Kosten als Risiko

Wer sich bei den Baukosten vertut, hat in vielen Fällen keinen Versicherungsschutz. Text: Florian Krause-Alleinstein Zu den zentralen Vertragspflichten von Architekten gehört es, die Baukosten zu ermitteln und sie während der Planung und Durchführung des Vorhabens zu kontrollieren. Ein Planungsauftrag umfasst nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) die Pflicht, den wirtschaftlichen Rahmen des Bauherrn im Vorfeld abzustecken und sodann im weiteren Verlauf des Planungsprozesses zu berücksichtigen (vgl. BGH, Urt. v. 7.7.1988 – VII ZR 72/87; Urt. v. 17.1.1991 – VII ZR 47/90). In diesem Zusammenhang muss der Architekt die finanziellen Verhältnisse des Bestellers (vgl. BGH, Urt. v. 17.1.1991 – VII ZR 47/90; Urt. v. 11.11.2004 – VII ZR 128/03) beziehungsweise die bestehenden wirtschaftlichen Vorgaben (vgl. BGH, Urt. v. 7.7.1988 – VII ZR 72/87) beachten und vereinbarte Kostengrenzen oder Kostenrahmen einhalten (vgl. BGH, Urt. v. 23.1.1997 – VII ZR 171/95). Ebenfalls zu den Vertragspflichten des Architekten gehört nach der Rechtsprechung die laufende Kostenkontrolle (BGH, Urt. v. 23.1.1997 – VII ZR 171/95). Er muss den Besteller ungefragt auf unerwartete Kostenentwicklungen hinweisen, damit dieser angemessen reagieren kann. Welchen Inhalt die Verpflichtung des Architekten zur Kostenermittlung und -kontrolle im Einzelfall hat, ist abhängig von der konkreten Vereinbarung mit dem Bauherrn. Grob unterschieden werden können hierbei folgende drei Fallgruppen: 1. Normale Kostenermittlung: Spielraum im Einzelfall. Die „normale“ Kostenermittlung nach den Kostenermittlungsarten der DIN 276, also nach der Kostenschätzung, der Kostenberechnung, des Kostenanschlages (nur nach den alten Fassungen der HOAI) und der Kostenfeststellung. Haben die Parteien vereinbart, dass der Architekt Leistungen nach § 33 HOAI (§ 15 Abs. 2 HOAI alte Fassung) in den Phasen 1 bis 9 zu erbringen hat, so sind diese in der HOAI genannten Kostenermittlungen als Teilerfolge geschuldet vgl. BGH, Urt. v. 11.11.2004 – VII ZR 128/03. Hat der Architekt diese Kostenermittlungen nicht vorgenommen, ist seine Werkleistung mangelhaft und es bestehen Mängelansprüche. Dabei werden dem Architekten durch Rechtsprechung und Literatur aber Toleranzen zugebilligt, die allerdings immer abhängig vom Einzelfall bemessen werden müssen (vgl. Kniffka/Koeble, Kompendium des Baurechts, 3. Auflage, 12. Teil Rdn. 464m.w.N.). 2. Verbindliche Obergrenze: Keine Toleranz Genauer als die Kostenermittlung nach DIN 276 ist die Verpflichtung zur Einhaltung der Baukosten, wenn der Bauherr dem Architekten eine verbindliche Baukostenobergrenze gegeben hat. Hier kann jede Überschreitung durch den Architekten zu einem Schadensersatzanspruch des Bauherrn gegen den Planer führen. Die Vereinbarung einer Baukostenobergrenze muss der Bauherr darlegen und beweisen (vgl. BGH, Urteil vom 06.10.2016 – VII ZR 185/13 und den Text dazu). Eine Toleranz kommt in diesem Fall grundsätzlich nicht in Betracht, es sei denn, im Vertrag finden sich hierfür Anhaltspunkte(vgl. BGH, Urt. v. 13.2.2003 – VII ZR 395/01; Urt. v. 23.1.1997 – VII ZR 171/95; OLG Brandenburg, Urt. v. 13.7.2011 – 13 U 69/10).. 3. Bausummengarantie: Höchstes Risiko Die schärfste Form hinsichtlich der Einhaltung der Baukosten ist die sogenannte Bausummengarantie. Allein aus ihrer Übernahme ergibt sich der Anspruch auf Ausgleich des überschreitenden Betrages – und zwar unabhängig davon, ob die Überschreitung durch den Architekten verhindert werden konnte oder nicht. Fällt beispielsweise der beauftragte Generalunternehmer während der Bauphase in die Insolvenz und führen die Vergabe an einen neuen Bauunternehmer sowie die Kosten durch den Baustillstand zu einer Erhöhung der Gesamtkosten, dann haftet der Planer dem Bauherrn hierauf, ohne dass er sich auf ein fehlendes Verschulden berufen kann. Das ist das Wesen der Garantieerklärung, die verschuldensunabhängig ist. Dem Architekten sei aufgrund der nicht absehbaren Haftungsgefahren dringend geraten, in keinem Fall eine solche Garantieerklärung abzugeben, auch weil seine Berufshaftpflichtversicherung solche Risiken nicht abdeckt. Deckungsausschluss für Schäden aus fehlerhafter Kostenermittlung Wegen der umfassenden Leistungsverpflichtungen der Planer im Hinblick auf die Kosten stellt sich unweigerlich die Frage nach dem Versicherungsschutz. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. hat zu seinen „Besonderen Bedingungen und Risikobeschreibungen“ (BBR/Arch) Musterbedingungen erstellt. Ausgeschlossen vom Versicherungsschutz sind danach Schäden „aus der Überschreitung von Kostenschätzungen, Kostenberechnungen oder Kostenanschlägen im Sinne der DIN 276 oder gleichartiger Bestimmungen anderer Länder, soweit es sich hierbei um Aufwendungen handelt, die bei ordnungsgemäßer Planung und Erstellung des Objektes ohnehin angefallen wären. Dies gilt auch für Ansprüche aus der Überschreitung von Baukostenobergrenzen sowie für Ansprüche aus Bausummengarantien oder Festpreisabreden des Versicherungsnehmers oder Dritter.“ Mit diesem Ausschluss wollen die Versicherer Manipulationsgefahren begegnen, die im kalkulatorischen Bereich liegen und nicht zu einem Bauwerksmangel oder Bauwerksschaden führen. Da sich der Regelungsinhalt dieser Klausel beim ersten Lesen nicht erschließt, soll dieser wie folgt erläutert werden: Anwendung nur auf Rechenfehler Zunächst ist klarzustellen, dass dieser Ausschlusstatbestand nur dann gilt, wenn eine -Kostenüberschreitung aufgetreten ist, die auf einem reinen Kostenermittlungsfehler des Architekten basiert, also auf einem Rechenfehler (vgl. OLG Celle, Urteil vom 28.11.2002 – 8 U 76/02; vgl. Bock-Wehr, in: Versicherungsprozess, 2. Auflage, § 13 Rdn. 192; andere Ansicht v. Rintelen, in: Versicherungsrechtshandbuch, 3. Auflage, § 26 Rdn. 237). Anders liegt der Fall, wenn der Architekt statt dessen etwa einen Planungsfehler begeht, diesen vor Realisierung im Objekt feststellt und eine Umplanung vornimmt, die zu einer Überschreitung der bereits ermittelten Kosten führt: Dann liegt keine fehlerhafte Kostenermittlung vor, sondern ein Planungsfehler, der sich nur in den Baukosten ausgewirkt hat. Ein Beispiel: Der Architekt geht bei der Planung und beim Bau eines Einfamilienhauses mit Keller einen unterirdischen Bach umleiten. Er nimmt für seine Planung zunächst an, dass eine Flachgründung ausreicht. Diese stellt er in die Kostenermittlung ein. In der weiteren Planung stellt sich aber heraus, dass eine viel teurere Pfahlgründung erforderlich ist. Dies erhöht in der neuen Kostenermittlung den zuvor errechneten Betrag. Insoweit liegt kein (Rechen-)Fehler in der Kostenermittlung vor, sondern ein Fehler in der Planung des Architekten. Der Architekt hat sich nicht „verrechnet“, sondern „verplant“, sodass die Kostenklausel gemäß Ziffer 4.3 BBR/Arch nicht anwendbar ist und Versicherungsschutz besteht. Anders wäre der Fall zu beurteilen, wenn der Architekt zutreffend eine Pfahlgründung geplant, aber in der ersten Kostenermittlung nur eine Flachgründung berücksichtigt hätte. Kein Versicherungsschutz für Sowieso-Kosten Liegt ein Rechenfehler vor und greift die Ausschlussklausel, so ist der Versicherungsschutz nur für einen Teil der Kosten ausgeschlossen – nämlich „soweit es sich hierbei um Aufwendungen handelt, die bei ordnungsgemäßer Planung und Erstellung des Objektes ohnehin angefallen wären“. Gemeint sind damit sogenannte Sowieso-Kosten. Übertragen auf das vorstehende Fallbeispiel bedeutet dies, dass die Mehrkosten für die von vornherein notwendige Pfahlgründung nicht vom Versicherungsschutz umfasst wären. Architekten können in einem solchen Fall vom Versicherer nicht einmal die Rechtsschutz- und Abwehrfunktion verlangen: Der Versicherer muss ihnen bei der Abwehr geltend gemachter Schadensersatzansprüche nicht zur Seite stehen und ihnen auch keinen Anwalt finanzieren. In der Regel wird der Bauherr in solchen Fällen aber schon im Haftpflichtverhältnis gegenüber dem Architekten keinen Anspruch durchsetzen können, da es sich auch schuldrechtlich nicht um einen „Schaden“ des Bauherrn handelt. Anders ist dies aber dann, wenn der Auftraggeber des Architekten mit seinem Auftraggeber eine Festpreisvereinbarung für die Bauleistungen getroffen hat. . Dazu ein Beispiel: Der Architekt wird von einem Generalunternehmer beauftragt, der mit seinem Auftraggeber aufgrund einer Kostenermittlung des Architekten einen Pauschalfestpreis vereinbart. Werden die Kosten jetzt aufgrund einer fehlerhaften Kostenermittlung des Architekten überschritten, kann der Generalunternehmer die Sowieso-Kosten aufgrund des abgeschlossenen Pauschalfestpreises nicht mehr gegenüber seinem Auftraggeber durchsetzen. Vom reinen Wortlaut der Klausel her führen solche Kosten zu einer Überschreitung, die auch bei ordnungsgemäßer Planung entstanden wäre, sodass der Versicherungsschutz ausgeschlossen sein könnte. Allerdings handelt es sich im Haftpflichtverhältnis nicht um Sowieso-Kosten, da der Auftraggeber des Architekten diese nicht weitergeben kann, sodass er tatsächlich einen Schaden erleidet. In diesem Fall wird die Ausschlussklausel für den Architekten relevant, weil der Generalunternehmer ihm gegenüber mit Erfolg im Haftpflichtverhältnis Schadensersatzansprüche wird durchsetzen können. Einige Versicherer bieten in Abweichung der dargestellten Kostenklauseln in ihren Versicherungsbedingungen auch bei Schäden, die durch Sowieso-Kosten entstehen, ihren Versicherungsnehmern zumindest Abwehrdeckung an. Keine Anwendung auf Kostenfeststellungen, Bauwerksmängel und fehlerhafte Massenermittlungen Vom Regelungsgehalt der Ausschlussklausel nicht umfasst sind Ansprüche wegen Mehrkosten aufgrund etwaiger vom Architekten zu vertretender Bauwerksmängel oder -schäden. Auch Ansprüche wegen fehlerhafter Kostenfeststellung nach DIN 276 unterfallen nach dem Wortlaut nicht dem Ausschlusstatbestand, da diese Kostenfeststellung lediglich dem Nachweis der entstandenen Baukosten dient und somit nicht (mehr) beeinflussbar ist. Schließlich sind auch Schäden wegen fehlerhafter Massenermittlungen nicht von der Ausschlussklausel erfasst. Ermittelt der Statiker im Rahmen der Vorstatik für einen Generalunternehmer zu niedrige Massen und bietet deshalb der Generalunternehmer die Errichtung zu einem zu niedrigen Pauschalpreis an, wäre der dadurch dem Generalunternehmer entstehende Schaden, wenn er diesen gegen den Statiker durchsetzt, vom Versicherungsschutz erfasst. Vollständiger Deckungsausschluss für Bausummengarantien Die Überschreitungsklausel mit dem eben beschriebenen Inhalt findet Anwendung bei der Kostenermittlungsverpflichtung des Architekten in den ersten beiden Verbindlichkeitsstufen, also der normalen Kostenermittlung nach DIN 276 und der Vereinbarung einer Baukostenobergrenze. Gibt der Architekt dagegen eine Bausummengarantie ab, greift bereits der Deckungsausschluss der Ziffer 7.3 der Allgemeinen Haftpflichtversicherungsbedingungen (AHB). Nach dieser Regelung sind Versicherungsansprüche ausgeschlossen, wenn sie aufgrund eines Vertrags oder aufgrund von Zusagen über den Umfang der gesetzlichen Haftpflicht des Versicherungsnehmers hinausgehen. Wie bereits dargelegt wurde, bedeutet der Abschluss der Bausummengarantie, dass der Architekt über seine gesetzliche Haftpflicht hinaus Verpflichtungen gegenüber seinem Auftraggeber eingeht. Schäden, die aus solchen Zusagen entstehen, sind jedoch vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Wichtig zu wissen ist, dass der Haftungsausschluss gemäß Ziffer 7.3 AHB nicht greift, wenn die Garantieabgabe keinen Einfluss auf den eingetretenen Schaden hat. Wäre beispielsweise der Schadensersatzanspruch des Bauherrn auch dann entstanden, wenn der Architekt nur zu einer „normalen“ Kostenermittlung oder Einhaltung einer vereinbarten Bausumme verpflichtet gewesen wäre, so greift der Ausschluss gemäß Ziffer 7.3 AHB nicht. Hier muss grundsätzlich Deckungsschutz geleistet werden. Dr. Florian Krause-Allenstein ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht bei Scholtissek : Krause-Allenstein Rechtsanwälte, Hamburg.

