Hüttenzauber 2.0

„Tiny houses“, „small architecture“ oder einfach Hütten: Der Trend um kleine Häuser trägt viele Namen. Drei Bildbände gehen der Faszination des neuentfachten Hüttenzaubers auf den Grund. Klein, funktional, hübsch, und das alles inmitten der Stadt: Der neue Trend zu kleinen, aber smarten und flexiblen Raum- und Gebäudelösungen ist auch in Deutschland angekommen. Angesichts des immer knapper und teuerer werdenden Wohnraums in den Städten ist das eine logische Entwicklung. Für Architekten gilt es, kreativ zu werden und den vorhandenen Raum besser zu nutzen. DABonline zeigt anhand von drei Bildbänden, was auf wenigen Quadratmetern Wohnfläche alles möglich ist. Das „Gestalten“-Buch „Raumwunder“ bietet „große Ideen für kleine Wohnungen“, wie es selbst vollmundig verspricht. Und das stimmt sogar: Die präsentierten Design- und Bauprojekte sind durchaus sehenswert, weil sie kreative Lösungen für kleine Wohnungen bereithalten. Und zwar dort wo der Platz begrenzt ist: in den Städten. Das Buch treibt zwar den Effizienzwahn um die eigenen vier Wände auf die Spitze, erscheint dabei aber angenehm unverkrampft. Im Großteil aller Buchbeispiele bleiben die Miniheime wohnlich. Die flexiblen Raumlösungen zeigen, wie Bücher, Fahrräder, Kleidung und sogar Betten auf nur wenigen Quadratmetern smart versteckt werden können. „Raumwunder“ ist damit auch ein Guide zu innovativen und überraschenden Wohnideen für Anwender und Architekten. Dabei schaffen die dargestellten Beispiele Erstaunliches: Zum Beispiel, wenn eine Ein-Zimmer-Wohnung genügend Platz für eine vierköpfige Familie bietet, oder wenn Treppen zu Kleiderschränken und Mülltonnen verwandelt werden. Die Architekturideen beweisen so, dass man auch mit wenig Wohnfläche ein gemütliches und modernes Heim schaffen kann. Ein weiteres Plus des Buches: Es bietet mit vielen Praxistipps Inspiration und Anregung für die eigene Arbeit.

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Das Buch „Winzig. Innovative Häuser im Mini-Format“ von Sandra Leitte, erschienen bei der Deutschen Verlagsanstalt, ist ein gutes Buch für den Coffeetable. Futuristische Blockhütten im Wald, Feriendomizile in Dreiecksform oder vollständige Wohnhäuser im Miniformat: Das alles findet man in diesem Buch. Mehr aber auch nicht. Der Bildband im handlichen Mini-Format präsentiert zwar rund 40 fantasievolle und teils inspirierende Projekte aus den USA, Europa und Asien. Leider geht Leitte aber nur sehr selten in die Tiefe. Angenehm ist hingegen, dass der Bildband nicht mehr sein will als er ist: ein Buch zum Blättern.

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Das "Silo-Haus" steht in Berlin-Moabit. Jan Körbes und Denis Oudendijk zeichnet sich 2013 für das Minihaus verantwortlich.

Kleine Gebäude zwingen ihre Planer dazu, aus weniger mehr zu machen. Der Bildband „Small Architecture“ zeigt das auf eindrucksvolle Weise. Das Buch aus dem Taschen Verlag ist Nabelschau und Architekten-Inspiration zugleich. Obschon die dargestellten Objekte nur selten etwas für kleine bis mittelgroße Portemonnaies sind. Ein Puppenhaus für Calvin Klein in New York, ein Spielhaus für Kinder in Trondheim, Ferienhütten deluxe – all dies ist schön, aber teuer. Die Bandbreite der abgebildeten Architekten ist dabei dennoch bemerkenswert: Toyo Ito, der 2013 mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet wurde, ist ebenso vertreten wie junge, aufstrebende Architekten aus Portugal, Chile, England und Neuseeland. Frische neue Talente zeigen zwischen weltberühmten Namen architektonische Innovation in kleinem Maßstab. Philip Jodidio: „Small Architecture“, Taschen Verlag, Köln, 2017, 584 Seiten, 14,99 Euro, ISBN 978-3-8365-4790-1. Sandra Leitte: „Winzig. Innovative Häuser im Mini-Format„, Deutsche Verlagsanstalt, München, 2017, 224 Seiten, 29,95 Euro, ISBN 978-3-421-04023-7. Gestalten: „Raumwunder. Große Ideen für kleine Wohnungen„,  Die Gestalten Verlag, Berlin, 2016, 256 Seiten, 39,90 Euro, ISBN 978-3-89955-912-5. Noch nicht genug von Hütten? Hier finden Sie noch mehr.

Brutal schön!

Lange wurden brutalistische Betonbauten verachtet. Jetzt findet sie neue Fans. Mehr noch: Der Brutalismus erlebt ein Revival. Im Netz und in den Museen ist die Architektur der 1960er-Jahre der Renner. Zwei Bildbände zeigen Baukunst in Beton. Gestapelte Betonriegel in Georgien, Betonwaben in Israel und klobige Kirchen in Venezuela: Brutalistische Architektur wird gehasst oder geliebt. Peter Chadwick verehrt sie. Diese Liebe entstand zwischen den Betontürmen seiner Heimatstadt Middlesbrough. Chadwick war noch ein Jugendlicher, als die visionäre Architektur der 1960er- und 1970er-Jahre ihn in seinen Bann nahm. Mit „This Brutal World“ widmet er den brutalen Betonbauten einen 220 Seiten starken Bildband, der Gebäude von den 1920er-Jahren bis heute dokumentiert. Chadwich ist jedoch kein Jünger der reinen brutalistischen Lehre. Zwischen die kantigen, meist grauen Riegel, Quader und Keile streut er filigrane Figuren und subtile Skulpturen. Geradezu verspielt kommen sie im Kontrast zu den stilgebenenden Elementen daher. Ein von Fernando Higueras und Antonio Mirò 1988 gestaltetes Kulturzentrum in der spanischen Hauptstadt Madrid setzt mit einer kleinteiligen Krone ebenso einen Kontrapunkt wie die 2011 erbaute georgisch-türkische Grenzstation von Jürgen Mayer H. mit ihrer runden Silhouette.

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Etwas filigraner kommt auch der "Trans World Airlines Terminal" am JFK Airport in New York City, New York, USA daher. Eero Saarinen zeichnetet sich 1962 dafür verantwortlich.

Das im Londoner Phaidon Verlag erschienene Buch verzichtet leider auf die fachliche Behandlung einer gefährdeten Architekturform. So fehlt dem Buch, auch bei dem streng schwarz-weißen und vermeintlich dokumentarischen Stil, ein wenig die seriöse Tiefe. Weltbekannte Architekten wie Alvar Aalto, Frank Lloyd Wright, Le Corbusier, Mies van der Rohe, Oscar Niemeyer oder Zaha Hadid, die mit ihren Bauten gezeigt werden, können daran leider nichts ändern.

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Das "Cultural Center of the Philippines" steht in Manila. Das Kulturzentrum wurde 1969 von Leandro Locsin konzipiert.

  Christopher Beanland versucht mit seinem Buch „Concrete Concept“ zumindest, die Logik hinter der brutalistischen Architektur zu ergründen. In der Einführung seines 192 Seiten langen Bandes, erschienen im Frances Lincoln Verlag, behandelt er die Anfänge der Betonriesen und widmet sich den stilistischen Wegbereitern des Brutalismus. Folgerichtig stellt er die Objekte nicht nur im Gegensatz zu Chadwick in Farbe, sondern überdies mit fachlichen Informationen zum originalen Nutzen, zur öffentlichen Wahrnehmung und zum aktuellen Zustand der Gebäude vor. Die 50 internationalen Bauten in „Concrete Concept“ wurden allesamt zwischen 1950 und 1979 erbaut. Von der Sozialplatte von Le Corbusier in Marseille über die „Torres Blancas“ genannten Wohntürme in Madrid bis zu Gottfried Böhms Wallfahrtsdom in Velbert-Neviges spannt Beanland den Bogen. Auf zwei Doppelseiten präsentiert er eine Weltkarte brutalistischer Architektur und schafft damit ein ansprechendes Kompendium für interessierte Architekten und Nicht-Architekten, die sich mit der Geschichte einer längst verdammt geglaubten Archteikturform befassen möchten. Peter Chadwick: „This Brutal World“, Phaidon, London, 2017, 220 Seiten, 39,95 Euro, ISBN 978-0-71487-108. Christopher Beanland: „Concrete Concept„, Frances Lincoln Limited, London, 2016, 192 Seiten, 17,99 Euro, ISBN 978-0-7112-3764-3. Noch nicht genug vom Brutalismus? Hier finden Sie noch mehr Informationen.

Mehr als Minarette

Kuppel und Minarett: Das ist eine Moschee, oder? Ein Buch beweist: Islamische Architektur kann mehr. DABonline zeigt „Europas Moscheen“. Ein Ort, der nach Mekka ausgerichtet ist und an dem man sich zum Gebet versammelt: Das ist eine Moschee. Und nicht ein Kuppelbau mit Minarett. Die Architektur des Islams ist vielfältiger als weithin angenommen: Die Verbreitung der Moscheen in der Welt und die ästhetische Reaktion auf verschiedenste Kulturen, Regionen und Menschen hat die Formen der islamischen Architektur über Jahrhunderte verändert. Immer wieder neu hat sie sich an lokale Bedürfnisse und Traditionen angepasst. Christian Welzbacher verbindet in seinem Buch „Europas Moscheen. Islamische Architektur im Aufbruch“ im Deutschen Kunstverlag historische und baukünstlerische Perspektiven des Islams. Mit offenem Blick porträtiert er die islamische Architektur der letzten Jahrzehnte in verschiedenen Ländern. Neben Beispielen zeitgenössischer Islam-Architektur aus Frankreich, Deutschland, England, Italien, Dänemark, Spanien und den Niederlanden werden auch Moscheen, Schulen und Islamzentren auf dem Balkan und in der Türkei beleuchtet. Welzbacher stellt Projekte und Protagonisten, Diskurse und Zusammenhänge vor. Er will Menschen zum Mitwirken auffordern statt lediglich dokumentieren.

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Moschee Rijeka; Architekten: Darko Clahovic, Branko Vucinocvic; Rijeka, Kroatien.

Eine Moschee ist traditionell so etwas wie ein Kulturzentrum. In ihr wird nicht nur gebetet. Alle Formen islamischer Kultur finden unter dem Dach einer Moschee Obdach. In Architektur übersetzt, beudetet das: Moscheen können mit Bibliotheken, schulischen Einrichtungen, Cafés, öffentliche Begegnungsstätten und sogar Einkaufszentren eine architektonische Verbindung eingehen. Besonders die im Buch vorgestellten neuen europäischen Moscheen zeigen dies auf unmissverständliche Weise: Nicht nur die Architektur, sondern die Gesellschaft insgesamt ist im Aufbruch. Christian Welzbacher: „Europas Moscheen. Islamische Architektur im Aufbruch“, Deutscher Kunstverlag, Berlin, 2017, 112 Seiten, 16,90 Euro, ISBN 978-3-422073-913.

Bewahren statt Zerstören!

Ausgebaute Scheunen, entfremdete Fabriken und aufgestockte Dächer: Ein Bildband zeigt An- und Umbauten – und die Symbiose von alt und neu. Text: Stefan Kreitewolf Ein Bildband aus dem Gestalten Verlag lädt auf architektonische Entdeckungsreise ein und präsentiert, wie Architekten Lebensräume von kleinen Veränderungen bis hin zu kompletten Renovierungsprozessen gestalten. Das ausgebaute Dachgeschoss, die alte Fabrik, die zum modernen Büro umfunktioniert wurde, oder auf gestockte Dächer: Das Buch „Upgrade. Neuer Wohnraum durch Anbauen und Umbauen„ zeigt alte Bausubstanz aus neuer Perspektive. Das kommt mitunter radikal daher: So wurden eine baufällige Scheune, ein heruntergekommenes Stadthaus oder eine halb zerstörte historische Gebäudefassade zum Teil im Urzustand erhalten, um aus den Kontrasten von alt und neu, zerfallen und intakt ein neues Selbstverständnis vom Heim zu erschaffen. Indes fasst das Buch nicht nur hochsolvente Bauherren ins Auge. Der Band beweist: Auch mit schmalem Budget lässt sich aus alten Mauern Neues und Begehrenswertes schaffen.

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Landscape Laboratory, Außenansicht; Architekten: Cannatá e Fernandes; Guimaraes, Portugal.

Die präsentierten Projekte demonstrieren äußerst charmant, dass vorhandene Bauten und Materialien mit etwas Kreativität völlig neu erfunden und Modernes mit Altem kombiniert werden kann. Aufschlussreiche Vorher-Nachher-Fotos dokumentieren beeindruckende Verwandlungen. Interessierte erhalten dabei Informationen aus erster Hand: An den gezeigten Projekten beteiligte Architekten berichten, mit welchen Herausforderungen sie und ihre Bauherren konfrontiert wurden, und welche ungeahnten Potentiale in alten Gebäuden stecken. Ihr Credo lautet: Bewahren statt Zerstören! „Upgrade. Neuer Wohnraum durch Anbauen und Umbauen“, Die Gestalten Verlag, Berlin, 2017, 256 Seiten, 29,99 Euro, ISBN 978-3-89955-910-1 – in English: ISBN 978-3-89955-699-5. Eine weitere Lektüre zum Thema Anbau, Umbau und Aufstockung finden Sie hier.

