Wo alle Generationen wohnen

Pläne für ein Haus, in dem Generationen zusammen wohnen: Sredzki 44. (Foto: AI3 Architekten) In Berlin ist ein beispielgebendes Projekt des altersgerechten und inklusiven Bauens und Wohnens entstanden. Ein von der Bundesarchitektenkammer angeregter Architektenwettbewerb, der sich vornehmlich an Innenarchitekten wendete, ermittelte den Siegerentwurf für das Informations- und Ausstellungsprojekt „Sredzki 44 – Wo alle Generationen wohnen“. Raumdeuter, ein Büro dreier Innenarchitekten in Berlin, wurde mit dem ersten Platz ausgezeichnet. Ihre Arbeit schafft „fließende Weite“ durch die Anordnung der Räume in Form eines Rundgangs. Reuter Schoger Architekten (Berlin) und Baustudio Kastl (Rostock) folgern auf den Plätzen. Die Entwürfe finden Sie hier im Überblick. Das mehr als 100 Jahre alte Gebäude im Bezirk Prenzlauer Berg wurde im Zeitraum von 2015 bis 2017 bedarfsgerecht saniert und im vergangenen September eröffnet. Die elf entstandenen Wohnungen berücksichtigen verschiedene Familiengrößen und variieren zwischen rund 59 und 111 Quadratmetern. Altersgerechte und energieeffiziente Komponenten konnten miteinander verbunden und so auch entsprechende Fördermittel der KfW und der Umweltbank genutzt werden. Die Wohnungen im Vorderhaus sind mit einem Aufzug barrierefrei zu erreichen, zudem wurden drei Wohneinheiten behindertengerecht umgebaut. Ergänzt wird das Projekt durch ein Informations- und Ausstellungszentrum im Erdgeschoss, das auch anhand einer kleinen Musterwohnung veranschaulichen soll, wie barrierereduziertes Wohnen unter schwierigen baulichen Bedingungen realisiert werden kann. Besuchern werden Lösungen für ein selbstbestimmtes Leben im Alter vorgeführt. So etwa eine Rauchmeldeanlage, die durch das Aussenden spezieller Signale den Bedürfnissen hörbehinderter Menschen, die einen akustischen Alarm nicht hören würden, Rechnung trägt. Zugleich dient der Ausstellungsbereich als Gemeinschaftsfläche für die Bewohner und zum Austausch mit Vereinen und Initiativen des umliegenden Quartiers. Der ebenfalls modernisierte Innenhof hält neben Spielmöglichkeiten für Kinder eine barrierefreie Mülltonnenanlage bereit, die durch eine abgesenkte Konstruktion von Rollstuhlfahrern besonders gut genutzt werden kann. Der Entwurf für die Anlage stammt von ai3 Architekten und ist in einem Wettbewerb des Berliner Stadtreinigungsunternehmens BSR unter die Finalisten der Kategorie „Next Generation“ gekommen. Das vom Bundesfamilienministerium geförderte Projekt ist mit dem Engagement der Mietergenossenschaft „Selbstbau“ realisiert worden, die als Bauherrin die Bewohner von Anfang an bei der Planung beteiligt hat. So ist ein auf Partizipation und aktiver Teilhabe basierendes Projekt entstanden, ein Bürgerprojekt im besten Sinne. Im Video erklärt Beate Hückelheim-Kaune vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung die wettbewerbliche Vergabe des Informations- und Ausstellungszentrums und warum das Projekt trotz seiner überschaubaren Größe beispielhaft ist. Hendrik Haupt von der Berliner Stadtreinigung BSR stellt den rollstuhlgerechten Müllentsorgungsplatz vor, der auch als Beitrag zur Aufwertung eines Innenhofs dient.

Neue alpine Architektur

Karwendelrohr, Steinert Architekten. (Foto: BR/Steinert Architekten/Hans Fischer) Das Bauen in den Bergen war schon immer eine besondere Herausforderung. Ein unberechenbares, oft raues Klima, unwegsames Gelände und schwierige wirtschaftliche Verhältnisse haben gerade in den Alpen einen ganz eigenen Stil geprägt. Der Anspruch, diese besondere Bautradition in eine moderne, zeitgemäße Formensprache zu übersetzen, hat innovative Beispiele hervorgebracht, die international Beachtung fanden. Die Reihe „Neue Alpine Architektur“ im BR Fernsehen bietet einen Panoramablick auf die regionalen Neuerungen. Die dritte Sendung der vierteiligen Reihe geht am 17. Oktober 2017 um 22.30 Uhr im BR Fernsehen auf Sendung und widmet sich Südtirol. (Die vergangene Folge, die neue alpine Architektur in Österreich nachspürte, finden Sie hier in der BR-Mediathek.) Vor allem in Südtirol hat sich eine junge, dynamische Architektenszene entwickelt: Experimentierfreudig, weltoffen und doch stark verwurzelt in der Heimat und ihren baulichen Traditionen. Architekten wie bergmeisterwolf, MoDus Architects oder Höller & Klotzner bauen innovativ, aber immer im Dialog mit Tradition und Topographie. Ob sich die Gebäude in die Hänge eingraben, die Berge spiegeln, wie etwa die Mirror Houses von Peter Pichler, oder ihre Form nachahmen, wie der Salewa-Firmensitz in Bozen – stets gelingt es den Architekten, ausdrucksstark und doch zurückgenommen zu bauen, so die Autoren. Das gilt auch für die Werke der Südtiroler Altmeister Werner Tscholl und Matteo Thun. Hier finden Sie eine Fotostrecke zu den im Film thematisierten Bauwerken. Der moderne Neubau einiger Bergsteigerhütten hat aber auch für Kontroversen gesorgt. Doch die Vorteile, die nicht zuletzt neue Materialien wie etwa die Dreifachverglasung mit sich bringen, sind nicht von der Hand zu weisen. Energieeffizienz und Autarkie durch hochwertige Dämmung, Solarenergie und Brauchwasserwiederaufbereitung sind Errungenschaften, die auf fast 3.000 Metern noch wichtiger sind als im Tal. Der vierte Teil der Reihe wird am 24. Oktober 2017 um 22.30 Uhr ausgestrahlt. Thema ist dann das moderne Bauen in der Schweiz.