Wohnen+. Von Schwellen, Übergangsräumen und Transparenzen

Das Buch „Wohnen +“ betrachtet die Bereiche, die zum Wohngebäude dazugehören: den Städtebau, die Erdgeschosszone, die Gebäudestruktur und schließlich die Fassade. Damit wären auch schon die vier Kategorien genannt, denen Ulrike Wietzorrek die 67 vorgestellten Gebäude zugeordnet hat. Diese sind in verschiedenen Ländern wie Deutschland, Indien und den Niederlanden und somit in unterschiedlichen Kulturkreisen zu finden – ein Aspekt, der bei diesem Thema eine wichtige Rolle spielt. Denn was für den einen zu nah ist, empfinden die Menschen eines anderen Landes vielleicht schon als zu distanziert. Außerdem entstanden die Häuser nicht nur in den letzten Jahren sondern zwischen dem Beginn des 20. Jahrhunderts und heute. Damit stellt die Herausgeberin dar, wie sich auch innerhalb einer Gesellschaft das Verhältnis von „privat“ und „öffentlich“ verändert hat. Zu diesen beiden inhaltlichen Punkten gesellen sich noch weitere hinzu, dank derer der „Projektkatalog“ eindeutig überzeugen kann. In die spezielle Thematik einer jeden Kategorie leitet ein langer Aufsatz ein, jeweils von einem anderen Autor verfasst. Die Sprache ist dabei immer klar, die Inhalte sind gut verständlich, die betrachteten Aspekte breit gefächert. Die Projekttexte gliedern sich wieder in die Themen der vier großen Kategorien, also Städtebau, Erdgeschosszone, Gebäudestruktur und Fassade, und sind durchweg kurz gefasst. Denn der Schwerpunkt liegt auf den Bildern und den Plänen, die alle eigens für dieses Buch aufbereitet wurden. Das wird aus Kostengründen seltener und ist deshalb umso höher zu bewerten. Hier und da, wie bei der Darstellung von Türen, hätte noch einheitlicher gearbeitet werden können, wodurch die Pläne leichter lesbar geworden wären. Sehr aufwändig wurde auch der Anhang gestaltet, denn die Bauten sind nicht nur einmal aufgelistet, sondern nach verschiedenen Gesichtspunkten sortiert, beispielsweise „Architekt A – Z“, „Projektstandort“ und „Erschließung“. Bevor der Hauptteil des Buches mit den Projekten beginnt, können sich alle Leser dank eines Aufsatzes der Herausgeberin hervorragend in das Thema einführen lassen. Dabei geht es um die Geschichte genauso wie um Gegenwart und Zukunft, um das Grundthema des Bauens – privaten Rückzug mit Gemeinschaft zu verbinden – und vor allem auch um die Menschen, die mal Bewohner, mal Gäste und wieder ein anderes Mal Passanten sind. Vor allem dieser Aspekt ist und tut gut, denn man gewinnt viel zu oft den Eindruck, als kämen die Menschen bei solchen Büchern zu kurz. Wohnen+. Von Schwellen, Übergangsräumen und Transparenzen  Birkhäuser Verlag, Basel 2013; Leinen, deutsch, 456 Seiten, 700 Abb., davon 350 Farbabb. und ca. 400 neu gezeichnete Pläne, 79,95 €; ISBN 978-3-0346-0562-5 Link zum Verlag   Buchkritik: Simone Hübener

Bau-Bionik. Natur – Analogien – Technik

Buchkritik: Simone Hübener Das Thema Bionik spielt mittlerweile auch in der Architektur eine immer größere Rolle (siehe dazu auch den Artikel „Häuser wie Hummer“). Da lag es für den Springer-Verlag nah, das zwischenzeitlich vergriffene Buch „Bau-Bionik. Natur – Analogien – Technik“ in einer bearbeiteten und erweiterten Auflage wieder verfügbar zu machen. Der Architekt Göran Pohl wurde neben dem Biologen Werner Nachtigall als zweiter Autor hinzugezogen. Zudem wurde die Abbildungssammlung in das neu edierte Buch integriert, die  mit „Darstellungen zu praktischen Bauausführungen und Entwürfen“ aufwartet, wie es im Vorwort heißt. Dieser Teil, das sechste Kapitel, das mit „Produkte und Architektur – Beispiele der Bau-Bionik“ überschrieben ist, dürfte für viele Leser einer der interessantesten sein. Die vorgestellten Entwürfe und Projekte reichen von Algen als biologischem Vorbild über bionische Elemente zur Verschattung von Gebäuden und Klimasystemen bis hin zu realisierten Forschungspavillons wie dem Saarbrücker Bowooss und denen der an der Uni Stuttgart angesiedelten Institute ITKE und ICD. Im Inhaltsverzeichnis wird leider nur Ersterer erwähnt, an dem Pohl maßgeblich beteiligt war. Auf die beiden anderen wird man nur durch genaue Lektüre oder das Sachverzeichnis am Ende des Buchs aufmerksam. Bevor der Leser allerdings all diese interessanten Projekte präsentiert bekommt, erhält er in den vorhergehenden Kapiteln umfangreiche und tiefgehende Informationen zur Bau-Bionik. Das Texte dazu sind sehr wissenschaftlich geschrieben, aufgebaut und gelayoutet, weshalb das Buch besonders allen zu empfehlen ist, die sich detailliertes Wissen aneignen möchten. Die Sprache ist nicht immer einfach, und die grafische Gestaltung wirkt leider dröge. Nachteilig ist auch, dass die Texte aufgrund der zu feinen Gliederung des Inhalts oftmals in Bruchstücke zerfallen. In dem bereits erwähnten Sachverzeichnis am Ende des Buchs steckt indes immens viel Arbeit, wertet aber die Publikation und deren Nutzbarkeit deutlich auf, weshalb es hier lobend erwähnt sei. Unkonventionell und nicht unbedingt praktisch ist die Platzierung des 32 Seiten langen Abbildungsverzeichnisses zwischen dem Inhaltsverzeichnis und dem ersten Kapitel. Es wäre hinten beim Sachverzeichnis besser platziert gewesen. Der inhaltlichen Qualität dieser zweiten Auflage tut dies aber keinen Abbruch. Denn den Texten merkt man die Kompetenz und das Wissen der beiden Autoren zu diesem Thema an. Werner Nachtigall, Göran Pohl: Bau-Bionik. Natur – Analogien – Technik Springer Vieweg, Berlin, Heidelberg; 2., neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Hardcover, deutsch, 289 Seiten, 505 Abbildungen, davon 102 farbige, 69,99 € (Als E-Book € 54,99); ISBN 978-3-540-88994-6

Appell für die Kant-Garage

Ungepflegt und von Abriss bedroht: Die Kant-Garage in Berlin-Charlottenburg Berliner Architekten, Denkmalpfleger und fachlich engagierte Institutionen protestieren gegen den drohenden Abriss eines Verkehrsbaus der besonderen Art: des Kant-Garagen-Palastes. Auch die Architektenkammer Berlin setzt sich für ihren Erhalt ein. Ein gemeinsamer Appell fordert die Rettung „einer der bedeutendsten noch erhaltenen Hochgaragen in Europa. Das von 1929 bis 1930 errichtete Verkehrsbauwerk ist ein bis heute nahezu unverändert erhaltener Schlüsselbau der europäischen Mobilitätsgeschichte und der neuen Bauaufgabe Hochgarage. Mit ihrer doppelgängigen Wendelrampe nahezu einzigartig in Europa. Sie ist eine der wenigen Hochgaragen weltweit, bei der eine gläserne Vorhangfassade verwendet wurde.“ Architekten waren Hermann Herrey-Zweigenthal (1904-1968) und Richard Paulick (1903-1979). Die heutigen Freunde der Garage sprechen von einem „technisch und baukünstlerisch einzigartiges Zeugnis der sozialen Bewegung des ,automobilisme‘ in Deutschland und der Mobilitätsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Verkehrsbauten wie die Kant-Garage bilden als Architektur für Automobile eine historische Schicht unserer Städte.“ Als Positivbeispiel für die Rettung eines solchen Bauwerks nennen die Unterzeichner des Appells die Groß-Garage-Süd in Halle an der Saale, die die Eigentümerin 2007 mit Unterstützung des Bundes, des Landes Sachsen-Anhalt und der Stadt denkmalgerecht erneuern ließ.

Anbieter, Bücher, Informationen

Programme und Anbieter Allplan BCM  / AVARIS          www.nemetschek.de ARCHITEXT Pallas                     www.architext.de ava.bau                                     www.koelsch-konsorten.de AVA.relax                                   www.cosoba.de AVAnce XML                              www.ctb.de AVANTI / PRONTO                    www.softtech.de AVAPLAN Studio                        www.avaplan.de AVAscript                                   www.bechmann-software.de BUILDUP kosten                         www.bauer-software.de California.pro                            www.gw-software.de CASAblanca                               www.jumbosoft.de CIP V8                                       www.cipsoftware.de CONTROL                                 www.conclude.de   Conject                                      www.conject.com COOR                                       www.coor.de K3KostenControlling                   www.k3tools.de Legep                                        www.legep-software.de ORCA AVA                                www.orca-software.com ProjektPro AVA                          www.mairpro.de RIB iTWO                                  www.rib.de Sidoun Globe/NetBAU                www.sidoun.de Wiko                                          www.wiko.de *   Weitere Infos im Web* www.aec-office.de                      Marktübersicht BMSP-Software www.ava-bau.info                       Marktübersicht AVA-Software www.bpm-blog.at                        Bau-Projektmanagement-Blog www.emcb.info                           Portal für Controlling im Bauwesen www.pm-software.info                Marktübersicht PM-Software www.pm-aktuell.org                    Projektmanagement-Magazin www.projektmagazin.de              Projektmanagement-Magazin Quellen/Literaturhinweise * DIN 276-1 Kosten im Bauwesen – Teil 1: Kosten im Hochbau, Neuauflage: 11/2006, zuletzt aktualisiert: 12/2008, Beuth/Berlin HOAI 2009, Verordnung über die Honorare für Architekten- und Ingenieurleistungen (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure – HOAI), Fassung vom 30.04.2009 Höschele, V., Behrens, M.:Kostenverfolgung in Bauvorhaben, Teil 1-3, aus: tab 7-8/11, 9/11, 10/11, Bauverlag, Gütersloh Lang, C.D.: Kontinuierliche durchgängige Hochrechnung von Kostenhöhe und Kostenfälligkeit im Bauprojektmanagement, Deutscher Verband der Projektmanager in der Bau- und Immobilienwirtschaft, Berlin 2008 Mathoi Th. in Oberndorfer, W. (Hrsg.): Organisation und Kostencontrolling von Bauprojekten. Kostenplanung und Kostenverfolgung im Hochbau, Manz/Wien, 2007 Trendelenburg, R.: Die 6. Novelle der HOAI: Einfluss auf Baukosten-Controlling und Wirtschaftlichkeit, aus: computer spezial 1/10, Bauverlag, Gütersloh Oberndorfer, W. (Hrsg.): Organisation und Kostencontrolling von Bauprojekten. Kostenplanung und Kostenverfolgung im Hochbau, Manz/Wien, 2007 Seifert, W., Preussner, M.: Baukostenplanung. Kostenermittlung, Kostenkontrolle, Kostensteuerung, Haftung bei der Kostenplanung, Werner/Neuwied, 2009 Siemon, K.D.: Baukosten bei Neu- und Umbauten. Praxis, Planung und Steuerung, Vieweg+Teubner/Wiesbaden, 2009 * Auswahl, ohne Anspruch auf Vollständigkeit!

Der amerikanische Architekt

Text: Myrta Köhler Zwei Jahre nach den Anschlägen vom 11. September soll ein anonymer Architekturwettbewerb für die künftige Gedenkstätte auf Ground Zero entschieden werden. Doch als die Jurymitglieder den Namen des Gewinners lesen, sind sie schockiert: Der Architekt heißt Mohammad Khan. Kann und darf ein Muslim der amerikanischen Trauer Gestalt verleihen? Ein genial einfacher Plot dient der Autorin als Rahmen für ein vielschichtiges und realitätsnahes Bild der amerikanischen Reaktionen auf 9/11. Amy Waldman (*1969) war Korrespondentin für The Atlantic und leitete mehrere Jahre lang das Neu Delhi-Büro der New York Times. Ihr Roman-Debut Der amerikanische Architekt trifft zielsicher die Achilles-Ferse einer ganzen Nation. Der Originaltitel, The Submission, lässt sich sowohl mit „Einreichung“ als auch „Unterwerfung“ übersetzen. Aber wer unterwirft wen? Zwischen Manipulation und dem Wunsch nach Authentizität schlingern die einzelnen Charaktere: Die reiche Witwe Claire Burwell, die in der Jury die Angehörigen vertritt; Mohammad Khan, ein ehrgeiziger Architekt und überzeugter Amerikaner; Alyssa Spier, eine ebenso ehrgeizige Klatschreporterin; Sean Gallagher, dessen Bruder als Feuerwehrmann bei den Bergungsarbeiten ums Leben kam; und die Witwe Asma Anwar, eine illegale Einwanderin aus Bangladesch. Der Autorin gelingt es, Empathie für jede der Figuren zu wecken, ohne selbst Partei zu ergreifen, und macht so die Mechanismen nachvollziehbar, die eine Bevölkerung mobilisieren – und radikalisieren. Im Garten, so der Name des Siegerentwurfs, sieht Claire zunächst eine versöhnliche Geste, einen Ort, an dem jeder Freude finden kann. Im Gegensatz zu dem anderen Finalisten, Das Nichts, ein düsterer Monolith, der als „geschaffene Zerstörung“ an den Tag der Katastrophe erinnern soll. „Nur weil wir der Toten gedenken, müssen wir doch keinen Ort schaffen, der tot ist“, so Claire. Doch selbst für sie wird der Garten schließlich zum trojanischen Pferd: Symbolisiert er nicht vielleicht doch das Paradies für muslimische Selbstmordattentäter? Waldmans Roman reflektiert über die angemessene Form eines nationalen Denkmals und stellt damit auch die Frage, wer über diese Form entscheiden darf. Ein Happy-End wäre wohl keine realistische Antwort… Amy Waldman Der amerikanische Architekt Schöffling & Co. Verlag, Frankfurt am Main 2013 Aus dem Englischen von Brigitte Walitzek 512 Seiten € 24,95

