Vorbildliche Innendämmung

Innendämmung ist bauphysikalisch anspruchsvoll. Ein Kongress in Dresden stellt neue Lösungen vor. (Foto: hanohiki/Fotolia) Der Einsatz von Innendämmsystemen in vorbildlich realisierten Sanierungsprojekten steht im Mittelpunkt eines von der Bernhard Remmers Akademie und dem Institut für Bauklimatik der TU Dresden veranstalteten Kongresses in der sächsischen Landeshauptstadt (19. bis 20. Mai 2017). In 17 Vorträgen werden darüber hinaus Demonstrationsprojekte und Feldversuche aus der Forschung vorgestellt. Informationen zum Stand der Normung, zu Fördermöglichkeiten und Wirtschaftlichkeit geben nützliche Hinweise für eine sorgfältige Planung von Innendämmmaßnahmen. Vier Workshops ergänzen das Fachprogramm und ermöglichen einen Einblick in Simulationstools (Delphin, Therakles, BIM HVAC) und die Forschungstätigkeit im bauphysikalischen Labor des Institutes für Bauklimatik. Die begleitende Industrieausstellung vermittelt einen Überblick der auf dem Markt erhältlichen Dämmsysteme und bietet eine Plattform für den intensiven Informationsaustausch. Ausführliche Informationen zum Programm der vierten Ausgabe des Innendämmkongresses sowie die Möglichkeit zur Online-Anmeldung finden Sie hier.

Chinas Architektur-Avantgarde

Die traditionellen, Hutong genannten engen Wohnviertel Pekings erfordern kleine Baulösungen. ZAO/standardarchitecture fand auf 30 Quadratmetern genug Platz für ein hübsches Hostel. (Foto: Su Shengliang) Der Bielefelder Kunstverein zeigt Projekte des chinesischen Büros ZAO/standardarchitecture (bis 17. April 2017). Dessen Arbeit steht nicht für bombastische Großprojekte mit spiegelnden Glasfassaden, sondern für einen sozialen Anspruch, für ein Interesse an der Landschaft und an lokalen Bautraditionen und -materialien. ZAO/standardarchitecture wurde im Jahr 2001 von Zhang Ke gegründet, einem der innovativsten Protagonisten in der neuen Generation chinesischer Architekten. Zum Portfolio des Büros gehören das Novartis-Campus-Gebäude in Shanghai (2016), originelle Projekte wie ein Mikro-Hostel in Pekings engen und alten, Hutong genannten Vierteln (2016) sowie touristische Gebäude in Tibet, darunter das Yarlung Tsangpo River Hostel (2015). Die Arbeiten bilden einen Kontrapunkt zum asiatischen Hochgeschwindigkeitsurbanismus. Das sichtbare Interesse an der umgebenden Landschaft drückt sich auch in der Verwendung ortsüblicher Materialien und im sozialen Anspruch der räumlichen Interventionen aus. Im Vorjahr beteiligte sich das Architekturbüro an der Architekturbiennale Venedig und wurde mit dem Aga-Khan-Preis für Architektur ausgezeichnet. Die Ausstellung im Rahmen der alle zwei Jahre in Bielefeld stattfindenden Reihe „Baukunst“ wird in Kooperation mit dem Bund Deutscher Architekten (BDA) präsentiert. Im Ausstellungszeitraum werden sonntags um 17 Uhr kostenlose Führungen angeboten. Weitere Informationen und Fotos von Projekten finden Sie hier.

Dem Stau davonradeln

Elf Auffahrten führen auf den Bicycle Skyway in Xianmen, der dann die Kurven kriegt und weiter unter der Fahrebene für Busse verläuft. (Filmstill: Dissing + Weitling) Das dänische Büro Dissing + Weitling hat in Xiamen einen spektakulären Radweg realisiert. In fünf Metern Höhe führt der 7,6 Kilometer lange Bicycle Skyway durch die City. Der Radweg verläuft unter Xiamens ebenfalls erhobener Schnellroute für Busse. Zwei gute Wege, dem Stau zu entkommen. Der nach Auskunft der Dänen längste erhobene Radweg der Welt verbindet in der chinesischen Küstenstadt an elf Ein- und Ausfahrten Bahnhöfe, Malls und öffentliche Gebäude. Auf der symbolisch grünen Fahrbahn können in beiden Richtungen bequem zwei Radler nebeneinander rollen: Der Radweg ist 4,8 Meter breit. Xiamens neuer Bicycle Skyway verläuft unter der Fahrebene für die Schnellbuslinien der 3,5-Millionen-Metropole im Südosten Chinas. Zusammen mit der Stadt haben Dissing + Weitling eine großartige und in China einmalige Lösung für Radfahrer gefunden, über den von Autos verstopften Straßen schnell in die zentralen Bezirke zu gelangen. Mehre Verleihstationen für Fahrräder entlang der Strecke sollen die Bewohner inspirieren, das Auto stehen zu lassen und dem Stau in schlechter Luft nachhaltig davon zu strampeln. In ihrer Heimatstadt Kopenhagen hat Dissing + Weitling das ausgezeichnete Radweg-Projekte „The Bicycle Snake“ realisiert, darüber hinaus nachhaltige Verkehrsprojekte in aller Welt. Einen Film, Fotos und ausführliche Informationen über Xiamens himmlischen Pfad für Drahtesel finden Sie hier.  

