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Standpunkt

BIM: Digitaler Erfolg

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Die Digitalisierung unserer Arbeit – derzeit vielfach vereinfachend unter BIM eingeordnet – bietet Chancen für eine bessere Kommunikation zwischen Planern, Auftraggebern und Ausführenden. Baukosten und Termine können noch effizienter und unmittelbarer in den Projektablauf integriert werden. Und es zeichnen sich weitere Gebiete ab, auf denen Architekten Kompetenzvorsprünge gewinnen können. Dazu müssen sie bereit sein, bei der fortschreitenden Digitalisierung ihrer Werkzeuge und Methoden innerhalb der Wertschöpfungskette Bau die Meinungsführerschaft zu beanspruchen und auch zu über­nehmen.

Die Bundesarchitektenkammer (BAK) und die 16 Länderkammern sehen selbstverständlich auch die Herausforderungen, die mit der Digitalisierung einhergehen. Diese beleuchtet die BAK-Expertengruppe „BIM“ zum Beispiel in Diskussionen mit Vertretern aus Ministerien, mit Software-Anbietern, mit ausländischen Kollegen und natürlich mit fachkundigen Architekten. Aus diesem Kreis heraus entstand auch das BAK-Handbuch „BIM für Architekten: 100 Fragen – 100 Antworten“ – Auszüge finden Sie hier. Seit es am 5. Oktober vorgestellt wurde, sind schon über 2.000 Exemplare verkauft worden.

Etliche Architektenkollegen aus dem BAK-Expertenkreis sind parallel in der entsprechenden Richtlinien- und Normungsarbeit tätig, sei es beim VDI, beim DIN oder auf der europäischen Ebene. Ergänzend dazu werden juristische Informationen zu Vertragsgestaltung, Leistungsabgrenzung, Honorierung, Urheberrecht und Haftungsfragen bereitgestellt, um die Planungsmethodik BIM verständlich einordnen zu können. Die Broschüre „BIM AKNW“ der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen – siehe Seite 31 – ist ein Beitrag dazu.

Natürlich beobachten wir auch die weitere Entwicklung des Stufenplans „Digitales Planen und Bauen“ des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur. Der Plan ist allerdings auf Infrastrukturprojekte ausgerichtet. Deshalb und umso gespannter erwarten wir die Erkenntnisse des Ministeriums für Umwelt und Bau aus den laufenden eigenen Hochbau-Pilotprojekten: der Deutschen Botschaft in Wien und dem Bundesamt für Strahlenschutz in Berlin. Auch streben wir einen interministeriellen Arbeitskreis mit beiden genannten Häusern und dem Wirtschaftsministerium an, um das Thema Digitalisierung für unsere Arbeitsbereiche beim Planen und Bauen abgestimmt weiterentwickeln zu können.

Der Vorstand der BAK hat mit Start zum Jahresbeginn ein neues Referat „Digitalisierung“ in der BAK-Geschäftsstelle geschaffen, das die berufspolitischen, rechtlichen, technischen und wirtschaftlichen Fragen bearbeitet. Hier wird es aber nicht nur um BIM gehen, sondern um vielfältige weitere Themen wie Smart Citys, Internet der Dinge oder Robotik. Es soll unseren Berufsstand frühzeitig und koordiniert in den voranschreitenden digitalen (Stadt-)Planungsprozessen verankern. Wir sind überzeugt, dass wir so unserem Auftrag der Selbstverwaltung des Berufsstands gerecht werden.

Es geht um die Qualität unserer täglichen Arbeit, es geht um unsere (zukünftigen) Berufs- und Tätigkeitsbilder und es geht um die Planenden in den mehrheitlich kleinen und mittelgroßen Büros. Es geht auch um den beruflichen Nachwuchs sowie um die Erwartungen der Auftraggeber.

Vor diesem Hintergrund beanspruchen wir Architekten aller Fachrichtungen und Stadtplaner die Meinungsführerschaft bei der weiteren Digitalisierung.