Alphabet und Algorithmus. Wie das Digitale die Architektur herausfordert

Wer macht das Spiel? Text: Myrta Köhler CAD-CAM, BIM, 3D-Scanner – längst ist der digital turn im Architekturbüro angekommen. Was bedeutet das für das Berufsbild des Architekten? Mario Carpo, Professor für Geschichte und Theorie der Architektur an der Yale University, der École d’Architecture de Paris-La Villette und am Georgia Institute of Technology, blickt in seiner faszinierenden Analyse nicht nur nach vorne, sondern auch zurück. Sein nun auf deutsch erschienenes Buch Alphabet und Algorithmus. Wie das Digitale die Architektur herausfordert bettet die digitale Revolution in einen historischen Kontext ein – und konstatiert dabei strukturelle Ähnlichkeit mit Arbeitsweisen des Mittelalters. Der albertianische Autor Drei Zeitalter dienen als chronologisches Gerüst der Ausführungen: das der manuellen, das der mechanischen, und das der digitalen Produktion. Mit Bezug auf die jeweiligen Notations- und Fertigungsmethoden untersucht Carpo ausgehend von der albertianischen Wende das Bild des Architekten in seiner Funktion als Autor. Vor dem 15. Jahrhundert war Bauen ein anonymer, kollektiver Prozess. Alberti plädiert für eine Autorenschaft im Sinne des Entwerfens – für die Anerkennung „geistigen Eigentums“ avant la lettre. Der Architekt wird zum „Autor“ eines Entwurfs, der von anderen ausgeführt wird. Dabei stellte sich die Frage nach der angemessenen Art der Notation. Reproduktionen von Zeichnungen sind unzuverlässig, Beschreibungen erfolgen meist verbal oder durch Zahlenangaben: Ein legendäres Beispiel ist Albertis Descriptio urbis romae, eine digitale Karte Roms, bei welcher der Entwurf als Matrix fungiert. Alberti verpasste nur knapp die Revolution des Buchdrucks, der, ebenso wie später das industrielle Zeitalter, die Produktion notational identischer Kopien ermöglichte. Es ließ sich allerdings nur fabrizieren, was zuvor notiert worden war: Entwurf und Umsetzung waren also voneinander getrennt. Die digitalen Methoden könnten das Ende dieses „notationalen Flaschenhalses“ bedeuten. Heute ist jeder Entwurf von Anfang an informationsbasiert und kann somit auch sofort umgesetzt werden. Die neuen Werkzeuge, so Carpo, sind Hammer und Meißel dabei ähnlicher als der Entwurfszeichnung. Traditionelle Notationsformen wie Grundriss, Ansicht und Schnitt hätten demnach ausgedient – ebenso wie Albertis Konzept der Autorenschaft. Digitaler Prometheus Im jüngsten Fin de Siècle, das vom 9. November 1989 bis 11. September 2001 dauerte, verschmolzen Computerrevolution und Euphorie der Finanzmärkte. Fukuyama spricht in Anlehnung an Nietzsche von einem Universum der „Männer ohne Brust“: Der Mangel an Krieg wurde mit Heldentum im finanziellen Sektor kompensiert. In der Architektur verbanden sich technologische Möglichkeiten mit dem Wunsch nach fließenden Formen zu einer Theorie der mathematischen Kontinuität – das Guggenheim Bilbao ist emblematisch für die neue Art des Bauens. Doch Finanzblase und architektonischer Blob basieren auf den gleichen Werkzeugen. Auch Architektur war immer „von aufgeblasenen Egos und Größenwahn geprägt“, so Carpo – durch die „digitale Übermenschlichkeit“ wurde das System nur erweitert. Die CAD-CAM Verfahren der 1990er Jahre basierten meist auf proprietären Netzwerkumgebungen. Heutige Technologien ermöglichen wieder kollektives und anonymes Bauen; hinsichtlich der Open-Source-Systeme verweisen Medienforscher auf Ähnlichkeiten mit einem Basar oder der gotischen Kathedrale. Derartige Systeme untergraben aber das von Alberti etablierte Bild des Autors. Vor dem Hintergrund von Web 2.0 und dem neuen partizipativen Ansatz stellt sich die Frage: Wer ist denn nun der Autor wovon? Building on Demand Carpo skizziert einen architektonischen Scheideweg anhand der Gegenüberstellung von Objektil und Objekt. Das Objektil als mathematischer Algorithmus enthält eine unendliche Anzahl von Objekten – Carpo verweist zur Verdeutlichung auf ein Computerspiel, dessen Regeln zwar von einem Designer festgelegt wurden, dessen Verlauf aber von jedem Spieler individuell gestaltet wird. Die beiden Begriffe definieren also die Grundprinzipien nicht-standardisierter, individualisierter Massenproduktion. Nicht-standardisierte Verfahren werden durch Algorithmisierung von Technologien wie CAD oder BIM ermöglicht. Dabei können, ebenso wie ursprünglich bei der handwerklichen Bearbeitung, individuelle Gegebenheiten berücksichtigt werden. Durch genaue Berechnung der Lastverteilung und dreidimensionale geometrische Notation lässt sich beim Fertigungsprozess überflüssiger Materialverbrauch vermeiden. In einer Zeit der Ressourcenverknappung könnte Bauen im Sinne einer On-demand-Produktion somit auch wieder soziale Verantwortung bedeuten. Carpo stellt in seiner lesenswerten Publikation die interessante These auf, dass die digitalen Revolutionäre von heute die eigentlichen Konservativen seien. Auf fachlich fundierte Weise schildert er dabei die Veränderung des Konzepts architektonischer Autorenschaft über mehrere Epochen, immer unter Bezugnahme auf die jeweiligen Notationsmethoden. Mit Alberti hat der Autor von identischen mechanischen Kopien den generischen Autor abgelöst, dessen Erzeugnisse auf dem Prinzip der Ähnlichkeit beruhen. Dieses albertianische Paradigma wird mit dem digital turn umgekehrt. Carpo fordert eine „zweite, digitale Postmoderne“ und stellt die Architekten vor die Wahl: Wollen sie sekundäre Autoren im Sinne von Kunden und Mitspielern sein – oder als generische Autoren das Spiel entwerfen? Mario Carpo Alphabet und Algorithmus. Wie das Digitale die Architektur herausfordert Aus dem Englischen übertragen von Jan Bovelet und Jörg H. Gleiter, herausgegeben von Jörg H. Gleiter transcript, Bielefeld 2012 210 S., kart., 22,80 €

EU-Kommissar fordert Architekten zur Einmischung auf

EU-Energiekommissar Günther Oettinger und BAK-Präsident Sigurd Trommer diskutieren Europa-Fragen Architekten sollen ihre berufspolitische Sichtweise stärker in die Europapolitik einbringen. Diesen Appell an den Berufsstand richtete EU-Energiekommissar Günther Oettinger bei einem Empfang der Bundesarchitektenkammer in Brüssel am 5.März. „Wieder und wieder“ müssten in Deutschland gepflegte Werte in Europa vermittelt werden. Ein besonderes Anliegen des Energiekommissars ist die energetische Gebäudesanierung. Hier sollten Verbraucher mehr Anreize zum freiwilligen Handeln erhalten. Der Präsident der Bundesarchitektenkammer (BAK), Sigurd Trommer, hob auf dem Empfang hervor, dass Architekten bereit und in der Lage seien, eine zentrale Rolle bei der Bewältigung künftiger Herausforderungen zu übernehmen. Zudem sprach sich Trommer für ein Europa aus, das nationale Besonderheiten respektiert. Vertreter der BAK führten in Brüssel weitere Gespräche zu aktuellen Themen der Berufspolitik. Dazu gehörte die gegenseitige Anerkennung von Berufsqualifikationen in Europa. Mit dem zuständigen Referatsleiter der Europäischen Kommission, Jürgen Tiedje, erörterte der BAK-Vorstand unter anderem die Berufspraxiszeit als Voraussetzung der automatischen Anerkennung, die Rolle der Kammern und die Frage des Zugangs zum Beruf bei nur teilweiser Qualifikation. Als deutsche Vertreterin in den Ratsarbeitsgruppen zur Berufsanerkennungsrichtlinie hob Dr. Corinna Bölhoff von der Ständigen Vertretung Deutschlands hervor, dass sich Deutschland im Rat für die Verankerung der Berufspraxiszeit als Voraussetzung der automatischen Anerkennung von Berufsqualifikationen nach Kräften einsetze. Um Markthemmnisse im EU-Binnenmarkt ging es im Gespräch mit dem Vertreter der Generaldirektion für Binnenmarkt und Dienstleistungen der Europäischen Kommission, Matthias Schmidt-Gerdts. Er setzt sich besonders dafür ein, dass Unternehmen Zweigniederlassungen in einem anderen EU-Mitgliedstaat gründen können, ohne dass sie sich dafür komplett umstrukturieren müssen. Auf dem Prüfstand der EU-Kommission stehen laut Schmidt-Gerdts derzeit insbesondere Regelungen zu Rechtsform und Kapitalbeteiligungen von Architektengesellschaften. Um Verfahren der öffentlichen Auftragsvergabe ging es in der Diskussion mit der Europa-Abgeordneten Heide Rühle (Fraktion der Grünen/ Freie Europäische Allianz). Hier werde nach ihren Worten in den bereits fortgeschrittenen Verhandlungen im Europäischen Parlament und Rat den Forderungen der deutschen Architektenschaft zumindest teilweise Rechnung getragen. Die Vorstandsmitglieder bekräftigten erneut die Forderung der BAK, Regelungen zu schaffen, die eine angemessene Berücksichtigung von kleinen Architekturbüros und von „Newcomern“ im Rahmen der öffentlichen Auftragsvergabe sicherstellen. Ein umstrittenes Thema sprach Manfred Fuchs an, Vertreter der Generaldirektion Unternehmen und Industrie der Europäischen Kommission. Die EU-Kommission plant die Einführung eines Öko-Labels, das die Bundesarchitektenkammer vor Jahren schon einmal abgelehnt hatte, da es die Komplexität von Gebäuden in einem Siegel nicht ausreichend erfassen könne. Das jetzt, so Fuchs, „wie ein Zombie wiederauferstandene Öko-Label“ solle jedoch auf Büro-Neubauten beschränkt werden. Außerdem erläuterte Fuchs die „Strategie für eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit des Baugewerbes und seiner Unternehmen“ der EU (kurz: „Construction 2020“). Hier können Architekten laut Fuchs ihre berufspolitischen Belange in Arbeitsgruppen einbringen.

Blühende Wüsten

Gleich zwei Fachreisen führen im Frühjahr nach Dubai und Abu Dhabi: Ab 25.Februar geht es für zehn Tage mit dem Freiburger Veranstalter Architektur und Reisen in die wirtschaftlich blühende Wüste. Auch die ambitionierte Energiespar-Stadt Masdar steht auf dem Programm. Eine Sieben-Tage-Tour ab dem 9.März vermittelt die Brandenburgische Architektenkammer. Acht Tage durch Japan geht es mit dem landeskundigen Architekturprofessor Ulf Meyer vom 9. bis 18. April.  

Spaltplatten gesucht

Die Innenarchitektin Synne Marienfeld restauriert ein Haus von 1970 und sucht dafür 35 Quadratmeter Spaltplatten der Firma Gail aus den 1970er Jahren. Die Platten haben ein Nennmaß von 10 x 20cm. Die tatsächliche Größe ist 19,5 x 9,5cm. Die Kollektion hiess damals TESSIN. Die Farbnummer lautet: 60205. r Farbton wurde Lachsrot oder Rot-Orange genannt. Die Oberfläche ist rauh und fühlt sich so an, als wäre ganz feiner Quarzsand in die Glasur gestreut worden. Die Spaltplatten wurden hauptsächlich in öffentlichen Bereichen oder für Fassaden eingesetzt. Gesucht werden Spaltplatten in jeglicher Form. Der Bauherr wäre sogar bereit, verbaute Spaltplatten vorsichtig abschlagen zu lassen und dafür an dieser Stelle eine neue Gestaltung zu bezahlen. Wer von solchen Platten weiß, wende sich an Synne Marienfeld Innenarchitektin Tel.   04532. 916 8868 Handy 01522. 699 999 4 welcome@synne-marienfeld.com