Neue Heimat

Deutschland, Einwanderungsland: Eine Ausstellung in Frankfurt stellt sich Fragen, die seit 2015 durch die Öffnung der Grenzen für rund eine Million Flüchtlinge entstanden sind. (Foto: Jakob Huber) Von Venedig nach Frankfurt: „Making Heimat – Germany, Arrival Country“ wurde 2016 vom Deutschen Architekturmuseum (DAM) im Deutschen Pavillon auf der Architekturbiennale realisiert. Nun präsentiert das DAM die Ausstellung mit erweiterten Themenfeldern und dem Fokus auf die Arrival City Offenbach bis zum 10. September 2017 in Frankfurt. „Making Heimat“ reagiert darauf, dass in den Jahren 2015 und 2016 mehr als eine Million Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind. Doch wie kann Heimat „gemacht“ werden? Und von wem? In Zusammenarbeit mit Doug Saunders, Autor von „Die neue Völkerwanderung – Arrival City“, entwickelten die Kuratoren Thesen zu den architektonischen und städtebaulichen Bedingungen, die in den Arrival Cities gegeben sein müssen, damit sich Einwanderer in Deutschland erfolgreich integrieren können. Der Arrival City Offenbach, unmittelbare Nachbarstadt von Frankfurt, wird in der Ausstellung große Bedeutung beigemessen. 58 Prozent der dortigen Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund. Die Flüchtlingsbauten, die seit März 2016 in der Online-Datenbank www.makingheimat.de gesammelt werden, erhalten im DAM ein eigenes Ausstellungsgeschoss. Dort wird eine Auswahl von Projekten anhand von Gesprächen, Berichten und Fotografien näher beleuchtet. Die aktuelle Flüchtlingssituation und die Anforderungen an Ankunftsstadtviertel berühren sich an einem entscheidenden Punkt, so die Ausstellungsmacher: Es gibt in Deutschland eine Wohnungskrise. Bezahlbarer Wohnraum muss für alle entstehen. Daher werden ebenfalls ausgewählte aktuelle Wohnungsbauprojekte präsentiert. Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet. Am 29. März etwa wird ein Symposium zum Thema Flüchtlingsbauten veranstaltet, bei dem Architekten und Soziologen der Frage nachgehen, was man aus den Flüchtlingsbauten lernen kann, um bezahlbaren Wohnraum für alle zu schaffen? Ausführliche Informationen über das Symposium, weitere Punkte im Rahmenprogramm und über die Ausstellung im DAM finden Sie hier.

Vertikales Grün

Das Fraunhofer Institut in Oberhausen hat einen speziellen Werkstein für die vertikale Begrünung entwickelt. (Foto: Fraunhofer UMSICHT) Luftqualität, Mikroklima, Schallschutz: Es gibt gute Gründe für die wachsende Beliebtheit vertikaler Begrünung. Das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) in Oberhausen hat dafür einen speziellen Werkstein entwickelt. Das System für die bodenungebundene Begrünung funktioniert auf der Basis von mineralischen Bauelementen aus Kalksandstein, die zu großflächigen Elementen verbaut und mit verschiedenen Pflanzenarten begrünt werden können. Durch den Einsatz einzelner Bauelemente ist das Modulsystem skalierbar: es lassen sich beliebig große Flächen erstellen. Bislang sind Pilotsysteme in Castrop-Rauxel, im spanischen Orihuela Costa und in Oberhausen zu Forschungszwecken installiert. Ein Industriepartner plane, die Bauelemente bis Mitte 2017 zur Marktreife zu bringen, so die Forscher – zunächst mit dem Fokus auf Privatanwender, die das System als gestalterisches Element im Gartenbereich einsetzen können. Der Nutzen vertikal begrünter Gebäudefassaden geht jedoch über den Privatgebrauch hinaus. In Städten können sie helfen, die Feinstaubbelastung zu reduzieren und das Mikroklima positiv zu beeinflussen. Langfristig gesehen könnten damit beispielsweise auch Lärmschutzwände an Autobahnen realisiert werden, so die Experten von Fraunhofer UMSICHT. Sie kündigen an, dass größere Projekte mit dem System zur vertikalen Begrünung, die vor allem städteplanerischen Charakter haben, künftig weiter ausgearbeitet werden und hoffen auf Kooperationsprojekte mit Kommunen. Einen Informationsfilm, in dem erklärt wird, wie das neue Begrünungssystem funktioniert, finden Sie hier.

Brutales Spiel

Abenteuerlich: Der Brutalismus sah in seinen Betonwelten auch Spielplätze vor. (Foto: Tristan Fewings/RIBA) Der Brutalismus wird wiederentdeckt und kontrovers diskutiert. Die Ausstellung „The Brutalist Playground“ im Vitra Design Museum (bis 30. April 2017) macht die ursprünglichen Konzepte der betonierten Architektur anhand von Spielplätzen erlebbar. Das Architekturkollektiv Assemble, Gewinner des Turner Prize 2015, und der Künstler Simon Terrill nutzten Archivmaterial des Royal Institute of British Architects (RIBA), um heute zerstörte brutalistische Spielplätze nachzubilden. Im Großbritannien der 1950er-Jahre begründet, nahm die eigenwillige Strömung in den Folgejahren ihren Lauf, um kompromisslos kantige Großsiedlungen in internationalen Städten zu zeitigen. Warum nur vermögen heutzutage wieder Menschen wohnlichen Reiz und architektonische Schönheit in den lebensfeindlich wirkenden Gebäudeformationen zu erkennen? Vielleicht trägt persönliches Ausprobieren zum Verständnis bei, denn die kopierten Betonwelten sind Installationen und begehbare Skulpturen zugleich – nicht nur für Kinder. Auch Erwachsene sind dazu eingeladen, in die surrealen Spiellandschaften der Nachkriegszeit einzutauchen und eine neue, unverfälschte Sicht auf die brutalistische Architektur zu gewinnen, so die Ausstellungsmacher. Weitere Informationen über „The Brutalist Playground“ im Vitra Design Museum finden Sie hier.

