Neu – das ist immer noch ein Zauberwort mit hoher Anziehungskraft, verheißt es doch Makellosigkeit, Langlebigkeit und Innovation. Dass bei vielen Dingen, die man heutzutage neu kauft, genau das Gegenteil der Fall ist, ist eines der Ärgernisse unserer Zeit. Nun bauen wir bei Gebäuden keine automatischen Defekte ein, die pünktlich nach zwei Jahren zutage treten, oder spekulieren auf schnellen Verschleiß oder Bruch billiger Teile, damit die Bauherren bitte bald ein neues Haus bei uns kaufen.
Häuser sind keine Wegwerfprodukte
Aber in gewisser Weise waren Häuser immobilienwirtschaftlich betrachtet in den letzten Jahrzehnten durchaus Wegwerfprodukte: Reparatur zu teuer, da kauf ich besser ein neues. Nun wandelt sich dies langsam erfreulicherweise (auch wenn es manchmal mehr mit der grassierenden Verteuerung als mit tiefgreifender Einsicht zu tun hat – aber immerhin). Und neben allen Argumenten zu grauer Energie macht es auch einfach Spaß, die Vorher-nachher-Fotos dieses Schwerpunkts zu betrachten und zu staunen, was Architektinnen und Architekten zum Beispiel aus „abrissreifen“ Siebzigerjahre-Bauten gemacht haben.
Die Dinosaurier unserer Zeit: Shopping Malls
In diesem Sinne fasziniert auch der Umbau der Emscher, den wir Revue passieren lassen: Die spannende Mischung aus Alt und Neu, die sich heute um den abwasserfreien Fluss gruppiert, hätte früher niemand für möglich gehalten. Ob auch anderen „Dinosauriern“, wie den anscheinend unvermeidlichen Shoppingmalls, ein solcher zweiter Frühling beschert ist?
Dr. Brigitte Schultz, Chefredakteurin