Intimes Wohnen

Ein Spaziergang durch die Hufeisensiedlung Text: Ralf Kalscheur Taut hin, Taut her: Bewohner verzieren ihren Mietergarten nach eigenem Gusto Der Garten des Reihenhauses in der Onkel-Bräsig-Straße steht unter Beobachtung. Es ist ein wohlmeinender Blick, der den Vögeln gilt, die hier nach Futter suchen. Wolfgang Sürth ist ein kundiger Vogelbestimmer. Seit seine Frau vor einigen Jahren starb, hat er noch mehr Zeit für das Hobby. Er ist 86 Jahre alt und wohnt seit 59 Jahren zur Miete in diesem Haus in der Hufeisensiedlung. „Die himmlische Ruhe, die Verbundenheit mit dem Garten, das beschauliche Leben“, zählt der frühere Hochbauingenieur Vorteile des Lebens hier auf: „Ich war immer zufrieden.“ Nur die Vögel, hält Sürth inne: „Früher gab es hier viel mehr Vögel.“ Der Rentner trinkt mit einer Nachbarin Kaffee. Hannelore Knippel ist ganz froh, dass ihr Zuhause in der nahen Gielower Straße nicht zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. „Zum Thema Denkmalschutz wollte man uns ja schon einige Vorschriften machen“, berichtet sie, „einige!“. Zum Beispiel, dass ein Wintergarten nicht aus Plastik sein dürfe, sondern nur aus Holz. „Aber rechtlich können die uns ja nichts“, sagt Frau Knippel. Für die neuere Bewohnerschaft der Siedlung steht Marie Louise Jenschke.  Die Psychologin ist Gründungsmitglied im Verein „Freunde und Förderer der Hufeisensiedlung Berlin-Britz“, der die Welterbe-Info-Station als Vereinsheim nutzt und ehrenamtlich mitbetreibt. „In den letzten Jahren, und vor allem, seit die Siedlung 2008 in die Welterbe-Liste aufgenommen wurde, ist hier schon ein anderes Publikum hingezogen“, hat die 44-Jährige festgestellt. Sie ist Eigentümerin eines Reihenhauses in der Anlage. „Die neuen Bewohner sind oft sehr architektur-interessiert. Viele Akademiker-Familien mit Kindern sind darunter“, erzählt Jenschke. In den Geschossbauten am Rande der Siedlung, von Bruno Taut fast festungsartig gestaltet, würden aber noch einige Sozialhilfeempfänger leben. Der Verein wurde 2007 gegründet, nachdem viele Teilnehmer einer Bewohner-Versammlung ihrem Unmut über den Strauß denkmalschutzrechtlicher Auflagen Luft gemacht hatten. Eine uneinheitliche Verwaltungspraxis genehmigte dem einen, was sie dem anderen verwehrte. Manch Eigentümer sah sich mit einer teuren Rückbau-Verfügung vom Denkmalschutzamt konfrontiert, weil alte, zugige Holzfenster nicht denkmalgerecht saniert worden waren. „Unser Verein versucht durch Information für den Denkmalschutz zu sensibilisieren und Interessen auszugleichen“, erklärt Jenschke. Sie meint, dass der Erhaltungsaufwand sinnvoll sei – und dass das auch die große Mehrheit der Mieter und Eigentümer so sehe. Auf einer gemeinsam mit dem Landesdenkmalamt erarbeiteten Internetplattform werden inzwischen spezialisierte Handwerker genannt, Sammelbestellungen für kostspielige Materialien organisiert, Fördermöglichkeiten und Vorschriften erläutert. Die Hufeisensiedlung entstand 1925 zur Bekämpfung der Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg. Arbeiterfamilien sollten hier günstigen Wohnraum finden. Doch ausufernde Baukosten führten zu Mietpreisen, die sich von Beginn an nur Beamte und Angestellte leisten konnten. 1998 privatisierte der Berliner Senat die Alleineigentümerin Gemeinnützige Heimstätten-Spar und Bau-AG (Gehag). Die frei werdenden Reihenhäuser werden seitdem nur noch als Einzeleigentum verkauft. „Damals haben Mieter eine Genossenschaft gegründet, um ihre Häuser zu kaufen. Aber die Preise waren schon zu hoch“, erklärt Marie Louise Jenschke. Nach und nach wird die als Ikone des modernen sozialen Wohnungsbaus gerühmte Großsiedlung von einer homogenen Nachbarschaft der immer Besserverdienenden bewohnt, die sich die Ruhe und den Denkmalschutz auch leisten können. Das ist nicht das Märkische Viertel, sondern die Hufeisensiedlung, und zwar deren nordöstlicher Begrenungsbau zur Fritz-Reuter-Allee. Er ist nicht zehn, sondern drei Etagen hoch. Das Bild zeigt nur die winzigen Fenster der vorspringenden Treppenhäuser. „Die Eigentümerin Deutsche Wohnen AG kann sportliche Mieten und Kaufpreise verlangen, wenn etwas frei wird“, sagt Thomas Krüger: „Weil sie es halt auch bekommt.“ Für Interessenten werde eine Warteliste geführt. Der Architekt ist mit seiner Agentur für Stadtführungen „Ticket B“, neben dem Förderverein, Betreiber der Info-Station. Die Deutsche Wohnen AG, die 2007 mit der Gehag fusionierte, hat den Laden 2011 eingerichtet und die angeschlossene Wohnung als Dauerausstellung im Stil der 20er Jahre sowie im ursprünglichen Farbkonzept Bruno Tauts restauriert. Seit Juni 2012 dient sie als Treffpunkt für Anwohner und Startpunkt von Führungen für Architekturinteressierte. „Das Angebot wird ganz gut angenommen“, so Krüger, insbesondere von den Britzern. „Es gibt hier ein starkes Gemeinschaftsgefühl“ An zwei Tagen pro Woche hat das kleine Café bislang geöffnet; dann kommen 50 bis 60 Menschen. Krüger: „Wir betreiben auch in der Ringsiedlung Siemensstadt eine vergleichbare Info-Station, aber dort kommen kaum fünf Leute am Tag.“ Die Bewohner jenes industriell geprägten, zuweilen rau anmutenden Welterbes würden sich nicht so sehr mit ihrer Umgebung identifizieren (mehr dazu hier). Die Zukunft der Info-Station im Hufeisen ist dennoch ungewiss. Bislang nutzen Agentur und Verein die Räume noch mietfrei. Beiden schwant: das wird wohl nicht immer so bleiben. Auf zum Spaziergang durch die Hufeisensiedlung. Angela Lorenz, Altbewohnerin und ebenfalls im über 150 Mitglieder zählenden Förderverein engagiert, übernimmt die Führung. Ihre Familie wohnt hier in fünfter Generation, „meine Großeltern waren noch Trockenwohner“, erzählt die 66-Jährige. Man wohnte damals ein Jahr mietfrei in der neu gebauten Wohnung und heizte sie dafür trocken. Sie selbst wuchs im Hufeisen auf, wo auch ihr Vater noch wohnt. Der Platz vor der Info-Station am Kopf des Hufeisens ist 2011 neu gestaltet worden. Gegen erheblichen Bürgerprotest wurden die Hainbuchen gefällt, die den Blick auf den Eingangsbereich und die Freitreppe verstellten. Auch Lorenz sah die Rodung mit gemischten Gefühlen; sie hat sich mit der „Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands“ abgefunden. Die Treppe führt uns zur Teichsenke, die Bruno Taut zum Mittelpunkt der 350 Meter langen, dreigeschossigen Häuserreihe in Form eines Hufeisens machte. Es ist ein Froschteich, an seinen Ufern stehen ein paar Bäume. Die Grünfläche ist akkurat gepflegt. Angela Lorenz und Thomas Krüger weisen auf die Ruhe hin. Die fast geschlossene, hellgräulich verputzte Häuserfront mit den kleinen Dachbodenfenstern hat etwas Burgenhaftes. Die Stadt bleibt draußen, nahezu: Auf einer Bank sitzen Jugendliche und unterhalten sich. Sonst ist niemand zu sehen. Die sich gegenüberliegenden Balkone der kleinen zweieinhalb-Zimmer-Wohnungen bieten einander Einsicht, ihre Mieter sind zu Zurückhaltung aufgefordert: Wenn einer lärmt, hören es viele. „Die Hufeisensiedlung ist kein architektonisches Wunderwerk“, steht in einem Architekturführer, den man in der Info-Station kaufen kann. Wer das Hufeisen durch einen Durchgang nach Westen verlässt, erlebt einen ganz anderen Siedlungs-Charme. Lauschige, von Bäumen gesäumte Wohnstraßen führen an zweigeschossigen Reihenhäusern vorbei. Deren Madenputz ist bunt angestrichen, sodass in den Zeilen ein abwechslungsreiches Farbbild von dunkelroten, blauen, ockergelben Häusern entsteht. Die in unterschiedlichen Farben angestrichenen Türen und Fensterrahmen tragen ebenfalls zum individuellen, lebendigen Erscheinungsbild der Reihenhäuser bei. Wo sich die Zeilen zu einem Anger weiten, „Hüsung“ genannt, ist sich der Mittelpunkt der Siedlung. Hier veranstaltet der Förderverein sein jährliches Nachbarschaftsfest. „1000 Besucher kommen dahin“, sagt Angela Lorenz. Die Straßennamen wie „Hanne Nüte“ und „Onkel-Bräsig-Straße“ erfreuen Kenner der niederdeutschen Literatur Fritz Reuters. Am Ende der Hüsung liegt die Fritz-Karsen-Schule. Der Zahl der vor den Reihenhäusern stehenden Kinderfahrräder und der Kindersitze in den parkenden Autos nach zu urteilen, gibt es viele Kinder in der Siedlung. „Unser Verein und die Schule stehen in engem Kontakt. Die Bewohnerstruktur in der Siedlung verjüngt sich kräftig, weil so viele Familien hierhin ziehen“, sagt Lorenz. Sie grüßt jeden freundlich, der uns entgegenkommt. Man kennt sich. Hier ist die Hufeisensiedlung ein Dorf. Zwischen den Reihenhäuser-Zeilen liegen die Mietergärten. Bei den sechs Meter breiten Häusern sind die Gärten auch sechs Meter breit, bei den Fünf-Meter-Häusern eben fünf. Schmale Fußwege führen an ihnen vorbei und vermitteln das Gefühl, sich in einer Kleingartenkolonie zu bewegen. Das Haus von Angela Lorenz liegt gegenüber der Trockenwiese; dort können Bewohner ihre Wäsche aufhängen. Die Familie hat gerade das Dach neu decken lassen. „Wir mussten fünf Dachdeckerbetriebe abfragen, bis wir einen gefunden haben, der die Farben und Form der Ziegeln hatte“, klagt Lorenz: „Der denkmalschutzrechtliche Katalog war 20 Seiten dick.“ Auf dem Weg zurück hält Lorenz kurz und winkt einer Frau zu. Man sieht sie von draußen in ihrem Wohnzimmer stehen. Sie hat ein Kind auf dem Arm und winkt zurück. „Das ist meine Tochter und mein Enkelkind“, sagt Angela Lorenz. „Das ist hier schon intimes Wohnen.“ Ralf Kalscheur ist freier Journalist in Berlin

Solartechnik in der energetischen Sanierung

Der 5. Internationale Kongress Bauhaus.SOLAR präsentiert sich mit neuem Konzept und dem Special Topic „Energetische Sanierung von Wohngebieten und Stadtkernen“  Der Reichstag in Berlin, der Vatikan in Rom: Jedes dieser Gebäude hat auf seinem Dach eine Photovoltaikanlage. Zwar handelt es sich bei keinem dieser Bauwerke um ‚normale‘ Bestandsgebäude, doch zeigen sie beispielhaft, dass regenerative Technologien unter komplizierten Bedingungen optisch ansprechend integriert werden können. Wie dies ist auch bei weniger prestigeträchtigen Objekten, in Wohnsiedlungen und historischen Stadtkernen möglich ist, hat sich der 5. Internationale Kongress Bauhaus.SOLAR am 13./14. November 2012 in Erfurt zum Ziel gesetzt. Seit seiner Premiere im Jahr 2008 fördert der Kongress den fachübergreifenden Dialog von Architekten, Planern, Bauingenieuren, Technikern, Designern und Vertretern der Solar-, Immobilien- und Finanzwirtschaft, um wegweisende innovative Konzepte, Projekte und Forschungsergebnisse auf dem Gebiet regenerativer Energien, besonders der Solartechnik auszutauschen und weiter zu entwickeln. Mit seinem Fokus auf den ästhetischen Einfluss energiebezogener Elemente auf Architektur und Stadtplanung besitzt der Erfurter Kongress unter der großen Zahl nationaler und internationaler Veranstaltungen ein weitgehendes Alleinstellungsmerkmal. In diesem Jahr präsentiert sich der Fachkongress (nach der räumlichern Erweiterung 2011) mit einem neuen Konzept, das noch mehr interdisziplinären Austausch, Praxisbezug und Diskussion ermöglicht. Erstmals gibt es einen Einleitungsvortrag, bei dem künftig Wissenschaftler anderer Disziplinen, Journalisten, Politiker und Künstler mit ihren Sichtweisen und Themen zu Wort kommen sollen. Den Auftakt übernimmt  Harald Welzer, Sozialpsychologe und Direktor der Futurzwei.Stiftung Zukunftsfähigkeit. Hier wird unter dem Titel ‚Energiewende ist Kulturwende oder keine Energiewende‘  kontrovers das Thema aufgegriffen. Keynote-Speaker Lars Krückeberg (GRAFT-Gesellschaft von Architekten. Los Angeles. Berlin. Beijing) und der Moderator und Architekturkritiker Andreas Ruby führen anschließend einen Diskurs zum Kongressauftakt. Großes Potenzial in der Sanierung Neu ist auch das Special Topic, in diesem Jahr ‚Energetische Sanierung von Wohngebieten und Stadtkernen‘. „Hier gibt es das größte Potenzial, aber auch die größten Hindernisse im Bereich des energieeffizienten Planens und Bauens“, begründet Dr. Hubert Aulich, Vorstandsvorsitzender vom Veranstalter SolarInput die Entscheidung für dieses Fokusthema. Architekten, Bauherren, Vertreter von Wohnungsgesellschaften, Denkmalpfleger, Stadtplaner, Hersteller und Anwälte sprechen und diskutieren zu zwei hoch aktuellen Themen. Die Session ‚Solare Energie bei der Sanierung von Wohnsiedlungen‘ stellt die Frage, warum die vorhandenen Potentiale bisher nur unzureichend genutzt werden und welche Voraussetzungen für eine verstärkte Anwendung solarer Energie erforderlich sind. ‚Photovoltaik in historischen Stadtkernen‘ steht dagegen oft im Widerspruch zu Altstadtsatzungen und Denkmalpflege. Welche Anforderungen ergeben sich daraus an die Hersteller und wie objektiv können Behörden und Gerichte entscheiden. Was ist (un)möglich?  Zahlreiche praktische Bespiele und unterschiedliche Auffassungen lassen in dieser Session eine kontroverse Diskussion erwarten. Den zweiten Veranstaltungstag eröffnet Professor Hansjürg Leibundgut (ETH Zürich). In seiner Keynote-Speech ‚Auf dem Weg zu sauberer Architektur‘ stellt er sein Konzept ‚ Sol²ergie‘ vor. Die darauf folgenden Themenblöcke finden wieder als Parallel-Sessions statt, so dass die Tagungsteilnehmer aus einem vielfältigen Angebot – Global Energy Issues, Bauhaus Solar Innovation, Bauhaus Solar Research und Best Practice – zwischen aktuellen innovativen Projekten und wissenschaftlicher Forschung wählen können. Das Konferenzprogramm und Einzelheiten zur Anmeldung gibt es hier 

Digitale Messdiener: Zusatzinfos

Weitere Infos/Quellen *
  • Bruschke, A. (Hrsg.): Bauaufnahme in der Denkmalpflege, Fraunhofer IRB Verlag, Stuttgart 2005
  • Cramer, J.: Handbuch der Bauaufnahme, Deutsche Verlags Anstalt, Stuttgart 1993 (vergriffen)
  • Donath, D.: Bauaufnahme und Planung im Bestand: Grundlagen, Verfahren, Darstellung, Beispiele, Vieweg&Teubner, Wiesbaden 2008
  • Wangerin, G.: Bauaufnahme: Grundlagen, Methoden, Darstellung, Vieweg, Wiesbaden 1992
  • Wiedemann, A.: Handbuch Bauwerksvermessung: Geodäsie, Photogrammetrie, Laserscanning, Birkhäuser, Basel 2004
Produkte und Anbieter* 2D-Erfassungssysteme: Tachymetrische Systeme: Laserscanner-Systeme: Fotobasierende Systeme: Aufmaß-Apps: Testplattform für Laser-Entfernungsmesser * Auswahl, ohne Anspruch auf Vollständigkeit