Zeugenschutzprogramm

Wolfgang Bachmann. (Foto: Myrzik Jarisch) Darf man die monumentale Architektur der Nazis unter denkmalpflegerischen oder ästhetischen Gesichtspunkten behandeln? Um das Münchner „Haus der Kunst“ ist diese Diskussion erneut entbrannt. Text: Wolfgang Bachmann Nun hat Ende Januar die Gretchenfrage, wie wir es mit David Chipperfields Plänen für das Münchner „Haus der Kunst“ halten, sogar die politische Kommentarseite in der „Süddeutschen Zeitung“ erreicht. Nachdem die Redaktion Studenten zu einem architektonischen Exorzismus aufgefordert und zahlreiche Vorschläge erhalten hatte, wie man das monumentale Gebäude anfressen könnte, ergriff Okwui Enwezor, der Direktor des Hauses, Partei für seinen Architekten. Daraufhin suchte die Journalistin Sonja Zekri die Balance, da das Thema nicht nur München betreffe, sondern „alle Länder, in denen noch Unrechtsarchitektur steht“. Aber was ist „Unrechtsarchitektur“? Hat sie sich vollgesogen mit der verbrecherischen Politik ihrer Auftraggeber? Oder zeigt das Haus der Kunst nur die bevorzugte Bauweise einer Zeit, in der das Unrecht Gesetz war? Unrechtsarchitektur gab und gibt es zu jeder Zeit. Dazu zählen nicht nur Schwarzbauten, sondern auch Gebäude, die das Zusammenleben stören, weil sie durch ihre beherrschende Monofunktion Einzelhandel oder Bewohner vertreiben. Also eigentlich ein praktikabler Begriff in unserer Nomenklatur: Unrechtsarchitektur. Für die NS-Architektur wäre er zu harmlos. Ein paar Zeilen weiter mildert die Autorin auch ihr Urteil und schreibt von „schuldlosen Steinen“. Sie versteigt sich dabei nicht zu einer konkreten Empfehlung, sondern nennt den Maßstab für Chipperfields Eingriff: Hitlers Absicht mit dem Bau nicht zu vollenden. Da kann so ein verspieltes Herumgefummel auf keinen Fall eine Lösung sein. Es erinnert an die Einfalt, mit Farbschlieren ein Kernkraftwerk zu verhundertwassern. Zustimmen kann man der Leserzuschrift des Architekten Klaus Block aus Berlin. Er plädiert dafür, an das von Millionen Deutschen gelebte, unsagbar grauenhafte Gedankengut mit den Bauten der NS-Zeit zu erinnern. „Deren ständige unverhohlene Präsenz im öffentlichen Raum muss man leider als aufgeklärter deutscher Bürger dauerhaft aushalten können und es somit als stete Aufforderung nehmen, darüber aufzuklären und das Bewusstsein über die allgegenwärtige Anfälligkeit für niedrige Beweggründe der Menschen zu schärfen.“ Heute, wo nationalistisches Gedankengut wieder tragbar wird, sind solche Kainsmale laute Hinweise, unseren eigenen Höllensturz zu erzählen.

Inklusiv gestalten

Best-Practice-Beispiel für barrierefreie Architektur und Ort der Tagung „Inklusiv gestalten“: Das Konferenz- und Beratungszentrum „Der kleine Prinz“ in Duisburg. (Foto: Andreas Probst) Barrierefreies Bauen erfordert viel Fachwissen und Augenmaß. Die Regionalkonferenz „Inklusiv gestalten“ am 16. März 2017 in Duisburg präsentiert Ideen und gute Beispiele aus Architektur und Stadtplanung. Mitveranstalter dieser Regionalkonferenz für den Westen Deutschlands, zu der die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinder­ungen Verena Bentele einlädt, sind die Bundesarchitektenkammer und die Architektenkammer Nordrhein-Westfalens. Auf dem von Katrin Müller-Hohenstein (ZDF) moderierten Tagungsprogramm stehen Impulsvorträge, Best-Practice-Beispiele aus der Region und eine Podiumsdiskussion, die neue interdisziplinäre und intelligente Planungsansätze aufzeigen sollen. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung bis zum 10. März 2017 – per Fax (0211/49 67 99) oder per E-Mail unter teilnahme@aknw.de – ist erforderlich. Die Veranstaltung ist als Fortbildung für Mitglieder aller Fachrichtungen der Architektenkammer Nordrhein­-Westfalens mit drei Unterrichtsstunden anerkannt. Mitglieder anderer Länderarchitektenkammern erhalten unter der Rufnummer 0211/49 67 18 Informationen über die Anerkennungsmöglichkeiten. Eine weitere Regionalkonferenz zum Thema wird am 21. April 2017 in Schwerin veranstaltet. Ausführliche Informationen zum Programmablauf der Tagung in Duisburg finden Sie hier.

Hadid virtuell

Virtual Reality: Animierte Filme der Serpentine Gallery greifen das frühe zeichnerische Werk der 2016 verstorbenen Architektin auf. (Still: Zaha Hadid) Die Londoner Serpentine Sackler Gallery thematisiert eine weniger bekannte Seite der im März 2016 verstorbenen Star-Architektin und Designerin Zaha Hadid. Im Fokus der jüngst beendeten Ausstellung „Zaha Hadid: Early Paintings and Drawings“ standen Bilder, kalligrafische Zeichnungen und Skizzen der Pritzker-Preisträgerin aus den 1970er- bis in die 1990er-Jahre – aus der Zeit, bevor sie ihr erstes Bauwerk verwirklichte. Gemeinsam mit den Kuratoren inszenierten Zaha Hadid Architects und Google Arts and Culture die frühen Werke der Architektin in Form von „Virtual-Reality-Erlebnissen“, so die Ausstellungmacher. Die kurzen Filme überdauern das Ende der Ausstellung im Internet – und sind das Anschauen auch ohne Datenbrille wert. Dieser heißt „The Peak“: „The Great Utopia“ „The World (89 Degrees)“ „Leicester Square“ Ein Beitrag im dezeen-magazine beschäftigt sich vertiefend mit den VR-Animtationen.

Begreifbare Baukunst

Eine handfeste Ausstellung in Leipzig ist der Bedeutung der Türgriffe in der Architektur gewidmet. (Foto: FSB) Der Gestalter Otl Aicher (1922-1991) brachte mit seinen „Vier Geboten des Greifens“ die Anforderungen an einen guten Türdrücker auf den Punkt: Daumenbremse, Zeigefinger­kuhle, Ballenstütze und Greifvolumen sollte eine Klinke aufweisen. Der Bedeutung von Türgriffen in der Architektur ist eine Ausstellung im Leipziger Grassimuseum (bis 14. Mai 2017) gewidmet. „Begreifbare Baukunst“, so der Titel, ist in einen histori­schen und einen modernen Teil gegliedert und präsentiert insgesamt 30 Stelen mit Türgriffen. Die Entstehungszeit der ausgestellten und berührbaren Türgriffe und Türdrücker reicht vom Anfang des 19. Jahrhunderts (Karl Friedrich Schinkel) über Gestalter wie Otto Wagner, Peter Behrens oder Ludwig Wittgenstein hin zu Neuerungen der Bauhauszeit (Walter Gropius) und schließlich bis zu zeitgenössischen Entwürfen (Jasper Morrison, Gesine Weinmiller, Werner Aisslinger, Schulz und Schulz, gmp Architekten). Die Kuratoren spüren der Frage nach, welche Drückerform und welches Klinkenmaterial zu bestimmten Gebäudetypen passen und auf welche Weise sich die Gesamtarchitektur in einem Detail wiederfinden lässt. Ausführliche Informastionen zur Ausstellung finden Sie hier.

