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Was ist Cradle to Cradle?

Um die Idee von „Cradle to Cradle“ im nachhaltigen Bauen umzusetzen, sind Architekten gefragt, die dieses Konzept in die Planung implementieren.

29.04.20148 Min. Kommentar schreiben
Nur wenn Produkte oder ihre Bestandsteile schadstofffrei in technische und biologische Kreisläufe zurückgegeben werden können, ist echtes Recycling gegeben.
Nur wenn Produkte oder ihre Bestandsteile schadstofffrei in technische und biologische Kreisläufe zurückgegeben werden können, ist echtes Recycling gegeben.

Dieser Beitrag ist unter dem Titel „Hoffnungsvolles Konzept“ im Deutschen Architektenblatt 05.2014 erschienen.

Text: Iris Kopf

Das „Cradle to Cradle“- Konzept wurde 2002 gemeinsam vom deutschen Chemiker Professor Michael Braungart und vom amerikanischen Architekten William McDonough entwickelt. „Cradle to Cradle“ bedeutet sinngemäß „von der Wiege zur Wiege“ und basiert auf einer Nachhaltigkeitsdefinition, die in den 1970ern vom Schweizer Architekten Walter R. Stahel eingeführt wurde. Das Konzept beschreibt eine zyklische Ressourcennutzung, in der sich Produktion und Produkte am Erhalt geschöpfter Werte ausrichten. Analog dem Nährstoffzyklus der Natur, in dem „Abfälle“ eines Organismus von einem anderen genutzt werden, sollen Materialströme so geplant werden, dass Abfälle sowie die ineffiziente Nutzung von Energie vermieden werden.

Dem
Dem „Cradle to Cradle“-Ansatz liegt kein Effizienzdenken zugrunde, sondern ein ressourcensparender, effektiver Stoffkreislauf.

Die Philosophie von „Cradle to Cradle“ soll uns ermutigen, alte Gewohnheiten aufzubrechen und die bislang geltenden Rahmenbedingungen zu überdenken. Ihre Prinzipien verkörpert die Entwicklung der Gesellschaft und all ihrer Produkte hin zu einer Welt ohne Abfall. Grundziel ist es, „weniger schlecht“ nicht mit „gut“ gleichzustellen. „Cradle to Cradle“ dient nicht dazu, Schaden zu minimieren, sondern verfolgt das Ziel etwas zu schaffen, was aus sich heraus eine nutzbringende und regenerative Kraft aufweist, die die Definition von Qualität erweitert. Auf die Architektur angewendet, bietet dieser Ansatz die Möglichkeit, mit neuem Denken zu Innovationen und Verbesserungen anzuregen, die weit darüber hinausgehen, lediglich die negativen Folgen des Bauens zu reduzieren. Die Idee führt vielmehr zu neuen Visionen und durchdachten Strategien, um auf der Welt eine positive Öko- und Materialbilanz zu schaffen. Echte, mehrdimensionale Nachhaltigkeit am Bau könnte für die Menschen ein erheblicher Gewinn an Lebensqualität sein, wenn Bauherren, Designer, Architekten und Ingenieure nach den folgenden Prinzipien von William McDonough zusammenarbeiten:

  •  Produkte als „Nährstoffe“ für einen sicheren und dauerhaften Kreislauf betrachten;
  • Systeme entwickeln, um biologische und technische Nährstoffe sicher und dauerhaft wiederzuverwenden;
  • für alle Prozesse ausschließlich 100 Prozent Erneuerbare Energien verwenden;
  • Wasser und andere natürliche Rohstoffe als wertvolle Ressourcen behandeln;
  • die Bedürfnisse und die Eigenschaften aller Menschen und natürlichen Systeme in ihrer Vielfalt respektieren.
Designstudie für das Ferrer Research Center nahe Barcelona: Das Hotel ist so konzipiert, dass es die natürliche Kraft der Sonne optimal ausnutzen kann.

McDonough lebt diese Prinzipien bei seinen Entwürfen von Gebäuden und Quartieren. Ein Beispiel dafür ist das Design des „Ferrer Research & Development Center“, das das amerikanische Architekturbüro innerhalb eines Quartiers in der Metropolregion Barcelona plant. Das Gebäude nutzt Sonnenenergie nicht nur durch eine Solaranlage zur Stromproduktion, sondern auch durch einen hohen Anteil an Fassadenbegrünung – gut für die Aufnahme von CO2, für das Mikroklima und gleichzeitig Lebensraum für Tiere. Balkone bieten Treffpunkte, sind aber gleichzeitig geeignet, um Gemüse oder andere Nutzpflanzen anzubauen. Bäume wachsen auf Balkonen bis in die höheren Stockwerke. In der Lobby wird eine einheimische, gefährdete Schmetterlingsart gezüchtet, die auch die Farbgebung des Gebäudes inspiriert hat. Regenwasser wird gesammelt, Abwässer werden geklärt und Abfälle biologisch behandelt.

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