Bergwärts. Zeitgemäßes Wohnen in den Schweizer Alpen

Die Schweiz und vor allem die Schweizer Alpen üben bis heute auf viele Menschen eine ganz besondere Anziehungskraft aus. Denn nach wie vor steht diese – wenn auch sehr raue – Landschaft für Ruhe und Erholung jenseits des oftmals so stressigen Alltags. Dazu tragen nicht zuletzt auch die Architektur und die Innenausstattung der kleineren und größeren Gebäude bei. Denn zumindest die älteren Häuser, von den Neubauten leider nur ein Teil, wurden mit Respekt vor der Umgebung gebaut, die Planer bezogen die Besonderheiten des jeweiligen Orts in die Entwürfe ein. Rustikale Holzmöbel, kleinkarierte Stoffe und ein offener Kamin vermitteln Geborgenheit und schaffen eine Atmosphäre, in der man sich wohl fühlen kann. Mittlerweile gesellen sich zu diesen typischen Elementen weitere hinzu, die im 21. Jahrhundert schon fast zum Standard gehören, wie große und helle Räume, eine gut ausgestattete Küche und ein Badezimmer mit gewissem Luxus. Wie sich Tradition und zeitgenössische Wohnansprüche auf gelungene Art miteinander verbinden lassen, zeigen Mirko Beetschen und Stéphane Houlmann in diesem Buch. Dafür haben sie 15 Beispiele ausgesucht, die vom einfachen Ferienhäuschen über das luxuriöse Chalet und ein Hotel bis zum dauerhaft bewohnten Domizil reichen. Vorgestellt werden alle Gebäude mit einem einleitenden Text, der meist in einer sehr blumigen Sprache geschrieben wurde, sowie zahlreichen großformatigen Bildern, die mal die Architektur, mal das Interieur und wieder ein anderes Mal liebevoll gestaltete Details in den Fokus rücken. Da neben der Innenarchitektur das Bauwerk selbst immer eine große Rolle spielt, hätten Pläne – am besten vom Bestand und vom umgebauten Haus – den Informationsgehalt des Buches gesteigert. Doch auch so zeugt die Auswahl vom Ideenreichtum der Planer, denen es gelungen ist, die Besitzer oftmals vom Wert so machen alten Schatzes zu überzeugen, Neu und Alt auf raffinierte Art miteinander zu verbinden ohne dabei ins Kitschige abzudriften und meist alter, oftmals vergessener Bausubstanz neues Leben einzuhauchen. Wenn noch mehr Menschen so viel Mut beweisen würden, wie die hier vorgestellten (Innen-) Architekten und Bauherren, könnte in den Schweizer Alpen manches noch anders aussehen. Mirko Beetschen und Stéphane Houlmann: Bergwärts. Zeitgemäßes Wohnen in den Schweizer Alpen Deutsche Verlags-Anstalt, München; gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 208 Seiten, 49,99 €; ISBN 978-3-421-03885-2 Buchkritik: Simone Hübener

Ich bin ein Star…

…darum holt mich raus aus der HOAI. Mit diesem Begehren scheiterte ein Architekt vor Gericht Text: Axel Plankemann Ein Architekt hatte mit seinem Bauherrn eine Honorarvereinbarung getroffen, welche die Höchstsätze der HOAI überstieg. Im späteren Rechtsstreit über das Honorar argumentierte der Architekt vor Gericht mit dem besonderen gestalterischen Wert seines Projekts und führte an, schon seine früheren Bauten seien in Kollegen- und Kunstkreisen außerordentlich gewürdigt worden. Doch das allein überzeugte das Oberlandesgericht Stuttgart nicht. Nach seinem Urteil vom 29.5.2012 (Az.: 10 U 142/11, Urteilsbegründung hier) muss für eine Überschreitung der HOAI-Höchstsätze zumindest ein Werk der Baukunst geschaffen werden, das heißt ein urheberrechtsschutzfähiges Werk. Das Urteil verknüpft auf interessante Weise urheberrechtliche Gesichtspunkte mit der honorarrechtlichen Bewertung von Höchstsatzüberschreitungen nach der HOAI. Die dort festgesetzten Höchstsätze dürfen nur bei außergewöhnlichen oder ungewöhnlich lange dauernden Leistungen durch schriftliche Vereinbarung überschritten werden. Dabei bleiben Umstände außer Betracht, die bereits für die Einordnung in Honorarzonen oder im Rahmen der Mindest- und Höchstsätze mitbestimmend gewesen sind. Grundlage ist § 4 Abs. 3 HOAI der früheren Fassung, welcher sich inhaltlich unverändert in § 7 Abs. 4 HOAI der gegenwärtig geltenden Fassung wiederfindet. Beim Bewerten der Höchstsatz-Überschreitung folgte das Gericht zunächst der Rechtsprechung des BGH. Danach liegt eine rechtswidrige Honorarüberschreitung nicht bereits vor, wenn ein einzelner honorarbildender Abrechnungsfaktor falsch angewendet wird. Voraussetzung ist vielmehr, dass ein von den Vertragsparteien vereinbartes Gesamthonorar die Höchstsätze der HOAI insgesamt übersteigt. Das traf hier zu: Für Gebäude und Freianlage waren jeweils Honorare vereinbart, die sogar die Höchstsätze der Honorarzone V überstiegen. Dies wurde vom Gericht beanstandet. Ausgehend vom Wortlaut des § 4 Abs. 3 HOAI alter Fassung, darf ein Höchstsatz nur überschritten werden, wenn er keine leistungsgerechte Honorierung gewährleistet, weil sich die Leistungen mit den in der HOAI angebotenen Honorarkriterien nicht mehr bewerten lassen. Das ist aber ein Ausnahmefall, denn die Kriterien der HOAI bieten in der Regel ausreichende Möglichkeiten, Architektenleistungen angemessen zu vergüten. Soll eine solche Ausnahme auf die Außergewöhnlichkeit der Leistungen im künstlerischen Bereich gestützt werden, so ist nach Auffassung des Gerichtes jedenfalls ein Werk der Baukunst zu schaffen, das heißt ein urheberrechtsschutzfähiges Werk. Die Urheberrechtsfähigkeit wird durch Bezug auf die einschlägige obergerichtliche Rechtsprechung konkretisiert: Es müsse sich um eine persönliche geistige Schöpfung mit individueller Prägung und einem ausreichenden künstlerisch-ästhetischen Gehalt handeln, welche über die Lösung einer fachgebundenen technischen Aufgabe unter Anwendung bekannter Lösungsmuster gerade durch Einsatz besonderer gestalterischer Elemente hinausgeht und so das Bauwerk über „das Übliche“ hinaushebt. Nach Auffassung des Gerichts bietet die HOAI für eine solche Beurteilung verlässliche Maßstäbe an, unter anderem auch die Regelung über die Honorarzonen. Nur wenn die baukünstlerische Qualität des fraglichen Gebäudes mit der Honorarsystematik und den honorarbildenden Faktoren der HOAI überhaupt nicht mehr erfasst werden kann, liegen demnach außergewöhnliche Leistungen vor. Das hat der Architekt im vorliegenden Fall nicht belegen können; allerdings hat er es wohl im Prozess an entsprechenden Nachweisen fehlen lassen. Sein Hinweis auf das Renommee früherer Bauten hat das Gericht jedenfalls nicht überzeugt. Nach dem Urteil kann nur in der konkreten Planung im Einzelfall beurteilt werden, ob eine außergewöhnliche Leistung vorliegt oder nicht. Früheres baukünstlerisches Schaffen eines namhaften Architekten allein rechtfertige dagegen nicht per se Honorarvereinbarungen, die die Höchstsätze übersteigen. Beraten von Sachverständigen, hat das Gericht sowohl das Gebäude als auch die Freianlagen der Honorarzone IV zugeordnet und dem Architekten in dieser Honorarzone den jeweiligen Höchstsatz zugesprochen. Soweit seine Honorarvereinbarung über diese Höchstsätze hinausging, hat das Gericht eine Teilnichtigkeit des Vertrages erklärt. Axel Plankemann ist Rechtsanwalt in Hannover

Mehr Arbeit mit Arbeitsstätten

Hervorgehoben

Die Verordnung und die Richtlinien für Arbeitsstätten sind erneuert. Teils gibt es mehr Gestaltungsspielraum  – teils jedoch eine überzogene Regelungswut Text: Carsten Schnoor Von Architekten, die Arbeitsstätten planen, sind die Vorschriften zum Arbeitsschutz zu berücksichtigen und einzuhalten. In der frühen Phase der Bedarfsplanung sind insbesondere diejenigen Anforderungen von Bedeutung, die sich auf das Raumprogramm auswirken. Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) legt fest, was der Arbeitgeber beim Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten in Bezug auf die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten zu beachten hat. Geregelt werden zum Beispiel Anforderungen an Arbeitsräume, Pausen-, Bereitschafts- und Sanitärräume, Beleuchtung, Belüftung und Raum­temperatur. Neue Arbeitsstättenverordnung Die neue Arbeitsstättenverordnung (BGBl. I Nr. 44 vom 24.8.2004, S. 2179) hat die Arbeitsstättenverordnung von 1975 abgelöst. Die Überarbeitung der Verordnung war notwendig geworden, um sie an die Struktur des europäischen Arbeitsrechts anzugleichen. Zudem entsprach die Verordnung in einigen Punkten nicht dem Stand der Technik. Weiterhin wurden mit der neuen Arbeitsstättenverordnung Teile der EG-Baustellenrichtlinie in das deutsche Recht umgesetzt sowie die EG-Sicherheitskennzeichnungsrichtlinie in staatliches Recht überführt. Bis dahin galten für die Sicherheitskennzeichnung ausschließlich berufsgenossenschaftliche Vorschriften. Das neue Konzept der Verordnung folgt der Regelungssystematik der europäischen Rechtsetzung zu Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit, hier insbesondere der EG-Arbeitsstättenrichtlinie. Danach werden Schutzziele und allgemein gehaltene Anforderungen, nicht aber detaillierte Vorgaben festgesetzt. Wichtige Aspekte zum Zeitpunkt der Umsetzung waren auch die Deregulierung (Bürokratieabbau) und die Erleichterung der Anwendung der ArbStättV in der Praxis. Gegenüber der alten Arbeitsstättenverordnung werden in der neuen lediglich Schutzziele und allgemein gehaltene Anforderungen aufgestellt (Synopse mit Gegenüberstellung der alten und neuen Fassung hier). Dem Arbeitgeber werden in der Verordnung selbst nur wenige konkrete Vorgaben für die Einrichtung der Arbeitsstätte und für den täglichen Betrieb gemacht. Der Arbeitgeber soll so einen gewissen Gestaltungsspielraum zur Ausfüllung der Schutzziele erhalten und mehr in die Eigenverantwortung genommen werden. Die Arbeitsstättenverordnung von 2004 enthält Mindestvorschriften für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten beim Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten. Als „schlanke Verordnung“ wurden die 58 Paragrafen der alten Verordnung auf derzeit  zehn reduziert. Der „Paragrafenteil“ der Verordnung enthält neben Ziel- und Begriffsbestimmungen Vorschriften für das Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten (§§ 3a und 4),  Regelungen für den Nichtraucherschutz (§ 5), spezifische Bestimmungen für Arbeits-, Sanitär-, Pausen-, Bereitschafts- und Erste-Hilfe-Räume sowie für Unterkünfte (§ 6). Von besonderer Bedeutung ist, dass die Betriebe die Belange von Menschen mit Behinderungen in Hinblick auf Sicherheit und Gesundheitsschutz berücksichtigen müssen (§ 3a). Zwischenzeitlich wurde die „Fünfte Änderung der Arbeitsstättenverordnung“ (BGBl. I vom 19. Juli 2010, S. 960) ver­öffentlicht. Neue Regeln für Arbeitsstätten (ASR) Mit der Arbeitsstättenverordnung von 2004 sind ebenfalls die für die praktische Umsetzung notwendigen „Technische Regeln für Arbeits­stätten (ASR)“ neu zu erstellen. Der Ausschuss für Arbeitsstätten (ASTA) steht dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales beratend zur ­Seite und hat zudem die Aufgabe, die neuen ­Regeln aufzustellen und damit die alten Arbeitsstätten-Richtlinien (ASR) zu ersetzen (mehr hier). Die Abstimmungsprozesse im Ausschuss für Arbeitsstätten beim zuständigen Bundesministerium (ASTA) waren wegen der unterschiedlichen Interessen schwierig und langwierig. Zum Teil sollen über 300 Änderungsvorschläge für eine neue ASR eingegangen sein. Es sind derzeit 20 neue ASR geplant, die insgesamt die vormals 30 Arbeitsstätten-Richt­linien ablösen sollen. Bis April 2012 wurden neun neue Technische Regeln für Arbeitsstätten eingeführt. Die Übergangsfrist währt bis Ende 2012. Die neuen Regeln für Arbeitsstätten sollen zum Zeitpunkt der Bekanntgabe den aktuellen Stand der Technik enthalten. Sie sollen dem Arbeitgeber die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung nach § 3 der ArbStättV erleichtern. Wendet der Arbeitgeber diese an, kann er davon ausgehen, dass er in Bezug auf den Anwendungsbereich der ASR die Vorgaben der ArbStättV einhält (Vermutungswirkung). Neu ist, dass die Arbeitsstättenverordnung von 2004 eine Verpflichtung zur Anwendung der ASR nicht vorschreibt. Der Arbeitgeber kann eigenständig von den Vorgaben der ASR abweichen und die Schutzzielvorgaben der Arbeitsstättenverordnung einschließlich des Anhangs auch auf andere Weise erfüllen. In diesem Fall muss er die ermittelten Gefährdungen, denen die Beschäftigten ausgesetzt sind oder sein können, durch Maßnahmen des Arbeitsschutzes auf andere Weise so beseitigen oder verringern, dass dabei das gleiche Schutzniveau wie in der ASR erreicht wird („Stand der Technik“). Dies gilt grundsätzlich auch für den Bestandsschutz. Er wird immer dann berührt, wenn zum ersten durch die Bekanntgabe der Technischen Regeln neue Anforderungen aufgrund der Fortentwicklung des Standes der Technik entstanden sind. Und er wird berührt, wenn zum zweiten die Maßnahmen nur mit umfangreichen Änderungen oder erheblichen Aufwendungen in den bereits eingerichteten und betriebenen Arbeitsstätten umsetzbar sind. Ein Bestandsschutz im Hinblick auf „Alt-ASR“ besteht nicht – für Arbeitgeber von bereits in Betrieb befindlichen Arbeitsstätten ist die Gefährdungsbeurteilung relevant. Ob der Arbeitgeber die Arbeitsstätte den neuen Regelungen entsprechend anpassen muss oder ob die bestehende Arbeitsstätte auch weiterhin den Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung entspricht, lässt sich nur mit der Wiederholung der Gefährdungsbeurteilung ermitteln. Ein Abweichen von den ASR ist jederzeit möglich, wenn gleiche Sicherheit und gleicher Gesundheitsschutz gewährleistet sind. Die Überwachung obliegt den staatlichen Arbeitsschutzaufsichtsbehörden (Gewerbeaufsichtsämter bzw. Ämter für Arbeitsschutz) bzw. den  Berufsgenossenschaften, die seit 1.1.2004 auch die rechtliche Grundlage erhalten haben, mittels staatlicher Arbeitsschutzvorschriften ihren Präventionsauftrag zu erfüllen. Der Berufsstand der Architekten ist im ASTA über die Bundesarchitektenkammer (BAK) vertreten, leitet Arbeitsgruppen und wirkt in etlichen mit. Zu den Inhalten bezieht die BAK kontinuierlich Stellung und bemängelt häufig die fehlende Praxistauglichkeit. Statt der angestrebten Deregulierung nehmen aber die ASR aus Sicht der BAK einen Detaillierungs-, Verhütungs-, Beschützungs-, und Regelungsgrad an, der weit über die Belange von Sicherheit und Gesundheitsschutz hinausgeht und weder bedarfsgerechten noch in einem angemessenen Kosten-Nutzen-Verhältnis steht. Die BAK hat im ASTA unter anderem deutlich gemacht, dass beim Errichten und Betreiben einer Arbeitsstätte im Bestand in der vorherrschenden Situation nicht alle Anforderungen umsetzbar sind und dass zum Beispiel Sanitärräume wesentliche, feste Räume in einem Bauwerk sind, die nicht einfach ausgetauscht bzw. vergrößert oder ergänzt werden können. Die BAK bemängelt auch, dass mit der geplanten ASR A4.1 neben einigen wenigen Erleichterungen überwiegend höhere Anforderungen im Vergleich zur ArbStättV 1975 und den Arbeitsstättenrichtlinien gestellt werden – ohne dass die planerischen und finanziellen Konsequenzen berücksichtigt sind und ohne dass nachgewiesen ist, dass die Verschärfung erforderlich ist (Stellungnahme der Bundesarchitektenkammer hier). Für den Architekten als temporären Anwender der ArbStättV und der ASR ist es auf den ersten Blick verwirrend, dass die neuen „Regeln für Arbeitsstätten (Arbeitsstättenregeln)“ genauso mit „ASR“ abgekürzt werden wie die alten Arbeitsstätten-Richtlinien (ASR). Nur durch einen Zusatz in der Nummerierung durch ein „ASR A…“ wird der Unterschied der neuen ASR zu den alten ASR erkennbar. In der Tabelle findet sich eine Übersicht zum Stand der neuen und der alten ASR. Soweit noch keine neuen Regeln für Arbeitsstätten vorliegen, gelten die alten Arbeitsstätten-Richtlinien so lange fort, bis sie durch die neuen ersetzt sind, jedoch nicht länger als bis zum 31. Dezember 2012. Den Planern sei empfohlen, wenn noch keine neuen ASR vorliegen, die alten Arbeitsstätten-Richtlinien als Orientierung zur Konkretisierung der allgemeinen Schutzziele heranzuziehen. Auch auf die Besonderheiten in den landesrechtlichen Vorschriften – insbesondere dem Bauordnungs- recht – gegenüber den Vorgaben des Arbeitsschutzes sollten Planer ­weiterhin achten. Bei konkurrierenden Anforderungen sollte immer die weitergehende Vorschrift angewendet werden. Dipl.-Kfm. Ing.(grad.) Carsten Schnoor ist  zuständig für das Baumanagement bei der Bremer Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Gesundheit