IKEA realisiert Trumps Mauerpläne?

Die Finanzierung der geplanten Mauer an der Grenze zu Mexiko bereitet Präsident Donald Trump noch Kopfzerbrechen. Vielleicht steht die Lösung im IKEA-Katalog? (Foto: Der Postillon) Der Preis ist kein Hindernis für diesen Deal, die „Börder Wåll“ kommt – zumindest wenn es nach der Satire-Seite „Der Postillon“ geht. „IKEA bietet Trump günstige Lösung für Mauer an“, titelt das Blatt – und zeigt einen typischen IKEA-Entwurf samt Inbusschlüssel und abgezählten Schrauben. Die Bauanleitung für die Fertiglösung entlang der Grenze zwischen Mexiko und den USA vergisst auch den Stacheldraht nicht. Wer für die Do-it-yourself-Teilung nach skandinavischem Muster bezahlen muss, vermag auch „Der Postillon“ nicht zu prophezeien – hat dafür aber noch ein schönes Foto von „The Donald“ bei der gewissenhaften Prüfung des Angebots in petto.

Deutscher Architekturpreis ausgelobt

Die Bewerbungsfrist für den von Bundesbauministerium und Bundesarchitektenkammer gemeinsam ausgelobten Wettbewerb endet am 31. März 2017. Mit dem Deutschen Architekturpreis 2017 sollen für die Entwicklung des gegenwärtigen Bauens beispielhafte Bauwerke ausgezeichnet werden. Prämiert werden Gebäude oder städtebauliche Ensemble, die eine besondere Gestaltqualität aufweisen oder von vorbildlichem Umgang bei der Modernisierung historischer Bausubstanz zeugen und positiv zur Gestaltung des öffentlichen Raumes beitragen. Besonderer Wert wird dabei auf das nachhaltige Bauen gelegt. Auslober des Deutschen Architekturpreises sind das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und die Bundesarchitektenkammer (BAK). Der Preis wird alle zwei Jahre durch den Bundesbauminister im Rahmen eines Festakts verliehen. Eine Jury bewertet die eingereichten Arbeiten hinsichtlich ihrer Einbindung in das städtebauliche und landschaftliche Umfeld, hinsichtlich ihrer äußeren und inneren Gestaltung, hinsichtlich ihres energetischen Konzepts sowie hinsichtlich ihres ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Lösungsansatzes. Zugelassen zur Teilnahme am Deutschen Architekturpreis sind Arbeiten auf dem Gebiet der Architektur und des Städtebaus sowie Arbeiten zur Sanierung und Modernisierung historischer Bausubstanz, die in Deutschland fertig gestellt wurden. Der Preis ist mit 60.000 Euro dotiert; die Hälfte der Summe entfällt auf den Hauptpreis, der Rest wird für bis zu fünf Auszeichnungen und Anerkennungen vergeben. Die Bewerbungsfrist endet am 31. März 2017 um 14 Uhr. Den Auslobungstext finden Sie hier.

Über Ordnung

Architektur hat viele Facetten, sie kann völlig unterschiedlich ausfallen. Was sie in jedem Fall leistet, wenn sie etwas taugt: Sie räumt auf. Text: Wolfgang Bachmann Einer meiner alten Arbeitgeber pflegte sein Büro anhand leicht fasslicher Merksätze zu orientieren. Dazu gehörte die Überzeugung: Ein Haus muss so gut gelungen sein, dass es völlig unwichtig ist, wie man die Dachrinne anschraubt. Daran halten sich die meisten Kollegen und lassen auf den Ansichten ihrer gelungenen Wohnhäuser Fallrohre, Blitzableiter, Satellitenantennen, Markisen, Briefkästen und den ganzen später unvermeidlichen Tand aus dem Baumarkt weg. Ich gehöre ja eher zur Uhrmacherfraktion, weniger zu den Städtebauern. Weil ich glaube, dass die Häuser in Neubaugebieten nicht von vornherein unappetitlich sind, sondern durch geschmacklose Balkongeländer, Haustüren, PVC-Fenster, Terrassenüberdachungen, Gabionen und eine heillose Farbwahl hingerichtet werden. So eine Immobilie zu kaufen, ist unmöglich, denn man würde das alles am liebsten entsorgen – zögert aber umweltbewusst, eine völlig intakte, funktionierende Ausstattung einfach auf den Müll zu werfen, nur weil sie einem nicht gefällt. Aber in den Details spielt die Musik! Vor einigen Jahren durfte ich das neu errichtete Haus eines Architektenpaars besichtigen. Es war ein Höhepunkt an präziser Werkplanung, nirgends gab es Fugen oder Toleranzen, alle Flächen trafen sich in scharfen Kanten, um Räume zu bilden. Fenster- und Türöffnungen reichten vom Boden bis zur Decke, die verborgenen Bänder der Flügel rasteten bei 90 Grad ein. Keine Fliese war geschnitten. In der mattweißen Küche blieben alle Utensilien verborgen, nur drei reife Tomaten waren an entscheidender Stelle auf der schwarzen Anrichte platziert. Die Polstermöbel standen wie mit dem Lineal ausgerichtet auf dem Betonestrich, lediglich die unterschiedlichen Buchrücken in den raumhohen Regalen durften eine kreative Unruhe stiften. Dafür hingen im Bad gebügelte dunkelgraue Handtücher in exakt gleicher Länge auf den Edelstahlbügeln. War dieses Haus etwa kalt und tot? Nein, es hatte eine Aura, eine selbstverständliche Genauigkeit, es gab Ruhe und erinnerte seine Bewohner daran, richtig zu leben.

Lebensinhalt Manufactum?

