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Moderne Standards

Plus, Null, Niedrigst und Passiv

Gängige Begriffe für Energiesparhäuser – und ihre Bedeutung  Text: Susanne de Vries

KfW-Effizienzhäuser

Über die KfW können Darlehen oder Zuschüsse des Bundes für das energieeffiziente Bauen beantragt werden. Die Klassifizierungen der Effizienzhäuser sind abhängig vom Anforderungsniveau der gültigen Energieeinsparverordnung und ändern sich daher mit einer EnEV-Novellierung. Zudem wird berücksichtigt, wie stark ein Gebäude mit seinem Jahres-Primärenergiebedarf die Anforderungen unterbietet. Für alle KfW-Effizienzhäuser darf der Transmissionswärmeverlust nicht höher als nach EnEV 2009, Tabelle 2, Anlage 1 sein (Daten siehe in der Tabelle oben).

Passivhaus

Der Begriff Passivhaus ist nicht gesetzlich definiert. Das Passivhaus-Institut in Darmstadt ist eine private Organisation, die den Standard von Niedrigenergiehäusern weiterentwickelt und einen Passivhaus-Energiestandard mit genauen Anforderungen beschrieben hat. Unter einem Passivhaus wird ein Gebäude verstanden, in dem wegen seines guten Wärmedämmniveaus der Heizwärmebedarf so gering ist, dass auf ein konventionelles Heizsystem ohne Komfortverlust verzichtet werden kann. Es verfügt über eine kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung. In diesem Gebäudetypus soll gewährleistet sein, dass die thermische Behaglichkeit allein durch Nachheizen oder Nachkühlen des Frischvolumenstroms erreicht wird. Ein Passivhaus wird vereinfacht mit dem Grenzwert für den Heizwärmebedarf von 15 kWh/m²a beschrieben. Für die Bilanzierung dieser Gebäude werden nicht die Randbedingungen der EnEV herangezogen, sondern ein geringfügig angepasstes Berechnungsverfahren nach DIN EN 823, das sogenannte Passivhaus-Projektierungspaket (PHPP)

Es können auch Passivhäuser als KfW-Effizienzhäuser gefördert werden – siehe die beiden rechten Spalten der Tabelle oben

3-Liter-Haus

Nach WSchVO 1995 wurden besonders effiziente Niedrigenergiegebäude mit einem Jahres-Heizwärmebedarf (QH) von etwa 30 kWh/a je Quadratmeter als 3-Liter-Häuser bezeichnet. Anders als bei Passivhäusern oder Ultraniedrig-Energiehäusern wird hier konventionelle Heiztechnik eingesetzt. Wegen der Weiterentwicklungen der energetischen Standards definiert das Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IPB) mittlerweile Gebäude als 3-Liter-Häuser, die einen Jahres-Primärenergiebedarf (QP) von 34 kWh/m²a für die Beheizung des Gebäudes nicht überschreiten. Dies entspricht einem Primärenergiegehalt von drei Litern Heizöl. In diesem Wert sind dem Institut zufolge die Endenergie und die Hilfsenergie für das Beheizen des Gebäudes enthalten, nicht jedoch der Bedarf für die Warmwasserbereitung. Da laut EnEV auch der Warmwasserbedarf bilanziert werden muss, liegt der gesamte Primärenergiebedarf eines 3-Liter-Hauses je nach eingesetzter Technik zwischen 40 und 60 kWh/m²a.

Niedrigst-Energiegebäude

Diese Bezeichnung verwendet die EU entsprechend der Richtlinie 2010/31/EU für Gebäude, die eine sehr hohe Gesamtenergieeffizienz aufweisen. Der fast bei null liegende oder sehr geringe Energiebedarf sollte zu einem ganz wesentlichen Teil durch Energie aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Dabei kann die erneuerbare Energie auch aus Quellen kommen, die direkt am Standort oder in der Nähe erzeugt werden. Ab 2021 müssen entsprechend den EU-Vorgaben alle Neubauten als Niedrigst-Energiegebäude errichtet werden; bereits ab 2019 müssen von Behörden als Eigentümer genutzte Neubauten diesen Anforderungen entsprechen.

Null-Energie-Haus

Heutzutage werden im Allgemeinen hocheffiziente Gebäude als Null-Energie-Häuser bezeichnet, die durch eine installierte PV-Anlage den Energiebedarf des Gebäudes in der Jahresbilanz decken. Solar- und Sonnenhäuser mit vollständiger solarer Deckung können dieser Bezeichnung ebenfalls zugeordnet werden. Die EU nutzt den Namen Null-Energie-Haus für Gebäude, die keine Fremdenergie verbrauchen.

Plus-Energie-Haus

Diese Gebäude (auch Energie-Plus-Haus genannt) zeichnen sich durch eine positive Energiebilanz aus. Es handelt sich in der Regel um ein Gebäude mit hohem Wärmedämmniveau; häufig ist es ein Passivhaus. Die am Haus montierte PV-Anlage und der von ihr erzeugte Strom werden in die Bilanz einbezogen und im Jahresmittel mit dem Energieeinsatz für den Betrieb des Hauses verrechnet – teilweise auch mit dem Haushaltsstrom.

Susanne de Vries ist Architektin in Hannover

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