Ko(s)mische Konstruktionen

Zwei Bildbände erwecken Bauwerke der versunkenen Sowjetunion zum Leben. Die Bilder dokumentieren Konstruktionen der sowjetischen Raumfahrt und ihre Übersetzung in die Alltagsarchitektur der 15 Teilrepubliken. Text: Stefan Kreitewolf In der Sowjetunion genossen die Raumfahrt und die Raketentechnik allerhöchste Priorität. Mit dem Start des ersten künstlichen Erdsatelliten Sputnik im Jahr 1957 und mit dem ersten bemannten Raumflug mit Juri Gagarin vier Jahre später erreichte der Kalte Krieg  eine neue Stufe: Es begann ein Wettstreit um die Vorherrschaft im Weltraum. Diese Weltraum-Begeisterung manifestierte sich auch in den futuristischen Formen der sowjetischen Baukunst.  Philipp Meuser ist den Architekturpionieren dieser Ära gefolgt. Sein Buch „Architektur für die russische Raumfahrt. Vom Konstruktivismus zur Kosmonautik: Pläne, Projekte und Bauten“ (mehr Details siehe unten) schreibt dabei nicht weniger als Geschichte. In dem Buch werden einst als geheim eingestufte Materialien zur Raumfahrtarchitektur gezeigt, unter anderem der Plan der ersten jemals konzipierten Weltraumstadt. Hinzu kommen die bislang unter Verschluss gehaltenen Bauten für die sowjetische Raumfahrt in Baikonur, Kaluga oder den geschlossenen Städten bei Moskau. In Meusers Buch berichten nicht nur Akteure der sowjetischen Raumfahrt, sondern auch Architekten wie Viktor Asse, der Planer des bis zum Zerfall der UdSSR geheimen Sternenstädtchens, und Galina Balaschowa, die Innenarchitektin und Entwurfszeichnerin sowjetischer Raumkapseln. Bei der Lektüre darf man neben all den Insider-Informationen aber auch schmunzeln, angesichts der Bonbonfarben der russischen Raumstationdesigns der 1950er-Jahre oder der Gigantomanie in Baikonur.

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Sowjetische Botschaft, Havanna, Kuba,1985. Foto: Frédéric Chaubin

In dem Bildband „CCCP. Cosmic Communist Constructions Photographed“ (mehr Details siehe unten) belebt Fotograf Frédéric Chaubin 90 Bauwerke aus der Schlussphase der Sowjetunion. Mit den poetisch anmutenden Bildern illustriert er die letzte Blütezeit der Kreativität der untergehenden Weltmacht zwischen 1970 und 1990. Anders als in den 1920er- oder 1950er-Jahren ist in den Fotografien keine einheitliche „Schule“ oder „Epoche“ zu erkennen. Die Bauten erwuchsen indes aus dem Chaos des implodierenden Sowjetsystems. Zugleich waren den Architekten damals keinerlei Grenzen gesetz. Der aus dieser schöpferischen Freiheit entstandene Stil-Mix fängt auch die Weltraum-Obsession jener Zeit ein. Oft scheint die Architektur wie von einem anderen Stern auf die Erde geschwebt zu sein. Modellskizzen einer Mondbasis bringen folgerichtig das Galaktische in die Baukultur. Architektur outta Space: Ein Forschungsinstitut trägt zum Beispiel eine abgestürzte fliegenden Untertasse auf seinem Dach. Der 312 Seiten starke Band spielt auch mit der Vermessenheit der sowjetischen Idee, den Weltraum beherrschen zu wollen und zeigt, wie dieser Gedanke auf der Erde in Bauten realisiert werden sollte. Philipp Meuser: „Architektur für die russische Raumfahrt. Vom Konstruktivismus zur Kosmonautik: Pläne, Projekte und Bauten„, Dom Publishers, Berlin, 2016, 412 Seiten, 78 Euro, ISBN 978-3-86922-219-6192. Frédéric Chaubin: „CCCP. Cosmic Communist Constructions Photographed“, Taschen Verlag, Köln, 2015, 312 Seiten, 39,99 Euro, ISBN 978-3-83652-5190. Noch nicht genug von Sozialismus und Sowjet-Charme? Hier finden Sie eine Typologie des sowjetischen Wohnungsbaus in einer Bildergalerie.

Glamourös gescheitert

Gescheiterte Visionen: Die Ruinen moderner Architektur wirken bedrohlich schön. Ein Buch vereint nun die größten Flops der Architektur. Text: Stefan Kreitewolf Archiflop führt zu den spektakulärsten Architekturflops der Welt. Vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute zeigt der Bildband monumentale Geisterstädte in Asien, traurige Überbleibsel amerikanischer Shoppingmalls und ein nie vollendetes Atomkraftwerk, das heute als Kulisse für ein Techno-Musikfestival dient. Im Kontext globaler Krisen erscheint die Buch gewordene Galerie der Gescheiterten aktueller denn je. Alessandro Biamonti, der in Mailand als Architekt, Kurator und Dozent für Design am Politecnico arbeitet, berichtet in unterhaltsamen Geschichten und beeindruckenden Fotos von ehrgeizigen Plänen, gescheiterten Visionen und überzogenen Erwartungen.

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Sanzhi Pod City in New Taipei City, Taiwan: Die "Ufo"-Häuser wurden als Feriensiedlung errichtet, waren aber nie wirklich erfolgreich. Sie wurden bereits vor Jahrzehnten aufgegeben und erscheinen heute wie einem Sciencefiction-Film der 1960er-Jahre entsprungen. Foto: Jauder Ho/Getty Images

Das Buch, erschienen im DVA, reflektiert die Ursachen architektonischer Flops und beleuchtet so nationale sowie internationale Immobilienblasen ebenfalls wie die exzessive Ausbeutung von Bodenschätzen. Der so oder andersartig ausgelöste Verfall von Bauten und ganzen Ansiedlungen erzeugt Bilder von bedrohlicher Schönheit, in denen die Diskrepanz zwischen der Kurzatmigkeit des Spekulationsobjektes und der Dauerhaftigkeit der baulichen Konsequenzen ins Auge fällt. Alessandro Biamonti: „Archiflop: Gescheiterte Visionen. Die spektakulärsten Ruinen der modernen Architektur“, Deutsche Verlags-Anstalt, München, 2017, 192 Seiten, 120 Farbfotos, 29,95 Euro, ISBN: 978-3-421-04053-4.

Hütten im Hinterland

Viele Menschen sehnen sich nach Ruhe, Einsamkeit und Einfachheit. Kein Wunder also, das sie nach einem individuellen Rückzugsort suchen. Ein Bildband stellt die Architektur gewordenen Sehnsüchte vor. Text: Stefan Kreitewolf Die Welt ist voll – und mit ihr die Städte. Bis 2050 leben vermutlich 66 Prozent der Weltbevölkerung in Städten, heute wohnt bereits die Hälfte der Menschheit in urbanen Ballungsräumen. In der Hektik des Alltags sehnen sich viele Städter nach Ruhe in der Natur. Die Einsamkeit ist plötzlich erstrebenswert. Und mit ihr die Einfachheit. Der Wunsch nach einem einfachen Leben offenbart sich in rustikalen Holzhütten. Vielerorts werden Baumhäuser zu Kleinoden. Es geht aber auch luxuriös und mondän. Eines haben aber alle gemein: Sie sind der Gegenentwurf zur Stadt. „The Hinterland“ aus dem Gestalten Verlag zeigt die unterschiedlichsten Rückzugsorte. Der Prachtband vereint Holzhütten, Baumhäuser und Luxus-Verstecke mit großformatigen Bildern. Die Architektur gewordenen Sehnsüchte der Städter sind vor allem eines: wunderschön anzuschauen.

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Ein Ort der totalen Abgeschiedenheit sollen die beiden Holzhütten an der neuseeländischen Küste sein. Eine Unterkunft ist sehr dunkel, wie eine Höhle, gehüllt in dunkle Farben und mit nur wenigen Fenstern und Lichtblicken. Die andere Hütte ist hell und einladend.

Sven Ehmann & Robert Klanten The Hinterland – Cabins, Love Shacks and Other Hide-Outs Ein 288 Seiten starker, großer Bildband zum Blättern mit kurzen ­Erläuterungen zu 67 Rückzugsorten, die weltweit gebaut wurden. Praktisch sind die Infos zu allen Architekten am Ende des Buchs. Gestalten Verlag, Berlin, 2016, 288 Seiten, 39,90 Euro; ISBN: 978-3-89955-663-6  

Himmelhohe Paradiese

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Auf dem Dach es Fichtebunkers in Berlin entstanden 13 Häuser mit ebenso vielen Gärten. Verde-Gartengestaltung führte hier die landschaftsarchitektonische Feder. Bild: ©Cordia Schlegelmilch - TASCHEN

Es wird eng in den Städten. Architekten erschließen deshalb die Höhenlagen der Metropolen. Ein Bildband zeigt Freiflächen auf hohem Niveau. Text: Stefan Kreitewolf Während die Innenstädte immer voller und dichter besiedelt werden, drängen Stadtlandschaften sowohl in die Breite als auch in die Höhe. Architekten und Städteplaner experimentieren mit neuen Bauwerken, suchen aber auch die bestehenden nach neuen Möglichkeiten der Erweiterung und Ausdehnung ab. Vor allem die Gebäudedächer, die früher kaum berücksichtigt wurden, haben sich zu einem eigenen städtischen Lebensraum entwickelt, der sowohl neue Wohnflächen schaffen als auch eine Oase für die Flucht vor der Großstadthektik bieten kann. Der Prachtband katalogisiert diese neue urbane Dimension. Philip Jodidio Rooftops – Islands in the Sky Ein 384 Seiten starker, großer Bildband zum Blättern mit kurzen ­Erläuterungen zu 47 Dachgärten und -terrassen, die weltweit gebaut wurden. Praktisch sind die Kontakte und Kurzbiografien aller Architekten am Ende des Buchs. Taschen Verlag, Köln, 2016, 384 Seiten, 49,99 Euro; ISBN-10: 3836563754.   Mehr Informationen und Artikel zum Thema Dächer finden Sie hier.

„Wir müssen umdenken“

Die Stadt der Zukunft steht im Fokus der Fraunhofer-Sonderschau „Stadtlabor“. Im DABinterview erklärt Astrid Achatz, warum das wichtig ist. Interview: Stefan Kreitewolf Frau Achatz, warum heißt die BAU-Sonderschau der Fraunhofer-Allianz Bau „Stadtlabor“? Mit dem Titel wollen wir darauf aufmerksam machen, dass unser Produkt Forschung und Entwicklung ist, wobei wir Städte, Quartiere, Bauelemente und Baustoffe sowie Prozesse rund um Planen, Bauen und Betreiben genauer unter die Lupe nehmen. Was liegt Ihnen bei der Sonderschau besonders am Herzen? Insgesamt wollen wir die große Vielfalt der Fraunhofer-Bauforschung darstellen und damit aufzeigen, dass es auch in der als wenig innovativ verschrienen Baubranche durchaus möglich ist, spannende, zukunftsweisende und gleichzeitig anwendungsorientierte Lösungen anzubieten. Besonders am Herzen liegt uns dabei, dass wir in der Wissenschaft den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen. Warum sollte ich als Architekt oder Planer zu Ihnen kommen? Dafür gibt es viele Gründe. Zum einen treiben wir die Digitalisierung der Baubranche voran und präsentieren Erfahrungen mit BIM ebenso wie verschiedene Simulationsprogramme für die Optimierung von Raumklima, Energieeffizienz und der zivilen Sicherheit von Quartieren. Außerdem stellen wir multifunktionale Fassadenelemente vor, die attraktive Lösungen für bauwerksintegrierte Solarthermie oder vertikale, bodenungebundene Begrünung bieten. Astrid Achatz, Geschäftsführerin Fraunhofer-Allianz Bau. Was tun Sie als Fraunhofer-Allianz Bau für Architekten und Planer? Wir bieten den Architekten und Planern eine zentrale Anlaufstelle bei Fraunhofer für Fragen und Lösungen zu den unterschiedlichsten Themenbereichen. Dazu gehören Energie- und Ressourceneffizienz, Advanced Materials, Bausysteme und Komponenten, Prozessoptimierung, Komfort und Gesundheit, Sicherheit, Smart Buildings und Cities. Lassen Sie uns in die Zukunft schauen: Wie sieht die ideale Stadt der Zukunft aus? Um es auf den Punkt zu bringen: Die Stadt der Zukunft muss nachhaltig und möglichst autark sein – und das nicht aus Luxusgründen, sondern aus existenziellen. Wir werden außerdem lernen müssen umzudenken. Digitalisierung, Industrie 4.0 und der schnelle Wandel halten jetzt schon Einzug in unsere Stadt. Das wird auch konzeptionell umgesetzt werden müssen: Wohnen, Arbeiten und Produzieren werden nicht mehr strikt voneinander getrennt sein, vielmehr ergeben sich daraus neue Strukturen und Herausforderungen. Die Möglichkeiten, die wir erdenken können sind schier unerschöpflich und genau das ist das Spannende. Mehr Artikel und Informationen zur BAU 2017 finden Sie in unserem DABthema zur BAU 2017.