Wolfgang Bachmann. (Foto: Myrzik Jarisch) Gute Architektur, langlebig, nachhaltig, menschenfreundlich, ohne unterhaltsame Extravaganzen – darauf könnten wir uns verständigen. Aber dafür richtig Geld ausgeben? Text: Wolfgang Bachmann Qualität hat ihren Preis, sagt Hans Kollhoff. Deshalb muss das Bauen teurer werden. Der Berliner Architekt denkt dabei keineswegs an sein Honorar oder macht sich zum Anwalt der Bauunternehmer und Investoren. Kollhoff plädiert für handwerkliche Standards, für eine verträgliche Großstadtarchitektur, deren Schöpfer sich nicht als Künstler betrachten, die nie Dagewesenes aus dem Hut zaubern, sondern zweckdienlich das seit Jahrhunderten Erprobte ständig verfeinern. Solide Häuser sind aus zweischaligen Wänden gemauert, darüber lagert ein Ziegeldach mit Kupferrinnen, die dreifach verglasten Holzfenster haben moderate Formate, in der Diele liegen Steinzeugfliesen, die Haustür ist aus massiver Eiche und unter den liebevoll geschreinerten Briefkästen steht eine Sitzbank. Das ist nicht ganz billig, da wäre man schon froh, wenn wenigstens die Großkopfeten ihre Baupläne bei einem passablen Architekten bestellten, der ihre Villen nicht unbedingt mit Blendarkaden und Gurtgesimsen auf anno Tobak rückdatierte. Aber da lesen wir, dass auch die neuen Autos als „umfassendes elektromobiles Ökosystem“ (Mercedes Benz) teuer werden, vor allem die intelligente Selbststeuerung ins Geld geht. 15.000 € muss man allein für die erforderliche Rechnerleistung veranschlagen. Und da wir gerade beim Geld sind: Auch an der Bekleidung zu sparen, ist nicht mehr zeitgemäß, vor allem politisch inakzeptabel. Diese von Kindern irgendwo in Asien für einen Hungerlohn zusammengeklebten Turnschuhe, getackerten Fetzenjeans und giftig gefärbten T-Shirts dürfen wir uns nicht mehr antun. Anziehsachen aus heimischen Naturmaterialien halten lange; ideal, wenn ein Schneider sich der individuellen Körpermaße annehmen darf. Es beginnt bei Rahmenschuhen, aber wem sage ich das. Doch damit sind die erstrebenswerten Investitionen nicht am Ende. Immer wieder müssen wir lesen, dass die Menschen an der Ernährung sparen. Nicht nur die Seuche der Fastfood-Filialen gehört dazu, auch Zuchtlachs, Eier aus Käfighaltung, Fleisch von der Schweinefabrik und Brot aus dem Backautomat, nur damit der Discounterpreis sich noch um ein paar Cent drücken lässt. Für gesundes Essen muss man einfach mehr ausgeben, fürs Trinken erst recht. Die Liste ließe sich fortsetzen. Womit sollen wir anfangen, mit der Architektur?

Achtung Wahl!

Im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 legen die Berufsverbände der planenden Berufe den Politikern aller etablierten Parteien ihre gemeinsam formulierten Wahlprüfsteine vor. Architekten und Ingenieure schaffen mit ihren Planungsleistungen die Grundlage für die auch international anerkannte hohe Qualität deutscher Bauten und Bauwerke. Zur Sicherstellung dieser Planungsqualität und zur Bewältigung der immensen Bau-Aufgaben der nächsten Jahre müssen politische Weichenstellungen erfolgen. Dazu legen die Berufsverbände der planenden Berufe den Politikern aller etablierten Parteien im Vorfeld der Bundestagswahl am 24. September 2017 ihre gemeinsam formulierten Wahlprüfsteine vor und bitten sie um Beantwortung ihrer Fragen. Hier können Sie sich über die gemeinsam formulierten Forderungen und Fragen informieren. Die Antworten werden im Sommer 2017 auf der Seite der Bundesarchitektenkammer in zusammengefasster Form zugänglich gemacht.

Preis für Bauen im Bestand

Die Bayerische Architektenkammer lobt erstmals einen „Preis für Bauen im Bestand“ aus. Bewerber sind aufgerufen, ihre in Bayern realisierten Projekte bis zum 19. Februar 2017 einzureichen. Die Auszeichnung wird in drei Kategorien verliehen, die mit jeweils 10.000 € dotiert sind: Bauten, die vor 1900 errichtet wurden; Bauten aus der Zeit zwischen 1900 und 1945 sowie Gebäude, die zwischen 1945 und 1985 realisiert wurden. Die eingereichten Projekte müssen in den letzten fünf Jahren saniert oder umgebaut worden sein. Die Gebäude können unter Denkmalschutz stehen, müssen es aber nicht. Einzelne Werke oder besonders herausragende Leistungen können zusätzlich mit dem „Staatspreis Bauen im Bestand“ der Bayerischen Staatsregierung ausgezeichnet werden. Bewerbungen sind über das Online-Portal bauen-im-bestand.byak.de bei der Bayerischen Architektenkammer einzureichen. Die Preisverleihung findet am 20. Juni 2017 in München statt. Die Auslobungsunterlagen finden Sie hier.