Fotogene Betonmonster

Klotzbauweise: Brutalistische Architektur gefällt nicht jedem, doch kalt lässt sie keinen. (Foto: Wolf Leeb) Die brutalistische Architektur der 1950er bis 1970er Jahre ist in Verruf geraten und vielerorts vom Abriss bedroht. Doch in sozialen Medien kämpfen inzwischen immer mehr Fans um den Erhalt der fotogenen Sichtbetonbauten. Mit der Ausstellung „SOS Brutalismus – Rettet die Betonmonster!“ (9. November 2017 – 2. April 2018) zeigt das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt gemeinsam mit der Wüstenrot Stiftung den expressiven Baustil erstmals im weltweiten Überblick. Zu sehen sind Bauten aus Japan, Brasilien, dem ehemaligen Jugoslawien, Israel und Großbritannien, wo der New Brutalism von Alison und Peter Smithson erfunden wurde. Ungewöhnlich große Modelle und Betongüsse sollen zu einer differenzierteren Bewertung der materialsichtigen Ästhetik führen, hoffen die Veranstalter. Denn der Hang zur nackten Konstruktion gibt Zeugnis von einer Zeit der Experimente und des gesellschaftlichen Aufbruchs. Die Rettungskampagne #SOSBrutalism mit einer Datenbank zu über 1.000 Bauten erweitert die Ausstellung ins Internet. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog: „SOS Brutalismus – Eine internationale Bestandsaufnahme“ Hg.: Oliver Elser, Philip Kurz, Peter Cachola Schmal 668 Seiten, 1200 Abbildungen Preise: 59 Euro im Museumsshop / 68 Euro im Buchhandel Park Books Zürich; ISBN 978-3-03860-074-9

Möglichst viel Schinkel

„So viel Schinkel wie möglich“: Der Titel des Wettbewerbs ist Programm. (Foto: Bauakademie Schinkel) Im Herzen Berlins und am ursprünglichen Standort soll die Bauakademie Karl Friedrich Schinkels wiedererrichtet werden. Das Bundesbauministerium gab unter dem Motto „So viel Schinkel wie möglich“ den Startschuss für einen Programmwettbewerb. Die Auslobung verfolgt das Ziel, Ideen für die künftige Nutzung und ein möglichst flexibles Raumprogramm zu entwickeln. Die Nationale Bauakademie soll mit Bundesmitteln in Höhe von 62 Millionen Euro wiedererrichtet und im Jahr 2023 eröffnet werden. Die Bekanntmachung richtet sich sowohl an Architekten, Ingenieure und Stadtplaner als auch an Ausstellungsgestalter und Veranstaltungsagenturen, die möglichst als Teams zusammenarbeiten sollen. Die Ergebnisse des Wettbewerbs werden im Anschluss in einen offenen Realisierungswettbewerb einfließen. Baubeginn könnte dann ab 2021 sein, so das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR). Über die architektonische Gestaltung und künftige Nutzung wurde in den vergangenen Monaten in drei Dialogforen mit mehreren Hundert Teilnehmern öffentlich diskutiert. Die Ergebnisse der Foren bilden eine Grundlage für den Programmwettbewerb, so die Veranstalter: Die Nationale Bauakademie wolle nicht in Konkurrenz zu bestehenden Architekturinstitutionen treten, sondern verstehe sich als Teil eines Netzwerks von Architekturzentren und -museen in Berlin, in Deutschland und weltweit. Die Auslobungsunterlagen stehen ab dem 16. Oktober 2017 nach vorheriger Registrierung hier zum Download bereit.

Fassadentag in Stuttgart

Lichte Fassade am Veranstaltungsort: Das Forum – Haus der Architekten in Stuttgart. (Foto: Mueller Photografie) Das serielle und modulare Bauen steht im Mittelpunkt des Deutschen Fassadentages in Stuttgart. Wie lassen sich Bauprozesse von vorgefertigten, modularen Wand- und Fassadenkonstruktionen effizienter gestalten? Die 17. Ausgabe der Veranstaltungsreihe lädt am 17. Oktober 2017 ins „Forum – Haus der Architekten“ und zeigt in Expertenvorträgen unterschiedliche Lösungsansätze vonseiten der Politik, Stadtplanung und Wohnungswirtschaft sowie von Architekten und Materialforschern auf. Das Vorprogramm beginnt um 14 Uhr mit einer Erkundung der umfangreichen Sammlung ausgesuchter Materialmuster mit dem Fokus auf serielle Technologien der Materialbibliothek Raumprobe. Ein Shuttlebus bringt die Teilnehmer danach zum Haus der Architekten, wo um 16 Uhr das Vortragsprogramm beginnt. Die Fortbildungsveranstaltung der Architektenkammer Baden-Württemberg ist nach Angabe des veranstaltenden Vereins Baustoffe und Bauteile für vorgehängte hinterlüftete Fassaden (FVHF) mit 2 Unterrichtsstunden anerkannt. Eine Anmeldung ist bis zum 9. Oktober 2017 erforderlich. Weitere Informationen zum Vortragsprogramm und die Möglichkeit zur Registrierung finden Sie hier.

Aus dem Schatten

Elisabeth von Knobelsdorff und Therese Mogger an der Technischen Hochschule München, 1909/10. (Foto: I. Weber-Pfleger) Den Architektenberuf ergriffen Frauen erstmals vor gut hundert Jahren. Von jeher eine Männerdomäne, absolvieren mittlerweile mehr Frauen als Männer ein Architekturstudium. In Führungspositionen sind sie dennoch bis heute eher selten anzutreffen. Eine Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt beleuchtet historische und aktuelle Entwicklungen in der Branche aus weiblicher Perspektive. „Frau Architekt. Seit mehr als 100 Jahren: Frauen im Architektenberuf“ (30. September 2017 bis 8. März 2018) erzählt die Architekturgeschichte exemplarisch in 22 Porträts, Werkbeispielen und ganz persönlichen Geschichten. Die Collage fügt sich zu einem Bild der Selbstbehauptung und zeigt, wie Architektinnen immer mehr aus dem männlichen Schatten treten, um die Baukultur prägend mitzugestalten. Heute erreichen zwar mehr Frauen als früher leitende Positionen als Partnerinnen in Architekturbüros, als Hochschullehrerinnen, als Präsidentinnen von Architektenkammern. Doch die Gründung von Büros, die Besetzung einflussreicher Stellen und Professuren sind noch immer Männersache. Die Ausstellung im DAM geht diesem Phänomen nach. Ein umfangreiches Begleitprogramm mit Symposien, Vorträgen, Streitgesprächen und Studientagen dient als Plattform, um möglichst vielen Architektinnen Gesicht und Stimme zu geben, so die Veranstalter. Parallel zur Ausstellung zeigt das DAM in seiner Reihe „Schätze aus dem Archiv“ eine kleine Auswahl der Pläne und Zeichnungen zu einem nicht realisierten Entwurf für ein Berliner Bürohaus von Zaha Hadid. Weitere Informationen über „Frau Architekt“ und das Begleitprogramm finden Sie hier.