„Mehr als Barrierefreiheit“

Auf der BAU zeigte die Deutsche Gesellschaft für Gerontotechnik (GGT), wie generationengerechtes Bauen funktioniert. Im DABinterview erläutert die GGT-Chefin Martina Koepp, worauf Planer und Architekten besonders achten sollten.   Interview: Stefan Kreitewolf Unter dem Leitthema „Bauen und Wohnen 2020“ präsentierte die GGT auf der BAU 2017 eine Musterimmobilie zum Thema „Generationengerecht Bauen“. Auf zwei Etagen können Besucher die neueste Technik ausprobieren und anfassen – von der Großmutter bis zum Kleinkind. Frau Koepp, Ihre BAU-Sonderschau fokussiert das Thema Generationengerechtigkeit. Was meinen Sie damit genau? Generationengerechtigkeit bedeutet für uns: Lebensraum – insbesondere Wohnraum – so zu gestalten, dass er für alle Generationen lebenswert ist. Egal ob jung, alt, dick, dünn, klein oder groß. Es geht uns nicht nur um alters- oder behindertengerechten Wohnraum, sondern um seine flexible Gestaltung, sodass er verschiedene Lebensphasen seiner Nutzer überdauert. Martina Koepp ist Geschäftsführerin der GGT. Warum ist das gerade jetzt wichtig? Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist das Thema aktueller denn je. Die Altersstruktur verändert sich. Alle leben immer länger, möchten aber auch umso länger im eigenen Wohnraum bleiben. Und das geht eben nur mit generationengerechter Architektur. Gerade der Bestand muss entsprechend angepasst werden. Wie kann das Smart Home dabei unterstützen? Hilft Gebäudeautomation? Smart Home ist für mich als Begriff etwas schwierig. Für mich ist ein cleveres Gebäude ein Haus, das den Anforderungen der Nutzer genügt. Wie viel smarte Technik dabei im Spiel sein muss, das muss der Bewohner selbst ganz individuell entscheiden. Deswegen bedeuten Smart Home und Gebäudeautomation für jeden etwas Anderes. http://www.vimeo.com/200801856 Jetzt stehen wir hier in einer schönen Immobilie auf Ihrer BAU-Sonderschau. Wie muss ein Haus gebaut werden, um altersgerecht zu sein? In erster Linie gehört eine vorausschauende Planung dazu. Möglichst frühzeitig sollte entschieden werden, welche Anforderungen es gibt und wie diese zu realisieren sind. In der Planungs- und Bauphase muss also vieles schon mitbedacht werden. Das altersgerechte Haus sollte möglichst schwellenlos geplant werden. Außerdem sollten Kommunikations- und Lichtachsen eingebaut werden. Es geht immer darum, einer pflegebedürftigen Person den Kontakt mit allen anderen Nutzern des Hauses zu ermöglichen. Weitere Stichworte sind selbstverständlich eine nutzergerechte Gebäudeautomation und eine entsprechend ausgefrachtete Badgestaltung. Worauf sollte ich als Architekt und Planer besonders Acht geben? Die flexible Gestaltung der Innenräume ist das Wichtigste. Es sollten verschiebbare Wandelemente eingeplant werden, sodass neue Räume – je nach Alter, Mobilitätsgrad und Anforderungsprofil – auch kurzfristig, ohne größere Eingriffe in die Bausubstanz, entstehen können. Die Anpassungsfähigkeit des Gebäudes ist für mich das A und O jeder vorausschauenden Planung. Lassen Sie uns zum Ende des Interviews in die Zukunft schauen: Wie sieht Ihre ideale Immobilie 2020 aus?  Wir als GGT wollen, dass altersgerechtes Wohnen und Bauen zur Normalität und Selbstverständlichkeit wird. Das mitwachsende und mitalternde Haus sollte 2030 schon normal sein. Aber bis dahin ist noch viel zu tun. Mehr Artikel und Informationen zur BAU 2017 finden Sie in unserem DABthema zur BAU 2017.

Die BAU ist eröffnet

Die BAU 2017 hat ihre Pforten geöffnet. 2.120 Aussteller sind mit von der Partie. Das DAB berichtet live von der Weltleitmesse in München. Text: Stefan Kreitewolf Die Türen öffnen sich, vor der Tür wartet die Menge und drängt in die Münchener Messehallen. Die BAU 2017 ist eröffnet. Auf 183.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche bieten Anbieter alles Erdenkliche zum Thema Architektur und Bauen. Schon nach kurzer Zeit drängen sich Menschenmassen in den Gängen und fachsimpeln über Gebäudetechnik (, wie Sie in diesem Video sehen können). Thematische Schwerpunkte der BAU sind in diesem Jahr das serielle Bauen mit industriell vorgefertigten Teilen, die Digitalisierung der Gebäudetechnik und die Sicherheit von Bauten. Neben der Präsidentin der Bundesarchitektenkammer Barbara Ettinger-Brinckmann war auch die Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) sowie die Präsidentin der bayrischen Landesarchitektenkammer Christine Degenhart zur Eröffnung vor Ort. Das Thema Sicherheit treibt Reinold Becker an. Der Architekt aus Stuttgart will sich auf der BAU neue Impulse zum Thema holen „Sicher muss ja nicht immer hässlich sein“, sagt er. Angesichts der bundesweit stark gestiegenen Einbruchzahlen ist Becker nicht allein in seinem Interesse. Viele Hersteller verzeichnen aktuell eine starke Nachfrage bei Sicherheitstechnik. Um einbruchshemmenden Fenster und Türen, Neuheiten zur Videoüberwachung und zu Alarmanlagen bilden sich auf der BAU Menschentrauben. Die Sicherheitstechniker unter den Ausstellern haben am ersten Messetag viel zu tun. Ein zweites Schwerpunktthema ist sicherlich der Klimaschutz. Bundesbauministerin  Hendricks ist „von der Stärke der deutschen Bauwirtschaft überzeugt – gerade auch als Klimaschutzbranche“. Deutschland baue den Klimaschutz, sagte sie zur Messeeröffnung. Im Bausektor sieht sie eine Trendwende kommen. „Auf der BAU 2017 ist die positive Aufbruchsstimmung deutlich spürbar“, sagte Hendricks. Mehr Informationen und Artikel zur BAU 2017 finden Sie im DABthema zur BAU.

Virtuelle Kinderräume

Die Website archiraum.de will Kinder auf ihre gebaute Umwelt aufmerksam machen. Entwickelt von zwei Architektinnen, gelingt das spielerisch. Text: Stefan Kreitewolf „Lass’ uns mehr entdecken, los geht’s“, beginnt David euphorisch. Er erklärt berühmte Bauwerke wie das Münchener Olympiastadion oder den CCTV-Tower in Peking in klaren Worten und ganz simpel. Und noch dazu immer abrufbar und kostenlos im Internet auf der Seite archiraum.de. Mit David und seiner Freundin Lili können Acht- bis 14-Jährige dort die Welt des gebauten Raums kennen lernen. Die beiden Animationsfiguren fungieren als Reiseführer durch die virtuelle Welt der interaktiven multimedialen Webseite, die spielerisch Wissen vermittelt und zugleich Kreativität und Fantasie fördert. Ein Auto braust über die Straße, eine Wolke fliegt am Horizont vorbei und ein Segelschiff wird vom Wind durch den Hafen getrieben: Bei archiraum.de passiert immer etwas – wie im echten Leben. Begleitet von Lily und David werden die Kinder in die dynamische Stadtlandschaft mit Gebäuden, Grünflächen und Verkehrsmitteln eingeführt. Mithilfe verständlich erzählter Filme öffnet sich ihnen das Themenfeld Architektur. Deswegen ist die Seite einfach strukturiert. Mit Klicks auf die bunten Stadtelemente können Kinder verschiedene Baubereiche erforschen. „Architektur ist überall, auch im Alltag von Kindern“, sagt die Erfinderin Emanuela Parma. Die Frankfurter Architektin hat die Seite gemeinsam mit ihrer Flörsheimer Kollegin Bettina Gebhardt  realisiert. Entstanden ist die vom Bund geförderte Webseite im Rahmen von „Ein Netz für Kinder“, einer Initiative der Bundesregierung mit dem Ziel, das Vertrauen von Kindern, Eltern und Pädagogen in das Medium Internet zu stärken. Gebäude erzählen Geschichten Die vier Themen Statik, Fassade, Energie oder auch Bionik werden spielerisch und anhand von bekannten Objekten erläutert. Jeweils zwölf Lern- und Kreativspiele vermitteln Wissen und vertiefen die Auseinandersetzung mit den Bauten. Sie machen Zusammenhänge zwischen Architektur und Umwelt, Kunst oder Wirtschaft erfahrbar. Bei Schätzaufgaben und Rätseln können kindliche User Punkte sammeln. Sie können entweder auf einer Onlinebaustelle für Baumaterialien oder für virtuelle Architekturreisen eingelöst werden. Das Gute an archiraum.de ist: Hinter jedem Klick verbirgt sich ein Sinn. Die Seite ist vielschichtig aufgebaut und wird nicht langweilig. So lernen Kinder anhand von kleinen Texten, Tönen, Bildern, Filmen und Animationen etwas über Baumaterialien; einzelne Bauwerke erzählen ihnen ihre Entstehungsgeschichte. Sie erfahren, welche Rolle Zahlen und Maßstab, Geometrie und Statik beim Bau spielen. Selbst moderne Energiequellen oder Bionik werden auf abwechslungsreiche Weise behandelt. Und es darf experimentiert werden: Kinder können Längen schätzen, selbst bauen und Rätsel lösen. Die Mischung aus Info, Knobeleien und Quiz-Einlagen macht Spaß, vermittelt Wissen und bietet Raum für Nachfragen und eine weitere Beschäftigung mit den Themen. Dennoch gibt es auch Verbesserungspotenzial für die Internetseite. Leider bricht der Text häufig um, sodass ganze Sätze schwer lesbar sind. Ob Titel wie „Bionik“ wirklich kindgerecht sind, ist zumindest fraglich. Nichtsdestotrotz bietet Archiraum.de mit seinen vielen kleinen und liebevoll gestalteten Elementen ein im Internet einmaliges Angebot für Kinder, die sich für ihre gebaute Umwelt interessieren. Das Projekt der beiden Architektinnen startete bereits 2012. „Erst vier Jahre später war das Spiel dann online“, erzählt Erfinderin Parma. Sie wünscht sich, „dass Architektur auch in Schulen mehr beachtet wird – es ist für Kinder überaus spannend, wie viele Disziplinen sich in diesem Fach vereinen.“ Das Online-Spiel finden Sie hier.

In Zukunft gesündere Büros

Das Forschungsprojekt „My future Office“ will die Gesundheit und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz verbessern. Auf der BAU werden die Forschungsergebnisse präsentiert. Text: Marion Goldmann Das Sentinel Haus Institut und der TÜV Rheinland haben im Rahmen ihrer Initiative „Gesündere Gebäude“ das Forschungsprojekt „My future Office“ gestartet. Gemeinsam mit Wissenschaftlern, Medizinern und Herstellern werden in den nächsten drei Jahren Lösungen für eine optimale Arbeitsplatzgesundheit geschaffen. Neben Grundlagenforschung und dem Bau von Modellräumen geht es in der dritten Phase des Projektes darum, die Erkenntnisse praxisnah umzusetzen und zu kommunizieren. Peter Bachmann, Geschäftsführer des Sentinel Haus Instituts: „Für einen hohen Praxisbezug arbeiten wir von Anfang an mit Bauherren, Architekten und Handwerkern zusammen.“ Auch deshalb werden schon jetzt dafür Neubau- und Sanierungsobjekte gesucht. Interessierte Architekten sind hier also willkommen. Vorgestellt wird „My future Office“ am Dienstag, den 17. Januar in der Zeit von 14.00 bis 16.00 Uhr im Raum B61, der sich im 1. Obergeschoss der Halle B6 befindet. Neben Peter Bachmann (Sentinel Haus Institut) und Dr. Walter Dormagen von TÜV Rheinland gehören neben Investoren auch Architekt Werner Frosch von Henning Larsen Architects zu den Referenten. Wegen des begrenzten Platzangebotes wird um frühzeitige Anmeldung (hier) gebeten. Auf dem Messestand 200 in Halle B6 können sich Interessenten ebenfalls informieren. „My future Office“ ist deutschlandweit das bislang einzige Projekt dieser Art. Hintergrund ist, dass Schadstoffe in der Raumluft, zu wenig Tageslicht, schlechte Akustik und ein ungünstiges Raumklima den Krankenstand und die Unzufriedenheit der Mitarbeiter erhöhen. Das führt folglich zu einer geringeren Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter und ist schlecht für den Arbeitgeber. Deshalb ist das Spektrum der Untersuchungen auch so breit gefächert. Peter Bachmann: „Es wird alles untersucht, was die Leistungsfähigkeit und die Befindlichkeiten der Nutzer beeinflusst. Dazu gehören neben den genannten Aspekten zum Beispiel auch der Blendschutz und antibakterielle Oberflächen.“ Außerdem will man gesundheitliche Fragen behandeln, zu denen bis heute die Antworten noch fehlen. Zum Beispiel, welche Wechselwirkungen lösen etwa Reinigungsmittel nach mehrmaliger Anwendung aus oder wie geht man am besten mit alten Dispersionsfarbenanstriche bei der Sanierung um. Bei dem Forschungsprojekt spielt nicht zuletzt auch die Nachhaltigkeit eine Rolle, die konform zu den existierenden Zertifizierungs-Systemen behandelt werden soll. Hier bringt Christian Donath (Geschäftsführer in der Gründungsphase der DGNB) seine Expertise ein. Demnach werden keine neuen Bewertungskriterien erstellt, sondern die Anforderungen der für die Bewertung der Raumqualität im Büro relevanten Kriterien abgeglichen und gegebenenfalls vertieft. Eigentümer von Immobilien, die aktuell noch kein Nachhaltigkeits-Zertifikat anstreben, sollen so die Möglichkeit erhalten, den Nutzern die Vorzüge und die Werthaltigkeit des Gebäudes in Bezug auf Gesundheit und Behaglichkeit transparent darzustellen. Weitere Informationen gibt es hier.