Festschrift für Egon-Rudolf Haible

Für den Honorarsachverständigen Egon-Rudolf Haible aus Lörrach ist zum 80.Geburtstag am 12.April 2012 eine Festschrift erschienen. Herausgeber Andreas T. C. Krüger schreibt über Haible: „ Sein unermüdlicher Kampf für den Fachbereich „Raumbildender Ausbau“ und damit vorwiegend der Belange der Innenarchitekten hat ihn in sämtlichen Bundesländern bekannt gemacht. Neben der „Erfindung“ des Raumbildenden Ausbaus hat er dafür gesorgt, dass die Belange der Innenarchitekten bei jeder HOAI-Novellierung beachtet und berücksichtigt wurden.“ 20 Fachbeiträge von Fachanwälten des Bau- und Architektenrechts, Richtern und Honorarsachverständigen sowie Architektenverbands-Funktionären setzen sich mit der HOAI auseinander. Dabei insbesondere mit dem Schwerpunkt der Honorare und Kosten für Raumbildende Ausbauten, von Innenarchitekten sowie mit Planungsänderungen, Besonderen Leistungen, Zuschlag, Kostenberechnungen, Baukostenvereinbarungen, Honorarrechnungen, Preisrecht, Vergaberecht, Brandschutz bis zur Geschichte der HOAI. Die Festschrift kann für 49,90 € über archiak@t-online.de bezogen werden oder über die ISBN-Nr. 978-3-00-037117-2 bestellt werden.

Consense: Messe für Nachhaltigkeit

Die Consense, Deutschlands erste Fachmesse für nachhaltiges Bauen und Betreiben, lädt für den 19. und 20.Juni wieder zur Ausstellung und Fachkongress nach Stuttgart. Konkrete Lösungen und marktreife Produkte sollen im Vordergrund stehen. Ideeller und fachlicher Träger ist die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Der Eintrittspreis ist auf das für eine solche Veranstaltung sehr niedrige Niveau von 15 Euro begrenzt. www.consense-messe.de

Schutzklassen und Info-Quellen

Schutzklassen definieren „Robustheitsgrad“ IP-Code: Er gibt zusammen mit dem folgenden MIL-STD an, wie robust das Gerät ist. Die erste Zahl hinter der Schutzart-Bezeichnung „IP“ gibt den Widerstand gegen das Eindringen von Fremdkörpern (Sand, Staub) an. Die Werte reichen von „0“ für keinen Schutz bis „6“ für Fremdkörper in Staubkorngröße. Die zweite Zahl gibt den Widerstand gegen das Eindringen von Wasser an. „1“ steht für senkrechtes Tropfen, „8“ für dauerndes Untertauchen. Die Bezeichnung IP 54 steht z.B. für „staub-“ und „spritzwassergeschützt“ (siehe auch „Weitere Infos“). MIL-STD: Der vom US-Militär stammende Standard MIL-STD definiert Testszenarien, die Feuer, Unterdruck, Stürze, Vibrationen, Salzwasser, Wüsten- und Arktik-Klima etc. Übersteht ein Gerät diese Tests, erhält es die entsprechende Zertifizierung. Der MIL-STD 810F umfasst z.B. Unterdruck-, Temperatur-, Feuchtigkeits-, Korrosions-, Fall- und Stoßtests. Da keine Belastungsparameter definiert werden, ist der MIL-STD nur zusammen mit Messprotokollen (Sturzhöhe, Betriebstemperatur etc.) aussagekräftig (siehe auch „Weitere Infos“). Weitere Infos video.google.de (Suche: „Rugged Notebook“ etc.)               Videos de.wikipedia.org/wiki/Schutzart IP-Schutzarten en.wikipedia.org/wiki/United_States_Military_Standard MIL-Standard www.notebookinfo.de Markt, Foren www.notebookcheck.com Testberichte www.ruggedpcreview.com Online-Magazin Zum Haupttext hier.

Neues von Becker-Nickels

Der unermüdliche Autor und Architekt Frank Becker-Nickels aus München hat gleich zwei neue Werke veröffentlicht: „Auf den Platz gekommen“ ist eine hieitere und ironische Anthologie mit Texten über Plätze mit Textformen vom Monolog bis zum Märchen – und es ist, das stellt schon der Einband klar, „garantiert kein Fachbuch über Plätze.“ Unter seinem Pseudonym „Fra’Beni“ ist das Buch „Archs geballte(r) Faust + die Vox Populi“ erschienen – ein neuer Lyrik-Band über Architektenlust und vor allem -frust, über Hässliches, Misslungenes und Umstrittenes in der gebauten und geplanten Welt.   Frank Becker-Nickels: Auf den Platz gekommen. 170 S., 18 €, Nora Verlag Berlin Fra’Beni: Archs geballte(r) Faust + die Vox Populi, 134 Seiten, 9,80 € über Online-Händler Leseproben aus einem anderen Werk des Autors hier        

„Offen und vertrauensvoll“

Bundes-Wirtschaftsminister Rösler strebt für 2013 eine erneuerte HOAI an | Von Lars Menz Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler besuchte im März die Architektenkammer Niedersachsen in Hannover und sprach mit Kammerpräsident Wolfgang Schneider über die laufende Novellierung der HOAI. Das Bundeswirtschaftsministerium arbeitet zur Zeit an der Aktualisierung der Honorartabellen, nachdem im September letzten Jahres das Bundesbauministerium die Ergebnisse zur Überarbeitung aller Leistungsbilder vorgelegt hatte. Das jetzige Gespräch kam durch einen Brief an den Minister zustande, in dem Schneider die Sorge über den verbleibenden knappen Zeitplan für die weiteren Arbeiten zur HOAI zum Ausdruck brachte. Bereits in seiner Funktion als niedersächsischer Wirtschaftsminister hatte Rösler mehrfach mit der Architektenkammer Niedersachsen das Thema HOAI besprochen. Die Landesregierung hatte in den Diskussionen der vergangenen Jahren stets eine modernisierte verbindliche Honorarordnung gefordert und in diesem Sinne den Berufsstand nachdrücklich unterstützt. Rösler und Schneider knüpften daher in ihrem Gespräch nahtlos an die damaligen Begegnungen an.  Rösler machte deutlich, dass spätestens im Januar 2013 ein Referentenentwurf für die HOAI vorliegen soll. Ein kontinuierlicher Meinungsaustausch mit den Kammern und Verbänden soll sicherstellen, dass das weitere Verfahren nicht durch unerwartete Diskussionspunkte behindert wird. Der Bundeswirtschaftsminister sagte zudem zu, bei der Veranstaltung „Architekten und Politik“ der Architektenkammer Niedersachsen am 26. September 2012 in Hannover zu sprechen und dabei den Zwischenstand der Novellierungsarbeiten vorzustellen. Philipp Rösler, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie Herr Minister, Sie werden sicher nicht überrascht sein, dass wir gegenwärtig als Architektenschaft eine zentrale Frage haben, die HOAI. Wir danken der Bundesregierung für die intensiven Vorarbeiten, aber: Wird es in dieser Legislativperiode noch etwas mit der HOAI? Gemäß des Koalitionsvertrags soll die HOAI in dieser Legislaturperiode weiter modernisiert werden. Dementsprechend setzen wir uns für den Abschluss der Reform bis Frühjahr 2013 ein. Ziel der Reform ist es, die Leistungsbilder der HOAI und ihre Honorarstruktur zu aktualisieren. Wenn ich Sie richtig verstehe, beurteilen Sie also die Gefahr als nicht sehr groß, dass am Ende der Legislaturperiode die Novellierung doch noch scheitert und die ganze Novellierung wieder von vorne begonnen werden muss? Unser Zeitplan ist ehrgeizig, aber ich bin dennoch zuversichtlich, dass wir die Novelle in dieser Legislaturperiode abschließen können. Das Bundesbauministerium hat zu einigen Themen, insbesondere im baufachlichen Teil, schon vorgearbeitet. Auch für die allgemeinen Honorarregeln gibt es bereits Vorschläge. Ist abzusehen, ob Ihr Ministerium das so übernehmen wird? Das Bundesministerium für Verkehr, Bauen und Stadtentwicklung und mein Haus arbeiten eng zusammen. Aus fachlichen Gründen haben sich beide Ministerien auf eine Arbeitsteilung geeinigt. Das Verkehrs- und Bauministerium hat die Leistungsbilder und eine Reihe weiterer Vorschriften der HOAI überprüft. Bei dieser Untersuchung haben für den Zeitraum von mehr als einem Jahr Vertreter der Auftragnehmer- und Auftraggeberseite mitgewirkt. Jetzt folgt die Überprüfung der Honorarstruktur durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie auf der Grundlage der Empfehlungen des Ministeriums Verkehr, Bauen und Stadtentwicklung. Dazu wird  das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie kurzfristig einen Forschungsauftrag vergeben. In den Vorschlägen des Bauministeriums sind auch viele Mehrleistungen für Architekten vorgesehen. Wird dies auch bei der Neufassung der Honorartabellen berücksichtigt? Infolge der Empfehlungen zur Überarbeitung der Leistungsbilder ergeben sich sowohl Mehrleistungen als auch Minderleistungen. Teilweise sind die vorgeschlagenen Änderungen auch kostenneutral. Eine wichtige Aufgabe der Untersuchung des Aktualisierungsbedarfs der Honorarstruktur ist nun, die Auswirkungen der veränderten Leistungsbilder abschließend als Mehr- oder Minderaufwand zu erfassen und preislich zu bewerten. In dieser ersten Phase hat sich das Bauministerium bemüht, Vertreter aller betroffenen Gruppen, Auftraggeber und Auftragnehmer, intensiv in die Vorarbeiten einzubinden. Wird ein solcher fachlicher Austausch trotz des fortgeschrittenen Zeitplans auch von Ihrem Ministerium angestrebt? In diesem Reformprozess haben wir offen und vertrauensvoll mit den Vertretern der Architekten und Ingenieure zusammengearbeitet und möchten das auch weiterhin tun. Ich bin davon überzeugt, dass eine solche offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit auch einen Zeitvorteil für den weiteren Ablauf des Novellierungsprozesses bringt. Denn was bereits am Anfang ausdiskutiert wurde, kann am Ende nicht mehr den Zeitplan in Frage stellen. Aus diesem Grund wird das Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie die Vertreter der Auftragnehmer- und Auftraggeberseite, die auch bei der baufachlichen Untersuchung des Bundesministerium fürs Verkehr, Bauen und Stadtentwicklung mitgewirkt haben, in diesen Prozess einbinden. Zu diesem Zwecke werden wir einen informellen Begleitkreis für die Dauer des Forschungsvorhabens des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie begründen. Lars Menz ist Redakteur der Landesausgabe Niedersachsen des Deutschen Architektenblatts

