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Buchrezension

Das Haus der drei Religionen

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Das Haus der drei Religionen. Bet- und Lehrhaus Berlin. Entwürfe für einen Sakralbau von morgen  Rezension: Simone Hübener

Bild: VerlagEin Buch über einen Wettbewerb und dessen Ergebnisse zu publizieren, ist dann doch eher etwas Ungewöhnliches. Die Bedeutung, die das Haus der drei Religionen, das Bet- und Lehrhaus Berlin, für Deutschland und vielleicht gar für die ganze Welt haben wird, macht diesen Schritt jedoch nachvollziehbar. Denn bislang gibt es an keinem Ort der Erde ein Haus, das von allen drei monotheistischen Religionen genutzt werden und allen Menschen offen stehen soll. Einzig am Europaplatz in Bern ist ein Haus gleich für sechs Religionen in Planung.

Die Relevanz dieses Projekts wird dem Leser schon allein dadurch deutlich, dass das gesamte Buch in fünf Sprachen verfasst ist: deutsch, englisch, türkisch, hebräisch und arabisch. Es gibt deshalb auch nicht Vorder- und Rückseite, sondern zwei Vorderseiten, lesen die einen doch von links nach rechts und die anderen genau umgekehrt. Die einleitenden Texte zur Idee dieses Projekts und zum Architekturwettbewerb sind in den ersten drei Sprachen von Seite 1 ausgehend zusammengefasst, die beiden anderen Sprachen wurden von der letzten Seite aus angeordnet. Bei den verschiedenen Entwürfen der eingeladenen und ausgewählten Architekten treffen alle fünf wieder aufeinander und vermitteln ein beeindruckendes Bild. Die schwarz-weiß-goldene, sehr edel wirkende Grafik des Buchs unterstreicht ebenfalls den Stellenwert des Bet- und Lehrhauses, wenngleich das Gold an mancher Stelle als zu viel des Guten erscheint.

Die Artikel, die der Vorstellung der einzelnen Entwürfe vorangestellt sind, führen den Leser sehr gut in das Projekt ein und beleuchten dessen Hintergründe. Dabei kommen verschiedene Personen aller drei Religionen und weltlicher Organisationen zu Wort, woraus der Leser unterschiedliche Eindrücke gewinnen kann.

Die Entwürfe aller beteiligten Architekturbüros, die Sieger und Preisträger ausgenommen, werden jeweils auf einer Doppelseite mit einem Modellfoto und einem kurzen Text vorgestellt. Spannend ist dabei zu sehen, wie unterschiedlich die Architekten an die Aufgabe herangegangen sind, war sie doch für alle neu. Vorbilder gab und gibt es nicht. Dem Siegerentwurf von Kuehn Malvezzi, dem zweiten bis vierten Preis und den beiden Ankäufen räumten die Herausgeber mehr Platz ein, so dass dank Grundrissen, Schnitten und verschiedenen Ansichten das fachlich versierte Auge sich ein detailliertes Bild der Raumkonzeption verschaffen kann.

Von der mit 268 Seiten großen Seitenzahl sollte man sich nicht abschrecken lassen, denn fünf Sprachen in einem Buch vereint brauchen einfach Platz. Doch es war zum einen auf alle Fälle die richtige Entscheidung, eine gemeinsame Ausgabe zu veröffentlichen und zum anderen ist es gut, dass auch Nicht-Berliner dank des Buchs die Gelegenheit haben, sich intensiv mit diesem einzigartigen Projekt zu befassen.

Das Haus der drei Religionen. Bet- und Lehrhaus Berlin. Entwürfe für einen Sakralbau von morgen, DOM publishers, Berlin; Hardcover mit Schutzumschlag, deutsch, türkisch, englisch, hebräisch, arabisch, 268 Seiten, über 180 Abbildungen, 48 Euro; ISBN 978-3-86922-260-8

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