammt. In der Mitte des kleinen Kirchenraums, der lediglich gesichert wurde, steht nun die Installation „organ“ des Künstlers Carsten Nicolai. Sie erinnert an frühe Entwürfe sogenannter Flammenorgeln aus dem 18. Jahrhundert, bei denen die Töne von Flammen Glaszylindern erzeugt werden. Nicolai hat sowohl das Instrument entworfen und gebaut, als auch eine Komposition speziell für diese Kapelle geschrieben. Ganz ursprüngliche Elemente wie Feuer, Erde, Luft und Klang verbinden sich sowohl visuell als auch akustisch miteinander und bilden eine Symbiose mit dem Ort. Ausführliche Informationen finden Sie hier.

Kreislaufgerechtes Bauen

Nachhaltige Produkte, Projekte und Verfahren sind Themen einer Tagung in Aachen. (Foto: IRR) Eine Architektur, die Ressourcen schont und Teil eines Stoffkreislaufs ist, steht im Mittelpunkt der Veranstaltung „Kreislaufgerechtes Bauen“ am 7. Juli in Aachen. Dabei werden nachhaltige Projekte, Produkte und Verfahren vorgestellt. Welche Bewertungsmöglichkeiten eignen sich zum Planen von kreislaufgerechten und ressourcenschonenden Bauten? Wie wird heute schon die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen umgesetzt – und wie wird die Zukunft des Bauens aussehen? Diese Fragen der zirkulären Wertschöpfung im Bauwesen diskutiert die Innovationsregion Rheinisches Revier GmbH in Kooperation mit der Juniorprofessur Rezykliergerechtes Bauen der RWTH Aachen und der Faktor X Agentur im ehemaligen Straßenbahndepot Aachen. Eine Ausstellung begleitet das Vortragsprogramm. Verschiedene Unternehmen aus der Bau- und Baustoffbranche informieren in kurzen Vorträgen über Erfahrungen zu innovativen Bauweisen und Produkten. Die Veranstaltung richtet sich an Akteure aus dem Bereich Planung und Architektur, Genehmigung, Bauindustrie, Baustoffherstellung/-gewinnung, Rückbau/Recycling, Forschung und (Regional-)Entwicklung. Eine Anerkennung als Fortbildung bei der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen ist laut Veranstalterangabe beantragt. Die Anmeldung (hier) ist bis zum 16. Juni 2017 erforderlich. Ausführliche Informationen über den Programmablauf finden Sie hier.

Ansichten zum Brutalismus

Die „Gesellschaft zur Wertschätzung des Brutalismus“ bittet herein: Eine Ausstellung im Dortmunder U ist dem Betonbaustil gewidmet. (Foto: Hannes Woidich) Der „Hartware MedienKunstVerein“ lädt zur Betonschau ins Dortmunder U ein. Zu Gast ist die „Gesellschaft zur Wertschätzung des Brutalismus“, die in der gleichnamigen Ausstellung (bis 24. September 2017) neue Perspektiven auf einen bedrohten Baustil eröffnen will. Brutalistische Architektur verschwindet zunehmend aus dem Stadtbild, denn der Abschied von den zumeist nicht denkmalgeschützten Betonbauten fällt vielen Anwohnern und Beobachtern leicht. Doch in den letzten Jahren haben sich insbesondere in den sozialen Medien Anhängergruppen formiert, die den Brutalismus als Gegenentwurf zur sogenannten Investorenarchitektur begreifen und Schönheit in den schroffen, mitunter beeindruckend dystopisch wirkenden Gebäuden und Ensembles erkennen. So setzt sich etwa die im Jahr 2007 gegründete Facebook-Gruppe „The Brutalism Appreciation Society“ (dt. Gesellschaft zur Wertschätzung des Brutalismus) vehement für den Erhalt der städtebaulichen Zeugnisse aus den 1950er/1960er Jahren ein. Die Gruppe zählt weltweit über 50.000 Mitglieder. Die von Inke Arns kuratierte Ausstellung „Gesellschaft zur Wertschätzung des Brutalismus“ zeigt 21 internationale künstlerische Positionen, die sich mit dem brutalistischen Baustil der Nachkriegsmoderne auseinandersetzen, sowie eine Auswahl von Beiträgen aus der namensgebenden Facebook-Gruppe. Neben Skulpturen, Videos, Videoinstallationen, Klangkunst und Fotografien, erwartet die Besucher auch ortsbezogene Kunst im Ausstellungsraum, darunter eine großflächige Graffitiarbeit des Pariser Straßenkünstlers Darco FBI. Ausführliche Informationen über die Ausstellung, zu Führungen und den beteiligten Künstlern aus elf Ländern finden Sie hier.