Die besten Bauten

Die 21 besten Bauten des Jahres in Deutschland sowie drei ausgewählte Projekte deutscher Büros im Ausland zeigt die Ausstellung in Frankfurt. (Foto: Fritz Philipp) Eine Ausstellung zum DAM Preis 2017 im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt (bis 30. April 2017) dokumentiert die 21 besten Bauten des Jahres in Deutschland sowie drei ausgewählte Projekte deutscher Büros im Ausland. Der DAM Preis geht 2017 an Studio Andreas Heller Architects & Designers aus Hamburg für das Europäische Hansemuseum in Lübeck. Die enorme Breite an differenzierten und langfristig wirksamen städtebaulichen Lösungen gab den Ausschlag für die Juryentscheidung. Das Gesamtprojekt besteht nicht nur aus einem neuen Ausstellungsbau, sondern verlangte zugleich eine „Stadtreparatur“ einschließlich der Wiederherstellung verloren gegangener Wegebeziehungen sowie die Sanierung eines Ensembles, das baugeschichtlich vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert reicht, so die Veranstalter. Erstmals wurde die Grundlage der Juryauswahl vom DAM in Zusammenarbeit mit den Architektenkammern der Länder recherchiert. Auf dieser Basis entstand im DAM eine Longlist von 100 Gebäuden, von der 21 Bauten in Deutschland für die Shortlist ausgewählt wurden. Dazu kommen – außer Konkurrenz – drei Bauten deutscher Büros im Ausland. Aus der Gruppe der Bauten auf der Shortlist wählte die Jury schließlich vier Finalisten aus, die vor Ort begutachtet wurden. Auch dies eine Neuerung in der Geschichte des Wettbewerbs. Neben dem Hansemuseum war als zweites Ausstellungsgebäude die von kadawittfeldarchitektur aus Aachen entworfene Grimmwelt in Kassel unter den Finalisten. Auch dies ein mittelgroßes Museun, bei dem auf den Denkmalschutz für die Reste von Vorgängerbauten zu achten war und das brach gefallene Bereiche im Gefüge der Stadt wieder aktivieren sollte. Eine Besonderheit des dritten Finalistengebäudes, der Generalsanierung und Aufstockung eines Wohnhochhauses am Pforzheimer Hauptbahnhof durch Freivogel Mayer Architekten, lässt sich im Rahmen der Ausstellung nicht darstellen: Das Haus blieb fast vollständig bewohnt. In den Bestandswohnungen wurden nur möglichst geringe Eingriffe durchgeführt. Dennoch ist unter energetischen Aspekten ein wegweisendes Gebäude entstanden, das zugleich den Bewohnern mit neu vorgesetzten Loggien einen deutlich gesteigerten Wohnwert bietet, so die Jury. Den eher umgekehrten Weg musste Thomas Kröger aus Berlin gehen. Die von ihm umgebaute Scheune in der Uckermark – der vierte Finalist – war ehedem ein Stall, mit allen Komplikationen, die das für eine Nutzung als Wohngebäude bedeutet. Die Umnutzung ist auchein wichtiger Baustein, um den kleinen Ort Fergitz am Leben zu erhalten. Die weiteren 17 Bauten der Shortlist umfassen ein mannigfaltiges Spektrum an Bauaufgaben und innerhalb dieser sehr unterschiedliche Lösungen. Nicht in der Auswahl für den DAM Preis, aber seit vielen Jahren ein fester Bestandteil dieser Übersicht zur deutschen Gegenwartsarchitektur, sind die Bauten von Architekturbüros aus Deutschland in anderen Ländern: In diesem Jahr werden die Deutsche Schule Madrid, das Centre de Santé et de Promotion Sociale in Laongo, Burkina Faso, und ein Pariser Wohnhaus vorgestellt. Ausführliche Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.

Maßlos

Wolfgang Bachmann. (Foto: Myrzik Jarisch) Das Wohnen am Existenzminimum planen? Viel schöner ist doch Bauen mit unbegrenztem Budget für die ganz Reichen. Text: Wolfgang Bachmann Erst war das Geld alle, dann kam der Bauherr abhanden. Das ist der Generalbass in den Werkberichten gestandener Architekten, die damit belegen, wie ihr kreatives Gewerbe im Lauf der Jahre zu einer aufopferungsvollen Beschäftigung mit sparwütigen, desinteressierten Investoren verkommen sei. Aber es geht auch anders. Es gibt sie noch, die private Bauherrschaft, die sich eine Villa bauen lässt wie der Geldadel im 19. Jahrhundert. Sie geht mit ihren Wohnwünschen zu einem Architekten, vulgo: sie lässt ihn kommen, wenn sie Samstagnacht bei einer Zwischenlandung kurz Zeit hat. Was sie in Auftrag gibt, ist auf jeden Fall groß. 700, 800 Quadratmeter Wohnfläche für zwei Personen sind keine Seltenheit, eine Familie braucht schon 1.200, aber da ist das Au-Pair mitgerechnet. Diese Häuser sind hervorragend gebaut. Wenn man sie zusammen mit dem Architekten besichtigt, verliert man die Orientierung. Sechs Meter Raumhöhe über dem Essplatz, den ein acht Meter langer Tisch beherrscht, ein halbes Dutzend Schlafräume, alle mit einem Bad groß wie ein Klassenzimmer, vor dem Kamin Lederpolster von Kobe-Rindern, in der Garage vier hubraumstarke Limousinen, zwei Plätze sind noch frei. Alles vom Besten und Teuersten, es sind Hersteller, deren Namen man ehrfürchtig ausspricht. Sie lieferten die größten Scheiben, die dicksten Bretter, die schönsten Steine. Was die Handwerker fertigten, hat der Architekt im Maßstab 1:1 gezeichnet. Er hätte nie gedacht, dass er einmal in den Zwischenwänden verschwindende Schiebetüren mit einer Verkleidung aus Tombak-Gewebe detaillieren würde. Er genoss es, sich an seine brachliegenden Talente zu erinnern. Endlich einmal kein Wohnungsbau nach Förderrichtlinien! Hier hatte er alle Freiheiten. Die Marmortreppe wurde zweimal abgerissen, weil sie dem Bauherrn zu unbequem war. Das ist der Maßstab. Natürlich hat man alle Nachhaltigkeitsparameter weit übertroffen. Aber was heißt das schon, wenn man bei der Herstellung die Energie verbraucht, aus der sonst ein ganzer Wohnblock entsteht? Wo stecken die Herrschaften eigentlich, die uns so ungeniert durch ihre Räume streifen lassen? Die wohnen hier nicht, sagt der Architekt, die sind im Jahr nur für ein paar Tage in der Stadt. Dann ist ihnen das eigene Haus lieber als ein Hotel.

Strukturwandel in Los Angeles

In der Dokumentationsfilmreihe „Lost LA“ des kalifornischen Lokalsenders KCET erinnern eindrucksvolle Aufnahmen an eine längst vergangene Zeit in Los Angeles. (Filmstill: KCET) In Downtown Los Angeles wurden bis Mitte des 20. Jahrhunderts zahlreiche Gebäude und Hügel dem Erdboden gleich gemacht. Es entstand ein weitverzweigtes Autobahnnetz und kein Bürger sollte mehr als sechs Kilometer von einer Autobahnauffahrt entfernt leben. Was Los Angeles im Namen des Strukturwandels verloren hat, thematisiert die Dokumentationsfilmreihe „Lost LA“ des kalifornischen Lokalsenders KCET auch mit eindrucksvollen historischen Bewegtbildern. Die zehnminütige Episode „Lost Hills“ startet nach dem Klick, weitere Folgen, etwa über das Kanal- und das Tunnelsystem der Metropole, sind auf der Homepage abrufbar.