Die Zukunft des Bauens in Paris

Beste Ausblicke: Die Konjunktur der französischen Bauwirtschaft entwickelt sich positiv, da kommt die Leitmesse Mondial du Bâtiment in Paris gerade recht. (Foto: Sunpartner Technologies) Alle zwei Jahre lädt die Mondial du Bâtiment nach Paris. Die französische Leitmesse für die Hochbau- und Architekturbranche (06. bis 10. November 2017) fasst wieder die drei Fachausstellungen Batimat, Interclima+Elec und Idéobain zusammen. Die Batimat ist das größte Event der Bauwirtschaft in Frankreich. Die Kontaktbörse für Architekten und Auftraggeber präsentiert Konferenzen, Workshops, Themenforen und Sonderschauen, etwa zu technischen Innovationen, neuen Materialien, interessanten Start-ups und zum Bauen der Zukunft mit BIM. Das genaue Programm wird in Kürze hier vorgestellt. Interclima+Elec (7. bis 10. November) ist den Themen nachhaltiges Bauen, Energieeffizienz und Smart Home gewidmet. Und die Idéobain ist Frankreichs größte Messe rund ums Bad. Vor dem Hintergrund von Energiewende, der Digitalisierung der Bauwirtschaft und der positiven Konjunktur im französischen Baugewerbe werden rund 2.600 Hersteller und 350.000 Fachbesucher auf dem Messegelände Paris Nord Villepinte erwartet. Weitere Informationen zur Mondial du Bâtiment und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

Lebendiges Archiv

Früher Wachgebäude, bald Heimstatt des „Archiv der Avantgarden“: das historische Blockhaus Dresden. (Foto: Christoph Münch) Der Kunstsammler Egidio Marzona schenkt seine riesige Sammlung avantgardistischer Kunst den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Nun läuft ein Realisierungswettbewerb  zum Umbau des historischen Blockhauses in ein „Archiv der Avantgarden“. Bewerbungsschluss ist der 18. September 2017. Eine Institution soll entstehen, die das visionäre Gedankengut des 20. Jahrhunderts erlebbar macht und sich zugleich für neue wissenschaftliche Fragestellungen im 21. Jahrhundert öffnen wird. So stellt sich der Freistaat Sachsen das lebendige und interdisziplinäre Zentrum in Innenstadtlage laut Wettbewerbsausschreibung vor. Das Archiv wird für das wissenschaftliche Publikum ebenso wie für Interessierte geöffnet, es soll ein transparentes und offenes „Denklabor“ entstehen. Kostenrahmen: 20 Millionen Euro. Das Blockhaus, gelegen am Brückenkopf der Augustusbrücke gegenüber der Altstadt, wurde 1739 nach Plänen von Zacharias Longuelune fertiggestellt. Später aufgestockt, brannte das Wachgebäude im Zweiten Weltkrieg aus. Als Veranstaltungszentrum 1982 wiedereröffnet, musste das Haus 2013 erneut, diesmal aufgrund von Hochwasserschäden, stillgelegt werden. Seine Fassade steht unter Denkmalschutz, im Innenbereich gibt es in dieser Hinsicht keine Auflagen. Der Standort gehört zu den bedeutsamen städtebaulichen Lagen im Dresdner Panorama. Die Sammlung des deutsch-italienischen Galeristen und Verlegers Egidio Marzona umfasst etwa 1,5 Millionen Objekte verschiedener Kunstbewegungen der Avantgarde, wie Futurismus, Arte Povera, Expressionismus, Minimalismus oder Fluxus. Zu seiner umfangreichen Kollektion gehören etwa Werke von Bruce Naumann, Richard Serra und Mario Merz. Der Realisierungswettbewerb ist mit insgesamt 120.000 Euro dotiert, aufgeteilt auf Preise und Anerkennungen. Ausführliche Informationen zur Auslobung finden Sie hier.

Urbane Fremdbestimmung

„Platz der Akademie“ (1988), Öl auf Holz, von Brigitte Fugmann aus dem Kunstarchiv Beeskow. (Bild: Brigitte Fugmann) Das kleine Schloss Biesdorf im Berliner Osten ist zum „Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum“ umgebaut worden. Die aktuelle Ausstellung „Zwischen Räumen“ (bis 8. Oktober 2017) erforscht, wie politische und wirtschaftliche Interessen unser urbanes Leben formen und bestimmen. Inspiriert vom Werk des New Yorker Künstlers Gordon Matta-Clark (1943-1978), der in den 1970er Jahren Häuser zerschnitt oder soziale Räume in städtischen Brachen schuf, beschäftigen sich in der Ausstellung 15 Künstler mit den Bedingungen von Raumbegrenzung und -produktion – sowie ihrer Überwindung. Aus dem Kunstarchiv Beeskow werden sechs Künstler aus der DDR präsentiert, die sich in Bildern, Grafiken und Fotografien mit der Stadtlandschaft Ost-Berlins auseinandersetzten. Die Arbeiten werden Filmen und Fotografien Matta-Clarks gegenübergestellt, die ihrerseits aus einer Zeit des Umbruchs hervorgegangen sind. Wie aktuell viele der Themen noch heute sind, zeige nicht zuletzt der Dialog mit zeitgenössischen Positionen Berliner Künstler zum umkämpften Bezugsraum Stadt, so die Veranstalter. Weitere Informationen zur Ausstellung „Zwischen Räumen“ finden Sie hier. Das ZKR – Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum wurde übrigens im September 2016 in den denkmalgerecht sanierten Räumen von Schloss Biesdorf eröffnet. Die zweistöckige, klassizistische Turmvilla, vor 150 Jahren erbaut, ist später von der Familie Siemens um einen landschaftlichen Park erweitert worden. Dieser mag Besucher dazu inspirieren, die Kunstausstellung mit einer Besichtigung der sehr empfehlenswerten und überdies nahegelegenen Internationalen Gartenausstellung im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf zu verbinden. Alle Informationen zur IGA Berlin finden Sie hier.