Energieeffizient bauen

Energieeffizient: ein Wohn-und Geschäftshaus von H. Gies Architekt GmbH in Mainz. (Foto: Stefan Erbring) Die Bundesarchitektenkammer (BAK) führt in Kooperation mit der KfW Bankengruppe eine Online-Befragung zum Thema Energieeffizientes Bauen und Sanieren durch. Mit der Befragung beabsichtigt die BAK, energie- und kostenbezogene Daten zu verschiedenen bereits realisierten Neubau- oder Sanierungs-Projekten zu erheben. Diese Daten sollen hinsichtlich des Verhältnisses von Baukosten und energetischem Standard ausgewertet werden. Die Initiatoren rufen alle Mitglieder der Länderkammern dazu auf, eigene Projekte über das Online-Portal einzugeben. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Projekte KfW-gefördert sind oder nicht. Grundvoraussetzung ist lediglich, dass das Projekt bereits realisiert ist. Die Bearbeitung der Fragen nimmt rund 20 Minuten in Anspruch. Hier können Sie sich an der Umfrage beteiligen. Eine Auswahl an besonders gelungenen Einreichungen wird zum Abschluss des zweijährigen Projektzeitraums Eingang in eine Best-Practice-Publikation finden. Diese wird sich als Kommunikationsgrundlage an Bauherren wenden und praktische Umsetzungsmöglichkeiten energieeffizienten Bauens und Sanierens aufzeigen sowie Informationen zu technischen Lösungen, zum Planungsprozess und zu finanziellen sowie förderungsbezogenen Erfordernissen vermitteln. Die Online-Befragung ist in die neue Website „Besser mit Architekten“ von BAK und KfW eingebettet. Das Portal ist ab sofort unter der Adresse www.energiewende-mit-architekten.de abrufbar und wendet sich an Architekten und Bauherren. Architekten erhalten Informationen über die Förderangebote der KfW, außerdem gibt die Website Auskunft zu den Eintragungsvoraussetzungen für die Expertenliste für Förderprogramme des Bundes. Bauherren sollen mithilfe des Portals für das Thema „Energieeffizientes Bauen und Sanieren“ sensibilisiert und über die Vorzüge einer Begleitung durch Architekten aufgeklärt werden. Hierzu bietet die Website Bauherren die Möglichkeit einer Architekten- / Energieberater-Suche.

Digitalisierung im Hochbau

Effizienzpotentiale für Planungs- und Bauprozesse lotet die Konferenz „Digitalisierung im Hochbau“ in Berlin aus. (Grafik: BMUB) Eine Konferenz im Bundesbauministerium (BMUB) will praxisorientierte Möglichkeiten der Digitalisierung von Planungs- und Bauprozessen unter der Berücksichtigung der Interessen des Mittelstands aufzeigen. Der Einsatz digitaler Methoden in der Planung, Bauausführung und beim Betrieb von Gebäuden gewinnt zunehmend an Bedeutung. Im Rahmen der Veranstaltung „Digitalisierung im Hochbau – Effizienzpotentiale für Planungs- und Bauprozesse nutzen“ am 24. Mai 2017 in Berlin wird in verschiedenen Diskussionsforen die Möglichkeit geboten, sich gezielt über bestimmte Themenfelder, wie zum Beispiel Aktivitäten im Bundeshochbau oder die regionale Vernetzung der Anwender, zu informieren. Überdies können Teilnehmer sich über das eigene Berufsfeld hinaus zwischen Planung, Bauausführung, Herstellern sowie Bauherren und Betreibern austauschen. Die Konferenz des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) möchte bewusst auch die Praktiker im Projektprozess ansprechen und als Initialzündung für die fachübergreifende Zusammenarbeit aller Akteure am Bau im fortschreitenden Digitalisierungsprozess wirken, so die Veranstalter. Das Programm der Konferenz finden Sie hier und das Onlineformular zur Anmeldung hier.

Landschaftsarchitektur global

Die Cañada Real Galiana gilt als größter Slum Europas. Das Gebiet schlängelt sich durch die Peripherie von Madrid. (Foto: Johann-Christian Hannemann) Mit der Ausstellung „draußen“ (bis 20. August 2017) widmet sich das Architekturmuseum der TU München erstmals der Landschaftsarchitektur. Die Ausstellung zeigt in zehn Fallbeispielen das konkrete Zusammenwirken sowie die systemische Abhängigkeit von Stadt und Umland. Der Begriff der Landschaftsarchitektur scheint in der öffentlichen Vorstellung noch immer von der Sehnsucht bestimmt, für die Harmonisierung zwischen den global wachsenden Städten einerseits und der Natur andererseits zu planen. Die Ausstellung „draußen – Landschaftsarchitektur auf globalem Terrain“ geht von der Prämisse aus, dass es am Anfang des 21. Jahrhunderts kein Fleckchen Erde mehr gibt, in dem die Wirkungen der Urbanisierung, der massiven Ausbeutung fossiler Brennstoffe, der wachsenden Mobilität und die ungebremsten Veränderungen ökologischer Systeme, aber auch die Folgen zunehmender Migration nicht spürbar sind. Initiatoren der Schau sind fünf akademische Teams, die anhand der zehn präsentierten Fallbeispiele grundlegende Forschungen präsentieren. Sie versuchen in den dargestellten Projekten, die von Casablanca über Madrid und Changde bis Kigali und Medellín reichen, komplexe räumliche Situationen zu analysieren, so die Veranstalter. Dabei  beziehen sie verschiedene Instrumente und Disziplinen wie die Soziologie oder Ethnologie heran. Ziel der Ausstellung ist es, den Besuchern eine tiefere Vorstellung von den sich wandelnden Konzepten und Strategien der Landschaftsarchitektur in der Gegenwart zu vermitteln und zugleich ihre wachsende Bedeutung für die Zukunft darzustellen. Weitere Informationen über „draußen“ in München finden Sie hier.

