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Schwerpunkt: Gesundheit

„Eine Symbiose zwischen Zahnmedizin und Architektur“

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Erste Praxis – erster Preis. Architektin Friederike Schmitz aus München konnte mit ihrer Premiere als Zahnarztpraxenbauerin direkt punkten. Interview: Nils Hille

Foto: Frieda Architekten

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Frau Schmitz, gehen Sie gerne zum Zahnarzt?
Bisher habe ich zum Glück keine schlechten Erfahrungen sammeln müssen. Vor allem ist es aber wichtig, dass die Praxis Vertrauen vermittelt. Somit unterstreicht eine moderne Praxis den Anspruch des Zahnarztes in Bezug auf innovative Behandlungsmethoden.

Wie kamen Sie dazu, so etwas Spezielles wie eine Zahnarztpraxis zu planen?
Die Akquise dafür war etwas unorthodox: Ich hatte vor ein paar Jahren einen Zahnarzt kennengelernt, der eine Praxis eröffnen wollte. Mittlerweile haben wir die Zahnarztpraxis Dentalcarré gebaut, sind verheiratet und erwarten unser erstes Kind.

Foto: Frieda Architekten

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Wie lief das Projekt ab?
Ich konnte es von Beginn an begleiten. Bereits bei der Wahl der Immobilie habe ich die beiden Ärzte unterstützt. In gemeinsamen Besprechungen haben wir erarbeitet, welche Atmosphäre und Wirkung die Praxis auf die Patienten erzielen soll. So sollte diese möglichst hell, freundlich und hygienisch, aber nicht „steril“ wirken. Die Ärzte legen großen Wert wurde auf funktionale Arbeitsabläufe und eine gute technische Ausstattung, während gleichzeitig die Räume eine beruhigende und warme Wirkung auf die Patienten ausüben sollen. Immer wieder fasziniert mich –und ganz besonders bei diesem Projekt aufgrund der kurzen Bauzeit – wie wir aus einer tristen Bürofläche helle, einladende Räume schaffen konnten.

Welchen Anforderungen haben Sie dabei eine besondere Beachtung geschenkt?
Gerade eine Zahnarztpraxis sollte einladend wirken, um Ängste und eventuell Hemmschwellen der Patienten abzubauen. So habe ich das Dentalcarré möglichst offen und transparent entworfen, bei gleichzeitiger Wahrung der Privatsphäre des Patienten während der Behandlung. In der heutigen Zeit, und gerade in einer Stadt wie München, bekommen neben den gesundheitlichen auch die Angebote zur ästhetischen Behandlung immer mehr Gewichtung.

Foto: Frieda Architekten

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Deswegen verdeutlichen Design und Architektur der Praxis das ästhetische Empfinden des Zahnarztes und stellt so eine Symbiose zwischen Zahnmedizin und Architektur her. Und nicht nur optisch wirken Räume auf die Patienten: Im Entwurf habe ich darauf geachtet, das typische Gefühl einer Zahnarztpraxis zu umgehen. So nehmen die Patienten im Wartezimmer die Geräusche der Behandlung nur gedämpft wahr. Sogar klimatisch konnten wir mit Hilfe von Klimasegeln auf ihr Temperaturempfinden eingehen.

Wenn es da soviel zu beachten und zu tun gibt, sind dann Zahnarztpraxen aus Ihrer Sicht ein großer Markt für Planer?
Vor allem die hygienischen Richtlinien werden immer umfangreicher, wodurch es in Zukunft zu einigem Modernisierungsbedarf in deutschen Zahnarztpraxen kommen wird. Wie dieser aus architektonischer Sicht aussehen wird, hängt allerdings vom jeweiligen Praxiseigentümer ab. Denn mittlerweile bieten einige Dentaldepots sehr kostengünstig „Architektur von der Stange“ als Alles-inklusive-Paket zu den bestellten zahnmedizinischen Geräten an. Somit stellt der individuelle, architektonische Anspruch immer zuerst einen zusätzlichen finanziellen Aufwand dar, der sich aber meines Erachtens bei dem gesättigten medizinischen Markt als Alleinstellungsmerkmal immer auszahlen wird.

Foto: Frieda Architekten

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Wie haben Sie auf die Auszeichnung „Deutschlands schönste Zahnarztpraxis“ reagiert?
Wir haben uns natürlich sehr über den Designpreis gefreut. Gerade bei einer Auswahl von über 80 Praxen mit dem 1. Preis prämiert zu werden, zeigt mir, dass die Praxis sowohl bei den Patienten, den Auftraggebern als auch bei einer renommierten Architektenjury großen Gefallen findet.

Was machen Sie bei zukünftigen Aufträgen anders?
Die Leistungsphase „Heirat des Zahnarztes“ kann ich nur einmal vergeben.

 

 

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