Neue Umbaukultur

Das Anneliese Brost Musikforum Ruhr in Bochum. (Foto: Brigida Gonzalez) Das Weiterbauen im Bestand macht bereits einen Großteil der Bauinvestitionen aus. Welche Strategien es dafür gibt und was man dabei lernen kann, wird am 7. und 8. September 2017 im Rahmen der Baukulturwerkstatt „Umbaukultur“ in Bochum diskutiert. Passend zum Thema sind die Veranstaltungsorte gewählt. Am 7. September laden die Veranstalter – Bundesstiftung Baukultur und StadtBauKultur NRW – zum Empfang in die Rotunde ein, dem vormaligen Katholikentagsbahnhof von 1949. Für alle Teilnehmer, die Bochums Umbaukultur entdecken möchten, wird am Nachmittag ein geführter Stadtspaziergang angeboten. Der Werkstatttag am 8. September findet im Anneliese Brost Musikforum Ruhr in Bochum statt. Das 2016 eröffnete Gebäude vereint die ehemalige Marienkirche mit neu entstandenen Konzertsälen für die Bochumer Symphoniker. Mittags führen die für die Planung verantwortlichen Architekten Bez + Kock aus Stuttgart durch das Haus. Zu den Referenten der Baukulturwerkstatt gehören etwa Gunther Adler (Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit), Steven Sloane (Generalmusikdirektor Bochumer Symphoniker), Thomas Kröger (Thomas Kröger Architekten) und Stephan Schütz (gmp Architekten). Konkrete Beispiele zur Umbaukultur stellen Architekten anhand kurzer Impulsvorträge vor. Im Nachgang können alle Teilnehmer zu diesen Projekten an offenen Werkstatttischen diskutieren. Themen sind etwa die Umnutzung von Kirchen, Umbau als identitätsstiftende Maßnahme und der Umgang mit der Architektur der Nachkriegszeit. Die kostenfreie Anmeldung zu der Baukulturwerkstatt „Umbaukultur“ ist hier möglich.

Kampf um die Stadt

Im August wird der Hof des Architekturzentrums Wien zu einem Freiluftkino für Architekturfilme. (Foto: Hertha Hurnaus) Zu den schönen Dingen des Sommers gehört der Gang ins Freiluftkino. Zu einem solchen wird immer mittwochs im August auch der Hof des Architekturzentrums Wien, das dort gerade zum fünften Mal sein Open-Air-Architekturfilmfestival veranstaltet. Unter dem Titel „Kampf um die Stadt“ stehen filmische Plädoyers gegen Architektur als Statussymbol und für eine inklusive Entwicklung der Stadt als Lebenswelt für alle auf dem Programm. Das besteht aus Dokumentarfilmen, Kurz- und Experimentalfilme sowie Animationen, die aus 125 internationalen Einreichungen ausgewählt wurden. Kurzentschlossene können bei freiem Eintritt noch zwei Kinoabende erleben. Am Mittwoch, den 23. August 2017, lautet das Motto „Rast-los“. Ab 20.30 Uhr wird der Film „Rast“ (AT 2016) von Iris Blauensteiner gezeigt, der das Leben von Bewohnern eines Lkw-Rastplatzes und eines Campingplatzes bei Wien dokumentiert. Im Anschluss folgt der italienische Beitrag „Gente dei bagni“ (IT 2015) von Stefania Bona & Francesca Scalisi, der sich mit der letzten öffentlichen Badeanstalt der Stadt Turin und ihren Nutzern beschäftigt. Am 30. August, ebenfalls ab 20.30 Uhr, heißt es „Film ab“ unter der Überschrift „Leerstand in der wachsenden Stadt“: Hintereinander laufen die Filme „Sava Buildering“ (AT 2015) von Ulrich A. Reiterer, „The March of the White Elephants“ (BR/ZA 2015) von Craig Tanner, „Das Ihme-Zentrum – Traum Ruine Zukunft“ (DE 2016) von Constantin Alexander und Hendrik Millauer sowie Memory Reel (RO 2016) von Adela Muntean. Weitere Informationen zum Open-Air-Architekturfilmfestival „Architektur.Film.Sommer“ und zu den einzelnen Beiträgen finden Sie hier.

Architekten persönlich

Drei erfolgreiche Architekten, die nicht über ihre Projekte sprechen dürfen: so lautet das Konzept von „Architects, not Architecture“. (Foto: Irene Osei-Poku) Die Veranstaltungsreihe „Architects, not Architecture“ rückt die Menschen in den Vordergrund, die hinter bekannten Architekturwerken stehen. Drei erfolgreiche Architekten, die nicht über ihre Projekte sprechen dürfen, sondern nur über Persönliches, besondere Begegnungen, ihre Werdegänge und Werte: Das ist das Konzept des Formats, das bereits in Hamburg und Düsseldorf sowie im März erstmals in München auf die Bühne gebracht wurde. Bei der nächsten Ausgabe am 13. September 2017 in München sprechen Hans Nickl (Nickl & Partner), Andrea Gebhard (mahl gebhard konzepte) und Werner Frosch (Henning Larsen) über prägende Erfahrungen und ihren Beruf. Die Architekten halten je eine zwanzigminütige Rede und stellen sich dann einem zehnminütigen Interview. Im Anschluss erörtern die drei Protagonisten in einer Gesprächsrunde Fragen aus dem Publikum. Der Abend klingt mit einem Get-Together aus. Die Teilnahme an der Veranstaltung am 13. September ab 19 Uhr im Carl-Orff-Saal ist kostenlos, eine vorherige Anmeldung jedoch hier erforderlich. Die Veranstalter rechnen mit einem hohen Besucheraufkommen und raten zur rechtzeitigen Registrierung. Weitere Informationen über Filme und Festival finden Sie hier.