Bäume statt Beton und Glas

Vision: Begrünte Hochhäuser holen den Wald in die Stadt. (Filmstill: Stefano Boeri) Eine Stadt aus grünen Wolkenkratzern: Das ist die Vision von Stefano Boeri. Der Mailänder Architekt zeigt in einem Video, wie das aussehen könnte. Die begrünten Hochhäuser schaffen einen vertikalen Wald – und grüne Ausblicke mitten in der Stadt. Den Stadtwald entwarf Boeri als Vorschlag für eine neue Modellstadt in China, die hochverdichtetes und gesundes Wohnen in Einklang bringen und in dem Land als Vorbild für die grüne Stadtentwicklung der Zukunft dienen soll. In Mailand hat der Architekt seine Vision bereits bei zwei begrünten Hochhäusern verwirklicht. Derzeit ist sein Büro mit der Entwicklung eines ähnlichen Projekts in Nanjing (China) befasst. Wie Stefano Boeri sich seinen vertikalen Stadtwald vorstellt, sehen Sie hier im Film: Einen Bericht mit weiteren Fotos und Informationen über die Arbeit des Büros Stefano Boeri Architetti im Magazin Dezeen finden Sie hier.

Historische Schichten der Stadt

Interaktives Arbeitsformat mit Vorträgen, Gesprächs- und Arbeitsrunden: die Baukulturwerkstatt in Mainz. (Grafik: Bundesstiftung Baukultur) Die Bundesstiftung Baukultur lädt mit einer Baukulturwerkstatt am 10. und 11. Mai 2017 in Mainz dazu ein, über die historisch gewachsene gebaute Umwelt zwischen Bauepochen und Stadtbild zu diskutieren. Zum Auftakt geht es im Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz um den Themenrahmen des Baukulturberichts 2018/19 zum Gebäudebestand und gebauten Erbe. Keynotespeaker der Abendveranstaltung ist Thomas Metz, Generaldirektor der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz. Am 11. Mai steht ein Werkstatttag im Rathaus Mainz auf dem Programm. Das markante und umstrittene Gebäude aus den 1970er-Jahren und sein Ratssaal im Stil einer Arena bieten den idealen Raum für Fachimpulse und Standpunkte, die anschließend im direkten Austausch mit den Referenten an Werkstatttischen besprochen werden, so die Veranstalter. Die Bundesarchitektenkammer ist bei den Baukulturwerkstätten 2017 wieder Kooperationspartner der Bundesstiftung. Ausführliche Information zum Programm der Baukulturwerkstatt in Mainz finden Sie hier. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Perspektivwechsel im Wohnungsbau

Die Qualität des Wohnens steht im Zentrum der Ausstellung „Neue Standards“. (Foto: Simon Schnepp & Morgane Renou) Welche Wohnstandards benötigt eine sich verändernde Gesellschaft? Die aktuelle Wohnungsbaudebatte und die damit verbundene Frage, wie wir in Zukunft wohnen wollen und können, nimmt der Bund Deutscher Architekten BDA zum Anlass für seine neue Ausstellung. „Neue Standards. Zehn Thesen zum Wohnen“, zu sehen bis zum 7. Mai 2017 im Neuen Museum in Nürnberg, hinterfragt eine Stadtentwicklungspolitik, die ursprünglich in einem humanistischen Verständnis auf die miserablen Lebensverhältnisse in den Städten zu Beginn des 20. Jahrhunderts reagierte. Diese Standards sind mittlerweile zu einem ökonomisch optimierten und mechanistischen Regelwerk mutiert, das heute überholte Lebensformen festschreibt, so die Veranstalter. Doch welche neuen Standards wären nach einem gedanklichen „Re-Set“ sinnvoll und wünschenswert? Und über welche Programmatik müssen sie verfügen, damit Wohnen bezahlbar bleibt, damit Menschen an ihrer Stadt teilhaben können und das Wohnen als architektonischer Raum begeistert? In zehn Thesen plädieren Architektinnen und Architekten dafür, die starke Fokussierung auf technische Standards und regulative Vorgaben gegen die Chance auf eine Diskussion um die Qualität des Wohnens einzutauschen. Die von Olaf Bahner vom Bund Deutscher Architekten BDA und Matthias Böttger, Künstlerischer Leiter des Deutschen Architektur Zentrums DAZ, kuratierte Foyer-Ausstellung versteht sich als Plädoyer für einen Perspektivwechsel im Wohnungsbau, der sich von Standardvorgaben löst und einen Diskurs über ein zukunftsweisendes Wohnen eröffnet. Der Eintritt ist frei; weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.