Zehn goldene Mittelfinger

Donald Trump ist der 45. US-Präsident. Seine hochtrabenden Pläne spiegeln sich in seinen Wolkenkratzern wider. Um die Welt in zehn Trump-Türmen. Die Wahl Donald Trumps zum 45. US-Präsidenten hat die Welt in Aufruhr versetzt. Seine hochtrabenden Pläne schlagen sich auch in der Architektur seiner Wolkenkratzer nieder. Der Immobilienmogul pflegt eine oligarchische Ästhetik. Sein offensiv zur Schau getragener Neureichtum ist für das geschulte Auge bisweilen schwer zu ertragen.Seine Wolkenkratzer ragen überall auf der Welt wie goldene Mittelfinger in den Himmel. Spötter witzeln bererits, der Milliardär wolle nun auch das Weiße Haus, den traditionellen Amtssitz des amerikanischen Präsidenten, umbauen lassen und in einen seiner Glitzertürme verwandeln. Das Deutsche Architektenblatt wirft einen Blick auf Trumps bauliches Schaffen. Wo überall auf der Welt stehen seine Tower? Wie sehen sie aus? Wieviel kostet das alles? Und wer hat sie gebaut? Zehn Trump-Tower in der Übersicht. Trump Tower, New York City (USA) Der Trump Tower in New York City (NYC) ist mit seinen 58 Etagen mitten in Manhattan das Zuhause von Donald Trump, Hauptsitz seiner Unternehmen und fungierte im Wahlkampf als Hauptquartier seines Kampagnenteams. Das Wohn- und Bürogebäude wurde 1983 vom US-amerikanischen Architekten Der Scutt errichtet. Allein das Atrium geht über sechs Etagen und erstrahlt in rosa Marmor und Gold. Das Gebäude ist 202 Meter hoch. Es belegt allerdings nur den 64. Platz der höchsten Gebäude von New York. Trump World Tower, New York City (New York, USA) Der Trump World Tower ist indes eines der höchsten und teuersten Wohnhäuser der Welt. Er befindet sich an der United Nations Plaza ebenfalls in Manhattan, NYC. Das Gebäude wurde im Jahr 2001 nach einer Bauzeit von zwei Jahren vom griechischen Architekten Constantine Andrew Kondylis fertiggestellt. Mit einer Höhe von 262 Metern und 72 Stockwerken war es von 2001 bis 2011 das höchste Wohnhaus in New York City und den Vereinigten Staaten. Trump SoHo, New York City (New York, USA) Das Trump SoHo ist das Luxushotel des designierten mächtigsten Mannes der Welt. 2006 startete der Bau. Das New Yorker Unternehmen Handel Architects führte den Bau aus. Vier Jahre später 2010 wurde es eröffnet. Das 46 Stockwerke umfassende Gebäude kostete 450 Millionen US-Dollar. Die Pläne für das Gebäude wurden im Rahmen der Reality-Sendung „The Apprentice“ (deutsch: der Lehrling), in der Trump von 2004 bis 2011 medienwirksam immer neue Mitarbeiter suchte, erarbeitet. Trump International Hotel and Tower, Las Vegas (Nevada, USA) Natürlich darf Trump auch in der Spielermetropole Las Vegas nicht fehlen. Der Trump International Hotel and Tower ist 189 Meter hoch und damit das dritthöchste Gebäude der Stadt. Der Turm verfügt über 64 Geschosse. Der Spatenstich erfolgte im Jahr 2005, drei Jahre später, im Jahr 2008, wurden die Bauarbeiten gemeinsam mit dem Architekten Joel Bergman beendet. Das Gebäude fällt in der Skyline der Stadt auf, weil die Fassade golden schimmert. Stilecht wurde unter der Dachkante der Schriftzug „Trump“ angebracht. Trump Towers, Sunny Isles Beach (Florida, USA) Trump ist auch im Sonnenstaat Florida mit einem eigenen Wolkenkratzer vertreten – nämlich in Sunny Isles Beach. 261 Zimmer, Suiten und Ferienwohnungen versprechen unweit von Miami in einem Dreier-Turm Luxus auf höchstem Niveau. Das US-amerikanische Architekturunternehmen Sieger-Suárez baute das direkt am Strand gelegene 43-stöckige Ferienparadies bis 2009. Eine virtuelle Führung durch Trumps Triple-Tower gibt es hier. Trump International Hotel and Tower, Chicago (Illinois, USA) Der Trump International Hotel and Tower, kurz auch Trump Tower, ist ein 98-stöckiger Wolkenkratzer in Chicago, der im Jahr 2009 fertiggestellt wurde. Er ist seitdem das zweithöchste Gebäude der Stadt und das derzeit vierthöchste der USA. Das Architekturbüro Skidmore, Owings and Merrill verantwortete den Bau von 2005 bis 2009. Es kostete 750 Millionen US-Dollar. Der Wolkenkratzer wurde vollständig in Stahlbetonbauweise errichtet. Trump International Hotel and Tower, Toronto (Kanada) Auch außerhalb der USA ist Trump als Immobilienmogul tätig, zum Beispiel im benachbarten Kanada. In Toronto steht der Wolkenkratzer Trump International Hotel and Tower. Mit seinen 281 Metern ist das Gebäude nicht zu übersehen. Es beherbergt ein Fünf-Sterne-Luxushotel sowie Wohnungen und Apartments. Der offizielle Baubeginn war am 12. Oktober 2007. 2012 wurde es eröffnet. Der deutsch-kanadische Architekt Eberhard Heinrich Zeidler verantwortete den Bau. Er verschlang 275 Millionen US-Dollar. Trump Tower, Manila (Philippinen) Auch in Asien ist Trump aktiv. In der philippinischen Hauptstadt Manila soll noch in diesem Jahr ein Trump Tower eröffnet werden. Der vor Ort als Trump Tower at Century City bekannte Wolkenkratzer soll dann Eigentumswohnungen beherbergen. Der Spatenstich erfolgte im Juni 2012. Die Kosten werden auf 150 Millionen US-Dollar geschätzt. Broadway Malyan war als Architekturbüro am Bau beteiligt. Bei Fertigstellung wird der Trump Tower das höchste Gebäude der Philippinen sein. Trump Ocean Club, Panama City (Panama) Der Trump Ocean Club in Panama ist das höchste Gebäude Lateinamerikas. Das ist zumindest bemerkenswert, hatte Trump im Wahlkampf doch gegen Latinos gewettert und gedroht, sie kollektiv abzuschieben. Dass er im Gegenzug in Lateinamerika Geschäfte macht, scheint indes kein Probolem für ihn zu sein. 284 Meter und 70 Stockwerke hoch ist seine 2010 eröffnete Edelherberge in Panama City. 400 Millionen US-Dollar durfte das Architekturbüro Arias Serna Saravia verbauen. Trump Towers, Istanbul (Türkei) Trumps Auslandsengagement zeigt: Seine Pläne gingen bereits vor seiner Präsidentschaftskandidatur über die USA hinaus – zum Beispiel in die Türkei. Mit dem Land verbindet ihn nicht nur eine Freundschaft mit Staatschef Recep Tayyip Erdogan, sondern das Geschäft. In Istanbul besitzt er ebenfalls Türme. Die türkischen Trump Tower eröffneten 2010. Die Baukosten sind nicht bekannt. Das Gebäude wurde von der deutsch-türkischen Architektin Brigitte Weber gebaut. Es sind die ersten Trump-Tower in Europa.

Gebündeltes Wissen zum Anfassen

Auf der Sonderschau des ift Rosenheim wird anhand von Musterfenstern und -türen der hohe Anspruch an Bauelemente veranschaulicht. Zusätzliche werden hilfreiche Lösungen zur Planung und Ausschreibung angeboten. Text: Marion Goldmann „Quality follows Funktion“ lautet das Motto, unter dem das ift Rosenheim auf dem Stand 505 in Halle C4 auf der Bau 2017 „anwendungsorientierte“ Bauqualität präsentiert. Gewählt wurde dieses Thema, weil die Anforderungen an Fenster und Türen in den letzten Jahren stark gestiegen. Je nach Einsatzort gibt es große Unterschiede. Ein Fenster in einer Wohnung muss schließlich anderen Ansprüchen genügen als eines im Pflegeheim. Entsprechend setzt die Ausstellung auch bei der Nutzung an. Die Unterschiede werden anhand typischer Szenarien für ein Klassenzimmer, ein altersgerechtes Wohnzimmer sowie Wohnen auf hohem Niveau anhand von Musterfenstern dargestellt. Ergänzend werden die Besucher über die normativen und technischen Grundlagen sowie die Herstellung und Montage informiert. Besonders Architekten empfiehlt der Leiter Öffentlichkeitsarbeit Jürgen Benitz-Wildenburg für die Planung und Ausschreibung des ift Rosenheim: „Architekten können damit schnell erkennen, welche Eigenschaften und Anforderungen ein Fenster in einer Schule oder Pflegeinrichtung erfüllen muss.“ Außerdem ist ein Teil der Ausstellungsfläche als Aktionszone für Barrierefreiheit mit verschiedenen Schwellenkonstruktionen konzipiert. Hier können Besucher selbst testen, wie unterschiedlich der Kraftaufwand beim Überfahren mit einem Rollstuhl von unterschiedlichen Schwellenhöhen und -geometrien Visuelle Einschränkungen, wie Beeinträchtigungen durch den grauen Star und andere Augenkrankheiten, werden durch verschiedene Brillentypen erlebbar. Ein zweiter Bereich der Aktionsfläche ist der Nutzungs- und Einbruchsicherheit gewidmet. Das dritte Thema behandelt das luxuriöse Wohnumfeld. Hier werden ein Fenster und eine Tür präsentiert, die über alle heute möglichen technischen Finessen verfügen. Als traditionelles ift-Thema darf natürlich auch die fachgerechte Montage nicht fehlen. Für die Präsentation steht ein aktuell viel diskutiertes Thema im Fokus: Gezeigt werden Montagesysteme, die sich für den Einbau in Wärmedämmverbund-Systeme eignen und einbruchhemmend sind. Vorgestellt werden erhältliche Lösungen, die stabile Befestigungen der Bauelemente ermöglichen.

Der besondere Blick

In den Sonderschauen werden die Leitthemen der BAU thematisiert – aus verschiedenen Blickwinkeln und unter unterschiedlichen Gesichtspunkten. Die BAU-Sonderschauen im Überblick. Bauen 2020: Von der Energieeffizienz zur Produkteffektivität Der Fast-Nullenergie-Standard für Neubauten kommt! Die fürs Bauen ohnehin wichtige Prämisse der Energieeffizienz wird damit zum relevantesten Verkaufsargument. Die Sonderschau der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) nähert sich dem Thema aus der heutigen Sicht und zeigt, was noch getan werden muss und welche Kennwerte zu optimieren sind. Wo? Halle C2: Stand 303. Fraunhofer StadtLabor: die Zukunft unserer Städte 14 Fraunhofer-Institute stellen den aktuellen Stand ihrer Arbeit vor: Gebäude, die energieeffizient denken. Fassaden, die das Raumklima positiv beeinflussen. Städte, die weder Müll noch Abwasser produzieren. Das alles ist keine Vision, sondern schon heute relevant – und deswegen auf der BAU-Sonderschau zu bestaunen. Wo? Halle C2: Stand 538. Wohnungswirtschaft im Wandel – Generationengerecht Bauen 4.0 Mehr Komfort in allen Lebensphasen – das ist das Credo der Deutschen Gesellschaft für Gerontotechnik (GGT), dem Paten der Sonderschau. Was eine generationengerecht geplante Immobilie leisten soll, wird hier veranschaulicht. Und zwar live am lebenden Konzept in einer GGT-Musterimmobilie samt innovativen Produktlösungen für Bestand und Neubau. Wo?  Halle A4: Stand 432. Quality follows Function! Die Welt ist vielfältig und wie sie, sind auch Bauten. Egal ob Wohnung, Schule, Verwaltungsgebäude: Je nach Nutzung müssen Bauelemente unterschiedlichen Anforderungen genügen. Das Institut für Fenstertechnik (ift) in Rosenheim stellt die „anwendungsorientierte Bauqualität“ in den Fokus seiner diesjährigen Sonderschau und gibt wertvolle Einsatzempfehlungen. Wo? Halle C4: Stand 502. Die Inhalte der einzelnen Sonderschauen können Sie noch einmal ausführlich hier auf der BAU-Internetseite nachlesen.

Wer, was, wo, wie?