Nachhaltig urban

Welche Bedeutung hat das Grün im 21. Jahrhundert in Städten, die immer mehr verdichtet werden? Fragestellung eines Fachkongresses in Heilbronn. (Foto: Bundesgartenschau Heilbronn) Die Bundesgartenschau als Motor der Stadtentwicklung thematisiert ein Kongress in Heilbronn: Wie kann grüne Infrastruktur dazu beitragen, Städte zu strukturieren und ihnen bauliche Qualität zu verleihen? Welche Rolle spielen Mobilität und Nachhaltigkeit? Im Mittelpunkt des Programms unter dem Titel „Urbane Qualitäten“ am 28. September 2017 steht die wachsende Stadt mit dem Willen zur städtebaulichen und architektonischen Qualität ebenso wie der städtische Landschaftsraum, entwickelt durch eine Bundesgartenschau. Gemeinsame Ausrichter des Kongresses sind das Institut Fortbildung Bau der Architektenkammer Baden-Württemberg, die Stadt Heilbronn und die Bundesgartenschau Heilbronn 2019. Anhand von Expertenvorträgen am Vormittag und mehreren parallel laufenden Themenforen am Nachmittag soll rund um die Fragestellung, welche Bedeutung das Grün im 21. Jahrhundert in verdichteten Städten hat, diskutiert werden. Der Kongress „Urbane Qualitäten“ wird von der Architektenkammer mit vier Stunden als Fortbildung für Architekten, Stadtplaner und Architekten sowie Stadtplaner im Praktikum anerkannt. Bereits am Vortag (27. September 2017) haben die Kongressteilnehmer die Möglichkeit, kostenfrei an dem „Rundgang Stadterleben“ durch die Bundesgartenschau und Heilbronn teilzunehmen. Der Rundgang wird von der Architektenkammer mit zwei Stunden als Fortbildung für Architekten und Stadtplaner anerkannt. Das Abendprogramm gestaltet der Architekt Matthias Sauerbruch (Sauerbruch & Hutton) unter der Überschrift „Experimenta II – Funktion und Form, Anregungen und Widersprüche“. Ausführliche Informationen zum Kongress samt Auftaktprogramm finden Sie hier.

Geplante Naturräume

„Landschaft Stimmung. Ein Stadtpark an der Donau“, zu sehen bis 28. August 2017 in der Architekturgalerie München (Foto: Saskia Wehler) „Landschaft Stimmung. Ein Stadtpark an der Donau“ in der Architekturgalerie München (bis 28. August 2017) zeigt die Planungen zur Renaturierung der Ufer-Gebiete der Donau in Ingolstadt zu einem Stadtpark. In der Pinakothek der Moderne ist gleichzeitig die Ausstellung „draußen | out there – Landschaftsarchitektur auf globalem Terrain“ (bis 20. August) zu sehen. Zeichnungen, Modelle, Projektionen und audio-visuelle Rauminstallationen machen die Renaturierungspläne für das Donauufer erlebbar, so die Veranstalter. Seit fünf Jahren arbeiten Silvia Benedito und Alexander Häusler mit ihrem Büro OFICINAA  an diesem Projekt, stimmen die Planungen mit den verschiedenen Interessengruppen und den Eigentümern ab, entwickeln Prototypen der Möblierung und passen die Planungen der ungewissen Haushaltslage der Automobilstadt an, um eine Umsetzung in kleinen Schritten voranzutreiben. Mit der Ausstellung in der Architekturgalerie München wird auch das jüngst erschienene Buch “Landschaft Stimmung” zum Projekt vorgestellt. Weitere Informationen finden Sie hier. In der Pinakothek der Moderne in München ist die Ausstellung „draußen | out there – Landschaftsarchitektur auf globalem Terrain” zu sehen, die ebenfalls von OFICINAA gestaltet wurde. Die Ausstellung präsentiert zehn weltweite Fallbeispiele, die das Zusammenwirken von Stadt und Umland, von Wasserkreisläufen sowie den lokalen und globalen Bedingungen anschaulich darstellt. Von Casablanca über Madrid und Changde bis Kigali und Medellin: die Forschungsprojekte analysieren hoch komplexe Situationen, um dann Ansätze für Transformationen zu entwickeln. Ausführliche Informationen finden Sie hier.

Meisterhaft gezeichnet

Jeremie Frank, Makrofon, 1981. Zeichenstift und Tusche, Airbrush und Tusche, Collage und Graphitstift auf Karton. Sammlung Alvin Boyarsky Archiv. (Bild: Jeremie Frank) Die Ausstellung „Gezeichnete Welten“ in Berlin zeigt rund 50 Meisterwerke der zeitgenössischen Architekturzeichnung aus der Hand namhafter Architekten. Zusammengetragen von Alvin Boyarsky, dem ehemaligen Leiter der Architectural Association School of Architecture in London, ist seine Sammlung bis zum 24. September 2017 im Museum für Architekturzeichnung zu sehen. Der überwiegende Teil der gezeigten Werke stammt aus den 1980er Jahren, einer Zeit, in der die internationale Ausrichtung der Architectural Association School of Architecture (AA) und die wachsende Beliebtheit der Handzeichnung der Suche nach einer neuen Architektursprache frische Impulse verlieh, so die veranstaltende Tchoban Foundation. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen frühe Werke von Frank Gehry, Zaha Hadid, Daniel Libeskind, Rem Koolhaas und Bernard Tschumi. Sie ermöglichen Einblicke in die Ideenwelten der Architekten, die durch Zeichnungen umgesetzt wurden. Für den Sammler Alvin Boyarsky (1928 – 1990) war die Architekturzeichnung nicht nur ein Repräsentationsmittel oder ein Darstellungsmedium, sondern auch eine Form der Architektur. Unter seiner Leitung wurde die AA in den 1970er Jahren ein Zentrum für die Gegenbewegung einer zweiten architektonischen Moderne. Boyarsky vertrat die Auffassung, dass die wichtigste Aufgabe einer Architekturakademie darin besteht, gesellschaftskritisch zu sein. Ausführliche Informationen über die Ausstellung „Gezeichnete Welten. Alvin Boyarsky und die Architectural Association“ finden Sie hier.