Architektur von Praxisräumen

Praxisräume sollen nicht nur gut funktionieren, sondern auch von Patienten und Mitarbeiternpositiv wahrgenommen werden. Thema einer interdisziplinären Fachtagung in München. (Foto: KB3/Fotolia) Die Bayerische Architektenkammer lädt am 12. Mai 2017 zur Fachtagung „Raum und Gesundheit“ ins Ärztehaus Bayern ein. Zum Thema Neu- und Umbauten von Praxis- und Behandlungsräumen tauschen sich Architekten, Innenarchitekten und Mediziner aus. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen Expertenvorträge und ein daran anschließendes Podiumsgespräch. Effiziente Betriebs- und Raumorganisation, technische und rechtliche Anforderungen wie Akustik, Schallschutz, Haustechnik, Raumklima, Vermeidung von Elektrosmog sind ebenso Themen des Nachmittags wie die zunehmende Digitalisierung und wie neue Technologien die Gestaltung von Klinik- oder Praxisräumen beeinflussen werden. Angesprochen werden zudem Energieeffizienz und Barrierefreiheit aber auch, wie Farben den Genesungsprozess positiv unterstützen, Licht und Beleuchtung am Arbeitsplatz optimal funktionieren und welche Oberflächen sowohl hygienischen als auch atmosphärischen Anforderungen gerecht werden. Informationen wie ein Neu- oder Umbau gefördert werden kann, runden das Informationsangebot ab. Abends besteht Gelegenheit zum persönlichen Austausch mit den Referenten. Die interdisziplinäre Fachtagung wurde von der Bayerischen Architektenkammer und der Bayerischen Landesärztekammer in Kooperation mit dem Bund Deutscher Innenarchitekten BDIA Bayern, dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sowie dem Ärztlichen Kreis- und Bezirksverband München konzipiert. Wer beabsichtigt, seine Praxis, seine Klinik oder das Medizinische Versorgungszentrum um oder neu zu planen oder vorhat, Betriebs- und Arbeitsprozesse umzuorganisieren, kann sich bei der Veranstaltung aus erster Hand informieren, wie das Projekt konzeptionell und organisatorisch vorbereitet werden kann und mit welchen baulichen Auswirkungen auf den Betrieb zu rechnen ist. Der Eintritt ist frei, eine vorherige Anmeldung jedoch erforderlich. Der Besuch der Veranstaltung wird von der Bayerischen Landesärztekammer mit zwei Fortbildungspunkten bewertet. Weitere Informationen finden Sie hier.

Berichte aus der BIM-Praxis

Der Verein buildingSMART lädt zum BIM-Anwendertag ins Kurfürstliche Schloss Mainz. (Foto: Landeshauptstadt Mainz) Der Verein buildingSMART lädt am 9. Mai 2017 zum 15. BIM-Anwendertag ins Kurfürstliche Schloss nach Mainz ein. Unter dem Titel „Planen, Bauen und Betreiben: Berichte aus der BIM-Praxis” stehen den Tagungsteilnehmern fast 40 Vorträge zur Auswahl, die viele Fachdisziplinen sowie alle Phasen im Lebenszyklus von Bauwerken abdecken. Die Referenten, vor allem buildingSMART-Mitglieder, tragen ihre praxisnahen Erfahrungsberichte in vier parallel ablaufenden Sektionen vor, die nach dem Eröffnungsvortrag „BIM – Ja – Wie?“ von Michael Beckert (Architekturbüro Snøhetta) starten. Bereits am 8. Mai 2017 treffen sich Vereinsmitglieder und geladene Gäste zu Arbeitsgruppentreffen, Austausch mit Verbänden und Abendempfang. Die Anerkennung als Fortbildungsveranstaltung ist bei den Architekten- und Ingenieurkammern in Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg beantragt. Ausführliche Informationen zum Programmablauf und zur Anmeldung sowie ein Hotelkontingent finden Sie hier.

Stadtluft vs. Landlust

Wolfgang Bachmann. (Foto: Myrzik Jarisch) Romane sollen uns unterhalten, doch dann stolpert man über einen Satz und ist eine Woche lang damit beschäftigt, die Tragweite des Dichterischen in der Fachliteratur zu finden. Text: Wolfgang Bachmann In Juli Zehs neuem Roman „Unterleuten“, der kenntnisreich die Berliner Aussteiger in der brandenburgischen Provinz verfolgt, finden wir den Seufzer: „Als ob das Leben in der Stadt die Leute besser machte. Als ob eine Stadt mehr wäre als eine Ansammlung von haushoch gestapelten Heimatlosen.“ Die Autorin mag das Dorf, dort lebt sie und sagt in einem Interview über die statistisch festzustellende Landflucht: „Die Bewegung in die Städte ist mehr aus der Not heraus geboren als aus urbaner Euphorie.“ Indes wird in aktuellen Hochschuldebatten für „die schöne Stadt“ plädiert. Als könne man die Verweigerer durch eine Architektur wie aus dem Anker-Steinbaukasten zurückholen in einen bürgerlichen Wohn- und Handelsort mit Kirche, Marktplatz und lauter biederen Häusern. Dagegen möchte Peter Zlonicky die „europäische Stadt“ nicht als ästhetisches Leitbild aufhängen, er betrachtet den Zugewinn durch Immigranten und andere Kulturen als Stärke, die sie als „ein sich ständig veränderndes Amalgam“ durch Transformation gewinnt. Von hier ist es nicht weit zu Koolhaas’ „generischer Stadt“, die Begriffe wie Ort, Straße und Identität hinter sich lässt und „einfach so“ entsteht. Alex Gutzmer, der seine Architekturferne regelmäßig durch Mutmaßungen über die Stadt kompensiert, möchte in so einem gebauten Zweckverband „die Vielschichtigkeit des Urbanen“ erkennen. Aber woran lässt sich das ablesen? An der Anzahl der Coffee-Shops in der Fußgängerzone? Urban bezeichnet lediglich die positiven Qualitäten einer städtischen Lebensweise mit einer öffentlichen und einer privaten Sphäre, die sich in der Architektur abbilden. Nach Andreas Feldtkeller liegt die Utopie darin, dass sie „für alle Individuen und Gruppen“ gelten soll. Sie teilen sich den öffentlichen Raum „von der Last der Herkunft befreit“, so Florian Rötzer. Historisch als „durchgesetzte Demokratie und als reale Chance sozialer Integration“ betrachtet, gibt Walter Siebel Entwarnung: Urbanität hat sich längst von der europäischen Stadt abgelöst. Der Begriff wird inflationär verwendet, um die stimulierenden Facetten des Städtischen ohne weitere Erläuterung zu beschreiben. Wie kamen wir jetzt zu dieser Blütenlese? Auf dem Dorf ist eben alles einfacher, sagt Juli Zeh. Jeder versteht die Probleme, man trifft den Bürgermeister am Gartenzaun. Auch Hierarchien sind abgeschafft: „Eine Frau kann ruck, zuck zur Wortführerin werden, wenn sie die größte Klappe hat.“