Route der Industriekultur in Weimar

Die Wanderausstellung „Industrie – Erbe – Moderne” des Regionalverbands Ruhr macht an der Bauhaus-Universität Weimar Station. (Foto: Marion Steiner) Auf ihrer Reise durch Europa macht die Wanderausstellung der Route der Industriekultur des Regionalverbands Ruhr noch bis zum 9. Februar 2017 Station in Weimar. Die Ausstellung „Industrie – Erbe – Moderne“ hat sich zum Ziel gesetzt, aktuelle wissenschaftliche ebenso wie praktische Fragen der Industriedenkmalpflege zu diskutieren. Damit wollen die Organisatoren vermitteln, dass das gebaute und das immaterielle industrielle Erbe nicht allein für den Blick in die Geschichte von Interesse sind. Sie können ebenso dabei helfen, eine regionale Identität und eine gemeinsame kulturelle Zukunft zu gestalten. Die Ruhrgebietsschau gastiert im Hauptgebäude der Bauhaus-Universität auf Einladung der Hausherren sowie des Bauhaus-Instituts für Geschichte und Theorie der Architektur und Planung und des DFG-Graduiertenkollegs Identität und Erbe der Bauhaus-Universität Weimar und der TU Berlin. Weitere Informationen finden Sie hier.

Fremde Räume in Herford

Internationale Künstler reagieren mit massiven Eingriffen auf die eigenwillige Architektur des von Frank Gehry entworfenen Museums Marta Herford. (Foto: Marta Herford) Frank Gehry lässt sich für seine bewegten, dekonstruktivistischen Gebäude von Künstlern inspirieren. Das von Gehry entworfene Marta Herford, ein Museum für zeitgenössische Kunst mit besonderem Blick auf Architektur und Design, kehrt diese Beziehung um. Für die Ausstellung „Der fremde Raum – Angriffe, Verwandlungen, Explosionen“ (bis 5. Februar 2017) reagieren acht internationale Künstler auf die eigenwillige Architektur des Museums und machen sie neu erfahrbar. Wuchernde Formen bedecken parasitengleich die Wände, Materialberge docken wie Raumschiffe an, Farben erobern explosionsartig die Oberflächen. Der fremd gewordene Raum macht die Energie des Schöpferischen erlebbar und entwickelt eine neue Poesie, so beschreiben die Veranstalter die Ausstellungsidee. Regelmäßig samstags und sonntags werden jeweils zwei kundige Führungen angeboten. Kostenpunkt: nur 2,50 Euro, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Am Sonntag, 5. Februar, übernimmt der Künstlerischen Direktor, Roland Nachtigäller, die Abschiedstour um 15 Uhr selbst. Weitere Informationen über das Museum, die Ausstellung und den Weg nach Herford finden Sie hier.

Paperworld in Frankfurt

Die Paperworld ist mit ihrer Sonderschau zum Thema „Büro der Zukunft“ auch für Architekten interessant. (Foto: Jens Liebchen) In Zukunft werden sich in den Bürokomplexen neue Raumkonzepte ergeben und mit ihnen auch neue Produkte gefragt sein, sind die Veranstalter der Paperworld überzeugt. Die Fachmesse für Papier, Bürobedarf und Schreibwaren in Frankfurt am Main bietet vom 28. bis 31. Januar 2017 Einblicke in das „Büro der Zukunft“. Die neue, so betitelte Sonderschau, die sich speziell an Architekten, Innenarchitekten und Planer richtet, thematisiert die zunehmende Digitalisierung und die vielfältigen Anforderungen an neue Formen der Zusammenarbeit. Die Bürofläche von morgen in Frankfurt ist aufgeteilt in: Die Kommunikationszone für den spontanen Wissenstransfer und das interne Get-together mit Kollegen, die Konzentrationszone als Rückzugsort, die Meetingzone zum Informationsaustausch mit externen Gästen und die Inspirationszone zum Entspannen oder Anregen neuer Ideen. Messebesucher können diese Zonen besichtigen und erfahren überdies, welche Rollen die Faktoren Klima, Akustik, Ergonomie und Verpflegung in dem Zukunftskonzept spielen. Die Schau stellt innovative Produkte vor, etwa interaktive Präsentationstechnik, ergonomische Büromöbel, digitalen Schreibgeräte oder individuell regelbare Beleuchtungslösungen. Die Planung und Gestaltung der Fläche übernimmt die Architektenplattform World-Architects gemeinsam mit dem Architekten André Schmidt (Berlin). Täglich werden Führungen und Vorträge angeboten sowie Best-Practice-Beispiele vorgestellt. Ausführliche Informationen über die Sonderschau und das weitere Messeprogramm finden Sie hier. Mehr Berichte rund um die Büroausstattung finden Sie in unserem DABthema.