Ruhrmoderne brutal

Studierende in der ehemaligen Hauptschule: Die Ruhrmoderne Sommerakademie gibt Brutalismuskunde im Marler Marschall 66. (Foto: Timo Panzer) Nirgendwo sonst in Deutschland gibt es eine solche Dichte an großartigen und auch gruseligen Beispielen von Bauten der Nachkriegsmoderne wie im nördlichen Ruhrgebiet. Vom 27. bis zum 30. Juli 2017 bietet sich Interessierten dort die Gelegenheit, „100 Stunden Brutalismus“ intensiv zu erleben. Die Veranstaltung der Ruhrmoderne Sommerakademie (RMSA) lädt mit Exkursionen, Symposien und einer Filmnacht dazu ein, über Alternativen zur Musealisierung oder dem Abbruch der brutalistischen Gebäude und Ensembles nachzudenken. Die geführten Ausflüge führen zu Bauwerken in Marl und Wulfen sowie zu den Skulptur Projekten 2017 in Münster. Die Themen und Diskussionsteilnehmer der verschiedenen Symposien finden Sie hier. Viele der modernen Gebäude zeugen vom Willen der Kommunen, ihren Bürgern öffentliche Innen- und Außenräume zu bieten. Doch sie sind Symbole einer vergangenen Öffentlichkeit, so die Veranstalter. Um Zugang zu einer neuen Öffentlichkeit zu bekommen, sei es notwendig, neue öffentliche Beteiligungsprogramme zu entwerfen. Die RMSA ist in die Initiative Ruhrmoderne eingebunden, einem interdisziplinären Netzwerk, das sich aus Wissenschaftlern, Künstlern, Planern und Architekten zusammensetzt und sich regelmäßig über die Weiterentwicklung des baulichen Erbes der Nachkriegszeit austauscht. Wer mag, kann sich für die Dauer der „100 Stunden Brutalismus“ direkt im Hauptveranstaltungsort einquartieren. Die ehemals leerstehende Hauptschule trägt nun den Namen „Marschall 66“ und ist ein temporärer Studien- und Ausstellungsort, der von Studierenden und der Projektorganisation der Ruhrmoderne Sommerakademie thematisch gestaltet wird. Der Name erinnert an den Architekten Günther Marschall und das Entwurfsjahr 1966. Ausführliche Informationen zum Projekt Ruhrmoderne sowie über die Sommerakademie und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

Stipendium für Studentinnen

Ein Wohnhaus von Atelier ST, Leipzig – das Büro steht laut Auslober Houzz.de beispielhaft für die Arbeit talentierter Architektinnen. (Foto: Werner Huthmacher) Die Architektur wird von Männern dominiert, das belegen aktuelle Zahlen der Bundesarchitektenkammer. Die Plattform Houzz.de hat dieser Umstand auf die Idee gebracht, ein neues Stipendienprogramm speziell für Studentinnen der Architektur aufzulegen. Das Stipendium in der Kategorie „Frauen in der Architektur“ ist mit 3.000 Euro dotiert. Bewerben können sich an deutschen Hochschulen und Universitäten eingeschriebene Bachelor-, Master- und Diplomstudentinnen der Fachrichtungen Architektur und Innenarchitektur. Die vollständigen Bewerbungsunterlagen sind bis spätestens 15. September 2017 online einzureichen. „Houzz Scholarships für Frauen in der Architektur ist ein Programm, was die nächste Generation der Studentinnen der Fachrichtungen Architektur und Innenarchitektur fördert. Houzz möchte mit diesem Programm vor allem Frauen fördern und dazu beitragen, dass eine größere Zahl später in den gewählten Berufen tätig ist“, so die Auslober. Stipendiatinnen erklären sich dazu bereit, dass ihr Konterfei und ihre persönlichen Daten im Zuge des Marketings für das kalifornische Unternehmen verwendet werden. Ausführliche Informationen und die Möglichkeit zur Onlinebewerbung finden Sie hier.

Zuflucht bei Mies

Bitte zu Tisch: „Die Zugezogenen“ haben sich in Mies van der Rohes Haus Lange in Krefeld einquartiert. (Foto: V. Döhne/Elmgreen&Dragset und VG Bild-Kunst, Bonn 2017) Mies van der Rohes Haus Lange in Krefeld ist Wohnort einer fiktiven deutschen Familie, die vor dem Brexit aus England geflohen ist. Für die Ausstellung „Die Zugezogenen“ nutzt das Künstlerduo Elmgreen und Dragset die Architektur der Klassischen Moderne als Kulisse. Elmgreen und Dragset kombinieren ihre eigenen skulpturalen Arbeiten mit vorgefundenen Möbeln und Artefakten, um ein häusliches Setting zu kreieren. Einige Gegenstände sind bereits ausgepackt und installiert, andere noch halb verpackt und in Kartons. Indem der Umzug der Familie als Symbol für ein sich veränderndes Europa präsentiert wird, reflektiert die Ausstellung die Vision modernistischer Architektur im Licht der heutigen Realität, so die Veranstalter. Dabei geht „Die Zugezogenen“ auch der Frage nach, wie weit sich die Ideale der Klassischen Moderne von unserer gegenwärtigen globalen, geopolitischen Situation entfernt haben. Von ihrer berühmten  Installation einer Prada Boutique in der texanischen Wüste bis zur Konzeption einer vermeintlichen Kunstmesse in Peking 2015 arbeitet das Duo Elmgreen und Dragset an neuen Möglichkeiten, mit der Präsentation und Rezeption von Kunst und öffentlichen Räumen umzugehen. Im Herbst 2017 kuratieren sie die Istanbul Biennale. Weitere Informationen zur Ausstellung, die noch bis zum 27. August 2017 in Krefeld zu sehen ist, finden Sie hier.

Klimafreundliche Ideen gesucht

Ein Wettbewerb sucht Ideen für zukunftsweisende Gebäude – und für einen neuen Energiewettbewerb. (Foto: Franck-Boston) Hochambitionierte und innovative Konzepte für nahezu klimaneutrale Gebäude und Quartiere sucht der Projektträger Jülich im Rahmen eines Ideenwettbewerbs mit zwei unterschiedlichen Themenschwerpunkten. Die Auslobung steht im Kontext der Förderinitiative „EnEff.Gebäude.2050“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und beinhaltet zwei unterschiedliche Themenschwerpunkte. Ziel des Wettbewerbs ist es, eine Brücke zwischen der Energieforschung und der gebauten Praxis von Gebäuden und Quartieren mit dem Zielhorizont des Jahres 2050 zu bilden. Im Fokus des ersten Themenschwerpunkts stehen modellhafte Vorhaben, die verdeutlichen, wie nahe wir bereits mit den heute verfügbaren Technologien und annähernd wirtschaftlichen Geschäftsmodellen der Zielstellung eines nahezu klimaneutralen Gebäudes beziehungsweise Quartiers kommen können, so die Veranstalter. Zum anderen will der Wettbewerb mit einem zweiten Themenschwerpunkt auch die internationale Dimension der Aufgabe unterstreichen, indem Konzepte für einen auszurichtenden Energiewettbewerb prämiert werden – anknüpfend an die Tradition des „Solar Decathlon Europe“ und diesen weiterentwickelnd. Thema 1 „Ideen für zukunftsweisende Gebäude und Quartiere“ (Einreichung bis zum 15. August 2017), die Auslobung zu Pilot‐ und Demonstrationsvorhaben, richtet sich an Planer und Bauherren oder entsprechende Konsortien, die aktuell auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland an der Umsetzung eines energetisch anspruchsvollen Gebäude‐ oder Quartierskonzepts arbeiten. Thema 2 „Konzepte für einen internationalen „Energiewettbewerb“ (Einreichung bis zum 15. September 2017) ist an Konsortien gerichtet, die mindestens aus einer Stadt‐ beziehungsweise Kommunalverwaltung bestehen und auch weitere Akteure (Wohnungswirtschaft, Unternehmen) enthalten können. Eine Bewerbung erfolgt in jedem Fall gemeinsam im Verbund. Die Ausschreibungsunterlagen und ausführliche Informationen finden Sie hier.