Vorbildliche Innendämmung

Innendämmung ist bauphysikalisch anspruchsvoll. Ein Kongress in Dresden stellt neue Lösungen vor. (Foto: hanohiki/Fotolia) Der Einsatz von Innendämmsystemen in vorbildlich realisierten Sanierungsprojekten steht im Mittelpunkt eines von der Bernhard Remmers Akademie und dem Institut für Bauklimatik der TU Dresden veranstalteten Kongresses in der sächsischen Landeshauptstadt (19. bis 20. Mai 2017). In 17 Vorträgen werden darüber hinaus Demonstrationsprojekte und Feldversuche aus der Forschung vorgestellt. Informationen zum Stand der Normung, zu Fördermöglichkeiten und Wirtschaftlichkeit geben nützliche Hinweise für eine sorgfältige Planung von Innendämmmaßnahmen. Vier Workshops ergänzen das Fachprogramm und ermöglichen einen Einblick in Simulationstools (Delphin, Therakles, BIM HVAC) und die Forschungstätigkeit im bauphysikalischen Labor des Institutes für Bauklimatik. Die begleitende Industrieausstellung vermittelt einen Überblick der auf dem Markt erhältlichen Dämmsysteme und bietet eine Plattform für den intensiven Informationsaustausch. Ausführliche Informationen zum Programm der vierten Ausgabe des Innendämmkongresses sowie die Möglichkeit zur Online-Anmeldung finden Sie hier.

Chinas Architektur-Avantgarde

Die traditionellen, Hutong genannten engen Wohnviertel Pekings erfordern kleine Baulösungen. ZAO/standardarchitecture fand auf 30 Quadratmetern genug Platz für ein hübsches Hostel. (Foto: Su Shengliang) Der Bielefelder Kunstverein zeigt Projekte des chinesischen Büros ZAO/standardarchitecture (bis 17. April 2017). Dessen Arbeit steht nicht für bombastische Großprojekte mit spiegelnden Glasfassaden, sondern für einen sozialen Anspruch, für ein Interesse an der Landschaft und an lokalen Bautraditionen und -materialien. ZAO/standardarchitecture wurde im Jahr 2001 von Zhang Ke gegründet, einem der innovativsten Protagonisten in der neuen Generation chinesischer Architekten. Zum Portfolio des Büros gehören das Novartis-Campus-Gebäude in Shanghai (2016), originelle Projekte wie ein Mikro-Hostel in Pekings engen und alten, Hutong genannten Vierteln (2016) sowie touristische Gebäude in Tibet, darunter das Yarlung Tsangpo River Hostel (2015). Die Arbeiten bilden einen Kontrapunkt zum asiatischen Hochgeschwindigkeitsurbanismus. Das sichtbare Interesse an der umgebenden Landschaft drückt sich auch in der Verwendung ortsüblicher Materialien und im sozialen Anspruch der räumlichen Interventionen aus. Im Vorjahr beteiligte sich das Architekturbüro an der Architekturbiennale Venedig und wurde mit dem Aga-Khan-Preis für Architektur ausgezeichnet. Die Ausstellung im Rahmen der alle zwei Jahre in Bielefeld stattfindenden Reihe „Baukunst“ wird in Kooperation mit dem Bund Deutscher Architekten (BDA) präsentiert. Im Ausstellungszeitraum werden sonntags um 17 Uhr kostenlose Führungen angeboten. Weitere Informationen und Fotos von Projekten finden Sie hier.