Auto-Suggestion

Wolfgang Bachmann. (Foto: Myrzik Jarisch) Nur wenige Architekten haben einmal eine Autokarosserie entworfen. Dass es (deshalb) mit dem KFZ-Design nicht weit her ist, darin sind sie sich einig. Text: Wolfgang Bachmann Architekten haben zu Autos eine besondere Beziehung. Es betrifft den Typ, den Hersteller und die beiden erlaubten Farben, also schwarz oder weiß. Undenkbar, dass einer mit einem türkisfarbenen Hyundai herumfährt. Auch die beiden architekturkritischen Edelfedern bei der Sonntags-FAZ und der SZ teilen diese Neigung und leisten sich hin und wieder eine Abschweifung ins selbstbewegte Leben. Immobilie und Automobile unterscheiden sich ja hauptsächlich durch das Präfix. Diese Verwandtschaft bedeutet aber auch, dass Architekten Kraftfahrzeuge mit dem ganzen Sachverstand ihrer Profession betrachten. Man kann ihr naheliegendes Urteil in einem knappen Satz zusammenfassen: Autos werden immer hässlicher! Wenn man zum Beispiel Gelegenheit hat, mit Carsten Roth in seinem (geleasten) Porsche Panamera durch Hamburg zu kreuzen, bleibt es nicht aus, dass er von seinen beiden alten Lincolns schwärmt: pfeilgerade Karosserien, ohne Schnörkel, mit Proportionen, als hätte jemand die einzelnen Bauteile nach Vitruv ausbalanciert. So was gibt es heute nicht mehr. Klar, wenn das Blech dünner werden muss, um Gewicht zu sparen, heißt das, mit Beulen, Sicken und Wülsten für Steifigkeit zu sorgen. Auch der Luftwiderstandsbeiwert ist so lästig wie beim Bauen die Energieeinsparverordnung. Aber in erster Linie orientieren sich die schwülstigen Details am Publikumsgeschmack – wie in der Möbelbranche mit den überdimensionierten Polsterlandschaften. Vermutlich werden unsere Geschmacksuntiefen längst von Google und Facebook eingesammelt. Und dann erschrickt man bei jeder Modellüberarbeitung über fischblasige Scheinwerfer, Rückleuchten, die an ein Blumenhockermosaik erinnern, staunt über die krummen Kurvenlinien der Seitenscheiben, die Felgen im Ninja-Design und als letzte Untat über Auspuffrohre, die mit schief geschwollenen Chromlippen symmetrisch aus dem Heck starren. Im Grunde passt das ja. Die Antiquiertheit des Fortbewegungsmittels kokettiert noch einmal mit postmodernem Kutschenbarock. Leider haben Dieter Rams und Werner Sobek zusammen nie ein Auto entworfen. Sonst könnte ich vielleicht noch einmal schwach werden.

Willkommen mit Pop-Art

Ein neues Flüchtlingszentrum in Paris empfängt Neuankömmlinge aus Krisengebieten wie in einer schützenden Blase. (Foto: Filmstill) Um die Entstehung wilder Camps zu verhindern, haben die französischen Behörden gegen Ende des vergangenen Jahres in Paris ein „aufblasbares“ Aufnahmezentrum für Migranten eröffnet. Das im nordöstlichen Viertel Porte de la Chapelle gelegene humanitäre Zentrum wurde für 6,5 Millionen Euro nach Entwürfen des Büros studio 6b in Zusammenarbeit mit dem deutschen Leichtbauexperten Hans Walter Müller gebaut. Die Konstruktion, deren Blasenstruktur durch Luftdruck ihre Form erhält, begrüßt die Neuankömmlinge mit Pop-Art-Dekoration. Hunderte Flüchtlinge, vor allem aus Eritrea, Somalia, Sudan und Afghanistan, wurden bereits zur Registrierung durch den runden Willkommenspunkt geführt. Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen wussten der Nachrichtenagentur Reuters zu berichten, dass die Abwicklung dort bislang störungsfrei verlaufe – und das freundliche Design von Müllers Blasen zur Beruhigung der Menschen beitrage. Der 84-jährige Architekt wohnt selbst seit Jahrzehnten in einem „aufblasbaren“ Haus. Das humanitäre Zentrum genießt in Frankreich Modellcharakter. Wie es im Centre humanitaire d’accueil pour migrants in Porte de la Chapelle zugeht, sehen Sie hier im Film. Weitere Informationen finden Sie hier.

In Jahren wie diesen

Wolfgang Bachmann. (Foto: Myrzik Jarisch) Menschen und Häuser altern, sie haben jedoch unterschiedliche Lebenserwartungen, die leider oft gewaltsam enden. Wenn man sie unversehrt sieht, weiß man nicht, was sie noch vor sich haben. Text: Wolfgang Bachmann In Juli Zehs jüngstem Roman „Unterleuten“ erinnert sich einer der Protagonisten, wie er mit einem Makler ein Haus besichtigt hat. Als er sich das erste Mal der Wohnzimmertür näherte, blieb er stehen, um die verschnörkelte, vielleicht hundert Jahre alte Messingtürklinke zu bewundern. „Als die Klinke an der Tür befestigt wurde“, überlegte er in dem Moment, „hatten die Leute, die das bezahlten, noch nichts von zwei bevorstehenden Weltkriegen gewusst. Sie hatten sich gefreut, ein frisch gebautes Haus mit allem Komfort zu beziehen. Der Türklinke hatten sie vermutlich keine besondere Beachtung geschenkt.“ Der Messingdrücker hat seine Besitzer spielend überlebt. Dieses Nebeneinander unterschiedlicher Lebenserwartungen kann man als tragisch bezeichnen. Oft werden die Menschen älter als ihre schlecht gebauten oder von wechselnden Verwertungsinteressen bestimmten Häuser, im Prinzip erreichen solide Gebäude jedoch das höhere Alter. Furchtbar, wenn sie doch durch Kriege zerstört werden. Von feindseligen Menschen, die selbst nicht unsterblich sind. Manche herausragenden Bauwerke wie zum Beispiel das Goethehaus in Frankfurt wurden danach wieder aufgebaut. Darüber entzündete sich der Disput der Denkmalpfleger. Aber das Problem reicht tiefer. Werner Durth erinnerte kürzlich an diese Nachkriegsdebatte und wies darauf hin, dass das berühmte Haus nicht durch einen Blitzschlag oder Bügeleisenbrand vernichtet wurde, sondern durch einen Weltkrieg, den Deutschland begonnen hat. Insofern kann man, wenn ein Bauwerk wie unversehrt aus den Trümmerbergen hervorgeht, das Spurenbeseitigen deuten, als werde damit eine Schuld versteckt. Eine Überlegung, die sich weiterspinnen lässt. Es gibt Gebäude, an deren schmucken Fassaden sind die Baujahre eingemeißelt: 1940, 1942… Sie wurden als heimelige Wohnstätten errichtet, während Hitlers Reichswehr die Häuser in den Nachbarländern in Schutt und Asche legte. Es ist gut, dass man die Baujahre deutlich lesen kann. Was die Menschen damals wohl von ihren komfortablen Behausungen erwartet haben? Auch wir wohnen in einem alten Haus. Wer weiß, was noch vor ihm liegt. Zum Glück hat es keine verschnörkelten Messingklinken.