Martin Müller ist als Vizepräsident der Bundesarchitektenkammer auch für Fragen der Digitalisierung zuständig.

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3 Gedanken zu “BIM: Digitaler Erfolg

  1. BIM – Architekten aufgepasst!
    Es reicht nicht, die Entwicklung des Stufenplans „Digitales Planen und Bauen“ zu beobachten, einen interministeriellen Arbeitskreis anzustreben und die Herausforderungen der Digitalisierung mit Vertretern aus Ministerien, Software-Anbietern und Kolegen zu beleuchten, wenn man Meinungsführerschaft beansprucht. Der BIM-Zug ist längst aus dem Bahnhof herausgefahren. Verbände, Vereine, Arbeitsgruppen, Hersteller, Baufirmen etc. formulieren Standards und schaffen Tatsachen. Die Architekten sind dabei, den Anschluss zu verlieren und sich ein weiteres Hoheitsgebiet von fachfremden Spezialisten streitig machen zu lassen. Wer seinen Mitglieder noch die Bedenken vor der Digitalisierung nehmen muss, gehört bald zum alten Eisen.

  2. Das Arbeiten mit der BIM-Methodik bedarf eines völlig neuen Planungs- und Kooperationsansatzes, als bisher in einem herkömmlichen Planungsablauf üblich. Diese neue Herangehensweise ist sicherlich eine Herausforderung, hat sie doch sehr viel mit Offenheit und Transparenz zu tun. Und es geht dabei nicht darum, „besser“ zu planen oder um das Fachwissen der Ingenieure. Wir können gut planen und bauen. Es geht vielmehr um das Ineinandergreifen der Fachdisziplinen, aller Beteiligten und der einzelnen Planungsschritte. Es geht um das Beherrschen von Komplexität. Da wo wir bisher „Schnittstellen“ der einzelnen Fachdisziplinen gesehen haben, sollten wir in Zukunft auf „Nahtstellen“ treffen. Ein getrennt voneinander Arbeiten in „Silos“ muss endlich der Vergangenheit angehören! Dieser „kulturelle Wandel“ hin zu einem stärkeren Miteinander auf der Grundlage von Offenheit und Transparenz ist wohl die größte Hürde, die zu nehmen ist. Ist dieser „Schalter im Kopf“ aber einmal umgelegt, so wird jeder ganz individuell für sich erkennen, dass die BIM-Methodik viele persönliche Vorteile bringt.
    Es wird für uns Architekten und den Hochbau insgesamt sehr interessant sein zu verfolgen, wie das Bundesbauministerium das Thema BIM aufnehmen wird. Denn selbst wenn der Stufenplan „Digitales Planen und Bauen“ des Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur den Hochbau in nächster Zeit wegen seiner aktuellen, auf Infrastrukturprojekte ausgerichteten Fortschreibung wohl weniger berücksichtigen wird, so darf doch nicht vergessen werden, wie allgemein gefasst die Grundlage für diesen Stufenplan des BMVI war. Die vorbereitende Arbeit von planen-bauen 4.0, mit ihren Workshops und Diskussionen im Expertenkreis, war nicht nur auf Infrastrukturprojekte ausgerichtet, sondern umfasste auch den Hochbau. Dieser Endbericht wurde mit einem nicht unwesentlichen Beitrag von Architektenseite erarbeitet. Er stellt deshalb weiterhin eine gute Grundlage dar, die nächsten Schritte für den Hochbau zu diskutieren und einzuleiten. Die Schaffung eines Referats „Digitalisierung“ bei der Bundesarchitektenkammer ist in diesem Zusammenhang sehr zu begrüßen und die richtige Plattform dafür. Die Digitalisierung wird in naher Zukunft nicht nur die Prozesse des Planen, Bauen und Betreibens markant beeinflussen, sondern darüber hinaus auch die berufspolitischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, in denen sich unser Berufstand entwickeln wird. Im weiteren Diskurs wird es deshalb sehr wichtig sein, immer die Stärkung unseres Berufstandes im Auge zu behalten und die Rolle der Architekten als Generalisten, mit einem umfassenden Verständnis für die Digitalisierung in der Wertschöpfungskette Bau.