Von Baukultur bis Blower door

Was Versicherer noch bieten – neben Versicherungen / Von Roland Stimpel Neudeutsch nennt man es Win-win-Situation: Architekten haben immer wieder Informations- und Beratungsbedarf auf ihrem komplexen Arbeitsgebiet. Haftpflichtversicherer wollen, dass Architekten qualifiziert arbeiten – weil dies die Schäden am Bau mindert. Also bieten große Versicherer vielfältigen Service für diverse berufliche Lebenslagen. Das geht bis zum Engagement in der Forschung: Die VHV in Hannover lobte 2011 einen Bauforschungs-Nachwuchspreis aus, den der Darmstädter Architektur-Absolvent Simon Gehrmann für seine Ideen zum heiklen Bauen in Einflugschneisen gewann. Die AIA in Düsseldorf animiert dagegen zur praktischen Forschung im Internet: Sie kooperiert neuerdings mit der Website „Bausuchdienst“. Dort können Architekten und Planer sich in der Hoffnung auf Kundschaft selbst eintragen, was bis jetzt aber noch wenig genutzt wird. Ausgereifter ist hier die Datenbank mit zahlreichen Fachurteilen und aktuellen Rechtshinweisen, die sich per Stichwortsuche finden lassen. Und es gibt ein Baurechts-Wörterbuch mit Hunderten Begriffen von „Abfindung“ bis „Zwischenfristen“. Eher indirekte Hilfe für die Anliegen von Architekten leistet wiederum die VHV als Mitglied im Förderverein der Bundesstiftung Baukultur. In alltäglicheren Fragen unterstützt sie Kammern bei Weiterbildungsprogrammen. Die AIA bietet aktuell Seminare an – über ihre Kernthemen Haftpflicht und Recht, aber auch über „Chancen und Risiken beim Bauen im Bestand“ am 23.3. in Chemnitz. Sie vermittelt zudem in ihrem Service-Center technische Dienstleistungen wie Bodengutachten, Blower-door-Tests und Gebäudethermografie. Besonders rege sind die Versicherer natürlich dort, wo es unmittelbar um Versicherungen und Haftpflicht geht. Die VHV hat dazu gemeinsam mit der niedersächsischen Kammer einen125-seitigen Leitfaden für Architekten herausgegeben, verfasst von den Juristen Stefanie Kuhn (VHV) und Markus Prause (Kammer). Einige Kammern haben mit der VHV spezielle Rahmenverträge für Existenzgründer abgeschlossen, die mit niedrigen Prämien den Bürostart erleichtern sollen. Auch die AIA bietet ein breites Spektrum an Beratungen – nicht nur zu eigenen Verträgen, sondern auch zu denen mit dem Bauherrn, zu Honorarrecht, Haftungsfragen und mehr. Und wer später nicht selbst offenen Rechnungen hinterherrennen will, kann damit über die AIA einen speziellen Dienstleister beauftragen

Philosophie und Leitungswasser

Nachhaltigkeit ist eine Selbstverständlichkeit und gehört zur Basis des Denkens. Graft Architekten Für mich ist etwas nachhaltig, wenn man in dem Bau gesünder lebt und wenn er länger hält. Sergei Tchoban, Architekt Nachhaltigkeit ist ein Imagethema. Ralf Molter, Drees & Sommer Soziale, künstlerische und philosophische Betrachtungen auf wissenschaftlicher Basis sollten eine größere Bedeutung bekommen. Das wäre unser Credo für Nachhaltigkeit. Barbara Possinke, RKW Architekten Entwurf und Nachhaltigkeit, sozusagen Gestaltung und Nachhaltigkeit, müssen eins sein. Graft Architekten Auch Luxus kann nachhaltig sein. Michael Lanz, Designer Nachhaltigkeit fordert eine zeitgemäße aktuelle Ehrlichkeit. Jan Störmer, Architekt Dass man die Geschichte des Ortes und die Tradition berücksichtigt, führt auch zur Nachhaltigkeit eines Gebäudes. Jan Kleihues, Architekt Als Architekt muss man das Thema Nachhaltigkeit umarmen. Graft Architekten Wir lenken unser Augenmerk bei unseren Projekten darauf, Nachhaltigkeits-Gimmicks zu schaffen. Das Neueste ist an jedem zweiten Stellplatz in der Tiefgarage eine Elektrosteckdose. Mathias Düsterdick, Projektentwickler Deutschland hat eine Tradition mittelständischer Familienunternehmen. Das allein ist schon eine Form der Nachhaltigkeit. Markus Stebich, Architekt Nachhaltigkeit in sozialen Strukturen ist, wenn man immer lernfähig bleibt. Graft Architekten Dass das Leben bezahlbar ist und ein hervorragendes Nahverkehrssystem existiert – auch das ist Nachhaltigkeit. Annette von Hagel, Bundesanstalt für Immobilienaufgaben Die Verdichtung der Stadt ist nachhaltig. Annette von Hagel Die Diskussion um Nachhaltigkeit ist etwas chaotisch, etwas zu nervös, etwas zu hektisch. Christoph Mäckler, Architekt Letztendlich versuchen wir, Rendite und Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen. Andreas Völker, Makler Nachhaltigkeit entsteht auch durch Design, durch Schönheit, durch das Besondere. Graft Architekten Das Kriterium der Nachhaltigkeit kann eine ästhetische Beurteilung nicht komplett ersetzen. Graft Architekten Eine nachhaltig gestaltete Architektursprache steht für uns an erster Stelle. Barbara Possinke, Architektin Ein Gebäude hat die Chance, durch das Besondere zu überleben, solange sich die Menschen damit identifizieren, im Sinne sozialer Nachhaltigkeit. Graft Architekten Aus unserer Sicht ist Nachhaltigkeit die Optimierung von und die Kenntnis über Märkte, Marktbalance, Angebot und Nachfrage. Andreas Schulten, Marktforscher Die Frage der zertifizierbaren Nachhaltigkeit ist deutlich überbewertet. Graft Architekten Seit der Gründung 1957 hat bei Gerald D.Hines Nachhaltigkeit eine bedeutende Rolle gespiel. Das hat damals keiner so genannt. Hennig Kiesewetter, Immobilienmanager Die chinesische Baukultur war einmal sehr nachhaltig. Eine Kultur, die 5.000 Jahre überlebt, ist nachhaltig. Markus Stebich, Architekt Die Nachhaltigkeitsdiskussion leidet unter übertriebener Technikgläubigkeit Matthias Pfeifer, Architekt Nachhaltigkeit muss man in der Summe sehen Michael Lanz, Designer Architektur muss den Begriff Nachhaltigkeit durch Dauerhaftigkeit ersetzen. Christoph Mäckler, Architekt Wenn nach 500 Jahre meine Häuser noch immer als nützlich und schön empfunden würden, wären meine Vorstellungen von Nachhaltigkeit erfüllt. Jan Kleihues, Architekt Nachhaltigkeit lässt sich nur durchsetzen, wenn sie auch mit hedonistischem Genuss verbunden ist. Das ist sowohl in der Mode als auch im Automobilbereich bereits passiert. Nachhaltigkeit ist der neue Luxus. Bernhard Franken, Architekt Nachhaltigkeit darf nicht auf Energie-Effizienz beschränkt werden Jacob Vowinckel, Immobilienmanager Ein typisch deutsches Problem ist, dass Nachhaltigkeit mit Verzicht gleichgesetzt wird. Jacob Vowinckel, Immobilienmanager Ein Gebäude ist nachhaltig, wenn seine Nutzung und seine           Qualität auf mehreren Ebenen in Einklang stehen. Jacob Vowinckel, Immobilienmanager Das Wort Nachhaltigkeit ist ein Wort, welches zunehmend seiner wirtschaftlichen Seite gerecht wird. Hennig Kiesewetter, Immobilienmanager Für uns beginnt Nachhaltigkeit bei der Frage, wie nachhaltig eine Stadtentwicklung und wie nachhaltig Planungsprozesse sind. Nachhaltigkeit beginnt bei der Stadtentwicklung. Andreas Schulten, Marktforscher Im Sinne der Nachhaltigkeit wünscht man sich Gebäude mit einem längeren Lebenszyklus.  Graft Architekten Ein Wunsch wären Ansprechpartner, mit denen ich ehrlich über Nachhaltigkeit sprechen kann. Lars-Bernhard Schöne, Immobilienmanager Für die Nachhaltigkeit spielt gerade die Partnerschaft eine entscheidende Rolle Ralf Molter, Drees & Sommer Venedig ist 500 Jahre alt und verdammt nachhaltig. Sergej Tchoban, Architekt Die Räume, die sich vom Menschen nicht erfassen und nicht beleben lassen, sind nicht nachhaltig. Sergej Tchoban, Architekt Dass jeden Morgen Tausende von Meinschen im Auto von Wiesbaden nach Frankfurt fahren und abends wieder zurück, ist absolut unnachhaltig. Regina und Jürgen C.B. Wilhelm, Architekten Nachhaltigkeit muss einen Marketingeffekt haben. Thomas Albrecht, Architekt Unser Kerngeschäft ist das Aufzeigen von Wegen zur Erhaltung eines lebendigen und lebenswerten Planeten. Regine Günther, Öko-Lobbyistin Ich sehe mich keinesfalls als Pionier der Nachhaltigkeits-Architektur. Sergej Tchoban, Architekt In punkto Nachhaltigkeit können iwr noch viel von der Natur lernen. Regina und Jürgen C.B. Wilhelm, Architekten Der Begriff Nachhaltigkeit wird werbetschnisch sehr schnell vermischt und verdreht oder als Verkaufsargument missbraucht. Nachhaltigkeit ist eine ganz ernsthafte Geschichte. Natürlich mag keiner den Begriff mehr hören, geschweige denn darüber reden. Nachhaltigkeit fordert eine zeitgemäße aktuelle Ehrlichkeit. Jan Störmer, Architekt Wir haben einen Wandel vom Trend der Nachhaltigkeit hin zu einem echten Wertewandel Ralf Molter, Drees & Sommer Generell wird Nachhaltigkeit bei uns immmer noch zu sehr von der ökoloigschen Seite betrachtet, die soziale Kopmpomente wird vernachlässigt.“ Lars-Bernhard Schöne, Immobilienmanager Wir haben schon immer nachhaltig gebaut, aber anders, als es heute diskutiert wird. Jan Kleihues, Architekt Der Begriff kann inflationär werden. Annette von Hagel, Bundesanstalt für Immobilienaufgaben Je größer ein Projekt ist, desto mehr kann man auch prozentual gesehen für Nachhaltigkeit ausgeben. Mathias Düsterdick, Projektentwickler Nachhaltigkeit ist eine ernst zu nehmende Verantwortung. Markus Stebich, Architekt Die gestalterische Nachhaltigkeit hatte leider noch nie große Bedeutung in Deutschland. Eckart Gerber, Architekt Der Begriff wird teilweise sehr oberflächlich oder lediglich als Marketing instrument ohne viel Substand eingesetzt. Manfred Hegger, Architekt Das wirkliche Problem ist Nachhaltigkeit in Bestandsobjekte Lars-Bernhard Schöne, Immobilienmanager Das Thema Nachhaltigkeit weitet sich auf all unsere Leistungssegment aus. So haben wir z.B. Tools entwickekt, um Nachhaltigkeit von wirtschaftlichen Prozessen und Abläufen zu prüfen und zu verbessern, das sog. Supply Change Management.“ Max Schultheis, Immobilienmanager Mein Wunsch wäre langfristig, das der Begriff nicht mehr notwendig ist, weil es selbstverständlich geworden ist, nachhaltig zu bauen. Manfred Hegger, Architekt Es spiegelt die Zersplitterung der Branche wider, das jeder sein Produkt als nachhaltig titulieren kann. Lars-Bernhard Schöne, Immobilienmanager Deutschland ist Weltmarktführer, was Nachhaltigkeit angeht. Lars-Bernhard Schöne, Immobilienmanager Unsere Hauptverwaltung wurde unter den Aspekten einer höchstmöglichen Nachhaltigkeit von der Tiefen-Geothermie über Erdwärmetauscher bis zur Lademöglichkeit von Elektro-Autos in der Tiefgarage entwickelt. Lars-Bernhard Schöne, Immobilienmanager Wenn das Investmemt mit Nachhaltigkeit kompatibel ist dann kommt Nachhaltigkeit auch im Produkt an. Lars-Bernhard Schöne, Immobilienmanager Zu wenige setzen bewusst nachhaltige Produkte auf, zum Beispiel einen Fonds mit ausschließlich nachhaltig entwickelten Immobilien.  Lars-Bernhard Schöne, Immobilienmanager Man wundert sich manchmal, dass Projekte als besonders nachhaltig prämiert werden, obgleich Energie ohne Ende verbraucht wird. Jan Störmer, Architekt Mein Credo zum Thema Nachhaltigkeit: Ich trinke in jedem Restaurant nur Leitungswasser. Jan Störmer, Architekt Quelle von all dem ist das Buch der Grohe AG: Baukultur im Wertwandel. Im Gespräch mit führenden Persönlichkeiten der deutschen Bau- und Immobilienbranche.  Düsseldorf 2011

