„Touch Wood“ ist ein ungemein gehaltvolles Buch über das Verhältnis zum Holz und die Nutzung von Holz in der Schweiz und anderswo. Biologie, Forstwirtschaft, Bautraditionen und moderner Ingenieurbau greifen hier ineinander
Von: Christoph Gunßer Christoph Gunßer ist für das DAB vor allem in Süddeutschland...
So unprätentiös und reduziert das Paperback „Touch Wood“ auch gestaltet ist – als Leser merkt man rasch die Begeisterung seiner Macherinnen für das Phänomen Holz. Die drei Herausgeberinnen Carla Ferrer, Thomas Hildebrand und Celina Martinez-Cañavate bauen in ihrer Praxis von Architektur und Stadtplanung schon seit Jahren auch mit Holz.
Knochenhaueramtshaus in Hildesheim, koloriertes Foto. Urheber unbekannt
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Biologie des Holzes und Waldnutzung
Für dieses Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Zentrum Architektur Zürich gewannen sie viele namhafte Autoren, die erst den Wald, dann das Holz, dann die Architektur aus Holz kundig betrachten und erklären. Der Bielefelder Technik- und Umwelthistoriker Joachim Radkau etwa ist mit einer (sehr) kurzen Kulturgeschichte des Holzes vertreten, ehe Biologie und Waldnutzung, Schnitt und Fügung, Handwerk und Systembau erläutert werden.
Holzverarbeitung und Holzbau
Pirmin Jung erläutert den Ingenieurholzbau, Beat Weiss ein Holzhochhaus. Es gibt auch Notizen aus der Fertigung eines führenden Holzbaubetriebes (das Buch wurde einschlägig gesponsort), aber auch eher randständige Themen wie die Agroforstwirtschaft, die Initiative SlowWood (die eine möglichst umfassende Nutzung von Bäumen anstrebt), Freiformen, Krummholz oder das traditionell praktizierte Recyceln von Holz finden Beachtung: Da sei mehr drin als die übliche thermische Verwertung, sofern die Konstrukteure die Demontage mitdenken.
Das Ganze ersetzt in seiner kaleidoskopischen Breite keinen Holzbauatlas, eröffnet aber auch Fachleuten noch ungeahnte Perspektiven. Und erfüllt den ausgelatschten Begriff der Nachhaltigkeit endlich umfassend mit Leben.
Zögerliche moderne Anfänge und frühe Holzbauten großer Meister
Die zweite Hälfte des Readers – die Texte sind zwar recht trocken layoutet, aber durchweg lesenswert – erhellt zunächst den Weg des Schweizer Holzbaus, der es in der Moderne durchaus nicht leicht hatte. Die Vorbehalte („Barackenbau“) sind stets dieselben. Doch seit den 1990ern ging die Schweiz im Holzbau mit voran: Herzog & de Meuron etwa begannen mit sehr schlichten Holzbauten, Peter Zumthor auch.
Es folgt ein reich bebildertes Panorama der gegenwärtigen Holzarchitektur in der Schweiz und sodann, leider nur jeweils zweiseitig, weltweit – das haben Zeitschriften schon besser präsentiert. Hier erfreut besonders ein persönliches Resümee von Kengo Kuma.
Eine tiefe Beziehung zum Holz
Poetisches und Rationelles gehen im Holzbau oft eine Verbindung ein, „die Technik erlaubt es zu träumen“ schreibt ein Autor. „Touch Wood“ („Klopf auf Holz!“) ist traditionell eine Formel, um jemandem Glück und Gelingen bei einem Vorhaben zu wünschen. Sie zeugt aber auch von der tiefen, vorrationalen Beziehung des Menschen zum Baum und zum Holz. Es ist das Verdienst dieses Buches, das Thema von diesen Wurzeln bis zu Ökonomie und Ästhetik der Nutzung ganzheitlich, subjektiv und objektiv, zu durchdringen.