Dem Stau davonradeln

Elf Auffahrten führen auf den Bicycle Skyway in Xianmen, der dann die Kurven kriegt und weiter unter der Fahrebene für Busse verläuft. (Filmstill: Dissing + Weitling) Das dänische Büro Dissing + Weitling hat in Xiamen einen spektakulären Radweg realisiert. In fünf Metern Höhe führt der 7,6 Kilometer lange Bicycle Skyway durch die City. Der Radweg verläuft unter Xiamens ebenfalls erhobener Schnellroute für Busse. Zwei gute Wege, dem Stau zu entkommen. Der nach Auskunft der Dänen längste erhobene Radweg der Welt verbindet in der chinesischen Küstenstadt an elf Ein- und Ausfahrten Bahnhöfe, Malls und öffentliche Gebäude. Auf der symbolisch grünen Fahrbahn können in beiden Richtungen bequem zwei Radler nebeneinander rollen: Der Radweg ist 4,8 Meter breit. Xiamens neuer Bicycle Skyway verläuft unter der Fahrebene für die Schnellbuslinien der 3,5-Millionen-Metropole im Südosten Chinas. Zusammen mit der Stadt haben Dissing + Weitling eine großartige und in China einmalige Lösung für Radfahrer gefunden, über den von Autos verstopften Straßen schnell in die zentralen Bezirke zu gelangen. Mehre Verleihstationen für Fahrräder entlang der Strecke sollen die Bewohner inspirieren, das Auto stehen zu lassen und dem Stau in schlechter Luft nachhaltig davon zu strampeln. In ihrer Heimatstadt Kopenhagen hat Dissing + Weitling das ausgezeichnete Radweg-Projekte „The Bicycle Snake“ realisiert, darüber hinaus nachhaltige Verkehrsprojekte in aller Welt. Einen Film, Fotos und ausführliche Informationen über Xiamens himmlischen Pfad für Drahtesel finden Sie hier.  

Neue Heimat

Deutschland, Einwanderungsland: Eine Ausstellung in Frankfurt stellt sich Fragen, die seit 2015 durch die Öffnung der Grenzen für rund eine Million Flüchtlinge entstanden sind. (Foto: Jakob Huber) Von Venedig nach Frankfurt: „Making Heimat – Germany, Arrival Country“ wurde 2016 vom Deutschen Architekturmuseum (DAM) im Deutschen Pavillon auf der Architekturbiennale realisiert. Nun präsentiert das DAM die Ausstellung mit erweiterten Themenfeldern und dem Fokus auf die Arrival City Offenbach bis zum 10. September 2017 in Frankfurt. „Making Heimat“ reagiert darauf, dass in den Jahren 2015 und 2016 mehr als eine Million Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind. Doch wie kann Heimat „gemacht“ werden? Und von wem? In Zusammenarbeit mit Doug Saunders, Autor von „Die neue Völkerwanderung – Arrival City“, entwickelten die Kuratoren Thesen zu den architektonischen und städtebaulichen Bedingungen, die in den Arrival Cities gegeben sein müssen, damit sich Einwanderer in Deutschland erfolgreich integrieren können. Der Arrival City Offenbach, unmittelbare Nachbarstadt von Frankfurt, wird in der Ausstellung große Bedeutung beigemessen. 58 Prozent der dortigen Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund. Die Flüchtlingsbauten, die seit März 2016 in der Online-Datenbank www.makingheimat.de gesammelt werden, erhalten im DAM ein eigenes Ausstellungsgeschoss. Dort wird eine Auswahl von Projekten anhand von Gesprächen, Berichten und Fotografien näher beleuchtet. Die aktuelle Flüchtlingssituation und die Anforderungen an Ankunftsstadtviertel berühren sich an einem entscheidenden Punkt, so die Ausstellungsmacher: Es gibt in Deutschland eine Wohnungskrise. Bezahlbarer Wohnraum muss für alle entstehen. Daher werden ebenfalls ausgewählte aktuelle Wohnungsbauprojekte präsentiert. Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet. Am 29. März etwa wird ein Symposium zum Thema Flüchtlingsbauten veranstaltet, bei dem Architekten und Soziologen der Frage nachgehen, was man aus den Flüchtlingsbauten lernen kann, um bezahlbaren Wohnraum für alle zu schaffen? Ausführliche Informationen über das Symposium, weitere Punkte im Rahmenprogramm und über die Ausstellung im DAM finden Sie hier.

