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Gebäudeautomation Wohnen

IT-Basis-Infrastruktur wird Standard

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Kategorie-7-Leitungen sind dank ihrer hohen Übertragungsbandbreite eine sichere Investition in die Zukunft des Gebäudes.
Foto: kabelprofi24.com

Die neuen Breitbandanschlüsse der Deutschen Telekom erfordern auch eine IP-fähige Hausverkabelung. Sie bildet zugleich auch die Basis für eine Ausstattung mit Smart-Home-Technologien. Text: Günther Ohland

Auf der Computermesse CeBIT 2014 unterschrieben die Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium Brigitte Zypries und die Wirtschaftsverbände von Industrie, Handwerk und Wohnungswirtschaft die „Gemeinsame Erklärung zur zeitgemäßen informationstechnischen Infrastruktur im Neubau und bei Kernsanierungen“. Diese auch als Verbändeerklärung bekannte Vereinbarung empfiehlt nachdrücklich eine sternförmige Netzwerk-Verkabelung in jedem Haus und jeder Wohnung. Dieses IT-Netzwerk bildet zugleich auch die Basis für eine SmartHome-Ausstattung, die in einem der folgenden Artikel ausführlich behandelt wird.

Wer bisher einen Internetdienst nutzen will, muss sich um den Zugang zum Netz selbst kümmern. Die Wahl musste zwischen einem Telekommunikations-Anbieter oder dem Kabel-TV-Provider getroffen werden. Dieser übergab dem Nutzer eine Anschlussbox – den Internet-Router – und eine Anleitung zur Selbstinstallation. Da nicht alle Menschen gleichermaßen handwerklich geschickt sind, entstanden in den Wohnungen hinter dem TV-Gerät oder in der Nähe des Telefonanschlusses merkwürdige, meist unschöne Kabel- und Plastikbox-Gebilde. Sollten – und das ist noch immer der Normalfall – mehrere Geräte mit dem Internet kommunizieren, wurden die Kabel-Installationen noch abenteuerlicher – es sein denn, man wählte Wireless LAN (WLAN). In größeren Wohnanlagen führt diese Funkverbindung aufgrund der begrenzten Kapazität häufig zu Problemen. Da das Internet und die Vernetzung mit und über das Netz mittlerweile zu unserem Leben gehört wie fließendes Wasser, Strom und Zentralheizung, muss auch die bauliche Infrastruktur der Gebäude diesem Standard entsprechen.

Breitbandanschluss erfordert IP-fähige Hausverkabelung

Die Bundesregierung geht davon aus, dass bis 2018 flächendeckend in Deutschland eine Internet-Bandbreite von 50 Mbit/s und mehr zur Verfügung steht. Unter dem Slogan „Wir bauen das Netzt der Zukunft“ rüstet die Deutsche Telekom deshalb mit Hochdruck das komplette Telefonnetz auf. Damit wird es möglich, Telefon und Fax auf IP-basierte Anschlüsse umzustellen und sowohl auf das ISDN- als auch das analoge Telefonnetz zu verzichten.

Damit stehen dann 50 oder auch 100 Megabit pro Sekunde am Anschlusspunkt im Gebäude zur Verfügung. Und genau hier setzt die Verbändeerklärung an. Auszug: „Bei einer breitbandig angeschlossenen Liegenschaft muss zur Wahrung der Durchgängigkeit der Datendienste eine entsprechende Hausverkabelung auch unabhängig von der Zuführungsinfrastruktur realisiert werden. Damit wird sichergestellt, dass die Infrastrukturbetreiber eine einheitliche Netzinfrastruktur vorfinden und dass die Nutzer auf eine zukunftssichere IT-Versorgung zugreifen können.“ Weiter heißt es. „Innerhalb der Wohnung, der Gewerbeeinheit oder eines Einfamilienhauses hat die Verteilung der Datendienste in alle Nutzräume und gegebenenfalls Technikräume mit einer anwendungsneutralen Kommunikationskabelanlage zu erfolgen, die sowohl für die aktuellen als auch für die künftigen Bedürfnisse eine einheitliche Infrastruktur (analog zur Versorgung mit Elektrizität, Wasser und Heizung) sicherstellt. In jedem Fall sind gängige Leerrohre vorzusehen“. Die Verbändeerklärung stützt sich dabei auf die DIN EN 50173-4:2011-09. Teil 4 enthält diejenigen Festlegungen anwendungsneutraler Kommunikationskabelanlagen, die in Wohnungen in Einfamilien- und Mehrfamilienhäusern anzuwenden sind. Die Norm sollte künftig grundsätzlich bei der Vergabe von Planungs- und Installationsaufträgen als Grundlage herangezogen werden.