Wohin, wann und wie? Die BAU 2017 ist riesig und nicht immer übersichtlich. Hier finden Sie alle wichtigen Fakten zur BAU 2017. Alle zwei Jahre findet die BAU, Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme statt. Sie setzt Maßstäbe und ist der wichtigste Treffpunkt der Branche. Die Messe bietet auf über 180.000 Quadratmetern Materialien, Technologien und Systeme für Wirtschafts-, Wohnungs- und Innenausbau im Neubau und im Bestand. Damit Sie nicht den Überblick verlieren, hier alles Wichtige im Überblick. Termin BAU 2017 16. bis 21. Januar 2017 Messe München Öffnungszeiten 16. bis 20. Januar 2017, Mo. bis Fr. von 9.30 Uhr bis 18.00 Uhr 21. Januar 2017, Sa. von 9.30 Uhr bis 17.00 Uhr Adresse Messe München GmbH Messegelände 81823 München 089-94920720 info@messe-muenchen.de Anreise per U-Bahn ab München Hauptbahnhof: Linie U2 bis zur Haltestelle „Messestadt West“ oder „Messestadt Ost“ (Fahrzeit: ca. 18 Minuten) Mehr Informationen zu öffentlichen Verkehrsmitteln finden Sie hier. per Shuttlebus vom Münchener Flughafen: Mehr Informationen dazu finden Sie hier. mit dem Auto: Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

Von Experten für Experten

Hunderte Messestände zeigen tausende Produkte in 17 Hallen: Wer den Überblick behalten und sich weiterbilden will, sollte die Fachforen besuchen. Dort gibt es mehr als Ruhe. Auf der BAU geht es vor allem um eins: Produkte, Produkte, Produkte. Im aufgeregten Gewusel der Weltleitmesse in München steht das Geschäft im Mittelpunkt. Zurecht. Denn die Unternehmen geben viel Geld aus, um sich auf der BAU präsentieren zu können. Als Ergänzung zum geschäftigen Treiben bietet die BAU vier Fachforen. Sie finden mitten im Messegeschehen statt und sind simpel zwischen den Standbesuchen aufzusuchen. Selbstverständlich herrschen dort Ruhe und Konzentration. Denn es gibt viel Input. Zahlreiche Experten kommen bei Vorträgen und Paneldiskussionen zu Wort. Die Foren geben der Messe ihre fachliche Tiefe. Das ist wichtig. Denn das Planen und Bauen wird immer komplexer, anspruchsvoller. Globalisierung, Digitalisierung, demografischer Wandel, Urbanisierung, Ressourcenverknappung, Energiewende, Energie- und Ressourceneffizienz, Recycling: Die Herausforderungen für die Bauwirtschaft sind vielfältig. Deswegen bietet die Messe verschiedene BAU-Foren, wie die Liste zeigt: Forum A4: Architekt und Industrie im Dialog In Halle A4 beleuchtet das Forum die Rolle des Architekten in Gegenwart und Zukunft. Drei Referenten aus international renommierten Architekturbüros sowie drei Vertreter aus der Industrie werden über neue Entwicklungen und Trends berichten und diskutieren. Die Themen erstrecken sich von Wohnraum für Flüchtlinge und Migranten über modulare Bausysteme und BIM bis hin zu den konstruktiven Möglichkeiten des Baustoffs Holz. Forum A4: Detail research – Building the Future An sechs Nachmittagen präsentiert das Forum praxisnahe internationale und interdisziplinäre Forschungsprojekte für das Bauen der Zukunft. Namhafte Referenten geben Einblick in ihre Forschungstätigkeiten und versuchen die folgenden Fragen und Themen gemeinsam mit den Forenteilnehmern zu erörtern:
  • Smart Home – Wie sieht das smarte Gebäude der Zukunft aus? Welche Faktoren stehen dabei im Fokus?
  • Fassaden – Welche Chancen bieten „mitdenkende“ Fassadensysteme?
  • Der Systembau – eine Renaissance, dank moderner Planungsmethoden und innovativer Fertigungstechniken
  • Bauen für alle – Was heißt das in einer globalisierten Welt?
  • Digitalisierung – Welche Perspektiven bieten digitale Planungsmethoden?
Forum C2: Die Zukunft des Bauens Wie das Bauen und Gestalten der Zukunft aussieht, versucht das Fachforum mit täglich wechselnden Themen und Referenten zu entschlüsseln. Ziel ist es, den Status Quo zu diskutieren und die Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Baukultur und Architektur zu definieren. Dabei geht es um aktuelle Themen, wie die Liste zeigt:
  • smart building materials
  • BIM
  • Großprojekte
  • Wohnen
  • The next big thing: Was wird in den kommenden Jahren in der Architektur zum „next big think“ hinter dem „one more thing“?
  • Emerging stars, emerging markets: Wo liegen die Märkte der Zukunft?
Forum B0: Von der Vision in die Praxis Das Forum wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, der Fraunhofer Allianz Bau und dem Bundesverband Altbauerneuerung präsentiert. Das Bundesbauministerium informiert über Forschungs- und Förderinitiativen sowie politische Zielsetzungen und gesetzliche Grundlagen. Die Fraunhofer Allianz Bau stellt einen Teil ihrer Forschungsarbeit anhand konkreter Projekte vor. Die Vorträge des Bundesverbands Altbauerneuerung behandeln die großen Herausforderungen der Zukunft für bestehende Gebäude. Die Inhalte der einzelnen Foren können Sie noch einmal ausführlich hier auf der BAU-Internetseite nachlesen.

Alles im Blick

Sehen Sie auf einen Blick, wo Sie was wann finden: Alle hilfreichen Übersichten zur BAU 2017 finden Sie hier zum Download. Auf einen Blick Alle zwei Jahre findet die Weltleitmesser für Architektur, Materialien und System statt. Zahlen, Daten und Fakten zur BAU 2017 finden Sie hier auf einen Blick. Geländeplan Es gibt soviel zu entdecken, so viel zu sehen. Hier finden Sie schnell den richtigen Weg. In welcher Halle die Aussteller zu welchen Oberthemen zu finden sind, erfahren Sie im Geländeplan der BAU 2017. Besucherguide Behalten Sie die Übersicht. Das ist bei einer so großen Messe wie der BAU 2017 gar nicht so leicht. Hier erhalten Sie einen Übersichtsplan der BAU 2017. Darin enthalten: in welcher Halle Sie an welchem Stand die jeweiligen Aussteller finden. Besucherguide BAU 2017. Forenübersicht Zahlreiche Architekten und renommierte Branchenexperten zeigen ihre neuesten Projekte und Zukunftsideen, inklusive praxisnaher Lösungen. Alle Referenten und ihre Vortragsthemen finden Sie hier kompakt in der Forenübersicht BAU 2017. Sonderschauen-Übersicht Die Sonderschauen thematisieren die Leitthemen der BAU und fokussieren sie aus verschiedenen Blickwinkeln. All das finden Sie in der Übersicht der Sonderschauen der BAU 2017.