  3. Daniel Mondino sagte am 24. Januar 2017 um 10:36 :
    „Es geht vielmehr um das Ineinandergreifen der Fachdisziplinen, aller Beteiligten und der einzelnen Planungsschritte“: ergo dreht es sich um eine Managementaufgabe, die zu lösen ist.

    „Es geht um das Beherrschen von Komplexität“ : Komplexität kann nicht beherrscht werden. Mit Komplextiät kann richtig oder falsch umgegangen werden. In dem Zusammenhang sollte in Bezug auf die Beurteilung der Möglichkeiten des BIM die Grenze der Berechenbarkeit unter Komplexitätsbedingungen nicht übersehen werden (Bremermannsches Limit als oberste Grenze der physisch möglichen Informationsverarbeitung in Höhe von 2*10hoch47bit/g/sec.).

    Folge von Komplexität ist Varietät als Maß für die Anzahl der potentiell möglichen unterscheidbaren Zustände , die ein System aufweisen oder aufgrund seiner Struktur entwickeln kann. Diese Eigenschaft von Komplexität gilt auch für Planungs- und Bauprozesse und macht deren Management einerseits schwierig, andererseits erst möglich. Denn nur nach Überschreiten einer Minimalgrenze für Komplexität lassen sich die für Effektivität und Effizienz wichtigen Systemeigenschaften wie Selbstorganisation, Selbststeuerung, Erneuerung, Reparation und Stabilität entwickeln.

    BIM kann ein ausgezeichnetes Werkzeug sein, um genau diese Eigenschaften in Planungs- und Bauprozessen zu entwickeln und aufrecht zu erhalten. Vereinbarte Zielsetzungen können unter Komplexitätsbedingungen – die prinzipiell an jeder Baustelle herrschen – mit viel höherer Präzision erreicht werden. Das IT-getriebene Grundverständnis der BIM-Entwicklung kann aber auch genau zum Gegenteil führen, wenn zum wiederholten Male auf Berechenbarkeit bzw. Umgang mit „genau“ berechneteten Modellen gesetzt wird – siehe Netzplantechnik Ende der 1960er Jahre.

    Es ist sicherlich ehrenwert den Anspruch zu formulieren, dass Architekten aller Fachrichtungen und Stadtplaner die Meinungsführerschaft bei der weiteren Digitalisierung für sich beanspruchen. Aber um ihn durchzusetzen sind m.E. Kompetenzen notwendig, die auf dem Gebiet der systemorientierten Managementwissenschaften liegen, denn es geht – siehe oben – um zu lösende Managementaufgaben unter Komplexitätsbedingungen.

    Daniel Mondino: “ Im weiteren Diskurs wird es deshalb sehr wichtig sein, immer die Stärkung unseres Berufstandes im Auge zu behalten und die Rolle der Architekten als Generalisten, mit einem umfassenden Verständnis für die Digitalisierung in der Wertschöpfungskette Bau“.

    Die Rolle des Generalisten besetzten Architekten in aller Regel als Urheber von Ideen, Entwürfen, Planungen und im besten Falle auch durch die Bauleitung. Das umfassendes Verständnis für Digitalisierung im Sinne einer tiefen Durchdringung der technischen Optionen bis hin zum 3-D-Druck kann m.E. nur wenigen Experten vorbehalten sein.

    Es wird m.E. für die Zukunft entscheidend sein, dass sich Architekten sehr schnell mit den Managementpotentialen der Digitalisierung vertraut machen, diese für sich nutzen und dabei den Status des Generalisten der Wertschöpfungskette konsequent mit komplexitätsgerechten Management- und Kommunikationswissen weiterentwickeln.

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