Rausgehen, Stadt entdecken

Junge und ältere Stadtwanderer können mit der App „Stadtsache“ neue Wege zur Architektur entdecken. (Foto: Anke M. Leitzgen) Schöne Radwege kartieren, witzige Häuser fotografieren, Graffitis zählen oder auf besonders laute Orte hinweisen: All das ist möglich mit der hervorragend gestalteten App „Stadtsache“, die von StadtBauKulturNRW unterstützt wird und weltweit einsetzbar ist. Dass Kinder und Jugendliche dabei auch viel über Architektur und Städtebau lernen, tritt in den Hintergrund. Schon das Angucken der vielen tollen Bilder macht sicher auch Erwachsenen Lust auf eigene Stadtforschungen. Die zugehörige Website kann mit verständlicher Sprache, hilfreichen Foto-Tipps (sogar rechtlichen) und einer Umfrage punkten. Auch ein „Workbook“ ist erschienen. Die App soll nicht zuletzt den persönlichen Bezug von Kindern und Jugendlichen zu ihrer Heimat fördern. Das technische Instrument wird nicht von der Couch aus bedient, sondern lockt die Nutzer nach draußen, ihre gebaute Umwelt mit offenen Augen wahrzunehmen. Mit der „Stadtsache“-App gelingt die Dokumentation und Strukturierung der Eindrücke auf spielerische Weise: Fundstücke wie Fotos, Töne und Videos lassen sich bestimmten Themen, Aufgaben und Aktionen zuordnen. Man kann sie vertonen, skalieren, beschriften, bemalen und kommentieren. Wer möchte, teilt die eigene Sammlung mit anderen Nutzern der App, nutzt sie für den Schulunterricht – oder sammelt nur für sich. Und weil die meisten Funktionen mit Bildern erklärt werden, sind auch geringe Sprach- und Schreibkenntnisse in Deutsch kein Hindernis im Umgang mit der App. Bis zum 30. September 2017 können Videos, Poster oder Fotostories bei einem Wettbewerb eingereicht werden. Es gibt Geldpreise und Buchpakete zu gewinnen. Hier geht’s zum kostenlosen Download.

Querdenker in der Kirchenbank

Bildschirme in den Kirchenbänken der Erfurter Kaufmannskirche zeigen 500 Ideen zur Wiederbelebung leerstehender Sakralbauten. Vom Leerstand im Osten Deutschlands sind auch hunderte Kirchen betroffen. Gerade im Luther-Jahr muss also über deren Rolle neu nachgedacht werden. Eine Ausstellung der IBA Thüringen in der Erfurter Kaufmannskirche zeigt in einer raumgreifenden Medieninstallation sage und schreibe 500 Ideen. „500 Kirchen 500 Ideen. Querdenker für Thüringen 2017“, so der der Titel der Ausstellung, die bis zum 19. November 2017 anhand von Kurz-Videos Ideen für die Umnutzung von Kirchen präsentiert. Gesammelt wurden sie im Rahmen eines Aufrufs der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und der IBA Thüringen. Zu sehen sind auf Monitoren in einer gelben Rauminstallation, die anstelle der alten Kirchenbänke gebaut wurde.

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Einige modellhafte Ideen werden gesondert präsentiert und einige sollen als „IBA Kandidaten“ nominiert und schließlich bis zum IBA Finale 2023 umgesetzt werden. Vor der Kirche steht überdies ein „Ideengenerator“, der Einfälle von Ausstellungsbesuchern aufnimmt. Begleitend zur Querdenker-Schau bieten die Veranstalter ein vielfältiges Rahmenprogramm, das Interessierte zu Diskussionen, Vorträgen und Bustouren einlädt. Bis zum 10. September lohnt an den Wochenenden außerdem eine Fahrt zur St.-Anna-Kapelle in Krobitz (Saale-Orla-Kreis), die aus dem 12. Jahrhundert stammt. In der Mitte des kleinen Kirchenraums, der lediglich gesichert wurde, steht nun die Installation „organ“ des Künstlers Carsten Nicolai. Sie erinnert an frühe Entwürfe sogenannter Flammenorgeln aus dem 18. Jahrhundert, bei denen die Töne von Flammen Glaszylindern erzeugt werden. Nicolai hat sowohl das Instrument entworfen und gebaut, als auch eine Komposition speziell für diese Kapelle geschrieben. Ganz ursprüngliche Elemente wie Feuer, Erde, Luft und Klang verbinden sich sowohl visuell als auch akustisch miteinander und bilden eine Symbiose mit dem Ort. Ausführliche Informationen finden Sie hier.

Kreislaufgerechtes Bauen

Nachhaltige Produkte, Projekte und Verfahren sind Themen einer Tagung in Aachen. (Foto: IRR) Eine Architektur, die Ressourcen schont und Teil eines Stoffkreislaufs ist, steht im Mittelpunkt der Veranstaltung „Kreislaufgerechtes Bauen“ am 7. Juli in Aachen. Dabei werden nachhaltige Projekte, Produkte und Verfahren vorgestellt. Welche Bewertungsmöglichkeiten eignen sich zum Planen von kreislaufgerechten und ressourcenschonenden Bauten? Wie wird heute schon die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen umgesetzt – und wie wird die Zukunft des Bauens aussehen? Diese Fragen der zirkulären Wertschöpfung im Bauwesen diskutiert die Innovationsregion Rheinisches Revier GmbH in Kooperation mit der Juniorprofessur Rezykliergerechtes Bauen der RWTH Aachen und der Faktor X Agentur im ehemaligen Straßenbahndepot Aachen. Eine Ausstellung begleitet das Vortragsprogramm. Verschiedene Unternehmen aus der Bau- und Baustoffbranche informieren in kurzen Vorträgen über Erfahrungen zu innovativen Bauweisen und Produkten. Die Veranstaltung richtet sich an Akteure aus dem Bereich Planung und Architektur, Genehmigung, Bauindustrie, Baustoffherstellung/-gewinnung, Rückbau/Recycling, Forschung und (Regional-)Entwicklung. Eine Anerkennung als Fortbildung bei der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen ist laut Veranstalterangabe beantragt. Die Anmeldung (hier) ist bis zum 16. Juni 2017 erforderlich. Ausführliche Informationen über den Programmablauf finden Sie hier.