Vertikales Grün

Das Fraunhofer Institut in Oberhausen hat einen speziellen Werkstein für die vertikale Begrünung entwickelt. (Foto: Fraunhofer UMSICHT) Luftqualität, Mikroklima, Schallschutz: Es gibt gute Gründe für die wachsende Beliebtheit vertikaler Begrünung. Das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) in Oberhausen hat dafür einen speziellen Werkstein entwickelt. Das System für die bodenungebundene Begrünung funktioniert auf der Basis von mineralischen Bauelementen aus Kalksandstein, die zu großflächigen Elementen verbaut und mit verschiedenen Pflanzenarten begrünt werden können. Durch den Einsatz einzelner Bauelemente ist das Modulsystem skalierbar: es lassen sich beliebig große Flächen erstellen. Bislang sind Pilotsysteme in Castrop-Rauxel, im spanischen Orihuela Costa und in Oberhausen zu Forschungszwecken installiert. Ein Industriepartner plane, die Bauelemente bis Mitte 2017 zur Marktreife zu bringen, so die Forscher – zunächst mit dem Fokus auf Privatanwender, die das System als gestalterisches Element im Gartenbereich einsetzen können. Der Nutzen vertikal begrünter Gebäudefassaden geht jedoch über den Privatgebrauch hinaus. In Städten können sie helfen, die Feinstaubbelastung zu reduzieren und das Mikroklima positiv zu beeinflussen. Langfristig gesehen könnten damit beispielsweise auch Lärmschutzwände an Autobahnen realisiert werden, so die Experten von Fraunhofer UMSICHT. Sie kündigen an, dass größere Projekte mit dem System zur vertikalen Begrünung, die vor allem städteplanerischen Charakter haben, künftig weiter ausgearbeitet werden und hoffen auf Kooperationsprojekte mit Kommunen. Einen Informationsfilm, in dem erklärt wird, wie das neue Begrünungssystem funktioniert, finden Sie hier.

Brutales Spiel

Abenteuerlich: Der Brutalismus sah in seinen Betonwelten auch Spielplätze vor. (Foto: Tristan Fewings/RIBA) Der Brutalismus wird wiederentdeckt und kontrovers diskutiert. Die Ausstellung „The Brutalist Playground“ im Vitra Design Museum (bis 30. April 2017) macht die ursprünglichen Konzepte der betonierten Architektur anhand von Spielplätzen erlebbar. Das Architekturkollektiv Assemble, Gewinner des Turner Prize 2015, und der Künstler Simon Terrill nutzten Archivmaterial des Royal Institute of British Architects (RIBA), um heute zerstörte brutalistische Spielplätze nachzubilden. Im Großbritannien der 1950er-Jahre begründet, nahm die eigenwillige Strömung in den Folgejahren ihren Lauf, um kompromisslos kantige Großsiedlungen in internationalen Städten zu zeitigen. Warum nur vermögen heutzutage wieder Menschen wohnlichen Reiz und architektonische Schönheit in den lebensfeindlich wirkenden Gebäudeformationen zu erkennen? Vielleicht trägt persönliches Ausprobieren zum Verständnis bei, denn die kopierten Betonwelten sind Installationen und begehbare Skulpturen zugleich – nicht nur für Kinder. Auch Erwachsene sind dazu eingeladen, in die surrealen Spiellandschaften der Nachkriegszeit einzutauchen und eine neue, unverfälschte Sicht auf die brutalistische Architektur zu gewinnen, so die Ausstellungsmacher. Weitere Informationen über „The Brutalist Playground“ im Vitra Design Museum finden Sie hier.

Zeugenschutzprogramm

Wolfgang Bachmann. (Foto: Myrzik Jarisch) Darf man die monumentale Architektur der Nazis unter denkmalpflegerischen oder ästhetischen Gesichtspunkten behandeln? Um das Münchner „Haus der Kunst“ ist diese Diskussion erneut entbrannt. Text: Wolfgang Bachmann Nun hat Ende Januar die Gretchenfrage, wie wir es mit David Chipperfields Plänen für das Münchner „Haus der Kunst“ halten, sogar die politische Kommentarseite in der „Süddeutschen Zeitung“ erreicht. Nachdem die Redaktion Studenten zu einem architektonischen Exorzismus aufgefordert und zahlreiche Vorschläge erhalten hatte, wie man das monumentale Gebäude anfressen könnte, ergriff Okwui Enwezor, der Direktor des Hauses, Partei für seinen Architekten. Daraufhin suchte die Journalistin Sonja Zekri die Balance, da das Thema nicht nur München betreffe, sondern „alle Länder, in denen noch Unrechtsarchitektur steht“. Aber was ist „Unrechtsarchitektur“? Hat sie sich vollgesogen mit der verbrecherischen Politik ihrer Auftraggeber? Oder zeigt das Haus der Kunst nur die bevorzugte Bauweise einer Zeit, in der das Unrecht Gesetz war? Unrechtsarchitektur gab und gibt es zu jeder Zeit. Dazu zählen nicht nur Schwarzbauten, sondern auch Gebäude, die das Zusammenleben stören, weil sie durch ihre beherrschende Monofunktion Einzelhandel oder Bewohner vertreiben. Also eigentlich ein praktikabler Begriff in unserer Nomenklatur: Unrechtsarchitektur. Für die NS-Architektur wäre er zu harmlos. Ein paar Zeilen weiter mildert die Autorin auch ihr Urteil und schreibt von „schuldlosen Steinen“. Sie versteigt sich dabei nicht zu einer konkreten Empfehlung, sondern nennt den Maßstab für Chipperfields Eingriff: Hitlers Absicht mit dem Bau nicht zu vollenden. Da kann so ein verspieltes Herumgefummel auf keinen Fall eine Lösung sein. Es erinnert an die Einfalt, mit Farbschlieren ein Kernkraftwerk zu verhundertwassern. Zustimmen kann man der Leserzuschrift des Architekten Klaus Block aus Berlin. Er plädiert dafür, an das von Millionen Deutschen gelebte, unsagbar grauenhafte Gedankengut mit den Bauten der NS-Zeit zu erinnern. „Deren ständige unverhohlene Präsenz im öffentlichen Raum muss man leider als aufgeklärter deutscher Bürger dauerhaft aushalten können und es somit als stete Aufforderung nehmen, darüber aufzuklären und das Bewusstsein über die allgegenwärtige Anfälligkeit für niedrige Beweggründe der Menschen zu schärfen.“ Heute, wo nationalistisches Gedankengut wieder tragbar wird, sind solche Kainsmale laute Hinweise, unseren eigenen Höllensturz zu erzählen.