Bauphysik fürs Hallenbad

Die feuchtwarme Luft stellt an den Feuchte- und Wärmeschutz sowie die Auswahl des Dämmstoffs besondere Anforderungen Text: Thomas Duzia, Rainer Mucha Da die klimatischen Bedingungen in Schwimmbädern deutlich von den normativen Grundbedingungen zur wärme- und feuchtetechnischen Beurteilung abweichen, müssen die Randbedingungen für die Berechnungen immer auf den Einzelfall bezogen und mit dem Nutzer abgestimmt werden. Auf diesen Grundlagen aufbauend kann erst die bauphysikalische Bewertung und dämmtechnische Auslegung der Außenbauteile erfolgen. In Tabelle 1 sind vergleichend die vereinfachten Klimabedingungen, nach DIN 4108-3 zum Wärmeschutz und der Energie-Einsparung in Gebäuden für eine normale Wohn- oder Büronutzung für den Feuchteschutz im Winter und die Randbedingungen nach VDI 2089 zum Innenraumklima in einem Schwimmbad dargestellt. Tabelle 1: Vergleichende Gegenüberstellung der Klimabedingungen in Schwimmhallen nach VDI 2089 und der DIN 4108. Dabei ist zu beachten, dass in einem Schwimmbad unterschiedliche klimatische Verhältnisse in den verschiedenen Nutzungszonen vorliegen. Nach VDI 2089 Blatt 1 – Januar 2010, Technische Gebäudeausrüstung von Schwimmbädern- Hallenbädern; VDI- Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik, beziehungsweise der KOK- Richtlinie für den Bäderbau werden folgende Raumlufttemperaturen in Hallenbädern empfohlen: Treppenhäuser 18°C; Foyer 22°C; Umkleidebereich 22° bis 28°C; Schwimmmeisterraum/Erste-Hilfe-Raum 22° bis 26°C; Vorreinigungen und Toilettenräume 26° bis 34°C; Schwimmhalle 30° bia 34°C Aus dieser Besonderheit der Schwimmbadnutzung resultiert, dass die Anforderungen, an den Feuchte- und Wärmeschutz, für Konstruktionen im Schwimmbad höher sind. Dieser Umstand wurde bei der Formulierung der DIN 4108-3 von 2014 erkannt. Darin steht, dass Tauwasser- und Schimmelpilzbildung auf der Innenoberfläche ebener, thermisch homogener Bauteile im Falle üblich genutzter Räume vermieden wird, wenn die Mindestanforderungen an den Wärmeschutz für massive beziehungsweise leichte Bauteile nach DIN 4108-2 eingehalten werden. Wenn jedoch, wie im Falle von Schwimmhallen, Abweichungen von den zugrunde gelegten standardisierten Raumklimabedingungen vorliegen, müssen die Mindestwerte für raumseitige Oberflächentemperaturen ermittelt werden. Die bauphysikalischen Nachweise müssen damit auf der Grundlage des tatsächlichen Raumklimas erfolgen. Randbedingungen für die Konstruktion Im Gegensatz zu herkömmlichen Gebäuden haben Hallenbädern eine wärmeübertragende Umfassungsfläche, bei der nahezu zu jeder Jahreszeit ein Wärmestrom von der Innen- zur Außenseite vorliegt, da die Raumtemperatur ganzjährig etwa 30 bis 34 Grad Celsius beträgt. Dadurch entstehen auch in den warmen Monaten Wärmeverluste. Insbesondere den gedämmten Dachflächen der Schwimmhallen sollte dabei ein besonderes Augenmerk gelten. Häufig werden die Schwimmhallen mit einem Flachdach konstruiert, das aus einer Binderkonstruktion besteht und mit Trapezblechen und oberseitig mit Dampfsperren, Dämmung und Dachabdichtung abgedeckt wird. Abbildung 1: Schematische Darstellung der wärmeübertragenden Hüllfläche eines Schwimmbades und den üblichen Innenraumtemperaturen. Mit der Wahl des Dämmmaterials können bereits Schadensbilder bei einer mangelhaften Ausführung prognostiziert beziehungsweise ausgeschlossen werden. Wenn diese Eventualfälle eines Schadens für eine nachhaltige und wartungsarme Gebäudehülle schon im Planungsprozess Beachtung finden, können spätere Kosten durch Sanierungsmaßnahmen für den Badbetreiber gering gehalten werden. Für den großen Bestand an Bädern sind, anders als beim Neubau, andere Kriterien anzusetzen. Häufig erfordern Außenwände bestehender Gebäude Maßnahmen auf deren Innenseite, um eine Energieeinsparung ohne aufwändige Fassadenkonstruktionen durchzuführen. Dabei gelten besondere bauphysikalische Anforderungen, die unbedingt beachtet werden müssen. Eine wichtige Eigenschaft von Gebäudehüllen muss die Freiheit von einer schädlichen Menge an Tauwasser in der Konstruktion sein, um Bauschäden zu vermeiden. Daher darf der Taupunkt an keiner Stelle dauerhaft unterschritten werden. Aus dieser Tatsache folgt, dass die absolute Feuchte in der Schwimmhalle bei gleichbleibender Innentemperatur so vorzuhalten ist, dass auf die mittlere monatliche Außentemperatur bezogen eine Temperaturunterschreitung auf den Flächen der Außenbauteile und den Anschlusspunkten unterbunden werden muss. Aufbauend auf Abbildung 2 wird eine Mindestoberflächentemperatur und eine geforderte wärmeschutztechnische Qualität der Gebäudehülle definiert, die den wahren Verhältnissen in Schwimmbädern entspricht. Für eine gegebene raumseitige Lufttemperatur wird der Temperaturfaktor fRsi bestimmt. Abbildung 2: Bereiche der Tauwasserbildung in Schwimmhallen bezogen auf eine Raumlufttemperatur von 30 °C Die Taupunkttemperatur auf einer Oberfläche ergibt sich bei vollständiger Luftfeuchtesättigung zur Raumlufttemperatur. Das heißt, bei absoluter Luftsättigung findet ein Kondensatausfall auf Bauteilen mit Oberflächentemperaturen unterhalb der Raumlufttemperatur statt. Daher lassen sich Lufttemperatur, relative Luftfeuchtigkeit und Taupunkttemperatur in direkten Zusammenhang stellen (siehe Abbildung 2). Auf Grund der höheren Anforderungen durch den Tauwasserausfall empfiehlt sich die Temperatur auf der Wandinnenseite eines Schwimmbads so hoch wie möglich zu halten. Für eine realitätsnahe Vergleichbarkeit haben die Autoren auf Grundlage der Anforderungen an Bauteiloberflächen nach Tabelle 2, die maßgebenden Temperaturfaktoren hergeleitet, mit denen in Schwimmbädern eine bauphysikalisch richtige Beurteilung durchgeführt werden kann. Tabelle 2: kritische Wert der relativen Luftfeuchte an der raumseitigen Oberfläche Unter den bereits genannten Randbedingungen für den Schwimmbadbau (siehe Tabelle 1), können über Abbildung 3 die maßgebenden fRSi-Faktoren für die jeweilige Anforderung bestimmt werden. Dabei dienen als Eingangswerte die innseitige relative Luftfeuchtigkeit auf der Abszissenachse und der kritische Wert der relativen Luftfeuchte an der raumseitigen Oberfläche, als eine der drei eingezeichneten Kurven. Dadurch kann auf der Ordinatenachse der maßgebende Temperaturfaktor für den jeweiligen Anwendungsfall abgelesen werden. Die Kriterium-Einstufung der Bauteile ist vom Planer in Abhängigkeit der Nutzungsrandbedingungen und Bauteilanforderungen individuell festzulegen und stets für jeden Einzelfall zu prüfen.   Abbildung 3: Diagramm zur grafischen Ermittlung des maßgebenden fRSi-Faktors   Hilfe bei der Dämmstoff-Wahl   Besonderes Augenmerk muss auf die Auswahl eines geeigneten und dauerhaften Dämmstoffes gelegt werden. Der Fall einer nachträglichen Innendämmung stellt gerade unter den vorgestellten Randbedingungen in einer Schwimmhalle eine planerische und ausführungstechnische Herausforderung dar, die bei unsachgemäßer Ausführung Tauwasserbildung im Wandquerschnitt und damit Schimmelbildung zur Folge hat. Zusammenfassend erstrecken sich die Anforderungen an eine langlebige Innendämmung in Schwimmhallen, vor allem in Feuchträumen, auf folgende Punkte:  
  • nicht kapillaraktiv
  • dampfdicht
  • maßbeständig
  • Widerstandsfähigkeit gegen Chemikalien und Reinigungsmittel
  • Sicherheit gegen Vandalismus
  In der folgenden Thermografie-Aufnahme (Abbildung 4) ist exemplarisch an einer Mischfassade, bestehend aus einer Pfosten-Riegel-Konstruktion und Betonfertigteilen, der Wärmestrom zu sehen.     Abbildung 4: Thermografie-Aufnahme einer Schwimmbad-Fassade   Weiterhin ist konstruktiv zu berücksichtigen, dass die massiven Außenwände beim Einsatz von Innendämmungen zwingend eine schlagregendichte Fassade benötigen. Das heißt, von außen darf kein Wasser in die Fassade gelangen und Fassadenbeschichtungen müssen regelmäßig gewartet werden. Zugleich darf keine aufsteigende Feuchte in der Konstruktion vorhanden sein. Hieraus resultiert eine erhöhte Gefahr für die Konstruktion, da eine dampfdichte Innendämmung immer auch die Trocknung nach innen behindert. Liegt in der Wandkonstruktion ein Feuchteschaden vor, verschiebt sich aufgrund der kapillaren Eigenschaften der mineralischen Baustoffe bei einer dampfdichten Innendämmung der Feuchtehorizont nach oben. Werden Folien als Dampfsperre eingesetzt, liegt darüber hinaus in den Bereichen der Bauteilanschlüsse oder Einbauten und Durchdringungen, wie Verkabelungen und den Überlappungen der Folien, ein sehr fehleranfälliger Bereich vor. Daher gilt, dass eine Dampfsperre über die gesamte Nutzungsdauer funktionieren muss. Dies muss ausführungstechnisch und durch die Bauüberwachung gewährleistet werden.   Eine Lösung hierfür bietet eine dampfdiffusionsdichte Dämmung, zum Beispiel aus Schaumglas. Vorteil dieses Materials ist, dass es Dämmung und Dampfsperre vereint. Dadurch lassen sich Feuchteschäden im Bauteil durch einen Tauwasserausfall ausschließen, da im Material kein Wasserdampfdiffusionsfluss stattfindet. Besondere Beachtung müssen aber auch hier die Plattenstöße und Anschlüsse an angrenzende Bauteile erhalten. Trotz der positiven Eigenschaften von Schaumglas für diesen Einsatzfall, muss eine Qualitätssicherung durch eine systematische Baustellenkontrolle und professionelle Beratung erfolgen, um alle Vorteile auch in einen realen Nutzen umzusetzen.   Mit der raumseitigen Dämmung lässt sich auf eine einfache Weise die Oberflächentemperatur auf der Wand erhöhen. Die Abbildung 5 zeigt eine Innendämmung. Auf deren Oberfläche beziehungsweise Schichtgrenze zum Putz beträgt die Oberflächentemperatur 28,1 °C, die damit 1,9 K unter der Innenraumtemperatur liegt.     Abbildung 5: Temperaturverteilung bei einer wasserdampfdiffusionsdichten Innendämmung unter den Temperaturrandbedingungen nach Tabelle 1     Potenzielle Schadensquellen   Gelangt feuchte und warme Luft über mangelhafte Dampfsperren in die Dämmebene, bildet sich Tauwasser in der Konstruktion. Im normativen Nachweis nach dem Glaser-Verfahren nach DIN 4108-3, darf nur 1,0 kg/m² Wasser vorhanden sein. Sofern Tauwasser an einer Schicht ausfällt, die nicht über ihre Kapillaren Wasser aufnehmen kann, sind sogar nur 0,5 kg/m² Wasser zulässig. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass diese Feuchtigkeit während der vorgegebenen Verdunstungsperiode wieder aus der Konstruktion gelangt. Sind jedoch keine raumseitig dichten Dampfsperren vorhanden und wurde ein wasseraufnahmefähiger Dämmstoff verbaut, kann das Wasser aus der Konstruktion nicht mehr entweichen. Welcher Schaden daraus entstehen kann, wird anhand der Abbildungen 6 und 7 deutlich. Demzufolge sollte im Glaser-Nachweis für Schwimmbäder, ähnlich wie es die DIN 68800 im zweiten Teil zum vorbeugenden Holzschutz vorschlägt zusätzliche eine Trocknungsreserve von 250 g/m² berücksichtigt werden.   Abbildung 6: Teilsanierte Dämmung an einer Sheddach-Konstruktion in einem Hallenbad, die zu einem Folgeschaden führte (siehe Abb. 7) Abbildung 7: Unterhalb der der Dampfsperre, die die Dämmung schützen sollte, führte der Tauwasserausfall zu einer Zerstörung des Holzbinders über einem Therapiebecken.   Aufgrund der hohen sd-Werte von Dampfsperren und Dachabdichtungen kann man prognostizieren, dass das Austrocknungsvermögen der Konstruktion über die Fläche behindert ist. Auch wenn die Regel besagt, dass die sd-Werte von innen nach außen abnehmen sollen. Die Folge ist dann eine vollständig feuchtigkeitsgesättigte Dämmebene und sich kumulativ aufbauende Feuchtigkeit, wenn ausreichend zugänglicher Porenraum zur Verfügung steht. Dieses Schadensbild lässt sich durch die Auswahl geeigneter und aufeinander abgestimmter Schichtaufbauten und vor allem durch geeignete Dämmmaterialien verhindern. Betrachtet man bei der Dachdämmung die üblichen Trapezblech-Dachkonstruktionen bei Schwimmbadneubauten lassen sich die möglichen Fehlerquellen auf folgende Bereiche begrenzen:  
  • fehlerhafte Dachabdichtung,
  • mangelhaft verlegte Dämmlagen mit Spaltenbildung zwischen den Platten in der Dämmebene,
  • Zerstörungen der Dampfsperre, unter anderem durch Folgegewerke im Innenausbau.
  Alle drei Schadensformen führen im Regelfall zum Versagen der Dämmeigenschaften, da entweder flüssiges Wasser von außen eindringt oder in Form von Wasserdampf in die Konstruktion gelangt. Das bedeutet, dass die Konstruktion ihre eigentliche Aufgabe des Dämmens und somit das Einsparen von Heizenergie nicht erfüllen kann. Übersteigt der Wassergehalt in der Konstruktion die nach DIN zulässige Höchstgrenze, sind je nach Art der Konstruktion auch Folgeschäden zu erwarten, wie Holzfäule oder Korrosion.   Im Regelfall muss man davon ausgehen, dass Durchfeuchtungsschäden nicht unmittelbar nach dem Eintreten des Schadens festgestellt werden. Das liegt unter anderem daran, dass einige Dämmmaterialien über ein Porenvolumen verfügen, das die Feuchtigkeit erst einmal aufnimmt, ohne dass ein Schaden offensichtlich wird. Damit steigen zugleich die Lasten, die auf die Konstruktion einwirken, was ein statisches Problem nach sich ziehen kann. Um diese Risiken zu verringern bieten dampfdiffusionsdichte Dämmmaterialien deutliche Vorteile, da sie aufgrund ihres geschlossenzelligen Porenraums kein Wasser aufnehmen.   Die besonderen bauphysikalischen Anforderungen in Schwimmbädern infolge der hohen Temperaturen und des Wasserdampfes erfordern sehr widerstandsfähige Dämmstoffe. Deshalb sollte bei der Entscheidung auch immer deren Haltbarkeit und Wartungsfreiheit berücksichtigt werden. Diffusionsdichte Dämmung, die einen unzugänglichen Porenraum haben, bieten hier größere Sicherheiten und minimieren für den Betreiber die Risiken.   Dr.-Ing. Architekt Thomas Duzia ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrgebiet Baukonstruktion und Holzbau im Bauingenieurwesen an der Bergischen Universität Wuppertal und Inhaber des Ingenieurbüros duzia bauphysik+architektur.   Rainer Mucha ist Master of Science Bauingenieurwesen und als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrgebiet Massivbau im Bauingenieurwesen an der Bergischen Universität Wuppertal tätig.   Normen, Regelwerke und weiterführende Literatur   DIN 4108-3:2014-11: Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden – Teil 3: Klimabedingter Feuchteschutz – Anforderungen, Berechnungsverfahren und Hinweise für Planung und Ausführung, Deutsches Institut für Normung e.V., Berlin, 2014 VDI 2089 Blatt1: Technische Gebäudeausrüstung von Schwimmbädern – Hallenbäder, 2010-01-00 KOK-Richtlinie für den Bäderbau. Ausgabe 2002 Hrsg: Deutsche Gesellschaft für das Badewesen e.V. Duzia, Thomas: Bauphysik – Aufgaben und Ziele im Schwimmbadbau, Grundlage zum schadenfreien und energieoptimierten Bauen; AB Archiv des Badewesens, 06/2011 Duzia, Thomas; Mucha, Rainer: Bauphysikalische Bewertung der Oberflächentemperaturen von Schwimmbadaußenhüllen – Herleitung der Bemessungswerte für die Nutzungsrandbedingungen in Schwimmbädern; AB Archiv des Badewesens, 04/2014

Schädliche Verbindung

Beschichtetes Metall in Schwimmbädern ist vor alkalischem Zementwasser zu schützen, sonst rosten die Bauteile. Text: Christian Knapp In einem Hallenbad bestanden die Treppenstufen der Metalltreppe aus trogförmig aufgekanteten, zementgefüllten Trittstufen aus beschichtetem Schwarzstahl, auf die Granitplatten montiert wurden. Als Korrosionsschutzbeschichtung wurde Polyurethan verwendet. Eine Abdichtung auf dem Estrichmörtel war nicht vorgesehen. Die Anschlussfugen der Granitplatten zur Metalltreppe wurden dauerelastisch verfugt. Durch die dauerelastischen Fugen am Übergang zwischen den Granitplatten und der Metallkonstruktion drang Wasser in die mit Zementestrich gefüllten Metalltröge der Treppenstufen. Dort nahm das zunächst chloridsaure Wasser Zement und Kalk auf, wurde alkalisch und zerstörte die Polyurethan-Schutzbeschichtung des Metalls. In der Folge war das Metall nicht mehr vor Korrosion geschützt und rostete. Die Metalltreppe rostete im unteren Bereich neben dem Schwimmbecken stärker, da sie dort einer größeren Wasserbelastung ausgesetzt war.

Kalkfahnen weisen darauf hin, dass Wasser auf nicht abgedichtete Zementestrichflächen trifft.

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Kalkfahnen weisen darauf hin, dass Wasser auf nicht abgedichtete Zementestrichflächen trifft.

Auf der Empore des Hallenbades befand sich ein kleinformatiger Fliesenbelag, der auf einer Fliesenverbundabdichtung über einem Zementestrich eingebaut war. Die Verbundabdichtung auf Polyethylenbasis war weitgehend gegen Säuren und Laugen beständig. An den Rändern war die Fliesenverbundabdichtung zirka fünf Zentimeter nach oben gezogen. Eine elastische und wasserdichte Fugenabdichtung zwischen Sockelfliese und Metallfuß der Geländerkonstruktion wurde nicht eingebaut.

An der Oberfläche des beschichteten Metall-Geländerfußes ist Rost nur unmerklich erkennbar.

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An der Oberfläche des beschichteten Metall-Geländerfußes ist Rost nur unmerklich erkennbar.

Am oberen Rand des Metall-Geländerprofils neben der Sockelfliese zeigten sich bald kleine Rostflecken, die zunächst im Zuge der Wartung überstrichen wurden. Nachdem die Rostflecken wieder in Erscheinung traten, wurde die Sockelfliese entfernt und es traten großflächige Korrosionen der mit Polyurethan beschichteten Metalloberfläche zutage. Wasser war über die kleinen Risse und Poren der starren Zementfuge zwischen Sockelfliese und angrenzendem Metallprofil hinter die Abdichtung gelangt, wurde dort durch den Kontakt mit zementösem Fliesenmörtel alkalisch und zerstörte die Polyurethan-Schutzbeschichtung des unteren Geländerprofils. Normalerweise führen die geringen Wassermengen, welche durch die Zementporen und kleinen Schwindrisse eindringen, nicht zu Schäden. Durch Zement alkalisch gewordenes Wasser kann aber eine nicht alkalibeständige Schutzbeschichtung zerstören, das Metall ist dann ungeschützt dem Schwimmbadwasser ausgesetzt und rostet. Ursachen der Metallkorrosion Eisen zeichnet sich dadurch aus, dass sich die um die Atomkerne bewegenden Elektronen wolkenähnlich in der gesamten Metallstruktur bewegen. Die positiv-elektrische Ladung von Säuren zieht Elektronen aus der Metallstruktur, die freiwerdenden Eisenkerne wandeln sich unter Zutritt von Wasser zu Rost. Ein alkalisches Milieu schützt dagegen Eisen vor Korrosion. Die negativ-elektrische Ladung von Laugen, wie Zementlaugen, hält die Elektronen in der Metallstruktur. Durch Verbindungen mit Nickel, Chrom und anderen Stoffen kann Metall veredelt und vor Korrosion geschützt werden. Metalle in Hallenbädern müssen aber nicht notwendigerweise aus Edelstahl bestehen. Metall kann auch durch eine Beschichtung geschützt werden. Verbreitet sind Beschichtungen aus Polyurethan, die jedoch grundsätzlich nicht alkalibeständig sind und sich bei Kontakt mit alkalischem Zementwasser auflösen (verseifen). Bei der Detaillierung der Konstruktion ist zu berücksichtigen, dass in Hallenbädern Wasser nicht nur durch Chlor oder Reinigungsmittel chemisch sauer, sondern im Kontakt mit Zement auch alkalisch werden kann. Sanierung des Schadens Wenn Edelstahl nicht eingebaut werden soll, können alkali- und säurebeständige Kunstharze Schwarzstahl schützen. Soll eine Sanierung auf Grundlage der derzeit vorhandenen Polyurethan-Metallbeschichtung erfolgen, werden zunächst alle korrodierten Metalloberflächen freigelegt und neu beschichtet. Die neue Beschichtung darf nicht in Kontakt mit alkalischem Zementwasser kommen. An der Treppe weisen auch bei sorgfältiger Verklebung zehn bis 15 Prozent der Fläche unter den Granitplatten Hohllagen auf. Um zu vermeiden, dass sich Wasser in den Hohllagen sammeln und zu schädlicher Lauge wandeln kann, wird der Zementestrich durch einen chemisch neutralen Kunstharzestrich ersetzt. Alternativ könnte eine Abdichtung über dem Zement eingebaut werden. An der Empore wird der Randanschluss mit chemisch neutralem Kunstharz hergestellt. Sämtliche Flächen des Zementestrichs, die mit Wasser in Berührung kommen können, werden sorgfältig abgedichtet. Eventuell über Fugen eindringendes Wasser darf nicht mit Zement in Berührung kommen und als alkalisch-aggressive Lösung an die beschichtete Metalloberfläche gelangen. Dipl.-Ing. Christian Knapp ist Architekt und Sachverständiger für Schäden an Gebäuden in Tettnang, Baden-Württemberg.