Sternförmige Verkabelung als Standard

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Zukunftssicher: Die sternförmige Netzwerk-Verkabelung bildet die Basis für eine SmartHome-Ausstattung und sollte deshalb in jedem Haus und jeder Wohnung installiert werden.

Die Norm empfiehlt eine sternförmige Topologie der Verkabelung. Dazu sind alle genutzten Räume (Wohnräume, Küchen, Hauswirtschaftsräume) mit einer Anschlussdose für das lokale Netzwerk zu versehen. Diese Anschlussdosen sollen zukunftssicher wie die Strahlen eines Sterns mit dem Sternmittelpunkt verkabelt werden. Als zukunftssicher gilt heute eine Verkabelung mit einer Übertragungsbandbreite von 1 GBit/s (Gigabit pro Sekunde) und mehr. Geeignet dafür sind das bekannte Datenkabel der Kategorie 7 oder auch noch der Kategorie 5e oder 6. Alternativ kann die neue, nur zwei Millimeter dünne, Gigabit Plastikfaser verwendet werden. Diese Plastikfaser, auch POF genannt (Polymer Optical Fiber), ist sehr preisgünstig, abhörsicher, strahlungsfrei und unempfindlich gegenüber elektromagnetischen Einflüssen, beispielsweise durch parallel geführte Stromkabel. Außerdem lässt sich die POF-Faser viel einfacher verarbeiten, als Kupferkabel. Es ist absolut unkritisch parallel zu einer NYM-Leitung eine POF-Ader in den geschlitzten Kabelkanal zu legen. Allerdings benötigt der POF-Lichtleiter an den Enden aktive elektronische Bauelemente, um mit den „Kupfer-Anschlüssen“ (RJ45-Stecker) der Router und Endgeräte kommunizieren zu können.

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Kategorie-7-Leitungen sind dank ihrer hohen Übertragungsbandbreite eine sichere Investition in die Zukunft des Gebäudes. Foto: kabelprofi24.com

Theoretisch lassen sich sogar Koaxialleitungen und Telefondraht nutzen, denn auch für diese Technik gibt es passende Schnittstellen, um die sternförmige IP-Verkabelung zu erreichen. Zukunftssichere Bandbreiten sind damit aber nicht realisierbar. Deshalb sollte man diese Möglichkeit nur dann wählen, wenn bei Sanierungen aus baulichen Gründen Datenkabel oder POF nicht verwendbar sind. Möchte man keine Leitungen verlegen, schreibt die Verbändeerklärung die Verwendung von Leerrohren vor. Leerrohre bieten zwar Flexibilität, aber sie sind auch nicht preiswerter als eine POF-Leitung und die Lohnkosten für die Verlegung dürften in etwa gleich sein. Da also kein monetärer Vorteil entsteht, sollte man besser gleich richtig verkabeln.

Mit dem sternförmig verkabelten und IP-fähigen Leitungsnetz wird das bisher übliche Telefonleitungsnetz überflüssig, denn das neue Datennetz übernimmt diese Aufgabe mit. Entsprechend fallen für die neue Infrastruktur nach DIN EN 50174-4, wenn überhaupt, nur geringe Mehrkosten an.

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Zentraler Punkt: Der Ort an dem die sternförmige Verkabelung zusammengeführt wird.
Foto: Günther Ohland

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Gut sortiert: Der zentrale Punkt der Sternverkabelung kann auch im Zählerschrank angeordnet werden.
Foto: Hager

Standortwahl der Schaltzentrale

Als zentraler Punkt sollte man in der Wohnung oder dem Einfamilienhaus /Reihenhaus einen Ort wählen, der von allen Netzwerk-Anschlussdosen per Leitung gut erreichbar ist. Auch sollte dieser Ort von der Netzwerk-Zuführungsleitung (Telecom-/Kabel-Provider) gut erreichbar sein. Es gibt sehr gute Elektro-Zähler- und Schaltschränke, die bereits für die Sternverkabelung ausgerüstet sind. Sie haben sogar eine Halterung für den Router und gegebenenfalls einen weiteren LAN-Switch, sowie Anschlussfelder für LAN-Kabel. Ordentlicher lässt sich ein sternförmiges LAN nicht errichten. Leider sind diese Schränke oftmals im Keller untergebracht. Der Router, der in der Regel auch WLAN-Accesspoint ist, befindet sich damit für WLAN am denkbar ungünstigsten Ort. Häufig ist der Router auch die Basisstation für die (DECT) Schnurlostelefonie. Auch hierfür ist der Standort im Keller meist nicht geeignet. Alternativ biete sich das Erdgeschoss an, zum Beispiel die Abstellkammer.

Günther Ohland ist Fachjournalist und Initiator des Musterhauses SmartHome Paderborn sowie Gründungsmitglied der SmartHome Initiative Deutschland e.V.

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