Inklusiv gestalten

Best-Practice-Beispiel für barrierefreie Architektur und Ort der Tagung „Inklusiv gestalten“: Das Konferenz- und Beratungszentrum „Der kleine Prinz“ in Duisburg. (Foto: Andreas Probst) Barrierefreies Bauen erfordert viel Fachwissen und Augenmaß. Die Regionalkonferenz „Inklusiv gestalten“ am 16. März 2017 in Duisburg präsentiert Ideen und gute Beispiele aus Architektur und Stadtplanung. Mitveranstalter dieser Regionalkonferenz für den Westen Deutschlands, zu der die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinder­ungen Verena Bentele einlädt, sind die Bundesarchitektenkammer und die Architektenkammer Nordrhein-Westfalens. Auf dem von Katrin Müller-Hohenstein (ZDF) moderierten Tagungsprogramm stehen Impulsvorträge, Best-Practice-Beispiele aus der Region und eine Podiumsdiskussion, die neue interdisziplinäre und intelligente Planungsansätze aufzeigen sollen. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung bis zum 10. März 2017 – per Fax (0211/49 67 99) oder per E-Mail unter teilnahme@aknw.de – ist erforderlich. Die Veranstaltung ist als Fortbildung für Mitglieder aller Fachrichtungen der Architektenkammer Nordrhein­-Westfalens mit drei Unterrichtsstunden anerkannt. Mitglieder anderer Länderarchitektenkammern erhalten unter der Rufnummer 0211/49 67 18 Informationen über die Anerkennungsmöglichkeiten. Eine weitere Regionalkonferenz zum Thema wird am 21. April 2017 in Schwerin veranstaltet. Ausführliche Informationen zum Programmablauf der Tagung in Duisburg finden Sie hier.

Hadid virtuell

Virtual Reality: Animierte Filme der Serpentine Gallery greifen das frühe zeichnerische Werk der 2016 verstorbenen Architektin auf. (Still: Zaha Hadid) Die Londoner Serpentine Sackler Gallery thematisiert eine weniger bekannte Seite der im März 2016 verstorbenen Star-Architektin und Designerin Zaha Hadid. Im Fokus der jüngst beendeten Ausstellung „Zaha Hadid: Early Paintings and Drawings“ standen Bilder, kalligrafische Zeichnungen und Skizzen der Pritzker-Preisträgerin aus den 1970er- bis in die 1990er-Jahre – aus der Zeit, bevor sie ihr erstes Bauwerk verwirklichte. Gemeinsam mit den Kuratoren inszenierten Zaha Hadid Architects und Google Arts and Culture die frühen Werke der Architektin in Form von „Virtual-Reality-Erlebnissen“, so die Ausstellungmacher. Die kurzen Filme überdauern das Ende der Ausstellung im Internet – und sind das Anschauen auch ohne Datenbrille wert. Dieser heißt „The Peak“: „The Great Utopia“ „The World (89 Degrees)“ „Leicester Square“ Ein Beitrag im dezeen-magazine beschäftigt sich vertiefend mit den VR-Animtationen.

Begreifbare Baukunst

Eine handfeste Ausstellung in Leipzig ist der Bedeutung der Türgriffe in der Architektur gewidmet. (Foto: FSB) Der Gestalter Otl Aicher (1922-1991) brachte mit seinen „Vier Geboten des Greifens“ die Anforderungen an einen guten Türdrücker auf den Punkt: Daumenbremse, Zeigefinger­kuhle, Ballenstütze und Greifvolumen sollte eine Klinke aufweisen. Der Bedeutung von Türgriffen in der Architektur ist eine Ausstellung im Leipziger Grassimuseum (bis 14. Mai 2017) gewidmet. „Begreifbare Baukunst“, so der Titel, ist in einen histori­schen und einen modernen Teil gegliedert und präsentiert insgesamt 30 Stelen mit Türgriffen. Die Entstehungszeit der ausgestellten und berührbaren Türgriffe und Türdrücker reicht vom Anfang des 19. Jahrhunderts (Karl Friedrich Schinkel) über Gestalter wie Otto Wagner, Peter Behrens oder Ludwig Wittgenstein hin zu Neuerungen der Bauhauszeit (Walter Gropius) und schließlich bis zu zeitgenössischen Entwürfen (Jasper Morrison, Gesine Weinmiller, Werner Aisslinger, Schulz und Schulz, gmp Architekten). Die Kuratoren spüren der Frage nach, welche Drückerform und welches Klinkenmaterial zu bestimmten Gebäudetypen passen und auf welche Weise sich die Gesamtarchitektur in einem Detail wiederfinden lässt. Ausführliche Informastionen zur Ausstellung finden Sie hier.