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Bildungszentrum aus Lehm in Sri Lanka

Kleines Projekt, großer Einsatz: Mithilfe deutscher Architekten ist in Sri Lanka ein offenes Bildungszentrum entstanden. Es zeigt, wie bauliche Entwicklungshilfe nachhaltig funktionieren kann.

30.05.20185 Min. Kommentar schreiben

Dieser Beitrag ist unter dem Titel „Handarbeit“ im Deutschen Architektenblatt 06.2018 erschienen.

Von Dagmar Hoetzel

Was bedeutet nachhaltiges Planen und Bauen? Wie sollten die Rahmenbedingungen aussehen, die Nutzung, die Produktion, das Material, das Verhältnis zwischen Bauherrn, Planer und Nutzer? Ein kleines Projekt in Sri Lanka vereint im kleinen Maßstab beispielhaft viele Facetten, die zu einem nachhaltigen Gebäude führen können.

Initiator des Gebäudes ist der Greifswalder Psychologiestudent Vincen Francis Jesudasan. Seit er 2004 den Tsunami in seiner Heimat Sri Lanka nur aufgrund eines glücklichen Zufalls überlebte und eine ebenfalls überlebende deutsche Familie ihm Ausbildung und Studium in Deutschland ermöglichte, setzt er sich dafür ein, auch anderen Kindern und Jugendlichen in seiner Heimat eine Chance auf Bildung zu bieten. Zusammen mit Kommilitonen gründete er den Verein S.T.E.P.S. of forgiveness (dies steht für: „Zwischen Singhalesen und Tamilen durch Bildung zum nachhaltigen Frieden in Sri Lanka beitragen“). Mithilfe von Spenden werden seit 2010 in 17 Dörfern viele Kinder kostenlos unterrichtet. 2013 erhielt Jesudasan die Zusage für ein Grundstück auf Sri Lanka und wendete sich mit der Idee, dort ein größeres Bildungszentrum zu bauen, an die befreundeten Planer von feat.collective, einer Gruppe junger Architekten, Designer und Politikwissenschaftler aus Stuttgart, München und Zürich.

Preiswert: Das Lanka Learning Center leistet einen Beitrag, Sri Lanka nach Tsunami und Bürgerkrieg wieder aufzubauen. Dafür erhielt es im Mai den „Award for International Excellence“ des RIBA, der 20 herausragende Bauten weltweit auszeichnet.

Das Kollektiv stürzte sich in die Recherche. Mithilfe des Instituts für Raumkonzeptionen und Grundlagen des Entwerfens der TU Stuttgart ermittelten sie Bedarf und Möglichkeiten. Was wird gebraucht? Wie wird gebaut, welche Materialien sind verfügbar? Die Architekten und die Studenten führten einen Workshop vor Ort gemeinsam mit Bewohnern, Kindern, Jugendlichen, Priestern und Lehrern sowie S.T.E.P.S. e. V. und dessen sri-lankischer Partnerorganisation, der People Helping People Foundation, durch. Neben dem besonderen Bedarf an Aus- und Weiterbildung – vom Englischkurs bis zur Tischlerlehre –  kristallisierte sich heraus, dass ein Ort gebraucht wird, an dem benachteiligte Kinder und Jugendliche verschiedener ethnischer und religiöser Zugehörigkeit zusammenkommen.

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