Letzlich kostengünstiger

Wir brauchen eine umfassende bauwerksbezogene Versicherung / Von Wolfgang Voit Das derzeitige System zur Absicherung der Risiken von Bau- und Architektenverträgen zeichnet sich wegen der typischerweise mehrfach gestuften Vertragsbeziehungen durch eine Vielzahl von Sicherungen aus, die sich zum Teil überlagern. Damit werden nicht nur unnötige Kosten für die Sicherungen verursacht, sondern die Bürgschaften belasten zum Teil unnötig die Kreditlinie der Unternehmer. Bei Architekten steigt die Belastung durch die Prämien der Architektenhaftpflichtversicherung ständig. Große Belastungen und hohe Kosten durch Regressprozesse mit einer Vielzahl von Streitverkündungen kommen hinzu.  Umgekehrt sehen die Auftraggeber ihre Ansprüche nicht ausreichend gesichert. Die Versuche, umfassendere Versicherungslösungen zu entwickeln, stehen noch am Anfang. Ansätze zur Etablierung einer Baufertigstellungsversicherung und einer Baugewährleistungsversicherung haben sich bislang am Markt zumindest in der Breite nicht durchsetzen können. Als Grund wird vielfach die Kostenbelastung genannt. Angesichts der Kostenbelastung durch die sich überlagernden Absicherungen in den gestuften Vertragsverhältnissen muss die Frage diskutiert werden, ob eine unfassende bauwerksbezogene Versicherung nicht letztlich kostengünstiger und effektiver die Risiken abdecken kann. Thesen
  • Bei mehrfach gestuften Bauverträgen werden sowohl auf den unterschiedlichen Ausführungsstufen als auch beim Architekten teilidentische Risiken durch Bürgschaften und Versicherungen mehrfach abgesichert.
  • Häufig setzt sich ein Mangel im Subunternehmerwerk in Mängel auf der Ebene der Hauptunternehmer fort. Kommt ein Überwachungsfehler der Architekten hinzu, so sind die Schäden, die dem Besteller infolge des Mangels entstehen, regelmäßig durch Bürgschaften in den einzelnen Vertragsverhältnissen und durch die Architektenhaftpflichtversicherung abgedeckt. Auch wenn der Besteller auf die Bürgschaften in den Verträgen zwischen Haupt- und Subunternehmern nicht zugreifen kann, finanziert er doch letztlich über die Vergütung die Kosten dieser Absicherungen. Die betragsmäßige Begrenzungen der Sicherheiten bei den Bauerrichtungsverträgen verlagert zudem betragsmäßig höhere Haftungsrisiken auf die Haftpflichtversicherungen der Architekten.
  • Eine umfassende bauwerksbezogene Versicherung kann diese Mehrfachsicherungen beseitigen. Die Prämien einer solchen Versicherung können zum Teil durch das Entfallen anderer und teilweise sich überlagernder Sicherungen gegenfinanziert werden.
  • Würden die durch den Mangel verursachten Kosten durch eine Versicherung übernommen, so entfiele das Bedürfnis für eine Absicherung durch Bürgschaften auf den unterschiedlichen Vertragsebenen. Gelingt es, die Versicherung so zu konzipieren, dass auf Bürgschaften verzichtet werden kann, so können die damit entfallenden Kosten die Prämienbelastung zum Teil ausgleichen. Auch wenn Bürgschaften in der Regel auf 5 oder 10 % der Auftragssumme beschänkt sind und die Prämien sich an dieser relativ geringen Absicherung orientieren, kann es durch die mehrfache Absicherung auf den unterschiedlichen Vertragsebenen zu einer nicht unerheblichen Einsparung von Bürgschaftskosten kommen. Hinzu kommen können Einsparungen bei den Finanzierungskosten der Bauunternehmer, wenn deren Kreditlinie nicht durch Bürgschaften belastet ist.
  • Die umfassende bauwerksbezogene Versicherung sollte neben der Architektenhaftpflichtversicherung auch Elemente der Bauleistungsversicherung, der Baufertigstellungsversicherung und der Baugewährleistungsversicherung enthalten.
  • Der Verzicht auf weitere Absicherungen, um die eingesparten Kosten mit zur Finanzierung der Prämie einzusetzen, ist nur dann denkbar, wenn die Erfüllungs- und Gewährleistungsrisiken gedeckt sind. Der Versicherungsschutz muss dabei über die derzeitige Form der Fertigstellungsversicherung und der Baugewährleistungsversicherung hinausgehen, weil dort wichtige Schadensposten, die über eine Erfüllungs- oder Gewährleistungsbürgschaft abgesichert sind, nicht gedeckt sind.
  • Auch Risiken, die auf einer vorgelagerten Stufe nicht versicherbar sind, können auf nachgelagerten Stufen versicherbar sein. So können die Eigenkosten der Mangelbeseitigung zwar derzeit nicht in der Baugewährleistungsversicherung gedeckt werden. Dies schließt nicht aus, sie in eine Versicherung des Hauptunternehmers wegen Ansprüchen des Bestellers einzubeziehen, die sich aus Mängeln des Subunternehmerwerks ergeben. Dem Grundsatz der Nichtversicherbarkeit des Erfüllungsschadens kann durch Regressansprüche des Versicherers Rechnung getragen werden.
  • Der Erfüllungsschaden ist in der Haftpflichtversicherung unversicherbar. Auch in der Baugewährleistungsversicherung sind die Kosten der Nacherfüllung als solche derzeit nicht gedeckt. Dennoch sind die Risiken als solche nicht unversicherbar. So findet in der Bauleistungsversicherung kein Abzug der Nachbesserungskosten statt. Es erscheint auch nicht ausgeschlossen, in der Baugewährleistungsversicherung das Risiko der Fehlleistungen durch einen Subunternehmer auch hinsichtlich der Mangelbeseitigungskosten zu versichern. Dem Einwand nicht unüberschaubarer und nicht kalkulierbarer Risiken steht der Befund gegenüber, dass diese Risiken (mit Ausnahme der Folgen der Bauzeitüberschreitung) im Fall eines Überwachungsfehlers bereits jetzt wirtschaftlich von der Architektenhaftpflichtversicherung getragen werden. Werden Fehlanreize befürchtet, weil der Unternehmer von den Konsequenzen eigener Fehlleistungen befreit wird, so kann mit Regressansprüchen des Versicherers gegen den Unternehmer gearbeitet werden, der den Schaden verursacht hat. Da dies bei komplexen Bauwerken häufig ein Subunternehmer sein wird, können selbst bei einem Regressanspruch in voller Höhe erhebliche Kosten dadurch eingespart werden, dass Rückgriffsketten verkürzt werden.
  • Schon jetzt wird ein Großteil der Risiken über die Haftpflichtversicherung des Architekten faktisch versichert und mit hohen Kosten auf andere Beteiligte rückverlagert. Bereits die Sicherung der Rückverlagerungsmöglichkeit führt wegen der Notwendigkeit der Streitverkündung zu einer erheblichen Belastung der Gerichte.
  • Angesichts der relativ kurzen Verjährungsfrist für Mängelansprüche müssen Maßnahmen zur Verjährungshemmung von Regressansprüchen ergriffen werden. Dabei ist eine auf den jeweiligen Mangel und die möglichen Verantwortlichen bezogene Streitverkündung erforderlich. Diese erheblichen Belastungen und Risiken können bei einer Versicherungslösung vermieden werden.
  • Ein solcher umfassender Schutz kann sich positiv auf den Wert der Immobilie auswirken. Da sich das Risiko für Darlehensgeber verringert, sind positive Auswirkungen auf die Darlehenskonditionen zu erwarten. Für die Bauunternehmer führt die Versicherung im Vergleich zu einer Absicherung durch eine Bürgschaft zu einer Entlastung der Kreditlinie.
  • Wie aus der Praxis berichtet wird, spielt in Ländern wie Frankreich der Abschluss einer umfassenden Versicherung für die Risiken bei der Errichtung eines Gebäudes eine erhebliche Rolle für den Verkaufswert der Immobilie. Es liegt nahe, dass sich vergleichbare Effekte auch in Deutschland einstellen werden. Eine solche Versicherung dient auch dem Verbraucherschutz des privaten Erwerbers, denn Gewährleistungsansprüche sind gerade beim Erwerb vom Bauträger häufig nicht durchsetzbar. Auswirkungen sind auch auf die Darlehenskonditionen für den Erwerber zu vermuten, weil durch die Versicherung die mangelfreie Errichtung des Bauwerks, das in der Regel als Darlehenssicherheit eingesetzt wird, sichergestellt wird.
  • Ein Versicherungsmodell sollte in die Überlegungen zu einem gesetzlichen Bauvertragsrecht als Alternative immer dann einbezogen werden, wenn Ansprüche auf Sicherheitsleistung oder Bürgschaften gesetzlich geregelt werden.
  • Das geltende BGB kennt Ansprüche des Bestellers auf Stellung einer Sicherheit nur dann, wenn bei Verbraucherverträgen Abschlagszahlungen verlangt werden. Wurde für das Objekt eine Versicherung abgeschlossen, die die Fertigstellungsrisiken trägt, ist diese Sicherheit nicht erforderlich. Deshalb soll im Gesetz die Versicherung als Alternative zur Sicherheitsleistung verankert werden. Falls im Zuge einer Neuregelung weitere Sicherheiten für den Besteller geschaffen werden, sollte auch in diesen Fällen der Anspruch entfallen, wenn eine entsprechend ausgestaltete Versicherung abgeschlossen wurde.
  • Weiterhin kann die Absicherung der Vergütungsansprüche erwogen werden. Dies kann sich kostensenkend auswirken, wenn es gelingt, Sicherungen der Vergütungsansprüche durch Bürgschaften auf den unterschiedlichen Vertragsebenen entbehrlich werden zu lassen.
  • Die bisherigen Überlegungen beschränkten sich auf die Absicherung des Fertigstellungs- und des Mangelrisikos. Darüber hinaus kann die Absicherung der Vergütungsansprüche erwogen werden. Auch insoweit entstehen bereits heute in den jeweiligen Vertragsverhältnissen hohe Kosten. Obwohl diese im Fall des § 648a BGB vom Unternehmer zu tragen sind, gehen sie in die Preisbildung ein und fallen deshalb letztlich dem Besteller zur Last. Auch wenn sich die Vergütungsansprüche bei gestuften Vertragsverhältnissen gegen den jeweiligen Besteller richten, ist nicht zu verkennen, dass es sich letztlich um die Vergütung eines Bauwerks handelt. Soll deshalb eine einheitliche Absicherung geschaffen werden, so sind schwierige Fragen der Verteilung der Insolvenzrisiken und der Eingriffe in Aufrechnungs- und Zurückbehaltungsrechte in die Überlegungen einzubeziehen. Auf der anderen Seite führt die derzeitige Sicherung durch § 648a BGB zu hohen Kosten auf jeder Vertragsstufe, die sich möglicherweise durch eine Versicherung reduzieren lassen. Auch die Kritik am Bauforderungssicherungsgesetz zeigt, dass in diesem Bereich über neue Instrumente zur Sicherung der Vergütungsansprüche aller am Bauvorhaben beteiligter Unternehmer nachgedacht werden muss.
  • Wenn der Besteller Versicherungsnehmer und Prämienschuldner ist, sollte ein Anspruch auf Kostenbeteiligung gegen die versicherten Baubeteiligten verankert werden.
  • Die umfassende Bauwerksversicherung soll einerseits die Absicherung der Risiken verbessern und andererseits Mehrfachabsicherungen auf den verschiedenen Vertragsstufen beseitigen. Dort eingesparte Kosten sollten zur Finanzierung der erheblichen Prämien eingesetzt werden, die für eine solche Versicherung erforderlich sind. Aus der Bauleistungsversicherung sind Modelle bekannt, die eine Beteiligung aller mitgeversicherten Unternehmer an den Prämien vorsehen. In dieses Umlageverfahren müssen auch die Architekten einbezogen werden, die für derart abgesicherte Bauvorhaben keine Berufshaftpflichtversicherung benötigen. Prof. Dr. Wolfgang Voit lehrt Bürgerliches Recht und Zivilverfahrensrecht in Marburg

    Doppelt versichert, mehr Schäden, höhere Prämien

    Können Multi-Risk-Versicherungen Baustreitigkeiten vermeiden? / Von Wolfgang Lemke Durch objektbezogene Multi-Risk-Versicherungen
    • entstehen zwangsläufig Doppelversicherungen, da die Baubeteiligten in der Regel bereits eigenständigen Versicherungsschutz unterhalten. Bei Versicherung des selben Interesses gegen die selbe Gefahr kann es daher z. B. zu verzögertem Regulierungsverhalten der Versicherer und Streit (wechselseitige Verweisung) oder einem Verstoß gegen das Bereicherungsverbot (im Bereich der Schadenversicherung) kommen. Ferner kann es zu nicht harmonisierten Versicherungsschutz aufgrund unterschiedlicher z. B. Bedingungen bei Ausschlüssen, Versicherungswerten, Entschädigungsberechnungen, versicherten Kosten etc. kommen, wodurch Folgestreitigkeiten entstehen können, soweit ein Mitversicherter auf Versicherungsschutz vertraute. Mehrkosten (Prämien) könnten zudem die Marktakzeptanz erschweren.
    • entstehen Pflichten, Haftungsgefahren und Interessenkollisionen aufgrund der Versicherung (auch) fremder Interessen. Da Dritte und (auch) deren Interessen sowie die daraus folgenden Gefahren in einer objektbezogenen gebündelten Multi-Risk-Versicherung mitversichert sind, kann z. B. ein auf Versicherungsschutz Vertrauender bei z. B. einer Obliegenheitsverletzung des Versicherungsnehmers ohne Versicherungsschutz stehen oder aufgrund einer ungenügenden Geltendmachung durch den Versicherungsnehmer bei der Durchsetzung eines Anspruchs scheitern, mit der Folge einer Inregressnahme des Versicherungsnehmers.
    • steigt die Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines Schadens, wodurch die Bereitschaft von Versicherern sinkt, derartige Risiken im mittleren und kleineren Objektbereich in Deckung zu nehmen. Die Gefahren verschiedener Risiken verwirklichen sich in der Regel mit unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit. Ein in jeder Hinsicht mangelfreier Bau ist selten, weshalb vermehrt Schadensrückstellungen zu bilden sein werden.
    • steigt das Volumen der zu regulierenden Versicherungsleistungen infolge veränderter Parteistellung / Passivlegitimation, was zu höheren Prämien und Selbstbehalten führt. Aus der forensischen Tätigkeit ist bekannt, dass eine Zuordnung der Verantwortlichkeit für Mängel nicht immer einfach ist. Infolge dessen gerade bei Baurechtsstreitigkeiten häufig darum gestritten wird, ob der Richtige in Anspruch genommen wurde, Streitverkündungen zur Wahrung solcher Ansprüche oder zur Vorbereitung von Innenregressen ausgebracht werden. Es kommt daher regelmäßig zur Befriedung mittels Teilvergleichen, weshalb Versicherer häufig geringe Regulierungsleistungen erbringen.
    • werden aufgrund des hohen Schadenbedarfs verhältnismäßig hohe Versicherungsprämien erforderlich, deren Umlage auf bzw. Übernahme von Baubeteiligten oder Bauherren auf Ablehnung treffen dürfte. Der Versicherungsnehmer wird bemüht sein prämienbedingte Mehraufwendungen an den Auftraggeber bzw. mitversicherte Baubeteiligte weiterzugeben, wobei die Umlage dieser Kosten sich danach richten wird, mit welcher Marktmacht der Versicherungsnehmer welchem Beteiligten gegenübersteht. Dies kann z. B. dazu führen, dass der eigentlich mit geringerem Risiko tätige Bauunternehmer aufgrund eines nicht versicherungsmathematisch ermittelten Prämienanteils einen höheren Aufwand hat.
    • wird Streit nur in begrenztem Umfang vermieden werden. Ergibt sich im Versicherungsfall eine Regressmöglichkeit gegen einen anderen Baubeteiligten, wird der Versicherer zur Beweissicherung auf entsprechende Maßnahmen nicht verzichten und seine Ansprüche gegen Mitversicherte (klageweise) durchsetzen. Nicht nur aus Wettbewerbsgründen (Prämien), sondern auch im Interesse der bei dem Versicherer versicherten Gemeinschaft der Versicherten wird die Mitversicherung fremder Interessen nicht dazu führen, dass ein Versicherer auf Regressmöglichkeiten verzichtet. Streit wird lediglich verlagert.
    • können im Einzelfall Nachteile dadurch entstehen, dass bei Ausschöpfen der Deckungssummen durch einen Baubeteiligen für die weiteren Baubeteiligten kein Versicherungsschutz bzw. jedem Baubeteiligten nur anteiliger Versicherungsschutz  zur Verfügung steht. Soweit ein mitversicherter Baubeteiligter auf Versicherungsschutz vertrauen durfte, welcher „durch“ den Versicherungsnehmer zu besorgen war, und der aufgrund einer Ausschöpfung der Deckungssummen nicht erreicht wird, sind Streitigkeiten vorprogrammiert.
    • können aufgrund unterschiedlicher Verjährungsregelungen und der Bündelung verschiedener Deckungskonzepte, insbesondere im Bereich der Nachhaftung, Deckungslücken entstehen, woraus Auseinadersetzungen im Innenverhältnis folgen.
    Wolfgang Lemke ist Fachanwalt für Versicherungsrecht in Berlin