Badespaß oben ohne

Ein Planungsbüro konstruiert Mobildächer, mit denen Hallen- und Freibäder eins werden. Text: Stefan Kreitewolf Grüne Bäume, grüne Wiese, grünes Moos: Grün soweit das Auge reicht, an einem sonnigen Hang am Fuße des Westerwaldes. Mitten im Wald steht das Molzbergbad, ein Waldbad. Doch das Molzbergbad ist kein Hinterwäldlerbad. Vielmehr bietet es Schwimmspaß unter freiem Himmel. Und das ist tatsächlich etwas Besonderes. Denn in Kirchen an der Sieg ist das sogar im Hallenbad möglich. Das Molzbergbad ist eines der wenigen Allwetterbäder Deutschlands. Bereits bei den ersten Sonnenstrahlen kann das Dach des Schwimmbads geöffnet werden. Mithilfe eines sogenannten Cabrio-Daches wird der Blick in den Himmel frei. Wie bei der Cabrio-Technik des Autos lässt sich das Hallendach bequem und schnell öffnen. Das taugt besonders für unbeständige Sommer. Das Dach ist keine Industrie-Erfindung, sondern eine Konstruktion von Dr. Krieger Architekten + Ingenieure aus Velbert, einem auf Bäder spezialisierten Büro. Deren Geschäftsführer Thomas Kalman weiß: „Auch wenn es in unseren Breitengraden gerade einmal statistisch 22 bis 25 echte freibadtaugliche Tage pro Jahr gibt, möchten die meisten Badegäste in der ganzen Freibadsaison ein Becken unter freiem Himmel genießen“, konstatiert Kalman. Weil viele Kommunen aber für diese kurze Zeit kein reines Freibad mehr vorhalten können, sei ein Cabrio-Dach die optimale Lösung. „Kleines Wunderwerk der Technik“ Wie das genau funktioniert erläutert Kalman: „Vier Motoren verschieben das Dach quer über den Bereich der Umkleiden und einen Teil des Vorplatzes.“ Als erstes wird der Dichtungsschlauch leer gepumpt und die Verriegelung gelöst. Dann fahren die Motoren nahezu lautlos an. Wie von Zauberhand öffnet sich das Dach. Frische Luft dringt durch den länglichen Spalt. Es wird heller. Immer weiter gleitet das Dach über Stahlschienen seiner Endposition entgegen. Dort wird es mit Öse und Dorn automatisch gesichert. Die Stromversorgung erfolgt über eine mitgeführte Kabelkette. „Durch eine vollständige Isolierung des Daches entstehen keinerlei Energiekosten-Nachteile“, berichtet Kalman. „Außerdem ist es zentral per Knopfdruck steuerbar.“ Thomas Kalman kennt das Bad-Thema seit lange von der praktischen Seite: Neben seinem Studium arbeitete drei Jahre lang als Badeaufsicht. Bad-Chef Christoph Weber, der das Bad im Auftrag der Verbandsgemeinde Kirchen/Betzdorf betreibt, findet: „Der Öffnungsprozess ist ein kleines Wunderwerk der Technik.“ Das Ganze geschieht innerhalb von nur neun Minuten. Ein beeindruckendes Schauspiel bei einem Gesamtgewicht von 75 Tonnen Stahl – und eine besondere Attraktion für die Badegäste. Auch Badegäste finden das, so Elisabeth Atzler: „Das Dach ist einfach wunderbar und sorgt für gute Stimmung, wenn die Sonne denn mal rauskommt.“ Das 25-Meter-Sportbecken im Molzbergbad ist nun Open-Air-Bereich mit Freibadfeeling. Badegäste erleben ein völlig neues Raumgefühl. „Bei geöffnetem Dach strahlt die Sonne direkt in das Bad, die Glasfaltwände können geöffnet werden und der Außenbereich lädt mit einer weitläufigen Wiese und Sportplätzen zum Verweilen ein“, sagt Kalman. Cabrio-Dach versus Wetterwechsel Fünf Jahre nach dem Umbau ist klar: Das neue Molzbergbad ist ein voller Erfolg – obwohl es die Kommune jährlich circa 1,3 Millionen Euro kostet. Und auch für Kalman hat sich die neue Technik gelohnt. Derzeit planen er und Kollegen drei davon. Die gesamte technische Anlage für den Badbetrieb befindet sich übrigens unter der vollständig unterkellerten Badeplatte. „Für die Technik im neuen Bad war ausschlaggebend, dass sie auch bei zukünftig steigenden Energiekosten finanziell realisierbar bleibt“, sagt Kalman. Auch an diesem Tag verdunkelt sich hinter dem Drei-Meter-Sprungturm in der Ferne der Horizont. Wolken ziehen über die Bergrücken heran. Schon surren die Motoren; und das Freibad wird wieder zur Halle.