Ansichten zum Brutalismus

Die „Gesellschaft zur Wertschätzung des Brutalismus“ bittet herein: Eine Ausstellung im Dortmunder U ist dem Betonbaustil gewidmet. (Foto: Hannes Woidich) Der „Hartware MedienKunstVerein“ lädt zur Betonschau ins Dortmunder U ein. Zu Gast ist die „Gesellschaft zur Wertschätzung des Brutalismus“, die in der gleichnamigen Ausstellung (bis 24. September 2017) neue Perspektiven auf einen bedrohten Baustil eröffnen will. Brutalistische Architektur verschwindet zunehmend aus dem Stadtbild, denn der Abschied von den zumeist nicht denkmalgeschützten Betonbauten fällt vielen Anwohnern und Beobachtern leicht. Doch in den letzten Jahren haben sich insbesondere in den sozialen Medien Anhängergruppen formiert, die den Brutalismus als Gegenentwurf zur sogenannten Investorenarchitektur begreifen und Schönheit in den schroffen, mitunter beeindruckend dystopisch wirkenden Gebäuden und Ensembles erkennen. So setzt sich etwa die im Jahr 2007 gegründete Facebook-Gruppe „The Brutalism Appreciation Society“ (dt. Gesellschaft zur Wertschätzung des Brutalismus) vehement für den Erhalt der städtebaulichen Zeugnisse aus den 1950er/1960er Jahren ein. Die Gruppe zählt weltweit über 50.000 Mitglieder. Die von Inke Arns kuratierte Ausstellung „Gesellschaft zur Wertschätzung des Brutalismus“ zeigt 21 internationale künstlerische Positionen, die sich mit dem brutalistischen Baustil der Nachkriegsmoderne auseinandersetzen, sowie eine Auswahl von Beiträgen aus der namensgebenden Facebook-Gruppe. Neben Skulpturen, Videos, Videoinstallationen, Klangkunst und Fotografien, erwartet die Besucher auch ortsbezogene Kunst im Ausstellungsraum, darunter eine großflächige Graffitiarbeit des Pariser Straßenkünstlers Darco FBI. Ausführliche Informationen über die Ausstellung, zu Führungen und den beteiligten Künstlern aus elf Ländern finden Sie hier.

Energieeffizient bauen

Energieeffizient: ein Wohn-und Geschäftshaus von H. Gies Architekt GmbH in Mainz. (Foto: Stefan Erbring) Die Bundesarchitektenkammer (BAK) führt in Kooperation mit der KfW Bankengruppe eine Online-Befragung zum Thema Energieeffizientes Bauen und Sanieren durch. Mit der Befragung beabsichtigt die BAK, energie- und kostenbezogene Daten zu verschiedenen bereits realisierten Neubau- oder Sanierungs-Projekten zu erheben. Diese Daten sollen hinsichtlich des Verhältnisses von Baukosten und energetischem Standard ausgewertet werden. Die Initiatoren rufen alle Mitglieder der Länderkammern dazu auf, eigene Projekte über das Online-Portal einzugeben. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Projekte KfW-gefördert sind oder nicht. Grundvoraussetzung ist lediglich, dass das Projekt bereits realisiert ist. Die Bearbeitung der Fragen nimmt rund 20 Minuten in Anspruch. Hier können Sie sich an der Umfrage beteiligen. Eine Auswahl an besonders gelungenen Einreichungen wird zum Abschluss des zweijährigen Projektzeitraums Eingang in eine Best-Practice-Publikation finden. Diese wird sich als Kommunikationsgrundlage an Bauherren wenden und praktische Umsetzungsmöglichkeiten energieeffizienten Bauens und Sanierens aufzeigen sowie Informationen zu technischen Lösungen, zum Planungsprozess und zu finanziellen sowie förderungsbezogenen Erfordernissen vermitteln. Die Online-Befragung ist in die neue Website „Besser mit Architekten“ von BAK und KfW eingebettet. Das Portal ist ab sofort unter der Adresse www.energiewende-mit-architekten.de abrufbar und wendet sich an Architekten und Bauherren. Architekten erhalten Informationen über die Förderangebote der KfW, außerdem gibt die Website Auskunft zu den Eintragungsvoraussetzungen für die Expertenliste für Förderprogramme des Bundes. Bauherren sollen mithilfe des Portals für das Thema „Energieeffizientes Bauen und Sanieren“ sensibilisiert und über die Vorzüge einer Begleitung durch Architekten aufgeklärt werden. Hierzu bietet die Website Bauherren die Möglichkeit einer Architekten- / Energieberater-Suche.

Digitalisierung im Hochbau

Effizienzpotentiale für Planungs- und Bauprozesse lotet die Konferenz „Digitalisierung im Hochbau“ in Berlin aus. (Grafik: BMUB) Eine Konferenz im Bundesbauministerium (BMUB) will praxisorientierte Möglichkeiten der Digitalisierung von Planungs- und Bauprozessen unter der Berücksichtigung der Interessen des Mittelstands aufzeigen. Der Einsatz digitaler Methoden in der Planung, Bauausführung und beim Betrieb von Gebäuden gewinnt zunehmend an Bedeutung. Im Rahmen der Veranstaltung „Digitalisierung im Hochbau – Effizienzpotentiale für Planungs- und Bauprozesse nutzen“ am 24. Mai 2017 in Berlin wird in verschiedenen Diskussionsforen die Möglichkeit geboten, sich gezielt über bestimmte Themenfelder, wie zum Beispiel Aktivitäten im Bundeshochbau oder die regionale Vernetzung der Anwender, zu informieren. Überdies können Teilnehmer sich über das eigene Berufsfeld hinaus zwischen Planung, Bauausführung, Herstellern sowie Bauherren und Betreibern austauschen. Die Konferenz des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) möchte bewusst auch die Praktiker im Projektprozess ansprechen und als Initialzündung für die fachübergreifende Zusammenarbeit aller Akteure am Bau im fortschreitenden Digitalisierungsprozess wirken, so die Veranstalter. Das Programm der Konferenz finden Sie hier und das Onlineformular zur Anmeldung hier.