Gesunde Orte

Iphofen (Bayern): Neu und alt ergänzen sich beim Dienstleistungszentrum der Büros Jäcklein (Volkach) und Böhm & Kuhn (Iphofen). Damit Dörfer und Kleinstädte lebendig bleiben, braucht es spezielle Planungsinstrumente – und engagierte Menschen. Text: Heiko Haberle Die Großstädte boomen – mit Konsequenzen für die ländlichen Räume, wo sich Kleinstädte und Dörfer entleeren. Von vitalen Gemeinden ist vielerorts kaum noch etwas spürbar. Doch zahlreiche institutionelle Akteure, engagierte Bürgermeister, Planer und Initiativen versuchen hier mit unterschiedlichen Strategien gegenzusteuern. Denn es gibt andere Möglichkeiten, als den ganzen Ort zum Outlet-Center zu machen, wie dies Bad Münstereifel und vielleicht bald auch Dinkelsbühl tun. Wie in den Städten, ist der Schlüssel dazu das Zentrum. Doch „eine systematische Aufwertung der Ortskerne hat in Kleinstädten und Dörfern nie wirklich stattgefunden. Dabei sind dort die Probleme oft viel größer als in den Metropolen“, findet Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, die sich in ihrem für den Herbst angekündigten Baukulturbericht 2016/17 mit den Räumen jenseits der Metropolen befasst. Für den Bericht wurde eine Kommunalumfrage durchgeführt, bei der Probleme und Widersprüche zutage kommen: So sehen fast 60 Prozent aller Gemeinden Beeinträchtigungen durch Einzelhandel auf der Grünen Wiese. Fast 40 Prozent  haben Gewerbeleerstand – meist im Zentrum. Sich auf das Zentrum konzentrieren Gotha (Thüringen): Townhouses im Stadtzentrum statt Einfamilienhäuser auf der Grünen Wiese. Nicht so in Burbach im Siegerland, denn außerhalb des Ortskerns werden hier keine Einzelhandelsflächen genehmigt. Stattdessen entstand im Zentrum ein Supermarkt, auf dessen Dach eine Turnhalle steht. Im nordhessischen Fritzlar und im thüringischen Gotha gibt es keine Neubaugebiete mehr. In Gotha konnten stattdessen auf über 40, oft durch Abriss frei gewordenen Grundstücken, kleinteilige Neubauten realisiert werden. Fritzlar beschränkt sich auf den senioren- und familiengerechten Umbau des historischen Bestands. Solche Ansätze sind noch Ausnahmen, denn 84 Prozent aller Gemeinden weisen nach der Kommunalumfrage der Bundesstiftung Baukultur neue Einfamilienhausgebiete aus, obwohl fast 33 Prozent Wohnungsleerstand beobachten. Planungspolitik betreiben Eine Gemeinde, die politische und planerische Instrumente schon lange besonders konsequent nutzt, ist das südöstlich von München gelegene Weyarn. Es richtet seine Entwicklung an zwei Leitbildern aus: „Wir möchten ländlicher Raum bleiben“ und „Wir planen die Zukunft mit dem Bürger“. Dafür gibt es ein regelmäßig tagendes Kinderparlament und ein „Mitmachamt“, das die Arbeit thematischer Bürger-Arbeitskreise mit der Verwaltung koordiniert. Mit einer eigenen Bodenpolitik sichert sich Weyarn Grundstücke und damit Planungsspielräume: Eigentümer, die landwirtschaftlichen Grund bebauen oder veräußern wollen, müssen zwei Drittel der Flächen zum doppelten Landwirtschaftspreis an die Gemeinde verkaufen. Diese nutzt das Bauland für kommunale Einrichtungen oder vergibt es an junge Familien oder Gewerbebetriebe im Erbbaurecht für 149 Jahre. Gestaltung regeln Iphofen (Bayern): Das Dienstleistungszentrum integriert sich in den Ortskern und bezieht den historischen Bestand der Alten Schule ein. Ein anderes Instrument kann eine Gestaltungssatzung sein, wie sie im unterfränkischen Iphofen das Bauen im historischen Ortskern regelt. Sie fordert die Wahrung der kleinteiligen Bebauungsstruktur, verbietet unter anderem Flachdächer, sichtbares Ziegelmauerwerk, Fassadenbleche und Kunststoff-Verkleidungen, Rauputz und Rollläden. Das klingt streng, scheint aber Kreativität freizusetzen, denn tatsächlich entsteht im historischen Ensemble gelungene zeitgenössische Architektur, etwa jüngst das kommunale Dienstleistungszentrum der Architekturbüros Jäcklein aus Volkach und Böhm & Kuhn aus Iphofen. „Wir sind keine Behinderungsbehörde, sondern wollen beraten und lenken“, so Bürgermeister Josef Mend. Für die Bauherren entstehen sogar Anreize, denn mit den Auflagen gehen Fördergelder einher. Das stimmige Gesamtbild überzeugt Touristen und Bewohner gleichermaßen, denn die Altstadt ist zum beliebten Wohnort, besonders für junge Familien geworden. Wettbewerbe veranstalten Luckenwalde (Brandenburg): Der zur Bibliothek umgebaute Bahnhof war eine Initialzündung. Elisabeth Herzog-von der Heide, Bürgermeisterin im brandenburgischen Luckenwalde, hat ein anderes Mittel der Wahl: „Unsere wenigen Neubauten sollen von großer Qualität sein. Daher habe ich meine Liebe zu Wettbewerben entdeckt. Die unterschiedlichen Meinungen und Ideen empfinde ich als Bereicherung.“ Das beste Beispiel ist das stillgelegte Bahnhofsgebäude, das nach einem EU-weiten Wettbewerb von der ARGE Wronna, Feldhusen, Fleckenstein zur Bibliothek umgebaut wurde. Der windschiefe goldene Anbau erhitzte zwar die Gemüter, bringt der Kleinstadt aber noch immer viel Aufmerksamkeit. Es folgten eine neue Polizeistation und demnächst eine Feuerwache. Neue Leitbilder finden Das stark geschrumpfte Industriestädtchen Luckenwalde ist auch ein Beispiel dafür, wie man realistisch seine Potenziale einschätzt und eigene Themen findet. „Luckenwalde kann man nicht in eine traditionelle Tracht pressen“, sagt die Bürgermeisterin. So wurde statt einer falschen Provinzidylle die uneinheitliche und außerhalb des Zentrums auch mal lückenhafte Bebauung akzeptiert. Das Zentrum selber wurde durch einen neuen Park gestärkt und die Baugeschichte des „roten Luckenwalde“ mit Erich Mendelsohns berühmter Hutfabrik, einem Stadttheater und mehreren Arbeitersiedlungen zu einem wichtigen Bezugspunkt. „Man muss erst Ideen formulieren und dann die passenden Förderprogramme dafür finden, nicht umgekehrt“, erklärt Herzog-von der Heide. Nicht nur in Ostdeutschland sind neue Konzepte mit ungewöhnlichen Nutzungen gefragt. Das schrumpfende oberfränkische Selb sorgte vor einigen Jahren mit seinem „Haus der Tagesmütter“ für Aufsehen, einem kleinteiligen, bunten Entwurf junger spanischer Architekten, der aus einem Europan-Wettbewerb hervorging. Und dass Ortskerne sogar eine Zukunft als Arbeitsort haben, bewies das nicht gerade zentral gelegene niedersächsische Dannenberg, wo Staab Architekten für einen Textilhersteller eine Werkserweiterung bauten, die sich ortsbildverträglich integriert. Die Mitten zu stärken hält auch Reiner Nagel von der Bundesstiftung Baukultur für den wichtigsten Ansatz. „Viele Orte haben keine Willkommensgeste mehr“. Das galt auch für Wettstetten bei Ingolstadt, das zwar wegen der Nähe zum Audi-Werk einen Boom als Schlafort erlebte, im Zentrum aber verwaist war, bis es durch Bembé Dellinger Architekten eine neue Ortsmitte mit Rathaus, Bürgersaal, Kindergarten und Demenzheim erhielt. Solche Nahtstellen zur Öffentlichkeit, eine Gaststätte, ein Dorfladen oder ein Gemeindebüro, diese „Türen zur Welt“, wie Nagel sie nennt, fehlen vielerorts. So wundert es kaum, dass in einer ebenfalls für den Baukulturbericht 2016/17 durchgeführten repräsentativen Bevölkerungsumfrage nur 51 Prozent aller Interviewten angeben, zum Einkaufen hauptsächlich in das Ortszentrum zu gehen. Nur 36 Prozent gehen meistens hier hin, wenn sie andere treffen wollen. Unkonventionelle Wege gehen Ein Thema zu finden, rät auch Reiner Nagel kleinen Gemeinden und ihren Bürgern: „Sich zusammentun, einen Bus mieten und gute Beispiele angucken.“ Und dann klein anfangen: Der erste Schritt könne ein neues Betriebskonzept für den Dorfplatz oder ein regelmäßig stattfindender Flohmarkt an einem ungewöhnlichen Ort sein. Es ist beachtlich, wie sehr partizipative Konzepte, Improvisation und Zwischennutzungen auf der institutionellen Ebene angekommen sind – gerade, wenn es um das Land geht. Bestehende Netzwerke und zumindest im Westen viel privat genutztes Eigentum scheinen hier die persönliche Ansprache zu begünstigen. „Bürgerbeteiligung ‚on demand’ funktioniert nicht mehr. Insofern interessieren uns gerade auch neue Systeme des gemeinschaftlichen Handelns und der Verantwortungsübernahme“, sagt Marta Doehler-Behzadi, Geschäftsführerin der IBA Thüringen, die das polyzentrische Thüringen als „Stadtland“ interpretiert und den verbreiteten Leerstand als Ressource begreift. Dingden (NRW): Das in Goldfolie gehüllte ehemalige Lehrerhaus macht mit großer Geste klar, dass es etwas zu tun gibt. Auch im Forschungsprojekt „Baukultur konkret“ des Bundesbauministeriums stehen zunächst die Stärkung zivilgesellschaftlicher Strukturen, der gegenseitige Austausch, die Kenntlichmachung von Handlungsbedarf oder das Sammeln von Ideen im Vordergrund. Da finden sich dann eine Baukulturbibliothek im bayerischen Perlesreut, ein in Goldfolie verpacktes Haus im niedersächsischen Dingden oder eine folgenreiche Exkursion des Gemeinderats von Baiersbronn im Schwarzwald ins baukulturell vorbildliche Vorarlberg. Nach dieser Initialzündung wurde das Thema Baukultur auf die politische Agenda gehoben, der Bau einer Stahlbeton-Sporthalle gestoppt und stattdessen, wie nun generell für kommunale Neubauten, Holz eingesetzt. Die Menschen motivieren Auch außerhalb von „Baukultur konkret“ stößt man immer häufiger auf unkonventionelle Ansätze. In Arnsberg im Sauerland werden leerstehende Läden für Tanzkurse oder gemeinschaftliche Abendessen genutzt. Nicht weit entfernt, in Altena, das in den letzten 20 Jahren ein Drittel seiner Einwohner verloren hat, wurden 13 leere Läden nach dem „Pop-up“-Prinzip kurzzeitig vermietet – sieben Mieter blieben in der Innenstadt. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels hat die Stadt außerdem mehr Flüchtlinge aufgenommen, als sie müsste und für jede geflüchtete Familie einen Kümmerer aus der Bürgerschaft eingesetzt. Es mag vielleicht zu weit gehen, wenn wie in Altena, Freiwillige die Fußgängerzone pflastern, doch bürgerschaftliches Engagement ist heute eine Grundvoraussetzung für belebte Orte: In Niedersachsen sind selbstbetriebene Dorfläden in einem Netzwerk zusammengeschlossen. Im nordrhein-westfälischen Olfen baut eine Bürgerstiftung ein ehemaliges Gemeindehaus zum Vereinszentrum um. „Die Menschen sind die wichtigste Voraussetzung“, sagt Marta Doehler-Behzadi. „Dort, wo Leute auf gute Ideen kommen, entsteht etwas Neues, nicht zuletzt ein Wir-Gefühl, das Bindung und Attraktivität entfaltet.“ So möchte etwa der Kulturverein Schwarzwurzel im südthüringischen Steinach „Augenöffner“ sein für die Potenziale vieler Gebäude, die oft nur als Schandflecke gesehen werden. Begonnen hat er in einer alten Fabrik für Christbaumschmuck; er nutzt solche Räume temporär für Ausstellungen oder Theaterstücke, um sich mit der Geschichte des Ortes zu befassen oder den Identitäts- und Heimatbegriff zu hinterfragt. Bürgermeister Ulrich Kurtz beobachtet aber noch, dass Architektur und Baukultur eine untergeordnete Rolle spielen, selbst Denkmale seien zu wenig geschätzt. „Die Bürger für neue Ideen zu gewinnen, ist zunehmend schwieriger in einer auf Individualisierung ausgerichteten Gesellschaft.“ Gemeinsam planen Pischelsdorf (Steiermark): So wie hier, wird bei den Ideenwerkstätten von nonconform vor Ort im Planungsgebiet diskutiert und gearbeitet. Auch Kinder bringen sich mit ihren Ideen ein. Auch in Österreich. Für Motivation und Ideenfindung hat Roland Grubers Büro nonconform eigene Methoden entwickelt, die er nun auch in Deutschland anwendet und mit denen die ganze Bevölkerung einbezogen wird. Schließlich kann sich nicht jeder Ort auf engagierte Einzelpersonen verlassen, die wie der Architekt Peter Haimerl und der Sänger Thomas E. Bauer dem unbekannten Ort Blaibach im Bayerischen Wald einen Konzertsaal und eine neue Ortsmitte gleich mit bescherten. Für Roland Gruber muss Bürgerbeteiligung vor allem schnell gehen. Sein Team ist drei Tage in einem Ort zu Gast, lässt sich erzählen, worauf der Ort stolz ist und was ihn von anderen unterscheidet. „Nach hunderten Gesprächen hat man einen Bauchladen von Ideen und kann Tendenzen ablesen. Dann gibt es in jedem Ort noch ein paar ‚Spinner‘ mit verrückten Ideen. Eine solche Idee mit der allgemeinen Tendenz zu verbinden, führt oft zum Ziel.“ Die drei Aktionstage werden Wochen vorher vorbereitet und die zu bearbeitenden Themen leicht zugänglich, unter anderem online, aufbereitet, um auch nicht kulturaffine Kreise und Jugendliche zu erreichen. Lokale Planer werden beteiligt, um nicht als Fremde aufzutreten. „Und wir finden vorher raus, wer als Multiplikator wichtig ist aber vielleicht inkognito bleibt. Stichwortgeber der Bürgermeister sind oft lokale Künstler, Historiker oder Unternehmer“, erklärt Gruber. „Wer jetzt glaubt, dass solch ein Prozess bei ihm im Ort nicht funktionieren würde, irrt!“ Illingen (Saarland): Aus einer Ideenwerkstatt ging das Konzept für einen neuen Marktplatz mit großer Freitreppe zum Bahnhof hervor. Die Umsetzung hat begonnen. Vermutlich funktioniert es, weil Grubers Team Wert auf eine bodenständige Atmosphäre legt. Es wird viel gegessen und getrunken, denn „Politik wird am Stammtisch gemacht, nicht im Konferenzraum.“ Die Diskussionen und Arbeiten finden direkt im Aufgabenbereich statt und führen ganz direkt zu einer anderen Wahrnehmung des Problem-Ortes. In Illingen im Saarland beginnt nun die Umsetzung von Ergebnissen einer solchen Werkstatt. „Was zwölf Jahre ungeklärt war, wurde in drei Tagen gelöst“, sagt Gruber überzeugt. Es entsteht ein „Neuer Markt“, an dem sich Wohnungen, Büros, ein Supermarkt und ein Heim für junge Pflegebedürftige befinden werden. Eine Freitreppe führt zum höher gelegenen Bahnhof. Der dafür erforderliche Teilabriss einer ehemaligen Wurstfabrik wurde zum Bürgerfest. Für Roland Gruber stellt die Neuerfindung unserer Dörfer und Kleinstädte die wichtigste Planungsaufgabe überhaupt dar. „Architekten können sich dabei gerade in dieser Leistungsphase Null viele abgegebene Aufgaben wieder zurückholen – zumindest, wenn sie es schaffen, Barrieren ab- und Vertrauen aufzubauen. Man muss fragen und zuhören und darf auch mal keine Meinung haben und nicht wissen, wie es geht.“ Architekten sollten nicht als die „Gscheiten“ wahrgenommen werden. Dann würden sie auch wieder geliebt und nicht als die Schlaumeier aus den Ortskernen gejagt.  

Ein Tag oder mehr

Kürzlich war Tag der Architektur: ein Blick auf Architekturtage und -wochen in Südtirol, der Schweiz und Österreich. Text: Stefan Kreitewolf Schweiz: Handverlesene Meischterwerke In der Schweiz veranstalten Architekten gemeinsam mit dem Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein (SIA) jährlich eine ganze Woche der zeitgenössischen Architektur und Ingenieurbaukunst. Für die Schweizer Öffentlichkeit bietet sich bei den „SIA-Tagen“ die Gelegenheit, Orte zu besichtigen, die eindrucksvoll, aber normalerweise nicht leicht zugänglich sind. 300 von SIA-Fachleuten geplante und realisierte Bauwerke hatten vom 20. bis 29. Mai ihre Pforten geöffnet. Von der Erweiterung einer Schule über die Modernisierung einer Jugendstil-Villa bis zur Sanierung eines Autobahntunnels zeigen die SIA-Tage alles, was schweizerische Architektur ausmacht. Die Internetseite, eine Broschüre und eine Smartphone-Applikation (beide kostenlos) geben Auskunft über Bauten, die zur Besichtigung offen stehen, sowie Besichtigungszeiten. Mehr Infos gibt es hier. Österreich: Auf Wiederschauen Über 500 Veranstaltungen boten die „Architekturtage Österreich“. Am 3. und 4. Juni 2016 fanden sie in ganz Österreich bereits zum achten Mal statt. Unter dem zentralen Thema „wert/haltung“ zeigten Architekten und Bauherren die Früchte ihrer Arbeit. Im Zentrum stand die Frage, was Architektur leistet und was sich die Gesellschaft im Hinblick auf lebenswerte Räume zu leisten bereit ist. Der Wertbegriff sollte im Spannungsfeld von Kultur, Ökonomie und Sozialem vermittelt werden. Der Bogen reichte vom sorgfältigen Umgang mit Grund und Boden über Fragen der Neu- und Mehrfachnutzung bis zu Design-Aspekten. In Kärnten fuhr ein Hop-on-Hop-off-Bus die eindrucksvollsten Gebäude ab. In Linz lud ein Stadtspaziergang zum Schlendern ein. Und in Wien öffneten die städtische Müllverbrennungsanlage und das futuristische Fernwärmekraftwerk ihre Türen. Mehr Infos gibt es hier. Südtirol: Klasse zu goffn Bergromantik war gestern. Immer mehr Südtiroler Neubauten machen mit moderner Architektur von sich reden. Auf Kosten der regionalen Identität geht das nicht, wie die „Tage der Architektur Südtirol“ zeigten. In die natürliche Landschaft der Dolomiten und an die Gletscher des Vinschgaus schmiegen sich wahre Meisterwerke zeitgenössischer Architektur. Vom 20. bis 22. Mai 2016 konnten rund 40 Bauwerke im Rahmen geführter Rundgänge besichtigt werden. Zu sehen gab es Villen, Hotels, private und öffentliche Gebäude. Der Themenschwerpunkt der Südtiroler Architekturtage wechselt jährlich. Die zweite Ausgabe 2016 widmete sich dem Bauen mit Südtirols Landschaft. Im Mittelpunkt stehen Gebäude, die in einer besonderen Beziehung mit der sie umgebenden Natur stehen. Folgerichtig finden sich auch immer wieder Bauernhöfe auf dem Programm. Mehr Infos gibt es hier. Frankreich – portes ouvertes Getreu dem Motto „les architectes ouvrent leurs portes“ öffneten Architekten am 3. und 4. Juni in ganz Frankreich ihre Pforten. Von Dunkirchen bis Perpignan nahmen an dem Event mehr als 500 Architekturbüros teil. Auf Korsika gaben Innenarchitekten Tipps zur Einrichtung der Luxus-Yacht, in Paris gab es Loft-Wohnungen in alten Jugendstilpalästen zu bestaunen und in den Pyrenäen präsentierten sich Berghütten und Skiresorts. Eine komplette Liste der teilnehmenden Architekten gibt es auf der Internetseite der Veranstaltung. Mehr Infos gibt es hier. Niederlande – lekker Architectuur Am 18. Juni gab es auch in den Niederlanden einen „Dag van de Architectuur“. Das Königliche Institut der Niederländischen Architekten organisiert ihn und bot hunderte Führungen in Bauwerken im ganzen Land mit Schwerpunkt in Amsterdam. In der alten niederländischen Hauptstadt gibt es eine faszinierende Architekturmischung aus Grachten aus dem 17. Jahrhundert, Werken des niederländischen Architekten Hendrik Petrus Berlage und der Architekturbewegung der Amsterdamer Schule zu bestaunen. Zeitgenössische Baukunst bieten das Geschäftsviertel Zuidas und das östliche Hafengebiet. Mehr Infos gibt es hier.

Die besten Bauten der Welt

Weltweit sind 343 Gebäude für das jährliche World Architecture Festival nominiert. Die Jury kürt die Gebäude des Jahres. Eine Auswahl der Nominierten.

Canary Wharf (Underground), UK

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Von Beginn an war Canary Wharf (Underground) als Vorzeigeobjekt der Jubilee-Line-Verlängerung geplant. Norman Foster erhielt den Auftrag für die Ausarbeitung des Designs. Das große Volumen des Station erinnert heute an einen Sakralbau.